Miteinander – ein Intermezzo (42)

medihi2 jeans hintern Mies-Vandenbergh-Fotografie

Mies-Vandenbergh-Fotografie

Warum dreht sich so viel um die Äußerlichkeiten der Menschen, und so viel weniger um die eigentlich bedeutsamen Belange unter den Menschen. Wenn mir diese Frage in den Sinn kommt und ich sie an dieser Stelle, so mag der aufmerksame Leser mit berechtigter Verwunderung feststellen, dass ich mich gerade hier den Äußerlichkeiten widme, und die Bedeutsamkeiten dazu noch ausblende.

Doch wie im richtigen Leben sende ich hier einen Ausgleich dazu, nämlich dieses Intermezzo! Beginnen möchte ich dabei mit der Festlegung, was überhaupt zu den Belangen neben, bzw. weit vor dem Äußerlichen zu zählen ist. Worauf kommt es im Leben an?

„Glaube, Liebe, Hoffnung, die Liebe aber ist die größte unter ihnen… .“ So stand es neulich in einer älteren Schrift.

Folge ich dem, – und ich behaupte, das tue ich – so wie die meisten Menschen es mehr oder weniger bewusst tun, so finde ich leicht Bedeutsames im Leben. Die Liebe als erstes. Vertrauen, Achtung, Empathie, Fürsorge, Mitmenschlichkeit, ich könnte sicher noch viele Eigenschaften, Empfindungen und Verhaltensweisen finden. Ich möchte mich im Weiteren damit beschäftigen, warum es darauf ankommt, überhaupt so zu sein, mit dieser Vielzahl von überlebenswichtigen „Zutaten“ zum Leben ausgestattet zu sein und sie vorzuleben. Erneut von der Voraussetzung ausgehend, dass der Mensch ein zutiefst soziales Wesen ist, und „sozial“ gleich den Menschen zu einem kommunikativen Wesen macht, so kommt es letztendlich auf die Form der Kommunikation an.

In den Medien ist  von einer immer weiter zunehmender Egozentrik zu hören. Im Fernsehen lief neulich auf ZDF NEO eine Folge der Sendung „Bambule“, die sich mit diesem Phänomen auseinandersetzte. „Warum ist der Mensch immer egoistischer?“ Es war zu hören, dass in den allgegenwärtigen Medien immer die Rede von Selbstverwirklichung die Rede ist, frei nach dem Motto: „Tu Dir etwas Gutes“. Dieser andauernde Beschuss mit Aufforderungen derart soll mit dazu beitragen, dass die Menschen immer mehr nur an sich selbst denken. Politiker wurden befragt, was sie davon hielten, und diese bestätigten mehr oder weniger diesen Trend, den es jedoch umzukehren gälte.

Diesen Trend zu unterbrechen versuchen immer wieder einige Menschen. Auch in o.g. Sendung wurde darüber berichtet. Ich kann dazu in meinem Biotop wildern. Die Menschen in diesem Umfeld zeigen mir ein Bild, das ich erkennen kann, wenn ich hinsehe. Gefiltert durch meine rosarote Brille komme ich zu Feststellungen, die ich hier als Anregung von mir geben möchte:

Es ist noch nicht alles verloren. Wenn ich auf die Menschen zugehe, ihnen weitergehende Vorschusslorbeeren zugestehe, ihnen offen Vertrauen entgegen bringe, so ist dies ein Weg, auf dem ich gute Erfahrungen gemacht habe. In meiner Kommunikation verhalte ich mich so, dass ich nicht unter der Prämisse des drohenden Verlustes von Gefühlen in mir auf den Anderen zugehe. Ich gehe also vom Guten aus! Selbst, wenn ich manchmal etwas Gutes gegeben habe, eine Hilfe, oder eine Tat, die dann nur genommen wird ohne sie gleich zu erwidern oder weiter zu geben, so meine ich dennoch einen Anstoß gegeben zu haben, Gutes zu tun.

Zurück zur Notwendigkeit der Innerlichkeiten. So, wie unser Äußeres einem stetigen Wandel unterzogen ist, so ist es auch unser Inneres. Es ist für mich schön anzusehen, wenn ein Mensch ein attraktives Äußeres mit sich bringt. Was genau es ist, liegt in meinem Ermessen, ich mag zum Beispiel bei einer Frau viel lieber die verwuselten Haare nach dem Aufstehen als die zurechtgemachte Frisur. Ebenso mag ich auch die offene Frage nach dem Befinden viel lieber als die vorgefertigte Überzeugung in einem Vorurteil verpackt. Was ich damit ausdrücken möchte ist die Tatsache, das dem offenen, fragenden Menschen viel eher Verständnis für Beständigkeiten und vor allem Unbeständigkeiten zukommt, als dem Wesen mit eingemeißelten Richtlinien. Kategorisch sein heißt für mich, ein in Kategorien eingebranntes Denken und Fühlen auf die Vielfalt des Menschen und seiner Gefühle anwenden zu wollen, ohne dass dieser Mensch die Chance bekäme, ein Stück weit er selbst zu sein, so zu sein, wie er ist, geschweige denn als er erkannt zu werden. Offene, von Vorurteilen befreite Kommunikation ermöglicht in meinen Augen überhaupt erst eine Kommunikation. Doch das könnte eine Büchse der Pandora sein. Wir Menschen hätten uns wieder mit dem anderen Wesen in unserer Gemeinschaft zu beschäftigen, wir fänden womöglich eine Bereitschaft in uns wieder, etwas für den anderen Menschen zu tun, obwohl wir dafür keine direkte oder indirekte Gegenleistung erhielten. Diese Veränderung in diesen Innerlichkeiten möchte ich erzeugen. Ziehen wir uns um! Ziehen wir die Kleidung der Offenheit an. Wir verändern uns optisch ständig weiter, wir altern. Wir verändern uns auch innerlich. Wenn wir reflektieren, können wir weise werden, wenn wir es zulassen. Hängen wir aber dem Bild der Gegenwart nach, so verpassen wir wahrscheinlich den wichtigen Abzweig zum Weg der bewussten Mitmenschlichkeit in unserem Miteinander.

Selbsterkenntnis und Selbstverwirklichung sind für mich dabei nicht die unüberwindbaren Hindernisse auf dem Weg zu mehr Füreinander. Im Gegenteil, ich sehe sie als Stege. Ich meine, dass ein Mensch, der sich selbst gefunden hat, von diesem Ruhepol aus ganz entspannt auf einen anderen Menschen zugehen kann. Er weiß damit, wo er selbst ist, und muß nicht Sorge tragen, von einem anderen Menschen in ein Bild gedrängt zu werden, das ihn nicht wieder gibt. Fällt diese Sorge weg, so kann sich die Beziehung zum anderen Menschen in ihrer Kommunikation dem Inhalt und dem Ziel der Kommunikation selbst widmen, ohne sich um Standortfragen und Befindlichkeiten der eigenen Seele immer im Kreise zu drehen. Wir kommen dann gemeinsam weiter!

Zur eingangs gestellten Frage nach dem Grund der Notwendigkeit mitmenschliche Eigenschaften kann ich resümieren, dass der Mensch als soziales Wesen als solches wahrgenommen, respektiert und vor allem geliebt werden will. Dazu ziehen wir uns schöne Kleidung (Jeans🙂 ) an und sind „NETT“. Begreifen wir erst, das durch „geben“ unsere Bedürfnisse viel eher erfüllt werden, so ändern wir unsere Gesellschaft vielleicht so maßgeblich, dass nicht weiterhin nur Geld zählt.

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