Der weiße Wolf – Guardian of the Elves

Fotoshooting Mayen Koblenz Portrait tfp

Fotografie als Flucht aus dem Alltag?

Kann meine Fotografie eine Suche nach dem Schönen sein, weil mich das schnöde Alltägliche alltäglich umgibt? Bedeutet das Erstellen eines Lichtbildes eine Identifikation mit der Idee des Inhalts? Für mich gibt es im Alltäglichen viel Schönes! Der morgendliche rote Himmel, so gestehe ich hier, fasziniert mich nach all den Jahren noch immer. Gleichsam die blühende Wicke an des Nachbars Gartenzaun mich mit ihren Blüten jedes Jahr auf’s neue bezaubert.

Bilder bestimmter Machart erfreuen mich, wenn ich sie betrachten darf. Das ist ganz unabhängig davon, wer sie fertigte. Öffne ich das weltweite Netz, suche die entsprechenden Quellen auf, blättere in ihnen, finde dabei immer mal wieder ein Bild, das mich zum verweilen einlädt, so mache ich das sehr gerne. Früher suchte ich andere Marktplätze auf. Eine Buchhandlung, zum Beispiel, oder eine Bücherbörse, den Berliner Buchmarkt am Bodemuseum, den Düsseldorfer Trödelmarkt am Aachener Platz oder die Bouquinisten am Pariser Seine Ufer.

Ob es dann ein Bildband von David Hamilton, eine Ausgabe der französischen Zeitschrift „Lui“ oder der „Photographie“, sogar hin und wieder eine Ausgabe der Modezeitschrift „Marie Claire“, ein Buch von Andreas Feininger oder Michael Gnade war, das mich inspirierte, es war fast immer etwas gedrucktes. Diese Bücher besitze ich noch heute und sehe manche davon immer wieder mal durch.

Diese Quellen der Inspiration existieren weiter, nur das www macht es einem vermeintlich leichter, mal eben so, nebenher, wo auch immer, wann auch immer, sein Smartphone, Tablett oder Rechner zu aktivieren, und „Bildchen“ zu gucken. Unzählige Plattformen buhlen um unsere Aufmerksamkeit. Ob Pinterest oder WeHeartIt als Kataloge, ob Flickr oder 500px als Fotoalben der Fotografierenden, ob Facebook oder Google+ als Social Media Fotoansammlungen oder Fotocommunities wie die fc oder Instagram, überall können wir Bildchen angucken, noch und nöcher. Instagram schafft es dabei sogar verschiedene Konzepte auf einfache und sinnvolle Weise zu verbinden, das nicht mal schlecht, wovon die fc noch meilenweit entfernt ist.

Doch warum schrieb ich oben „vermeintlich leichter„? Es geht tatsächlich um etwas Dramatisches. Man könnte es unter dem Begriff „Schule des Sehens“ erfassen. Ein Foto, das in ein Buch aufgenommen wird, durchläuft gemeinhin einige mehr oder weniger strenge „Filter“. Ob und wie sinnvoll diese sind, welchem Zweck sie dienen und ob sie stets gerechtfertigt sind mag hier als nebensächlich abgetan werden. Allein die Anwendung dieser Filter führte dazu, dass meist eine gewisse Qualität der Bilder zu erkennen war. Das ist im www deutlich anders. Jeder, auch du und ich, kann jedes Bild veröffentlichen. Ungeachtet jedweder Güte oder Idee hinter einer Fotografie kommt alles für jedermann und jederzeit verfügbar an die Öffentlichkeit.

Der Mensch ist grundsätzlich und in erster Linie ein zutiefst visuelles Wesen. Unser Sehsinn ist die stärkste Kraft unserer Sinne. Sie löst die intensivsten Emotionen aus und sie ist es auch, die, durch unsere angeborene Neugier, die überhaupt erst eine Entwicklung des Menschen ermöglichte, immer nach neuen Eindrücken sucht. Zeigt sich dem Menschen immer das gleiche Bild vor Augen, so kommt es zu einem unvermeidlichen Automatismus: wir sehen es irgendwann nicht mehr.

Und hier liegt die Krux: Die Schule des Sehens läuft immerzu fort und die Inhalte, der Lehrstoff, der uns Schülern des Lebens geboten wird, entscheidet über unsere Bildung und Zukunft. Wie viele Fotos scrollen wir durch, nehmen wir wahr, sortieren wir aus, um solche zu finden, die uns ansprechen? Was passiert mit uns, während wir all jene Bilder durchblättern, jene hunderte auf all den oben genannten Plattformen und anderen nichtgenannten, die wir vielleicht täglich besuchen; checken, ob neues gepostet wurde und klicken auf Links, über die wir benachrichtigt wurden, dass etwas neues online ist?

Wie verändert sich deine Wahrnehmung, in welcher Klasse der Schule des Sehens bist du angekommen?

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Wohin Du gehst. (Teil 3)

Sinn und Zweck meiner fotografischen Arbeiten ist der Ausdruck eines Lebensgefühls zu einer definierten Zeit.

Es kommt auf den Anspruch an. Mit Realität, einer Dokumentation oder Wiedergabe von Ausschnitten aus Leben hat Schnittmengen, was ich kreiere. Ein Portrait aus dem Jahre 1981 und eines aus 2017 liegen noch immer vor mir. Die Bilder scheinen sich so ähnlich. Es liegen 36 Jahre zwischen den beiden Abbildungen.

Im Laufe der Zeit, im Laufe der Jahre, in denen man in einer beliebigen Kunstrichtung -die Fotografie ist für mich eine davon- sein Werk nach und nach vervollständigt oder ausbaut, obliegt es dem bildenden Künstler, einen Ausdruck dessen zu finden, was in ihm wohnt. Beim Gemälde wie bei einer Skulptur, als zwei Beispiele der schaffenden Künste, findet eine Zwiesprache statt, die so manche weitere Dimension besitzt.

Ein Beispiel aus der Malerei, Zeichnung oder Grafik: Es ist zunächst das Material, welches aufgetragen wird. Es wird auf ein Medium aufgetragen. Fertiggestellt, präsentiert als Werkstück, Bildnis wird es in einer hellen oder dunklen Umgebung an einem ausgewählten Ort ausgestellt, in einem Rahmen oder ohne selbigen, vielleicht auf einem Bildschirm? Es wird so oder anders dem Betrachter dargereicht. Dieser kann sich, seine Empfindungen sowie seine Gedanken diesem Werkstück stellen.

Eine Skulptur -als Beispiel aus der Bildhauerei- besteht aus einem bestimmten Material wie z.B. Holz, Bronze oder Alabaster. Daraus wird eine Form ausgearbeitet, alles, was nicht zur Idee dieser Form gehört, was sozusagen stört, als störend empfunden wird, wird entfernt. Diese Form erhält eine bestimmte Oberfläche, vielleicht rauh, vielleicht poliert. Sie wird abschließend in einer genau bestimmten Umgebung dem Betrachter präsentiert. Vielleicht wird dort die Form in gleißendem Licht betont oder in schummerigem Dunkel die Phantasie angeregt, bei dem die Aussage des Werks ein geheimnisvolles Unterbewusstsein anspricht.

Und wie ist es bei einer Fotografie, die ein einzelnes Kunstwerk darstellen soll? Ist es überhaupt ein einzelnes Bild, das ein Kunstwerk sein kann oder ist es nur im Gesamtwerk ein Kunstgegenstand, weil die Halbwertszeit einer Fotografie inflationär scheint? Monitär gesehen existieren genug Beispiele für Fotografien, ob bearbeitet oder nicht. Sie erzielten immense Summen auf Auktionen. Was aber ist mit den Bildern, die dies nicht erreichen, egal ob von bekannten und anerkannt guten Fotografen wie zum Beispiel Alessio Albi oder Emily Soto oder unbekannten aber begabten Fotografen mit einem kleinen Wirkungskreis? Ist dann als Ziel der Bildband zu nennen, dessen schnöde Verkaufszahlen über Erfolg und Güte urteilen dürfen? Ist es eine Internetpräsens, die eine möglichst große Zahl von Followern generiert (man denke hier an Instagram, wo über Mechanismen, die gegen Bezahlung vielen tausend Teilnehmern für kurze Zeit gefolgt wird in der Hoffnung, es bleiben über Followback möglichst viele hängen….), über die sogar ein Vertrieb verschiedener Fotos läuft? Ab wann ist eine Fotografie ein Bild und ab wann ist ein Bild ein Kunstwerk? Überhaupt stellt sich die Frage, für wen kann ein Bild ein Kunstwerk sein.

Fotografie spielt mit vielen Sinnen. Gefühle, Emotionen, Erwartungen können verstören, provozieren, berühren und begeistern. Reichweite möchte ich an dieser Stelle bewusst ausklammern. Viele Schätze fristen ihr dasein im Verborgenen. Fotografen und ambitionierte Laien bringen -meiner Meinung nach- oftmals wahre Kunstwerke zutage, die in der Weite des www unterzugehen scheinen, vielleicht niemals entdeckt werden. Aber darum geht es nicht einmal. Sollte es nicht vielmehr um den Künstler selbst gehen, der sein Werk zuerst erschafft, anschließend sieht, im einzelnen sowie im Gesamtwerk und für sich erkennt, wie weit es gediegen ist, wie weit es ihm gelang, diesem inneren Gefühl den Ausdruck zu verleihen, der ihm innewohnt?

Wohin Du gehst. (Teil 2)

Fotoshooting Portrait tfp Koblenz Mosel Eifel

„Wenn ich fotografiere, dann tue ich das, um etwas auszudrücken.“, sagte unlängst eine befreundete Fotografin zu mir. Ich wollte beipflichten, dachte noch einen Moment nach und fragte vorerst ohne zu antworten zurück: „Zumindest dann, wenn es Dir um bewusste Aufnahmen geht, die Du um ihrer selbst anfertigst, die Du fotografierst, um einer Idee, einem Gefühl Ausdruck zu geben?“ Sie überlegte einen Moment und entgegnete mir:

„Was glaubst Du sehe ich, wenn ich ein Bild im Kopf habe, das ein Gefühl ausdrücken könnte? Eine Idee, welche ich gerne in ein Bild transportieren möchte, das ich danach plane und aufnehmen möchte?“ Wir sprachen noch etwas länger darüber. Mich brachte es einige Tage darauf noch immer ans Denken.

Ich betrachte zwei meiner Bilder. Ein Bild, das ich vor Jahrzehnten aufgenommen habe und eines, das erst ein paar Wochen alt ist. Bei beiden Bildern handelt es sich um ein Portrait. Auf beiden Bildern bat ich die jeweilige Person einem Gefühl Ausdruck zu geben, das ich mit Worten wie melancholisch und vertraut, unnahbar und frei, verloren und aufrührerisch umschrieb. Das ältere der beiden Bilder erinnert mich ganz deutlich an den damaligen Moment, als wäre es gestern gewesen, jenen Augenblick der Aufnahme, und den Menschen in diesem Moment. Das Neuere ist noch ganz bewusst.

Sagt es nun etwas aus, wenn sich die Ideen hinter den beiden Aufnahmen sehr ähnlich anfühlen? Was meint es, wenn sich in all den Jahren die Suche nach DER Aufnahme vermeintlich immer noch ähnelt? Ist es noch immer die Sehnsucht nach einer besonderen Art der Darstellung, die einem tief innewohnenden Gefühl Rechnung tragen will?

Vielfach wird von einer stetigen Entwicklung im Werk eines kreativen Menschen gesprochen. Abgesehen von der Steigerung der technischen Qualität, die teilweise an der Ausrüstung, vor allem aber der Beherrschung der Möglichkeiten aller Werkzeuge liegt, bedeutet für mich die Entwicklung in meiner Fotografie eine gefühlt immer „richtigere“ Wiedergabe der Emotion, die meine Idee und der Idee des Menschen vor der Kamera meint.

Da sich die eigene Wahrnehmung im Laufe der Zeit immer wieder verändert, verändert sich auch die Art der Arbeit. Wie erklärt es sich, dass eine Arbeit von vor vielen Jahren problemlos in die Gegenwart übernommen werden kann? Ein Bild bringe ich fast unauffällig ins Portfolio und nur wenigen fällt es auf. Kann es eine Frage des Stils sein? Kann es sein, dass es sich auf die Idee und die Verwirklichung dieser Idee bezieht? Kommt man nach vielen Ausflügen in andere Genres, in andere Arten der Abbildung immer wieder zurück zu dem, was einen wirklich bewegt? Das könnte der Lösung recht nahe kommen. Abschließend möchte ich das in Teil ⚂ beantworten.

Wohin Du gehst. (Teil 1)

Fotoshooting Koblenz tfp Portrait Fotograf

Was sehe ich? Was will ich sehen. Warum?

Mit einigen Jahrzehnten Lebenserfahrung hat der Mensch vieles gesehen. Dinge wiederholen sich beständig, Neues wird zunehmend weniger. Unabhängig davon erhalten sich die Menschen mehr oder weniger von ihrer ursprünglichen jugendlichen Begeisterungsfähigkeit. Es ist überall und allgemein die Rede davon, dass sich die Mehrheit der Menschen mit zunehmender Erfahrung und Kenntnis des Lebens immer weniger für ihre Impressionen in der Alltäglichkeit begeistern können, ja dass es gerade die einfache Aufmerksamkeit an sich ist, die eine scheinbar immer höhere Schwelle hat, ab der diese Dinge des Lebens in das Bewusstsein des Beobachters treten.

Was aber geschieht, wenn dies plötzlich bewusst wird? Kann es einerseits nur zum Teil bewusst werden und man setzt diesen Part vollständig in Beziehung zu sich selbst, oder auf der anderen Seite durchschaut man die Situation ganz und gar, und dennoch reagiert man danach nur partiell, mindestens aber in vermindertem Maße darauf und lässt den Rest einfach nur geschehen?

Wie setzen wir diese Sichtweisen in Beziehung zu unserem sozialen Umfeld? Gilt eine Person, die sich an vermeintlich kleinen Dingen des Lebens erfreut als infantil? Orientieren wir uns vorsichtshalber an einem gemeingültigen Usus, um nicht eine Wahrnehmungsstörung bei unseren Mitmenschen auszulösen, die uns folglicherweise ein Stück weit von der Gemeinschaft isolieren könnte? Ist es ein Bild der Gesellschaft, das sich nur deshalb so abzeichnet, weil sich gerade jeder so verhält, wie er meint, dass es erwartet würde und dass wir eine viel offenere Gemeinschaft bilden könnten, würden wir uns mehr so verhalten, wie wir tatsächlich sind? Klar, oder?

Nun zur eingangs gestellten Frage. Was möchte ich sehen? Ich fotografiere. Seit fast 40 Jahren. (Viele meiner Leser sind nicht einmal so alt 😊. Wobei das Alter nur relativ ist, viel wichtiger ist ein Verständnis über eine Sache oder ein Gefühl und dabei kann ein junger Mensch durchaus weiter sein als ein älterer.) Ich kann die Bilder betrachten, die ich einst im Keller noch selbst entwickelt und vergrößert habe und sie neben jene halten, die an meinem 4K Monitor flimmern. Wo ist der motivische Unterschied? Ist da tatsächlich einer vorhanden? Du kannst es nicht sehen, du sitzt nicht hier neben mir und schaust. Dir fehlte natürlich die Erinnerung an die Situation von damals und heute, doch du sähest als Unbefangener die puren Bilder, den Ausdruck der Menschen und den Moment im Bild, du spürst die Wirkung der Aufnahmen auf dich und die Empfindung, die jedes einzelne der Bilder in dir auslöst.

Die gleiche Frage stellte sich vielleicht einst dem Maler, der im hohen Alter noch das Portrait der jungen Herzogin zeichnete und sich an seine Anfänge erinnerte, zu denen er die Großmutter der jungen Herzogin in gleichem Alter zeichnete. Was ist der Unterschied im Motiv, wenngleich seine Technik sich sicher meisterlich entwickelte? Aber das Motiv? Bis heute ein Portrait mit möglichst positiven Eigenschaften?

So ist die spannende Frage nicht zu beantworten und sie verlangt nach einer differenzierteren Fragestellung. Nur so komme ich einer Auflösung näher. Das folgt in Teil ⚁.

Persönlichkeit?

fotoshooting koblenz portrait

Kann ein Bild authentisch sein? Ich denke, es gibt kein nicht-authentisches Bild. Klar, für ein Bild verstellt sich so mancher in seiner persönlichen Wahrnehmung. Ich achte mehr auf mich, meine Haltung, mein Ausdruck, meine Kleidung, wo ich mich befinde, und, und, und. Auch der Fotograf Corwin von Kuhwede drückt sich im Buch „Das authentische Portrait“ in diesem Sinne aus. Aus vielen Gründen könne es kein authentisches Portrait geben. Die Kamera wählt stets einen Ausschnitt aus der Szene. Niemals erfasst sie die ganze Szenerie. Sie hält den Moment fest, weiß nicht, was Sekunden vorher geschah, ahnt so wenig wie wir, was gleich geschehen wird und nicht, was Nanometer weiter links und rechts, oben und unten, oder davor und dahinter geschieht. Meistens.

Ob ein Bild eines Menschen authentisch ist oder nicht kann vielleicht der Betrachter entscheiden. Denn das, was an einer Bildaussage in diesem Bild transportiert wird, kann nur als eine Botschaft im Sinn des Betrachters verstanden werden. Sicher legt der Fotograf seine Idee der Aufnahme in das Bild, oft mehr, als der Mensch vor der Kamera, aber was beim Betrachter ankommt, ist vielleicht entscheidend.

So ist für mich jedes Bild authentisch (wenn nicht durch Bildbearbeitung verändert!), auch dann, wenn der Mensch vor der Kamera sich verstellt, verbiegt, versteckt. Es ist immer noch der Mensch, der sich zeigt, abgebildet vor dem Fotografen, in einem Moment, in dem er sich so verhielt, wie auf dem Bild, mit der Aussage, die in dieser 1/320 s festgehalten werden konnte. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Meine ich. Was denkst Du?

Deine Aufmerksamkeit

Wie unterscheidet sich ein Bild vom anderen Bild? Was macht ein Werk, eine Reihe, ein Portfolio für dich interessant? Was spricht dich daran an? Wie bist du auf das Werk aufmerksam geworden?

Wir alle werden von unzähligen Fotografien geradezu überflutet – hauptsächlich, wenn wir uns im Internet bewegen. Aber auch in anderen Medien begegnen wir Bildern auf Schritt und Tritt, ob in Printmedien oder im Fernsehen, ob als Werbeaufnahmen im öffentlichen Raum oder auf der Produktverpackung.

Ein paar Zahlen: Jeden Tag finden ca. 6 Milliarden Bilder den Weg ins www. In einer Woche werden 1,75 Mrd. Fotos auf Facebook geteilt. Das sind in jeder Sekunde circa 3000 Fotos, oder 259 Millionen Fotos am Tag.

Im Jahr 2013 waren es geschätzt bereits rund 1,2 Milliarden Fotos pro Tag. Nun also nahezu versechsfacht?

Weltweit nutzen mehr als 400 Millionen Menschen Instagram. 9 Millionen davon von Deutschland aus. Aktuell werden täglich bei Instagram weltweit 80 Millionen Fotos eingestellt. Insgesamt sind auf der Plattform mehr als 40 Milliarden Bilder gespeichert, so Internet World im Januar 2016.

Soweit die Zahlen. Wie gehst du an die Sache heran? Schaust du dir Fotografien im Netz an? Suchst du gezielt danach? Kaufst du dir Bildbände von Fotografen oder über Themen der Fotografie? Nutzt du Gruppen in verschiedenen Online-Netzwerken? Folgst du auf Instagram einigen Collector-Sites wie z.B. Portraitfeature, Portraitmood oder PortraitPage? Hast Du Lieblingsseiten von Fotografen oder folgst Du verschiedenen Blogs?

Auf der anderen Seite steht die Frage, wie du deine Fotografien, wenn du sie veröffentlichst? Auf Social Media Kanälen oder deiner Homepage, oder beides und mehr? Fotopräsentationsseiten wie 500px oder Flickr, fc oder Pinterest zeigen in vielfältiger Form unzählige Genres der Fotografie, manche bequem über Suchfunktionen oder auch nach Themen oder Unterthemen geordnet. Die Möglichkeiten erscheinen geradezu unendlich, es ist nur die Frage, wo bewegst du dich, welchen Aufwand betreibst du neben der eigentlichen Aufgabe, deiner Passion für dein Wirken.

Und wie steht es mit der Aufmerksamkeit für deine Präsentationen? Was denkst Du wird bleiben von deinem Schaffen? Was wird transportiert von deiner Idee und deinem Statement in deinem Wirkungskreis? Hast du überhaupt einen Anspruch? Für mich sind dies Gedanken und Fragen, die von großem Interesse und spannend zu beantworten sind. Wie steht es mit dir?

Bildidee und Zufall

Wie viel Planung und Organisation braucht ein Bild oder eine Bildidee, wie viel Improvisation reicht aus für die besondere Aufnahme?

Manchmal gefällt es mir bei einem Fotoshooting einfach während des Beisammenseins und der dabei stattfindenden Gespräche hin und wieder zu fotografieren. Es sorgt beim Model für eine recht entspannte Stimmung, die von üblichem Posing oft ablenkt. Dadurch entstehen ungestellt wirkende Aufnahmen, die entsprechend der Stimmung viel gelöster erscheinen und viele unterschiedliche Facetten und Mimiken, Ausdrücke und Gefühle zeigen können. Auch die dadurch entfallenden Lichtsets mit einem bis mehreren Blitzen oder Reflektoren tragen zur entspannten Atmosphäre bei.

Es geht natürlich nicht immer, denn gewisse Ideen und Ziele, aber auch Lichtsituationen bedingen einen manchmal komplizierteren Aufbau am Set. Dazu noch eine Stylistin sowie eine MakeUp-ArtistIn, entsprechende Accessoires und das Posing bilden ein Team. Schön sind dabei die Shootingpausen, in denen zwar erschöpfte aber auch tiefenentspannte Gesichter authentische Bilder ergeben.

Meiner Erfahrung nach ist es so, dass erfahrene Models eher in der Lage sind ein größeres Set mit mehr Teilnehmern in den Aufnahmen auszublenden. Ob weniger mehr ist entscheidet sich aber nicht direkt mit den Menschen um das Bild, oft ist es der Zufall, den man mehr oder weniger gezielt herbeiführen kann. Oder er zeigt sich an diesem Tag nicht. Dann wird es an einem anderen Tag sein. Sicher.

Posing 10: Gesicht und Körper

Ab wann ist ein Portrait ein Portrait? Bis zu welcher Darstellungsform gilt ein Menschenbildnis als Portrait?

Auf einem Bild ist ein Mensch zu sehen. Ab wann erkennen wir einen Menschen, wie viel von der Person muss zu sehen sein, damit wir einen Menschen als solchen erkennen können? Spezifische Körperteile sind markant genug, um den richtigen Schluss zu ziehen. Bodyparts und sogenannte CloseUps sind Bilder solcher Ausschnitte des menschlichen Körpers, auf denen nur ein bestimmter, oft kleiner Ausschnitt in Nahaufnahme zu sehen ist. Manchmal befindet sich der Körper im Halbdunkel verborgen oder wird nur angedeutet, weist damit eher vage auf die Situation hin, in der er sich befindet. Vieles ist dabei der Phantasie des Betrachters überlassen, seiner Vorstellungskraft oder etwas trivialer ausgedrückt nennen es manche, obgleich es für mich doch unterschiedlich in der Bedeutung ist, „Kopfkino“.

Auf der anderen Seite dieser Art der Aufnahmen kannst du Ganzkörperaufnahmen betrachten. Du siehst auf einem Bild einen Menschen, seinen gesamten Körper, manchmal sein Gesicht, manchmal bleibt dies aber vor unserem Blick verborgen. Sieht man das Gesicht nicht, sucht der Betrachter nach Hinweisen, die sein Verständnis für diese Aufnahme belegen. Die Umgebung, das, was von der Location noch auf dem Bild zu sehen ist, wird in einen Kontext gesetzt. Wo spielt der Moment? Welches Licht wirkt auf die Szene? Hinzu kommt die Kleidung des Menschen. Was trägt die Person an Kleidung, welche Farbe, welche Form hat sie, ist sie uniformiert und gibt die Kleidung eine Zugehörigkeit der Person zu einer definierten Gruppe der Gesellschaft preis? Auch die Art des Stylings, das Haar und das Makeup begleiten die Bildaussage in ihre Richtung.

Und zu guter letzt möchte ich auf die Pose kommen, um die es hier im Artikel schließlich gehen soll. Wie wir die Körperhaltung wahrnehmen, wie wir sie empfinden, was sie in uns auslöst, was sie uns als Botschaft vermittelt, liegt neben der beabsichtigten Aussage ganz wesentlich in uns selbst.

Wie lässt sich die Situation auf der Aufnahme für uns Betrachter erschließen? Der Mensch versucht etwas zu erklären, er gleicht die Situation der Aufnahme mit seinen eigenen Erfahrungen ab und versucht sie in Deckung bringen.

Mannigfaltige Einflüsse gehen dabei auf uns nieder, bringt doch jeder Mensch sein individuelles Repertoire an Erfahrungen mit sich. Dabei geht das Verständnis von Portrait schon sehr weit auseinander. Für den einen bedeutet Portrait die klassische Gesichtsaufnahme mit vielleicht noch einem kleinen Ausschnitt des Torso. Für andere kann die Abbildung des gesamten Körpers kein Widerspruch zum Genre des Portrait heißen, sobald das Gesicht der abgebildeten Person wie auch ihr Ausdruck zu erkennen ist.

Bedeutet es aber Ablenkung vom Wesentlichen, wenn auf einer Aufnahme mehr zu sehen ist, als das Gesicht als Motiv und sein Ausdruck? Beschränken die zusätzlichen Informationen von Kleidung, Styling, Location und Pose des Körpers die möglichen Interpretationen einer reinen Gesichtsaufnahme, überfrachten sie die Idee des Portrait?

Wieder liegt all das bei jedem Bild und jeder Idee, die dahinter steckt und lässt sich nur persönlich beantworten. Mimik und Ausdruck können unendlich vielfältig sein und werden vielleicht vervielfacht durch mehr Informationen und einen weiteren Bildausschnitt, oder eben überfrachtet. Die Idee und manchmal auch eine Erläuterung durch Beschreibung oder Titel kann hilfreich sein. Beschneiden oder näher herangehen entscheidet sich mit dem, was ich mit einem Bild aussagen möchte.

Posing 9: Der richtige Moment

Gibt es in der Fotografie den richtigen Moment? Gibt es einen besseren Moment als einen anderen? Ist ein anderer Moment, ein Augenblick, ein Bruchteil einer Sekunde später oder früher der richtigere Moment, als ein anderer? Und wenn ja, warum ist es so? Ist es der geringfügig andere Winkel des Kopfes, die Öffnung der Augenlider und der damit verbundene Gesichtsausdruck?

Ist es der Windstoß durch das Haar und durch die Kleidung? Ist es der Moment, in dem die Sonne exakt im richtigen Winkel ihr Licht durch die gelblichen Blätter der Akazie aussendet, um diesen einen Farbton auf der Haut der Wangen abzubilden, der diesen weichen Teint erzeugt?

Ist es der Augenblick, in dem der Blick des Models gerade noch nicht dazu übergegangen ist, etwas von seiner frechen Laszivität zu zeigen, sondern viel mehr von dieser unbeschwerten Leichtigkeit einer verträumten Abwesenheit Ausdruck verleiht.

Was ist in diesem Moment anders, als einen Augenblick später oder zuvor, bildet er doch genau so viel eines Moments aus dem Leben ab. Was unterscheidet die beiden Aufnahmen, warum entscheidest du dich eindeutig für die eine und gegen die andere? Ist es eine Kombination aus vielen Parametern, die somit zueinander passen, keine Widersprüche aufzeigen und dem Bild die Harmonie verleiht, die einen starken Ausdruck erzeugt und vielleicht sogar eine Geschichte erzählt?

Ist es jene Aufnahme, bei der nicht eine bestimmte Pose überzogen wirkt, die Gesichtszüge mit eurer Idee harmonieren, das Licht stimmt und auch die möglichen kleinen Gemeinheiten des technischen Equipment dich nicht hinterlistig besuchen konnten?

Kann es sein einziger Moment am diesem Tage bleiben oder sein, der DAS Foto hervorbringt aus dem DAS Bild wird? Oder gibt es derer viele, aus denen du nur das eine „richtige“ Bild auswählen musst? Eine spannende Fragestellung, die vielleicht für jedes deiner Bilder eine gute Möglichkeit ergibt, das Bild mal genauer zu hinterfragen, und ein Weg, die Güte mit deinem Verständnis zu vergleichen und Pros und Cons dir zu vergegenwärtigen. Nur zu also!

Posing 8: Teilweise körperlich

Wie viel von nackter Haut ist nötig, um eine Bildaussage zu erhalten? Wie viel Erkennbares vom Körper des Menschen vor der Kamera führt zu Interesse und erhöhter Aufmerksamkeit gegenüber einer Aufnahme? Was tragen sogenannte Aufnahmearten wie zum Beispiel Teilakt oder verdeckter Akt, Vollakt oder künstlerischer Akt, Aktportrait oder sinnlicher Akt, „open Legs“ oder Boudoire-Fotografie zur Idee einer Komposition, einer Geschichte im Bilde bei?

„Die Schöpfung erschuf den Körper, der Mensch die Kleidung.“ „Natürlichkeit kann nur durch den Körper dargestellt werden, nicht durch Kleidung.“ Wie sehr beeinflusst uns die Idee hinter diesen Zitaten? Wird Zivilisation durch das Tragen von Kleidung definiert und was genau beschreibt danach Zivilisation?

In wie fern verändert sich eine Pose, wenn einmal mehr, einmal weniger Haut des Models zu erkennen ist? In wie weit verschiebt sich eine Bildaussage, wenn die unterschiedlichen Bereiche des menschlichen Körpers mal mehr, mal weniger mit Kleidung oder von Schatten verdeckt sind?

Sind bestimmte Körperproportionen zwangsläufig erkennbar zu halten, um überhaupt eine bestimmte Aussage treffen, abbilden zu können? Ginge es überhaupt ohne diese Körperdarstellung? Wie viele Tatsachen sind notwendig, wie viel Phantasie kann erwartet werden? Sind Andeutungen ein Mittel, um Ideen zu transportieren oder zählen nur nackte Tatsachen? Sind es die alltäglich offensichtlichen Körperpartien, die schon zur Erfüllung einer Vorgabe ausreichen oder bedarf es einer tieferen Einsicht? Erkennst du die Proportionen anhand eines Beins oder ist ein kleiner Part des Pos als Verlängerung des Beins genau der Blickpunkt, der das Bild vervollständigt? Macht dieser Ausschnitt aus einem durchschnittlich großen Körper einen hochgewachsenen in entsprechender Pose?

Wie unterstützt der Typ Mensch die Bildidee? Ist es möglich, dass ein ernsthafter Typ Mensch mit harten Gesichtszügen ein verträumt-sensibles Romantikportrait darzustellen vermag? Oder das zartbesaitete, grazile junge Mädchen eine verwegene Kämpferin? Letzteres eher?

Die fotografische Umsetzung einer Idee fordert einen passenden Menschen, nicht anders, als einen bestimmten Schauspieler für einen bestimmten Film, der seine Fähigkeiten abrufen kann, um erforderliche Emotionen mimisch und körperlich umsetzen zu können. Und wer kennt sie nicht, die (ersten) Produktionen der Privatsender, die nur allzu gut bezeugen, dass ohne schauspielerische Fähigkeiten eine Aussage im Verborgenen erstickt.

Zurück zum Thema Fotografie: Jede zweihundertfünfzigstel Sekunde der Auslösumg hält den Moment fest, der jede Mimik und Körperhaltung einfriert und danach zur Betrachtung gereicht wird, um zu fragen: Was ist es, dass du siehst und was empfindest du bei diesem Anblick, was erzählt dir dieses Bild – oder bleibt es eine Fotografie? 🙈