Von der Kunst des Weglassens, Teil 2

Weniger ist mehr! Trifft das auch in der Fotografie zu? Einfaches Design wird zum Klassiker, zeitlos und über jeden Geschmack erhaben. Gestern wurde das nachweislich letzte Gemälde von Leonardo da Vinci, sein Jesus-Portrait, für die bisher unerreichte Rekordsumme von 450.000.000 Euro (Vierhundertfünfzig-Millionen) verkauft. Ein Portrait eines Malers, der in Armut starb.

Ein relativ einfaches Portrait. Nicht viel mehr, als einige Accessoires und Kleidung zeigt das Bild, alles andere ist Gestik und Mimik, Licht und noch mehr Schatten, sowie Farben. Gilt dies als Beispiel für eine Art Minimalismus, wie auch „Mona Lisa“ aus der Sicht da Vincis erstellt wurde?

Ein berühmter Fotograf vertrat die Ansicht, dass ein Bild schlecht geraten war, weil noch nicht genug weggelassen wurde. Ein anderer sagte: Ist Dein Bild nicht gut genug, warst Du nicht nah genug dran. Wie übertrage ich diese Ansichten auf die Fotografie von Menschen? Wie binde ich die Devise von „Weniger ist mehr“ in eine fotografische Arbeit ein? Ist ein Blick, ein Auge allein als erster und prägnantester Blickpunkt eines portraitierten Menschen ausreichend und hat die Voraussetzungen für einen Klassiker? Einige Fotografien mehr oder weniger bekannter Fotografen auf diversen Plattformen im Internet deuten dies an, wenn man die Zahl der „Likes“ als Indikator zugrunde legt.

Gehe ich davon, ohne eine genauere Überprüfung durchgeführt zu haben, aus, so stellt sich die anschließende Frage, in wie weit der Blick, die Aussage des Blicks, die Interpretationsmöglichkeiten für den Blick die Entscheidung beeinflusst. Geht jeder Blick? Funktioniert es bei jedem Gesicht? Spielt schon die Form des Auges eine Rolle? Ist das Alter des Portraitierten ausschlaggebend? Sind Wimpern und Augenbrauen Elemente mit Einfluss auf unser Urteil? Ist es allein die Stimmung, die im Blick des aufgenommenen Menschen für Zustimmung oder Ablehnung im Betrachter sorgt, für eine Empathie, die die vielleicht entscheidenden Gefühle in uns auslöst? Stimmung kann viele Saiten spielen. Was zählt in einem Bild? Eine genau bestimmbare Emotion? Oder kann es undifferenziert sein, vage, eine weit zu interpretierende Mimik, vielleicht wie Mona Lisa?

Was spricht wen in welcher Situation in welcher Weise an? Welche Aussagen bewegen? Wie darf, soll, muss ein Blick sein? Traurig, melancholisch, trübe oder lustig, vergnügt, heiter? Vielleicht lasziv, sexy, provokant oder unschuldig, verletzt, hilflos? Lieber stark, unabhängig, heroisch oder weise, klug, in sich ruhend? Die Leistung eines Models ist überaus bedeutsam, wenn es solche und viele weitere Emotionen mimisch wiederzugeben in der Lage ist, was nur sehr vereinzelt der Fall ist. Für ein einzelnes Bild ist es authentisch, wenn ein Mensch auf dem Portrait eine dieser Eigenschaften verkörpert, dann funktioniert aber auch nur diese eine, selten mehr. Das nur am Rande.

Was wirkt nun, wenn es über den Blick, mit dem Auge als nur eine Quelle der Emotionen, hinaus die Gesichtsmuskeln sind, in Kombination mit dem Mund, als zweitwichtigstes Element der Mimik. Viele Kombinationen von Emotionen über Auge und Mund auf einem Bild sind möglich. Dabei geht es von widersprüchlich über neutral oder gleichbedeutend bis hin zu übertrieben, jede Nuance kann die Aussage verändern.

Zurück zum Ausgangspunkt: wenn es mehr als nur ein Gesicht ist, das auf einer Fotografie abgebildet ist, welchen Mehrwert, welche zusätzliche Aussage begleitet die Idee? Sehr viele Fotografen zeigen eine tolle Location, das Naturschöne kommt zum Portrait hinzu. Oder eine Bildidee fordert eine bestimmte Kleidung. Dadurch wird mehr als nur ein Gesicht vom Körper des Menschen gezeigt. Ich klammere hier ganz bewusst jede Art von Fashion oder Glamour aus, dabei spielt der Mensch nur eine untergeordnete Rolle, solange Maße, Symmetrie und Proportionen passen. Mir geht es hier um künstlerisch orientierte Fotografie, aber das dürfte klar sein. In welchen Fällen ist nicht weniger mehr, wann kann mehr mehr sein? Hin und wieder ist es sicher zutreffend. Dazu mehr in Teil 3 dieses kleinen Essays.

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Von der Kunst des Weglassens, Teil 1

Üblicherweise trifft ein Bild eine Aussage. Es zeigt etwas, das der Fotograf wert erachtete festzuhalten und zu präsentieren. Bei einem Portrait einer Person ist es der Mensch vor der Kamera, mit seinen Besonderheiten, seinen Formen und Proportionen, seinen Gesichtszügen und seiner Kleidung, zurecht gemacht oder natürlich, sein Ausdruck. Bei einem Ganzkörper-Portrait ist mehr vom Menschen zu erkennen, als beim klassischen Portrait, auf dem hauptsächlich das Gesicht abgebildet wird. Der Mensch als visuelles Wesen unterliegt trotz viele Jahrtausende andauernder Entwicklung noch immer rudimentären Reizen und Trieben, nach denen er handelt, beziehungsweise denen er in jeder erdenklichen Weise folgt.

Auch bei der Betrachtung einer Fotografie ist es nicht verwunderlich, dass ihr ein großes Maß an Aufmerksamkeit geschenkt wird, wenn eine solche die allseitig bekannten Schlüsselreize anspricht. Bei einem Portrait gilt das Auge des Portraitierten für den Menschen als wichtigster Part. Jedoch nicht nur die Augen, auch andere Partien des Gesichts und des Körpers weisen diese Auslöser für diese Empfindung im Betrachter auf. Sind sie erkennbar, oder werden sie vielleicht sogar etwas überzeichnet, so ist die Aufmerksamkeit nahezu garantiert. Nicht, dass die Aufmerksamkeit nicht auch schnell wieder abebbt, aber zunächst wirken die Reizinformationen unweigerlich auf unsere Rezeptoren.

Nun ist es aber so, dass der Mensch nicht unendlich viele Impressionen gleichzeitig oder kurz hintereinander aufnehmen kann. Er ist schnell überfordert, wenn sein Filtersystem nicht mehr in der Lage ist, die Flut an Informationen zu verarbeiten. Als Folge kommt es -wiederum reaktiv und intuitiv- zu einer Verweigerungshaltung, die, ganz klassisch, entweder in Flucht oder Angriff mündet. (Natürlich kommt hin und wieder eine Übersprunghandlung vor.)

Wie äußert sich das im Felde der Portraitfotografie? Es gibt das Foto. Auf diesem ist ein Bildnis eines Menschen zu erkennen. Findet das Auge nun zu viele Informationen in diesem Portrait, kommt das Gedächtnis nicht damit zurecht, es wird versuchen, zu sortieren, zu gruppieren, abzuwägen, auszuschließen. Bei einer Überforderung aber wird sich der Mensch schnell abwenden. Er betrachtet ja Fotografien, um sich zu vergnügen. (Außer bei journalistischen Hintergründen) Überforderung bereitet jedoch dem Mensch nur seltenst Vergnügen. Damit verweigert er sich mehr oder weniger offen diesem Werk.

In der Lehre der Fotografie wird häufig die Zahl drei genannt, wenn es um Elemente im Motiv einer Aufnahme geht. Auf höchstens fünf sollte demnach ausgedehnt werden, dies jedoch nur als Ausnahme. Eine größere Anzahl überfordere den Betrachter schnell und ein Foto verlöre so die Aufmerksamkeit. Gehe ich von dieser Vorstellung einmal aus, so stellt sich bei jedem Portrait erneut die Frage, wie viel möchte ich einschließen, was darf ich weglassen, was auf keinen Fall und welche Wirkung möchte ich überhaupt erzielen, welche Aussage gedenke ich zu treffen.

Abgesehen von der Tatsache, dass es für den Betrachter von viel größerer Bedeutung ist, welchen Gesichtsausdruck er erkennt, kann das „Drumherum“ beeinflussen – mal mehr, mal weniger. Um das „weniger“ dreht sich meine Frage, wie wenig ist „weniger“. Als ich in Italien mein Model in die Brandung stellte und wir sage und schreibe 2 Stunden auf die „richtige“ Welle warteten, unzählige Brecher vorher nicht DAS Bild ergaben, fragten wir uns schon, ob das „Drumherum“ so viel der Bildaussage hinzufügen konnte, oder ob nicht weniger auch mehr sein könne. Es kommt drauf an. Ist ja kein Portrait mehr, sagte sie. Ja, stimmt. Was wollten wir also?

Mir gefallen immer wieder Aufnahmen, auf denen nur die Augen zu sehen sind, noch Haare, vielleicht eine sinnvoll eingebaute Hand, Kapuze, Lichtstimmung, das reicht. Manchmal sind es auch Ganzkörper-Portraits. Mit Verkleidung, Makeup, Backlight, usw., es ist viel aufwendiger. Die Frage, die sich bei meinen Portraits immer wieder aufdrängt, ist, ob nicht weniger reichen würde. Worauf kommt es schließlich an? Dem gedanklich näher zu kommen, folge ich in Teil 2 dieses Beitrags.

Kannst Du Deinen Augen trauen?

Richtest du einen kurzen Blick auf das Bild, was erkennst Du? Nicht schwer, oder? Oder doch?

Was ein Betrachter auf einer Fotografie erkennt, ist ersichtlich, oder? Er sieht, was abgebildet ist. Er erkennt, was er sieht und sein Geist ordnet ein, trennt Motiv vom Hintergrund -hoffentlich hat es der Fotograf verstanden, die Prioritäten zu setzen- und der Betrachter blendet all das aus, was nicht von Bedeutung für ihn ist. Er erkennt Punkte und wenn vorhanden, möglicherweise Linien, welche horizontal beruhigend, vertikal energetisch oder diagonal aufwühlend sein können. Er erkennt Farben und Komplementärfarben, blau-beruhigendes, rot-belebendes oder grün-vertrauensvolles. Er differenziert nach Vordergrund, Mittelgrund und Hintergrund, wenn diese Ebenen auf der Fläche des Fotos sich überhaupt voneinander abheben. Vielleicht erkennt er Dynamik und Statik, es ist vielleicht eine Bewegung im Bilde wahrzunehmen. Manchmal trennte der Fotograf sein Motiv vom Hintergrund durch eine Unschärfe, dann kann der Betrachter Unscharfes von einem klarem Motiv unterscheiden.

Ist der Betrachter als Adressat für ein Kunstwerke eine vollkommen vom Künstler losgelöste Person? Ein Kunstwerk, auch in Form einer Fotografie, ist zunächst losgelöst vom Erschaffer zu sehen. Es spricht seine ganz eigene Sprache. Auch wenn der Künstler in seinem Werk seine Handschrift noch so genau verewigt hat, im Moment der Entdeckung durch den Betrachter nimmt dieser nur jenes wahr. Was er sieht, was er versteht, dessen Sprache er mächtig ist, kann er aufnehmen. Die Töne spürend, die durch die Schwingungen des Kunstwerkes in ihm seine Saiten berührt, diese vernimmt er.

Nicht immer korrespondieren Botschaft und Nachricht, Aussage und Statement, Gefühl und Idee zwischen Urheber und Konsument mittels Werk. Wozu aber fertigt der Künstler sein Werk? Wozu betrachtet der Besucher ein Werk? Zwischen zufälligem Blick und gezielter Suche, zwischen öffentlicher Publikation und ausgestelltem Werkstück, zwischen Massenware und ausgesuchter Präsenz sucht ein Werk die Betrachter anzusprechen. Es strebt nach Aufmerksamkeit, einen Weg in das Bewusstsein desjenigen sich bahnend, der hinsieht. Wie weit reichend es verstanden wird, letztendlich akzeptiert wird oder nicht, kann tatsächlich davon abhängen, in wie weit ein Werk allgemeingültigen Wertvorstellungen entspricht oder nicht.

Ist wahre Kunst ausgenommen vom potentiellen Adressaten? Interessiert den wahren Künstler nicht im Geringsten, wie ein Werk wahrgenommen wird? Ist es ausschließlich ein Abbild seiner inneren Idee, ohne einen Bezug auf einen möglichen Betrachter zu nehmen, beziehungsweise an einen möglichen Adressaten auch nur zu denken? Oder fertigt der Künstler seine Kunst nur für ein gezieltes Publikum an? Ist es dann noch Kunst? Eine immer wiederkehrende Frage, ungelöst und vielfach beantwortet.

Eine Fotografie dokumentiert, bildet Vorhandenes ab. Sie gibt einen Ausschnitt aus Sichtbarem wieder. Was sie aber wie präsentiert, ist nicht immer gleich erkennbar und bedarf des Öfteren einen zweiten Blick. Die Fotografie hier im Beitrag zeigt ein Spiegelbild einer jungen Frau. Eine Wasserstelle mit Herbstlaub, welches wie zu schweben scheint, diente als Spiegelfläche. Dadurch wird das Fotomodel spiegelverkehrt abgebildet, auch der Baum im Hintergrund, dessen Ast die Form des Menschen so schön umschließt, ist eine Spiegelung. Verkehrt herum, und doch einer klarer Aussage fähig: Ein Model sitzt angelehnt an einer Stufe, schützt die Augen vor der Sonne und schaut herüber. Entspannt an einem Herbsttag in der urbanen Natur im noch wärmenden Sonnenschein relaxen, genießen, einfach sein, nichts Spektakuläres erfährt der Betrachter hier. Das Bild ist nahezu unbearbeitet außer einem Beschnitt, sowie die Schatten wurden etwas aufgehellt.

Damit trennen sich Realität und Fiktion, Wirklichkeit und Erlebtes (zusammen und im Prinzip) nicht. Es existiert kein Unterschied in der Bildaussage, denn es ist zunächst nicht von Bedeutung, ob es ein Spiegelbild ist, oder nicht. „Mensch draußen in der Natur im Herbst“. Nur die an der Wasseroberfläche schwimmenden Blätter geben einen vagen Hinweis auf eine besondere Situation, die dem aufmerksamen Betrachter etwas mehr zeigt und vielleicht einen Denkprozess anregt und Neugier erweckt. Wenn ein Bild etwas aussagen soll, etwas über das Alltägliche hinaus, etwas, was es Wert wäre, zu zeigen, zu sagen, „Schau mal hier, ist es nicht eine ganz leicht andere Art und Weise die Dinge zu sehen?“, erweitert es auf diese Weise den eigenen Horizont? Bleibe lieber ungewöhnlich!

Die Erwiderung – Das Lachen (Shortstory)

Ich schlendre durch die Straßen von Intra. Ein Ort in Italien in der Provinz Piemont direkt am Lago Maggiore. Es ist Spätsommer. Bald ist Herbstbeginn. Die Menschen beleben an diesem Mittwoch Nachmittag die Stadt, voll aber kommt es mir nicht vor.

Die Septembersonne erwärmte über den Tag hinweg die engen, aber entspannt geschäftigen Gassen der Altstadt. Ein Schokoladen-Markt findet gerade statt. Confiserien aus der Region gastieren an diesem Tag verteilt auf ausgewählte Bereiche der Innenstadt, von unten entlang der Uferpromenade des Lago, durch den historischen Altstadtkern bis hinauf zum Platz des Domes auf dem Hügel. Die Stände der Händler bieten alle erdenklichen Sorten und Formen von Schokolade feil, man wird ganz unaufdringlich eingeladen zu kosten.

Irgendwann sitze ich wieder mal im Caffé Milano am Piazza Daniele Ranzoni. Durch den Corso zwischen Ort und See ist es zeitweise etwas lauter, aber dennoch ungemein gemütlich. Zwei, drei Kaffee Latte, auch mal ein Caffé Ginseng, überaus süß, wenn man es nicht besser weiß, und umrührt, schmecken sehr gut. Die letzten Sonnenstrahlen des Tages streifen meine Haut, wärmen angenehm und wohltuend.

Einige Zeit später erreicht mich der Schatten der Häuser und Berge im Westen, die Sonne geht langsam unter. Die Menschen suchen noch die langgezogene Pier am Hafen auf, wo die untergehende Sonne der Stadt den letzten Besuch am Tage abstattet, bevor sie hinter den Bergen in wonnigem Licht untergeht. Ich stehe auf, begebe mich langsam in Richtung nach Hause, am Ufer des Lago Maggiore entlang. Die Berge am gegenüberliegenden Ostufer, gerade noch in gleißend gelborangenem Sonnenlicht getaucht, bewundere ich das für das Auge und die Seele so verführerische Szenario.

Auf dem Wege fällt mir irgendwann eine junge Frau auf. Sie wartet, wie sich später herausstellen sollte, auf den Bus. Auffallend an ihr war ihr Haar, das zu vielen, farblich hell und dunkel nuancierten Zöpfen gefilzt war, dazu in Verbindung mit einem sehr offenen, wachen Blick in die Weltgeschichte blickte. Ich sah sie einen Augenblick an, hob mit fragenden Augen die Kamera, woraufhin sie lächelnd nickte, im nächsten Augenblick aber schon ihr Handy hoch nahm und offensichtlich zu telefonieren begann.

Ich fotografierte sie daraufhin, sie schaute mich dabei an, begann, als ich schon fertig mit der Aufnahme war, freundlich zu lachen und winkte mir mit beiden Händen zu. Ich winkte natürlich freundlich zurück und deutete an, dass ich mich zu ihr herüber begeben würde. Dazu musste ich einige Meter die Straße entlang gehen, um sie überqueren zu können. Das wollte ich umgehend in die Tat umsetzen, ging noch ein Stück weiter entlang des Lago Maggiore zum nächsten Übergang, doch gerade im Moment, als ich queren wollte, kam ihr Bus. Sie stieg ein, der Bus verließ die Haltestelle, die Straße, meinen Blickwinkel.

Damit konnte ich ihr keine Visitenkarte anbieten zu überlassen und nicht erfragen, ob ich gegebenenfalls das Bild von ihr veröffentlichen dürfte. Es war zudem mein letzter Abend in Intra. Am nächsten Tag sollte es wieder zurück nach Deutschland gehen und so geschah es dann auch.

Vielleicht fragen Sie sich an dieser Stelle, lieber Leser, warum sie das Foto der jungen Frau dennoch hier sehen können? Das liegt an der schönen neuen Welt. Wir haben uns jedenfalls für ein Fotoshooting im neuen Jahr, im Frühling in Intra „verabredet“. Wie es kam, und was weiter geschah:

Zurück in Deutschland widmete ich mich wieder dem Alltag, wie fast jeder Mensch es tut. Arbeiten😧, Essen😄, Schlafen….. 😴 und in Zeiten der Entspannung sichtete ich meine Fotos. Ich sortierte aus, archivierte und wählte aus, was für eine weitere Bearbeitung in Frage käme. Auch das Bild der jungen Dame, mit ihrem (für mich) sehr interessanten offenen Wesen war dabei. Einige wenige der Aufnahmen bearbeitete ich daraufhin, um sie teilweise zu veröffentlichen. Unter anderem auf der Plattform Instagram.

Dort veröffentlichte ich meine Bilder. Beim anschließenden entspannenden Stöbern durch die Seiten der Gallerien, die unter dem Hashtag „#Lago Maggiore“ sowie „#Intra“ gezeigt wurden, fand ich ihren Account über ein paar Umwege. Nach einer Anfrage von mir kam schnell ein Kontakt zustande. Wir konnten über Instagram problemlos hin und her schreiben, ich durfte ihr das Bild zur Verfügung stellen und wir konnten so eine Verbindung knüpfen, die vielleicht einmal zu einem kleinen Fotoshooting führt.

So spielt das Leben hin und wieder, und ich hoffe, ich konnte mit meinem geschilderten, positiven Erlebnis den ein oder anderen dazu animieren, einfach offen in der Welt zu bleiben und unverbissen höflich das ein oder andere Bild zu erfragen, wenn es in einer besonderen Art und Weise anspricht, begeistert oder auf eine ganz eigene Art und Weise fasziniert.

Der weiße Wolf – Guardian of the Elves

Fotoshooting Mayen Koblenz Portrait tfp

Fotografie als Flucht aus dem Alltag?

Kann meine Fotografie eine Suche nach dem Schönen sein, weil mich das schnöde Alltägliche alltäglich umgibt? Bedeutet das Erstellen eines Lichtbildes eine Identifikation mit der Idee des Inhalts? Für mich gibt es im Alltäglichen viel Schönes! Der morgendliche rote Himmel, so gestehe ich hier, fasziniert mich nach all den Jahren noch immer. Gleichsam die blühende Wicke an des Nachbars Gartenzaun mich mit ihren Blüten jedes Jahr auf’s neue bezaubert.

Bilder bestimmter Machart erfreuen mich, wenn ich sie betrachten darf. Das ist ganz unabhängig davon, wer sie fertigte. Öffne ich das weltweite Netz, suche die entsprechenden Quellen auf, blättere in ihnen, finde dabei immer mal wieder ein Bild, das mich zum verweilen einlädt, so mache ich das sehr gerne. Früher suchte ich andere Marktplätze auf. Eine Buchhandlung, zum Beispiel, oder eine Bücherbörse, den Berliner Buchmarkt am Bodemuseum, den Düsseldorfer Trödelmarkt am Aachener Platz oder die Bouquinisten am Pariser Seine Ufer.

Ob es dann ein Bildband von David Hamilton, eine Ausgabe der französischen Zeitschrift „Lui“ oder der „Photographie“, sogar hin und wieder eine Ausgabe der Modezeitschrift „Marie Claire“, ein Buch von Andreas Feininger oder Michael Gnade war, das mich inspirierte, es war fast immer etwas gedrucktes. Diese Bücher besitze ich noch heute und sehe manche davon immer wieder mal durch.

Diese Quellen der Inspiration existieren weiter, nur das www macht es einem vermeintlich leichter, mal eben so, nebenher, wo auch immer, wann auch immer, sein Smartphone, Tablett oder Rechner zu aktivieren, und „Bildchen“ zu gucken. Unzählige Plattformen buhlen um unsere Aufmerksamkeit. Ob Pinterest oder WeHeartIt als Kataloge, ob Flickr oder 500px als Fotoalben der Fotografierenden, ob Facebook oder Google+ als Social Media Fotoansammlungen oder Fotocommunities wie die fc oder Instagram, überall können wir Bildchen angucken, noch und nöcher. Instagram schafft es dabei sogar verschiedene Konzepte auf einfache und sinnvolle Weise zu verbinden, das nicht mal schlecht, wovon die fc noch meilenweit entfernt ist.

Doch warum schrieb ich oben „vermeintlich leichter„? Es geht tatsächlich um etwas Dramatisches. Man könnte es unter dem Begriff „Schule des Sehens“ erfassen. Ein Foto, das in ein Buch aufgenommen wird, durchläuft gemeinhin einige mehr oder weniger strenge „Filter“. Ob und wie sinnvoll diese sind, welchem Zweck sie dienen und ob sie stets gerechtfertigt sind mag hier als nebensächlich abgetan werden. Allein die Anwendung dieser Filter führte dazu, dass meist eine gewisse Qualität der Bilder zu erkennen war. Das ist im www deutlich anders. Jeder, auch du und ich, kann jedes Bild veröffentlichen. Ungeachtet jedweder Güte oder Idee hinter einer Fotografie kommt alles für jedermann und jederzeit verfügbar an die Öffentlichkeit.

Der Mensch ist grundsätzlich und in erster Linie ein zutiefst visuelles Wesen. Unser Sehsinn ist die stärkste Kraft unserer Sinne. Sie löst die intensivsten Emotionen aus und sie ist es auch, die, durch unsere angeborene Neugier, die überhaupt erst eine Entwicklung des Menschen ermöglichte, immer nach neuen Eindrücken sucht. Zeigt sich dem Menschen immer das gleiche Bild vor Augen, so kommt es zu einem unvermeidlichen Automatismus: wir sehen es irgendwann nicht mehr.

Und hier liegt die Krux: Die Schule des Sehens läuft immerzu fort und die Inhalte, der Lehrstoff, der uns Schülern des Lebens geboten wird, entscheidet über unsere Bildung und Zukunft. Wie viele Fotos scrollen wir durch, nehmen wir wahr, sortieren wir aus, um solche zu finden, die uns ansprechen? Was passiert mit uns, während wir all jene Bilder durchblättern, jene hunderte auf all den oben genannten Plattformen und anderen nichtgenannten, die wir vielleicht täglich besuchen; checken, ob neues gepostet wurde und klicken auf Links, über die wir benachrichtigt wurden, dass etwas neues online ist?

Wie verändert sich deine Wahrnehmung, in welcher Klasse der Schule des Sehens bist du angekommen?

Wohin Du gehst. (Teil 3)

Sinn und Zweck meiner fotografischen Arbeiten ist der Ausdruck eines Lebensgefühls zu einer definierten Zeit.

Es kommt auf den Anspruch an. Mit Realität, einer Dokumentation oder Wiedergabe von Ausschnitten aus Leben hat Schnittmengen, was ich kreiere. Ein Portrait aus dem Jahre 1981 und eines aus 2017 liegen noch immer vor mir. Die Bilder scheinen sich so ähnlich. Es liegen 36 Jahre zwischen den beiden Abbildungen.

Im Laufe der Zeit, im Laufe der Jahre, in denen man in einer beliebigen Kunstrichtung -die Fotografie ist für mich eine davon- sein Werk nach und nach vervollständigt oder ausbaut, obliegt es dem bildenden Künstler, einen Ausdruck dessen zu finden, was in ihm wohnt. Beim Gemälde wie bei einer Skulptur, als zwei Beispiele der schaffenden Künste, findet eine Zwiesprache statt, die so manche weitere Dimension besitzt.

Ein Beispiel aus der Malerei, Zeichnung oder Grafik: Es ist zunächst das Material, welches aufgetragen wird. Es wird auf ein Medium aufgetragen. Fertiggestellt, präsentiert als Werkstück, Bildnis wird es in einer hellen oder dunklen Umgebung an einem ausgewählten Ort ausgestellt, in einem Rahmen oder ohne selbigen, vielleicht auf einem Bildschirm? Es wird so oder anders dem Betrachter dargereicht. Dieser kann sich, seine Empfindungen sowie seine Gedanken diesem Werkstück stellen.

Eine Skulptur -als Beispiel aus der Bildhauerei- besteht aus einem bestimmten Material wie z.B. Holz, Bronze oder Alabaster. Daraus wird eine Form ausgearbeitet, alles, was nicht zur Idee dieser Form gehört, was sozusagen stört, als störend empfunden wird, wird entfernt. Diese Form erhält eine bestimmte Oberfläche, vielleicht rauh, vielleicht poliert. Sie wird abschließend in einer genau bestimmten Umgebung dem Betrachter präsentiert. Vielleicht wird dort die Form in gleißendem Licht betont oder in schummerigem Dunkel die Phantasie angeregt, bei dem die Aussage des Werks ein geheimnisvolles Unterbewusstsein anspricht.

Und wie ist es bei einer Fotografie, die ein einzelnes Kunstwerk darstellen soll? Ist es überhaupt ein einzelnes Bild, das ein Kunstwerk sein kann oder ist es nur im Gesamtwerk ein Kunstgegenstand, weil die Halbwertszeit einer Fotografie inflationär scheint? Monitär gesehen existieren genug Beispiele für Fotografien, ob bearbeitet oder nicht. Sie erzielten immense Summen auf Auktionen. Was aber ist mit den Bildern, die dies nicht erreichen, egal ob von bekannten und anerkannt guten Fotografen wie zum Beispiel Alessio Albi oder Emily Soto oder unbekannten aber begabten Fotografen mit einem kleinen Wirkungskreis? Ist dann als Ziel der Bildband zu nennen, dessen schnöde Verkaufszahlen über Erfolg und Güte urteilen dürfen? Ist es eine Internetpräsens, die eine möglichst große Zahl von Followern generiert (man denke hier an Instagram, wo über Mechanismen, die gegen Bezahlung vielen tausend Teilnehmern für kurze Zeit gefolgt wird in der Hoffnung, es bleiben über Followback möglichst viele hängen….), über die sogar ein Vertrieb verschiedener Fotos läuft? Ab wann ist eine Fotografie ein Bild und ab wann ist ein Bild ein Kunstwerk? Überhaupt stellt sich die Frage, für wen kann ein Bild ein Kunstwerk sein.

Fotografie spielt mit vielen Sinnen. Gefühle, Emotionen, Erwartungen können verstören, provozieren, berühren und begeistern. Reichweite möchte ich an dieser Stelle bewusst ausklammern. Viele Schätze fristen ihr dasein im Verborgenen. Fotografen und ambitionierte Laien bringen -meiner Meinung nach- oftmals wahre Kunstwerke zutage, die in der Weite des www unterzugehen scheinen, vielleicht niemals entdeckt werden. Aber darum geht es nicht einmal. Sollte es nicht vielmehr um den Künstler selbst gehen, der sein Werk zuerst erschafft, anschließend sieht, im einzelnen sowie im Gesamtwerk und für sich erkennt, wie weit es gediegen ist, wie weit es ihm gelang, diesem inneren Gefühl den Ausdruck zu verleihen, der ihm innewohnt?

Wohin Du gehst. (Teil 2)

Fotoshooting Portrait tfp Koblenz Mosel Eifel

„Wenn ich fotografiere, dann tue ich das, um etwas auszudrücken.“, sagte unlängst eine befreundete Fotografin zu mir. Ich wollte beipflichten, dachte noch einen Moment nach und fragte vorerst ohne zu antworten zurück: „Zumindest dann, wenn es Dir um bewusste Aufnahmen geht, die Du um ihrer selbst anfertigst, die Du fotografierst, um einer Idee, einem Gefühl Ausdruck zu geben?“ Sie überlegte einen Moment und entgegnete mir:

„Was glaubst Du sehe ich, wenn ich ein Bild im Kopf habe, das ein Gefühl ausdrücken könnte? Eine Idee, welche ich gerne in ein Bild transportieren möchte, das ich danach plane und aufnehmen möchte?“ Wir sprachen noch etwas länger darüber. Mich brachte es einige Tage darauf noch immer ans Denken.

Ich betrachte zwei meiner Bilder. Ein Bild, das ich vor Jahrzehnten aufgenommen habe und eines, das erst ein paar Wochen alt ist. Bei beiden Bildern handelt es sich um ein Portrait. Auf beiden Bildern bat ich die jeweilige Person einem Gefühl Ausdruck zu geben, das ich mit Worten wie melancholisch und vertraut, unnahbar und frei, verloren und aufrührerisch umschrieb. Das ältere der beiden Bilder erinnert mich ganz deutlich an den damaligen Moment, als wäre es gestern gewesen, jenen Augenblick der Aufnahme, und den Menschen in diesem Moment. Das Neuere ist noch ganz bewusst.

Sagt es nun etwas aus, wenn sich die Ideen hinter den beiden Aufnahmen sehr ähnlich anfühlen? Was meint es, wenn sich in all den Jahren die Suche nach DER Aufnahme vermeintlich immer noch ähnelt? Ist es noch immer die Sehnsucht nach einer besonderen Art der Darstellung, die einem tief innewohnenden Gefühl Rechnung tragen will?

Vielfach wird von einer stetigen Entwicklung im Werk eines kreativen Menschen gesprochen. Abgesehen von der Steigerung der technischen Qualität, die teilweise an der Ausrüstung, vor allem aber der Beherrschung der Möglichkeiten aller Werkzeuge liegt, bedeutet für mich die Entwicklung in meiner Fotografie eine gefühlt immer „richtigere“ Wiedergabe der Emotion, die meine Idee und der Idee des Menschen vor der Kamera meint.

Da sich die eigene Wahrnehmung im Laufe der Zeit immer wieder verändert, verändert sich auch die Art der Arbeit. Wie erklärt es sich, dass eine Arbeit von vor vielen Jahren problemlos in die Gegenwart übernommen werden kann? Ein Bild bringe ich fast unauffällig ins Portfolio und nur wenigen fällt es auf. Kann es eine Frage des Stils sein? Kann es sein, dass es sich auf die Idee und die Verwirklichung dieser Idee bezieht? Kommt man nach vielen Ausflügen in andere Genres, in andere Arten der Abbildung immer wieder zurück zu dem, was einen wirklich bewegt? Das könnte der Lösung recht nahe kommen. Abschließend möchte ich das in Teil ⚂ beantworten.

Wohin Du gehst. (Teil 1)

Fotoshooting Koblenz tfp Portrait Fotograf

Was sehe ich? Was will ich sehen. Warum?

Mit einigen Jahrzehnten Lebenserfahrung hat der Mensch vieles gesehen. Dinge wiederholen sich beständig, Neues wird zunehmend weniger. Unabhängig davon erhalten sich die Menschen mehr oder weniger von ihrer ursprünglichen jugendlichen Begeisterungsfähigkeit. Es ist überall und allgemein die Rede davon, dass sich die Mehrheit der Menschen mit zunehmender Erfahrung und Kenntnis des Lebens immer weniger für ihre Impressionen in der Alltäglichkeit begeistern können, ja dass es gerade die einfache Aufmerksamkeit an sich ist, die eine scheinbar immer höhere Schwelle hat, ab der diese Dinge des Lebens in das Bewusstsein des Beobachters treten.

Was aber geschieht, wenn dies plötzlich bewusst wird? Kann es einerseits nur zum Teil bewusst werden und man setzt diesen Part vollständig in Beziehung zu sich selbst, oder auf der anderen Seite durchschaut man die Situation ganz und gar, und dennoch reagiert man danach nur partiell, mindestens aber in vermindertem Maße darauf und lässt den Rest einfach nur geschehen?

Wie setzen wir diese Sichtweisen in Beziehung zu unserem sozialen Umfeld? Gilt eine Person, die sich an vermeintlich kleinen Dingen des Lebens erfreut als infantil? Orientieren wir uns vorsichtshalber an einem gemeingültigen Usus, um nicht eine Wahrnehmungsstörung bei unseren Mitmenschen auszulösen, die uns folglicherweise ein Stück weit von der Gemeinschaft isolieren könnte? Ist es ein Bild der Gesellschaft, das sich nur deshalb so abzeichnet, weil sich gerade jeder so verhält, wie er meint, dass es erwartet würde und dass wir eine viel offenere Gemeinschaft bilden könnten, würden wir uns mehr so verhalten, wie wir tatsächlich sind? Klar, oder?

Nun zur eingangs gestellten Frage. Was möchte ich sehen? Ich fotografiere. Seit fast 40 Jahren. (Viele meiner Leser sind nicht einmal so alt 😊. Wobei das Alter nur relativ ist, viel wichtiger ist ein Verständnis über eine Sache oder ein Gefühl und dabei kann ein junger Mensch durchaus weiter sein als ein älterer.) Ich kann die Bilder betrachten, die ich einst im Keller noch selbst entwickelt und vergrößert habe und sie neben jene halten, die an meinem 4K Monitor flimmern. Wo ist der motivische Unterschied? Ist da tatsächlich einer vorhanden? Du kannst es nicht sehen, du sitzt nicht hier neben mir und schaust. Dir fehlte natürlich die Erinnerung an die Situation von damals und heute, doch du sähest als Unbefangener die puren Bilder, den Ausdruck der Menschen und den Moment im Bild, du spürst die Wirkung der Aufnahmen auf dich und die Empfindung, die jedes einzelne der Bilder in dir auslöst.

Die gleiche Frage stellte sich vielleicht einst dem Maler, der im hohen Alter noch das Portrait der jungen Herzogin zeichnete und sich an seine Anfänge erinnerte, zu denen er die Großmutter der jungen Herzogin in gleichem Alter zeichnete. Was ist der Unterschied im Motiv, wenngleich seine Technik sich sicher meisterlich entwickelte? Aber das Motiv? Bis heute ein Portrait mit möglichst positiven Eigenschaften?

So ist die spannende Frage nicht zu beantworten und sie verlangt nach einer differenzierteren Fragestellung. Nur so komme ich einer Auflösung näher. Das folgt in Teil ⚁.

Persönlichkeit?

fotoshooting koblenz portrait

Kann ein Bild authentisch sein? Ich denke, es gibt kein nicht-authentisches Bild. Klar, für ein Bild verstellt sich so mancher in seiner persönlichen Wahrnehmung. Ich achte mehr auf mich, meine Haltung, mein Ausdruck, meine Kleidung, wo ich mich befinde, und, und, und. Auch der Fotograf Corwin von Kuhwede drückt sich im Buch „Das authentische Portrait“ in diesem Sinne aus. Aus vielen Gründen könne es kein authentisches Portrait geben. Die Kamera wählt stets einen Ausschnitt aus der Szene. Niemals erfasst sie die ganze Szenerie. Sie hält den Moment fest, weiß nicht, was Sekunden vorher geschah, ahnt so wenig wie wir, was gleich geschehen wird und nicht, was Nanometer weiter links und rechts, oben und unten, oder davor und dahinter geschieht. Meistens.

Ob ein Bild eines Menschen authentisch ist oder nicht kann vielleicht der Betrachter entscheiden. Denn das, was an einer Bildaussage in diesem Bild transportiert wird, kann nur als eine Botschaft im Sinn des Betrachters verstanden werden. Sicher legt der Fotograf seine Idee der Aufnahme in das Bild, oft mehr, als der Mensch vor der Kamera, aber was beim Betrachter ankommt, ist vielleicht entscheidend.

So ist für mich jedes Bild authentisch (wenn nicht durch Bildbearbeitung verändert!), auch dann, wenn der Mensch vor der Kamera sich verstellt, verbiegt, versteckt. Es ist immer noch der Mensch, der sich zeigt, abgebildet vor dem Fotografen, in einem Moment, in dem er sich so verhielt, wie auf dem Bild, mit der Aussage, die in dieser 1/320 s festgehalten werden konnte. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Meine ich. Was denkst Du?

Deine Aufmerksamkeit

Wie unterscheidet sich ein Bild vom anderen Bild? Was macht ein Werk, eine Reihe, ein Portfolio für dich interessant? Was spricht dich daran an? Wie bist du auf das Werk aufmerksam geworden?

Wir alle werden von unzähligen Fotografien geradezu überflutet – hauptsächlich, wenn wir uns im Internet bewegen. Aber auch in anderen Medien begegnen wir Bildern auf Schritt und Tritt, ob in Printmedien oder im Fernsehen, ob als Werbeaufnahmen im öffentlichen Raum oder auf der Produktverpackung.

Ein paar Zahlen: Jeden Tag finden ca. 6 Milliarden Bilder den Weg ins www. In einer Woche werden 1,75 Mrd. Fotos auf Facebook geteilt. Das sind in jeder Sekunde circa 3000 Fotos, oder 259 Millionen Fotos am Tag.

Im Jahr 2013 waren es geschätzt bereits rund 1,2 Milliarden Fotos pro Tag. Nun also nahezu versechsfacht?

Weltweit nutzen mehr als 400 Millionen Menschen Instagram. 9 Millionen davon von Deutschland aus. Aktuell werden täglich bei Instagram weltweit 80 Millionen Fotos eingestellt. Insgesamt sind auf der Plattform mehr als 40 Milliarden Bilder gespeichert, so Internet World im Januar 2016.

Soweit die Zahlen. Wie gehst du an die Sache heran? Schaust du dir Fotografien im Netz an? Suchst du gezielt danach? Kaufst du dir Bildbände von Fotografen oder über Themen der Fotografie? Nutzt du Gruppen in verschiedenen Online-Netzwerken? Folgst du auf Instagram einigen Collector-Sites wie z.B. Portraitfeature, Portraitmood oder PortraitPage? Hast Du Lieblingsseiten von Fotografen oder folgst Du verschiedenen Blogs?

Auf der anderen Seite steht die Frage, wie du deine Fotografien, wenn du sie veröffentlichst? Auf Social Media Kanälen oder deiner Homepage, oder beides und mehr? Fotopräsentationsseiten wie 500px oder Flickr, fc oder Pinterest zeigen in vielfältiger Form unzählige Genres der Fotografie, manche bequem über Suchfunktionen oder auch nach Themen oder Unterthemen geordnet. Die Möglichkeiten erscheinen geradezu unendlich, es ist nur die Frage, wo bewegst du dich, welchen Aufwand betreibst du neben der eigentlichen Aufgabe, deiner Passion für dein Wirken.

Und wie steht es mit der Aufmerksamkeit für deine Präsentationen? Was denkst Du wird bleiben von deinem Schaffen? Was wird transportiert von deiner Idee und deinem Statement in deinem Wirkungskreis? Hast du überhaupt einen Anspruch? Für mich sind dies Gedanken und Fragen, die von großem Interesse und spannend zu beantworten sind. Wie steht es mit dir?