So oder So!

Ich hadere von Zeit zu Zeit mit meiner Wahrnehmung. Ist jenes, was ich sehe, das, was es ist oder das, was ich darin erkenne. Was ist der Unterschied?

Von außen betrachtet stelle ich in Frage, welche Bedeutung meine Meinung, meine Bewertung der Wahrnehmung hat. Was meine ich? Ich betrachte eine Sache. Ein Ding, ein Geschehen, eine Handlung. Während und auch nachdem ich dies tat, bilde ich mir eine Meinung, meine Bewertung fließt ein, und es entsteht ein vorläufiges Urteil in Bezug auf die Sache sowie ihrer Auswirkung auf mich.

Diese Betrachtung und ihre Wirkung wird maßgeblich durch meine persönliche „Geschichte“ gefärbt. Alle meine Erfahrungen begleiten mich ein Leben lang und bilden eine Grundlage, ein Filter für alle täglichen Begegnungen mit der Welt. Da steht nun das Urteil, die Meinung, die Ansicht, die Bewertung. Meine wiederkehrende Frage dabei ist, welche Bedeutung ich dieser Bewertung zumessen kann.

Die für mich als absolut geltende Wertigkeit gilt es im Kontext zur Gemeinschaft zu sehen, in der ich mich befinde, deren Mitglied ich bin, deren Bestandteil ich bin und die ich damit bilde. Außerdem gilt es eine Verbindung zu sehen mit den Ideen und Idealen, sowohl aus der Zeit ihrer Entstehung, wie auch ihrer Gültigkeit, während ich diese Zeilen schreibe. Die Wertigkeit im übergeordneten Ganzen kann nur eine unterschiedliche zu der meinen sein, besteht sie doch aus der Summe aller Mitglieder der Gemeinschaft mit wiederum ihren Ideen, ihren Erfahrungen und ihren Überzeugungen. In wie weit sie differiert oder an einem potentiellen Mittelwert anliegt bedürfte einer näheren umfassenden Untersuchung.

„Wo Mehrheit siegt und Unverstand entscheidet“ ist ein demokratiekritisches Statement, dass mich mein Leben lang begleitet. Im meiner Jugend wurde es parallel viel plakativer ausgedrückt: „Eine Milliarde Fliegen können nicht irren, fresst Schei… !“ Viele philosophische Abhandlungen habe ich verschlungen, von Platons Politeia über Kants Kritikenen bis hin zu Micheal Brandoms Expressiver Vernunft. Werke von Khalil Gibran, Antoine de Saint Exuperie, Yogananda und die Bibel wissen viele Perspektiven aufzuzeigen und Buddhas Weg kreuzt jene Wege der anderen Propheten wie Jesus oder Mohammed an unsagbar vielen Stellen.

Was hat das alles mit meiner Sichtweise zu tun? Eine Reise, ob körperlich durch alle Kontinente, die die Sichtweise seines Ichs gehörig auf einen Nenner bringen wird, der ganz weit unten angesiedelt sein wird, oder eine geistige und emotionale Reise wird den Horizont derart weit verändern, wie es jener in seiner Komfortzone so gut wie niemals schaffte. Nicht jeder ist Kant. Bei der Reise aus sich heraus oder zu sich selbst zurück habe ich es stets als hilfreich empfunden, neben Lehrern aus dem realen Leben auch geschriebenes Wort zu Rate zu ziehen. Weisen doch Gedankenschlösser aus Eigenregie häufig den ein oder anderen Fehler auf, oftmals sogar im Fundament, das während unserer Menschwerdung seit unserer Geburt gelegt wurde.

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Wärme

Aussehen und Wirkung. Wenn das Aussehen des Menschen und seine Wirkung auf andere Menschen in sich divergiert, das Äußerliche und die empfundene Nähe eine andere Sprache sprechen, wenn der kühle Schein einer tiefen Wärme weicht, sobald man sich nähert, was bedeutet das?

Ausstrahlung ist etwas, das jeder Mensch bei einem anderen Menschen wahrnimmt. Eine Fotografie unterscheidet sich naturgemäß von der Realität, es ist schließlich ein momentanes umd stummes Abbild jener. Realitäten wiederum gibt es viele, so viele, wie es Momente gibt. Jeder Mensch strahlt in jedem Augenblick etwas aus, und in jeder kleinen oder größeren Zeitspanne verändert sich diese Erscheinung. Auch die körperliche Entfernung spielt eine maßgeblich Rolle im großen Spiel der zwischenmenschlichen Begegnungen.

Ab einer gewissen Nähe erst erkennen wir die Mimik einer Person. Eine Mimik, welche wir so intensiv empfinden, wenige Bruchteile von Sekunden reichen aus, in denen unser Gefühl, unser Instinkt über zunächst Sympathie oder Ablehnung, dann Gefallen oder Missfallen entscheidet. Ich meine hier jene Begegnungen, in denen wir gemeint sind. Nicht solche mit fremden Personen, denen wir flüchtig begegnen und die nach Sekunden oder Minuten unserer Erinnerung mehr oder weniger spurlos entschwunden sind.

Zwar nicht umunstößlich sind diese Beurteilungen, bilden sie zunächst jedoch ein Fundament, das sehr viel tiefer gründet, als unser Bewusstsein oftmals ahnt. Was aber, wenn dieses Fundament unerwartet und plötzlich nahezu in sich zusammen bricht? Wenn es sich aufzulösen droht, nachdem sich die Seelen in den näheren Kreis begeben haben? Eine vermeintlich unnahbare Kühle wandelt sich schier unaufhaltsam in eine tiefe Wärme. Wenn Aussehen und Wirkung in einem vorläufigen Widerspruch erscheinen, in einem Menschen unerwartete Gefühle auslöst, was bedeutet das?

Agnus Dei – Wörterbuch zu „Nein!“

Zeit nehmen. Zeit opfern. Zeit haben. Zeit schenken. Wie hältst Du es mit Deiner Zeit? Für andere oder auch dich selbst!

„Ich kann nicht, denn ich habe keine Zeit!“ (Nääh, Du, isch kann nisch!)

Kreuze an: ❎ 😉

□ „Ich kann nicht!“ heißt: „Ich möchte mir (dafür) keine Zeit nehmen!“

□ „Ich kann nicht!“ heißt: „Dafür möchte ich meine Zeit nicht opfern!“

□ „Ich kann nicht!“ heißt: „Dafür möchte ich meine Zeit nicht verlieren!“

□ „Ich kann nicht!“ heißt: „Ich habe jetzt etwas zu tun, das meine Zeit mehr erfordert!“

□ „Ich kann nicht!“ heißt: „Mir ist ein anderer Mensch zu diesem Zeitpunkt wichtiger!“

□ „Ich kann nicht!“ heißt: „Ich habe Dinge zu vervollständigen, deren Entwicklung einen großen Rückschritt machten, oder gänzlich zu nichte gemacht würden, käme ich ihnen nicht nach!“

□ „Ich kann nicht!“ heißt: „Ich meine, dass es einen passenderen Zeitpunkt in der Zukunft gibt.“

□ „Ich kann nicht!“ heißt: „Ich benötige Zeit zur Regeneration!“

□ „Ich kann nicht!“ heißt: „Ich musste feststellen, dass ich dafür meine Zeit zuvor vergeblich geopfert hatte!“

□ „Ich kann nicht!“ heißt: „Ich habe für mich bereits alles erreicht, ich möchte nun neue Wege beschreiten!“

□ „Ich kann nicht!“ heißt: „Ich möchte (doch)… nicht (mehr), denn ich habe meine Ausrichtung verändert (oder beibehalten)!“

□ „Ich kann nicht!“ heißt: „Ich will nicht (mehr), habe jedoch nicht den Mut, es (Dir) zu sagen!

□ „Ich kann nicht!“ heißt: „Ich kann mich so gar nicht entscheiden!“

□ „Ich kann nicht!“ heißt: „Ich… vervollständige hier doch mal selbst und schreibe es gern‘ in einen Kommentar…

Wie hältst Du es mit der Authentizität?

Persönlichkeiten

Wer bist du? Wer bin ich? Was sind wir? Wie viele Persönlichkeiten stecken in uns? Wie stehen diese in Bezug zueinander?

In einem kleinen Bereich meiner Homepage beschreibe ich mich ein wenig, dort findest du einige Aussagen über mich. Angaben zu meiner Person im Leben, mit einigen Punkten, die ich hervorhebe, indem ich sie nenne. Du wirst ähnliche Punkte aufführen können. Betrachte ich diese Punkte näher, so stellt sich mir die Frage, in wie weit die Unterschiede in ihrer Bedeutung gegensätzliche Strömungen hervorrufen.

Heute habe ich mich entschlossen, vorrangig dieser Mensch mit dieser Meinung und diesen Wünschen zu sein. Morgen bin ich ein anderer Mensch mit anderer Meinung und anderen Wünschen. Was geht daraus hervor? In wie weit gehen die unterschiedlichen Wünsche, die in so vielen Momenten meines Lebens habe, in die gleiche Richtung, haben die gleichen oder wenigstens ähnliche größere Ziele? Habe ich an einem Tage Wünsche, die am nächsten Tag durch andere Wünsche konterkariert werden? Heben sich manche Wünsche gegeneinander auf? Bedeutet es, dass ich die Energie, die ich zur Erreichung eines Zieles zur Verfügung habe, am nächsten Tag durch die Annäherung an ein anderes Ziel in eine andere Richtung aufgehoben wird, weil die Gesamtheit der Wünsche nicht konform auf eine schlüssige Entwicklung meiner Persönlichkeit zielen?

So wie es Wolfgang Niedecken mit Bap es in Wellenreiter damals ausdrückte, nämlich dass du dich möglicherweise wie ein Wetterfähnchen im Wind drehst, ganz egal, woher der Wind kommt, Hauptsache es wäre der „neueste“ Wind, ist es nicht gemeint, denn du bist vielleicht von jeder deiner Ideen im Moment ihrer Bewandtnis überzeugt, überzeugt davon, dass die Richtung dieser deiner Ideen in Richtung deiner Persönlichkeit führe.

P.S. Fotomodel Giovanni ist oben zu sehen. 😊

Lebenswerk

Und wenn du doch dein ganzes Leben einer Sache folgst, sie dir scheinbar ebenso beständig folgt, und du dir immer schon, heimlich vielleicht, und es niemals so ganz vergegenwärtigen wolltest, immer schon ein Stück weit im Ungewissen darüber warst, ob diese Sache ein Teil von dir werden wird, du ihr aber in allen Lebenslagen wieder und wieder begegnetest, was zählt sie, diese Sache, von der du weißt, dass du sie immer wieder in dir spüren kannst, sie vielleicht schon längst ein Teil deiner selbst geworden ist, du es jedoch nicht wahrhaben willst, weil – ja warum eigentlich nicht?

In einer Sache hast du Erfahrungen. Erfahrungen aus dem Leben. Nichts Erlernbares ist es, nichts, was jedermann mit einem Lehrberuf oder einem Studium erlernen könnte. Nein, diese Erfahrungen erlernt man nur durch leben, durch Irrtum und Wahrheit, durch scheitern oder obsiegen, durch sein und handeln, durch innehalten oder verweigern. Reaktionen formen dich, so wie einst die Herdplatte dich lehrte, in eingeschaltetem Zustand nicht die Hand aufzulegen.

Durch wen oder was erfährst du diese Reaktion? Durch ein organisches oder anorganisches Element, ein Lebewesen, eine Sache, eine Instanz, eine Vorstellung oder Idee? Die Größe, die Macht einer Vorstellung, die Wertigkeit einer Idee besteht vor allem in deiner eigenen Vorstellung. Nicht, dass eine Herdplatte in eingeschaltetem Zustand nicht deine Handfläche verbrennen würde, aber die Idee der heißen Platte befindet sich in dir und du kannst dich ihr nähern, bis zu dem Punkt, an dem aus wohliger Wärme eine schmerzhafte Hitze wird.

Was bekommt Ihr angezeigt?

Im Reader finde ich manchmal einen Zeitsprung. Ich habe, wie jeder nachschauen kann, der mag, mehr als diese beiden Blogger abonniert und ich denke nicht, dass unter all den Menschen 13 Stunden lang niemand etwas veröffentlicht hat. 😢😂

Wie sieht es bei Euch aus, auch solche Sprünge im Reader? 😟

Freundliche Grüße und ein schönes Wochenende ab morgen…

Du

Ich sah dich so, wie du nie warst. Ich spürte dich so, wie du dich nie fühltest. Ich hörte Worte, die du nie sagtest. Sprachest du Worte, so verstand ich sie nicht.

Ich sah dich so, wie du nie warst. Ich fühlte dich nie, wenn du mich brauchtest. Ich hörte dich dich nie, wenn du schweigtest. Riefst du mich an, so vernahm ich nur Laute.

Ich sah dich so, wie du nie warst. Ich umarmte dich, wenn du fliegen wolltest. Ich ließ dich schweben, wenn du Halt suchtest. Wenn du dich anlehntest, war ich der Fels.

Ich sah dich so, wie du nie warst. Ich machte dir ein Geschenk, wenn du geben wolltest. Ich baute dir ein Haus, wo du ein Himmelszelt suchtest. Du zeigtest dich bloß, ich suchte für dich Kleider.

Ich sah dich so, wie du nie warst. Wenn ich mein Leben nach mir ausrichtete, so fändest du einen Pol. In uns hätte jenes erblühen können, dessen Same wir in uns trügen. Doch du sahst mich so, wie ich nie war.

(Text 1981, Foto 2018)

Erhaben

Sinne liegen als Schlüssel zur Erfassung unserer Welt bereit. Wir nutzen sie verschiedentlich sehr unregelmäßig, ihrer Bedeutung willen schreien uns manche ins Gesicht, andere flüstern fast unhörbar zu uns.

Der Lauteste Sinn unter all deinen Sinnen ist das Sehen. Er scheint allgegenwärtig. Er dominiert uns massivst, während man glauben kann, dass andere Sinne unter seiner Wirkung unterzugehen drohen. Das Gehör, als nächstwichtigster Sinn ist da schon etwas leiser, bedarf es schließlich einer gesteigerten Aufmerksamkeit, um das Gehörte zu seiner Wirksamkeit und seiner Deutung zu geleiten. Die anderen uns geläufigen Sinne, das Riechen und Schmecken, zuletzt der Tastsinn sind solche, die, wenn nicht durch ein Übermaß an Reiz eindringlichst hervorgehoben, einer offenen Art bedürfen, um im Zusammenspiel aller Sinne ihren Beitrag zum Gesamtbild zu ergänzen.

Wie funktionieren wir Menschen, wenn wir etwas wahrnehmen, etwas, das von außen kommend einen Eindruck in uns hinterlassen wird? Welche Wahrnehmung erreicht unser Gehirn, was wird ihm zugetragen, wodurch und in welcher Weise? Ist es unser allbestimmender Sehsinn, der ein erstes Bild transferiert, aufgrund dessen wir ein Vor – Urteil formen, welches nur sehr mühsam durch die Informationen der übrigen Sinne richtig gestellt werden kann? Ist es unser Gehör, das die Worte und Geräusche wahrnimmt und diese Wahrnehmung unserem Gehirn darbietet, wo diese in Reaktionen, in unsere Handlung münden?

Welche Rolle spielen die anderen Sinne. Was bedeutet es, wenn wir einen Menschen nicht riechen können? Welche Bedeutung hat unser Geschmackssinn? Was heißt es, wenn du jemandem einen schlechten Geschmack attestierst? Du schmeckst ihn in den seltensten Fällen tatsächlich, oder? ☺ Bleibt noch der Tastsinn. Kennst du das Gefühl, das dich nahezu elektrisiert, dein Herz höher schlagen lässt, wenn Du einen Menschen berührst, für den du eine tiefe Zuneigung empfindest?

Ist es schließlich ein Zusammenspiel all unserer Sinne, deren Signale auf eine Armada aus Erfahrungen und Erlebnissen, von Schlüssen und Mutmaßungen, von Regeln und Sitten, von Vorstellungen und Meinungen, von Ideen und Zielen, von Angewohnheiten und Bedenken, von tiefsten inneren Ängsten und Sehnsüchten trifft?

Unnahbar

(Text 1979 Foto 2018) Du sagst, du liebst mich. Es sei nur so schmerzlich schön. Ich brächte die Saite deiner Liebe zum Klingen, auch wenn Du sie ganz fest mit Deinen Händen umschließt.

Du befürchtest, sie könne reißen, du hältst sie daher beständig fest. In deinen Händen, damit es nicht geschieht, während du ahnst, du verwehrst ihr damit die Chance zu klingen. Du hörtest von der Gefahr, sie könne reißen.

Doch sie zu halten verliert den Klang ihrer selbst, und du wirst vielleicht niemals erkennen, dass unseres Herzens Saite nicht nur aus einem Faden die Klänge der Liebe verschenkt, sondern es derer viele sind, die trotz einiger versehrter Fäden den Klang niemals so ganz verliert, ja vielleicht durch jene Fäden, die einst nicht hielten, was sie versprachen, erst den vollen Klang der Liebe wiederzugeben vermögen.