Beliebige Bilderflut [105]

Ich sehe das anders. Bilder, überall. Selfies, wohin man digital blickt, alle filteroptimiert. Menschen wurden vor der Kamera abgelichtet, die Ergebnisse sind sichtbar auf all den einschlägigen Plattformen im Internet. Präsentation als Sinn und Zweck scheint der Darstellung von Kunst (Fotografie war niemals ausschließlich Kunst) gewichen zu sein. Bilder, nein, Fotos erschaffen eine virtuelle Realität. Ich bin etwas überfordert mit dem Maß der Nutzung der digitalen Virtualität und ich bin schon etwas erfahrener im Leben, heißt, ich habe vieles gelernt, vergessen, erlebt, gelitten, mich an Vielem erfreut und manchen Schwindel und Hype über-lebt. Wenn es für uns Menschen einen Horizont gibt und ich ihn beschreiben würde, so begänne ich am Tellerrand.

Mein Leben hat, wie vielleicht auch Deines, viele Gewässer durchschifft, hat manchen Sturm gemeistert, sonnige Tage erlebt, aber auch den ein oder anderen Schiffbruch erlitten. Bis heute und hier hin aber bin ich am Riff nicht verendet, sondern konnte allein oder mit Hilfe anderer Menschen ein neues Schiff bauen und die Reise fortsetzen. Wieder mit sonnenbeschienenen Stränden und schweren Unwettern, Flauten und Stürmen, in voller Gleitfahrt und vor sich hin dümpeln. Mal sogar zurück treibend. Bis heute habe ich damit einen Fundus errichtet, der mir aus heutiger Sicht eine schier unendliche Vielfalt an Erinnerungen darbietet, Erinnerungen, die sicher in ihrer Gänze total eingefärbt mit Gefühlen in einem zumindest rosigen, bisweilen aber auch dunklen Licht auftauchen.

Sitze ich gedanklich auf der Luv-Seite in der Sonne, blicke zum Horizont, den warmen Wind auf meiner Haut, die Geräusche des Bootes, das mit nur dem Wind durch die sanften Wellen des Meeres schneidet, so verliere ich mich gerne immer wieder in den vergangenen Welten von einst. Aus dem eigenen Repertoire tauchen Gedankenkonstrukte auf, immer gefühlvoll begleitet von Gerüchen, ich rechtfertige und erkläre, genieße, ich lebe nach und fühle. Von Zeit zu Zeit entführt mich eine Welle oder Boe in die nähere Dimension, blicke auf die Segel, korrigiere behutsam den Kurs, um gleich wieder in die entfernten Welten der Erinnerungen zu gleiten.

Doch ich war beim Foto. In jeder erdenklichen Situation werden Fotos geschossen. Was viel entscheidender ist, sie werden alle gepostet! Alle paar Minuten, Stunden. Tage eher nicht, denn das ist zu viel, das verzeihen die Follower nicht und entfolgen. Die älteren Fotos, mit einem Alter von vielleicht 4 Stunden sind schnell wertlos und verschwinden im Nirvana des www. Was bezwecken wir Menschen mit dieser Lebensweise, diesem Handeln und Posten von Essen und Haustieren, von Looks und Schmuck, von Nahrungsergänzungsmitteln und Proteindrinks und besondes Urlaubsdestinations? Als öffentliches Tagebuch zur eigenen Doku könnte man es möglicherweise verstehen, doch was gezeigt wird, ist häufiger das, was sein sollte, anstatt dem, was tatsächlich ist. Der Sinn und Zweck erschließt sich mir immer weniger. Wie geht es Dir damit? Was erwirkt diese Überflutung von Medien in Dir? Welchen Stellenwert hat ein Foto für Dich? Wie viele Fotos lagern in Deinem RAM? Oder Videos? Wie siehst Du den (hauptsächlich) deutschen Widerspruch von abnehmenden Zahlen der Abbildungen von Menschen in der Streetfotografie bei gleichzeitiger Flut von Selfies oder Buddies in den sozialen Netzwerken? Fragen über Fragen, und hier sitze ich und staune! Naja, nicht wirklich, gleich fängt Djungelcamp an. 😂

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The show must go on. Vom Posing [104]

Posing, die Bezeichnung für das Einnehmen einer bestimmten Körperhaltung für eine Fotografie, stellt ein wesentliches Merkmal einer Bildaussage dar. Vielfach vernachlässigt entscheidet die Haltung in Verbindung mit Mimik explizit über Gedeih und Verderb einer Bildaussage, über die Wirkung oder die Beliebigkeit eines Bildes.

Ein Bild kann noch so gut ausgeleuchtet sein, das Spiel mit Licht und Schatten so exzellent ausgearbeitet sein, die Verläufe von Farben und Formen durch Perspektive und Winkel so passend erfasst sein, die Kontraste und Verläufe der Strukturen so harmonisch oder gegenläufig eingefangen sein, kurz, technisch kann die Aufnahme von tadelloser Finesse gekennzeichnet sein, wenn die Pose auch nur in geringer Weise irritiert, so bildet dies einen entscheidenden Störfaktor bei der Beurteilung einer Fotografie. Zumindest dann, wenn es um vorzeigbar künstlerische Qualität gehen soll.

Damit meine ich nicht die vielen Millionen Bildchen bei Instagram oder Facebook, oder in anderen sozialen Netzwerken, die eine andere Orientierung haben, wie es zum Beispiel bei 500px, Flickr, und anderen Plattformen, die mehr auf Bildpräsentation ausgerichtet sind, als der Darstellung der User zu dienen. (Eine gesunde Mischung aus Präsentation und möglicher einfacher Kommunikation in Form einer Anwendung habe ich bisher noch nicht gefunden, vielleicht muss man es selbst generieren)

Auch die starke Tendenz der Zurschaustellung möglichst wenig bekleideter Menschen in den Fotogruppen bei FB ändert für mich nichts an der Tatsache, dass Posing ein vielfach unterschätztes Mittel ist. Viel Haut macht ein Bild noch lange nicht gut (obwohl es oft viele Likes mehr erhält, als Portrait und Lifestyle). Ich sehe es ganz im Gegenteil. Bei weniger Kleidung ist in meinen Augen die Qualität der Arbeit der Protagonisten noch viel wesentlicher. Es ist dabei sehr viel mehr Vertrauen, Einfühlungsvermögen und Gespür vonnöten, um nicht nur „Nacktbilder“ zu erstellen, sondern (künstlerischen) Akt oder Teilakt, wie auch verdeckten Akt. Letztgenannter stellt in meinen Augen nochmal mehr eine Möglichkeit dar mit dem zu spielen, was Kunst, Phantasie und Kreativität miteinander verbindet. Das aber nur am Rande.

Wo beginnt Posing und endet der Zufall? Keine Frage, es gibt atemberaubend schöne Bilder, die in einem Moment der absoluten Entspannung entstanden sind, die als Produkt des Zufalls sozusagen nebenbei entstanden sind. Doch sie sind meines Erachtens rar. Was ist also notwendig, damit man einer Idee eine Form, einem Gefühl einen Ausdruck geben kann? Sind der Blick und die Mimik Zutaten, die der Komposition einen Körper geben? Was ist mit den Gliedmaßen, was mit der Haltung des Kopfes, was mit der Stellung der Beine, dem Winkel von Kopf, Schultern und Rücken? Kann eine Drehung von Hüfte bis Kopf tatsächlich die Spannung erzeugen, die von vielen Fotografen und noch mehr Betrachtern so geschätzt wird?

Eine der am häufigst gestellten Fragen ist jene nach der Haltung und Stellung der Hände: „Und was soll ich mit meinen Händen tun?“ Was sieht natürlich aus, erscheint sinnvoll und was bereits gepost? Was erzeugt Widerstände beim Betrachter, was irritiert den wohlwollenden Besucher Deiner Werke? Oder initiierst Du eine Situation, in der gerade die überzogen künstlichen Positionen die Aussage des Bildes erst darstellen? Um dich der Möglichkeiten zu bedienen brauchst Du, wie so oft im Leben, das Rüstzeug des Basiswissens, um einzustellen, zu dirigieren, zu komponieren. Das Wissen über das, was fehlschlagen kann, bewahrt vor einfachen Fehlern, denn die passieren sowieso, weil wir Menschen sind. Aber eine solide Basis vermindert deren Wahrscheinlichkeit um ein gesundes Maß. Und welche sind es?

Wie kann ich Hände halten? Wie viele Ausdrücke kann mein Gesicht nur durch Veränderung der Lippen erzeugen? Dabei habe ich noch nicht über meinen Kopf selbst gesprochen, den ich neigen und drehen kann, in jede Position bringen, die in Verbindung mit allen anderen möglichen Variablen so mannigfaltige Gefühle darzustellen vermag. Denke nur an Haare, Wangen, Stirn, vor allem aber an die Augen. Gehe also den Schritt weiter, als „Stell‘ Dich mal hin und lächel!“

Reicht ein Foto? (Intermezzo)

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Ich gebe es zu. Ich bin ein leidenschaftlicher Sammler. Von nahezu jedem von mir besuchten Ort der Welt habe ich etwas mitgebracht. Nicht nur von Urlaubsorten, auch von dort, wo ich nur einen Spaziergang lang Zeit hatte, brachte ich etwas mit. Manchmal war es recht viel, meist zuviel, meine Taschen waren hin und wieder bis zum Bersten gefüllt.

Zuhause angekommen galt es die Taschen zu entleeren, doch letztendlich stellte sich immer die Frage, wohin damit. Es fand sich aber bis heute immer noch ein Plätzchen, wo die mitgebrachten Dinge abgelegt werden konnten. Im Laufe der Jahre wurden es immer mehr, immer mehr mutete es an, wie eine Sammlung. Es schien sich ein Konglomerat an unterschiedlichsten Strukturen zu bilden, wobei der Sinn und Zweck der Ansammlung nur in dessen Existenz zu erkennen war.

Es ließ über all die Jahre hinweg nur marginal nach. Jeder Besuch in einer neuen, manchmal sogar in einer alten mir bekannten Region ließ mich hinsehen und zugreifen, aussuchen, wählen, wegschmeißen und erneut suchen. Immer wurde ich fündig. Die Größe des Mitbringsels war nur am Rande von Bedeutung und wurde prinzipiell nur von der praktischen Umsetzbarkeit eingeschränkt. Wenn es nicht anders ging, so konnte es nur ein kleineres Erinnerungsstück sein, wenn es aber möglich zu transportieren war, so nahm ich gerne die Last auf mich.

Wer nun denkt, dass ich im Laufe der Jahre die Herkunft der einzelnen Exemplare vergessen hätte, der täuscht sich – nicht. 😉 Es wäre nicht ehrlich, wenn ich behaupten würde, ich erkenne jedes gesammelte Stück und weiß noch, wann und woher ich es habe. Aber es sind noch viele Exemplare, deren Herkunft und Fundort ich exakt vor Augen habe, die mich an die Zeit von damals erinnert, die mich den Geruch in der Luft, die Geräusche der Umgebung und vor allem die Gefühle der Seele nachempfinden lassen. Manche verbinden mich mit Menschen von damals, aber auch mit dem Menschen von mir, der ich damals war, der aus heutiger Sicht nicht immer der geliebte war, sondern auch der, den ich aus heutiger Sicht nicht recht verstehen kann.

Nun betrachte ich all die Dinge, die mit mir alle Umzüge quer durch die Republik mitgemacht haben, die meine Zimmer einst zierten, von denen es heute noch manche tun. Umzugshelfer, darunter viele Freunde, zweifelten an mir, ob es denn wirklich sein müsste, DAMIT wieder umzuziehen, denn zugegeben, sie waren nicht nur nicht leicht, sie waren auch in der Überzahl. Doch ja, sie ahnten, dass es keinen andern Ausweg gab, schließlich warteten einige von ihnen auf gemeinsamen Reisen oftmals geduldig auf mich, bis ich genug ausgesucht hatte.

Heute, viele Jahre später, stehe ich oft da, blickte manche an, nehme hin und wieder einen in die Hand, fühle ihn, spüre ihn, sehe ihn ganz genau an, erfreue mich an seiner Schönheit, denke an und fühle die damalige Zeit, schmunzle oder werde traurig, und frage mich, (und ich möchte gerne an dieser Stelle auch DICH fragen!) wie es wohl wäre, wenn ich all diese Exemplare hätte liegen lassen und statt ihrer nur ein Foto derselben gemacht hätte.

Wie wäre das? Reicht es aus, lediglich ein Bild einer Sache zu haben und wäre es das Gleiche? Sind nicht alle Dinge nur Dinge, die irgendwann vergehen?

Vitrine Fotografie Sammlung

Sammlung von Erinnerungen

Vielen Dank Mitzi Irsaj für Deinen Blogbeitrag, der mich daran erinnert hat, dass ich schon jahrelang mit dieser Thematik schwanger gehe.😊

Garten Mauer Koblenz

Diese Erinnerungen sind nun fixiert

Architektonische Schönheit [102]

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Der Begriff ‚Architektonische Schönheit‘ aus dem Werk „Kallias“ von Friedrich von Schiller begleitet mich schon eine Weile. Geht es in seinem Schriftstück in einer These um die Schönheit an sich auf der einen Seite, auf der anderen Seite hingegen um die Schönheit im Verhältnis vor der Erfassung ihrer selbst durch den Geist, den Intellekt, der bei ihrer Betrachtung eine Nützlichkeit hinzuaddiert wird, und somit aus ihrer Ursprünglichkeit hinaus getragen scheint. „Die architektonische Schönheit der menschlichen Bildung muss von der technischen Vollkommenheit derselben wohl unterschieden werden.“{1}

Mich hingegen beschäftigt dieser Ansatz im Hinblick auf das, was wir Menschen an unserer Schönheit optisch konstruieren, indem wir physische Maßnahmen jedweder Art ergreifen und wie unser Gegenüber darauf reagiert.

Es kommt mir dabei ein bisschen vor, wie bei Schiller: Ursprüngliche Schönheit ist schön um ihrer selbst Willen. Sie verfolgt keinen Zweck. Ein schöner Mensch ist einfach schön. Doch wir Menschen kennen viele schöne Menschen und jeder einzelne versteht unter Schönheit im gewissen Radius etwas anderes unter Schönheit. Ein offensichtliches Beispiel, an dem jeder für sich selbst eine Meinung bilden kann: Ist die Schönheit eines Sportlers eine andere Schönheit, als die eines Mannequins? Wäre der Sportler auch dann noch schön, würde er nicht Muskeln an bestimmten Stellen besitzen? Wäre er schön, wenn er kein breiteres Kreuz hätte, oder seine Beine sehr schlank und ebenmäßig sein würden, wie die Beine des Mannequins?

Finden sich tatsächlich Kriterien für unbestimmte, und noch wichtiger, unbedingte Schönheit? Wo wäre sie zu finden. Vor Jahren las ich ein Buch über die Schönheit des Weiblichen Motivs in der Kunst, in dem folgende These über die Schönheit der Frau als Modell für die bildenden Künste (ca. 18. Jahrhundert) aufgestellt wurde: (in etwa) Die tatsächliche Schönheit einer Frau reiche nur bis zur Frauwerdung, da ab diesem Zeitpunkt der Schönheit ein Zweck zur Seite gestellt würde, nämlich die Aufforderung zur Arterhaltung an sich, und zwar mit all seinen Ausprägungen, wie Werbung, Konkurrenzkampf und Erhaltung der Marktfähigkeit. Danach wären Bildnis und Skulptur nicht mehr nur der unbedingten Schönheit geschuldet.

Dieser Zweck, diese Funktion schließt Schiller wie folgt aus: (Auszug) … „Wenn man also von der Schönheit spricht, so wird weder der materielle Wert dieser Zwecke noch die formale Kunstmäßigkeit ihrer Verbindung anbei in Betrachtung gezogen. Das anschauende Vermögen hält sich einzig nur an die Art des Erscheinens, ohne auf die logische Beschaffenheit seines Objektes die geringste Rücksicht zu nehmen.{2}

Ausgehend von der anfangs gestellten Überlegung, was wir Menschen anstellen, um eine „Schönheit“ aufrecht zu erhalten oder zu steigern, möchte ich die Perspektive erweitern und fragen, in wie weit der Betrachter einer Schönheit überhaupt in der Lage ist, Schönheit von Zweck zu trennen, beziehungsweise diese ohne eine logische Beschaffenheit erfüllte Schönheit überhaupt wahrzunehmen. Ist nicht immer ein Zweck im Hintergrund unseres Intellekts, der sich in vielleicht jedes Urteil einschleicht? Kann der denkende Mensch überhaupt anders? Ist es ein Unterschied, ob der Mensch vor einem grandiosen Naturschauspiel seine Entzückung nicht mehr verbergen kann oder ergriffen vor dem Anmut einer menschlichen Erscheinung da steht?

{1} Friedrich von Schiller; Kallias, oder über die Schönheit / Über Anmut und Würde; Reclam, 2010 S. 75

{2} ebd.

Foto-Rätsel (nur für zwischendurch) Wer weiß, wo das ist? 1979 in Deutschland. 😊

Ich bin gespannt, ob hier jemand weiß, wie es damals war. 😊

Aufgenommen am 2 Tag meiner fotografischen Laufbahn mit einer Nikon EM und 50mm 2.0 Objektiv, aus 2 Bildern bestehend, eines davon unscharf geworden dank Schwenk und fehlender Erfahrung und fehlendem Autofokus, weil ich an den Fokusring kam…. 😂

Viel Spaß bei der Auflösung, die gebe ich Ende der Woche ….. aber vielleicht hat es ja jemand viel schneller erkannt ……. 💪

Auflösung: Düsseldorf, Eller, Endstation Vennhauser Allee. 😊

Reminiszenz, Teil 2 [101]

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Wie sehr man den Erfahrungen der Vergangenheit Raum in der Gegenwart einräumt, hängt davon ab, was man erlebt hat und wie es sich auf das Leben ausgewirkt hat. Die Frage, ob man zur Erkenntnis gelangt, man habe schon alles erlebt und es gäbe nichts neues mehr zu erfahren, beantworte sich jeder Mensch selbst. Während der vielen Schritte der eigenen Entwicklung durchlaufen Menschen verschiedene Stadien der Erkenntnisse. Was geschieht, wenn man denkt, man habe alles erkannt und was, wenn der zweite, viel entscheidendere Schritt der Erkenntnis eintritt, man könne nur wenig bis gar nichts verändern, in einer Resignation endet?

Wenn das Leben einen Menschen lehrt, dass jede Handlung Grenzen aufzeigt und dass diese Grenzen bisher nicht überwunden werden konnten, ganz gleich, ob die Ziele einer Handlung zu hoch oder die Anstrengungen zu gering, die Zeit einfach die falsche oder der Ort nicht der richtige war, ist nicht, was bleibt, immer das gleiche Resultat: Scheitern?

Wie oft stehst Du auf, nachdem Du fielst? Ist es irgendwann genug? Arrangieren sich nicht allzu viele Menschen in ihrer Komfort-Zone, liegend, Menschen, die nur dann wieder aufstehen, wenn diese Komfort-Zone in Bedrängnis gerät? Menschen, die bis zu diesem Zeitpunkt allenthalben nur schreien?

Wie ist es in einem Leben innerhalb einer Resignation? Wenn alles außerhalb der Komfort-Zone belanglos und ein Zeitvertreib darstellt, den es höchstens mal zu kommentieren, bestenfalls zu verurteilen gilt! Immer aber schön aus der Komfort-Zone heraus, dann aber mit Nachdruck. Um nicht allzu nah heran zu kommen, oder gar ergriffen zu werden, von der beobachteten Situation, einem Geschehen, einer Entwicklung, immer dann ist ein virtueller Abstand schon nicht schlecht. Also, paradiesische Zustände in dieser unseren digitalen Welt, oder? Klick – Weg, Schalt – um!

Like for Like, Teil 1 – Handelsware Likes

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Warum ich ein Bild „like“. (ohne Rangfolge, Menschenbildnisse):

– Weil mir das Licht und der Schatten gefällt.
– Weil mir der Mensch als Gesamtbild gefällt.
– Weil mir die Art der Darstellung eines Körperteils des Menschen gefällt.
– Weil mich eine Form oder Proportion am Menschen fasziniert.
– Weil mir eine Pose gefällt.
– Weil mir eine Farbkombination gefällt.
– Weil ich den Menschen schätze. (ja, jedoch äußerst selten)
– Weil ich den Fotografen schätze. s. o.
– Weil ich den Blick des Models umwerfend finde.
– Weil ich lange Haare liebe.
– Weil ich einen Gesichtsausdruck sehe, der an Ausdrucksstärke exorbitant ist.
– Weil ich den Hintergrund in Verbindung mit dem Model als sehr stimmig erachte.
– Weil ich der Darstellung im Bild eine besondere Natürlichkeit abnehmen kann.

Warum ich ein Bild nicht like.

– Weil mich das Licht nicht anspricht.
– Weil ich die Idee nicht mag.
– Weil ich eine Pose für ungünstig halte.
– Weil ein Gesichtsausdruck für mich nicht passend erscheint.
– Weil mir der Stil der Fotografie nicht liegt.
– Weil ein Blick nicht zum Posing oder Thema passt.
– Weil der Mensch vor der Kamera zu künstlich wirkt.
– Wenn durch die Kamera die Proportionen des Menschen aus dem Rahmen fallen.

Was keine Rolle spielt.

– Wie alt ein Model ist.
– Ob es ein skinny oder curvy Model ist.
– Ob ich von der Person zuvor viele oder wenige Likes bekam.
– ob es ein Supermodel ist oder ein Newcomer.

IV Ausnahmen von alledem zuvor Genannten

– Eine Pose kann total daneben sein, aber ein anderer Aspekt ist super. – Like
– Ein Mensch kann unendlich schön sein, aber der Blick ist leer. – ignorieren
– Eine Belichtung ist voll daneben, aber ein Teil der Aufnahme ist klasse. – Like
– Der Blick des Models ist ungünstig, die Pose aber überaus ansprechend. – Like
– Ein tolles Bild, aber das Model raucht. Ignorieren (Jaa, ich weiß, nicht ganz ernst, aber eine deutliche Tendenz dazu ist in mir nicht zu leugnen!) 🙈
– Wenn mir ein Mensch als Model eher nicht gefällt, aber die Proportionen in Gesicht oder Figur mich ansprechen. – Like
– Einige von den Standards sind nicht erfüllt (Kinn und Zunge, Fuß in Kamerarichtung, Nase über Profil hinaus,….), aber sie werden weniger gewichtet, als das, was positiv ist. – Like

All das ist nie starr, sondern fließend. Nicht als Dogma ist’s zu verstehen, sondern als Orientierung. Ausnahmen sind die Regel, wie im richtigen Leben. Manchmal trifft nichts von alldem zu und wie ein Zauber erscheint eine Verbindung zu einem Bildnis, das für mich nicht zu erklären ist und auch gar nicht muss! Es ist schließlich nur ein Bild, kein Mensch, den man riecht, fühlt, schmeckt, hört,…. 😊 Denn, Kinder, vergesst nicht, es sind nur Bilder! Und Likes keine Währung für Wert! Definitiv!

Ich fände es sehr interessant, wenn Du mir im Kommentar vielleicht Deine zwei bis drei wichtigsten Kriterien nennst, die Dich für oder gegen ein Like entscheiden lassen, vielleicht sogar solche, die oben nicht von mir genannt wurden. Danke Dir!

Reminiszenz, Teil 1 [100]

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Wie stark lebe ich in der Vergangenheit? Komme ich ab einem gewissen Punkt zur Einstellung, dass ich eh alles kenne? Gibt es danach noch Neues? Habe ich irgendwann alles erreicht und bin zufrieden mit dem, was ich erreicht habe? Oder lockt mich eine innere Kraft hinaus in die Welt, um zu entdecken, zu verändern und zu kreieren?

Eine Fragestellung, welche sich mir in jüngeren Jahren nicht stellte, könnte man meinen, doch weit gefehlt. Momente, in denen ein Gefühl so stark war, so intensiv und so tief, dass nachher eine Leere und eine Leichtigkeit sonder gleichen aufkam. Eine Intensität, die in mir jenes Gefühl aufsteigen ließ, dass ab diesem Zeitpunkt nichts und abermals nichts mehr auf der Welt und in diesem Leben jenem Augenblick etwas gereichen könne – so wozu noch einen Schritt nur machen.

Und dennoch, diese beiden ähnlich erscheinenden Punkte im Leben unterscheiden sich in einem wesentlichen Aspekt: In Moment und Summe der Momente! Stärker komme so kein einziges Gefühl daher, tiefer kann ein jedes sein, das noch kommt, das wartet, gelebt zu werden. Retrospektiv betrachtet zaubert die Erinnerung ein Lächeln in meine Seele. Wäre dem ersten Impuls statt gegeben worden, wären die folgenden Momente nicht gewesen. Doch wie ist es mit einer vermeintlichen Wiederholung? Ist sie nur ein Abklatsch dessen, was sich einst ins Herz brannte? Oder hat es das Zeug dazu, noch stärker, noch intensiver, noch tiefer zu werden? Was zeigt das Leben? Dies zu beantworten liegt ganz allein bei Dir persönlich! 😊