Bildgewaltig

Fotoshooting Mosel tfp

Kann ein Ding oder ein Mensch nur im Augenblick der Entdeckung bezaubern, um hernach als nur noch gewohnt belangloses Wesen sein Dasein zu fristen?

Ist es ein Vorzug des Menschen in der Jugend Dinge viel eher als schön zu empfinden, als ein älterer Mensch, der irgendwann, nahezu alles, so oder so ähnlich, zuvor schon einmal sah?

Sollte es dem Gang der Dinge geschuldet sein, dass ein Mensch mit zunehmenden Alter den Zauber der frischen Jugend als sich unabwendtbar davon entfernend im Geiste immer größerer Sehnsucht nachhängend empfindet?

Ist der grenzenlos verschwenderische Umgang mit der Jugendlichkeit ein Handeln aller je dagewesenen Generationen in ihrer Blütezeit erst als wahrhafte Erkenntnis Einzug haltend mit dem Beginn vom Verlust derselben?

Was Du siehst.

Du erschaffst ein Bild? Was ist es, das du abbilden möchtest. Was möchtest du ausdrücken? Was ist deine Intention? Was möchtest du dem Betrachter sagen?



Ist es ein technisch einwandfreies Bild? Ein Bild, in welchem sich viele der Regeln über Komplementärfarben und Perspektiven, über Aus- und Anschnitte, Schärfe und Bokeh und über Posing und Hintergründe wiederfinden lassen? Ein Bild, das eben durch die Umsetzung dieser Regeln einer „breiteren“ Gemeinschaft „zusagen“, auffallen wird, durch seine anerkannt stimmigen Einstellungen zum Lobe gereicht wird? Oder möchtest du andere Wege beschreiten? Wege, die von nur wenigen vorher eingeschlagen wurden? Wege zu Bildern, die sich von der Masse abheben, deutlich unterscheiden, deren Andersartigkeit aber auch bishin zum verstörend verwirrenden, unklar fragwürdigem oder extravagant Außergewöhnlichen weisen. Und da genau liegt der Punkt bei der Entscheidung: 

Fotografierst du „konformer“ so dass deine Arbeit eine breitere Masse erreichen kann oder liegt dir viel mehr das Ungewöhnliche, dessen Aufmerksamkeit hauptsächlich dem geschulteren Auge Beachtung abringt, sich aber dadurch der Mehrheit der Betrachter nicht unbedingt erschließt?

Ganz zu schweigen von der Beliebigkeit jener Bilder, die in ihrer Belanglosigkeit der einfachsten Erstellung durch jedes noch so einfachste Aufnahmegerät zur Bilderflut im einzigen globalen Medium dienen und die wenigen Bilder in der Masse der Aufnahmen mit sich reißen. (Blüten daraus mal ausgenommen!)

Dies könnte eine Frage sein, die du dir bei der Erstellung einer Fotografie jedes Mal von neuem stellen könntest und die dich vielleicht auf dem Wege deiner Entwicklung, respektive der Entwicklung eines eigenen Stils, wenn du einen solchen angedacht haben solltest, unterstützen wird.

Das Bild oder der Mensch?

Was siehst du, wenn du ein Portrait betrachtest? 

Millionen von Fotografien unzähliger Menschen sind im Netz. Auf vielen unterschiedlichen Plattformen sind Bilder aller Art zu betrachten. Etwa auf Instagram, Facebook, flickr, 500px, auf Seiten der fotocumunities und Fotomagazinen u.v.a.m. kann sich jeder Mensch „durchklicken“ und hin und wieder ein „LIKE“ hinterlassen. 

So finden sich Menschen-Bilder mit mehr und Menschen-Bilder mit weniger Aufmerksamkeit und weniger „Likes“. Was und ob es überhaupt etwas über die Qualität des Bildes aussagt kann jeder für sich selbst bestimmen. Ob ein „gutes“ Bild von einem Fotografen mit geringer Reichweite oder weniger Followern oder ein schlechtes Bild von einem Fotografen mit sehr vielen Followern ist, das die größere Anzahl von „Likes“ erhält, sei hier gleichwohl unkommentiert.

Die Frage ist viel mehr, was dir in den Sinn kommt, wenn du ein Bild betrachtest oder überscrollst. Was siehst du? Die Ausstrahlung des Menschen? Oder die Qualität der Aufnahmen? Zeitweise beides? 

Was erkennt der „Durchschnittsbetrachter“ beim scrollen, bestenfalls im Einzelbildmodus am 27 Zoll Monitor, ungünstigstenfalls auf dem kleinen Smartphone-Display im Galleriemodus? 

Wieviel erkennt der Betrachter, wieviel erkennst du von Bilddiagonalen, vom Anschnitt oder der Lichtführung, von Bokeh oder Flares, von Spitzlichtern oder weichem Rembrandt-Licht?

Was nimmt der Betrachter wahr von der Haltung der Hände, der Stellung der Füße oder der Blickrichtung des Menschen? Was sieht der Hinsehende in der Milisekunde der Zeit, die ihm bleibt für die Sichtung des Bildes von Körper-Dynamik und Körperspannung, vom Sitz der Kleidung oder erst deren Auswahl?

Was empfindet der Gast bei einer Präsentation, wenn er einen Menschen auf einem Bildträger jedweder Art sieht? 

Den Mensch? Den Ausdruck? Die Bildaussage? Eine Schönheit? Eine Sympathie oder eine Ablehnung? 

Was denkst du ist es bei dir? 

Ist es möglicherweise ganz schlicht ein Zusammenspiel aller möglichen Faktoren? Erfolgt deren intuitive Bewertung dadurch, dass ein Eindruck steht und fällt mit dem Fehlen eines oder mehrerer Einzelfaktoren, die die Summe der Aussage tatsächlich, wenn nicht ein Faktor andere überstrahlen kann, diese vernichten kann?

Schönheit der Sinne

Ist Schönheit absolut fiktiv? Ist nicht Schönheit ein Phänomen des Auges und des Ohres, ein Phänomen der Sinne überhaupt, die rein aus unserem eigenen Empfinden entstehen, und sonst nichts?

Ist Schönheit etwas, was uns bei völliger Interessenlosigkeit gefällt, in uns ein interessenloses Wohlgefallen auslöst, wie Kant meint?

Beginnt Schönheit erst mit der Schönheit des Menschen, wie Nietzsche meint?

Oder definiert sich Schönheit über das Fehlen von Hässlichkeit, wie Grammer schreibt?

Beginnt nicht Schönheit erst dort, wo du sie wahrnimmst? Wie die Schönheit der Seele, die sich erst durch ihr Handeln zeigt. Und ihre Hässlichkeit zeigt durch Unterlassen einer Handlung?

Vom Sehen

Nur der erfahrene Betrachter ist in der Lage, typisches vom untypischen zu unterscheiden. Damit ist er sogleich in der Lage, typisches zu erkennen und als das zu entlarven, was es ist: typisch. 

Für den unerfahrenen Betrachter ergibt sich folgerichtig: selbst typisches gilt ihm als besonderes, fehlt ihm doch die Erfahrung, um eine Unterscheidung vornehmen, geschweige denn erkennen zu können, wenn im typischen etwas besonderes steckt.

So bleibt das untypische dem erfahrenen Betrachter vorbehalten, ist doch nur er in der Lage, es zu erkennen. Dem Unerfahrenen bleibt es hingegen verborgen, obwohl er es erblickt.

Unbekannter Künstler

Ein Werkstück kann als Kunstwerk anerkannt sein. Kunst kann allgemein gültig sein. Mehrheitlich wurden Festlegungen getroffen. Es wurde unterschieden zwischen Kunst und „Nichtkunst“, zwischen möglicher Kunst und unwahrscheinlich zu Kunst werdenden Werken. 

Vermeintliche Kunst kann zur Kunst werden, wenn Werke nur ein ausreichendes Maß an Quantität der Beachtung finden. Selbst wahrhaftige Kunst kann durch mangelnde Wahrnehmung als „Nichtkunst“ ihr Dasein fristen. 

Kunst kann der Zeit entwachsen sein, ihr voraus, ihr hernach. Kunst kann dem Ort nicht gemäß sein. Kunst kann der Empfindung der Zeit entrückt sein. 

Wo du dich wann befindest, wer dich wahrnimmt und wie, das bezeichnet den Stand deiner selbst. Jedoch sagt es nichts aus über Dein Wesen, allein über die Verknüpfung deiner Erscheinung in deiner dich umgebenden Welt.