Von der Handlung und Nichthandlung [96]

Fotoshooting Koblenz Portrait tfpShooting Model

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Konversation findet bei einer Begegnung zwischen Menschen immer statt! So in etwa steht es bei Paul Watzlawick. Es gibt demnach keine Begegnung ohne Konversation. Man kann sich begrüßen oder aneinander vorbei schauen und ausweichen. Man kann eine Frage stellen oder eine klassische Grußformel sprechen. Ein Lächeln ist denkbar und öffnet damit alle Möglichkeiten. Was geschieht aber im Anschluss? Was ist möglich, was könnte passieren, wenn sich Menschen begegnen, wo auch immer, wann auch immer oder wer auch immer.

Beim letztgenannten möchte ich beginnen:

WER?

  • Kennen sich die Personen, die sich begegnen?
  • Kennen sie sich gut oder nur oberflächlich?
  • Haben sie sich lange nicht gesehen oder kürzlich?
  • Sind es Partner oder Freunde?
  • Sind es Nachbarn oder Bekannte?
  • Sind es Kollegen oder Mitarbeiter?
  • Sind es Menschen, die wir fürchten?

WANN?

  • Haben die Personen Zeit für die Begegnung?
  • Haben sie viel Zeit oder wenig?
  • Sind sie in Eile?
  • Unterbrechen sie ihre evtl. vorhandene Eile?
  • War ein Treffen geplant?
  • Findet die Begegnung unter positivem Stern statt?
  • Ist es eine Pflichtveranstaltung?

WO?

  • Sind beide in Bewegung oder ruht eine der Personen, oder gar beide?
  • Treffen sie sich persönlich oder online, schreiben sie sich oder telefonieren?
  • Ist der Treffpunkt für beide vertraut oder fremd und ungewohnt?
  • Ist es öffentlich oder privater Natur?

Viele Szenarien sind möglich und zudem untereinander kombinierbar. Worauf ich hier im Artikel eingehen möchte ist die Frage nach dem, was allen gemein sein kann. Interessant ist für mich, was trotz der unterschiedlichen Situationen stets sehr ähnlich, weil traditionell oder nach Brauch wiederholt geschieht, wenn Menschen miteinander kommunizieren. Was ist Standard, was nicht und wo liegen die Grenzen? Was haben Verständnisschwierigkeiten zur Folge, die durch unterschiedlichen Verhaltensweisen entstehen? Darauf aufbauend und weitergehend, wie äußern sich die (meiner Ansicht nach) zunehmenden Verhaltensstörungen und was ist die Folge davon?

Mit der Kommunikation steht und fällt die Verbindung zwischen den Menschen. Ob in der Politik, der Gesellschaft oder im zwischenmenschlichen Bereich, es läuft immer auf die Verständigung hinaus. „Wie hast Du es gemeint?“ „Was hast Du gemeint?“ „Habe ich Dich richtig verstanden, wenn ich denke, dass…?“ Ein Schlüssel zum Verständnis der Menschen untereinander ist eine gelungene Kommunikation. Durch Worte und Handlungen ist viel zu erreichen, genauso viel ist durch sie zu manipulieren. Ganze Kriege sind durch Worte ausgelöst worden, Fehden entstanden durch Aussagen beziehungsweise durch deren Auslegung ganz gleich ihrer tatsächlichen Bedeutung.

Was also ist jeder Kommunikation zu eigen? Kann sie positiv wie negativ oder auch neutral sein? Ist sie immer und überall zielgerichtet? Steckt immer ein Sinn oder eine Absicht hinter einer Kommunikation? Wird durch jede Handlung oder Nichthandlung kommuniziert? Wird durch Nichtachtung gewisser Regeln oder Verträge ein Kommunikationspartner geringgeschätzt, ihm gezeigt, dass in einer Beziehung eine geringere Wertigkeit besteht. Wie werden Belange, Wünsche, Optionen oder Ziele kommuniziert, wie wird reagiert, wenn man angesprochen wird, wenn eine Aufmerksamkeit, die immer und überall hin gerichtet werden kann, geschenkt wird? Wird sie geschätzt, oder wird sie im Zuge der möglichen Optionen als ein Ruf unter vielen vielleicht noch gehört, niemals aber darauf reagiert?

Kommunikation besteht dann, wenn ein Austausch zwischen zwei Parteien stattfindet und kann nicht einseitig erfolgen. Wenn eine Seite nicht reagiert, so findet zwar Aktion statt, nicht aber Reaktion und es findet kein Austausch über zum Beispiel Gedanken, Meinungen oder Geschehnisse statt, dort, wo es möglicherweise angesagt ist. Die Gründe für unterlassene Kommunikation können vielfältig sein. Von Bedeutung über Überforderung bis hin zur Steuerung ist vieles denkbar, in jedem einzelnen Bereich und jedem einzelnen Fall gilt es eine nähere Betrachtung zu wagen. Dabei kann eine Strömung in der Gesellschaft durch sogenannte Vorbilder wahrgenommen werden, wenn man nur deutlich hin blickt!

Ich höre, was Du sagst, und:

„Ich antworte oder ich antworte nicht, weil:“

  • ich andere Dinge mache
  • ich mir dazu keine Zeit nehmen will
  • ich keinen Überblick habe über die vielen Nachrichten
  • ich gerade Deine Kommunikation nicht wünsche
  • ich deine Anfrage nicht erkenne
  • ich denke, du willst keine Kommunikation
  • ich nur Anfragen sammle und mich daran bewerte, wie viele ich bekomme
  • ich Angst habe, du könntest weitere Fragen stellen
  • ich fürchte, ich könne etwas von mir verraten, was ich lieber verberge
  • ich mich von Dir zuvor verletzt fühle, Dir dies aber verschweigen will
  • ich fürchte, Du könntest mehr erwarten, ich aber nicht sagen, was ist.
  • ich schlecht „Nein“ sagen kann
  • ich fürchte, entdeckt zu werden
  • mir Deine Anfrage unangenehm ist

Diese Liste kann von Dir weiter geführt und individuell vervollständigt werden, jeder Mensch hat eigene Erfahrungen und Umgangsformen verinnerlicht, verändert sie je nach Umgang und Gemeinschaft, je nach Gefühl und Empfindung. Äußere Einflüsse wie Mediennutzung verändern nicht nur uns, sondern auch unsere Umgangsformen. Es ist wie im Straßenverkehr: fehlen Kenntnisse über die abgesprochenen Verfahrensweisen, so kommt es zu Unfällen, der Verkehr kommt zum Erliegen. Die weiteren Folgen dürften jedem klar sein. Missverständnisse und Unverständnis führen zu Problemen zwischen uns Menschen. Sind wir auf dem besten Weg dahin?

(Klar, wenn zwei Personen nebeneinander sitzen und sie beide an ihren Handys hängen und sich nicht gerade über Messenger-Dienste Nachrichten schreiben, so kommunizieren sie nicht miteinander.)

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Bin dann mal offline, aber nur kurz…. 😊

Ab Februar wieder da wünsche ich Euch allen eine wunderschöne Zeit und Gesundheit, gehabt Euch wohl, und bleibt aktiv bei der Verbesserung der Welt, sowie Euch selbst! Ich mache es auch. Ein paar Beiträge von mir habe ich terminiert, wie immer Sonntags um Neun, ich freue mich auf Eure Beiträge, die ich dann im Februar alle nachholen möchte zu lesen!

Bis dahin, und glaubt an Euch!

From February again here I probably wish You all one wonderful time and health, had to You, and remain actively with the improvement of the world, as well as yourselves! I also do it. I have a few contributions of myself set in time, as usual, Sunday at Nine, I am glad about your contributions for which I would like to make up then in February everything to read!

Till then, and believes in You!

Febbraio nuovamente dato che auguro a tutti voi un tempo meraviglioso e salute, probabilmente avuto e rimane attivo nel miglioramento del mondo, così come il tuo! Lo faccio anche. Ho messo un paio di post da me il tempo, come sempre la domenica alle 09:00, attendo con ansia i vostri contributi, mi piacerebbe fare poi a febbraio tutti a leggere!

Fino ad allora e crede in te!

Février à nouveau car je souhaite à vous tous un temps merveilleux et la santé, vous avez probablement eu et reste actif dans l’amélioration du monde, ainsi que les vôtres ! Je le fais aussi. J’ai mis quelques messages de moi à l’heure, comme toujours le dimanche à 09:00, j’attends avec impatience vos contributions, je tiens à faire puis en février tous les lire !

Jusque-là et croit en vous !

Febrero otra vez pues deseo que todos ustedes un maravilloso tiempo y salud, probablemente tuvo y sigue siendo activo en la mejora del mundo, así como de su propio! Lo hago también. He puesto un par de posts de mí en el tiempo, como siempre los domingos a las 9:00, esperamos vuestras aportaciones, me gustaría hacer en febrero todos a leer!

Hasta entonces y cree en ti!

Olaf 🙋 😊

Phantasie [95]

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Wunsch? Eher nicht.

Vorstellung? Nicht ganz.

Idee? Ist dabei.

Traum? Ja, geht schon in die richtige Richtung.

Phantasie? Hat unbedingt damit zu tun.

Gefühl? Äußert sich darin öfters.

Sehnsucht? In Gänze dabei.

Im heutigen Beitrag versuche ich zu konkretisieren, welche Kraft mit all den oben genannten Worten zu tun hat, ohne dass eines der Worte allein zutreffend wäre. All diese Worte sind Teil eines Puzzles, das wiederum einen Teil von mir ausmacht. Dieser Teil beschäftigt und begleitet mich zeitlebens, er lässt in mir Gedanken um die Bedeutung und Ziele, die ich habe, entstehen.

Dieses gewisse Etwas, das immer mal wieder aufblitzt, das sich manchmal sogar einen Augenblick länger zeigt, um dann wieder unscharf zu werden, sich damit meinem Blick entzieht – es fesselt mich seit je her. Es überrascht mich, taucht auf und hinterlässt in mir eine tiefe Leere, indem es wiederum verschwindet; niemals aber ohne eine gewisse Sehnsucht zu hinterlassen. Es erscheint, nicht dauerhaft greifbar, nur seine Auswirkungen in Form der oben genannten Substantive und vor allem der damit verbundenen Gefühle, die mich – wie alle Menschen letztlich – ausmachen, wirken mein Leben lang.

Vielleicht ist dieses gewisse Etwas eines der Dinge, die mich als Ganzes antreiben etwas zu verwirklichen, es mutet an ein Teil meiner Kreativität zu sein. Es reicht deutlich über das Alltägliche hinaus. Es entgegnet jene Kraft, die einer Vergänglichkeit widerspricht, die in allem und jedem existiert, da nichts auf der Welt beständig ist, so sehr wir es auch wünschen. Ist jeder Mensch, so wie ich, bestrebt, etwas Bleibendes zu hinterlassen? Entsteht dieser Wunsch in jedem Menschen, wenn er realisiert, dass es eine Endlichkeit in allen Bereichen gibt?

Von der Endlichkeit des Lebens erfuhr ich auf sehr drastische Weise. Einer meiner Mitschüler wollte die A46 als Abkürzung zu Fuß überqueren, es misslang ihm jedoch. Das Geschehene war für mich bis zu dem Zeitpunkt absolut fiktiv, an dem ich mich von ihm in seinem sehr klein anmutenden Kindersarg verabschieden konnte. Es war im 3. Schuljahr mit 9 Jahren, und dies zu verarbeiten war nicht ganz leicht, das weiß ich heute. Er war unheimlich klein, wie er so da lag, viel kleiner, als vorher in Wirklichkeit.

Zurück zum Versuch diese Kraft in mir zu umschreiben und zu greifen, zu dem Versuch herauszufinden, was sich hinter diesem Gefühl der Unvollständigkeit verbirgt. Bedürfnisse sind allgegenwärtig, dafür bin ich Lebewesen. Neben den funktionalen Bedürfnissen, wie atmen oder schlafen gibt es die sogenannten primären und sekundären Bedürfnisse, wie etwa, primär, Essen und Trinken, Wohnen und Wärme. Von den sekundären Bedürfnissen möchte ich als Beispiele die Sicherheit und die sozialen Kontakte nennen. Vielfach geht man davon aus, dass erst diese Bedürfnisse gestillt sein müssen, damit der Mensch es wagen kann, sich mit seinem vielleicht tiefsten Bedürfniss auseinanderzusetzen: Der Selbstverwirklichung.

Wie die Selbstverwirklichung aussehen kann, wie weit die dafür nötige Selbstfindung gediehen ist, liegt bei jedem Individuum selbst. Ob jeder Mensch dazu kommt, sich dieser Herausforderung zu stellen ist fraglich, denn um die Befriedigung der Grundbedürfnisse ist es weltweit aus mannigfaltigen Gründen, wie z.B. Gier nicht gut bestellt. Ein hungriger Geist philosophiert nicht gerne, sondern sucht Nahrung. Wir sind weit davon entfernt, denn das Gut der Erde wird auf Kosten Vieler auf nur wenige verteilt. Was ist aber, wenn ein Mensch das Privileg besitzt, sich über seine Selbstverwirklichung Gedanken machen zu können, welche Wege wird er wählen?

Beginnt ein Mensch beispielsweise eine Sammlung, so kann deren Ziel stets nur sein, unvollendet zu sein, damit das Ziel selbst, nämlich „Sammeln“, erhalten bleibt. Jede Sammlung soll unvollendet bleiben, es wird nämlich immer etwas geben, was in der Sammlung fehlt, nicht wahr? Welche Ziele gibt es noch? Anhäufung von Gütern jedweder Art? Konzentration von Macht? Privilegierung bestimmter Gemeinschaften und Gruppen? Entwicklung einer Persönlichkeit? Dienst am Leben? Diese Liste kann unendlich fortgeführt werden.

Bei mir hat das anfangs beschriebene Gefühl, diese Kraft, eine wesentliche Bedeutung im Bereich der Sinnfindung für mein Leben eingenommen. Latent empfinde ich es als allgegenwärtig. Es findet sich verborgen oder offen in Text, Musik oder im Bild, es ist in der Form, der Skulptur und besonders der Natur zu emp-finden. Musik beispielsweise lässt mich erschaudern, wenn sie die Seele berührt, das Gefühl von überirdisch entstehen lässt, wie zum Beispiel bei einem Konzert des Hilliard-Ensembles mit Jan Garbarek im Berliner Dom, als die Sänger zu Beginn des Konzertes aus verschiedenen Richtungen von piano bis hin zu forte singend sehr bedächtig in Richtung Altar gingen, wo Jan Garbarek in seiner unwahrscheinlich gefühlvollen Art die Gesänge des Officiums mit seinem Saxophon untermalte.

Aber auch andere Kunstwerke vermögen dieses Gefühl entstehen zu lassen. Ob es menschengemachte Werke sind oder die der Natur. Mich fasziniert eine Art der Vollständigkeit, der Vollkommenheit, die vielleicht für jedem Menschen eine andere ist, die mich in diesem Augenblick anlächelt und sagt: Sieh her, hier bin ich, all das, was zu Deiner Vollkommenheit fehlt. Damit erweitert sich vielleicht der Schein und lässt mich die Wärme spüren, die möglich zu erlangen ist, wenn ich es so ausdrücken möchte. Ich empfinde eine Sehnsucht nach dieser „Schönheit“, dieser „Kraft“, diesem „Etwas“, das für mich nicht so einfach in Worte zu fassen ist.

Nun suche ich, wie viele Menschen auf der Welt, nach einer Ausdrucksform, dieses Gefühl zu manifestieren, darzustellen. Erneut komme ich zu den mir gegebenen Möglichkeiten als Mensch, dies auszudrücken. Ich erwähnte zuvor die Kunst. Sie ist ein möglicher Weg, das auszudrücken. Aber beileibe nicht der einzige. Denn was uns letztendlich ausmacht, sind unsere Taten und ihr Pendant, die Unterlassungen. So kann ein Audruck dieses Gefühls die Tat sein, die in ihrer Beschreibung dann nur eine Güte besitzen kann, nämlich in Form von Menschlichkeit, Großzügigkeit, Wahrhaftigkeit, Ehrlichkeit, Aufrichtigkeit, und viele Begriffe mehr sind damit verbunden. So äußert sich diese Kraft in viel mehr als einer darstellenden oder bildenden Kunst, sondern sie zeigt sich im täglichen Leben, in Partnerschaft und Freundschaft, in der Gemeinschaft und Gesellschaft, in nahezu jedem Bereich unseres Wirkens.

In der Kunst aber dieser Kraft einen Ausdruck geben zu können ist eine der höchsten Werte, und das aus gleich mehrerer Hinsicht. Ein Mensch muss finden, in welcher Kunst er seiner Seele einen Ausdruck verleihen kann. Und als allererste Maxime überhaupt kann nur gelten, dass es jedem Menschen zustehen sollte, diese finden zu können, zu dürfen. Ich meine, diese Kreativität steckt in jedem Menschen. Durch viele Faktoren wird sie jedoch nicht entwickelt, wird von außen oder innen unterdrückt, oder sie wird als nicht von Bedeutung angesehen. Wie im letzten Abschnitt gesagt kann sie auch in Form der Organisation von Projekten liegen oder ein Handwerk zu vervollkommnen, die Möglichkeiten sind äußerst vielfältig.

Nicht jeder kann komponieren oder malen, bildhauern oder fotografieren, zeichnen oder modelieren, nähen oder erfinden, doch ich meine, es gibt unendlich viele wertvolle Bereiche, in denen ein Mensch zum Künstler werden kann, eine, seine Berufung finden kann. (Jeder weiß, dass es einen Unterschied gibt zwischen Beruf und Berufung, nicht wahr!?) Es geht darum, diese Kraft zuzulassen und sie nicht einem System zu opfern, ganz gleich, welches, da jedes System die Individualität aus Eigenerhaltung scheut und unterdrückt. Klar, sonst wäre nachher nichts mehr systematisch. 😊 Aufklärung dahingehend tut Not, und jedermann sollte dies verkünden, damit die Kreativität im Mensch zu einer lebenswerten Welt beitragen kann. Ist aufwendig, ja, aber nicht unmöglich, meine ich.

Erneut zurück zur Kraft, der ich mit den anfangs genannten Substantiven auf die Spur kommen möchte. Es geht um die Übertragung dieser Kraft auf etwas, das sie sichtbar macht, eine Art Transformation, in die sich dieses Gefühl ergibt. Wenn es gelingt dieses umzusetzen, so beinhaltet das Werk, welcher Art auch immer es ist, die ihm eigene Seele und möglicherweise überträgt sie sich auf den Empfänger. Zusätzlich möchte ich noch von einem weiteren Ziel ausgehen, nämlich der Inspiration. Ich finde einen Zauber in manchem Kunstwerk wieder, das die Kraft hat, seine Entdecker in irgend einer Art zu inspirieren, selbst der Kreativität freien Lauf zu lassen. Dieser Inspiration kann es ein Leichtes sein, zu höherem und mehr, als momentan möglich scheint zu leiten. Und ein Kunstwerk, das möchte ich zum Abschluss diesen ersten Teils deutlich betonen, muss nicht auf ein Werkstück oder Material an sich beschränken, es kann auch ein Handeln sein, ein „Sein“; wie ein Vorbild einfach nur ist mit dem, was es macht und was nicht. Transformation ist Veränderung einer Konstellation, in welchem Bereich auch immer, wenn diese zielgerichtet auf unbestrittene Werte erscheint, führt sie zu einer Erweiterung von Schaffenskraft und Sein und einer Verringerung von Fehlgeleitetem.

Ich freue mich stets, wenn dieses Gefühl zu spüren ist, denn es lässt mich aus dem Vollen schöpfen, es ist manchmal sogar so, dass es mich überfordert. Die ambivalente Wucht seiner Erscheinung gilt es für mich umzuleiten in schöpferische Kraft, deren Ausdruck wahrscheinlich eine ewige Suche bleiben soll, wie eine Sammlung, deren Ziel der Mensch, seine Seele selbst ist. Lasst uns jeden Morgen aufbrechen, jeder Schritt ist ein Stück des Weges zu einem Ziel.

Niemals so ganz [94]

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Ein Ausschnitt des Lebens, ein Moment, der zwar im Augenblick des Erlebens real, aber schon wenig Zeit danach nur noch Erinnerung ist. Gepaart mit all unseren Erfahrungen und Erinnerungen, unseren Filtern und vor allem den gerade neuen, aktuellen Gedanken wird er relativiert, in einem fort, wird verfärbt, verblasst, erblüht wieder, wird vergessen und erneut erinnert man sich. Nach und nach verebbt er, versiegt im Sande wie die Welle am Strand, um irgendwann verschwunden zu sein. Spätestens mit uns, wenn wir nicht mehr sind.

Doch jetzt ist jetzt, in diesem Augenblick leben wir. Wir erleben unser Leben, nehmen wahr, was geschieht, sind umtriebig, reagieren und agieren so, wie wir sind. Wir leben das Leben und planen es, genießen die Zeit und schlagen sie dennoch manchmal tot. Wir blicken zurück, erinnern uns und lassen diese Erinnerungen einfließen in unser Heute! Es sind gute und schlechte Erinnerungen, einige würden wir am liebsten verdrängen, andere bleiben präsent, als wären sie gerade geschehen. Viel mehr, als wir denken, prägen uns diese Ideen, jene, die wir von Beginn an im Leben erfuhren, andere begleiten uns klammheimlich und subtil, bis wir sie ent-decken, verstehen dabei oftmals, warum manches so geschah und nicht anders geschehen konnte.

Der Fotograf ist nur der Regisseur [93]

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Der Mensch hinter der Kamera ist eine Art Regisseur, wenn es um die Wirkung und Aussage einer Aufnahme geht. Er sollte erkennen, was wie wirkt und hinweisen, was eventuell dafür zu verändern wäre. Wenn er es erkennt!

Eine Aufgabe eines Trainers oder Coachs ist eigentlich ganz klar: Er sollte seine Protagonisten fordern und fördern, damit sie ihre Leistung stets verbessern und sich weiter entwickeln können. Dazu ist ein gewisser Grad an Wissen und Erfahrung, aber auch Einfühlungsvermögen und Gespür für eine Situation nötig. Manche haben es, andere weniger. Bei einem Fotografen ist in mehrerer Hinsicht ganz gut zu erkennen, ob diese Fähigkeiten vorhanden sind oder nicht. Es gibt Beweisbilder! 😉 Bestenfalls sollte der Fotograf jene Aufnahmen nicht publizieren, die eine unzureichende Komposition einer Aufnahme zeigen und eine Ergänzung von Model und Fotograf vermissen lassen.

Dabei spielen mehrere Faktoren eine entscheidende Rolle.

  • Erkennt der Fotograf das Potential einer Aufnahme?
  • Erkennt er die Unzulänglichkeiten im Bild?
  • Hat der Fotograf die Fertigkeiten eine Idee umzusetzen?
  • Passen Fotograf und Model zueinander, damit die notwendigen Synergien entstehen können?
  • Stimmt die Tagesform der Arbeitsgemeinschaft?
  • Sind alle äußeren Faktoren wie Zeit, Ort, Tageszeit, Lichtstimmung, Terminabstimmung, Befinden der Teilnehmer stimmig?

Manche Aufnahmen werden trotz der Tatsache, dass nicht alles passte, gezeigt, gerade weil Elemente zu erkennen sind, die besonders stimmig und außergewöhnlich scheinen. Bei der abschließenden Betrachtung kommt zum Tragen, in wie weit das Auge des Betrachters geschult ist, diese Besonderheit zu erfassen. Bei der Erstellung einer Aufnahme gilt es die möglichen Parameter zu beachten und all das, was nicht stimmig erscheint, zu verändern, bis es funktioniert. Oftmals entgeht einem das ein oder andere, wieder anderes erscheint beim Betrachten der Aufnahme – zufällig – absolut vorteilhaft. Diese Unwägbarkeiten machen ein Shooting mitunter spannend, denn auch, wenn ich noch so gut plane und steuere, so kommt es immer wieder zu außergewöhnlichen Konstellationen.

Einstellungen und Reaktionen verändern sich vielfach innerhalb von Bruchteilen von Sekunden. Manches davon ist wiederholbar, anderes und das weitaus häufiger, bleibt einzigartig. Wurde das Bild gemacht, hat man Glück, sah man gerade nicht rechtzeitig hin, ist es verloren. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Besonderheit eine Licht-Konstellation oder ein Blick des Models war, ein Windstoß durchs Haar oder eine Stimmung in der Mimik des Menschen vor der Kamera.

Wenn aber die Möglichkeit besteht zu steuern, die Gabe der Beobachtung und des Erkennens vorhanden ist, dann sind die kreativen Ideen sehr viel wahrscheinlicher in ein Bild zu transportieren. Voraussetzung ist immer ein Dirigent, der die Ideen verwirklichen kann. Es wäre fabelhaft, er empfände die Sprache und Wirkung eines Bildes, und könnte das formulieren und begleiten. Wenn er das alles dergestalt in Szene setzen könnte, mit alledem, was dazu gehört: Körpergefühl und Mimik des Models, eine Beweglichkeit und Reaktion, Vorstellungskraft und schauspielerisches Talent des Models so begleiten und hervorbringen, damit es passt. Doch dies entfaltet nur dann eine Wirkung, wenn eine Basis gefunden wurde, auf der die Kommunikation und Beschreibung der Kreativität einen Widerhall in allen Beteiligten findet.

Eine Muse zu finden wird nur wenigen Künstlern zu teil. In der heutigen schnelllebigen Zeit ist es schier noch schwieriger, als früher. Dabei ist es (für mich) ein schöner Gedanke, wie ein Bildhauer all das in einem Menschen zu erkennen, was einzigartig wirkt, dabei all das vom Rohdiamanten oder Felsen jenes wegzuhauen, was nicht dazu gehört und damit die Grazie und den Anmut, das Wesen und die Seele des Models herauszustellen. Wie der Maler in jenem Lichte und Schatten, sowie unter Zuhilfenahme der rechten Farben das Bildnis des Menschen zu vervollkommnen im Stande sein würde.

Hintergedanken [92]

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Was Du sagst und was Du denkst, sind unterschiedliche Dinge! Doch was Du tust und besonders was Du nicht tust, zeigt, wes Geistes Kind Du bist! Du spielst verstecken, aber Du kannst Dich nicht verstecken, denn Du handelst nicht, wo Handlung angesagt. Jeder kann es sehen, und sieht Dich früher oder später so, wie Du bist!

(Mein Model auf dem Bild war übrigens das genaue Gegenteil!💪 😊)

Zusammenspiel (Ein Joint-Venture) [91]

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Unisono. Es war schön. Wir verstanden uns. Fotograf und Model. Dieses Zusammenspiel schlug sich nieder in unseren Bildern, Fotografien, die den Eindruck vermitteln, es wäre überhaupt kein Fotograf anwesend gewesen.

Wie es dazu kam ist recht kurz zu fassen: Wir kennen uns seit 2 Jahren. Haben schon zusammen gekocht nach unseren Shootings und blödeln schon mal durch die Gegend. Vielleicht entsteht solch eine Vertrauensbasis, wenn man weiß, was „dahinter“ steckt. Ganz selten funktioniert es schon bei der ersten Zusammenkunft, beim 2. Male wird es meist besser. Doch auch weniger gut kann es werden, wenn einer schlecht drauf ist. Es pendelt sich ein, meistens. In besagtem Falle funktionieren wir, reibungslos und inspirierend geht uns die Arbeit von der Hand. Die Zeit vergeht rasend schnell, es gibt relativ wenige Pausen, nur der Fotograf nervt dauernd mit Trinkaufforderungen. 😊

Andere Teilnehmer am Shooting, darunter MUA und Stylistin, sowie Helfer lassen sich da gerne anstecken, sie sind aber lange nicht immer dabei. Ich denke hin und wieder an unseren Erstkontakt zurück und schmunzle dabei. Sie ist einer derer Models, die ich auf der Straße angesprochen hatte, ihr gab ich meine Karte und alles andere fügte sich: Rückruf, erstes Treffen, erste Shootings und Familie kennenlernen, alles Standard. Nur die Art der Zusammenarbeit entwickelte sich derart leicht, was lange nicht immer so ist. Manchmal aber passt es, wie hier. Kreativität und Ausdauer, Ideen und deren Vorbereitung gehen Hand in Hand, es macht Spaß und das ist bekanntlich einer der Motoren solcher Shootings. Was will ich damit eigentlich sagen?

Dieses Beispiel dient mir als ein möglicher Maßstab für gelungene Zusammenarbeit. Langjährige Erfahrungen führen schneller zu einer solchen Arbeitsweise, aber nicht jeder hat diese Erfahrung und ich erinnere mich an meine eigenen Anfänge. Dabei ist allerdings eines sehr interessant zu beobachten: Es ist altersunabhängig, wie die Zusammenarbeit von statten geht, wie das erste Treffen verläuft, wie die Kommunikation funktioniert und wie zuverlässig ein Mensch agiert! Ich wünschte mir oftmals, dass dies alles etwas stetiger wäre. Es ist wie im richtigen Leben, auch da sind viele Kontakte von Unverbindlichkeit geprägt, Dinge laufen anders, als besprochen, Ernsthaftigkeit ist Mangelware. Warum sollte es bei den Shootings anders sein? Dass es bei manchen Menschen anders geht, freut mich ungemein. Dafür bin ich gerne bereit, mehr zu tun, in welcher Form auch immer.

Die andere Seite ist mir immer etwas unverständlich. Ich gehe davon aus, dass es sich bei einem Shooting, der Erstellung von schönen Bildern, um eine Sache handelt, die man gerne macht, die nichts mit Zwang oder Pflicht zu tun hat, die freiwillig und unter den besten Voraussetzungen stattfinden wird. Sicher ist es eine Frage von Stellenwert und Zielen für sich selbst, das ist aber bei der Erschaffung von Kunst immer die große Frage. Eine Unsicherheit ist nicht tragisch, besonders zu Beginn, doch die Frage ist, wie damit umzugehen ist.

Kommunikation! Das Hauptmerkmal der zwischenmenschlichen Beziehung. Warum liegt hier so viel im Argen? Oder kommt es mir nur so vor? Menschen schreiben etwas, sagen etwas und vergessen es scheinbar. Überall. Gibt es zu viel Ablenkung, sind wir in einer Phase der starken Wandlung, beeinflusst von einer recht neuartigen Mediennutzung, unfähig es so schnell umzusetzen, wie nötig, aus einer tatsächlichen Überforderung heraus?

Seltenst unterstelle ich Absicht, manche Exemplare nutzen es sicherlich, um zu manipulieren, leiten Dinge ganz gezielt in eine Sackgasse um sich keiner Auseinandersetzung zu stellen! Ist ja auch viel einfacher und wird schon nichts kommen, nicht wahr! Lieber leicht und oberflächlich, bloß nicht zu kompliziert, alles nicht so wichtig, just for fun, alles cool! In einer Gesellschaft des Überflusses eine scheinbar folgerichtige Situation, kommt mir eines zu nahe, habe ich tausend andere Möglichkeiten – und Menschen. (Upps, bin ich doch gerade leicht abgedriftet, das also nur am Rande 😉…)

Zurück zum Thema. Es ist spannend, wenn man sich bei einem Shooting auf den Inhalt konzentrieren kann. Fernab von Konventionen und Ressentiments, von irgendwelchen Beschränkungen, wenn die Idee im Vordergrund stehen kann und die Ausarbeitung gemeinsam angegangen werden kann. Wunderbar. Man spricht miteinander, als kenne man sich schon immer, sieht den anderen als seinen Partner für die Erschaffung von künstlerischen Aufnahmen, begibt sich in eine unbedingte Atmosphäre, in der alles frei abläuft, alles gesagt werden kann und alles besprochen werden kann. Jeder Zweifel kann kommuniziert werden, jedes Bedenken konkretisiert und beseitigt werden, damit einer freien und Umsetzung nichts im Wege steht. Damit erreicht man eine vertrauensvolle Grundlage, auf der erst das entstehen kann, was ich oben beschrieben habe: Kunst in Form und Ausdruck!

Frauen und Männer, eine unterschiedliche Sichtweise in der Fotografie? [90]

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Sieht man Unterschiede im Bild, wenn ein Motiv von einem Mann oder einer Frau in Szene gesetzt wurde? Gibt es unterschiedliche Arten der Arbeit je nach Geschlecht? Sind womöglich erkannte Unterschiede vom jeweiligen Motiv abhängig? Eine kurze Überlegung.

Ich bin ein Mann. Keine Frau. Fotografieren kann ich ein männliches Model oder ein weibliches. Wie viele Menschen fotografiere ich aus vielfältigen Gründen lieber Frauen als Männer. Aber auch Männer fotografiere ich gerne. Damit beschränke ich es ersteinmal auf die Geschlechterverteilung, unabhängig von den Fähigkeiten der Models. Es entstehen bei einem Fotoshooting Bilder, die im besten Falle eine Geschichte erzählen. Die Bilder weisen (hoffentlich) eine Spannung auf, erwecken Gefühle, geben wieder, was empfunden wurde und erreichen den Betrachter dort, wo er es tief in sich resoniert.

Mein Weg, diese Gefühle zu erreichen, im Bild eine ganz besondere und definierte Stimmung zu erzeugen, unterscheidet sich sowieso von dem Stil anderer Fotografen, was auch gut und sinnvoll erscheint, möchte ich doch niemanden kopieren. (Wenn ich auch von den guten Fotografen (z.B.Peter Lindbergh) und Fotografinnen (z.B. Lindsay Adler) stets zu lernen begierig bin. Dies ist aber eine andere Story.) Anhand meiner Bilder erkennt man also meine Art der Fotografie und Bearbeitung, die ich natürlich im Kontext der Fotografie allgemein betrachten kann. Dabei vergleiche ich ganz unbewusst und primär ohne Suche die Stile anderer Bilder auf den unterschiedlichsten Plattformen vorzugsweise im Internet, und es zeigt sich wie beim Betrachten der Bücher und Zeitschriften zu analogen Zeiten: Ich meine einen Unterschied zu erkennen zwischen einem männlichen und einem weiblichen Fotografen.

„Klar!“, mag der ein oder andere einräumen, „Unsinn!“ ein Nächster. „Ich lege Dir eine Fotografie, ein Bild vor, und Du kannst mir sagen, ob der Fotograf weiblich oder männlich ist?“ So war die Antwort einer befreundeten Fotografin. Ich konnte es am Rechner nicht zuverlässig erkennen, als wir es durchspielten. Vielleicht ist es mehr intuitiv und es gibt Menschen, die es bestimmt sicherer können. Bei mir ist es ein mehr vages Gefühl. Wodurch aber entsteht dieser Eindruck?

Eine Frau, so sagten mir einige Models, kann bei einer Frau hinter der Kamera mehr sie selbst sein, weil es keine (wenige) sexuell definierten Belange in der Zusammenarbeit gäbe. Das wäre bei einem männlichen Fotografen anders, denn es wäre immer eine Beziehung Mann/Frau, die zwar überhaupt nicht von Handlungen derart geprägt, aber unterschwellig latent vorhanden sei. Damit sei jedoch keine Wertung verbunden, es sei nicht mal schlecht, so die Models, ist doch ein Spiel mit der Koketterie für viele Aufnahmen eine unterstützende Komponente.

Viele Unterschiede bei Arbeiten mit Männern und Frauen als Model könnte ich aus meiner Erfahrung heraus aufzählen, auch Unterschiede bei der Arbeit mit heterosexuellen oder homosexuellen Models, doch es sind stets Einzelfälle und Momentaufnahmen, individuelle Verbindungen, die in einer einzigartigen Atmosphäre stattfand, weil wir alle in diesem Moment so waren, wie wir waren und bei einem nächsten Treffen schon wieder anders uns verhielten. Parallelen bei den Zusammenkünften zu sehen fällt mir nicht schwer, obwohl ich kein Freund von Verallgemeinerungen bin, manche aber drängen sich geradezu auf.

Eine wesentliche Verbindung ist für mich die Liebe zu dem, was ich mache. Das schließt bestenfalls das Model mit ein, denn vielleicht muss ein Fotograf sein Model in einer bestimmten Art und Weise „lieben“, damit er die Empfindungen und Verhaltensweisen des Menschen vor der Kamera erspüren kann und in der Lage ist, dies in eine Aufnahme zu übertragen, damit aus der Aufnahme ein Bild werden wird. Ohne dies funktioniert zwar die technische Seite der Aufnahme, die Ausstrahlung aber bleibt auf der Strecke.

Vor kurzem las ich in einem Online-Beitrag einen Kommentar. Sinngemäß hieß es über jene Fotografen, die nur dann ein Model gut ablichten können, wenn es bei einer Größe von 175 cm eine Kleidergröße von 34 besitzt und möglichst unter 17 Jahre alt sein darf. Im Übrigen würden diese Fotografen nichts zu Stande bringen, so der Autor. Aus vielerlei Sicht finde ich diesen Kommentar zu kurz bedacht, ich möchte aber nur einen Aspekt hier aufgreifen, da er zielführend ist: Ein Fotograf, egal ob Profi oder nicht Profi, ob Anfänger oder erfahrener Amateur oder langjähriger Berufsfotograf, wird kein „gutes“ Bild bewerkstelligen, wenn eine bestimmte Beziehung zum Model nicht gelingt, der fotografierende Mensch keinen Zugang zum Wesen des Portraitierten finden kann, aus welchen Gründen auch immer. In dem Falle wird eine Aufnahme in den allerseltensten Fällen zu einem Bild. Davon quillt das Internet über, ganz extrem bei Instagram zu beobachten, und bei zu starkem Genuss dieser Plattform verdirbt man sich seinen Blick (Notiz an mich selbst: weniger dort schmökern!!😉) Augenscheinig scheint es besonders bei jenen Models zu sein, die zweifelsohne eine Reputation besitzen, die jedoch Aufnahmen in ihrem Profil zeigen, die sie mehr entstellen, als ihnen zum Geleit zu werden. Dabei meine ich nicht die mehr lustigen oder familiären Bildchen, die gerne gezeigt werden, sondern die scheinbar kunstvoll-modischen Aufnahmen, die ihre Proportionen oder Gesichtszüge erheblich verstellen. Ich denke, jeder Interessierte kann das leicht nachvollziehen.

Zurück zu Thema. Für mich hat die Herangehensweise der Fotografinnen an eine Fotografie eine größere „Leichtigkeit“, wenn ich dieses Wort dazu hernehmen kann; Das Spiel mit den Gefühlen im Bild wirkt auf mich harmonischer, die Bilder wirken auf mich tiefer. Dabei kann es durchaus laut und schrill sein (z.B. Ellen von Unwerth) aber auch leise und vertraut (Annie Leibovitz). Vielleicht ist es das Prinzip des Jägers und Sammlers im Manne, der damit eine faktische Art in sich trägt, und es mutet eine mehr vereinende und dennoch losgelöste Idee bei der Arbeit der Frauen zu finden an. Meine Worte finde ich hier nicht so recht, der aufmerksame Leser wird es vielleicht selbst besser nachempfinden können bei der vergleichenden Betrachtung, wenn ihm danach ist.

Gründe in der Art der Kommunikation zu finden ist da wesentlich leichter, reden doch Frau und Mann anders miteinander, als Frau und Frau oder Mann und Mann – immer vorausgesetzt, es geht um konstruktive Zusammenarbeit. Jeder weiß um die Unterschiede, und es soll und kann hier keine Wertung einfließen, denn dazu ist nur die Bewertung einer einzelnen Fotografie geeignet, und diese ist erst einmal neutral. Die Sichtweise scheint zwischen Frau und Mann zu differieren, es ist nicht unbedingt so, dass das durch beispielsweise die Lichtsetzung oder einen bestimmten Blickwinkel oder auch die unterschiedlichen Regieanweisungen beim Posing allein erreicht wird, es ist die daraus und aus noch Anderem resultierende Gesamtkomposition, die wiederum einzelne Elemente hervorbringen, welche mehr feminin anmuten. Was nicht heißen soll, ein Mann könne das nicht oder auch umgekeht, eine Frau könne nicht, was ein Mann kann. Eine spannende Geschlechterfrage aus dem Bereich der künstlerischen Fotografie, meine ich. Siehst Du, was ich meine?

Zeitlos [89]

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Dein Antlitz wurde oftmals als zeitlos beschrieben. Ein Portrait von zeitloser Ausstrahlung. Dein Blick besticht ohne Einschränkung, frei, unbeugsam und entrückt. Das Bildnis mutet an, als handele es sich nicht um eine Fotografie des 21. Jahrhunderts, viel mehr um ein Gemälde aus den Zeiten weit zuvor. Nichts lässt erahnen, welche Mode gerade die angesagte oder was der letzte Schrei war und was gestern, aber nur noch gestern „in“ war.

Dein Blick fesselt mich und lässt doch los, er sagt alles, was mir, dem Betrachter, einfällt, jede betrachtende Seele scheint den Anspruch zu erfüllen. Eine Verbindung entsteht augenblicklich, fesselt mich, den Besucher. Er erweckt dieses unbeschreibliche Gefühl von Verstehen, deine bedingungslose Sprache im Bild befreit mich von jeglichen Konventionen, wie jeder Erwartung. Derart frei, dass nichts zwischen Abbildung und Verinnerlichung steht, deine Präsenz verbindet Medium und Umgebung, Betrachter und Zeit, um sich in letzterer zu verlieren.

Immer wiederkehren, in Gedanken und Gefühl, es scheint sich in einem zu manifestieren, zeitlos kommt das Bild auf mich zu, und ich erkenne wieder, was ich noch nie zuvor gesehen. Deine Fülle scheint allumfassend, so dass ich alles erkennen kann, so weit, dass ein Universum an Ideen einen Platz zum Verweilen finden. Aufgehoben mit jedem Zweifel, bestätigt in jenem Gedanken, der auf der Suche nach sich selbst fast verloren ging. Gefühle und Gedanken vereint, die Distanz überwunden, die, wenn alles stimmt, sich als inexistent erweisen wird.

Ein Bildnis ist ein Bildnis, das dem Lauf der Zeit entnommen scheint, das in sich ruht als die Erinnerung jenes Augenblickes, der beschreibt, wie es war, oder mehr noch, wie ich meine, dass es gewesen war oder wie es hätte gewesen sein können. Diese Freiheit der Interpretation entfacht die Phantasie der Seele in uns und lässt uns wachsen zu dem, was in uns verborgen liegt. Ein Schlüssel, der passt, der uns erschließt, was ungeöffnet hinter einer Wand aus Alltäglichkeiten wartet. Ein Bild ist ein Bild immer auch von uns selbst.