Wahrnehmung und Sichtweise (223)

Was du siehst und was du wahrnimmst, sind oft ganz verschiedene Dinge. Was du siehst und was andere sehen, sind oft sehr unterschiedliche Dinge. Was du aus einem visuellen Objekt machst, und was andere damit verbinden, können immer wieder vollkommen andere Dinge sein.


Einhundert Menschen könnten etwas sehen. Nehmen wir diese Möglichkeit einmal an. Einige davon sehen es tatsächlich, andere nicht. Nehmen wir an, es seien 60 Menschen, die es sehen, der Rest von 40 sieht es nicht. Von den 60 Menschen könnten es alle wahrnehmen. Doch dem ist natürlich nicht so, denn selbst dann, wenn wir etwas sehen, nehmen wir es nicht unbedingt wahr. Es fällt durch unser Aufmerksamkeitsraster. (Ein spannendes Wort, wäre eine besondere Betrachtung wert) 

Sagen wir, von den 60 Menschen nehmen es 40 wahr. Ein hoher Wert, meine ich, buhlen doch um unsere Aufmerksamkeit sekündlich unendlich viele Reize. Doch belassen wir es bei den 40 Personen.Von diesen 40 Betrachtern verwerfen das Bild wenigstens die Hälfte, nachdem es im Gehirn kurzfristig abgeglichen wurde mit bereits bekannten, gängigen Formaten. Hier hängt es wesentlich davon ab, wie sehr etwas bekannt ist, wie außergewöhnlich eine Sache ist, die in unser Gehirn vordringt oder wie ungewöhnlich die Umstände der Wahrnehmung sind.(Ganz außerordentlich subjektiv!) Finden wir keine Verbindung, wird es interessanter. Wir sehen länger hin, um vielleicht doch noch eine Verknüpfung zu finden. Je nach Bild entscheiden wir in nur Bruchteilen von Sekunden darüber, ob sich eine weitere Beschäftigung mit der Sache momentan anbietet, oder ob es aus irgend einem Grund momentan nicht möglich ist. (Zeit, Verfügbarkeit, Wichtigkeit)

Bleiben also vorerst 20 Personen übrig. Diese 20 haben entweder eine Verknüpfung mit bereits vorhandenen Mustern gefunden, oder sie haben eine neue Idee entwickelt. 20 Möglichkeiten der Wahrnehmung, Deutung, 20 mögliche Reaktionen, wenn auf ein Bild eine Reaktion erfolgen kann. 

Zurück zur Frage der Betrachtung. Welche Bilder ermöglichen überhaupt eine Reaktion? Welche eine Besprechung, oder welche erzeugen eine Beschäftigung damit. Kurzfristig, in der Realität erblickte Situationen benötigen mindestens eine Beschreibung, wenn mehr als der Betrachter eine Beschäftigung mit dem Bilde erwägt. Eine Dokumentation in irgendeiner Art und Weise, mündlich, schriftlich oder sonst wie, wenn nicht mindestens 2 Personen die identische Szene wahrgenommen haben. Selbst dann jedoch verwischen sich die Eindrücke in Windeseile. Gesehenes vermischt sich mit Erinnerungen, Realität und Fiktion driften aufeinander zu. (Man erinnere sich an die unzähligen Versuche über Täterbeschreibungen, und wie weit diese tatsächlich auseinander lagen.)

Findet eine Beschäftigung mit einem Bilde statt, die einer Kommunikation zwischen Ersteller und Empfänger entspricht, wenn auch zeitlich und räumlich meist getrennt, so meist nur in eine Richtung, wenn es nicht gerade „live“ geschieht. Schon haben wir zwei unterschiedliche Pole, die all ihre Vorbildung (jedes mal) in die Waagschale werfen, der Absender wie auch der Adressat. Noch spannender würde es, wenn zwei Adressaten existierten, die zeitlich und räumlich zusammenträfen. So wäre ein interessanter Austausch möglich.

Anders bei einer Dokumentation? Schon bei einer Niederschrift nehmen Worte den Platz der Bilder ein. Diese erzeugen im Gedächtnis des Empfängers ein Bild aus ihrer selbst. Doch wie ist es beim stehenden oder bewegtem Bilde? Auch hier, je nach Blickwinkel und Vollständigkeit der Dokumentation entsteht willkürlich Zensur, so dass nicht mehr über die vermeintliche Situation, sondern bloß noch über das Abbild entschieden werden kann. Nichts anderes, als ein Gemälde, dessen Wirkung und Auswirkung, dessen hervorgebrachte Reaktionen und Aktionen zu einem neuen Bild heranwachsen werden. Alles eine Frage der Kommunikation, oder?

Von der Wichtigkeit einer Sache könnten einige von Hundert erzählen. Da wir jedoch in unserer Kommunikation mehr und mehr eingeschränkt werden, bzw. diesen Vorgang mutwillig selbst vollziehen, sind es am Ende nur wenige unter 10.000, die einem Bildnis gewahr werden und wie verschwindend klein ist die Wahrscheinlichkeit einer weiteren Beschäftigung? Sehen wir mal (hin).

Rastlos (222)

efnel jeans hintern

So wunderschön, so stimmig, so bezaubernd dieser Blick, gleich so die Mimik und die Augen. Bewegungen, grazil und elegant, den ebenmäßigen Körper in Szene gesetzt bleibt der Blick wie ein unlösbarer Magnet für diesen einen ersten, vielleicht auch zweiten Augenblick beständig, um volltrunken von der Schönheit, ein Teil des Eindrucks erstohlen, schweigend sich zu wenden.

Die allenthalben unseren Weg kreuzende Schönheit in Form anderer Menschen scheint -langsam, aber beständig- sich in uns zu summieren. Voll des Eindrucks ob der vielen Bilder, die dich in jedem Moment erreichen, derentwegen du irgendwann auf die Suche dich begibst, ohne Ende dich in diese Fluten stürzt, um immer größere Wogen zu erhaschen, dich zu berauschen an den Neuen, die tausendfach in jedem Moment sich dir eröffnen, gleich wo du bist oder hin dich bewegst.

Fiktion scheint der Realität den Rang abzulaufen, nicht offensichtlich, nur immer stärker wird der innere Vergleich, der sich geradezu aufdrängt, einmischt, klammheimlich seinen Senf dazu gibt, wenn wir Menschen optisch wahrnehmen, sie ansehen und uns ein Vor-Urteil bilden, indem wir gemäß der Prämisse „ein gesunder Geist wohnt in einem gesunden Körper“, eine Prämisse, die doch überall lauert, wenn wir gerne mal die jenigen Menschen mit Missbilligung in unseren Blicken strafen, die zu weit sich vom allgegenwärtigen Ideal der Körperformen distanziert befinden, weil genau diese Wesen es nicht schaffen, geistesgegenwärtig den Verlockungen des Konsums zu widerstehen.

Irregeleitet blicken wir und erkennen, was wir wollen. Vergleiche ziehend wägen wir ab, verwerfen, begeistern uns, verlieren wieder, suchen weiter, blicken verzückt auf, um schon nach Sekunden der Gewöhnung erneut zu finden. Verweilen, um zu erkennen scheint nicht mehr zeitgemäß, schnell-schnell, nur nicht zu lange, sonst fällt auf, dass wir möglicherweise nicht mehr up-to-date sein könnten. Nur wenn die weltlichen und ökonomischen Belange aufgerufen, dann, ja dann kann es sein, das Zulassen von jenen zwischenmenschlichen Kontakten, die über den Eindruck des Bildes hinaus bewegt.

Erinnerungen an Dinge, die man niemals erlebte… (221)

mies-vandenbergh-fotografie.de

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Wie wurdest du in der Vergangenheit wahrgenommen?  Wie hast du dich in der Vergangenheit wahrgenommen? Was ist übrig von deinem Auftreten von vor einigen Jahren? 

Du machst dir Gedanken über dein Aussehen? Wie wohl nahezu jeder Mensch? Ein Leben lang? Hast du dir schon einmal überlegt, wie sich deine Wahrnehmung dir gegenüber im Laufe der Zeit verändert(e)?  Verschieben sich Prioritäten? Ist dir heute immernoch wichtig, was dir damals wichtig war, noch vor einigen Jahren? Oder ist es jetzt anderes? Konntest du einige Ziele aus deiner nahen oder ferneren Vergangenheit erreichen? Haben sich andere Ziele aufgelöst? Befanden sich unter den Zielen, die sich aufgelöst haben solche, die dir zum Zeitpunkt des Entstehens kolossal wichtig zu sein schienen? Wenn ja, kannst du nachvollziehen, was dazu führte, dass diese verlorenen Ziele ihre Bedeutung einbüßten? 

Im Laufe der Zeit entstehen in uns Erinnerungen, die sich ihrerseits im Laufe der Zeit immer weiter relativieren. Verblendung. Wir erinnern uns. Wir sind uns dabei unserer Sache sicher: So war es damals und diese Gefühle und jene Gedanken führten zu den Ergebnissen, die die Erinnerungen bilden. Unsere heutigen Gedanken und noch mehr unsere Gefühle untermalen beständig die Erinnerungen. Dadurch erwachsen immer wieder Empfindungen, die, wie ein aufgerührtes Sublimat mit immer neuen Elementen zu neuartigen Emulsionen gereichen. 

Die einstigen Erlebnisse, verfeinert mit unseren aktuellen Empfindungen und Gedanken bilden so eine besondere Mischung von Dingen, die wir so nie erlebt haben. Eine Art Tagtraum unseres Wesens über eine Vergangenheit, die wir ein wenig ausgeschmückt durchfühlen, in Bezug setzen zu unserem aktuellen Status, nie verlegen um einen Vergleich, der fast immer verliert, da die Realität doch so real ist und ohne diese wunderbare Verklärung auskommen muss.

Schönheit für immer?   Teil 1 (220)

Du veränderst dich, jeden Tag. Prinzipiell bist du an jedem neuen Tag ein neuer Mensch. Sicher, mit einer gewissen Ähnlichkeit zu jener Person von gestern – nur, in der Summe der Jahre? Was sagst Du dazu? Was denkst Du? Wie fühlst Du Dich?

Der Mensch durchläuft eine Entwicklung. Noch ist Zeit kein relativer Faktor. Nicht im alltäglichen Leben. Auch dann nicht, wenn der Mensch die Zeit als äußerst relativ empfindet. Ich blicke auf mittlerweile über 45 Jahre zurück, plus die Jahre vor der Zeit meiner Erinnerungsfähigkeit. Diese ist bei jedem Menschen wohl unterschiedlich. Meine Erinnerung beginnt im Kindergartenalter. 

Im Laufe dieser Entwicklung eines Menschen verändert sich jeder individuell, innerlich, sowie äußerlich. Währenddessen bilden sich immer wieder Teilmengen. Diese Teilmengen möchte ich zunächst skizzieren. Diese Skizze schafft eine Grundlage für die darauf folgenden Herleitungen. 

Der Mensch, als ein Teil der Gemeinschaft, in der er lebt, ist ständigen Wechselwirkungen ausgesetzt. Er existiert niemals unbeeinflusst von Umgebung und eigener Wahrnehmung. Somit bildet er zu jeder Zeit mindestens einen Dualismus (Er und die Außerwelt), mindestens deswegen, weil sowohl die Außenwelt wie auch er als Individuum aus mehr als einer geschlossenen Dualität bestehen kann. 

Dieses Verhältnis möchte ich beschreiben als beständig wechselnde Teilmengen. Zur Erläuterung ein paar Beispiele:

  • Du bist Kind. Im Kindergarten bist Du ein Teilnehmer einer willkürlich gebildeten Gruppe, vielleicht nach Alter gewählt, oder nach Geschlecht, bestenfalls nach Interessen oder schlechtestenfalls nach Verhalten. Die Gruppe der „Löwen“, alles Rüpelchen! Damit bestehen beispielsweise die Mengen „Kinder“, „Jungs“, „Mädchen“, „Abenteurer“, „Maler“, „Sänger“, „Architekten für Bauklötzchen“, … Das Individuum kann Teilmenge einer oder mehrerer Mengen sein. 
  • Du bist junger Erwachsener. Du kannst gleichzeitig vielen anderen Gruppen (Teilmengen) zugehören: Sportler, Teetrinker, Langschläfer, Morgenmuffel, Autofahrer, Elternteil, usf. Dabei schließen sich einzelne Teilmengen keineswegs aus, sie können sich zwar temporär ausschließen, genausogut können sie sich bedingen: Schwimmerin/Badeanzugträgerin/Bikiniträgerin/Nacktschwimmerin. 

Damit sollte verständlich sein, wovon ich bei der Bezeichnung „Teilmenge“ ausgehe. Und damit auch wieder zurück zur Schönheit. Ein Mensch bildet im Laufe seines Lebens unzählige Teilmengen. Im Sinne der Attraktivität sind wir Teilmenge einer Schönheit entsprechend unseres Alters. Aber sogar über die Grenzen des Alters hinweg kann ein Mensch durchaus zur Teilmenge der Schönen gehören. Nur vielleicht nicht immer. 

Ein Verlauf könnte sich derart gestalten, dass ein Mensch als Baby schön ist (hier ist immer das aktuell geltende Schönheitsideal zu Grunde gelegt, dass im Laufe der Epochen immer wieder mal wechselte!) als Kleinkind weniger dem Ideal entspricht, als Kind dann wieder als außerordentlich schön empfunden wird, in der Pubertät durch die Hormonumstellung sehr unter Hautirritationen zu leiden hat, und somit als nicht sehr ansehnlich gilt, nach der Pubertät durch wenig Manipulation der Haut während der Pubertät wieder die Schönheit herausbrechend, mit der Erwachsenwerdung wieder sehr markante Gesichtszüge entwickelnd nicht ganz dem Schönheitsideal entsprechend, mit abgeschlossenem Wachstum aber wieder wunderbare Ausstrahlung, Charisma und Erscheinung herausbildend, dann mit vielleicht 30 Jahren die ersten Anzeichen der Alterung erkennend, das Ideal der Schönheit der Jugend beginnt sich zu lösen, anstelle dessen tritt in Erscheinung eine Schönheit des Ausgewachsenen, oder aber die Durchschnittlichkeit umgibt langsam das Individuum, um dann in der Mitte der Jahre der Jugendlichkeit gänzlich verlustig einer reiferen Schönheit entgegen gehend den Zeichen der Zeit Einlass in sein Äußeres zu gewähren um dann mit Beginn des fortgeschrittenen Alters eine ganz eigene Schönheit zu entwickeln…  

Zu jedem dieser Zeitpunkte, in jeder dieser Phasen bildet der Mensch eine Teilmenge mit unterschiedlichen anderen Mengen, oftmals einer oder auch mehreren. Beispielsweise mit der Menge der Durchschnittlichen, der Naturschönheiten, der „Modepüppchen“, der „Adonisse“, der „Schluffies“ oder der Unsichtbaren…  

Daraus ergibt sich für mich eine Antwort auf die Frage aus der Einleitung: (Schönheit für immer?)  Jeder Mensch hat seine Phase! Diese wechselt, was die Schönheit und Attraktivität betrifft (natürlich keineswegs ausschließlich!) mehrere Male hin und her, ganz dem Individuum angepasst. Und spannend wird es erst richtig, wenn man zu dieser Sichtweise den Betrachter des Individuums hinzu nimmt. Ein wahres El Dorado für die Bildung unterschiedlichster Teilmengen, deren Wechselwirkung zu einem schier unendlichen Pool an Teilmengen heranzuwachsen scheint. Absolut spannend. In welcher Phase befindest du dich gerade, meinst du zu wissen? 

Beliebigkeit, Teil II (219)

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Ist unser Aussehen belanglos? Wie oft hörst du den Ausruf: „Auf die inneren Werte kommt es an!“ Was dem offensichtlich widerspricht: Die durchschnittlichen finanziellen Ausgaben (von der zeitlichen Investition ganz zu schweigen) der Bevölkerung (in Deutschland) für Dinge, Mittel und Maßnahmen zur optischen Veränderung betrugen ca. 26 Milliarden Euro (Schönheitspflegemittel, Fitness, Friseur, Schönheits-OPs)

Auch wenn der Bereich Fitness mit 4,66 Milliarden Euro teilweise bestimmt zu gesundheitsfördernden Maßnahmen zählt, habe ich ihn hinzu genommen, da ein großer Anteil der Beweggründe für die Arbeit am eigenen Körper im Wunsch nach Attraktivität liegen, so die Erhebungen der Attraktivitätsforschung.

Zum Vergleich einige Angaben über Ausgaben der Menschen in Deutschland für andere Bereiche:

• 170 Mrd Euro für Lebensmittel

• 58,7 Mrd. Euro für Touristik

• 64.46 Mrd. Euro für Kleidung

Dabei ist es tatsächlich seit Jahren unverändert, dass Frauen nahezu doppelt so viel für Schönheitspflege ausgeben, wie Männer es tun.

Wie verhält es sich nun mit den inneren Werten? Ein Mensch kann herausgeputzt sein, bis zum „Gehtnichtmehr“, falls die charakterlichen Werte nicht kompatibel sind, führt das vermutlich zu keiner positiven Verbindung. Hier möchte ich den Sicherheits- und Opportunismus-Aspekt ausklammern, denn den wird es weiterhin unverändert geben: Wenn der mögliche Partner über genügend Mittel verfügt, tritt das Äußere vermehrt und deutlich in den Hintergrund, hier statistisch deutlicher bei der Frau als beim Mann, wenn der Mann über gewisse Statuten verfügt (Geld, Macht, Ansehen, usf.)

Begegnest du einem anderen Menschen, laufen viele automatisierte Mechanismen in dir ab. Diese haben zunächst mit Äußerlichkeiten zu tun. Erst dann, wenn du durch äußere Umstände gezwungen wärest, dich näher mit einem Menschen auseinander zu setzen, bestünde die Möglichkeit, die charakterlichen Eigenschaften des Gegenüber zu ergründen.(Oder du suchst Kontakt!) Zwar spielt auch dann noch das Aussehen eine Rolle, doch das Wesen des Menschen nimmt in der Betrachtung seiner Person zunehmend Raum ein. Dabei laufen gleichfalls Automatismen ab, du fühlst, riechst, hörst deinen Gegenüber. Unterbewusst treten z. B. seine Gerüche in deine Wahrnehmung, und es wird eine Kompatibilität abgeglichen, ohne dass du es mitbekommst. Außer, er stinkt dir, daher kommt der Ausspruch: „Den kann ich nicht riechen!“ Was so viel heißt, dass man jemanden nicht leiden kann.

Auch die Frequenzen der Stimme treffen auf deine Gehörgänge. Wiederum wird sogleich eruiert, ob die Stimme angenehm ist, oder ob man sich auf Fluchtmöglichkeiten vorbereiten muss. Je größer die Dauer ist, die man mit dem Menschen verbringt, desto mehr gewöhnen wir uns an bestimmte Reize, wie Tonlage, Geruch, Mimik oder Gestik. Sollte es nicht zu sehr auffällig negativ sein, verläuft es sich in die Belanglosigkeit. Folgend kommen weitere Eigenschaften und Denkweisen auf den Prüfstand: Es sind Inhalt und Einstellungen über geistige oder emotionale Belange. Wieder werden beständig Abgleiche durchgeführt. Der Mensch führt unterbewusst -und auch ein wenig bewusst- eine Art Konto mit Soll- und Haben-Seite, auf dem all diese Eindrücke gebucht werden; dies alles mit sehr unterschiedlichen Gewichtungen. Am Ende bleibt dennoch, in einer Mischung aus bewussten und unbewussten Eindrücken, eine Bilanz übrig: sympathisch oder unsympathisch, was nichts anderes heißt, als dass diese Person vielleicht ähnlich tickt, wie du. Gemeinsamkeiten verbinden, wenn es passt! „Sympathie (entlehnt aus lateinisch sympathia, dieses aus altgriechisch συμπάθεια sympátheia „Mitgefühl“) ist die sich spontan ergebende gefühlsmäßige Zuneigung. Ihr Gegenteil ist die Antipathie (Abneigung).“ (Wikipedia)

Dabei spielen natürlich noch andere Prämissen eine entscheidende Rolle: Beispielsweise der Zweck der Zusammenkunft, der Stand der eigenen Person oder auch die Dauer der Zusammenkunft. Es läuft fast immer identisch ab, wenn wir leibhaftig einem Menschen begegnen. Dass es in anderer Form anders abläuft, dürfte einleuchtend sein. (Chat, Mails, Brieffreundschaften, etc.)

So spielen bei einer Begegnung diese Dinge eine wesentliche Rolle. Und dennoch: das Aussehen kommt immer wieder zum tragen, denn der Mensch ist ein zutiefst optisches Wesen. Kleinste Veränderungen in Mundwinkeln, in der Art des Blickes, zusammengefasst im Zusammenspiel der 26 mimischen Gesichtsmuskeln, kannst du wahrnehmen. Wenn wir Menschen nicht gar so entrückt wären von der Natur und ja, auch von dem Zwischenmenschlichen, so könnten wir sie noch viel effektiver deuten, als es jetzt in kläglicher Weise der Fall zu sein scheint. Wir könnten bestimmt etwas vorsichtiger mit eigenen Regungen umgehen, ohne gleich einen Gegenüber mit Mimiken zu verwirren, zu entfremden oder vor den Kopf zu stoßen. Auch wenn wir nicht mehr vieles von diesen Regungen verstehen, unser Empfindungsapparat reagiert sehr wohl sehr eindeutig auf diese Verhaltensmuster. Nicht selten fragen wir uns gefühlsmäßig, wie der Gegenüber es jetzt meinte, wenn, wie oft, Worte und körperlicher Ausdruck diametral auseinander driften.

Vielfach nehmen wir sehr deutlich Dissonanzen im Antlitz des anderen wahr, ganz gleich, ob durch Unsicherheit, Unmut oder niederen Beweggründen. Allein unsere Fähigkeit, diese entsprechend zu deuten, um im weiteren darauf reagieren zu können, ist in der Mehrzahl von uns Menschen zu vage.

Fortwährend kommt dabei das Aussehen zum Tragen. Ist es schwieriger, bei allgemeingültig gutaussehenden Menschen Unstimmigkeiten zu sehen oder spielt die Schönheit dabei keine beeinflussende Rolle? Kommt  ganz entscheidend die Gewöhnung hinzu, die dazu führt, dass wir einen Menschen zwar immer noch als attraktiv ansehen, aber durch diese Gewöhnung nicht mehr der Verblendung der Schönheit unterliegen und diese Nuancen immer klarer und deutlicher erkennen können? Forschungen bestätigen dies eindeutig. Es ist demnach nicht wichtig, ob jemand nach gängigen Vorstellungen schön ist oder nicht, Stimmungsveränderungen sind sichbar, anfangs nur nicht so leicht.

Aussehen relativiert sich somit in kürzester Zeit. Dennoch ist es erstaunlich, wie sehr wir Menschen danach streben, uns in der Rangliste immer wieder etwas weiter nach oben zu hangeln, respektive ja nicht abzurutschen. Das geschieht in einem Prozess, der absolut vorprogrammiert ist. Interessantes Unterfangen, nicht wahr?

 

Beliebigkeit oder was zählt das Aussehen schon? Teil 1 (218)

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Gibt es eine Beliebigkeit des Aussehens? Gibt es sie in bestimmten Grenzen? Existiert eine Beliebigkeit nur außerhalb unseres persönlichen Verständnisses von Normalität, Durchschnitt und Mittelmaß, oder bewegt sie sich innerhalb dieser Grenzen? Oder trifft die Bedeutung des Äußeren in viel größerem Maße, als wir jemals zugeben wollten.

Ist es einerlei, wie wir aussehen? Vielleicht nur, solange unser Äußeres nicht zu sehr vom Mittelmaß abweicht? Je nach Zusammenhang spielt unser Aussehen eine mehr oder minder große Rolle. Mündet die vermutlich wichtigste Bedeutung unseres Äußeren in die Partnerwahl? Oder liegt es viel mehr in der Alltäglichkeit von Leben, Beruf und sozialem Umfeld? Wenn ja, was folgt daraufhin?

Wenn das Aussehen und die Partnerwahl die stärkste Verbindung bilden, immer mit der Idee, dass ich auch viel weiter oben ansetzen könnte, dabei fragen, ob es bei der Partnerwahl überhaupt die größte Bedeutung haben kann, wie weit relativiert sich das Aussehen für eine Partnerschaft unter Berücksichtigung von Wesen und Seele, Handeln und Sein?

Ist es bei jedem Menschen anders? Und was folgt, sobald wir einen Partner gefunden haben? Verändert sich, entweder schlagartig oder schleichend, die Bedeutung des Aussehens in einer Partnerschaft? Sollte die Bedeutung des Aussehens in einer bestehenden Partnerschaft auf Belange außerhalb der Partnerschaft zielen? Oder sind es persönliche, egozentrische Gründe? Wenn es nicht die persönlichen Gründe wären, welche sind es dann? Sind es die gleichen, für die unser Aussehen eine Bedeutung ausübt, die folgen, wenn wir die partnerschaftliche Bedeutung als wichtigste ansehen und die nachfolgenden Felder bestimmen, auf denen eine Bedeutung von Äußerlichkeiten wesentlich ist? Welche wären das?

Unterscheide ich selbstbezogene und nach außen gerichtete, intrinsische und extrinsische Bereiche. Extrinsische Bereiche könnten der Beruf sein, der Bekannten- und Freundeskreis, die Familie oder Bereiche des sozialen Engagements? Die intrinsischen Bereiche finden wir im Selbstbewusstsein, in der Selbstdarstellung unter der Eigenwahrnehmung. Vielleicht ein Selbstwertgefühl zur Bildung des Selbstbewusstseins? Auch Machtkampf und Geltungsbedürfnis spielen eine Rolle?

Haben letztendlich sämtliche Beweggründe nur eine Ursache, nämlich den Bezug zum eigenen sozialen Umfeld: der Mensch, das soziale Wesen.