Kommunikation, oder “Wie meinst Du?” (204)

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Du verstehst die Menschen recht gut, oder? Du sprichst die Sprache der Menschen, mit denen du zusammen lebst, du hast ähnliche Gedanken, Meinungen und Gefühle, wie sie. Du siehst ihnen meist an, wenn sie dich nicht verstehen, oder? Du bist nicht immer einer Meinung mit ihnen, aber deshalb kannst du mit ihnen diskutieren, nicht wahr?

Kommunikation kann ein weites, spannendes Feld sein. Beinahe täglich erleben wir, welche Blüten diese Pflanze hervorbringt. Zum einen als Zuschauer, zum anderen als Involvierte suchen wir in unserem Repertoire nach einer Übersetzung eines Verhaltens, gleichen ab, ordnen ein, schließen aus, berichtigen wieder, und irren uns doch ständig. “Wie hat er das gemeint?” “Was will sie mir damit sagen?” “Hä?”

Es kommt vor, dass wir weiter fragen. Vielleicht noch öfter kommt es aber vor, dass wir nicht weiter fragen! Wie geben uns damit zufrieden, einen Gedanken gebildet zu haben, der da sagt: “Ja, so wird es wohl gemeint sein, der Kontext lässt es höchstwahrscheinlich zu. Es wird sich zeigen, ob es so gemeint war, irgendwann.” Außerdem haben wir schließlich gar nicht die Zeit, es eingehend zu klären, viel zu umfassend sind unsere Aussagen, beziehungsweise stehen noch so viele andere Sätze in der Warteschleife, die wir unbedingt anbringen möchten, da können wir uns unmöglich länger bei diesem einem Thema aufhalten.

Was vielleicht zusätzlich zu bedenken ist, ist die Tatsache, dass eine Aussage, die am Ende tatsächlich geklärt wurde, bedenklicherweise etwas bedrohlich verbindliches innehat. Dabei lässt sich doch unverbindlich so bequem leben. Wie gut kann man sich immer noch herausreden: “D A S habe ich so aber nicht gemeint!!!” Klingt schon ganz vertraut, oder? Die unverbindliche Aussage lässt uns so viele Fluchtwege offen, warum sollten wir uns diese verbauen. Es könnte nachher noch jemand auf die Idee kommen, wir seien authentisch. Noch schlimmer, es könnte der Eindruck entstehen, wir verträten einen Standpunkt und hätten gar eine eigene Meinung.

Klar, in großen Fragen haben wir eine Bewertung, wissen, wozu wir stehen, was wir erwarten und was unterstützen. Allein in unserem täglichen Kontakt mit den Menschen lieben wir es doch eher vage. Wie sind schließlich frei. Doch, glauben wir wirklich. Wir sind so frei, dass wir uns die Freiheit nehmen, selbst zu entscheiden, wie viel wir zugeben, was wir kundtun, wozu wir beitragen und vor allem, wie weit wir gehen. Lieber einen kleinen Schritt hi und da, als einen anstrengenden Weg. Der könnte schnell zu mühsam werden, wir müssten möglicherweise Flagge zeigen und unsere Richtung offenlegen. Schrecklich verbindliche Sache! Und das, wo uns doch so viele Möglichkeiten offen stehen.

Zurück zur Kommunikation. Weißt du, wie viel Kommunikation täglich über dich herein bricht? Vielleicht sind es viel weniger die persönlichen, zwischenmenschliche Worte, sondern viel mehr Worte, Taten, Handlungen und Aufrufe durch Figuren auf Bildschirmen und Plakatwänden, Zeitungsseiten und Monitoren. Gehört Heidi Klum und Dieter Bohlen auch schon zu deinem nächsten Freundeskreis, der mehrmals in der Woche in Deinem Wohnzimmer zu Gast ist. Oder ist es Dieter Nuhr und Abdelkarim, der des Abends dir die Welt erklärt? Vielleicht guckst du aber lieber YouTube Videos von Katzen, die sich vor Gurken erschrecken?

In wie weit halten wir es für bare Münze, diese Possen, die uns -mehr oder weniger- frei Haus geliefert, oftmals so schön über den Dingen stehen lassen, als Beispiele der menschlicher Kommunikation zu werten? Abgesehen von dieser zwischenmenschlichen Einbahnstraße bestimmter Medien und den aufbereiteten Wortlauten finden sich bei diesem Konsum erste Anzeichen von Realitätsverlust bei uns Individuen. Verlernen wir das Sprechen. Bestechend ist die mediale Welt besonders für junge Menschen, die statt langer, persönlicher Gespräche gern die kurze WhatsApp-Message nutzen. Wie soll es werden, wenn irgendwann tatsächlich persönliche Gespräche erforderlich sind, und nicht nur Worte fehlen, sondern auch die Empathie, den anderen zu sehen und zu erkennen, zu spüren, was der andere meint.

Die Masse der Menschen um uns herum entbehrt zunehmend der Fähigkeit der zwischenmenschlichen Kommunikation, nicht nur, weil es immer mehr Individuen sind, von denen jedes eine neue Sichtweise und Ausdrucksweise mitbringt, auf die wir uns einstellen können, sondern weil die persönliche Kommunikation immer weniger gesucht wird, so haben es verschiedene Studien bestätigt.(2008)

Vielleicht sollten wir alle wachsam sein und uns Gedanken machen. Doch dabei sollen wir es nicht bewenden lassen. Der nächste Schritt ist noch wichtiger, wir werden etwas tun. Suchen wir das Gespräch. Nicht die Floskel. Ob mit dem Partner, dem Freund, dem Feind, diskutiere. Wohl denen, die es tun. Führen wir wieder Gesprächsabende innerhalb unserer Gemeinschaft ein, fördern wir Gesprächsbereitschaft und vor allem die Fähigkeit dazu. Es lohnt sich. MEINE ICH!

Verlosung, raffle, present, tombola, gift, cadeau, rifa, regalo

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Ein kleines Präsent (siehe oben, ALUMINIUM 30x20cm ) für meine Abonnenten: Ich möchte ein Aluminium-Direkt-Druck eines Fotos aus meinen Arbeiten verlosen. Der bei Whitewall produzierte Druck wird unter allen Einsendern verlost, die mir eine kleine Kritik (Was kann besser werden, was könnte ich ändern!!!!, also bitte nicht : Schön!, Toll!, Gefällt mir! oder sowas ;-) ) über meinen Blog hinterlassen. Also, wer möchte, ran an die Worte :-)

A small present (see above ALUMINIUM 30x20cm ) for my subscribers: I would like to draw lots an Aluminum directly pressure of a photo of my work. The pressure produced with Whitewall is drawn lots among all senders who leave a small criticism (What can become better, what I could change!!!!) about my Blog to me. Thus who might, come on to the words :-)

Een klein presentje (zie hierboven ALUMINIUM 30x20cm ) voor mijn abonnees: Ik wil een aluminium direct printen van foto’s van mijn werk weg te geven. De geproduceerde whitewall druk zal worden verloot onder alle deelnemers, de hint me een beetje kritiek (Wat kan beter, wat kon ik veranderen !!!!) over mijn blog. :-)

Un petit cadeau (voir ci-dessus ALUMINIUM 30x20cm ) pour mes abonnés: Je veux donner une impression directe d’aluminium de photos de mon travail. La pression WhiteWall produite sera tiré au sort parmi tous les participants, l’indice-moi un peu de critiques (Quoi de mieux, que pouvais-je changer !!!!) à propos de mon blog :-)

Un piccolo regalo (vedi sopra, ALLUMINIO 30x20cm) per i miei iscritti: voglio dare via un stampa diretta in alluminio di foto da me. La pressione Whitewall prodotta sarà sorteggiato tra tutti i partecipanti, che mi ha lasciato un po ‘di critiche (Che cosa può essere migliore, quello che ho potuto cambiare !!!!) sul mio blog. :-)

Un pequeño presente (véase más arriba ALUMINIUM 30x20cm ) para mis suscriptores: Quiero regalar un impresión directa de aluminio (producto de Whitewall) de fotos de mi trabajo. La presión de banda blanca entre todos los participantes, la sugerencia de mí un poco crítica (¿Qué puede ser mejor, lo que podría cambiar !!!!) sobre mi blog :-)

V I E L ___ E R F O L G __ ! __ LÄUFT BIS 03/2016 :-)

(Nichts Kommerzielles, kein Fake, kein Blödsinn, nur aus Spaß an der Bloggerei, keine Barauszahlung, keine notarielle Aufsicht, der Gewinner müsste am Ende der Verlosung eine Postadresse für den Versand übermitteln, bei Fragen gerne über Kommentare oder meine Homepage: http://www.mies-vandenbergh-fotografie.de)

Ich bin, also spreche ich? (203)

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Du kommunizierst mithilfe deines Körpers, nicht anders. Alle Ergebnisse, alle Entschlüsse verkündest du durch oder mit deinem Körper, sei es gesprochen, geschrieben oder gehandelt, in manchen Fällen vielleicht bekundet durch Nichthandeln.

Es folgen zunächst einige Prämissen für eine kleine, gedankliche Herleitung: Menschen leben. Leben bedeutet, dass sich etwas entwickelt. Entwicklung heißt Veränderung. Leben bedeutet Bewegung. Bewegung bedeutet Verschiebung von Masse. Dazu braucht es Raum, Raum der nicht unendlich verfügbar ist. Leben bedeutet Wahrnehmung. Lebewesen nehmen wahr und reagieren. Veränderungen von Positionen sind die Folge. Jede Aktion verändert etwas, Statik wird zu Dynamik. Manchmal verändert sogar eine Nichtreaktion, wenn sie konträr verläuft. Wenn eine Nichtreaktion im Gegensatz zu dem steht, was zu erwarten ist, wird sie umgehend zur Reaktion.

Veränderung ist für den Menschen stets materiell. Ort, Materie, Zeit. Immer. Es beginnt mit den drei grundlegenden Defizitbedürfnissen:

▪ Nahrung
▪ Atmen
▪ Schlafen

Der Mensch existiert, lebt aber erst durch den Ausdruck seines Körpers. Ohne die o.g. Defizite dauerhaft und fortlaufend zu beseitigen, kann der Mensch nicht leben, vielleicht existieren. Anschließend folgen weitere Bedürfnisse, die dem Menschen seine Existenz erst weiter ermöglichen:

▪ Wohnung
▪ Sicherheit

Vorerst möchte ich gedanklich nur bis hier her gehen. Ohne dabei zu bestätigen, dass es weitere Bedürfnisse gibt, die den Menschen ausmachen, wie z.B. soziale Bindungen oder Selbstverwirklichung. Dies wäre der nächste Schritt. Bleibe ich in diesem Beitrag beim ersten Schritt und dessen näherer Betrachtung.

Es geht also bei der Existenz des Menschen, der durch oder mit seinem Körper kommuniziert, immer um das Materielle. Gedankenübertragung? Noch Fehlanzeige! Das es ausschließlich körperlich effektiv ist möchte ich aus folgender Sichtweise herleiten: Jede Aktion und auch jede Reaktion bedeutet eindeutig, dass der Mensch eine Veränderung wahrgenommen hat. [Du schaust hin oder weg.] Dieses gelingt ihm nur unter Zuhilfenahme seiner Sinne [Augen]. Es sei dabei einerlei, ob die Veränderung von materieller oder energetischer Herkunft ist, letztendlich ist Energie nur eine andere Form der Materie und umgekehrt. Den physikalischen Nachweis dafür haben andere schön längst erbracht, das möchte ich hier nur übernehmen.

Dazu lege ich einige Beispiele zur Erläuterung dar. Jedwede Gedanken, alle Gefühle, die eine (Re-) Aktion im Menschen zur Folge haben, entstehen aufgrund einer Wahrnehmung. Diese Wahrnehmung ist nur dann möglich, wenn der Mensch seine Aufmerksamkeit dafür erübrigen kann. Sitzt du seit 6 Stunden bei -24°C auf einem zugigen Bahnhof, so wirst du die Schönheit einer schneebedeckten Landschaft anders empfinden, als aus dem wohltemperierten Foyer eines Berghotels.

So tritt dieser Reiz von außen auf den Menschen ein. Etwas berührt ihn, ein Signal beliebiger Art überschreitet seine Wahrnehmungsschwelle. Ist dieser Reiz erst einmal aufgenommen, so löst dieser irgend eine beliebige Reaktion aus. Die Reaktion kann ein Gedanke sein, ein Gefühl oder auch ein Reflex. Die Reaktion kann ferner in einer unmittelbaren Tat münden oder jemand ist nachtragend oder auch besonnen. ;-) Festzustellen ist es beim Anblick des Menschen. Du siehst, was du ausgelöst hast, manchmal mehr, manchmal weniger. Aber auch einer der anderen Sinne kann diese Reaktion deines Gegenüber wahrnehmen. Du kannst es hören, riechen, oder schmecken. Oder spüren. Hand drauf! Ich umarme dich.

Etwas Äußeres trifft unsere Wahrnehmung, ausgelöst wurde es von unserem Gegenüber, wenn es ums Zwischenmenschliche geht. In uns entstehen dadurch Gefühle, wie auch Gedanken, oder aber viele Zwischenabstufungen davon, wie Eindrücke, Ideen oder physische Reize. Die Dauer kann von Millisekunden bishin zu Stunden oder länger sein. Es sagt vorerst nichts über die Qualität aus.

Doch was immer auch in uns entsteht, solange keine Reaktion von uns darauf erfolgt, irgend ein wahrnehmbares Zeichen gegeben wird, solange gilt es als nicht existent, nicht angekommen {Sender}, nicht wahrgenommen {Empfänger} oder ignoriert. Nur durch Reaktion, die ausschließlich rein materieller Natur sein KANN, muss sie doch einen Empfänger haben, erfahren wir eine Wirkung unseres Daseins. Das kann in Form eines Lächelns sein, man kann schreien oder lachen, schweigen oder böse drein schauen, flüchten oder sich putzen, essen oder kämpfen.

Der Körper reagiert. Niemals geistig, immer durch seinen Körper, indem er handelt. Und denkt er tausend Gedanken und durchlebt Höllenqualen in seinem Herzen, ohne eine körperliche Reaktion sind sie nichts. Deine Liebe mag universell sein, ohne sie zu materialisieren in Form einer Handlung ist sie fiktiv und unsichtbar, nicht da, nicht vorhanden. Hat du sie nicht durch deinen Körper ausgedrückt, ist sie nichts! Willst du etwas erreichen, handle!

“Eros”, oder Erotik stellt keine Aufforderung dar (202)

GateErotisches entsteht per Definition: Bedeutet Nacktheit an sich schon Erotik? Gibt es Nacktheit nicht an verschiedensten Orten? Ändert sich Nacktheit im Kontext, entsteht folglich zwangsläufig Erotik? Gibt es Abstufungen je nach Mensch, Gegebenheit und Zeit (-alter)? Ein kleiner Ausflug.

Beginne ich mit einer Definition, weil es so schön einfach ist, mit der von Wikipedia:

“Als Erotik – von Eros (Mythologie) – bezeichnet man die sinnliche Anziehung zweier oder mehrerer Menschen. Die Stärke der „erotischen Ausstrahlung“ und der „erotischen Signale“, die andere Menschen „senden“, wird keineswegs nur durch den bloßen Anblick eines möglichst hohen Grads von Nacktheit eines menschlichen Körpers bestimmt, vielmehr können auch bestimmte Kleidungsstücke und Gegenstände (s. Fetisch), die Mimik und Gestik einer Person, Sprachmelodie und -färbung, Körperhaltungen und Handlungen von Menschen oder deren Abbilder Erotik erzeugen.”

” Als allgemeines Ideal galt und gilt in der Regel die harmonische Verbindung von Liebe, Erotik und Sexualität, also die Vereinigung von emotionaler, geistiger und körperlicher Liebe. Schon die Philosophie im alten Griechenland postulierte die Notwendigkeit einer Einheit von Körper, Geist und Seele, damit der Mensch mit sich selbst im Einklang sei.”

” Zur Geschichte der erotischen Darstellung gehören Elemente aus Malerei, Bildhauerei, Literatur, Fotografie und Film, die sexuelle Szenen zeigen. Diese wurden von fast allen Zivilisationen, in der Antike wie in der Moderne, angefertigt. Frühe Kulturen hielten den Akt für einen Ausdruck übernatürlicher Einwirkung und verbanden ihre Religion mit solchen Darstellungen. In asiatischen Ländern wie Indien, Nepal, Sri Lanka, Japan oder China hat sexuelle und erotische Kunst besondere spirituelle Bedeutungen innerhalb der einheimischen Religionen des Hinduismus, Buddhismus, Shintō und Daoismus. Die Griechen und Römer produzierten zahlreiche Kunstwerke und Dekorationen erotischer Natur, die vielfach in religiösen Ansichten und kulturelle Praktiken eingebunden waren.”

“Während der Zeitgeist bestimmter Epochen die Erotik mehr oder weniger zu unterdrücken suchte (beispielsweise im viktorianischen Zeitalter), hatte die Erotik zu anderen Zeiten Hochkonjunktur, etwa in der Epoche des Rokoko.”

Damit ist schon einiges Grundsätzliche über Erotik gesagt. Offen bleiben viele Nuancen unter noch mehr Menschen. Irrtümer und Versehen sind im Verständnis ebenso vorprogrammiert, wie absichtlich herbeigeführte Überschreitungen von Regelungen und Übereinkünften.

Nacktheit ist, wie in Wikipedia oben beschrieben, noch nicht erotisch. Das ist nichts neues, wir wissen darüber Bescheid. (Wobei Wissen und Umsetzen zwei sehr unterschiedliche Dinge sein können) Es kommt darauf an, wann Nacktheit beginnt, erotische Züge zu gewinnen. Es kommt auf den Ort an (I), es kommt auf die Epoche an (II) und es kommt auf die Art und Weise der Nacktheit an (III).

I. Der Ort
Es hängt beispielsweise vom Platz des Geschehens ab. Dort entscheidet sich, ob Nacktheit in Richtung erotische Nacktheit verstanden werden könnte. Stelle dir verschiedene Möglichkeiten vor: Beim Arzt, unter der Dusche, im Aufzug, am Strand, in der Striptease-Bar, in der Kirche, …! Du merkst schon anhand dieser wenigen Beispiele, welche Auswirkung wieviel unbedeckte Haut an verschiedenen Plätzen symbolisiert. Im San Marco Dom zu Venedig war mit unbedeckten Armen kein Einlass. Am Rügener FKK-Strand war bedeckt der Einlass verwehrt. Ein bauchfreies Top würde in einer Geschäftsbesprechung unter führenden Wirtschaftsberatern dazu führen, den Gesprächspartner vermutlich nicht ganz ernst zu nehmen.

Alle diese Orte haben eines gemeinsam: Es existiert eine verbindliche Ordnung, eine Regel, die darüber Auskunft gibt, wie sich die Menschen in bestimmten Bereichen zu verhalten haben. Die Toleranzgrenze ist da sehr eingeschränkt. Das funktioniert unter anderem dadurch, dass bei Zuwiderhandlungen Sanktionen erwartet und unter Umständen auch vollzogen werden. Du selbst gucktest bestimmt auch verwirrt, wenn Dir des Nachts um 2 Uhr bei der Heimfahrt aus der Düsseldorfer Altstadt auf der Mecumstraße (eine der am stärksten befahrenen Straßen Deutschlands) in Höhe der Feuerbachstraße bis auf festes Schuhwerk 4 sonst völlig nackte junge Männer erblickt hättest, die so die Straße überquert hätten. (Das hättest du 1982 durchaus erleben können ;-) )

II. Die Epoche
Was heute en Vogue ist, kann morgen zu peinlichen Situationen führen. Wenn Erotik, wie oben zu lesen ist, in einer Epoche verpönt war, etwas später aber als chic galt, wir nur die Zeiten der letzten Jahrzehnte betrachten, so stellen wir fest, dass sich nicht nur die Moral der Gesellschaft verändert hat, sondern auch der Umgang mit ihr durch die Individuen dieser Gemeinschaft. Eine Tendenz zum Werteverfall wird allerorten attestiert, allein die Werte selbst sind dabei nur diffus bestimmt, meine ich. Werte werden nicht unbedingt von der Gemeinschaft festgelegt, die damit lebt, oftmals verselbständigen sich Reglementierungen, um mehr dem System selbst zu dienen, als dem Menschen. Schön ist es, einen Überblick zu erhalten. Man reflektiert, was zu welchen Zeiten möglich, nötig oder bedeutend war, um in diesem Zusammenhang festzustellen, dass man selbst gerade zufällig in dieser bestimmten Epoche zugegen sein darf, welche gerade diese und nicht andere Werte hochhält.

III. Die Art und Weise
Ohne sich ganz eindeutig von den ersten beiden Punkten abzusetzen spielt die Art und Weise der Nacktheit eine entscheidende Rolle bei der Bewertung. Hierbei scheiden sich die Geister, finden die meisten Missverständnisse dort statt. Nacktheit an sich stellt noch keine erotische Situation dar, erst die Gedanken und Gefühle eines Betrachters lässt Erotik entstehen. Von freizügig bis bedeckt kann die Haut des Menschen dargestellt werden, mal mit weniger abzeichnenden Stoff, mal [nahezu] vollkommen verdeckt. Jede Bedeutung in jeder beliebigen Kultur kann abweichend sein, abweichend von deiner Idee von Erotik. Aber nicht nur interkulturell sind Diskrepanzen alltäglich. Schon deine Nachbarin kann ein gänzlich abweichendes Verständnis haben von der Bedeutung der “stoff – freien” Stelle an ihrem oder auch an deinem Körper. Nicht nur die Vermischung der Kulturen oder die Begegnung der Generationen zeichnet verantwortlich dafür. Je nach Grad der Bildung und Erziehung, der Lebensumstände und Erfahrungen findet ein Abgleich der Werte statt, der dazu noch in ständigem Wandel befindlich ist.

Nun komme ich zum Umgang mit der Erotik. Erotik entsteht demnach nicht zwangsläufig aus Nacktheit. Sicher, manchmal kann sie animieren, doch allzu oft ist es nur plump und obszön. Abgesehen von der allseits ausgelebten Doppelmoral bezüglich aller Erotik, schon das Wort hat öffentlich einen ruchlosen, faden Beigeschmack, und der Tatsache, dass die Erotik eigentlich im Sinne des Betrachters entsteht, findet im öffentlichen Leben kaum erotische Aktionen statt. Fotografien sind eine Ausnahme, auch in entsprechenden Gegenden wie dem Achterburgwall in Amsterdam oder der Reperbahn auf St.Pauli sehen wir hin und wieder deutlich erotisch anmutende Menschen. Der Kleidungsstil mancher Zeitgenossen(-innen) regt bei wenigen Betrachtern auch schon mal erotische Gedanken an, allein der Umgang damit ist eindeutig geregelt: Diese Personen möchten (Auf-)sehen erregen, zwar nicht von jedem, das jedoch liegt bei der Begegnung nicht mehr in deren ermessen. Doch es beschränkt sich auf die Betrachtung. Nichts weiter liegt in der Absicht, von wem auch immer.

Nicht so ist es mit den Gedanken. Sie entstehen immer wieder bei uns Menschen, oft zu den “unmöglichsten” Zeiten und von beiden Geschlechtern gleichsam. Hierbei gilt: die Gedanken sind frei! und es ist schön, diesen Gedanken einen kleinen freien Raum zu lassen, hier könnte ich nur aus Gesprächen mit vielen Freunden und Freundinnen aus vergangenen Zeiten zitieren, doch als Summe und Fazit möchte ich nur kurz skizzieren: schöne Gedanken bereichern das Leben ungemein. Wir alle sollten weniger verbissen mit unserer eigenen Moral umgehen, was die schönen Seiten des zwischen-menschlichen Lebens angeht. Der Phantasie einen Raum lassen, ihr einen bauen und mit dem Partner Leben einhauchen, versuche es mal.

P.S. (Das Foto ist unbearbeitet und mit der X-T1 und dem 32er Zeiss aufgenommen worden)

Körperwahrnehmung, Teil VI (201)

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“Mens sana in corpore sano.”
Ein gesunder Geist wohnt in einem gesunden Körper. Oder umgekehrt? “Ein gesunder Körper entsteht durch einen gesunden Geist.” Ich sehe es als problematisch, eine solche These herzuleiten. Definiert sich der Mensch durch seinen Körper? Wird er durch seinen Körper definiert?

Es kommt auf den Standpunkt an. Wie näherst du dich einer Frage? Warum interessiert es dich? Die Perspektive erlaubt einen Überblick. Je weiter weg Du stehst, desto größer ist deine Übersicht. Alles ist [natürlich] begrenzt durch deinen persönlichen Horizont. Den hast du entdeckt, er hat sich weiter gebildet und du hast ihn [wahrscheinlich] irgendwann erweitert. Vielleicht bestehen Erfahrungen durch erfahren von Sichtweisen anderer. Entdecktest du die Einzelheiten am Horizont erst durch Hinweise eines weitsichtigen Vorbilds? Reihten sie sich ein in deinen Horizont? Andererseits entgehen dir vielleicht bei einer weiten Sichtweite Einzelheiten. Einzelheiten, die möglicherweise entscheidenden Einfluss auf das Ganze gehabt hätten. Folglich ist beides vonnöten.
Es folgt ein Versuch.

Du existierst. Du existierst als Körper. Du existierst als Geist. Diesen cartesischen Dualismus blende ich hier vorerst aus.
Im Gegenteil: Ich beschreibe einen weiteren Dualismus. Du existierst auf der einen Seite als Körper, und zwar als Körper, der handelt, kreativ ist, der erschafft und vernichtet, der auf seine Umwelt wirkt. Auf der anderen Seite existierst du gleichzeitig als Körper, der empfängt: Die Umwelt wirkt auf dich. Du fühlst, du hörst, du schmeckst. Du erfährst Einflüsse aller Art. Du empfindest Gefühle über deinen Körper, die durch Wahrnehmungen bei anderen Lebewesen, deren Handlungen, sowie deren Unterlassungen, deren Gesten und Ausstrahlung erzeugt werden.

Ein Wechselspiel der Kräfte kannst du beobachten: Dir widerfährt etwas, du reagierst, du handelst, eine Wirkung geschieht. Auf diese reagierst du wiederum. Leben. Wirken. Über deinen Körper wirkst du auf die Welt, schreibst jeden Tag Geschichte, die Geschichte deiner selbst, sowie die Geschichte der Menschen.

Bist du also für die Personen in deinem Umfeld neben deinem Körper als Körper das, was dein Körper verkörpert? Du wirkst nicht nur durch deine Taten, schon deine schiere Existenz wirkt auf deine Umgebung. So wie der Grashalm, auf dem du stehst, sich verbiegt, so wirkt deine Erscheinung auf andere Menschen. Siehe dich an. Überlege, welchen Einfluss das Äußere der Menschen, denen du tagtäglich begegnest, auf dich selber hat.

Bei der Begegnung mit Menschen in deinem sozialen Umfeld laufen all die Prozesse ab, auf die du im Laufe deiner Entwicklung konditioniert wurdest. Gesellschaftliche Konstruktionen des Miteinander regeln deine Erscheinung, weitestgehend uniform kommst du gegangen. Du armes, austauschbares Individuum, hervorgebracht durch gesellschaftliche Diskurse, nicht aus sich selbst heraus, vielmehr ein Produkt der Gesellschaft, sich im Wesen auflehnend, doch immer schön konform. Nonkonforme Störelemente bedrohen die Ordnung, die Vorhersagbarkeiten der intersozialen Abläufe laufen Gefahr ihres Zweckes enttarnt zu werden.

Dein Körper, angefüllt mit Wahrheit, Wissen, Macht und Trieb bringt diese Dinge über Aktion heraus, hervor, er wirkt ausschließlich über Aktion, selbst Verweigerung ist zuweilen Aktion, wenn nicht Verweigerung zum statischen Zustand geworden ist. Und aufgepasst: Wie weit entfernt bist du vom Zustand einer Statue? Meckerst du nur herum, fügst dich in ein Schicksal, das gerade so zufällig des Weges kam, heulst nur herum, kaum hörbar, gerne von der Couch aus, mit ein paar Snacks neben dir, das Pad auf dem Schoß, wild Buchstaben swypend, über deine ach so missliche Lage? Das ist ja so wunderbar bequem, unauffällig, statisch. Hauptsache, der Hecht im Karpfenteich, in Form eines notwendigen Broterwebs hält dich noch funktionell aufrecht für die ökonomische Liga. Herzlichen Glückwunsch.

Über – sehen (200) [zum 200. Artikel: Vorsicht, etwas anders als sonst ;-) ]

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Übe dich im Sehen, den ganzen Tag über, nichts als hinsehen. Entscheide, was davon in’s Bewusstsein vordringt. Nehme wahr und lasse auf dich wirken, was du siehst, sei aufmerksamer, als du es gewöhnlich bist. Was ist dir entgangen? Warum?

Da hat sich jemand für dich schön gemacht. Jemand hat lange überlegt, wie er sein Aussehen verändern kann, damit ihm deine Aufmerksamkeit zuteil wird, du ihn bemerkst.

Er hat Variante für Variante im Geiste durchgespielt, jede Möglichkeit bedacht, überlegt, was welche Wirkung haben könnte, alles, was ihm auffiel, alles, was vielleicht unvorteilhaft wirken könnte, eliminiert. Nach seinem Dafürhalten hat er ausgesucht, ausgewählt, war überzeugt und hat wieder verworfen.

Dann, endlich, er hat sich schweren Herzens entschieden, keineswegs sicher war er dabei, denn ihm sind, noch immer, all die anderen Möglichkeiten im Sinne, von denen vielleicht eine ganz spezielle Alternative doch etwas mehr Eindruck hervorbringen würde, genau der, der notwendig wäre, um dich zu erreichen, deinen Blick, deine Gedanken oder um ganz verwegen zu glauben, zu hoffen, ein Gefühl in dir zu erwecken.

Unsicher wäre das falsche Wort, da er genau weiß, was er wünscht, nämlich diese deine Aufmerksamkeit zu erhalten, und wenn es nur für die Dauer eines Flügelschlags des bezaubernden Schmetterlings auf der Blüte vor seinen Augen wäre. Unentschieden träfe es schon eher, denn er überlegt sich ein Gefühl, ein Gefühl, welches du gerade dann empfinden würdest, wenn ihr euch begegnen würdet, das vielleicht darüber entscheiden könnte, ob du ihn überhaupt wahrnehmen würdest. Bist du in diesem Moment gegenwärtig oder verweilst du versunken in Gedanken, vertieft in Gefühlen deiner selbst?

Er denkt und fühlt darüber nach, ob es überhaupt und tatsächlich an einer winzig kleinen, unbedeutenden Äußerlichkeit hängen könnte, die darüber entscheiden würde, ob sich euer Schicksal für diesen einen Augenblick träfe und ob dies ein Beginn sein könne. Solle es möglicherweise so sein, dass die Wahl einer Farbe oder die Wirkung einer bestimmten Form, eine einzige Geste oder ein Geruch darüber entscheidet, welchen Abzweig er auf dem Weg des Lebens verpasst?

Du gehst die Straße entlang. Die Sonne versteckt sich von Zeit zu Zeit hinter kleinen weißen Wolken. Ein leichter Wind geht durch dein Haar. Deine Haut freut sich über die willkommene Ablenkung von deinen Gefühlen. Eine leichte Kühle streift sanft dein Gesicht. Du blinzelst etwas, es scheint ein Anflug eines Lächelns in deinen Wesenszügen zu liegen. Aber nur kurz. Deine Gefühle sind präsent. Die jedoch sind stark. Deine Gefühle scheinen dich schnell wieder in ihren Bann zu ziehen.

Kein Wunder, ist nicht das, was in deinem Herzen tobt, wie ein wilder, wütender Orkan? Ein Orkan, der einstmals tatsächlich begann wie ein leiser Hauch, ein Hauch von Gefühlen, die in dir entstanden, als dein Blick den seinem traf, jenseits von Farben und Formen, nicht achtend auf Töne und Düfte, Befindlichkeiten schien es in diesem Augenblick nur auf fernen Welten zu geben …

Dein Weg führt dich in ein kleines Bistro an der alten Stadtmauer unten am Fluss. Du bist hin und wieder gerne dort, fast schon regelmäßig. Es ist das Flair, die Ruhe und Ausstrahlung dieses Ortes, der dir eine tiefe Wärme und Geborgenheit in dein Innerstes zaubert. Du sitzt gerne nahe am Fluss, wenn es geht, du magst das leise Flüstern des langsam dahin fließenden Wassers. Es ist aber auch an anderen Stellen schön.

Du kommst an, im Bistro, siehst dich um, erblickst mit Freude einige freie Plätze unten am Wasser. Deine Gedanken treiben weiter. Du fühlst schnell wieder diesen Druck, der dir manchmal die Luft zum Atmen zu nehmen scheint, es ist, als hätte er sich in deinem Herzen verfangen. Du gehst hinunter. Ein Tisch in der Nähe des kleinen Wasserfalls im Fluss spricht dich intuitiv an. Du setzt dich, siehst sich um.

Einige Menschen sitzen an anderen Tischen, manche allein, andere in Gesellschaft, alle sind leise, schauen, reden behutsam, kaum hörbar, einige lesen, andere scheinen zu träumen. Du siehst dich um, siehst den ein und anderen an, setzt dich, das Wasser des kleinen Falls lässt dich hinüber blicken, zieht dich für einige Sekunden magisch an, bis der freundliche Kellner dich fragend leise begrüßt. Du bestellst dein Lieblingsgetränk.

Der Kellner schreitet von dannen, lässt dich zurück in deinen Gefühlen. Du, blickst dich um, suchst wieder das Plätschern des Wasserfalls, das deine Sinne so leise einfängt, dich ablenkt und sanft entführt in die traurige Erinnerung an die Zeit, da du mit deiner Liebe da warst, lustige Worte wechselnd, zärtliche Gesten austauschend in der Leichtigkeit des Seins verweilend. Jetzt, dein Blick wandernd, im Hier, über die Gesichter der Menschen und Dinge um dich herum, nicht bemerkend, dass einer der Menschen, deren Blicke du trafst, für diese eine Zehntelsekunde länger deine Augen in sich aufnahm, als gewöhnlich, der sich voller Vorfreude aufmachte, in das alte Bistro an der alten Stadtmauer unten am Fluss, wo er hoffte dich heute vielleicht wieder einmal zu sehen, wo er hoffte, dass auch du ihn …

Die universelle Schablone (199)

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Ein Monolog ist nicht existent. Er beginnt sein Dasein erst mit der Wandlung zum Dialog. Oder als Vorläufer zum Dialog, zur Handlung. Wie Du aussiehst, ist unerheblich. Erst dann, wenn Du wahrgenommen wirst, kommt die universelle Schablone der Gesellschaft über Dich!

Noch immer lebst du in (einer) Gesellschaft. Du bist Teil dieser Gesellschaft. Du unterliegst den kulturellen und sozialen Regeln dieser Gesellschaft. Du bist ein Mitglied, dessen Existenz die Gesellschaft ausmacht und ein Teil dieser Gesellschaft, die dich gleichzeitig mit den Normen und Regeln überfängt, die ihre Existenz ausmacht. Dein Platz inmitten deiner Gesellschaft ist ziemlich genau definiert, so, wie auch die Gesellschaft selbst definiert ist. Du hast nahezu immer die Wahl, in welcher Gesellschaft du dich nieder lässt.

Definitionen deiner Gesellschaft ordnen sich ein. Kommunikation ist das Mittel der Regulation. Um etwas zu regulieren muss ich es erst orten. Ich differenziere, um Grenzen festzulegen zu können. Was ist noch zuträglich, richtig im Sinne der Gesellschaft, richtig im Sinne der Übereinkünfte über die Ziele einer Gesellschaft, respektive der Ziele ihrer Teilmengen und die Ziele ihrer Individuen?

Unter dem Wandel der Möglichkeiten der Kommunikation vollzieht sich gleichzeitig ein Wertewandel. Indem ich über fast alles sprechen kann, über fast alles schreiben kann, vor allem aber, indem ich so laut kommunizieren kann, dass es jeder hören könnte, wird der Inhalt aller Diskussionen in immer weiterem Kreise umfasst. Über alles und jeden wird diskutiert. Überall. Wieder und wieder wird entschieden, bestimmt und festgelegt. Erweiterungen erschaffen neue Horizonte, neue Sichtweisen, neue Standorte.

Was vorher nicht definiert war, konnte nicht geregelt sein. Was nützt mir der Monolog? Ein Monolog ist vielleicht ein Gespräch mit mir selbst und schon dann stelle ich vorsichtig die Frage in den Raum, ob ich selbst, ohne schizophren zu sein, nicht doch binär bin. Deshalb, weil ein von mir gesprochener Monolog mich selbst als Subjekt und Objekt erfasst, ich selbst bin Redner und Zuhörer.

Beginne ich also mit dem Dialog. Der Dialog zwischen Gesellschaft und Individuum, der schon deshalb spannend ist, weil es einerseits der Dialog zwischen eben genannten als solcher zwischen Subjekt Gesellschaft und Objekt Individuum ist und andererseits umgekehrt. Du formst, was dich formt. Du baust dir die Grenzen selbst auf, innerhalb derer du dich danach bewegen kannst. Wissen wir alle! Wie die Lämmer, die zur Schlachtbank geführt werden! Was soll’s, solange der Weg dahin schön ist.

Verschwiegen werden all unsere Überschreitungen von sozialen Grenzen, vor anderen natürlich, aber vor allem vor uns selbst. Subtil funktionierende Mechanismen, wie “Kleinreden”, “als Ausnahme abtun”, oder ganz und gar die Schärfe einer Bestimmung in Frage stellen sind Gang und Gäbe. Unser Gewissen, so wir denn eines besitzen, und ferner, falls dieses auch in Betrieb genommen wurde, sowie aktualisiert funktioniert wird allzu gerne hinters Licht geführt. Wir fühlen uns dabei auch noch gut, so konnten es Forscher heraus finden.

Werden unsere Verfehlungen jedoch entdeckt, so wird es manchmal peinlich. Manchmal aber auch ist unser Geist nur so von Trotz erfüllt. Wohlweislich unserer Überschreitungen relativieren wir äußerst gerne. Solange es uns selbst betrifft. Wird es jedoch unübersehbar für alle Beteiligten, folgt die Auseinandersetzung mit der Zuwiderhandlung. Läuft es gut im Sinne von folgerichtig ab, so wird der Verlauf der Grenzen überprüft. “Sind die Bedingungen einer Teilnahme an gesellschaftlichem Leben überhaupt einzuhalten von den Mitgliedern der Gemeinschaft, oder entwickelten sie sich quer?” Leider findet diese Auseinandersetzung recht selten statt. Schon im engsten Familienkreis blockieren enorme Widerstände Überprüfungen, du kennst es vermutlich. Wie soll es da in größeren Verbänden leichter funktionieren?

So wird abgeglichen, jeden Tag auf’s neue, wer verhält sich wie und wer wie nicht. Das System der sozialen Verflechtungen rastert seine Mitglieder fortwährend ab. Durch uns selbst, beispielsweise mit dem Ausdruck der Gedanken oder Worte: “Wie sieht D A S denn aus?!” Böse, wer da nicht denkt, es geschehe nur zum Besten der Menschen innerhalb dieses Habitats.

Du bist kontrolliert! (198)

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In der Gemeinschaft, in der wir leben, befinden wir uns fast zu jeder Zeit in einem Verband, der durch Übereinkünfte zu Regeln und Vorschriften kam, die durch seine Mitglieder, also uns selbst, kontrolliert werden, solange wir uns innerhalb dieses Verbands aufhalten.

Du lebst in einem Verband. Dieser kann sein eine Familie, ein Verein, ein Club, eine Klasse, eine Schule, eine Firma, eine Partei, einer Straße oder anderes mehr. Du, das Individuum, befindest dich in Gesellschaft. Im Laufe der Zeit haben sich Verhaltensweisen etabliert, die für diese Gesellschaft für ein funktionierendes Miteinander notwendig erscheinen.

Bevor ein Wesen Mitglied dieser Gesellschaft werden kann, wird es entsprechend konditioniert. Sobald die Gesellschaft davon ausgeht, dass dieses designierte Mitglied alle Regeln weitestgehend verinnerlicht hat, dies durch irgendwie geartete Prüfung bewiesen hat, gilt es als Mitglied.

Von nun an erfährt jedes Mitglied eine tief verwurzelte Überwachung. Ein Kontrollmechanismus funktioniert dergestalt, dass jedem einzelnen Individuum jederzeit die Vorschriften bewusst sind, und jede Zuwiderhandlung unweigerlich als Verstoß erst einmal auffällig wird, um dann, laut vorher festgelegter Mechanismen, in entsprechender Weise sanktioniert zu werden. Das kann von subtil, ja fast unbewusst bishin zu scharf proklamatorisch geschehen. Es kann alles sein zwischen einem Blick oder Wegsehen bishin zur Todesstrafe.

Je nach Auffälligkeit, Andersartigkeit einer Handlung erfolgt eine Reaktion, die dem Verursacher aufzeigen soll: Was Du gerade vollzogen hast, ist so nicht konform der Regeln der Gemeinschaft, in der wir leben. Gleichzeitig ist diese Reaktion zutiefst subjektiv, denn sie erfolgt von einem Menschen, der zwar die weitestgehend selben Regeln erlernt hat, wie der Akteur, aber stets eine eigene Auslegung derer betreibt.

Wenn nicht die Angelegenheit aus einem Dialog besteht, dann erntet der Akteur mehrfach Beachtung. Gleichzeitig erfährt er mehrfache Reaktionen. Diese richten sich wiederum nach der Gepflogenheiten der Gemeinschaft, ein einfaches Unterfangen bei einer eindeutigen Handlung, nicht so jedoch bei einer weniger eindeutigen Handlung.

Bei der Reaktion auf eine zweifelhaft erscheinende Sache bedarf es oftmals eines Vorreiters, der durch seine Reaktion eine Richtung weist. So einfach dies auch erscheinen mag, so willkürlich kann es erfolgen. Wie genau diese Zusammenhänge miteinander in Verbindung stehen ist eine eigene Betrachtung wert und würde hier den Rahmen sprengen. Du erinnerst dich bestimmt an Situationen, in denen dir ein Verhalten eines Menschen im erstem Moment nicht unmittelbar verständlich und vor allem nicht bewertbar erschien, bis eine deiner gültigen Instanzen (Vater, Mutter, Partner, Kollege, Führer, …) ein Urteil fällte, dem dein Geist (zustimmend) folgen konnte.

So funktioniert unsere Gesellschaft vielerorts durch Selbstkontrolle oder Eigenkontrolle, wie durch Überwachung des Habitats durch uns selbst. Jeder sieht jeden an und bewertet unwillkürlich augenblicklich. Und wehe, er ist nicht konform. Dann haben viele Menschen ein Problem. Wo ist meine Grenze von dem, was ich persönlich noch tolerieren kann, ab wann sehe ich meinen Biotop in Aufruhr gebracht und beginne denunzierende Tendenzen in mir aufsteigend zu erkennen oder mache mir Gedanken über Regulation.

Wie funktioniert dein persönlicher Mechanismus? Wann glotzt du? Wann schreitest du ein? Wann bemühst du weitere Instanzen und vor allem, wie sehr entwickeltst du dir deine eigenen Theorien, verschaffst dir einen eigenen Überblick oder übernimmst einfach vorgebrachte Parolen aus vorgedachtem Meinungs-Fastfood?

Jeder von uns hat eine eigene Konditionierung erhalten und baut diese im Laufe seines Lebens weiter um und aus. Jeder von uns formt mit seinem persönlichen Verhalten sein persönliches Umfeld weiter aus. Hier zu unterscheiden, was dem einzelnen Individuum sowie der Gemeinschaft zuträglich ist oder unmerklich latent und sukzessive durch bestimmte Mitglieder unterstützt eine Eigendynamik entwickelt. Gefahr in Verzug ist immer dann gegeben, wenn ein System des Systems willen beginnt zu agieren und nicht mehr der Mitglieder wegen, bzw. nur einzelner weniger wegen. (Dieser spezielle Aspekt ist einen eigenen Beitrag wert.)

Sei also achtsam auf deinem eigenen Geist und auf alle Tendenzen in deiner Gemeinschaft und besonders ist ein Austausch von Gedanken und Gefühlen zu proklamierten: Starte immer, wenn möglich, ein Palaver!

[Anmerkung: Palaver: aus dem indianischen, eine Gesprächsrunde, bei der als Besonderheit gilt: gesprochen wird immer der Reihe nach, niemals werden Worte unterbrochen, jeder hat in etwa die gleiche Redezeit, es werden vorher eine bestimmte Anzahl von Runden festgelegt, zwischen jeder Rede findet eine kleine Pause statt, deren Länge vorher beschlossen wird.]

Gemein – schaft (197)

dice jeans hintern

mies-vandenbergh-fotografie.de

Lebst Du als Einsiedler? Nein? Dann in einer Gemeinschaft? Prägt Dich diese Gemeinschaft in irgend einer Art und Weise?  Oder prägst Du die Gemeinschaft? Vielleicht kommt Dir das Wort “Wechselwirkung” in den Sinn.

Seit dem wir Menschen nicht mehr in kleinen Gruppen verstreut über den Globus dahinvegetieren, und uns mehr oder weniger dicht auf die Pelle rücken, haben wir uns Regeln ausgedacht. Regeln, die uns helfen [sollen], den Umgang untereinander vorhersagbar zu machen. Die Zeitspanne, in der sich diese Normen gebildet haben, beläuft sich auf eine Zeit von über 500 Jahren, und ist dabei keineswegs abgeschlossen, sondern befindet sich im stetigen Wandel. Was heute noch moralisch ethisch korrekt ist, könnte im Laufe der Entwicklung schon bald als überholt und nicht mehr zeitgemäß gelten.

Junge Erdenbürger werden in relativ kurzer Zeit so konditioniert, dass sie funktionieren. Sie müssen, wie du auch, diesen Entwicklungsprozesses, der sich im Laufe der Jahrhunderte etablierte, in nur wenigen Jahren verinnerlichen. Diese Normen und Regeln sollen so weit übernommen werden, dass sie nicht mehr von außen überwacht, gesteuert oder geregelt werden müssen, sondern sie sollen aus eigener Überzeugung befolgt werden.

Ob diese Übereinkünfte dabei dem eigenen Körperempfinden widersprechen oder nicht, das gilt aus Sicht der Norm als zunächst unerheblich. Den körperlichen Bedürfnissen wurde im Zuge der Reglementierungen zunehmend weniger Raum eingeräumt. Die Trennung von Geist und Körper im Laufe der “Zivilisierung” des Menschen schuf gleichzeitig eine Verlagerung der Gewichtung. Der Geist wurde über den Körper gestellt.

Jeder von uns bedenkt sein Verhalten, bevor er es ausübt. Er geht im Geiste die möglichen Konsequenzen durch, die ihn durch sein Verhalten ereilen könnten, wenn nicht schon die aufkommende Idee über eine Handlung als nicht konform niedergeschlagen wird. Im bezug auf die körperlichen Belange funktionieren in uns Mechanismen, deren Ausdruck in Scham und Peinlichkeit gründet. Ein Verhaltenskodex ist in unserem Verständnis so weit etabliert, dass eine Zuwiderhandlung eine derart große Hemmschwelle zu überwinden hätte, die uns warnt: bis hier her und nicht weiter, sonst habe ich mit unvorteilhaften Konsequenzen zu rechnen.

Einzug gehalten haben die die körperlichen Umgangsformen beim Adel, wenn ich dem Soziologen Elias folge. Regelwerke über die Etikette wurden anschließend zunächst nur für die Bourgeoisie verfasst, sie sollten sich danach aber zunehmend auch unter dem einfachen Volk durchsetzen. Dieser Prozess kann bis heute und in vielen Regionen und Ländern beobachtet werden. Schon vor knapp 100 Jahren beobachteten aufmerksame Zeitzeugen gegenläufige Tendenzen. Aufweichungen der Benimmregeln wie das Reden über private, körperliche Erfahrungen im öffentlichen Fernsehen, die Akzeptanz von Nacktheit in der Öffentlichkeit, bishin zum Urinieren bei Theatervorstellungen mögen als Beispiele gelten. So lassen sich diese Verschiebungen als leicht pendelhaft bezeichnen.
Jeder einzelne Mensch findet sich im Gezeitenstrom der Moralitäten wieder, in dem er selbst entscheiden kann, ob er sich mittreiben lässt, stehen bleibt, oder gegen diesen Strom schwimmt. Je nach persönlichen Konsequenzen für Dich handelst Du täglich auf’s neue. Viel Erfolg!