Schönheit für immer?   Teil 1 (220)

Du veränderst dich, jeden Tag. Prinzipiell bist du an jedem neuen Tag ein neuer Mensch. Sicher, mit einer gewissen Ähnlichkeit zu jener Person von gestern – nur, in der Summe der Jahre? Was sagst Du dazu? Was denkst Du? Wie fühlst Du Dich?

Der Mensch durchläuft eine Entwicklung. Noch ist Zeit kein relativer Faktor. Nicht im alltäglichen Leben. Auch dann nicht, wenn der Mensch die Zeit als äußerst relativ empfindet. Ich blicke auf mittlerweile über 45 Jahre zurück, plus die Jahre vor der Zeit meiner Erinnerungsfähigkeit. Diese ist bei jedem Menschen wohl unterschiedlich. Meine Erinnerung beginnt im Kindergartenalter. 

Im Laufe dieser Entwicklung eines Menschen verändert sich jeder individuell, innerlich, sowie äußerlich. Währenddessen bilden sich immer wieder Teilmengen. Diese Teilmengen möchte ich zunächst skizzieren. Diese Skizze schafft eine Grundlage für die darauf folgenden Herleitungen. 

Der Mensch, als ein Teil der Gemeinschaft, in der er lebt, ist ständigen Wechselwirkungen ausgesetzt. Er existiert niemals unbeeinflusst von Umgebung und eigener Wahrnehmung. Somit bildet er zu jeder Zeit mindestens einen Dualismus (Er und die Außerwelt), mindestens deswegen, weil sowohl die Außenwelt wie auch er als Individuum aus mehr als einer geschlossenen Dualität bestehen kann. 

Dieses Verhältnis möchte ich beschreiben als beständig wechselnde Teilmengen. Zur Erläuterung ein paar Beispiele:

  • Du bist Kind. Im Kindergarten bist Du ein Teilnehmer einer willkürlich gebildeten Gruppe, vielleicht nach Alter gewählt, oder nach Geschlecht, bestenfalls nach Interessen oder schlechtestenfalls nach Verhalten. Die Gruppe der „Löwen“, alles Rüpelchen! Damit bestehen beispielsweise die Mengen „Kinder“, „Jungs“, „Mädchen“, „Abenteurer“, „Maler“, „Sänger“, „Architekten für Bauklötzchen“, … Das Individuum kann Teilmenge einer oder mehrerer Mengen sein. 
  • Du bist junger Erwachsener. Du kannst gleichzeitig vielen anderen Gruppen (Teilmengen) zugehören: Sportler, Teetrinker, Langschläfer, Morgenmuffel, Autofahrer, Elternteil, usf. Dabei schließen sich einzelne Teilmengen keineswegs aus, sie können sich zwar temporär ausschließen, genausogut können sie sich bedingen: Schwimmerin/Badeanzugträgerin/Bikiniträgerin/Nacktschwimmerin. 

Damit sollte verständlich sein, wovon ich bei der Bezeichnung „Teilmenge“ ausgehe. Und damit auch wieder zurück zur Schönheit. Ein Mensch bildet im Laufe seines Lebens unzählige Teilmengen. Im Sinne der Attraktivität sind wir Teilmenge einer Schönheit entsprechend unseres Alters. Aber sogar über die Grenzen des Alters hinweg kann ein Mensch durchaus zur Teilmenge der Schönen gehören. Nur vielleicht nicht immer. 

Ein Verlauf könnte sich derart gestalten, dass ein Mensch als Baby schön ist (hier ist immer das aktuell geltende Schönheitsideal zu Grunde gelegt, dass im Laufe der Epochen immer wieder mal wechselte!) als Kleinkind weniger dem Ideal entspricht, als Kind dann wieder als außerordentlich schön empfunden wird, in der Pubertät durch die Hormonumstellung sehr unter Hautirritationen zu leiden hat, und somit als nicht sehr ansehnlich gilt, nach der Pubertät durch wenig Manipulation der Haut während der Pubertät wieder die Schönheit herausbrechend, mit der Erwachsenwerdung wieder sehr markante Gesichtszüge entwickelnd nicht ganz dem Schönheitsideal entsprechend, mit abgeschlossenem Wachstum aber wieder wunderbare Ausstrahlung, Charisma und Erscheinung herausbildend, dann mit vielleicht 30 Jahren die ersten Anzeichen der Alterung erkennend, das Ideal der Schönheit der Jugend beginnt sich zu lösen, anstelle dessen tritt in Erscheinung eine Schönheit des Ausgewachsenen, oder aber die Durchschnittlichkeit umgibt langsam das Individuum, um dann in der Mitte der Jahre der Jugendlichkeit gänzlich verlustig einer reiferen Schönheit entgegen gehend den Zeichen der Zeit Einlass in sein Äußeres zu gewähren um dann mit Beginn des fortgeschrittenen Alters eine ganz eigene Schönheit zu entwickeln…  

Zu jedem dieser Zeitpunkte, in jeder dieser Phasen bildet der Mensch eine Teilmenge mit unterschiedlichen anderen Mengen, oftmals einer oder auch mehreren. Beispielsweise mit der Menge der Durchschnittlichen, der Naturschönheiten, der „Modepüppchen“, der „Adonisse“, der „Schluffies“ oder der Unsichtbaren…  

Daraus ergibt sich für mich eine Antwort auf die Frage aus der Einleitung: (Schönheit für immer?)  Jeder Mensch hat seine Phase! Diese wechselt, was die Schönheit und Attraktivität betrifft (natürlich keineswegs ausschließlich!) mehrere Male hin und her, ganz dem Individuum angepasst. Und spannend wird es erst richtig, wenn man zu dieser Sichtweise den Betrachter des Individuums hinzu nimmt. Ein wahres El Dorado für die Bildung unterschiedlichster Teilmengen, deren Wechselwirkung zu einem schier unendlichen Pool an Teilmengen heranzuwachsen scheint. Absolut spannend. In welcher Phase befindest du dich gerade, meinst du zu wissen? 

Beliebigkeit, Teil II (219)

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Ist unser Aussehen belanglos? Wie oft hörst du den Ausruf: „Auf die inneren Werte kommt es an!“ Was dem offensichtlich widerspricht: Die durchschnittlichen finanziellen Ausgaben (von der zeitlichen Investition ganz zu schweigen) der Bevölkerung (in Deutschland) für Dinge, Mittel und Maßnahmen zur optischen Veränderung betrugen ca. 26 Milliarden Euro (Schönheitspflegemittel, Fitness, Friseur, Schönheits-OPs)

Auch wenn der Bereich Fitness mit 4,66 Milliarden Euro teilweise bestimmt zu gesundheitsfördernden Maßnahmen zählt, habe ich ihn hinzu genommen, da ein großer Anteil der Beweggründe für die Arbeit am eigenen Körper im Wunsch nach Attraktivität liegen, so die Erhebungen der Attraktivitätsforschung.

Zum Vergleich einige Angaben über Ausgaben der Menschen in Deutschland für andere Bereiche:

• 170 Mrd Euro für Lebensmittel

• 58,7 Mrd. Euro für Touristik

• 64.46 Mrd. Euro für Kleidung

Dabei ist es tatsächlich seit Jahren unverändert, dass Frauen nahezu doppelt so viel für Schönheitspflege ausgeben, wie Männer es tun.

Wie verhält es sich nun mit den inneren Werten? Ein Mensch kann herausgeputzt sein, bis zum „Gehtnichtmehr“, falls die charakterlichen Werte nicht kompatibel sind, führt das vermutlich zu keiner positiven Verbindung. Hier möchte ich den Sicherheits- und Opportunismus-Aspekt ausklammern, denn den wird es weiterhin unverändert geben: Wenn der mögliche Partner über genügend Mittel verfügt, tritt das Äußere vermehrt und deutlich in den Hintergrund, hier statistisch deutlicher bei der Frau als beim Mann, wenn der Mann über gewisse Statuten verfügt (Geld, Macht, Ansehen, usf.)

Begegnest du einem anderen Menschen, laufen viele automatisierte Mechanismen in dir ab. Diese haben zunächst mit Äußerlichkeiten zu tun. Erst dann, wenn du durch äußere Umstände gezwungen wärest, dich näher mit einem Menschen auseinander zu setzen, bestünde die Möglichkeit, die charakterlichen Eigenschaften des Gegenüber zu ergründen.(Oder du suchst Kontakt!) Zwar spielt auch dann noch das Aussehen eine Rolle, doch das Wesen des Menschen nimmt in der Betrachtung seiner Person zunehmend Raum ein. Dabei laufen gleichfalls Automatismen ab, du fühlst, riechst, hörst deinen Gegenüber. Unterbewusst treten z. B. seine Gerüche in deine Wahrnehmung, und es wird eine Kompatibilität abgeglichen, ohne dass du es mitbekommst. Außer, er stinkt dir, daher kommt der Ausspruch: „Den kann ich nicht riechen!“ Was so viel heißt, dass man jemanden nicht leiden kann.

Auch die Frequenzen der Stimme treffen auf deine Gehörgänge. Wiederum wird sogleich eruiert, ob die Stimme angenehm ist, oder ob man sich auf Fluchtmöglichkeiten vorbereiten muss. Je größer die Dauer ist, die man mit dem Menschen verbringt, desto mehr gewöhnen wir uns an bestimmte Reize, wie Tonlage, Geruch, Mimik oder Gestik. Sollte es nicht zu sehr auffällig negativ sein, verläuft es sich in die Belanglosigkeit. Folgend kommen weitere Eigenschaften und Denkweisen auf den Prüfstand: Es sind Inhalt und Einstellungen über geistige oder emotionale Belange. Wieder werden beständig Abgleiche durchgeführt. Der Mensch führt unterbewusst -und auch ein wenig bewusst- eine Art Konto mit Soll- und Haben-Seite, auf dem all diese Eindrücke gebucht werden; dies alles mit sehr unterschiedlichen Gewichtungen. Am Ende bleibt dennoch, in einer Mischung aus bewussten und unbewussten Eindrücken, eine Bilanz übrig: sympathisch oder unsympathisch, was nichts anderes heißt, als dass diese Person vielleicht ähnlich tickt, wie du. Gemeinsamkeiten verbinden, wenn es passt! „Sympathie (entlehnt aus lateinisch sympathia, dieses aus altgriechisch συμπάθεια sympátheia „Mitgefühl“) ist die sich spontan ergebende gefühlsmäßige Zuneigung. Ihr Gegenteil ist die Antipathie (Abneigung).“ (Wikipedia)

Dabei spielen natürlich noch andere Prämissen eine entscheidende Rolle: Beispielsweise der Zweck der Zusammenkunft, der Stand der eigenen Person oder auch die Dauer der Zusammenkunft. Es läuft fast immer identisch ab, wenn wir leibhaftig einem Menschen begegnen. Dass es in anderer Form anders abläuft, dürfte einleuchtend sein. (Chat, Mails, Brieffreundschaften, etc.)

So spielen bei einer Begegnung diese Dinge eine wesentliche Rolle. Und dennoch: das Aussehen kommt immer wieder zum tragen, denn der Mensch ist ein zutiefst optisches Wesen. Kleinste Veränderungen in Mundwinkeln, in der Art des Blickes, zusammengefasst im Zusammenspiel der 26 mimischen Gesichtsmuskeln, kannst du wahrnehmen. Wenn wir Menschen nicht gar so entrückt wären von der Natur und ja, auch von dem Zwischenmenschlichen, so könnten wir sie noch viel effektiver deuten, als es jetzt in kläglicher Weise der Fall zu sein scheint. Wir könnten bestimmt etwas vorsichtiger mit eigenen Regungen umgehen, ohne gleich einen Gegenüber mit Mimiken zu verwirren, zu entfremden oder vor den Kopf zu stoßen. Auch wenn wir nicht mehr vieles von diesen Regungen verstehen, unser Empfindungsapparat reagiert sehr wohl sehr eindeutig auf diese Verhaltensmuster. Nicht selten fragen wir uns gefühlsmäßig, wie der Gegenüber es jetzt meinte, wenn, wie oft, Worte und körperlicher Ausdruck diametral auseinander driften.

Vielfach nehmen wir sehr deutlich Dissonanzen im Antlitz des anderen wahr, ganz gleich, ob durch Unsicherheit, Unmut oder niederen Beweggründen. Allein unsere Fähigkeit, diese entsprechend zu deuten, um im weiteren darauf reagieren zu können, ist in der Mehrzahl von uns Menschen zu vage.

Fortwährend kommt dabei das Aussehen zum Tragen. Ist es schwieriger, bei allgemeingültig gutaussehenden Menschen Unstimmigkeiten zu sehen oder spielt die Schönheit dabei keine beeinflussende Rolle? Kommt  ganz entscheidend die Gewöhnung hinzu, die dazu führt, dass wir einen Menschen zwar immer noch als attraktiv ansehen, aber durch diese Gewöhnung nicht mehr der Verblendung der Schönheit unterliegen und diese Nuancen immer klarer und deutlicher erkennen können? Forschungen bestätigen dies eindeutig. Es ist demnach nicht wichtig, ob jemand nach gängigen Vorstellungen schön ist oder nicht, Stimmungsveränderungen sind sichbar, anfangs nur nicht so leicht.

Aussehen relativiert sich somit in kürzester Zeit. Dennoch ist es erstaunlich, wie sehr wir Menschen danach streben, uns in der Rangliste immer wieder etwas weiter nach oben zu hangeln, respektive ja nicht abzurutschen. Das geschieht in einem Prozess, der absolut vorprogrammiert ist. Interessantes Unterfangen, nicht wahr?

 

Beliebigkeit oder was zählt das Aussehen schon? Teil 1 (218)

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Gibt es eine Beliebigkeit des Aussehens? Gibt es sie in bestimmten Grenzen? Existiert eine Beliebigkeit nur außerhalb unseres persönlichen Verständnisses von Normalität, Durchschnitt und Mittelmaß, oder bewegt sie sich innerhalb dieser Grenzen? Oder trifft die Bedeutung des Äußeren in viel größerem Maße, als wir jemals zugeben wollten.

Ist es einerlei, wie wir aussehen? Vielleicht nur, solange unser Äußeres nicht zu sehr vom Mittelmaß abweicht? Je nach Zusammenhang spielt unser Aussehen eine mehr oder minder große Rolle. Mündet die vermutlich wichtigste Bedeutung unseres Äußeren in die Partnerwahl? Oder liegt es viel mehr in der Alltäglichkeit von Leben, Beruf und sozialem Umfeld? Wenn ja, was folgt daraufhin?

Wenn das Aussehen und die Partnerwahl die stärkste Verbindung bilden, immer mit der Idee, dass ich auch viel weiter oben ansetzen könnte, dabei fragen, ob es bei der Partnerwahl überhaupt die größte Bedeutung haben kann, wie weit relativiert sich das Aussehen für eine Partnerschaft unter Berücksichtigung von Wesen und Seele, Handeln und Sein?

Ist es bei jedem Menschen anders? Und was folgt, sobald wir einen Partner gefunden haben? Verändert sich, entweder schlagartig oder schleichend, die Bedeutung des Aussehens in einer Partnerschaft? Sollte die Bedeutung des Aussehens in einer bestehenden Partnerschaft auf Belange außerhalb der Partnerschaft zielen? Oder sind es persönliche, egozentrische Gründe? Wenn es nicht die persönlichen Gründe wären, welche sind es dann? Sind es die gleichen, für die unser Aussehen eine Bedeutung ausübt, die folgen, wenn wir die partnerschaftliche Bedeutung als wichtigste ansehen und die nachfolgenden Felder bestimmen, auf denen eine Bedeutung von Äußerlichkeiten wesentlich ist? Welche wären das?

Unterscheide ich selbstbezogene und nach außen gerichtete, intrinsische und extrinsische Bereiche. Extrinsische Bereiche könnten der Beruf sein, der Bekannten- und Freundeskreis, die Familie oder Bereiche des sozialen Engagements? Die intrinsischen Bereiche finden wir im Selbstbewusstsein, in der Selbstdarstellung unter der Eigenwahrnehmung. Vielleicht ein Selbstwertgefühl zur Bildung des Selbstbewusstseins? Auch Machtkampf und Geltungsbedürfnis spielen eine Rolle?

Haben letztendlich sämtliche Beweggründe nur eine Ursache, nämlich den Bezug zum eigenen sozialen Umfeld: der Mensch, das soziale Wesen.

Lichtgestalt (217)

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Wer ist gerade jetzt Deine Lichtgestalt im Leben? Wer ist Dir momentan der wichtigste Mensch? Und wie sieht er oder sie aus?

Der wichtigste Mensch in deinem Leben ist, wenn du schon weitestgehend auf eigenen Beinen stehst, wahrscheinlich dein Partner. Davon möchte ich für diesen Beitrag ausgehen, ohne weiter darauf einzugehen, dass es durchaus andere Beziehungen zu Menschen gibt, als partnerschaftliche. Und natürlich, falls es gerade überhaupt jemanden gibt!

Da ist nun der Partner. Deine ganz persönliche Lichtgestalt. Mit seinem Aussehen, seinen optischen Vorzügen und seinen optischen Abweichungen vom gängigen Schönheitsideal sowie den Abweichungen deines eigenen, einzigartigen Schönheitsideals. Jeder von uns hat wohl eines, das ihm mehr oder minder bewusst ist. Ich kenne keinen Fall, bei dem ein Freund oder Bekannter nicht doch eine eigene Meinung vertritt, was das Aussehen einer anderen Person angeht. Zunächst möchte ich nochmals kurz darauf hinweisen, dass es in diesem Blog in erster Linie um das Aussehen geht. Das Oberflächliche, was unsere Augen und unsere Sinne, unsere Einstellung und Auffassungsgabe immer wieder erneut in so starkem Maße wahrnehmen.

Wie wichtig war dir das Aussehen deines Partners bei eurer ersten Begegnung? Hatte er die Attribute, die dir schon immer, oder seit neuestem wichtig waren? Erschienen sie dir ausgeprägt oder nur ansatzweise vorhanden? Wie war die Bilanz seines optischen Auftritts? War etwas nicht vorhanden von dem, was dir stets wichtig erschien, wichtig beim Aussehen deines potentiellen Partners? Glich er den einen Mangel mittels eines anderen, vorteilhaften optischen Wesenszuges aus?

Fehlten ihr die langen Haare? Oder war sie etwas kleiner? War sie etwas stärker gebaut oder viel zu dünn für deinen Geschmack? War er untersetzt? Hatte er schon viel zu wenig Haare für deinen Geschmack oder schien er eigentlich zu sehr der nordländische Typ zu sein, während du doch total auf den südländischen Typ standest? Hatte sie blondes Haar, wo du doch viel lieber brünettes Haar magst? Von rot ganz zu schweigen, denn da wusstest du, es gab nur wunderschön oder eben nicht. Wie stand es mir den primären Schlüsselreizen beim Anderen? Breite Schultern oder viel zu schmal gebaut. Knackarsch oder nix, was die Hose hätte ausfüllen können? War ihr Busen zu groß? Ihr Hintern zu flach, oder ihr Becken ganz schön breit?

Dafür gab es vielleicht etwas anders, das deine Aufmerksamkeit erregte. Trotz der falschen Haarfarbe sprach dich das volle Haar an? Die fehlende Größe machte dein Partner durch seine sportliche Figur wett? Und der zu kleine Po? Nun, die langen Beine hatten etwas, nicht war. Wohlgemerkt, ich bin noch immer beim Aussehen! Kein Wort wurde gewechselt. Keine Ahnungen hattest du von deinem gegenüber. Noch bevor überhaupt ein Lächeln über die Lippen kam, wälzten sich längst diese Abschätzungen durch deine Aufmerksamkeit. Viel schneller, als es dir jemals gewahr hätte werden können.

Aber dann. Nach diesem ersten, unvermeidlichen Prozedere kommt es zu all den „Dingen“, die über das Aussehen hinausgehen. Die Schönheit der Seele ist es, in ihrer Ausprägung von Ausstrahlung und Charisma, von Anmut und Empathie, von Wärme und Achtung… ferner Bewegung und Gestik. Aber das ist ja nicht das Thema dieses Blogs.:-) (Wer hat da gerade gedacht, schade eigentlich …😉 )

Und unser Aussehen? Beständig versuchen wir, immer gut auszusehen. In einer Partnerschaft lassen manche Menschen die Zügel etwas schleifen, einer mehr, eine weniger… grundsätzlich bemühen wir uns doch. Wir machen es ja schließlich nicht nur für unseren Partner, auch für uns und unser Leben. Was wurde aber aus den Dingen, aus den Vorlieben, die uns unser Partner nicht erfüllen konnte? Gemeinhin tauchen diese ja nicht plötzlich doch auf. Verlieren sie in Anbetracht der anderen Attribute ihr Bedeutung für dich? Oder führten sie gar schon einmal zu einer Trennung? Sind es etwa jene kleinen Bausteine einer Mauer, die manchmal zwischen zwei Menschen -mehr oder minder offensichtlich- errichtet wird, die dann möglicherweise klammheimlich eine Entfremdung, ein „Auseinanderleben“ verursachen könnte? Haben Äußerlichkeiten diese Macht, solch ein Baustein zu werden? Sind nicht die sogenannten „Soft-Skills“ die eigentlich wichtigen, bedeutsamen Dinge im Zusammenleben zweier Menschen? Ist nicht erst ein Mangel, eine Diskrepanz in Gefühlen der Verursacher einer Krise mit ungewissem Ausgang?

Geht es so weit, dass fehlende Äußerlichkeiten an anderer Stelle gesucht und gefunden werden? Irgendwann? Oder ist deren Bedeutung dafür nicht ausreichend für dich? Zusammen alt werden hat etwas mit totaler äußerer Veränderung zu tun, gemeinsam. „In wie weit wären optische Eigenschaften austauschbar?“ Wie ist das gemeint?

Du hast einen Partner, dem bestimmte Eigenschaften fehlen. Als Beispiel nehme ich die Größe eines Körperteils. Suche dir eines aus. Ob du es nun klein magst und es zu groß ist oder ob du es groß magst und es ist an deinem Partner zu klein, sei einerlei. Es stimmt nicht, passt nicht, und du suchst schließlich einen Partner, bei dem es stimmt. Du tauscht daraufhin deinen Partner aus. Du wusstest es vielleicht schon vorher, nur die Bedeutung hattest du unterschätzt. So gibst du nach. Das kommt immer wieder vor, scheint natürlich, besonders zu Beginn eines Erwachsenwerdens. (Drum prüfe, wer sich ewig bindet, ob sich nicht was besseres findet) Dass die wenigsten ihre Sandkastenliebe heiraten, ist bekannt, oder?

Was aber folgt beim nächsten Partner? Fehlt dort etwas anderes? Bei deiner Gewichtung wirst du dir schon etwas dabei gedacht haben, sonst würdest du nicht weiter gesucht haben. So gibt es viele (optische) Eigenschaften, deren Bedeutung, die dir einst so wichtig zu sein schien, in der Gleichgültigkeit versandeten, da sie für deine und vor allem eure Entwicklung nicht so relevant waren, wie du glaubtest. So sind diese Eigenschaften austauschbar, und die Länge der Haare und deren Farbe zerfließt wahrlich im urgewaltigen Gezeitenstrom des Lächelns deiner Lichtgestalt.

Muse (216)

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Salvador Dali fand in seiner Frau Gala seine Muse. Gibt es auch für eine(n) Fotografen eine Art Muse, die ihn oder sie dauerhaft begleitet, um zusammen die unendlichen Möglichkeiten der gestaltenden Kunst zu entfalten? Oder bedarf es immer wieder neuen Gesichtern?

Was denkst du? Ist es so, dass immer neue Gesichter mit immer den gleichartigen Aufnahme-Stilen an immer leicht veränderten Locations die Erschaffung von Fotokunst fördert (oder es sogar sein könnte)? Die erste Frage, die ich da wohl stellen sollte ist jene nach der Intention. Was möchtest Du überhaupt. Liegt dir etwas an künstlerischer Fotografie oder bist du eher ein Menschensammler? Gibt es darin überhaupt einen Widerspruch? Kann man nicht auch mit immer neuen Menschen Fotokunst par Example erschaffen? Kommt es dabei nicht auf den Bildstil an. Wo beginnt Kunst und hört das Ablichten eines Menschen auf? Gibt es nicht auch unter den Portraitfotografen solche, die es zur Meisterschaft brachten und andere, die eher beliebig sind. Mal ganz abgesehen davon, dass es doch auch immer etwas vom Motiv abhängt. Und: auch der schnöde Mammon kommt nicht von Geisterhand geflogen…

Einfache Anleitungen, wie nicht frontal, nicht die Hand unters Kinn oder nicht von oben sind nur drei beispielhafte Vorgaben, die ein Portrait erfüllen sollte, wenn es nach gängiger Lehrmeinung geht. Fehler im eigentlichen Sinne sind es nicht, werden diese Vorgaben nicht erfüllt, kommt es dabei doch immer auf die einzelne Situation an. Das hat wohl jeder Fotografierende schon erfahren. Wenn nun eine Ablichtung eines Menschen technisch perfekt ist, die Visa ausgezeichnete Arbeit leistete, das Model eine charakterstarke Ausstrahlung besitzt, vielleicht noch gängige, beliebte Attribute der aktuellen Schönheitsideale aufweist, kann ich dann von Fotokunst sprechen?

Momentan verzaubern mich die leicht surrealistischen Arbeiten von Rosie Hardy oder Brooke Shaden, um mal zwei Beispiele zu nennen. Wie weit sie von der üblichen Portraitfotografie entfernt zu sein scheinen, kann jeder Betrachter für sich selbst entscheiden.

Was spielt der Geschmack für eine Rolle? Sagt man nicht, der sei bei jedem Menschen anders? Auch in der Kunst erreichen nicht jeden die Botschaften eines Künstlers. Es kommt ganz auf den Level der Adressaten an. Vielleicht unterscheidet die Masse der Betrachter auch zwischen Mainstream und der hohen Kunst. Nun ist die „Masse“ kein fassbarer Betrachter, da sie kein Betrachter an sich ist, auf den es aber ankommt. Nur viele der Betrachter bilden diese Masse, und spätesten da zeigt sich Erfolg oder Nischendasein für den einzelnen Künstler. Bis er möglicherweise irgendwann „entdeckt“ wird. (In wie weit die Anerkennung der Arbeit für einen Künstler von Bedeutung ist, soll hier nicht näher betrachtet werden!)

Die Eingangsfrage bezog sich auf Kunst. Künstlerische Fotografie. Ich stellte die Frage der Muse. Für mich meine ich, eine Muse stünde der Entwicklung einer künstlerischen Bereicherung der Arbeiten beiseite. Um das zu erreichen bedarf es eines Vertrauens, das über einen Zeitraum hinweg erarbeitet werden muss, und zwar von beiden Kunstschaffenden. Ideen können so gemeinsam wachsen und oft entscheidende Nuancen entwickeln sich beinahe wortlos. Dazu ist eine gemeinsame Erfahrung wertvoll. Das heißt nicht, dass nicht auch Impulse von außen, durch Visa, Freunden und Kollegen, auf Fotografenseite und Modelseite produktivitätssteigernd wäre. Ganz im Gegenteil. Den Grundstock aber lege ich mit einer längerfristigen, vertrauensvollen Zusammenarbeit, bei der die Synergien zu ganz persönlichen Kunstwerken inspirieren. Meine ich!

Ich würde mich über Meinungen dazu freuen, also ran an die Tasten:-)

Schattenlicht (215)

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Licht und Schatten, Schwarz und Weiß, Gut und Böse, und: … Schön und Hässlich. Einerseits polarisierend, andererseits mit schier unerschöpflich breiter Grauzone meinen wir etwas zu erkennen, von dem wir nicht ahnen, wie lang seine Halbwertszeit sein wird. Von einem glasklaren Urteil bishin zu undeutlichen Tendenzen, von wo aus sich unsere Einschätzungen gerne in der Unendlichkeit verlieren. Wir bewerten Menschen in allen erdenklichen Situationen, unermüdlich, bewusst wie unterbewusst. Die Suche nach einer Versicherung, die uns selbst in Sicherheit wiegt, damit wir nicht unvorbereitet und ahnungslos zu einer Reaktion verleitet werden, welche möglicherweise irrational erscheint. „Kommt meist nicht gut, nicht wahr? “

So schauen wir, sehen hin, versuchen zu erkennen, versuchen zu werten, ordnen ein. Wir versuchen zu erfassen, was wichtig für uns ist, damit wir nicht in den Weiten der Informationsflut untergehen. Gleich so geschieht es, wenn wir Menschen sehen und nicht nur Menschen. Auch alle anderen Veränderungen vor unserem Blick filtern wir. Manches fällt durch ein Raster, es wird in die Unbedeutsamkeit verschoben. Mitunter sogar der ein oder andere Mensch rutscht uns durch die Lappen. Sicher, in der widernatürlich hohen Konzentration von Menschen in manchen Bereichen der Großstadt fallen relativ mehr Personen durch dies Raster, schon allein deshalb, weil die Aufnahmekapazität eines jeden einzelnen in dieser Lage nicht mal ansatzweise ausreichend wäre.

Stelle dir vor, du stündest zur Hauptgeschäfszeit auf der Düsseldorfer Kö, und würdest jeden einzelnen Menschen begrüßen wollen! Abgesehen davon, dass du schon bald nach Grafenberg* überstellt werden würdest, könntest du es organisatorisch gar nicht schaffen, weil es einfach zu viele Individuen sind. Jetzt erwäge die Möglichkeit, jeden Menschen, der an dir vorüber geht, bewusst anzusehen. Auch dazu ist dein Gehirn nicht in der Lage, selbst dann nicht, wenn du konzentriert nur Bruchteile von Sekunden jeden einzelnen betrachten würdest. Folglich wird der ein oder andere durch dein persönliches Raster fallen, du selektierst!

Im Einzelfall geht es natürlich nicht um die Vielzahl der Menschen und die Vielzahl der Begegnungen, es ist die einzelne Begegnung. Doch dabei ist es nicht anders. Der einzelne Mensch wirkt auf dich mit all seinen Reizen, die er hat. Doch nicht alle seine Reize erreichen deine Rezeptoren. Ein Beispiel: Du magst große Menschen? Vielleicht entgeht dir eine Person, weil sie nur 1.58 Meter hoch ist? Voreingenommen? Nein. Nur der kleine Mensch besitzt eine Eigenschaft, die mit deiner Idee eines Menschen nicht übereinstimmt. Da bedarf es einer Ergänzung, die der kleine Mensch nur dann liefern kann, wenn er die Chance bekommt. Übersehen bekommt er sie jedoch niemals.

Die spannende Frage ist, nach welchen Kriterien du selektierst. Beim Menschen gibt es zunächst viele optische Unterschiede, die zu Differenzen in der Abstimmung mit deiner Idee von Aussehen führen. Dazu muss man nicht mal internationale, ethnische oder kulturelle Eigenheiten wie die durchstochenen Wangen einiger Indianer des südamerikanischen Kontinents zitieren. Manch einen befremdet (früher noch mehr als heute) schon ein Piercing. (Mich manchmal auch😉 ) Auch weniger deutliche Signale führen zum Übersehen einer Person. Dabei spielt natürlich auch sie Ausstrahlung, die „Aura“ eine große Rolle, auch dabei ist es vermutlich mehr, als wir bisher erfassen können.

Was bedeutet es aber, wenn ein Mensch durch ein Raster fällt? Darauf gibt es eine einzige Antwort: Nichts. Warum? Weil dieser Mensch durch das Raster dieses einen Betrachters fiel, sonst nichts. Auch bedeutungslos ist es, wenn es viele wären. Es erklärt sich nämlich sehr klar. Wenn sich zwei Menschen nicht wahrnehmen, oder aber nicht gleichwertig begegnen, damit meine ich, eines der beiden Wesen nimmt mehr wahr, als das andere, so fehlt einzig der entscheidende Berührungspunkt. Damit ist einer der beiden Menschen nicht weniger wert, als der andere. Sie sind nur nicht „kompatibel“. Bei der Begegnung mit einem anderen Menschen können ganz schnell die Vorzeichen wechseln. Dann wird der Übersehende ganz einfach zum Übersehenen. Auch dabei findet keine absolute Wertung statt.

Im Geiste, in der Gedankenwelt des einen werden oft Erklärungen gesucht, und durch Prägungen oft die Ursache bei sich selbst gesucht, manchmal vermeintlich sogar gefunden, doch es ist ein Trugschluss. Wir schweben nur auf einer anderen Wellenlänge. Intuitiv sind wir nicht mehr sehr aufmerksam, der moderne Mensch überhört seine Intuition immer häufiger. Oder sein Intellekt kommt an die Grenzen der Logik, weil bestimmtes Verhalten jeglicher Logik entbehrt, oder viel wesentlicher, der Absender des Verhaltens selbst in einer diffusen Gefühlswelt verweilt. Vielleicht ist er auch nur abgelenkt? Das reicht manchmal aus!

Wechselbeziehungen in den eigenen Gedanken und Gefühlen machen es uns nicht leichter, zwischenmenschliche Interaktionen zu erfassen. An welchem Punkt der eigenen persönlichen Entwicklung befindet man sich, und ja, wie ist die Tagesform? Ist ein Charakter gefestigt, hat er sich ein Stück weit erkannt, oder sucht er (wieder)? Irrungen und Wirrungen zu deuten fällt nicht leicht, wenn man sie zum ersten Mal erfährt. Deshalb ist aber ein Mensch nicht weniger oder mehr wert! Er ist nur anders. [Solange es nicht krankhaft ist, versteht sich! (Krankhaft: übermäßiger Einfluss jedweder Form auf die Freiheit eines Individuums, beispielsweise, u.v.a.m.)]

Als angenehm empfindet es der Mensch, wenn er auf „Seelenverwandte“ trifft. Da könnte man annehmen, dass viele Parallelen und Ergänzungen zu einer wunderbaren Dynamik und zu Synergien führen. Traurig hingegen im Sinne der Gefühlswelt wird es nur, wenn sich Menschen verlieren. Die Berührungspunkte der Seele polen sich um, -ein Mensch erfährt Veränderungen- was sich vorher angezogen hat, verliert sich oder stößt sich sogar ab.

Aber auch dann ist keiner der Menschen weniger oder mehr wert. Es „passt“ nur weniger gut bis gar nicht mehr. Da es bei den Menschen um viel mehr geht, als nur um die äußere Wirkung, sind innere Prozesse dabei wesentlich entscheidender. Das dürfte dir aber bewusst sein, oder? Daher geht es hier im Beitrag viel mehr um die vielen ersten Begegnungen, als um die scheidenden Wege zweier Menschen.

So begegnen wir unzähligen Individuen. Deren innere Einstellung passt dabei nicht unbedingt zu der unsrigen – und umgekehrt. Und da diese innere Einstellung oft auf unser Äußeres strahlt, empfindet der Mensch ganz oft über den ersten äußeren Eindruck viel Passendes und Unpassendes, in Bezug zum eigenen Ego. Bewusst und unbewusst. Das zu erkennen, lesen zu können, ist eine Kunst, von der wir viel verlernt haben.

*Grafenberg: in Düsseldorf synonym verwendeter Begriff für Nervenheilanstalt, vulg. Irrenhaus

Die Suche nach der Schönheit, Teil IV (214)

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Weiter auf der Suche nach der Schönheit, oder das, was man dafür halten könnte.
 
Du stehst vor etwas Schönem. Wer sagt dir, dass es schön ist? Niemand! Du empfindest es einfach als schön. Ohne jede Wertung entsteht in dir dieses Gefühl, etwas zu erfahren, was in dir eine Sehnsucht erweckt, vielleicht eine Sehnsucht nach etwas Vollkommenem, nach einem Gefühl selbst, in dir etwas zu spüren, dass dich auffängt, dort, wo nichts widersprüchiges dich befremdet.

Wieder kann es sich dabei um ein Objekt handeln, welches (be-)greifbar ist, ein Bild in der Natur, das so gewachsen ist, wie es sich unserem Auge präsentiert. Welches wir so erfahren, wie wir es gelernt haben zu erfahren, denn die Naturschönheit weiß nichts davon, uns zu gefallen, weil sie einfach nur ist. Oder Du hörst ein Musikstück. Dieses Stück versetzt dich in Verzückung. Du bist wie gefangen in den Weiten der eindringlichen Klänge, kannst Dich kaum lösen, nur schwer entziehen, schon allein deshalb, weil du es gar nicht möchtest.

Möglicherweise verweilst du gerade vor einem Kunstwerk, einst von Menschenhand geschaffen aus einer Idee heraus, die der Künstler in seinem Werke verewigt in dir widerklingen lässt, kannst dich der Ausstrahlung nicht entziehen, das Kunstwerk hat dich scheinbar in seinen Bann gezogen und du gibst dich seiner lebendigen Wirkung auf dich hin. Manche Kunstwerke lösen solch eine Faszination in dir immer wieder aus, andere nur manchmal und wieder andere gar nicht. Sollte zum Widerklang dieser einen Schönheit genau diese Saite in dir vorhanden sein müssen, um Anklang zu finden?

Die Frage, ob jedes Kunstwerk „schön“ sein soll, wurde erst seit dem 19. Jahrhunderts intensiver gestellt, zuvor komponierte ein Künstler sein Werk in naher Anlehnung an die Natur, die lange Zeit als Vorbild des Schönen galt. Mit Einzug der Romantik idealisierten die Künstler die Idee der Schönheit, versuchten selbst die Natur zu übertreffen, idealisierten sie, bevor zur Zeit von Friedrich Nietzsche (1870) das Nicht-Schöne zunehmend an Beachtung gewann.(sehr stark vereinfacht gesagt)

Betrachte ich stellvertretend ein beliebiges Kunstwerk, eine Skulptur beispielsweise: Denke dir eine aus! David
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der Denker
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die Venus
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oder ein anderes, welches dich begeistert.

Es wird Menschen geben, die diese Skulptur als schön bezeichnen. Andere würden sie vielleicht als mittelmäßig schön bezeichnen, nicht direkt als hässlich, aber auch nicht als schön. Wahrscheinlicherweise gibt es Menschen, die dieses Werk auch als unansehnlich titulieren würden, denen dieses Werk sogar Unbehagen bereiten könnte. Vielleicht sind es auch nur Teile dieser Skulptur, die Missfallen erregen? Interessant ist dabei die Frage, ob es eine Möglichkeit gäbe, die eine Art Level schlüssig darstellt, welches im Auge des Betrachters erreicht werden kann, um den Anmut einer Darstellung, die Ästhetik einer Skulptur erkennen zu können?

Nehme ich die Extreme: Eine Person hat niemals zuvor im Leben eine Plastik, eine Skulptur gesehen. Was kann in ihm vorgehen? Die Person trifft auf das Kunstwerk! Und nun? Daneben steht eine Person, die schon unzählige Skulpturen gesehen hat, die schon etliche Ausstellungen über Skulpturen veranstaltet und einige Fachbücher über die Bedeutung und Herkunft sowohl der Skulpturen als auch der Künstler verfasst hat. Worin liegen die Unterschiede?

Der Schönheit ist es einerlei, wer vor ihr steht. Zunächst beide Wesen betrachten das Werk. In beiden Wesen löst das Werk die verschiedensten Empfindungen, Gedanken oder Ideen aus. Ordnet der Kenner das Kunstwerk ein, so wird es der jenige ohne Vorerfahrungen nicht einordnen. Doch im Laufe der Betrachtung kommen und gehen in beiden Personen die unterschiedlichsten Regungen, das Werk des Künstlers erweckt eine Reihe von Dimensionen ganz unabhängig vom Stand des Betrachters. Kann es dafür eine Wertung geben. Philosophen aller Epochen versuchten sich an der Beantwortung dieser Frage und kamen zu widersprüchlichsten Thesen.

Was denkst Du? Eine Metapher: ein Kunstwerk lässt eine Saite in dir anklingen. Ist es von Wichtigkeit, wie viele Saiten ein Mensch in sich trägt? Ist es wichtig, wie oft diese Saiten angespielt werden? Ist es von Bedeutung, ob diese Saiten gestimmt wurden? Ist es entscheidend, wie stark diese Saiten angespielt werden? Ist es eine Frage der Zugänglichkeit der Saiten, ob sie erklingen? Was denkst Du?
 

 

 

Die Suche nach der Schönheit, Teil III (213)

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„Du hast ja keine Ahnung, natürlich ist das ein Kunstwerk!“ So oder so ähnlich könnte mir auch jemand vorwerfen mich geäußert zu haben, wenn ich manche Kunst intuitiv beschreiben müsste. Kann es aber wahrhaft so sein, dass jemand keine Ahnung von dem hat, was Kunst sein könnte?

Der ästhetische Blick kann geschult werden. So das gängige Verständnis der Sachverständigen. Friedrich Schiller beschreibt es in seinem Werk „Über die ästhetische Erziehung des Menschen“ sehr anschaulich, da er Schönheit in Verbindung mit gesellschaftlicher Moral und Freiheit bringt. Im Zuge der Persönlichkeitsentwicklung des Menschen kann man davon ausgehen, dass Schönheit, wenn sie als etwas Vollkommenes verstanden wird und Hässlichkeit als unvollkommen, grundsätzlich erkannt wird. Nuancierungen dessen, sowie Übergänge von einem Extrem zum anderen Extrem, wie auch nur marginale Unterschiede kennzeichnen die möglichen Erwägungen.

Wenn Ästhetik erlernt werden kann, so bedeutet das im Umkehrschluss, dass es Wesen gibt, die eines ästhetischen Blickes oder Verständnisses entbehren. Dieser Zustand kann über kurz oder lang so erhalten bleiben. Wird das Wesen nicht geschult, ausgebildet oder gebildet, so wird es einer eventuellen Ästhetik vielleicht niemals gewahr. Weiterhin gibt es demnach unterschiedliche Stufen der Erkenntnis. Je weiter ein Wesen gebildet worden ist, desto sicherer erkennt es eine Ästhetik.

Heißt es aber im Gegensatz zu dieser Annahme, dass ein ungebildeter Geist nicht in der Lage wäre, Ästhetik zu blicken? Erkennt ein unbedarfter Mensch nicht die Harmonie (hier in Ergänzung zur Ästhetik verwendet) eines Musikstückes? Kann ein nicht durch die musische Bildung geformter Mensch die Eloquenz einer Dichtung, die brillanten Pinselstriche eines Malers oder die atemberaubende Plastizität einer Arbeit eines Bildhauers erkennen? Mitnichten, möchte ich meinen, doch da es hier nicht um die einzelne Person geht, trägt die musische Bildung in der statistischen Summe doch: Die Wahrscheinlichkeit ist einfach um ein Vielfaches größer ein ästhetisches Werk zu erkennen, wenn einem betrachtenden Wesen eine ästhetische Bildung zu Teil wurde.

Wird eine Beschreibung durch die Fähigkeit ihrer Herleitung wertvoller als ohne diesen Hintergrund benennen zu können? Nicht unbedingt, nur die Wahrscheinlichkeit ist definitiv größer, dass etwas überhaupt erkannt wird, wenn die einzelnen Komponenten geläufig sind. Schönheit wird in jedem einzelnen Genre definiert durch bestimmte Inhalte, Merkmale oder einzelne Kompositionen.

Deute ich den trivialen Ausspruch: „Schönheit liegt im Auge des Betrachters!“ einmal näher, so liegt diesem Ausspruch eine deutlich klarere Bedeutung, als die landläufig gängige, zugrunde: Schönheit als Objekt besitzt einen absoluten Wert, wobei das betrachtende Subjekt dabei in der Lage ist, nur einen ihm bekannten, erlernten, geläufigen Wert dieser Schönheit überhaupt wahrzunehmen in der Lage ist. Du erkennst nur die Schönheit, die Du gelernt hast zu erkennen. Dabei kann der Begriff „Schönheit“ in manchen Fällen sehr viel weiter gesteckt werden, etwa als Kunst-werk, oder als Naturschauspiel, als vom Menschen geformtes oder natürlich entstandenes Objekt, dessen Inhalt nicht nur schöne, sondern auch gewöhnliche bis außergewöhnliche, bizarre oder skurrile Erscheinungen widerspiegeln vermag.

Die Suche nach der Schönheit, Teil II (211)

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Hier im zweiten Teil von „Die Suche nach der Schönheit“ möchte ich mich der Beantwortung der Fragen aus dem ersten Teil nähern. Eine spannende Reise durch die Sichtweisen auf die Schönheit führt uns dabei zu einem Stück unserer eigenen Wahrnehmung.

Zunächst noch einmal die Fragen aus Teil 1:
1. Gibt es eine universelle Schönheit, deren Wert erst erkannt, begriffen oder erlernt werden kann oder gar muss?
2. Ergibt sich, und das ist eine Frage, die sich sehr nah an der ersten Frage orientiert, eine größere Befähigung, bestimmte Schönheiten erst dann zu erkennen, wenn man sich mit diesen Verhältnissen über einen größeren Zeitraum hinweg auseinandergesetzt hat?
3. Gibt es Parallelen bei der Erkenntnis oder Wahrnehmung unterschiedlicher Formen der Schönheit?
4. Entstehen Irrungen durch bestimmte Einflüsse oder defizitäre Befähigungen, vielleicht schon durch Wahrnehmungsstörungen?

Ohne mich allzu streng an die obige Reihenfolge der Fragen zu halten, soll sie mehr als inhaltliche Orientierung für das Nachfolgende dienen.

Da wäre also ein Subjekt, das vor einem Objekt steht. Das Objekt soll bisweilen noch jeglicher Form entbehren. Es könnte beispielsweise eine Landschaft sein, ein Tier, ein Kunstwerk oder ein Wesen. Wie kommt es dazu, dass in diesem Objekt Schönheit erkannt wird?

Eine fundamentale Annahme: Schönheit sehe ich als befreit von jeglichem Zweck. Etwas als schön zu befinden, weil es nützlich ist, entbehrt dem Sinn der Schönheit, die ihrer selbst willen existiert. Daher klammere ich es zunächst aus, ohne aber zu übersehen, dass im Falle eines schönen Menschen die Sinnhaftigkeit nur schwer auszublenden ist. Aber dazu später mehr. Schönheit wird daher erkannt, indem sie in Form eines Reizes über die Sinne des Menschen Eingang findet in die Vorstellung und die Idee eines jeden, der offen dafür ist. Damit komme ich in den Bereich der ersten Frage:
1. Gibt es eine universelle Schönheit, deren Wert erst erkannt, begriffen oder erlernt werden kann oder gar muss?

Hat ein Mensch die Zeit und die Befähigung die atemberaubende Schönheit eines Sonnenaufgangs vor überbordend bizarrer Kulisse fantastischer Felsformationen in einem weitläufig dramatischen Küstenabschnitt wahrzunehmen, wenn seine letzte Nahrungsaufnahme Tage zurück liegt, wenn er auf der Flucht vor einem Raubtier ist, dessen Nahrungsaufnahme auch wiederum eine längere Zeit zurück liegt oder er in sich eine tiefe Traurigkeit hineingesteigert hat ob dem Verlust eines geliebten Wesens?

Dringt die bezaubernde Schönheit einer tieftraurigen oder leicht-beschwingt heiter-fröhlichen Arie in unsere Wahrnehmung ein, um uns als Subjekt in einen wunderbaren Zustand der Hingerissenheit zu geleiten, wenn wir bisher niemals vorher solcher Töne gewahr wurden, vielleicht immerzu die eindringlichen Schläge der Arbeit eines Hammers in einem Steinbruch auf unser Trommelfell eindröhnten?

Kann die Schönheit eines Menschen von uns wahrgenommen werden, wenn wir nicht vorher in einem langen Prozess auf die kulturellen Merkmale und gesellschaftlichen Ausprägungen von Schönheit darauf konditioniert wurden?

Allesamt diskussionswürdige Fragen, meine ich. Antworten darauf habe ich schon mehrfach in früheren Beiträgen geliefert und belegt, und so erfolgt die daraus resultierende spannende These: Schönheit wahrzunehmen bedarf einer Schulung und unterliegt einer Entwicklung, die jenseits von affektierter Opportunität zu manifestieren ist. Um Schönheit zu erkennen bedarf es absolut einer Freiheit, dies tun zu können.

Freiheit von den Grundbedürfnissen des Menschen ist einer der ersten wesentlichen Aspekte, denn weder ein hungriger Mensch nimmt sie Schönheit einer skurril geformten, farblich tief durchgezeichneten Frucht war, noch ein durchfrorener Mensch ergötzt sich an der Schönheit einer staketenförmig gewachsenen Reihe von überdimensionalen Eiszapfen vor einem gigantischen Wasserfall.

Ferner gilt es, die Freiheit im Geiste zu bewahren, etwas tun zu dürfen und sich nicht Restriktionen gegenüber zu sehen, sobald man der Schönheit gewahr wird. Sogenannte „Entartete“ Kunst diene hier als anschauliches Beispiel für den manipulativen Einfluss vermeintlicher Instanzen. Auch ausreichend Zeit zu haben, Schönheit zu erkennen, ist wesentlich, denn wie schon zu Zeiten der Einführung des Begriffs der entarteten Kunst ist das entwickelte Dogma: „Arbeit macht frei“ nichts anderes als eine willkürlich Beschneidung und Einengung gedanklicher aber auch faktischer Freiheit des Menschen. Wer so viel arbeitet, dass er nach getaner Arbeit erst körperlich, gleichfalls aber damit geistig so erschöpft ist, dass ihm die Kraft und Muße abgeht, sich geistigen Dingen zu widmen, der stellt gleichzeitig keine Gefahr dar, sich Gedanken über etablierte Prozesse zu machen, darüberhinaus scheint auch die Beschäftigung mit den schönen Dingen des Lebens der Überanstrengung zum Opfer zu fallen.

Heute, da der Inhalt der „Arbeit macht frei“-Maxime zunehmend am Einfluss verliert, treten an ihre Stelle viel perfidere Systeme: „Konsum macht frei“ bringt es am ehesten auf dem Punkt. Konsum von Waren, Konsum von Medienangeboten, Konsum von Freizeitaktivitäten. So könnte der auf diese Weise zur Unfreiheit verführte Mensch Gefahr laufen, immer weniger die Schönheiten des Lebens zu erfahren.

Bevor ich im weiteren auf die oben erstellte These von der notwendigen Konditionierung für die Fähigkeit, Schönheit zu erkennen, näher eingehe, möchte ich gleich erwähnen, dass eine Antithese dazu, nämlich eine solche, nach der eine absolute Unbefangenheit gegenüber der Schönheit vielleicht erst dazu führt, die reine Schönheit zu sehen, in eine nicht weniger interessante Richtung führt.

Kann man Schönheit lernen? Muss man Schönheit lernen, bevor man sie versteht? Sind es bestimmte Schönheiten, die man erst dann erkennt, nachdem man sich mit dem Genre ausführlich befasst hat? Max Ernst meint dazu: „Kunst hat mit Geschmack nichts zu tun“

Zu diesen Fragen führt der weitere spannende Weg in dieser Beitragsreihe.

Nach Klärung dieser fundamentalen Prämissen wirken weitere Variablen auf unsere Ideen und unser Erkennen von Schönheit. Damit befasse ich mich in den nächsten Teilen von „Die Suche nach der Schönheit“, und wühle mich dafür schon wieder durch die Literatur und die neuesten Ergebnisse der Attraktivitätsforschung.