Was ich besser machen könnte… Teil 2 von 12 [Intermezzo]

Schatzi, Mausi, und die Koseformen von Namen

Meine Nackenhaare sträuben sich leicht, sobald ich Verniedlichungen von Namen höre. Das sollte ich in den Griff bekommen. Mein Freund Andreas heißt nicht Andi. Meine Freundin Valerie heißt nicht Liri. Der Name Olaf bietet nur wenig Möglichkeiten der Verniedlichung. Warum mag ich es nicht? Ist mir ein Rätsel, es hat nur wieder mit Sprache zu tun, wie im ersten Beitrag. Ich meine, Namen sind toll, und auch Alexander ziehe ich Alex vor, es ist eine Freude für mich diesen auszusprechen. Ich habe es in der Sprache nicht eilig. Ich mag die leichten Ausschmückungen in der Sprache, was der aufmerksame Leser sicherlich schon hin und wieder feststellen konnte. So gefallen mir die Namen, wie sie sind, ohne eine Verkürzung oder ein „i“ dazugedichtet. Auch Basti, (hier zickt nicht mal die Autorechtschreibkorrektur, wie bei vielen anderen Worten, die allesamt zum erweiterten Wortschatz gehören, aber auf den Tastaturen der Smartphones wohl nicht erwünscht sind. 😉)

Namen sind bekanntlich Schall und Rauch, doch woher stammt die Neigung zur Verniedlichung? Es ist nichts verwerfliches daran, einen Menschen in einer liebevollen Art und Weise anzusprechen, dies womöglich auch mit einem Tiernamen zu verbinden, und es mögen scheinbar einige Personen mehr, als man denkt. Worte wie „Schatz“ nutze ich übrigens auch. Aber mit Schatzi (wird auch nicht unterstrichen von der Korrektur 😂) verbinde ich eine leichte Herabsetzung. Wird ein Mensch, der so gerufen wird, ins Lächerliche gerückt? Wie empfindest Du die Sache mit den Verniedlichungen? Bärchen, Schnecki, wie heißt Du sonst noch außer Deinem Klarnamen? (Keine Sorge, ich verrate nix… 🙊)

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Theater des Lebens [109]

Denken, Sprechen Wahrheit, Schein, Sein – Schreiben

Komm, spielen wir ein Spiel. Ich spiele ein Spiel. Du spielst ein Spiel. Im Spiel kann ich der sein, der ich will. Ich kann der sein, der erwartet wird. Ich kann der sein, der ich gerne wäre. Ich kann der sein, der ich nie war. Ich kann der sein, der ich immer schon war.

Ich kann so sein, dass ich sehr elastisch reagiere. Auf dass es mich zerreißt, so flexibel kann ich werden. Starr kann ich ebenso sein, bewege mich keinen Millimeter, Kompromisse sind mir ein Gräuel. Komm, spielen wir ein Spiel. Medial ist es doch so leicht, noch viel einfacher, als es real ohnehin schon ist. Bist Du ein anderer Mensch, während Du arbeitest, als Du einer bist, der im Urlaub verweilt? Erkenne ich Dich nicht wieder, wenn Dir zum einen Person A gegenüber steht, ein anderes Mal Person B? Bist Du in Gesellschaft gänzlich anders? Gibst Du dort den Entertainer oder kommst als leiser Gast? Kennen Dich Deine Freunde als den Storyteller oder den sanften ruhigen Beobachter? Vielleicht liege ich völlig daneben, und Du begibst Dich lieber gar nicht erst auf Gesellschaften? Sie sind unvermeidlich? Wer bist Du dann, wie wird man Dich antreffen? Oder bleibst Du trotz der Unvermeidbarkeit dennoch fern?

Zurück zum Spiel. Wir können uns schreiben, diese Möglichkeit bieten schließlich die meisten sozialen Netzwerke. Viele Menschen haben dort einen Auftritt. Dieser Auftritt kann eine gute oder perfekte Vorstellung sein, leider manchmal auch eine miserable. Doch gehe ich bei Dir selbstverständlich von einem durchdachten, organisierten Profil aus. Alles ist planbar. Alles kann variiert werden. Der Mode kann umgehend Rechnung getragen werden. Kein Problem.

Dann ein Kontakt. Wie zu den Anfängen des Internets, als man sich noch mit einem Modem über die Telefonleitung in einem langen Prozess einwählen musste, man immer mal wieder herausflog und die ganze Prozedur von vorne begann – garantiert war nur, dass es mehrmals geschah. Kontakt also, man schreibt sich. Zwei fiktive Quellen begegnen sich, noch handelt es sich wahrscheinlich um humanoide Formen. Obwohl es schon zu Basic und Newdos-Zeiten ein in Basic verfasstes Programm gab, das sich mit Dir unterhalten konnte, indem es aus Deinen Antworten – zugegeben nicht immer ganz logisch- neue Fragen bildete, und diese an Dich richtete. (Du sagtest vorhin, dass…., wie passt das zusammen mit… ) Kausalität war nicht immer gegeben. Alles geschah schriftlich, Spracherkennung gab es nur äußerst rudimentär, es ist tatsächlich die Computerstimme, die sich jedermann vorstellt.

Zurück zum Spiel. Zwei Wesen beginnen eine Unterhaltung. Namen zur Anrede werden genannt, Synonyme oder nicht, wer weiß? Wobei, ich stelle fest: Eine Anrede wird (auch hier bei WordPress) wohl zunehmend uninteressanter. Finde ich zwar schade, aber digital-anonym ist kaum anders zu erwarten. Schall und Rauch seien Namen schrieb einst Schiller, also was soll’s.

Das Alter wird manchmal genannt, aber wozu eigentlich, vielleicht stimmt es, oder nicht. An der Wortwahl ist es oft recht schnell zu erkennen, denn Wortschatz und dessen Verwendung lernt man hierzulande in der Schule weniger. Einige andere Merkmale weisen noch besser darauf hin. Aber wie gesagt, wozu. Alter spielt nur eine Rolle, wenn man auf Partnersuche ist, sonst gibt es keine Begründung, weshalb eine Kommunikation auf gleiches oder ähnliches Alter beschränkt sein sollte. Es kommt auf das Thema an, und dabei können Menschen unterschiedlichen Alters durch Beschäftigung mit einem bestimmten Thema ein sehr ähnliches Level erreichen. Manche Menschen beschäftigen sich in 40 Jahren nicht mit einem Warum, Woher, Wohin! (Ganz ohne Wertung gemeint!) Andere schon intensivst mit 17.

Wir waren beim Spiel. Es beginnt. Wir schreiben, tippen am Rechner oder die Daumen rasen über das Handy. Fragen und Antworten, Meinungen und Antipathien, Erlebnisse und Erfahrungen werden kommuniziert. Hin und her und her und hin wechseln die Worte. Es wird ein Luftschloss errichtet, die Vorstellungen beginnen zu wachsen, auf dem Boden, der unser Fundament bildet, in uns, wird verglichen und abgeglichen, bis das Bild passt, welches durch Worte aufgebaut wird. Immer wieder kommt es zu Rissen in Wänden, Stützpfeiler geben nach und bringen ganze Etagen zum Einsturz. Doch sogleich wird eine neue Säule errichtet, die etwas stärker erscheint, und in Verbindung mit den anderen Säulen ein Bild ergibt.

So wird es bleiben, nur ungern geben wir Irrtümer zu, versuchen lieber zu kitten, was porös erscheint, und es entsteht letztendlich ein Stückwerk, das keiner realen Begegnung stand hielte, wären wir nicht so verblendet von unserem eigens gebildeten Bildnis, das schließlich so passend aus uns heraus erschaffen wurde. Da hat der reale Andere eigentlich nichts mehr zu suchen, nicht wahr?

Folgen bei Instagram, Teil 4 (Intermezzo)

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mies-vandenbergh-fotografie.de

Manche User von IG stellen Follow – Anfragen in besonderer Weise: sie liken sehr viele Bilder, um zu sehen, ob man nachsieht, wer da die sehr vielen Likes vergab und ob man auch einige Likes vergibt. Tut man dies, folgen sie und erwarten ein Followback. Bleibt es aus, so entfolgen sie kurze Zeit später.

Eine seltsame Weise sein Gefallen für die Arbeiten eines anderen Menschen auszudrücken. Oder geht es letztlich gar nicht um Anerkennung? 😉

Wie zeigst Du die Anerkennung einer Arbeit, die Dir gefällt? Außer ein Like zu klicken…

Mein Insta:

http://www.instagram.com/miesvandenberghfotografie.de

Folgen bei Instagram, Teil 3 (Intermezzo)

Jeden Tag folgen und entfolgen kurze Zeit später wieder einige User meinem Account. Viele kennen es, viele nervt es. Verantwortlich sind die User sogenannter Crawler (man berichtige mich, falls ich etwas falsch verstanden habe), die automatisiert tausenden wahllosen Konten folgen, um kurz danach wieder zu entfolgen. Damit beabsichtigen sie eine große Menge neuer Follower durch Zurückfolgen zu generieren. Manche der Opfer dieser Methode bemerken nicht, wenn die Konten wieder entfolgen. So erreichen die User dieser Programme eine große Anzahl Follower, aus welchen Gründen auch immer.

Monetäre Gründe finden sich auch darunter, nicht nur dem (fehlenden) Ego ist diese Vorgehensweise geschuldet, denn IG-User mit hohen Follower-Zahlen sind potentielle Werbekunden mancher Unternehmen und können unter Umständen damit ein Einkommen erzielen.

Wie, wenn Du es machst, gehst Du mit dieser Methode um. Ich nutze eine App, die solche Machenschaften enttarnt. Und folge per se nicht zurück, wenn das Verhältnis Follower / Folgen im Missverhältnis steht (100.000 Follower zu 127 folge ich).

Mein Insta:

http://www.instagram.com/miesvandenberghfotografie.de

P. S. Nein, hier lag kein Handtuch…

Folgen bei Instagram, Teil 2 (Intermezzo)

Shooting Koblenz Fotograf Model

mies-vandenbergh-fotografie.de

Zurückfolgen bei Instagram kann eine Möglichkeit der Wertschätzung der Arbeiten des neuen Followers darstellen. Gefällt mir nicht, was ich bei einem neuen Follower sehe, so folge ich nicht zurück.

Wie machst Du es? Folgst Du jedem neuen Follower zurück? Oder folgst Du schon dann nicht zurück, wenn der thematische Inhalt nicht zu Deinem Inhalt passt, obwohl Dir gefällt, was Du siehst?

Mein Insta :

http://www.instagram.com/miesvandenberghfotografie.de

P.S. Ja, auch hier wurde für die veröffentlichte Originalversion das Handtuch retouschiert.

Folgen bei Instagram, Teil 1 (Intermezzo)

Fotoshooting Koblenz Portrait tfpShooting

mies-vandenbergh-fotografie.de

Privaten Instagram-Konten muss man folgen, um ihren Inhalt sehen zu können. Erst dann kann man entscheiden, ob der Inhalt passend zur weiteren Verbundenheit ist. Auch so entsteht ein Folgen und Entfolgen.

Wie machst Du es, wenn Dir ein privates Konto folgt? Stellst Du eine Anfrage, um zu sehen, wer es ist, der Dir nun folgt?

Mein Insta:

http://www.instagram.com/miesvandenberghfotografie.de

P.S. Ja, in der Originalversion des Bildes oben habe ich das Handtuch retuschiert. 😂

Fiktive Worte [107]

Gespräch gegen Gespräch, Formen der Kommunikation, was bedeutet ein Gespräch in einem Chat, welche Substanz hat es tatsächlich?

Zweifelsohne, bei einem Gespräch von Mensch zu Mensch gibt es viele Ebenen, auf denen kommuniziert wird. Jeder weiß es. Zunächst steht das gesprochene Wort als gesendete Botschaft im Mittelpunkt und mehr noch als empfangene Botschaft beim Adressaten. Hinzu kommt die Gestik und Mimik des Sprechenden, als Indikator für Wahrheit und Lüge, als Katalysator für Eindringlichkeit oder als unwichtiges Beiwerk. Beim direkten realen Gespräch gibt es unzählige Quellen für Abweichungen und Missverständnisse, ganz offen ausgelöst durch Wortwahl, hingegen durch die Körperhaltung auf subtiler Ebene. Wir alle kennen es, wenn ein Mensch eine frohe Botschaft verkündet, seine Körperhaltung aber eher mißmutig erscheint, und wir uns daraufhin sofort fragen, was ist los, was nicht stimmt, mit der Konsequenz, den Sprechenden umgehend zu fragen, was nicht stimmt.

Gleichsam werden wir stutzig, wenn ein Gegenüber recht teilnahmslos eine weniger frohe Botschaft verkündet, zusätzlich vielleicht noch amüsiert dreinblickt. Wir ahnen sofort, dass etwas nicht mit rechten Dingen zugehen kann und beginnen umgehend rückzufragen. Schließlich kann es ja nicht sein, daß Dramatik ohne entsprechende Mimik wirklich dramatisch sein kann. Wir leben nicht in Japan, wo es so üblich ist.

Jeden unklaren Punkt können wir beim persönlichen Gespräch sofort klären. (Hier sollte ich besser schreiben KÖNNTEN, denn die Mehrzahl der Menschen verlernte scheinbar sich zu vergewissern, verlernte nachzufragen. Sie empfinden möglicherweise ihre Nachfrage als Zeichen der Unsicherheit, und niemand möchte sich eine Blöße geben.) Dabei stellt die Rückfrage in der Kommunikation ein relevantes Mittel zur Verfügung. Wer fragt schon zwei oder mehrmals nach, wenn das gemeinsame Verständnis vermeintlich noch immer nicht hergestellt ist, wer hakt nach, wenn er den Eindruck hat, dass irgend etwas noch immer nicht stimmt, einer Frage scheinbar immer wieder ausgewichen wird, wie es häufig in der öffentlichen Diskussion vorgelebt wird.

Ein „Wie fühlst Du Dich“, wenn man sieht, dass sein Gesprächspartner fliehend nach links und rechts weg schaut, eine sofortige Nachfrage auf einen fragenden Blick, all das ist Kommunikation.

Was funktioniert davon aber virtuell, was in einem Chat, einem Mail-Kontakt oder in WhatsApp? Während bei der Brieffreundschaft noch die Linien der Schriftführung ein wenig Persönlichkeit erahnen ließ, so fällt das beim Chat weg. Emoticons sind gezielt eingesetzte Ausdrücke, weit weg von tatsächlichen Gefühlsregungen. Was bleibt, ist einzig das geschriebene Wort.

Wie wurde formuliert, welche Wortwahl fand statt, welche Satzlänge scheint Standard? Synonyme, Erläuterungen sind Beispiele für Mittel der Wahl. Inhaltlich ist allentscheidend, was geschrieben wird, worauf geantwortet wird und welche Frage oder welche Aussage ignoriert wird. Letzteres ganz besonders, habe ich den Eindruck. Hier gilt zwar nicht mehr die Regel vom geschriebenen und damit bleibenden Wort, denn oft wird so schwammig formuliert, dass alles und nichts in bestimmte Bedeutungen umgedeutet werden kann.

Was kann ein Gespräch auf virtueller Ebene bewirken? Man tauscht sich mit Worten aus, und zunächst wird festgestellt, ob sich die Personen kennen, im realen Leben oder sonst wie. Ich möchte hierbei die Prämisse zugrunde legen, dass sich die Menschen vorher nicht kannten, der Kontakt entstand virtuell. Keiner weiß vom anderen etwas darüber, das tatsächlich ist, weil kein Kontakt zuvor etwas hätte verifizieren können. Alles ist nun denkbar. Alle Prämissen sind wie ein Puzzle zusammensetzbar, nur dass dabei jedes Teil an jedes andere Teil passt. Es kann ein fiktiver Charakter gebildet worden sein, dessen Ausprägungen im Laufe der Konversation angepasst wird. Niemand weiß vom anderen, was real, was erdacht, was gespielt oder wahrhaftig ist. Worte können alles implizieren. Oder nichts. Das Spiel ist eröffnet.

Zweifel und Bedenken [106]

Gedanken eines Menschen, wir redeten darüber, als Folge meiner Frage, ob ein gemeinsames Shooting in Frage käme. Manchmal kommt es vor, dass ich einen Menschen, der mir begegnet, von dessen Äußerem ich überzeugt bin, anspreche, ob er nicht Lust hat, bestimmte Ideen oder Bilder in einer Fotografie umzusetzen. In Deutschland zugegeben etwas schwieriger, als in anderen Ländern, aber oft von einer Zustimmung gefolgt, wenn ein Gespräch darüber zu Stande kommt. Freut mich, wenn es klappt, nach den ersten Ergebnissen eines Shootings dann auch nahezu immer den angesprochenen Menschen. Die Gefühle, das Drumherum und die Vorgeschichte desjenigen, den ich anspreche, spielen eine große Rolle bei den Gedanken, die um das Thema kreisen. Alle Vorurteile und Befürchtungen, Zweifel, eigene Unsicherheit und fehlendes Selbstbewusstsein können zu vielen Fragen führen. Selbstüberschätzung ist natürlich auch ein Thema, dazu aber in einem der nächsten Beiträge mehr.

Wie kann ich es wagen, einen mir wildfremden Menschen anzusprechen, dabei über ein in Deutschland recht sensibles Thema sprechen zu wollen? Eigentlich unerhört. Doch als Rheinländer habe ich wenig Befürchtungen, bin recht lebensfroh und viel zu positiv dem Leben gegenüber eingestellt. Wenn nicht jetzt, wann dann? Speziell auf eines dieser Gespräche, in das viele Gedanken eingeflossen sind, möchte ich hier zu sprechen kommen. Ich finde es spannend, davon zu berichten, vielleicht betrifft es ja auch den ein oder anderen Leser. Wenn Du dazu ein paar Anmerkungen hast, eigene Erfahrungen hast oder eine eigene Meinung vertrittst, immer her damit! 😊

Vorweg: Das obige Bild zeigt zwar einen Menschen, den ich auf der Straße, genauer in einem Café ansprach, aber nicht jenen, mit dem ich dieses Gespräch führte. (Frei aus der Erinnerung erzählt)

„Bock auf ein Shooting?“

😂 Nee, so sicher nicht. Zwar bekomme ich immer wieder solche Anfragen, aber ich selbst finde es nicht sehr aussagekräftig. Ich ging also auf der Straße zu einer Person, lächelte sie an und fragte, ob ich eine Frage stellen dürfte. Dies wurde, nachdem ich von oben bis unten gemustert wurde, bejaht. Also fragte ich nach einem Shooting. Wie genau, das kannst Du mich fragen, wenn Du mich anrufst! 😊

Sehr unsicher und ungläubig schauende Augen blickten mich an. Nein, das wäre nichts für sie, ob ich es ernst nehmen würde. Immerhin eine Gegenfrage, was nicht völlige Ablehnung heißt, so dufte ich es noch etwas weiter erläutern. Ich legte also dar, was ich mir vorstellte. Meist kommt es nicht sofort zu einer weiteren Erklärung, direkt vor Ort, oft kommt weiteres per Mail, nachdem ich meine Visitenkarte überreichen durfte. Hier war es anders. Nachdem ich mich geäußert hatte wurden Zweifel genannt, aber nicht nur. Interesse am Ablauf und den Hintergründen wurden ebenso laut. Mich freut es immer sehr, wenn ein Mensch so frei ist.

Wir fanden etwas Zeit über Zweifel allgemein zu sprechen, ausgehend vom Sinn und Zweck von Fotografie überhaupt, dann von Portraits im Speziellen.

„Woher kommen die Zweifel?“

„Ich weiß nicht, ich habe sowas noch nie gemacht und ich weiß nicht, ob sowas etwas für mich wäre.“

„Was kann denn passieren, wenn es nichts für Dich ist?“

„Naja, dann hast Du Dir umsonst die Mühe gemacht und das wäre mir nicht recht. Oder ich stelle mich zu blöde an.“

„Wenn Du es nicht machst, erfährst Du nie, ob es etwas für Dich ist? Aber das weißt Du ja schon. Was könnte schlimmstenfalls passieren, wenn es nichts für Dich wäre? Wir würden es abbrechen und hätten ein bisschen Zeit miteinander verbracht. Was sind Zweifel für Dich?“

„Zweifel sind eine Vorsichtsmaßnahme, man weiß ja nie. Klar, Zweifel sorgen auch direkt dafür, dass man einer Idee nicht sofort nachgibt, sie gar nicht aufleben lässt, sie sozusagen im Keim erstickt. Wenn sie aber stark genug ist, vielleicht setzt sie sich dann doch durch?“

„Ja, stimmt, Zweifel helfen einem in einer Welt den Überblick nicht zu verlieren und einen vor vorschnellen Entscheidungen zu bewahren. Sie hemmen einen aber oftmals, seiner eigenen Entwicklung damit Raum zu geben. Gibt man sich ihnen hin, so lassen sie die eigene Entwicklung nicht zu und stellen alles so schnell in Frage, dass eine offene Beschäftigung damit nicht erst zustande kommt. Was denkst Du?“

„Zweifel, dem immer wieder nachgegeben wird führt wahrscheinlich dazu, dass ein Mensch zu einem zutiefst gehemmten Wesen werden kann. Andererseits bewahrt er einen vor einem sich hinreißen lassen, das möglicherweise zu einem Fehler führen kann, der nicht rückgängig gemacht werden kann. Wenn ich nun Fotos von mir im Internet sehe, sie werden für immer dort bleiben. Oder?“

„Das wird so sein, neben anderen Billionen von Bildern mit 4 Milliarden Bildern mehr pro Tag. Aber ich möchte es dennoch nicht herunterspielen, denn eine Gesichtserkennungs-Software würde unter Umständen Dein Bild finden können, ja. Was würde Dich daran stören? Wir reden hier über Portrait-Aufnahmen, nicht über Akt. Was würde ein Mensch denken können, der Dein Bild erkennen würde? Welche Folgen würden Dich daraufhin berühren, fände eine Person ein Bild von Dir?“

„Prinzipiell fällt mir dazu nichts ein, ich weiß nur nicht, was mit dem Bild alles passieren kann, wo es überall auftaucht, nachdem es beispielsweise bei IG erschienen ist. Ich weiß, dass sich all die Menschen, die täglich hunderte Selfies ins Netz stellen, sich keinen einzigen Gedanken darüber machen und auf der anderen Seite das Recht am eigenen Bild ganz toll finden, aber das eine verantworten sie schließlich selbst, das andere ein anderer.“

„Das sehe ich ähnlich, doch den in Deutschland gelebten oder befürchteten Umgang mit dem Bild von sich selbst halte ich für stark überbewertet, das gilt jedoch für mich selbst und entscheidet zum Glück jeder selbst, so frei sind wir ja. Doch meiner Ansicht nach wird ein zu großer Aufwand um die Rechte bei Veröffentlichung von Bildern im Internet gemacht, ich finde es toll, wenn schöne Aufnahmen gezeigt werden, die für mich als Inspirationen zur Kunst fungieren. So unterschiedlich die Menschen sind, so vielfältig ist die Meinung und Herangehensweise.“

„Zweifel sind für mich nicht unwichtig, aber in unserem Fall kommt es am Ende nur darauf an, ob ich Dir vertrauen kann. Die Entscheidung, ob Internet oder nicht ist unabhängig davon, weil ich weiß, wenn wir zusammen Bilder erschaffen, dass diese dann auch gezeigt werden. Ich kann mir vorstellen, Dein Thema darzustellen, aber ich bedenke es noch und schreibe Dir dann, wenn es für Dich in Ordnung ist?“

„Selbstverständlich ist es in Ordnung, ich würde mich freuen, wenn wir das Thema gemeinsam umsetzen würden. Vielen Dank für die offenen Worte und Deine Zeit.“

„Gerne und ich bin sehr gespannt, was so passiert.“

Beliebige Bilderflut [105]

Ich sehe das anders. Bilder, überall. Selfies, wohin man digital blickt, alle filteroptimiert. Menschen wurden vor der Kamera abgelichtet, die Ergebnisse sind sichtbar auf all den einschlägigen Plattformen im Internet. Präsentation als Sinn und Zweck scheint der Darstellung von Kunst (Fotografie war niemals ausschließlich Kunst) gewichen zu sein. Bilder, nein, Fotos erschaffen eine virtuelle Realität. Ich bin etwas überfordert mit dem Maß der Nutzung der digitalen Virtualität und ich bin schon etwas erfahrener im Leben, heißt, ich habe vieles gelernt, vergessen, erlebt, gelitten, mich an Vielem erfreut und manchen Schwindel und Hype über-lebt. Wenn es für uns Menschen einen Horizont gibt und ich ihn beschreiben würde, so begänne ich am Tellerrand.

Mein Leben hat, wie vielleicht auch Deines, viele Gewässer durchschifft, hat manchen Sturm gemeistert, sonnige Tage erlebt, aber auch den ein oder anderen Schiffbruch erlitten. Bis heute und hier hin aber bin ich am Riff nicht verendet, sondern konnte allein oder mit Hilfe anderer Menschen ein neues Schiff bauen und die Reise fortsetzen. Wieder mit sonnenbeschienenen Stränden und schweren Unwettern, Flauten und Stürmen, in voller Gleitfahrt und vor sich hin dümpeln. Mal sogar zurück treibend. Bis heute habe ich damit einen Fundus errichtet, der mir aus heutiger Sicht eine schier unendliche Vielfalt an Erinnerungen darbietet, Erinnerungen, die sicher in ihrer Gänze total eingefärbt mit Gefühlen in einem zumindest rosigen, bisweilen aber auch dunklen Licht auftauchen.

Sitze ich gedanklich auf der Luv-Seite in der Sonne, blicke zum Horizont, den warmen Wind auf meiner Haut, die Geräusche des Bootes, das mit nur dem Wind durch die sanften Wellen des Meeres schneidet, so verliere ich mich gerne immer wieder in den vergangenen Welten von einst. Aus dem eigenen Repertoire tauchen Gedankenkonstrukte auf, immer gefühlvoll begleitet von Gerüchen, ich rechtfertige und erkläre, genieße, ich lebe nach und fühle. Von Zeit zu Zeit entführt mich eine Welle oder Boe in die nähere Dimension, blicke auf die Segel, korrigiere behutsam den Kurs, um gleich wieder in die entfernten Welten der Erinnerungen zu gleiten.

Doch ich war beim Foto. In jeder erdenklichen Situation werden Fotos geschossen. Was viel entscheidender ist, sie werden alle gepostet! Alle paar Minuten, Stunden. Tage eher nicht, denn das ist zu viel, das verzeihen die Follower nicht und entfolgen. Die älteren Fotos, mit einem Alter von vielleicht 4 Stunden sind schnell wertlos und verschwinden im Nirvana des www. Was bezwecken wir Menschen mit dieser Lebensweise, diesem Handeln und Posten von Essen und Haustieren, von Looks und Schmuck, von Nahrungsergänzungsmitteln und Proteindrinks und besondes Urlaubsdestinations? Als öffentliches Tagebuch zur eigenen Doku könnte man es möglicherweise verstehen, doch was gezeigt wird, ist häufiger das, was sein sollte, anstatt dem, was tatsächlich ist. Der Sinn und Zweck erschließt sich mir immer weniger. Wie geht es Dir damit? Was erwirkt diese Überflutung von Medien in Dir? Welchen Stellenwert hat ein Foto für Dich? Wie viele Fotos lagern in Deinem RAM? Oder Videos? Wie siehst Du den (hauptsächlich) deutschen Widerspruch von abnehmenden Zahlen der Abbildungen von Menschen in der Streetfotografie bei gleichzeitiger Flut von Selfies oder Buddies in den sozialen Netzwerken? Fragen über Fragen, und hier sitze ich und staune! Naja, nicht wirklich, gleich fängt Djungelcamp an. 😂

The show must go on. Vom Posing [104]

Posing, die Bezeichnung für das Einnehmen einer bestimmten Körperhaltung für eine Fotografie, stellt ein wesentliches Merkmal einer Bildaussage dar. Vielfach vernachlässigt entscheidet die Haltung in Verbindung mit Mimik explizit über Gedeih und Verderb einer Bildaussage, über die Wirkung oder die Beliebigkeit eines Bildes.

Ein Bild kann noch so gut ausgeleuchtet sein, das Spiel mit Licht und Schatten so exzellent ausgearbeitet sein, die Verläufe von Farben und Formen durch Perspektive und Winkel so passend erfasst sein, die Kontraste und Verläufe der Strukturen so harmonisch oder gegenläufig eingefangen sein, kurz, technisch kann die Aufnahme von tadelloser Finesse gekennzeichnet sein, wenn die Pose auch nur in geringer Weise irritiert, so bildet dies einen entscheidenden Störfaktor bei der Beurteilung einer Fotografie. Zumindest dann, wenn es um vorzeigbar künstlerische Qualität gehen soll.

Damit meine ich nicht die vielen Millionen Bildchen bei Instagram oder Facebook, oder in anderen sozialen Netzwerken, die eine andere Orientierung haben, wie es zum Beispiel bei 500px, Flickr, und anderen Plattformen, die mehr auf Bildpräsentation ausgerichtet sind, als der Darstellung der User zu dienen. (Eine gesunde Mischung aus Präsentation und möglicher einfacher Kommunikation in Form einer Anwendung habe ich bisher noch nicht gefunden, vielleicht muss man es selbst generieren)

Auch die starke Tendenz der Zurschaustellung möglichst wenig bekleideter Menschen in den Fotogruppen bei FB ändert für mich nichts an der Tatsache, dass Posing ein vielfach unterschätztes Mittel ist. Viel Haut macht ein Bild noch lange nicht gut (obwohl es oft viele Likes mehr erhält, als Portrait und Lifestyle). Ich sehe es ganz im Gegenteil. Bei weniger Kleidung ist in meinen Augen die Qualität der Arbeit der Protagonisten noch viel wesentlicher. Es ist dabei sehr viel mehr Vertrauen, Einfühlungsvermögen und Gespür vonnöten, um nicht nur „Nacktbilder“ zu erstellen, sondern (künstlerischen) Akt oder Teilakt, wie auch verdeckten Akt. Letztgenannter stellt in meinen Augen nochmal mehr eine Möglichkeit dar mit dem zu spielen, was Kunst, Phantasie und Kreativität miteinander verbindet. Das aber nur am Rande.

Wo beginnt Posing und endet der Zufall? Keine Frage, es gibt atemberaubend schöne Bilder, die in einem Moment der absoluten Entspannung entstanden sind, die als Produkt des Zufalls sozusagen nebenbei entstanden sind. Doch sie sind meines Erachtens rar. Was ist also notwendig, damit man einer Idee eine Form, einem Gefühl einen Ausdruck geben kann? Sind der Blick und die Mimik Zutaten, die der Komposition einen Körper geben? Was ist mit den Gliedmaßen, was mit der Haltung des Kopfes, was mit der Stellung der Beine, dem Winkel von Kopf, Schultern und Rücken? Kann eine Drehung von Hüfte bis Kopf tatsächlich die Spannung erzeugen, die von vielen Fotografen und noch mehr Betrachtern so geschätzt wird?

Eine der am häufigst gestellten Fragen ist jene nach der Haltung und Stellung der Hände: „Und was soll ich mit meinen Händen tun?“ Was sieht natürlich aus, erscheint sinnvoll und was bereits gepost? Was erzeugt Widerstände beim Betrachter, was irritiert den wohlwollenden Besucher Deiner Werke? Oder initiierst Du eine Situation, in der gerade die überzogen künstlichen Positionen die Aussage des Bildes erst darstellen? Um dich der Möglichkeiten zu bedienen brauchst Du, wie so oft im Leben, das Rüstzeug des Basiswissens, um einzustellen, zu dirigieren, zu komponieren. Das Wissen über das, was fehlschlagen kann, bewahrt vor einfachen Fehlern, denn die passieren sowieso, weil wir Menschen sind. Aber eine solide Basis vermindert deren Wahrscheinlichkeit um ein gesundes Maß. Und welche sind es?

Wie kann ich Hände halten? Wie viele Ausdrücke kann mein Gesicht nur durch Veränderung der Lippen erzeugen? Dabei habe ich noch nicht über meinen Kopf selbst gesprochen, den ich neigen und drehen kann, in jede Position bringen, die in Verbindung mit allen anderen möglichen Variablen so mannigfaltige Gefühle darzustellen vermag. Denke nur an Haare, Wangen, Stirn, vor allem aber an die Augen. Gehe also den Schritt weiter, als „Stell‘ Dich mal hin und lächel!“