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Kinder, wie die Zeit vergeht …. :-)))

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Schönheit, eine Frage des Wertes Teil III ( 189 )

mies-vandenbergh-fotografie.de
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Im 3. und letzten Teil von „Schönheit, eine Frage des Wertes“ möchte ich über das Aussehen in seiner Verbindung zum sozialwissenschaftlichen Faktor Macht schreiben. Welchen Einfluss übt Schönheit auf die Fülle der Macht aus, die ihrerseits zum Aspekt der Einflussnahme abgegrenzt werden kann? Gibt es eine Äquivalenz und wenn ja, bricht sie an einem bestimmten Grade der Macht ab?

Die Mächtigen sind nicht unbedingt schön. Nicht schön im Sinne eines wie auch immer gearteten Schönheitsideals. Wenige, aber meist unbedeutende Ausnahmen finden sich dennoch. Um eine Verknüpfung von Macht und Schönheit zu entdecken ist es nötig, die Facetten der Macht kurz zu skizzierten. Was bedeutet Macht? Woraus entsteht Macht? Was bewirkt sie und was nicht. Was beobachten wir bei drohendem oder tatsächlichem Verlust von Macht? Und auch: Warum ist Macht nach Reichtum der begehrteste „Zustand“ auf der Liste der Wünsche des Menschen? Warum wird Macht und Reichtum oft eng miteinander verknüpft? Der Leitspruch „Wissen ist Macht“ beschreibt eine weitere, wichtige Verknüpfung, charakterisiert sich die Macht doch auch durch Wissen, respektive dessen Verfügbarkeit.

Macht geht einher mit Einfluß. Um Macht auszuüben braucht der Mächtige hörige Menschen, die ihm huldigen, freiwillig oder unfreiwillig. Somit bedeutet „Macht haben“ nichts losgelöstes, eigenständiges, sondern stets einen Zustand der Dualität. Ohne Volk kein König, ohne Angestellte kein Chef, ohne Wähler kein Politiker! Damit ist die Macht ohne Pendant nicht existent. Macht wird auf etwas oder über etwas unter Zuhilfenahme einer Kraft ausgeübt. Unterschieden wird zwischen positiver und negativer Macht: positive Macht beschreibt einen Zustand, der stets freiwillig und zum Nutzen beider Seiten, der ausübenden und empfangenden Seite eintritt. Negative Macht wird beschrieben als eine für die ausübende durchaus positiv wirkende Kraft, jedoch für die empfangende Seite nicht positive und nur unter Zwang vermittelbare Kraft, die oft mit seelisch-moralischer Erpressung oder Gewalt einher geht. In letzterem Zustand ist eine käufliche Seite gleichsam häufig zu attestieren.

Macht -in all seinen Ausprägungen- versammelt Instrumente der Einflussnahme. Sie kann von einer Einzelperson ausgehen, wie auch von einer mehr oder minder großen Gruppe ausgeübt werden. Sie entsteht nicht aus sich selbst heraus, sondern wird übertragen. So lassen sich Machtverhältnisse zwischen Einzelpersonen untereinander beschreiben, zwischen Einzelpersonen und Gruppen auf der anderen Seite wie auch zwischen zwei oder mehreren Gruppen. Während die Beziehung zweier Einzelpersonen klar definiert wird, spielt bei der Interaktion intra- oder intergruppal die Gruppengröße eine fundamentale Rolle. Beispielsweise innerhalb einer Familie, eines Vereins, einer Partei oder einer Volksgruppe findet differenzierte Einflussnahme statt. Je größer der Verband ist, desto häufiger stuft sich Macht ab, das heißt, Macht wird nicht polarisiert, sondern verteilt sich auf mehrere Stufen.

Ausgehend von der Wertigkeit des Aussehens in unserer Gesellschaft ist gutes Aussehen gleichbedeutend mit Zuwachs an möglicher Einflussnahme. Durch eine erhöhte Wahrnehmung von schönen Menschen, und wir alle wissen, dass schöne Menschen viel eher herausstechen, als durchschnittliche Menschen, stehen sie zunächst deutlicher im Mittelpunkt. Doch bei der Macht kommt ein entscheidender Faktor hinzu: Zeit! Die Zeit entpuppt sich in jeder Hinsicht als Gegner des schönen Scheins, und zwar aus folgendem Grunde:

Der Mensch gewöhnt sich allzu schnell an etwas, das er kennt, das ihm bekannt vorkommt oder an das, wovon er annimmt, das er es kenne. Die Schönheit definiert sich jedoch durch eine Besonderheit: Diese Besonderheit ist nicht zuletzt besonders, weil sie ausnehmend ist, und Ausnahme verliert sie dann, wenn ihre Aussergewöhnlichkeit das „Ausser“ verliert, und Gewöhnung an eine Schönheit diese relativiert. Dann folgt, was bei jeder Beziehung zwischen einem oder mehreren Menschen eintritt: Ja doch du bist schön, das sehe ich, jedoch was kommt jetzt, was ist das Innere deiner „Verpackung“?

An dieser Stelle möchte ich als Fazit folgend meine Meinung darstellen: Schönheit besitzt durchaus Macht. Diese beschränkt sich aber definitiv auf eine kurze Phase, sie funktioniert im Sinne von Einflussnahme nur für einen sehr schnelllebigen Moment. Alles, was Macht im sozialwissenschaftlichen Sinne ausmacht, ist von längerer Dauer, daher sticht Schönheit hier nicht. Nur da, wo es auf den kurzen, vergänglichen Augenblick ankommt, z.B. im Film, der Werbung, im Fernsehen, kurz gesagt, in den uns allumgebenden Medien wirkt Schönheit mit Macht. In allen anderen Bereichen, besonders auch in denen der zwischenmenschlichen Interaktionen kommt es auf das an, was nach der Schönheit kommt: Das Sein!

Jugendwahn Teil 3 (187)

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In diesem 3. und letzten Teil von Jugendwahn befasse ich mich mit den Auswirkungen des Jugendkultes auf unser Verhalten und unserem Verständnis von Aussehen als Folge davon.

„Nur wer jugendlich erscheint, ist dynamisch.“ Einerlei, ob Mann oder Frau, in der Gesellschaft zählt derjenige besonders viel, der sein Aussehen einer einzigen Direktive unterzieht: Sehe frisch aus, wirke agil, unverbraucht und möglichst makellos. Makel sind Fehler. Fehler bedeuten Unvollkommenheit. So möchte keiner wirken. Sei gutaussehend. Dann sieht man dir deine Fähigkeiten an, die Kraft zu haben, etwas zu bewegen, zu erschaffen.

Anders ist es, wenn man dir ansieht, dass du nicht mehr ganz jung bist. Dann hast du die beste Zeit deines Lebens schon hinter dir. Du hast nicht mehr die Kraft und Energie, das zu leisten, was die Leistungsgesellschaft von jedem erwartet. Sicher gibt es noch etwas für dich zu tun, aber die wichtigen, großen und bedeutenden Dinge werden durch frische Kräfte viel effizienter abgearbeitet.

Das sollte jedem Menschen bewusst sein. Wem es nicht bewusst ist, dem wird es in jeder erdenklichen Situation vermittelt. Ob durch die Volksdroge Fernsehen, oder durch andere Kommunikationsmedien wird jugendliche Frische propagiert. Eine milliardenschwere Industrie beispielsweise bombardiert uns mit der scheinbaren Notwendigkeit der permanenten Aufhübschung. Sie nutzt die im Menschen programmierten Urinstinkte und genetisch bedingten Abläufe für ihre Zwecke.

Und der Mensch? Der fällt darauf rein. Der läuft hinterher. Der verliert zunehmend die Fähigkeit zu agieren. Der reagiert nur noch. Menschen jenseits des jugendlichen Alters setzen alles daran, diese Phase des Lebens zu verlängern. Dass sie bei diesem Unterfangen wesentliche Inhalte ihres aktuellen Daseins unwiederbringlich zerstören, entzieht sich ihrem Bewusstsein. Lebensgüte entsprechend des Alters erleidet unter dem schier alles entscheidenden Einfluss des Äußeren immer wieder Schiffbruch. Kleine, knapp unter der Wasseroberfläche liegende Felsenriffe lassen uns genau so kentern, wie weit offensichtliche Klippen, an denen der Mensch nicht in der Lage ist, vorüber zu fahren.

Wie sehen diese Hindernisse aus? Die Klippen sind die permanent sichtbaren, relativ künstlichen Vorbilder, Lieblinge aller Medien. Der Mensch neigt dazu, sich beständig zu verbessern, in allen Belangen. Im Grunde genommen ist es nicht falsch, folgend dem Sinne der Evolution. Sonst gäbe es Stillstand. (Was in manchen Belangen durchaus wünschenswert wäre, das gehört jetzt aber nicht hierhin.) Jedoch zu Stillstand ist der Mensch nicht programmiert. Anstatt aber seine Energie in andere Bahnen zu leiten, als der der Optimierung der Äußerlichkeiten einträchtig zu folgen, verfällt der Mensch allzu bereitwillig immerzu dieser Richtung. Er steckt bekanntermaßen unendlich viel Energie und Substanz in diesen Bereich.

Weitere Hindernisse auf dem Kurs des Menschen -in Form von Felsen unter der Wasseroberfläche- sind die eigenen Wertvorstellungen. Diese schuf sich der Mensch im Laufe seiner Entwicklung selbst. Gedanken kreisten seit je her um das eigene Wesen. Sie stellten damals wie heute Parallelen auf von der eigenen Interaktion bis zu der anderer Individuen. Ob das in aktiver oder passiver Form geschieht, ist einerlei und ist in jeder Hinsicht ambivalent. Aktiv ist der Mensch, indem er kommuniziert, passiv, indem er als (optisches) Wesen einfach anwesend ist. Und zwar genau so, wie er erscheint. Manipulieren und bestimmen kann er weitestgehend beides, das Aussehen sowie seine Handlungen. Solange es darum geht, Werte zu erschaffen, einem Wachstumskurs zu folgen, wird der Mensch immer BEWERTET werden. Wie hoch ist sein Beitrag zum allgemeinen Wachstum?

Und genau darin liegt die Crux. Leistet ein Mensch weniger, als von allen erwartet, ist er weniger wert. Spätestens da beißt sich die Katze in den Schwanz. Schönen Menschen billigen wir alle viel mehr positive Werte und Eigenschaften zu, als weniger schönen Menschen. Das wurde zur genüge nachgewiesen. Um diesem Urteil nicht tatenlos ausgesetzt zu sein, reagiert der Mensch. Er manipuliert sein Aussehen unter der Vorgabe, möglichst „wertvoll“ gesehen zu werden. Denn, sieht er „besser“ aus, ist er wertvoller. Zumindest vom Äußeren her und zu Beginn, mit dem Doping der Attraktivität. Nicht nur Fehler werden attraktiveren Menschen eher verziehen, selbst gleiche Leistungen werden erwiesenermaßen höher bewertet. Das beginnt schon in der Schule oder früher.

Damit bleibt als Fazit das Verständnis von Wertigkeiten in unserer Gemeinschaft in Frage zu stellen. Ist das Nonplusultra die Jugendlichkeit mit ihrer Erscheinung und ihren Attributen. Bemisst sich der Wert eines Menschen an der Ausbildung jugendlicher Merkmale, respektive jugendlichem Aussehens in jedem Alter? Diese Frage kann sich jeder stellen, ob er sie aber beantworten möchte, und ob er die Antwort kund tut, sich sogar nach seiner Erkenntnis richtet, das zeigt sich im Wandel der Werte in unserer Gemeinschaft.

Selbsterfüllende Prophezeiung ( 185 )

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Wenn es nur oft genug gesagt wird, dann glaubt man es. Spätestens dann verhält sich der Mensch entsprechend. So bestätigen es Forschungsergebnisse. Was ist gemeint, dazu mehr im Folgenden.

Denkt ein Mensch, es geht nicht gut, dann geht es oft nicht gut. Denkt der Mensch hingegen, dass es schon gut gehen werde, so geht es oft gut. So viel hat schon jeder von uns einmal erfahren. Ich selbst verhalte mich zwar noch lange nicht dementsprechend, aber ich arbeite daran. Positive Energie!

Was hat es mit dem Aussehen zu tun? Eine ganze Menge, so haben es Forscher in den USA heraus gefunden. Sie haben mit einer Anzahl von über 1000 Kindern eine Langzeitstudie durchgeführt, in der erforscht werden sollte, was es mit Bestätigung und Widerspruch zum Aussehen der Kinder auf sich hat, und sie kamen zu einem (leider) ernüchterndem Ergebnis, welches sich wie folgt beschreiben lässt : Die Kinder, denen ihr soziales Umfeld beständig ihr gutes Aussehen bestätigte, entwickelten sich im Laufe der Jahre zu Menschen, die in vielen Dingen eine sehr viel positivere Entwicklung erfuhren, als solche Kinder, die diese Bestätigung weniger oder nicht erfuhren.

Was bedeutet das? Wenn einem Kinde nur oft genug gesagt wird, wie hüsch, stark, schlau, …  es ist, entwickelt es ein positiveres Selbstbild von sich. Dieses positivere Selbstbild trägt in erheblichem Maße dazu bei, mehr Selbstbewusstsein auszubilden, was wiederum dazu führt, dass dieser (junge) Mensch noch positiver wahrgenommen wird, und demnach wieder mehr positve Rückmeldung zu sich bekommt. Diesen Effekt, der nicht ohne Probleme von statten geht, wozu ich weiter unten noch etwas bemerken möchte, konnte in o.g. Studie nachgewiesen werden.

Bei den weniger positiv veranlagten Kindern trat dieser Effekt im Negativen auf. In ihrem Selbstbewusstsein schwebten Phrasen wie : “ Ich kann das sowieso nicht“, „ich bin nicht schön“, ich bin zu dick/klein/langsam/dumm/… die dazu beitrugen, dieses zu verinnerlichen und nach außen auszustrahlen. Damit ging dieser Kreislauf in die negative Richtung und konnte nur schwer bis gar nicht durchbrochen werden.

Dieses Verhalten endet keineswegs mit dem Eintritt ins Erwachsenenalter. Nicht umsonst werden immer wieder Führungsseminare durchgeführt, in denen die leitenden Mitarbeiter erlernen, wie sie Ihre Untergebenen anleiten sollen, um ein möglichst hohes Potential freizusetzen. Das dient freilich ausschließlich der Gewinnoptimierung, weniger der Menschenfreundlichkeit. Aber, auch wenn es erhebliche Fehlleistungen auf diesem Gebiet in Form unfähig leitender Angestellter gibt, so wirkt es an den Stellen, wo es klappt, deutlich messbar. (Gewinnsteigerung durch deutlich größeren Einsatz der MA) Dies konnte ich während meiner Zeit als Personalreferent zudem gut beobachten.

Ein häufig aufgetretenes Phänomen war bei dieser Untersuchung, dass einige der oft gelobten Kinder regelmäßig zur Selbstüberschätzung tendierten. Problematisch war dabei, dass bei einem Hinweis auf diese Selbstüberschätzung diese Kinder diesen Hinweis selbst als nur unwesentlich übergehen konnten. Es tat ihrem Ego keinen Abbruch. Alles kleine Narzissten?  So extrem war es dann doch nicht, denn junge Menschen machen in ihrer Entwicklung logischerweise Fehler, aus denen sie lernen, lernen, dass auch sie nicht perfekt sind. Nur steckten diese Kinder die Fehler viel leichter weg, als ihre „minderwertigen“ Pendants. „Minderwertig“ ist in diesem Zusammenhang ein starkes Kraftwort, dass natürlich nicht wirklich auf die jungen Menschen zutrifft! Nur in dem Sinne, wie sie sich selbst erfuhren, nämlich als viel weniger wert, als die schöne Freundin oder weniger wert, als der schlaue Freund, trifft es die Sache genau: Kinder sind sehr gute Beobachter, und es entging ihnen nicht die Ungleichbehandlung der unterschiedlichen Menschen. „Wie ungerecht es doch ist!“ Auch das ist ein Punkt, der hinzukommend an ihrem ohnehin nicht besonders starken Selbstbewusstsein nagt.

Meine Gedanken dazu: In einer Gesellschaft, in der das Aussehen einen derart hohen Stellenwert innehat, leiden die Vielzahl der Kinder unter diesem Aspekt, eine Vielzahl der Kinder, die in ihrer Mehrzahl nicht den Entsprechungen genügen (können). Wir Erwachsenen selbst sind es, die diese Werte immer wieder neu vermitteln, seit Generationen immer das Gleiche! Eine allumfassende Antwort darauf muss auch ich leider schuldig bleiben, dazu sind schon sehr viele kluge Bücher und Artikel veröffentlicht worden, die man leicht findet ( Kinder suchen Orientierung, Lasst Kinder wieder Kinder sein, …) Ich möchte dazu nur eingehend aufrufen, die Werteveteilung zu überarbeiten. Ohne die Stigmatisierung fortzuführen zu wollen und Medien eine Alleinschuld zuweisen zu wollen, möchte ich jeden einzelnen dazu auffordern, seine Werte zu überdenken, und vor allem danach zu handeln. Beklagen ist einer unserer Lieblingsmodi, doch zu verändern ist scheinbar nahezu unmöglich. Die Studie ist für mich ein weiter Anlass dazu, andere Menschen in ihrer „Wertigkeit“ zu bestärken. Wo es geht.

Auch meine Worte, wenn von unserem Sohn mal wieder die Frage kommt, ob wir nicht ein transatlantisches Schnellrestaurant aufsuchen wollen, zu antworten, ob er irgendwann so aussehen wolle, wie jener oder dieser „dicke Mops“ impliziert schon die Wertigkeit von Körpergewicht. ( Wobei ich hier anführen möchte, dass sich die Zahl der Besuche in erwähntem Etablissement schon halbiert hat: 2014 = 2; 2015 = 1 !!!!! )  So, wie meine Eltern es schon taten, wenn ich nach Schokolade fragte! In allen noch so kleinen Bemerkungen gebe ich Werte weiter. Wie soll unser Sohn da „normal“ auf nicht dünne Menschen reagieren. Wie werden wohl seine Wertemassstäbe sich  entwickeln, wenn wir solche Worte verwenden. Bei seiner letzten Geburtstagsfeier lud er mit 13! auch Mädchen! ein. Als einziger in seiner Klasse. Auch ein nicht schlankes Mädchen war darunter, und im Umgang mit ihr stellte ich keine Diskrimierung fest, von keiner der anwesenden Personen und trotz Aufenthalt im Kletterpark. Das war selbst in der Grundschule anders zu beobachten, wenn auch dort von Mädchen untereinander viel häufiger. Mal sehen, wohin das führt. Ich werde berichten …

 

Der Weg der Schönheit in unsere Vorstellung (166)

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Wenn die Abläufe im Gehirn des Menschen soweit fortgeschrittenen bestimmt worden sind, wie bis jetzt, so komme ich wieder und wieder auf die Frage, wie die „Werte“, die unser Handeln weitestgehend bestimmen, in
unseren kortikalen Frontlappen eingebrannt wurden!

In diesem Artikel möchte ich etwas über die Zusammenhänge in unserem Gehirn vereinfacht wiedergeben, von denen ich kürzlich las. Diese waren für mich spannend und verständlich dargelegt. Manch einer wird es kennen, doch der ein oder andere wird sich vielleicht darin wieder erkennen, wenn auch nicht unbedingt im Zusammenhang im Umgang mit dem Thema Schönheit.

Es beginnt mit der Feststellung, dass dem Menschen neben der Intelligenz noch die kognitive Kontrolle zu eigen sein kann. Diese Fähigkeit wurde im Frontalhirn lokalisiert. Von Kognitions- und Neurowissenschaftlern, sowie Persönlichkeitsforschern, die von „Gewissenhaftigkeit“ sprechen, wurde herausgefunden, dass diese Eigenschaft als eigentlicher Gegenpart zu unseren ureigensten, instinktiven Bedürfnissen, bzw. dessen Wunsch nach Erfüllung oder Befriedigung fungiert.

Diese gemeinhin unter Selbstdisziplin oder Gewissenhaftigkeit bekannte Eigenschaft wurde soweit als das bestimmt, wovon sich der Mensch vom einfachen Primaten unterscheidet. Letzterer reagiert eher unmittelbar und reflexiv auf einen Reiz. Wir Menschen hingegen haben im Laufe unserer Menschwerdung einige kognitive Kontrollmechanismen entwickeln können, die durch erlebte Werte genau dieselben verinnerlicht haben. Diese fließen in die Entscheidungsfindung ein.

Damit reagieren wir in differenzierter Weise. Wir empfinden, empfangen die Reizreaktion durchaus auf archaische Art. Sehen wir etwas, induziert unser Hypothalamus uns unmittelbar zur Handlung. Gleichzeitig agiert unser Frontalhirn: Es beWERTEt! Anhand festgelegter neuronaler Verknüpfungen werden bestimmte Impulse ausgesandt. Diese fundieren auf Erfahrungen bezüglich Nachhaltigkeit, Folgerichtigkeit, Wirkungen und der Aussicht auf optimalen Nutzen für das Individuum bzw. dessen Beziehung zu seinem sozialen Gefüge.

Genau am diesem Punkt wird es aus zweierlei Hinsicht spannend: Erstens besteht die Frage, wie weit die Entwicklung im Frontalhirn des Einzelnen fortgeschritten ist [wie viel Selbstdisziplin|Verantwortungsbewusstsein besitzen wir] und welche Qualität oder Art der Werte konnte vermittelt werden oder haben wir verinnerlicht. Streng zu trennen ist beides nicht, soweit die Forschung, doch bei differenzierter Betrachtung lassen sich Rückschlüsse auf die rudimentäre Wertevermittlung der Gesellschaft ziehen, in der das Individuum sozialisiert wurde.

So fließen in die Entscheidung über unsere Reaktion auch jene Erwartungen ein, die wir aus Erfahrung durch unser Handeln oder dessen Unterlassung gelernt haben. Gelernt meint in diesem Zusammenhang, welche Nervenverknüpfungen sich in der Vergangenheit in unserem Gehirn etablierten und welche fehlen.
Und erneut sind es unsere Erfahrungen, die Persönlichkeit, welche sich infolge einer Bildung von Werten mehr oder minder weit entwickelt hat, ausmacht.

Fazit: Absolut maßgeblich für unser Handeln oder unsere Unterlassungen ist die Identifikation mit vorgelebten Werten! Der Wert von Schönheit, wie auch der anderer fiktiver, kaum greifbarer Phänomene, wird uns im Zuge der Vorbereitung auf unser Leben durch unsere Sozialisation implementiert. Wollen wir eine Veränderung in Teilen unseres Wertesystems erwirken, so sollten wir Veränderungen in unserem Bildungssystem beschließen. Jeder Mensch in seiner Individualität kann neue neuronale Verknüpfungen bilden, es müssen nicht die gleichen sein, wie jene einer Gesellschaft, deren neue Religion die Unsterblichkeit des Körpers zu sein scheint.

Prägung und Zukunft (163)

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Prägung und Zukunft, dieser Titel kam mir kürzlich in den Sinn, als meine Nichte (8) mir einen Wunschzettel überreichte und ich nicht schlecht staunte:

„Barbie Edition Germany’s Next Topmodel“ Warum staune ich? Nun, im Haushalt meiner Nichte gibt es keinen Fernseher. Sie ist acht Jahre alt und wenn, kommt diese Fernsehsendung zu Zeiten, in denen ein acht jähriges Kind tief und fest schläft. Wie sie an die Informationen kam ist mir natürlich kein Rätsel, sie ist Schülerin und hat soziale Kontakte. Kinder in gleichem Alter! Also, so könnte ich schlussfolgern, ist die Schönheit schon in der Grundschule ein Thema, das zur Folge diesen Wunsch bei meiner Nichte ausgelöst hat.

Nun ist es nicht nur meine Nichte, die sich diesem Thema im zarten Alter von acht Jahren öffnet. Ihre Klassenkameradinnen können alle mitreden. Was ist chic, was in, was hip. Puppen wurden schon in den letzten 3000 Jahren chic gemacht. Kinder der Welt ahmten schon immer ihre Erziehungsberechtigten nach, egal, ob das die afrikanische Mama oder die Neandertalermama war oder auch der Papa. Auch verschönern wollten sich die Menschen seit je her.

Was ist also verwunderlich?

In unserer Gesellschaft, die im Wesentlichen bestimmt wird durch das Leistungsprinzip, fragte ich mich oft, wie der Drang nach Schönheit, insbesondere nach Verschönerung beim Menschen entsteht. Kinder werden erzogen, in den seltensten Fällen leider nicht ins Leben geführt, sondern Ihnen wird etwas eingetrichtert. Wird ihnen aber auch beigebracht, sich zu verschönern? Im Falle meiner Nichte nicht durch die Eltern.

Ein übliches Maß an Fürsorge in Sachen Sachen. „Zieh‘ dich ordentlich an.“ Als Tenor der Anweisung ausgesprochen. Doch wann geschah die Veränderung, wann wurde meine Nichte „verdorben“? War es schon in frühester Kindheit, als die Verwandtschaft und Freunde, in besonderen Maße aber ihre Großeltern meine Nichte als süße Maus und niedliches Kind titulierten? “ Nein, wie süß ist das Mädchen… “ so lernte sie seit dem verstehen / hören der ersten Worte, dass etwas an ihrem Äußeren die Menschen zu positiven Reaktionen veranlasste.

Das musste wichtig sein, davon zeugten die stetig wiederkehrenden Bekundungen der Wesen um sich herum. Diese Prägung erfuhr sie immer wieder durch lachende Gesichter und andere zustimmende Mimiken. Mit sieben Jahren hat sie es schon gut heraus. Selbständig besucht sie Nachbarn und sagte wortwörtlich, dass diese bei einem „grinsenden Honigkuchenpferd“ unaufgefordert die ein oder andere Süßigkeit an Sie schenkten.

Und beginnt nun die Auseinandersetzung mit dem Aussehen und seiner Wirkung? Nein ganz und gar nicht, sie folgt erst mal der Strömung. Mit acht? Klar, reflektieren die Menschen in diesem Alter nicht. Und die Eltern, die Berater in Sachen Leben? Fehlanzeige! Wäre hier der Punkt, an dem eine Beeinflussung fundamental für die gesamte eigene Lebensdauer und damit den Einfluss auf die Gesellschaft wäre? Wenn hier ein Anfang geschähe, wäre das nicht der Punkt, an dem ein Schritt für die Gesundung der Wertvorstellungen der Gemeinschaft getan werden könnte?

Wie könnte der aussehen, was sagten die Eltern ihrem Kinde, um eine Revolution des Schönheitsverständnisses anzustoßen? Würde sich ein Kind isolieren aus der Kindergemeinschaft, dem die Bedeutung des äußeren Scheins relativiert worden wäre? Oder fungierte es als Trendsetter? Was geschah zu meinen Jugendzeiten?

Ja, das Kind wurde auf grausamste Weise ausgeschlossen. „Normalo“, blasse Schönheit oder Streber waren noch die harmloseren Ausdrücke. Was also tun? Später im Leben ansetzen? Wenn das erste Verständnis reift? Ja, vielleicht, der Weg wird nur darüber definiert werden, den Menschen als selbstbewusstes Individuum zu erziehen, sich zu definieren über den eigenen starken Charakter.

Das könnte die schwere Aufgabe sein, die den Eltern obliegt, ohne dass es dafür eine passable Anleitung gäbe. Und dann war da noch das Problem, dass viele Eltern selbst noch auf der Suche nach sich selbst sind 🙈🙉🙊

Doch ich möchte diesen Artikel nicht beenden, ohne einen Silberstreif am Horizont zu beschreiben: In den Klassen meiner Kinder verspüre ich eine Tendenz: weniger das HABEN gewinnt an Bedeutung als das SEIN.

Leidensdruck und Aussehen, Teil I (147)

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Wenn sich ein Mensch nicht gefällt, leidet er darunter? Wenn ein Mensch mit einer seiner Körperpartien nicht zufrieden ist, leidet er? Ein in der Praxis der Schönheitschirurgie gängiges Schlagwort ist der „Leidensdruck“. Was hat es damit auf sich?

Befasst man sich mit dem Thema Schönheit, stösst man früher oder später auf das weite Feld der Schönheitsoperationen als probates Mittel, seinem Äußeren zu einem attraktiveren Erscheinungsbild zu verhelfen. Liest man weiter, so kommt man schnell zur Diskussion über „richtig oder falsch“, und man erfährt etwas über die gesellschaftliche Akzeptanz oder auch gesellschaftliche Vorbehalte diesem Zweig der Medizin, oder diesem Wirtschaftszweig gegenüber.

Abgrenzungen zur plastischen Chirurgie als fachliche Disziplin liegen vor zwischen reversibler Chirurgie – Wiederherstellung eines optischen Zustandes nach Krankheit oder Unfall – und Schönheitschirurgie im eigentlichen Sinne. Während die allgemeine Akzeptanz bei allen Beteiligten und in der Gesellschaft bei ersterem überwiegt, so führt die Operation auf Wunsch eines Einzelnen zur Steigerung/Angleichung seiner Schönheit an ein ideelles Vorbild zu Anfeindungen oder zumindest Diskussionen auf allen Ebenen.

Im Zuge der Auseinandersetzungen, die sowohl jeder Einzelne mit sich selber ausficht, wie auch die Erwägungen zwischen den Ausführenden, sowie die Stimmungslage der Gemeinschaft, in der der Einzelne lebt, findet sich der sog. Leidensdruck als Begründung für die Durchführung einer Schönheitsoperation. Ich möchte an dieser Stelle nicht werten, das steht mir nicht zu und führt zu keinem Ergebnis. Was mich daran interessiert ist die Bedeutung dieses Beweggrundes. Was bedeutet Leidensdruck? Wie ist er entstanden? Worin liegt er begründet?

Höchst gespannt wühlte ich mich durch die Literatur zum Thema. Ich befragte Menschen, philosophierte mit ihnen über die Möglichkeiten und gesellschaftlichen Ursprünge sowie über den Stellenwert des Aussehens in unserer Gesellschaft und dessen Entwicklung. Obwohl ich mir nicht anmaßen könnte, darüber zu urteilen, ab wann eine kosmetische Operation gerechtfertigt sein könnte und ab wann sie abzulehnen sei, so bin ich doch immer wieder genau dazu gekommen, mein Fazit zu ziehen. Ich habe für mich persönlich definitiv Stellung bezogen, gleichzeitig aber realisiert, dass für jedes Individuum sein eigenes Schicksal, sein eigener Kosmos, sein eigenes Leben mit den eigenen Zielen maßgeblich ist. Selbst bei noch so intensiver Hinterfragung bleibt die Sichtweise des Einzelnen das Maß aller Dinge.

Zum Leidensdruck. Ein Mensch leidet, wenn er mit sich unzufrieden ist? Könnte er es nicht ändern? Ja, könnte man ihm entgegnen. TU ES! Daraufhin beginnt der Mensch, sich zu verändern, um sein Bild, welches er von sich hat, oder welches ihm vorschwebt, zu erreichen. Dass letzteres der „Casus Knacktus“ ist, werden wir noch sehen. Doch zunächst kommen all die Mittel und Wege zum Einsatz, die bewirken, dem Wunschbild möglichst nahe zu kommen. Dabei sind objektiv betrachtet alle Mittel gleichwertig, denn sie dienen alle nur dem einen Zweck, nämlich zu ermöglichen, wovon der Einzelne träumt. Für die Sache an sich spielt es keine Rolle, ob sich der jenige mit Kosmetik völlig überdeckt, ob er sich zu einem Strich in der Landschaft hungert, mit Sport ein Muskelpaket erschafft oder sich die ein oder andere Scheibe Speck abschneiden lässt. Einzig die Ethik und Moral einer Gesellschaft macht daraus ein Tabu oder einen Standard. Wie es ihr beliebt. Über Moral habe ich schon mehrfach sinniert.

Wann entsteht nun der Leidensdruck? Wenn ein Mensch leidet, versucht er dies gemäß seiner Natur abzustellen. Solange ihm dies gelingt, ist die Sache verändert und erledigt. Doch wenn es ihm nicht mehr gelingt, dann staut sich etwas auf und da, wo ein Stau entsteht, entsteht auch Druck. Die ursächlichen Fragen, erstens, ob das, was der Mensch erreichen will, überhaupt ideal ist oder nicht, ob das Ziel also überhaupt realistisch und menschlich ist oder nicht, und zweitens, aus welchem Grunde der Mensch seine Ziele nicht erreicht, ob er zu schwach oder bequem ist, oder die Ziele wider seine Natur tendieren, ist der eigentliche Punkt in der ganzen Angelegenheit. Dazu komme ich später.

Die Mittel und Wege, die man einschlagen kann, sind, auch wenn sie jeweiligen moralischen und ethischen Maßstäben unterliegen, dennoch nur Mittel zum Zweck. Wie weit ein Mensch gehen möchte, obliegt seiner Überzeugung und nicht einer wie auch immer willkürlich entstandenen und gearteten Instanz. Solange es ausschließlich dieses Individuum betrifft. Der Mensch nutzt, was ihm erreichbar und möglich ist, immer! Manchmal leider, wenn es sich als falsch im Sinne der Evolution erweist, wobei sich diese oftmals selbst korrigiert. Ob der Mensch selbst als ein Irrtum der Evolution anzusehen ist, wird sich noch herausstellen. Das ist aber eine völlig andere Baustelle, die natürlich nicht minder interessant ist!

Immernoch Leidensdruck. Sämtliche Literatur und die darin erwähnten Erhebungen kommen zu einer Kernaussage: Die Menschen, die sich, mit welcher Methode auch immer, formen und ausgestalten (lassen) tun dies stets für sich selbst. So die Selbstaussage nahezu aller Befragten. Sie selbst setzen sich ein Ziel mit der Veränderung ihres Äußeren. Sie möchten anders wirken, anders erscheinen, anders scheinen. Und zwar in optischer Weise, in der sie von Mitmenschen wahrgenommen werden, bzw. meinen, von anderen wahrgenommen zu werden. Mit der Manipulation des Äußeren geht die Überzeugung einher, sein Erscheinungsbild in seiner Aussage zu steuern. Und tatsächlich, es funktioniert. Das aber sagt weniger über das Individuum aus, als vielmehr über das Environment, die Gemeinschaft, die Gesellschaft, wo genau das solch eine Wirkung erzielt. Spätestens hier ist der Kreislauf zu erkennen, der sich in der Abfolge von Ursache und Wirkung verliert, an dem sich erste Zweifel einstellen, in wie weit der Einzelne wirklich eine Manipulation seines Äußeren für sich selbst zulässt. Weiter in Teil II.

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Schön zu sein, um in der Masse der Schönen unterzugehen (144)

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Welches Ziel fassen wir ins Auge, nachdem wir es erreicht haben, schön zu sein? Ist es die Erhaltung der Schönheit, und dies, so lange es geht?

Angenommen, wir haben es erreicht, schön zu sein. Weiter angenommen, wir gelten auch in der Öffentlichkeit als schöner Mensch. Wir alle wissen, dass dieses Bild der Schönheit nicht auf Dauer erhalten werden kann. Doch viele von uns versuchen es, wieder und wieder. Darüber möchte ich hier jetzt nicht schreiben. Ich möchte vielmehr fragen, was mit uns geschieht, wenn wir erreicht haben, was wir für unser Aussehen gewünscht, geplant, ersehnt haben. Was ändert sich, wenn wir zu den schöneren Exemplaren der Menschen gehören?

An jedem Tag, zu jeder Stunde, in jeder Minute geschieht es. Ein Mensch macht sich schön(er). Dieser Mensch kommt aus dem Fitnessstudio, ein anderer steht fertig geschminkt von seinem seinem Stuhl vor dem Spiegel auf, die nächste Person kommt stolz von der Nachuntersuchung der Brustvergrößerung, wieder ein anderer verlässt sehr zufrieden die Boutique an der Königsallee in neuem Outfit. All diese Personen vereint ein Gefühl. Sie gehören dazu, dazu zum Kreise der Gutaussehenden.

Sie alle setzen sich ab vom Kreise der „Normalen“, besonders jedoch von jenen, die nicht schön aussehen, denen z.B. die Klaue des Alters unverkennbar ihren Abdruck eingraviert hat, wie auch jenen, denen die Spuren des Lebens ihren Stempel aufgedrückt haben. Nur diejenigen, denen es an Kaufkraft zur gesellschaftlich diktierten Umgestaltung der eigenen Erscheinung fehlt, die werden argwöhnisch betrachtet,, vielleicht ähnlich zu denen, die sich dagegen entschieden haben, sich vornehmlich über ihr Äußeres zu definieren.

Und danach? Wenn ich es erreicht habe? Das, von dem ich annehme, dass ich nur dann eine Chance auf Glück (Partnerschaft, Freundschaft) und Erfolg (Beruf) und Ansehen (gesellschaftlicher Status) habe, wenn ich diese Attribute der Attraktivität aufweise? Wenn ich meine Falten im Gesicht mit Botox geglättet habe, meine Zähne überkront habe und sie daraufhin so weiß wie neu scheinen, und meine Nase wieder ganz symmetrisch und etwas kleiner in meiner Gesichtsmitte thront?

Werde ich plötzlich austauschbar? Werde ich ganz überraschend eines von vielen schönen Gesichtern werden, die uns allen von sämtlichen Medien her entgegenstrahlen? Ist vermeintlich an der Stelle, an der ich vorher mein eigenes, im Laufe des Lebens entstandenes Antlitz hatte, das sich meinem Wesen entsprechend entwickelte, etwas Neues kreiert worden? Steht es mir vielleicht zu, zu behaupten, dass ich sowieso und immer schon, während meines Lebens mein Äußeres manipuliert habe und dass ein stärkerer Eingriff nur ein weiterer kleiner Schritt ist in Richtung meines selbst gestaltetes Leben ist? Modelliere ich nicht mein Äußeres nur nach meinen inneren Werten, und ist es daher nicht geradewegs authentisch? Ist nicht eine kosmetische Operation nach einem Unfall mit der Wiederherstellung eines Zustandes von vorher nicht ein Beispiel dafür, dass ich mit meiner Aktion der Verschönerung gleichfalls eine Wiederherstellung vornehme, eine Wiederherstellung eines Zustandes, in dem ich vor noch kurzen Zeiten selbst verweilte?

Hat der Mensch den erwarten Erfolg, wenn er sich an diesem gesellschaftlich immer mehr in den Vordergrund gerückten Verständnis, ja, Leitbild von „Fitness, Jugendlichkeit, Schlankheit“ orientiert? Ist etwa ein Verlust von charakterlicher Individualität zu befürchten, wenn der Mensch sich äußerlich manipuliert. In wie weit definieren sich die Mitglieder einer Gesellschaft über die tatsächliche Durchführung von Manipulationen oder deren Unterlassung. Bin ich weniger wert, wenn ich meine Nase nicht richte?

Eine Vielzahl von Fragen, jedoch mit einer eindeutigen Tendenz. Es „scheint“ in der Tat so zu sein, dass sich der Erfolg der Manipulationen im wahrsten Sinne des Wortes auszahlt. Dabei ist die Währung nicht ausschließlich monetärer Natur, sondern nebst Glücklichkeit und gesellschaftlicher Teilhabe führt die Anerkennung des manipulierten Äußeren zu einer gefährlichen Überschätzung des Charakters. Eine gewisse Oberflächlichkeit geht entweder der Angelegenheit voraus oder folgt ihr stehenden Fußes.

Eine Austauschbarkeit, hervorgerufen durch meine Schönheit, durchkreuzt von der Ambivalenz vom Wunsch nach Schönheit und gleichzeitiger Konformität, im Dialog von Extravaganz und Durchschnittlichkeit, lässt eine bequeme Art der Nicht-Existenz entstehen. Ob dadurch eine in der Gesellschaft so überlebenswichtige Riege der reflektierenden Querdenker mit Ecken und Kanten abhanden kommt, steht dann zu befürchten, wenn das Augenmerk in immer stärkerer Weise auf den schönen Schein gelegt wird. Meine ich.

Warum Du so nicht bleiben möchtest! Teil I (142)

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Warum verändern Menschen ihr Äußeres? Sie entwickeln sich in ihrem Körper und ihrem Gesicht im Laufe der Jahre immer weiter, Veränderungen sind die einzige Konstante, wie es heisst. Was ist es, das uns dazu veranlasst, diese Veränderungen zu verändern?

Ist die Ursache für den Wunsch nach Veränderung die Empfindung eines Mangels? Und wenn ja, entstand dieses Defizit aufgrund einer Differenz zu einer wie auch immer gearteten Idealvorstellung vom Äußeren eines Menschen? Wissenschaftliche Erkenntnisse bestätigen diese These weitestgehend. Diese Forschungsergebnisse beschreiben den Vorgang des manipulativen Eingriffes als Wiederherstellung eines Bildes, welches wir unbedingt darstellen wollen, weil wir der Überzeugung sind, ohne diesen Anschein die soziale Integration in bestimmte Kreise und Gemeinschaften zu gefährden.

Der Ansatz meiner Überlegungen hier in diesem Artikel setzt an dem Punkt an, der der Frage nach den Gründen für die Befürchtung nachgeht, unmanipuliert der sozialen Ächtung anheim zu fallen. Sicherlich überspitzt formuliert hört sich das an, aber ich möchte den Weg in Form einer Synthese aufzeigen, indem ich vom sehr einfachen in Richtung des Gesamten hin arbeite. Dabei schwebt mir ein Bild vor Augen, das, wie ich glaube, geeignet erscheint, um als Beispiel diese Untersuchung zu unterstützen.

Doch der Reihe nach. Welcher Mangel ist es, der uns in die Trickkiste der möglichen Verkleidungen greifen lässt?

1. Vergänglichkeit der Jugend
Wenn wir älter werden, unternehmen wir viele Dinge, von denen wir glauben, dass wir unserem Aussehen einen jüngeren Anstrich verleihen.

1.1. Veränderungen der Hautbeschaffenheit
Erneut ist es der Zahn der Zeit, der die Spannkraft unserer Haut verringern lässt.Wir sind bestrebt, einen Zustand der straffen Haut zu erhalten.

1.2. Verweichlichung unserer Gewebestruktur
Durch rückläufige körperliche Aktivitäten und Beginn des Muskelabbaus, sowie Umwandlung der Muskelmasse in „sonstige Gewebemasse“ bekämpfen wir diesen allmählichen Verfall.

1.3. Vergilbung unserer Zahnfarbe
Durch unkontrollierte Nahrungsaufnahme entstandene Verschlechterung der Zahnschmelz-Beschaffenheit begegnen wir mit dem Ersatz unserer Zähne durch weiße Imitate.

1.4. Vergrauung unserer Haare
Altersbedingter Rückgang der Melanin-Produktion sorgt für graue Haare, dem wir mit Färbung zu Leibe rücken.

2. Mangel an unserer natürlichen Beschaffenheit
Wir empfinden eine Abweichung von einem gesellschaftlichen Standard, wie auch immer dieser erfunden wurde.

2.1. Fehlende Größe
Durch hohes Schuhwerk stellen wir uns größer dar, als wir es sind.

2.2. Zu hohes Gewicht
Genetisch bedingt tragen unsere Gene zu einer exzellenten Nahrungsverwertung bei und wir haben grundsätzlich ein höheres Körpergewicht.

2.3. Genetisch bedingte Körperverformungen
Abweichungen von frei festgelegten, idealen Körperproportionen versuchen wir durch Kaschieren oder chirurgische Eingriffe zu übertünchen oder zu eliminieren.

2.4. Ethnische Merkmale
Vom idealtypischen Musterexemplar des den Schönheitsstandard bildenden nordeuropäischen sowie nordamerikanischen Typus Menschen abweichenden Ethnien obliegt die Angleichung zur integrierenden gesellschaftlichen Akzeptanz.

3. Menschengemachte Defizite
Zivilisatorisch fundierte Ursachen der Abweichungen von Idealen versuchen die Menschen durch Maßnahmen gleicher Herkunft zu bekämpfen.

3.1. Kein normalgewichtiger Körper I
Durch unkontrollierte Nahrungsaufnahme von erstens übermäßiger Masse und zweitens von mindester Qualität und drittens von für den Menschen ungünstigen aber den Fertigungsprozess optimierten Ingredienzien aufgenommenen Stoffen.

3.2. Kein normalgewichtiger Körper II
Bewegungslegastenische Kinder in alarmierender Anzahl in den westlichen und zunehmend anderen Kulturen belegen einen Trend, der seit Jahren, wenn nicht Jahrzehnten bekannt ist, aber nicht bis ins Bewusstsein vorgedrungen zu sein scheint. Dieses Verhalten der dekadenten Bequemlichkeit fördert eine Fettleibigkeit sonder Gleichen hervor, die allzu oft nicht durch Bewegung sondern durch zivilisatorische Mittelchen und Maßnahmen bekämpft werden.

3.3. Veränderungen der Haut II
Durch den Konsum unnatürlicher Nahrungs- und Nahrungsergänzungsmittel, sowie der Aufenthalt in stark mit Umweltgiften belasteten Surroundings verursacht Störungen, die gerne mit wiederum künstlich-chemischen Substanzen zu lindern versucht werden.

3.4. Störungen des biologischen Gleichgewichts
Selbsterschaffene körperfeindliche Lebensumstände zerren an der Substanz unseres Körpers. Allgemein anerkannte Ursachen für die Beschleunigung des körperlichen Verfalls wie etwa Stress durch Termine, überzogene Leistungserwartung (durch dritte oder auch -oder besonders- sich selbst), Überfrachtung des Alltags werden dem Konsum und der Überschreitung der Grenzen des Wachstums untergeordnet. Dieses wird mit Freizeitstress zu lindern versucht und mündet dennoch in einem „Burn-out“ des Körpers oder frühzeitigem Ableben.

3.5. Störungen des seelisch-geistigen Gleichgewichts
Diesen Bereich möchte ich hier nur der Vollständigkeit halber erwähnen, der ein äußerst umfangreiches Feld darstellt, welches aber den Rahmen dieses Beitrags sprengen würde.

Nach dieser kleinen Aufzählung von Ursachen möchte ich im 2. Teil die Herkunft dieser Ursachen beleuchten, um auf die Spur einer Erklärung zu kommen, die verdeutlicht, weshalb die Gründe zwar menschengemacht und oberflächlich, aber dennoch so ungemein einflussreich zu sein scheinen.