The Voyeur (40)

wall jeans hintern Mies Vandenbergh Fotografie

Mies-Vandenbergh-Fotografie

   Vor ein paar Tagen sprach ich mit einem befreundeten Fotografen über meine Bilder. In diesem Gespräch kamen wir auf den Begriff des Voyeurismus zu sprechen. Er sagte, dass manch einer meine Bilder bestimmt als Voyeurismus bezeichnen könne, und ob ich mir darüber Gedanken gemacht habe. Ich konnte dem Meinungsbild nicht direkt widersprechen, hatte ich mir zwar darüber immer schon Gedanken gemacht, nicht erst seit der Fotografie, denn das Sehen geht dieser voraus, jedoch mit dem Begriff „Voyeurismus“  habe ich schon immer zwiespältige Meinungen vertreten können und bis heute kam ich nicht zu einem für mich abschließenden Urteil darüber.

   Doch was ist es denn, was ich fotografiert habe? Ich habe den Teil eines Körpers fotografiert. Nicht mehr und nicht weniger. Es ist der unverstellte Teil eines Körpers oder der ganze Körper eines Menschen. Wie der Titel des Blogs “ Der wohlgeformte Hintern“ schon aussagt, schreibe ich über den schönen Hintern und zeige Bilder, auf denen ein – in meine Augen – schöner Popo zu sehen ist. Nichts sonst. Wenn ich jetzt den Begriff des Voyeurismus damit in Verbindung bringen möchte, so beginne ich damit, die Bilder, die Blicke, denen die Fotokamera gefolgt ist und die ICH in diesem Moment ausgelöst habe, zu bewerten. Und genau darin liegt für mich die Ursache meiner Probleme mit dem Verständnis dieses Begriffs.

   Legt das Wort doch gleich den Geschmack des Verbotenen in die Sache, regelt er gleich etwas herab, wenn man so will, – herab deshalb, weil dieser Begriff negativ besetzt ist – denn der Körperteil ist belegt mit etwas ruchlosem, wie ich schon an anderer Stelle ausführlich beschrieben habe. Der Jenige, der meine Bilder als voyeuristisch bezeichnet, und das könnte ich selbst durchaus auch tun, der soll sich folgende Frage stellen: Was wäre, würden sich meine Bilder und mein Text mit dem Thema „Augen“ beschäftigen? Oder mit dem Thema „Schultern“? Oder Oder…  Im Falle der Augen würde es dann heißen: „Wie interessant sind diese Bilder!“ „Wie aussagekräftig können doch Fotos sein!“ Würde ich Zehen fotografieren, so mein fotografierender Freund, würde ich zum Amüsement der Menschen beitragen, denn jeder könnte herzlich über die schiefen Dinger da am Ende unserer Füße heimlich herzhaft lachen.( Wie der Affe, denn der weiß, dass wir damit nicht mal zugreifen können!) Nur die allerwenigsten würden sich Gedanken über Voyeurismus machen. Anders als beim Po. Doch das liegt an den Regeln unserer Gesellschaft, und da wäre ich wieder beim Thema „Zwischenmenschlichem Kommunikationsreglement“. Stichwort: „Das tut man nicht.“

  Verwende ich selbst den Begriff Voyeurismus, so verbinde ich ihn mit einem Verhalten, das in seiner bekanntesten Form die heimliche Beobachtung eines Menschen in seiner privaten Umgebung unter Verletzung seiner Privatsphäre oder Intimsphäre meint. Im Duden steht: „Jemand, der durch [heimliches] Zuschauen bei sexuellen Handlungen anderer Lust empfindet.“ (1) Teilweise kann ich diese Definition auch auf die Bilder von Gesäßen ableiten, schließlich findet hier heimliches Zuschauen im Falle eines Schnappschusses und nicht einer erfragten Aufnahme statt. Lust ist hoffentlich immer dabei, wenn sich ein Mensch einen anderen Menschen ansieht, den er attraktiv empfindet. Mir ist bewußt, dass auch das Wort „Lust“ schon einen leichten Hauch von Anrüchigkeit in unserer Gesellschaft besitzt, doch das Thema verfolge ich hier nicht weiter. Allein die in der Definition beschriebenen sexuellen Handlungen fehlen in den Bildern, denn ein Mensch, der an der Straßenecke ein Bauwerk bestaunt, handelt nicht sexuell. Ich distanziere mich hier eindeutig von dem o.g. Verhalten, denn in meiner moralischen Vorstellung ist die Grenze überschritten, wenn ich in die Intimsphäre der Menschen papparazzihaft einbrechen würde. Hier wird wiederum deutlich, wo die Grenze jedes einzelnen Wesens zu finden ist, und meine, denn manch einer besucht z.B. den FKK Strand des Gefühles der Freiheit wegen gerne, für den anderen würde dies niemals in Frage kommen. Diese Diskussion mit meinem Freund mündete auch diesmal wieder in endlosen Theorien, wir verloren uns in „Wenns und Abers“, und stellten am Ende die gesamte Moral auf den Prüfstand.

   Als Fazit kann ich nur jedem für sich selbst empfehlen, die Frage nach dem Unterschied zwischen einem Foto eines POPOs und einer Schulterpartie emotional und moralisch in pro und contra zu vergleichen, und wenn jeder mal die Meinung des anderen mit Argumenten zu vertreten versucht, kommt bestimmt etwas Produktives dabei heraus.

   Mir ist bewusst, dass der Hintern fast immer gut verpackt daher kommt, die Schulter nur meistens und die Wangen im Gesicht nie. Auch, das dies eine Übereinkunft unserer Gemeinschaft ist, davon hörte ich, doch wer legt DAS moralisch gesehen, mit welchen Werten, in welcher Schublade fest? Wenn ich bedenke, welche Erregung öffentlichen Ärgernisses tagtäglich unter Papua-Neuguineas Ureinwohnern stattfindet, so erkenne ich in der Gesellschaft schon einen erheblichem Werteverfall. 😉

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