Michelangelo, oder Ziele der Schönheit (160)

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Der Hintern Gottes
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(Gemälde von Michelangelo Buonarroti in der Sixtinischen Kapelle)

Welchen anderen Sinn und Zweck hat ein schöner Schein als zu scheinen? Welchen Sinn und Zweck hat ein schöner Schein als eine Wirkung zu erzielen? Auf wen aber soll sie wirken und warum wirkt er in seiner Weise?

Schönheit beim Menschen, ein schönes Gesicht, ein schöner Körper – Ausstrahlung wäre wirkungslos, wenn nicht ein Adressat existieren würde. Schönheit ist eine Ursache. Schönheit existiert in unserem Dasein. Schönheit erzielt eine Wirkung. Menschen erkennen Schönheit, und sie fühlen sich intuitiv zu ihr hingezogen, in den meisten Fällen jedenfalls.

Alleiniger Adressat der Schönheit ist der Mensch selbst. Frisst nicht ein Löwe einen schönen Menschen genauso gerne, wie einen hässlichen Menschen. Freut sich ein Hund nicht über eine Delikatesse, gleich ob sie von einem furchigen Narbengesicht überreicht wird oder von einer zarten, bildhübschen Prinzessin.

Die Schönheit setzt im Menschen bestimmte Hormone frei, Emotionen (Reizreaktionen) in uns sind die Folge, die oftmals Reaktionen zur Folge haben. Beispielsweise lächeln wir bei einem schönen Kinde viel ehr, als bei einem wenigen schönen Kind, so haben es Wissenschaftler festgestellt. Andere Wissenschaftler sehen in der Wirkungsweise neurophysiologische Reaktionen. Komplexe Verhaltensmuster entwickelten sich in unterschiedlichen Kulturen.

Erkannte menschliche Schönheit besitzt einen großen Anteil an evolutionärem und sozial entwickeltem Potential. Wir als westlich orientierte Menschen würden geografisch oder ethnisch entstandene Formen der Schönheiten nicht als solche bezeichnen, würden nicht die Reaktionen erfahren, die wir bei Schönheiten unseres Wirkungskreises erfahren. Ob es nun der Fettsteiß mancher afrikanischer Völker ist oder die Tellerlippen der Äthiopier, sie erzeugen in uns nicht die Reaktionen eines bildhübschen jungen Kindes wie Ronja Räubertochter Hanna Zetterberg.

Wissenschaftliche Versuche, bei denen in Gesichtern von Probanden Sensoren angebracht wurden, um Muskelkontraktionen aufzuzeichnen, die nach der Ansicht bestimmter Bilder erfolgten, bewiesen dieses Zusammenspiel von Emotionen und körperlichen Reaktionen. Nur die wenigsten davon nehmen wir deutlich wahr, (Angst-die Haare stellen sich auf, Liebe-Schmetterlinge im Bauch) die Mehrzahl passiert völlig unbewusst.

So hat Schönheit den Zweck, Reaktionen zu erzeugen, Schönheit ist zielgerichtet, und wir alle versuchen tagein, tagaus den Wert dieser Schönheit zu erhalten, zu steigern oder erzeugen. Wir wissen, unabhängig von ethnischer Zugehörigkeit und über die Jahrhunderte hinweg, dass gesteigerte Attraktivität uns bei der Erreichung unserer Lebensziele dienlich ist, und wir im Gegensatz bei ihrem Mangel dieses durch differente Investitionen ausgleichen müssen.

Können wir uns wehren gegen diese Automatismen? Neurowissenschaftliche Forschungen verneinen diese Frage eindeutig. Doch im zweiten Schritt haben die Menschen Handlungsspielraum. Nachdem die evolutionär-soziale Sensorik auf die Schönheit mit körperlichen Reaktionen antwortete, liegt es an uns, diese in unserem Bewusstsein als das zu erkennen, was sie tatsächlich ist. Schöner Schein, der vorerst nur den Sinn des schönen Scheins besitzt, sonst nichts.

 

 

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