Wärme

Aussehen und Wirkung. Wenn das Aussehen des Menschen und seine Wirkung auf andere Menschen in sich divergiert, das Äußerliche und die empfundene Nähe eine andere Sprache sprechen, wenn der kühle Schein einer tiefen Wärme weicht, sobald man sich nähert, was bedeutet das?

Ausstrahlung ist etwas, das jeder Mensch bei einem anderen Menschen wahrnimmt. Eine Fotografie unterscheidet sich naturgemäß von der Realität, es ist schließlich ein momentanes umd stummes Abbild jener. Realitäten wiederum gibt es viele, so viele, wie es Momente gibt. Jeder Mensch strahlt in jedem Augenblick etwas aus, und in jeder kleinen oder größeren Zeitspanne verändert sich diese Erscheinung. Auch die körperliche Entfernung spielt eine maßgeblich Rolle im großen Spiel der zwischenmenschlichen Begegnungen.

Ab einer gewissen Nähe erst erkennen wir die Mimik einer Person. Eine Mimik, welche wir so intensiv empfinden, wenige Bruchteile von Sekunden reichen aus, in denen unser Gefühl, unser Instinkt über zunächst Sympathie oder Ablehnung, dann Gefallen oder Missfallen entscheidet. Ich meine hier jene Begegnungen, in denen wir gemeint sind. Nicht solche mit fremden Personen, denen wir flüchtig begegnen und die nach Sekunden oder Minuten unserer Erinnerung mehr oder weniger spurlos entschwunden sind.

Zwar nicht umunstößlich sind diese Beurteilungen, bilden sie zunächst jedoch ein Fundament, das sehr viel tiefer gründet, als unser Bewusstsein oftmals ahnt. Was aber, wenn dieses Fundament unerwartet und plötzlich nahezu in sich zusammen bricht? Wenn es sich aufzulösen droht, nachdem sich die Seelen in den näheren Kreis begeben haben? Eine vermeintlich unnahbare Kühle wandelt sich schier unaufhaltsam in eine tiefe Wärme. Wenn Aussehen und Wirkung in einem vorläufigen Widerspruch erscheinen, in einem Menschen unerwartete Gefühle auslöst, was bedeutet das?

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Zeitumstellung beenden? Jetzt abstimmen!!!!! Sommerzeit/Winterzeit – NEIN DANKE, meine ich!

https://www.tagesschau.de/ausland/eu-sommerzeit-befragung-101.html

https://ec.europa.eu/eusurvey/runner/2018-summertime-arrangements

… und der Server der EU mal nicht überlastet ist… 🙈🙈🙈

Aktualisierung : 7.7. 16.45 es klappte! 💪👍😊🙌

Von der Tiefe [Intermezzo]

Ich beschäftige mich. Ein Leben lang. Mit den unterschiedlichsten Dingen. [Lass‘ mich das alles zunächst „Dinge“ nennen.]

Manche Dinge begegnen mir früher, andere später. Mit manchen beschäftige ich mich aus freien Stücken, mit manchen nur, um zu überleben. Manche Dinge lasse ich gerne in mein Leben, andere nicht so gerne. Manche davon verweilen eine längere Zeit bei mir, wieder andere nur sehr kurzfristig, einige dieser Dinge aber scheinen mich ein Leben lang zu begleiten. Von gänzlich anderen Dingen höre ich, aber sie scheinen sich mir zu entziehen. Wiederum andere entspringen meiner Vorstellung und ich darf glücklich darüber sein, dass sie nicht teilhaben an meinem Leben.

Wie gehe ich mit all diesen Dingen um? Mein Gefühl ist oft diffus. Der Verstand vielleicht nicht, aber sind wir mal ehrlich: was schon entscheiden wir tatsächlich mit dem Verstand? Wenn dem so wäre, die Wirtschaft bräche sang- und klanglos zusammen. Bildlich ausgedrückt sieht es so aus, als ob ich vieles nur peripher wahrnehmen kann, dass heißt, ich sehe Verschiedenes, auch über einen längeren Zeitraum hinweg, aber ich überfliege es nur, wie der Adler über den Wäldern fliegt, über die Bäume hinweg gleitet, unendlich Kreise um sie zieht, niemals aber auf ihnen landet, geschweige denn von ihren Früchten oder gar Wurzeln nur eine Ahnung erfährt.

Ich sehe Dinge, kann über sie sprechen, weiß, dass sie existieren. Es scheint mir, als könne ich mir ausmalen, wie sie sind, aber nähere mich ihnen nicht wirklich. So, als fasste ich ein Stück Holz an, vielleicht ein Werkzeug, ohne es gebrauchen zu können, obwohl ich genau weiß, wozu es dient, weiß, was damit erschaffen werden könnte. Es ist, als greife ich mit Händen in einen Nebel, um ihm habhaft zu werden.

Manche Dinge berühre ich, ohne sie wirklich zu begreifen. Manche Gedanken denke ich ohne sie wirklich zu begreifen. Von manchen Dingen scheine ich zu wissen ohne eine wirkliche Vorstellung davon zu haben. Tatsächlich berühre ich Dinge ohne sie wirklich zu fassen. In einem Moment sind sie präsent, im nächsten Augenblick scheinbar niemals dagewesen.

In der Meditation kann ich gut aus dem mir eigenen Körper treten, es gelingt mir leicht. Vielleicht, weil ich es seit frühester Jugend praktiziere. Immer öfter aber scheinen mir Dinge, die ich klar vor mir sehe, zu entgleiten, während sie noch da sind. Sie scheinen sich zu entmaterialisieren, während ich sie noch betrachte, wahrnehme, nutze, fühle.

Auch mit Gedanken, Gefühlen, Begegnungen geschieht es immer wieder. Unwirklich beschreibt es, was nachher bleibt. Zwischen Traum und Wirklichkeit verschwimmen die Erinnerungen, Grenzen lösen sich auf. Mit aller Macht stemme ich mich gegen diesen Zustand, meist gelingt es, aber ich nehme die Transzendierung deutlich wahr. Auch die tatsächliche Präsenz anderer Menschen empfinde ich in dem Grad, wie sie mir entgegen treten. Da oder nicht da, als ein Spiegelbild meiner eigenen Präsenz?

Wie kann ein Mensch mit mir in Kontakt treten, wenn nur der Körper da zu sein scheint? So frage ich hin und wieder, wenn ich bemerke, dass es in aller Oberflächlichkeit um Belange der Banalität geht, die als notwendiges Übel in unserem Leben uns beschränken. Aber auch diese Dinge sind vorhanden, machen uns als Menschen aus, lassen uns als Wesen wirken. Wir können dabei eine Wirkung nur dann erreichen, wenn wir verändern und gestalten. Kraft unseres Körpers erreichen wir eine Entwicklung der Seele, denn mit ihm denken, fühlen und vor allem handeln wir. Wir bewegen Dinge, indem wir ihren Zustand verändern, ihre Lage verändern oder ihre Existenz in Energie verwandeln. Vielleicht schaffen wir irgendwann den umgekehrten Weg, nämlich aus Energie etwas Materielles zu transferieren.

Wahrhaftigkeit ist ein kostbares Gut bei uns Menschen, und wie mir scheint, ein rares. Was passiert mit uns Menschen, dass es immer weiter zu weichen scheint, Platz macht für den Spaß, das Vergnügen, den Konsum in der vielerorts zunehmenden Wohlstandsgesellschaft der Erde, wo die Gier alle Kreativität und Mitmenschlichkeit ersetzt?

Kommunikation, oder „Wie meinst Du?“ (204)

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Du verstehst die Menschen recht gut, oder? Du sprichst die Sprache der Menschen, mit denen du zusammen lebst, du hast ähnliche Gedanken, Meinungen und Gefühle, wie sie. Du siehst ihnen meist an, wenn sie dich nicht verstehen, oder? Du bist nicht immer einer Meinung mit ihnen, aber deshalb kannst du mit ihnen diskutieren, nicht wahr?

Kommunikation kann ein weites, spannendes Feld sein. Beinahe täglich erleben wir, welche Blüten diese Pflanze hervorbringt. Zum einen als Zuschauer, zum anderen als Involvierte suchen wir in unserem Repertoire nach einer Übersetzung eines Verhaltens, gleichen ab, ordnen ein, schließen aus, berichtigen wieder, und irren uns doch ständig. „Wie hat er das gemeint?“ „Was will sie mir damit sagen?“ „Hä?“

Es kommt vor, dass wir weiter fragen. Vielleicht noch öfter kommt es aber vor, dass wir nicht weiter fragen! Wie geben uns damit zufrieden, einen Gedanken gebildet zu haben, der da sagt: „Ja, so wird es wohl gemeint sein, der Kontext lässt es höchstwahrscheinlich zu. Es wird sich zeigen, ob es so gemeint war, irgendwann.“ Außerdem haben wir schließlich gar nicht die Zeit, es eingehend zu klären, viel zu umfassend sind unsere Aussagen, beziehungsweise stehen noch so viele andere Sätze in der Warteschleife, die wir unbedingt anbringen möchten, da können wir uns unmöglich länger bei diesem einem Thema aufhalten.

Was vielleicht zusätzlich zu bedenken ist, ist die Tatsache, dass eine Aussage, die am Ende tatsächlich geklärt wurde, bedenklicherweise etwas bedrohlich verbindliches innehat. Dabei lässt sich doch unverbindlich so bequem leben. Wie gut kann man sich immer noch herausreden: „D A S habe ich so aber nicht gemeint!!!“ Klingt schon ganz vertraut, oder? Die unverbindliche Aussage lässt uns so viele Fluchtwege offen, warum sollten wir uns diese verbauen. Es könnte nachher noch jemand auf die Idee kommen, wir seien authentisch. Noch schlimmer, es könnte der Eindruck entstehen, wir verträten einen Standpunkt und hätten gar eine eigene Meinung.

Klar, in großen Fragen haben wir eine Bewertung, wissen, wozu wir stehen, was wir erwarten und was unterstützen. Allein in unserem täglichen Kontakt mit den Menschen lieben wir es doch eher vage. Wie sind schließlich frei. Doch, glauben wir wirklich. Wir sind so frei, dass wir uns die Freiheit nehmen, selbst zu entscheiden, wie viel wir zugeben, was wir kundtun, wozu wir beitragen und vor allem, wie weit wir gehen. Lieber einen kleinen Schritt hi und da, als einen anstrengenden Weg. Der könnte schnell zu mühsam werden, wir müssten möglicherweise Flagge zeigen und unsere Richtung offenlegen. Schrecklich verbindliche Sache! Und das, wo uns doch so viele Möglichkeiten offen stehen.

Zurück zur Kommunikation. Weißt du, wie viel Kommunikation täglich über dich herein bricht? Vielleicht sind es viel weniger die persönlichen, zwischenmenschliche Worte, sondern viel mehr Worte, Taten, Handlungen und Aufrufe durch Figuren auf Bildschirmen und Plakatwänden, Zeitungsseiten und Monitoren. Gehört Heidi Klum und Dieter Bohlen auch schon zu deinem nächsten Freundeskreis, der mehrmals in der Woche in Deinem Wohnzimmer zu Gast ist. Oder ist es Dieter Nuhr und Abdelkarim, der des Abends dir die Welt erklärt? Vielleicht guckst du aber lieber YouTube Videos von Katzen, die sich vor Gurken erschrecken?

In wie weit halten wir es für bare Münze, diese Possen, die uns -mehr oder weniger- frei Haus geliefert, oftmals so schön über den Dingen stehen lassen, als Beispiele der menschlicher Kommunikation zu werten? Abgesehen von dieser zwischenmenschlichen Einbahnstraße bestimmter Medien und den aufbereiteten Wortlauten finden sich bei diesem Konsum erste Anzeichen von Realitätsverlust bei uns Individuen. Verlernen wir das Sprechen. Bestechend ist die mediale Welt besonders für junge Menschen, die statt langer, persönlicher Gespräche gern die kurze WhatsApp-Message nutzen. Wie soll es werden, wenn irgendwann tatsächlich persönliche Gespräche erforderlich sind, und nicht nur Worte fehlen, sondern auch die Empathie, den anderen zu sehen und zu erkennen, zu spüren, was der andere meint.

Die Masse der Menschen um uns herum entbehrt zunehmend der Fähigkeit der zwischenmenschlichen Kommunikation, nicht nur, weil es immer mehr Individuen sind, von denen jedes eine neue Sichtweise und Ausdrucksweise mitbringt, auf die wir uns einstellen können, sondern weil die persönliche Kommunikation immer weniger gesucht wird, so haben es verschiedene Studien bestätigt.(2008)

Vielleicht sollten wir alle wachsam sein und uns Gedanken machen. Doch dabei sollen wir es nicht bewenden lassen. Der nächste Schritt ist noch wichtiger, wir werden etwas tun. Suchen wir das Gespräch. Nicht die Floskel. Ob mit dem Partner, dem Freund, dem Feind, diskutiere. Wohl denen, die es tun. Führen wir wieder Gesprächsabende innerhalb unserer Gemeinschaft ein, fördern wir Gesprächsbereitschaft und vor allem die Fähigkeit dazu. Es lohnt sich. MEINE ICH!

Ich bin, also spreche ich? (203)

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Du kommunizierst mithilfe deines Körpers, nicht anders. Alle Ergebnisse, alle Entschlüsse verkündest du durch oder mit deinem Körper, sei es gesprochen, geschrieben oder gehandelt, in manchen Fällen vielleicht bekundet durch Nichthandeln.

Es folgen zunächst einige Prämissen für eine kleine, gedankliche Herleitung: Menschen leben. Leben bedeutet, dass sich etwas entwickelt. Entwicklung heißt Veränderung. Leben bedeutet Bewegung. Bewegung bedeutet Verschiebung von Masse. Dazu braucht es Raum, Raum der nicht unendlich verfügbar ist. Leben bedeutet Wahrnehmung. Lebewesen nehmen wahr und reagieren. Veränderungen von Positionen sind die Folge. Jede Aktion verändert etwas, Statik wird zu Dynamik. Manchmal verändert sogar eine Nichtreaktion, wenn sie konträr verläuft. Wenn eine Nichtreaktion im Gegensatz zu dem steht, was zu erwarten ist, wird sie umgehend zur Reaktion.

Veränderung ist für den Menschen stets materiell. Ort, Materie, Zeit. Immer. Es beginnt mit den drei grundlegenden Defizitbedürfnissen:

▪ Nahrung
▪ Atmen
▪ Schlafen

Der Mensch existiert, lebt aber erst durch den Ausdruck seines Körpers. Ohne die o.g. Defizite dauerhaft und fortlaufend zu beseitigen, kann der Mensch nicht leben, vielleicht existieren. Anschließend folgen weitere Bedürfnisse, die dem Menschen seine Existenz erst weiter ermöglichen:

▪ Wohnung
▪ Sicherheit

Vorerst möchte ich gedanklich nur bis hier her gehen. Ohne dabei zu bestätigen, dass es weitere Bedürfnisse gibt, die den Menschen ausmachen, wie z.B. soziale Bindungen oder Selbstverwirklichung. Dies wäre der nächste Schritt. Bleibe ich in diesem Beitrag beim ersten Schritt und dessen näherer Betrachtung.

Es geht also bei der Existenz des Menschen, der durch oder mit seinem Körper kommuniziert, immer um das Materielle. Gedankenübertragung? Noch Fehlanzeige! Das es ausschließlich körperlich effektiv ist möchte ich aus folgender Sichtweise herleiten: Jede Aktion und auch jede Reaktion bedeutet eindeutig, dass der Mensch eine Veränderung wahrgenommen hat. [Du schaust hin oder weg.] Dieses gelingt ihm nur unter Zuhilfenahme seiner Sinne [Augen]. Es sei dabei einerlei, ob die Veränderung von materieller oder energetischer Herkunft ist, letztendlich ist Energie nur eine andere Form der Materie und umgekehrt. Den physikalischen Nachweis dafür haben andere schön längst erbracht, das möchte ich hier nur übernehmen.

Dazu lege ich einige Beispiele zur Erläuterung dar. Jedwede Gedanken, alle Gefühle, die eine (Re-) Aktion im Menschen zur Folge haben, entstehen aufgrund einer Wahrnehmung. Diese Wahrnehmung ist nur dann möglich, wenn der Mensch seine Aufmerksamkeit dafür erübrigen kann. Sitzt du seit 6 Stunden bei -24°C auf einem zugigen Bahnhof, so wirst du die Schönheit einer schneebedeckten Landschaft anders empfinden, als aus dem wohltemperierten Foyer eines Berghotels.

So tritt dieser Reiz von außen auf den Menschen ein. Etwas berührt ihn, ein Signal beliebiger Art überschreitet seine Wahrnehmungsschwelle. Ist dieser Reiz erst einmal aufgenommen, so löst dieser irgend eine beliebige Reaktion aus. Die Reaktion kann ein Gedanke sein, ein Gefühl oder auch ein Reflex. Die Reaktion kann ferner in einer unmittelbaren Tat münden oder jemand ist nachtragend oder auch besonnen. 😉 Festzustellen ist es beim Anblick des Menschen. Du siehst, was du ausgelöst hast, manchmal mehr, manchmal weniger. Aber auch einer der anderen Sinne kann diese Reaktion deines Gegenüber wahrnehmen. Du kannst es hören, riechen, oder schmecken. Oder spüren. Hand drauf! Ich umarme dich.

Etwas Äußeres trifft unsere Wahrnehmung, ausgelöst wurde es von unserem Gegenüber, wenn es ums Zwischenmenschliche geht. In uns entstehen dadurch Gefühle, wie auch Gedanken, oder aber viele Zwischenabstufungen davon, wie Eindrücke, Ideen oder physische Reize. Die Dauer kann von Millisekunden bishin zu Stunden oder länger sein. Es sagt vorerst nichts über die Qualität aus.

Doch was immer auch in uns entsteht, solange keine Reaktion von uns darauf erfolgt, irgend ein wahrnehmbares Zeichen gegeben wird, solange gilt es als nicht existent, nicht angekommen {Sender}, nicht wahrgenommen {Empfänger} oder ignoriert. Nur durch Reaktion, die ausschließlich rein materieller Natur sein KANN, muss sie doch einen Empfänger haben, erfahren wir eine Wirkung unseres Daseins. Das kann in Form eines Lächelns sein, man kann schreien oder lachen, schweigen oder böse drein schauen, flüchten oder sich putzen, essen oder kämpfen.

Der Körper reagiert. Niemals geistig, immer durch seinen Körper, indem er handelt. Und denkt er tausend Gedanken und durchlebt Höllenqualen in seinem Herzen, ohne eine körperliche Reaktion sind sie nichts. Deine Liebe mag universell sein, ohne sie zu materialisieren in Form einer Handlung ist sie fiktiv und unsichtbar, nicht da, nicht vorhanden. Hast du sie nicht durch deinen Körper ausgedrückt, ist sie nichts! Willst du etwas erreichen, handle!

„Eros“, oder Erotik stellt keine Aufforderung dar (202)

GateErotisches entsteht per Definition: Bedeutet Nacktheit an sich schon Erotik? Gibt es Nacktheit nicht an verschiedensten Orten? Ändert sich Nacktheit im Kontext, entsteht folglich zwangsläufig Erotik? Gibt es Abstufungen je nach Mensch, Gegebenheit und Zeit (-alter)? Ein kleiner Ausflug.

Beginne ich mit einer Definition, weil es so schön einfach ist, mit der von Wikipedia:

„Als Erotik – von Eros (Mythologie) – bezeichnet man die sinnliche Anziehung zweier oder mehrerer Menschen. Die Stärke der „erotischen Ausstrahlung“ und der „erotischen Signale“, die andere Menschen „senden“, wird keineswegs nur durch den bloßen Anblick eines möglichst hohen Grads von Nacktheit eines menschlichen Körpers bestimmt, vielmehr können auch bestimmte Kleidungsstücke und Gegenstände (s. Fetisch), die Mimik und Gestik einer Person, Sprachmelodie und -färbung, Körperhaltungen und Handlungen von Menschen oder deren Abbilder Erotik erzeugen.“

“ Als allgemeines Ideal galt und gilt in der Regel die harmonische Verbindung von Liebe, Erotik und Sexualität, also die Vereinigung von emotionaler, geistiger und körperlicher Liebe. Schon die Philosophie im alten Griechenland postulierte die Notwendigkeit einer Einheit von Körper, Geist und Seele, damit der Mensch mit sich selbst im Einklang sei.“

“ Zur Geschichte der erotischen Darstellung gehören Elemente aus Malerei, Bildhauerei, Literatur, Fotografie und Film, die sexuelle Szenen zeigen. Diese wurden von fast allen Zivilisationen, in der Antike wie in der Moderne, angefertigt. Frühe Kulturen hielten den Akt für einen Ausdruck übernatürlicher Einwirkung und verbanden ihre Religion mit solchen Darstellungen. In asiatischen Ländern wie Indien, Nepal, Sri Lanka, Japan oder China hat sexuelle und erotische Kunst besondere spirituelle Bedeutungen innerhalb der einheimischen Religionen des Hinduismus, Buddhismus, Shintō und Daoismus. Die Griechen und Römer produzierten zahlreiche Kunstwerke und Dekorationen erotischer Natur, die vielfach in religiösen Ansichten und kulturelle Praktiken eingebunden waren.“

„Während der Zeitgeist bestimmter Epochen die Erotik mehr oder weniger zu unterdrücken suchte (beispielsweise im viktorianischen Zeitalter), hatte die Erotik zu anderen Zeiten Hochkonjunktur, etwa in der Epoche des Rokoko.“

Damit ist schon einiges Grundsätzliche über Erotik gesagt. Offen bleiben viele Nuancen unter noch mehr Menschen. Irrtümer und Versehen sind im Verständnis ebenso vorprogrammiert, wie absichtlich herbeigeführte Überschreitungen von Regelungen und Übereinkünften.

Nacktheit ist, wie in Wikipedia oben beschrieben, noch nicht erotisch. Das ist nichts neues, wir wissen darüber Bescheid. (Wobei Wissen und Umsetzen zwei sehr unterschiedliche Dinge sein können) Es kommt darauf an, wann Nacktheit beginnt, erotische Züge zu gewinnen. Es kommt auf den Ort an (I), es kommt auf die Epoche an (II) und es kommt auf die Art und Weise der Nacktheit an (III).

I. Der Ort
Es hängt beispielsweise vom Platz des Geschehens ab. Dort entscheidet sich, ob Nacktheit in Richtung erotische Nacktheit verstanden werden könnte. Stelle dir verschiedene Möglichkeiten vor: Beim Arzt, unter der Dusche, im Aufzug, am Strand, in der Striptease-Bar, in der Kirche, …! Du merkst schon anhand dieser wenigen Beispiele, welche Auswirkung wieviel unbedeckte Haut an verschiedenen Plätzen symbolisiert. Im San Marco Dom zu Venedig war mit unbedeckten Armen kein Einlass. Am Rügener FKK-Strand war bedeckt der Einlass verwehrt. Ein bauchfreies Top würde in einer Geschäftsbesprechung unter führenden Wirtschaftsberatern dazu führen, den Gesprächspartner vermutlich nicht ganz ernst zu nehmen.

Alle diese Orte haben eines gemeinsam: Es existiert eine verbindliche Ordnung, eine Regel, die darüber Auskunft gibt, wie sich die Menschen in bestimmten Bereichen zu verhalten haben. Die Toleranzgrenze ist da sehr eingeschränkt. Das funktioniert unter anderem dadurch, dass bei Zuwiderhandlungen Sanktionen erwartet und unter Umständen auch vollzogen werden. Du selbst gucktest bestimmt auch verwirrt, wenn Dir des Nachts um 2 Uhr bei der Heimfahrt aus der Düsseldorfer Altstadt auf der Mecumstraße (eine der am stärksten befahrenen Straßen Deutschlands) in Höhe der Feuerbachstraße bis auf festes Schuhwerk 4 sonst völlig nackte junge Männer erblickt hättest, die so die Straße überquert hätten. (Das hättest du 1982 durchaus erleben können 😉 )

II. Die Epoche
Was heute en Vogue ist, kann morgen zu peinlichen Situationen führen. Wenn Erotik, wie oben zu lesen ist, in einer Epoche verpönt war, etwas später aber als chic galt, wir nur die Zeiten der letzten Jahrzehnte betrachten, so stellen wir fest, dass sich nicht nur die Moral der Gesellschaft verändert hat, sondern auch der Umgang mit ihr durch die Individuen dieser Gemeinschaft. Eine Tendenz zum Werteverfall wird allerorten attestiert, allein die Werte selbst sind dabei nur diffus bestimmt, meine ich. Werte werden nicht unbedingt von der Gemeinschaft festgelegt, die damit lebt, oftmals verselbständigen sich Reglementierungen, um mehr dem System selbst zu dienen, als dem Menschen. Schön ist es, einen Überblick zu erhalten. Man reflektiert, was zu welchen Zeiten möglich, nötig oder bedeutend war, um in diesem Zusammenhang festzustellen, dass man selbst gerade zufällig in dieser bestimmten Epoche zugegen sein darf, welche gerade diese und nicht andere Werte hochhält.

III. Die Art und Weise
Ohne sich ganz eindeutig von den ersten beiden Punkten abzusetzen spielt die Art und Weise der Nacktheit eine entscheidende Rolle bei der Bewertung. Hierbei scheiden sich die Geister, finden die meisten Missverständnisse dort statt. Nacktheit an sich stellt noch keine erotische Situation dar, erst die Gedanken und Gefühle eines Betrachters lässt Erotik entstehen. Von freizügig bis bedeckt kann die Haut des Menschen dargestellt werden, mal mit weniger abzeichnenden Stoff, mal [nahezu] vollkommen verdeckt. Jede Bedeutung in jeder beliebigen Kultur kann abweichend sein, abweichend von deiner Idee von Erotik. Aber nicht nur interkulturell sind Diskrepanzen alltäglich. Schon deine Nachbarin kann ein gänzlich abweichendes Verständnis haben von der Bedeutung der „stoff – freien“ Stelle an ihrem oder auch an deinem Körper. Nicht nur die Vermischung der Kulturen oder die Begegnung der Generationen zeichnet verantwortlich dafür. Je nach Grad der Bildung und Erziehung, der Lebensumstände und Erfahrungen findet ein Abgleich der Werte statt, der dazu noch in ständigem Wandel befindlich ist.

Nun komme ich zum Umgang mit der Erotik. Erotik entsteht demnach nicht zwangsläufig aus Nacktheit. Sicher, manchmal kann sie animieren, doch allzu oft ist es nur plump und obszön. Abgesehen von der allseits ausgelebten Doppelmoral bezüglich aller Erotik, schon das Wort hat öffentlich einen ruchlosen, faden Beigeschmack, und der Tatsache, dass die Erotik eigentlich im Sinne des Betrachters entsteht, findet im öffentlichen Leben kaum erotische Aktionen statt. Fotografien sind eine Ausnahme, auch in entsprechenden Gegenden wie dem Achterburgwall in Amsterdam oder der Reperbahn auf St.Pauli sehen wir hin und wieder deutlich erotisch anmutende Menschen. Der Kleidungsstil mancher Zeitgenossen(-innen) regt bei wenigen Betrachtern auch schon mal erotische Gedanken an, allein der Umgang damit ist eindeutig geregelt: Diese Personen möchten (Auf-)sehen erregen, zwar nicht von jedem, das jedoch liegt bei der Begegnung nicht mehr in deren ermessen. Doch es beschränkt sich auf die Betrachtung. Nichts weiter liegt in der Absicht, von wem auch immer.

Nicht so ist es mit den Gedanken. Sie entstehen immer wieder bei uns Menschen, oft zu den „unmöglichsten“ Zeiten und von beiden Geschlechtern gleichsam. Hierbei gilt: die Gedanken sind frei! und es ist schön, diesen Gedanken einen kleinen freien Raum zu lassen, hier könnte ich nur aus Gesprächen mit vielen Freunden und Freundinnen aus vergangenen Zeiten zitieren, doch als Summe und Fazit möchte ich nur kurz skizzieren: schöne Gedanken bereichern das Leben ungemein. Wir alle sollten weniger verbissen mit unserer eigenen Moral umgehen, was die schönen Seiten des zwischen-menschlichen Lebens angeht. Der Phantasie einen Raum lassen, ihr einen bauen und mit dem Partner Leben einhauchen, versuche es mal.

P.S. (Das Foto ist unbearbeitet und mit der X-T1 und dem 32er Zeiss aufgenommen worden)

Über – sehen (200) [zum 200. Artikel: Vorsicht, etwas anders als sonst ;-) ]

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Übe dich im Sehen, den ganzen Tag über, nichts als hinsehen. Entscheide, was davon in’s Bewusstsein vordringt. Nehme wahr und lasse auf dich wirken, was du siehst, sei aufmerksamer, als du es gewöhnlich bist. Was ist dir entgangen? Warum?

Da hat sich jemand für dich schön gemacht. Jemand hat lange überlegt, wie er sein Aussehen verändern kann, damit ihm deine Aufmerksamkeit zuteil wird, du ihn bemerkst.

Er hat Variante für Variante im Geiste durchgespielt, jede Möglichkeit bedacht, überlegt, was welche Wirkung haben könnte, alles, was ihm auffiel, alles, was vielleicht unvorteilhaft wirken könnte, eliminiert. Nach seinem Dafürhalten hat er ausgesucht, ausgewählt, war überzeugt und hat wieder verworfen.

Dann, endlich, er hat sich schweren Herzens entschieden, keineswegs sicher war er dabei, denn ihm sind, noch immer, all die anderen Möglichkeiten im Sinne, von denen vielleicht eine ganz spezielle Alternative doch etwas mehr Eindruck hervorbringen würde, genau der, der notwendig wäre, um dich zu erreichen, deinen Blick, deine Gedanken oder um ganz verwegen zu glauben, zu hoffen, ein Gefühl in dir zu erwecken.

Unsicher wäre das falsche Wort, da er genau weiß, was er wünscht, nämlich diese deine Aufmerksamkeit zu erhalten, und wenn es nur für die Dauer eines Flügelschlags des bezaubernden Schmetterlings auf der Blüte vor seinen Augen wäre. Unentschieden träfe es schon eher, denn er überlegt sich ein Gefühl, ein Gefühl, welches du gerade dann empfinden würdest, wenn ihr euch begegnen würdet, das vielleicht darüber entscheiden könnte, ob du ihn überhaupt wahrnehmen würdest. Bist du in diesem Moment gegenwärtig oder verweilst du versunken in Gedanken, vertieft in Gefühlen deiner selbst?

Er denkt und fühlt darüber nach, ob es überhaupt und tatsächlich an einer winzig kleinen, unbedeutenden Äußerlichkeit hängen könnte, die darüber entscheiden würde, ob sich euer Schicksal für diesen einen Augenblick träfe und ob dies ein Beginn sein könne. Solle es möglicherweise so sein, dass die Wahl einer Farbe oder die Wirkung einer bestimmten Form, eine einzige Geste oder ein Geruch darüber entscheidet, welchen Abzweig er auf dem Weg des Lebens verpasst?

Du gehst die Straße entlang. Die Sonne versteckt sich von Zeit zu Zeit hinter kleinen weißen Wolken. Ein leichter Wind geht durch dein Haar. Deine Haut freut sich über die willkommene Ablenkung von deinen Gefühlen. Eine leichte Kühle streift sanft dein Gesicht. Du blinzelst etwas, es scheint ein Anflug eines Lächelns in deinen Wesenszügen zu liegen. Aber nur kurz. Deine Gefühle sind präsent. Die jedoch sind stark. Deine Gefühle scheinen dich schnell wieder in ihren Bann zu ziehen.

Kein Wunder, ist nicht das, was in deinem Herzen tobt, wie ein wilder, wütender Orkan? Ein Orkan, der einstmals tatsächlich begann wie ein leiser Hauch, ein Hauch von Gefühlen, die in dir entstanden, als dein Blick den seinem traf, jenseits von Farben und Formen, nicht achtend auf Töne und Düfte, Befindlichkeiten schien es in diesem Augenblick nur auf fernen Welten zu geben …

Dein Weg führt dich in ein kleines Bistro an der alten Stadtmauer unten am Fluss. Du bist hin und wieder gerne dort, fast schon regelmäßig. Es ist das Flair, die Ruhe und Ausstrahlung dieses Ortes, der dir eine tiefe Wärme und Geborgenheit in dein Innerstes zaubert. Du sitzt gerne nahe am Fluss, wenn es geht, du magst das leise Flüstern des langsam dahin fließenden Wassers. Es ist aber auch an anderen Stellen schön.

Du kommst an, im Bistro, siehst dich um, erblickst mit Freude einige freie Plätze unten am Wasser. Deine Gedanken treiben weiter. Du fühlst schnell wieder diesen Druck, der dir manchmal die Luft zum Atmen zu nehmen scheint, es ist, als hätte er sich in deinem Herzen verfangen. Du gehst hinunter. Ein Tisch in der Nähe des kleinen Wasserfalls im Fluss spricht dich intuitiv an. Du setzt dich, siehst sich um.

Einige Menschen sitzen an anderen Tischen, manche allein, andere in Gesellschaft, alle sind leise, schauen, reden behutsam, kaum hörbar, einige lesen, andere scheinen zu träumen. Du siehst dich um, siehst den ein und anderen an, setzt dich, das Wasser des kleinen Falls lässt dich hinüber blicken, zieht dich für einige Sekunden magisch an, bis der freundliche Kellner dich fragend leise begrüßt. Du bestellst dein Lieblingsgetränk.

Der Kellner schreitet von dannen, lässt dich zurück in deinen Gefühlen. Du, blickst dich um, suchst wieder das Plätschern des Wasserfalls, das deine Sinne so leise einfängt, dich ablenkt und sanft entführt in die traurige Erinnerung an die Zeit, da du mit deiner Liebe da warst, lustige Worte wechselnd, zärtliche Gesten austauschend in der Leichtigkeit des Seins verweilend. Jetzt, dein Blick wandernd, im Hier, über die Gesichter der Menschen und Dinge um dich herum, nicht bemerkend, dass einer der Menschen, deren Blicke du trafst, für diese eine Zehntelsekunde länger deine Augen in sich aufnahm, als gewöhnlich, der sich voller Vorfreude aufmachte, in das alte Bistro an der alten Stadtmauer unten am Fluss, wo er hoffte dich heute vielleicht wieder einmal zu sehen, wo er hoffte, dass auch du ihn …

Körperwahrnehmung, Teil V (194)

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Wie reagierst Du auf Ärger? Wie auf Freude? Kann man es dir ansehen? Wie siehst du aus, wenn du glücklich bist? Wie, wenn du traurig bist. Was sagt dein Körper, wenn dich jemand tröstend in den Arm nimmt. Oder liebevoll? Gut, oder!? Aber: wie oft passiert das dir noch? Statistisch gesehen: Ein Trauerspiel!

Im fünften Teil geht es um deine körperlichen Reaktionen, und das, was du daraus machst. Erkennst du die Sprache deines Körpers? Oder bügelst du ihn schon mal glattweg nieder? Triumphiert dein Geist oft über deinen Körper, deine Intuition, dein „Bauchgefühl“? Dann geht es dir, wie mir. Ich bin zu oft ein schrecklich verkopfter Mensch. Bauchschmerzen ja, aber nein, ist vollkommen unlogisch! 🙂

Wie hängen deine Empfindungen mit Berührungen zusammen? Eng. Aber warum? Hierzu möchte ich etwas ausholen. Ein kritischer Barde, dessen Name mir gerade nicht geläufig ist, vielleicht André Heller in seinem Wintergarten, besang schon vor 20 Jahren in einem seiner Lieder den Zustand des eklatant zunehmenden Materialismus: „Früher streichelten wir über Körper, heute über Waren.“ Niemals zuvor in der Menschheitsgeschichte litten die Menschen derart unter Berührungsarmut wie heute, so stellen es aktuelle Erhebungen sehr eindeutig heraus. Nicht nur in New York finden Kuschelparties statt, bei denen gänzlich ohne sexuelle Absichten nur eng miteinander gekuschelt wird, nie haben professionelle Berührer derartig Hochkonjunktur.

Wie ergeht es dir? Wie reagierst du auf die Reize deiner Umwelt, welche Reaktionen (er-) kennst du von deinem Körper? Stellen sich bei dir hin und wieder deine Nackenhaare auf und läuft dir ein Schauer über den Rücken? Steigt dir das Blut in den Kopf, errötest du, wenn du dir unangekündigter und bedeutsamer Dinge gewahr wirst? Viele Menschen unterdrücken zu oft diese Signale des Körpers. Forscher aus den USA haben bestätigt, dass die ausbleibenden Wahrnehmungen körperlicher Reaktionen zu psychosomatischen Erkrankungen führen können. Das beginnt bereits bei kleinen Anzeichen körperlicher Widerstände auf kleinste Reize, die wir so kaum noch wahrnehmen. Beispielsweise kleinste Widerstrebungen etwas bestimmtes zu berühren sind solche Zeichen, auch außerkulturelle Berührungen führen zu starken Irritationen. Letzteres wird als Phänomen in unseren westlichen Ländern bestätigt, in denen körperliche Berührungen nur in sehr engen Grenzen moralgesellschaftlich akzeptiert ist.

Gleiches gilt für die andere Richtung, die mehr noch das Thema dieses Beitrags ist: mangelnde Aktion, immer stärkere Zurückhaltung mit zunehmendem Entwicklungsstand entfremdet uns zunehmend von körperlichem Dasein. Was du als Kind zu Beginn deines Lebens gar nicht anders vermochtest wird derart stark reduziert, so dass es tatsächlich zu psychosomatischen Störungen kommen kann. Als Kind, besonders als Kleinkind musstest du alles begrapschen, viel mehr, als deinen Eltern lieb war, sogar in deinen Mund stecken. [Kinder aus unserer Nachbarschaft haben, weil sie keinen Kaugummi essen durften, diese von der Straße abgekratzt und mir viel knirschen versucht zu kauen.]
Du entdecktest als Kind die Welt um dich herum mit deinen Händen. Du fühltest, was unterschiedlicher Temperatur war, welche unendlich viele, haptische Variationen Dinge hervorbringen konnten. Samtig weich, glibberig feucht, scharfkantig spitz waren Objekte aller Art für dich äußerst spannend zu erforschen.

Auf der anderen Seite erfuhrst du über deinen Körper eine sensorische Vielfalt der Berührungen. Streicheleinheiten sowie Kuschelpartien waren an der Tagesordnung, nahezu jeder Elternteil weiß, wie wichtig diese körperlichen Aktionen für die seelische Entwicklung ihrer Kinder sind. Was mit der Zeit der Adoleszenz immer weiter weg verlagert wird, weg von den Eltern, hin zu Freund und Freundin, verliert sich heutzutage zunehmend mehr und mehr und mit zunehmendem Alter überdies.

Unser größtes Sinnesorgan verliert zunehmend an Stimmulierung, Wissenschaftler beschreiben es als dramatischen Akt: Statt der Berührungen geht der Mensch der westlichen Welt seiner liebsten Freizeitbeschäftigung nach, dem Fernsehen, und kompensiert den Mangel mit der tütenweisen Zufuhr von Salzgebäck. Stichwort „Ersatzbefriedigung“. Da bezieht sich nicht nur auf das Salzgebäck, auch Waren aller Art dienen dem gleichen Zweck. Berührst du deinen Partner so oft, wie dein Smartphone? 😉

Im Vergleich der Geschlechter kommen bei diesen Untersuchungen die männlichen Exemplare der Menschen noch viel schlechter weg, als die weiblichen. Der Mann, erfolgreich, hart, technikaffin, die Frau schön, zart fürsorglich. Körperliche Zuwendung gilt als weiblich, ob es in Berufen ist (Pflege, Fürsorge, Frisörin, Männer gelten in diesen Bereichen weniger als männlich, gerne als weichlich, auch homosexuell, sie sollen die „Macher“ sein, kernig, handwerklich, technisch versiert.) oder im Umgang mit anderen Menschen. Zwar ist auch bei Frauen die körperliche Auseinandersetzung offen rückläufig, doch die allgegenwärtige Beschäftigung mit der Schönheit erlaubt die Behandlung des Körpers in allen Bereichen, in jedem Alter, und in allen Regionen. Die Schönheit lässt sich, so der „gesellschaftliche Konsens“, so über den Körper ausdrücken. Dazu brauch dieser Behandlung. Dazu darf er berührt werden, lange berührt werden.

Hier möchte ich mit einem Einwand diesen Artikel beschließen. Wenn wir uns alle, also auch du, wieder mehr um unsere Empfindungen kümmern würden, so sehe ich einen guten Weg, das Leben wieder wärmer, zärtlicher, menschlicher zu gestalten, was sich definitiv auch in unserer Psyche ausdrücken würde. Zufriedenheit wäre dein Erfolg.

P.S. besonders herzliche Grüße möchte ich hier an „tigerfour“ richten, der aus luftigen Höhen unermüdlich daran erinnert: das „küssen nicht vergessen“! 🙂

Körperwahrnehmung, Teil IV (193)

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Wie fühlst du dich? Was fühlst du gerade? Wenn du diese Frage beantwortest, sagst du etwas über Wärme oder Kälte, über Sehnsucht oder Melancholie oder über eine zärtliche Umarmung?

Hier im vierten Teil von Körperwahrnehmung möchte ich zunächst über das Entstehen deiner Möglichkeiten schreiben, deinen Körper über Berührungen zu empfinden. Diese sind so mannigfaltig, dass du oftmals vergisst, was dir dein Körper über dich verrät. Die Anfänge findest Du bereits in deiner frühesten Kindheit. Das reiße ich hier kurz an.

Wie elementar deine Empfindung ist, das begreifst du sehr eingehend, wenn du dir klarmachst, wie alles bei dir begann: Dein Wissen um die Zeit vor deinen ersten Erinnerungen hält sich in Grenzen. Manches erahnst du, falls du in der glücklichen Lage bist, Fotografien aus dieser Zeit dein eigen nennen zu können. Aber wie es damals war, weiß vielleicht dein Verstand, sicher nicht dein Gedächtnis. Du warst im Bauch deiner Mutter. Alles war warm. Nichts war eckig, alles weich und zart. Um nichts musstest du dich kümmern, Nahrung stand immer zur Verfügung. Und Nähe! Du warst nicht allein.

Damit sind deine ersten Empfindungen im Grunde benannt. Deine Haut, der größte Sensor deiner Sinne vermittelt dir in der Wärme deiner Mutter Geborgenheit. Der Bauch bietet Schutz vor Dingen, von denen du noch nicht einmal ansatzweise eine Vorahnung hattest. Du spürtest die Schwingungen deiner Mutter, wenn sie sprach, lachte, weinte oder nur atmete. Du spürtest ihr Herz schlagen, all das noch ohne dein Bewusstsein, aber: schon in dieser Zeit wurden Weichen gestellt für dein gesamtes weiteres Leben. Dazu weiter unten mehr.

Irgendwann war es dann soweit. Du erblickst das Licht der Welt durch deine eigenen Augen. Naja, erst mal hattest Du sie noch eine Weile geschlossen. Deine Geburt bedeutete die Trennung von deiner Mutter, die „Einkörperlichkeit“ wurde aufgegeben, du begannst, dein eigener Mensch zu werden. Was spürstest du? Was empfandest du? Losgelöst aus deiner bisherigen einzigen Welt betratst du diese neue Welt.

Diese heißt in erster Linie „Kälte“! Auch, wenn der Moment nur sehr kurz sein sollte, bis du im Idealfall noch vor dem Wiegen und Vermessen sofort nackt auf die nackte Haut deiner Mutter gelegt wirst, bedeutet es den Moment der Trennung, des Verlassens der warmen Umgebung des Bauches deiner Mutter. Du musst selbst atmen, die kühlende Luft strömt in deine Lungen, und du spürst den Luftzug.

Schwedische Forscher fanden in den 1980 er Jahren heraus, dass Kinder, die umgehend, also in den nächsten 30 Minuten nach ihrer Geburt direkten Hautkontakt zu ihrer Mutter erhielten, als Menschen ein grundsätzlich größeres „Urvertrauen“ besaßen, als solche Kinder, die erst nach diesen ersten dreißig Minuten diesen Kontakt erfuhren. Höchst interessant war auch der Umkehrschluss, dass Mütter mit dem direkten Kontakt zu ihren Kindern ein gleichfalls innigeres Verhältnis hatten, als solche ohne diesen frühen Kontakt.

So war von Anfang an deine Haut das erste Organ, welches in Beziehung zu deiner Umwelt trat, noch bevor du sehen konntest, hören oder schmecken, riechen konntest! Was kam danach? Atmen konntest du schon bald, Sauerstoff für deine Atmung gab es in der Luft, damit konntest du versorgt werden. Doch auch die Nahrungsversorgung wurde mit dem Betreten dieser Erde gekappt. Folglich hattest du irgendwann Hunger. Wieder bestenfalls konntest du an der Brust deiner Mutter saugen, dich dort mit Nährstoffen versorgen.

Doch nicht nur um die Nahrungsversorgung geht es dabei, wie Forscher nachweisen konnten. Der Moment der Nahrungsaufnahme hat zusätzliche elementare Funktionen: Durch die Berührung der Brust mit dem Mund und durch die Körpernähe werden im Körper des Kindes notwendige Botenstoffe ausgeschüttet, die eine beruhigende Wirkung auf das gesamte Nervensystem haben. Beim Saugreflex wird der Mund, die Lippen des Kindes mehr nach vorn geschoben, so dass die Kontaktfläche der Lippeninnenseite bei Berührung der Brustwarzen besonders groß ist, und durch die Schleimhäute in deinem Mund konntest du die in den ersten 2 Tagen des Stillens besonders inhaltsreiche Muttermilch besser aufnehmen.

Ein trauriges Kapitel der Menschheitsgeschichte umfasst die sogenannten Kinderhäuser, Anstalten, in die Mütter ihre Kinder geben konnten, wenn sie sie nicht behalten konnten/wollten und in denen sog. Findelkinder untergebracht wurden. Die Sterblichkeitsrate betrug um die 99%. Ursache war das hohe Infektionsrisiko durch Mangel an Muttermilch, sowie das fehlen von taktiler Stimmulierung und fehlendem intensiven Hautkontakt.

So wichtig war dein Hautkontakt in deiner Kindheit, und es geht noch weiter. Dazu hat Anke Herold (Psychologin, Bremen) einen sehr spannenden und interessanten Aufsatz verfasst, aus dem ich hier gerne einen kleinen Abschnitt zitieren, diesen Artikel beschließen, und darauf hinweisen möchte, wie es im 5. Teil weiter geht, nämlich mit deinen körperlichen Empfindungen:

„Zum anderen ist die Haut das Kontaktorgan, über das die Wahrnehmung von Streicheln oder auch Schlägen mit der Erlebnissituation verschmilzt und zu individueller und sozialer Erfahrung führt. Sie ist das Organ, über das wir zeitlebens, kaum beeinflussbar, mit anderen kommunizieren, ob wie beispielsweise erröten oder mit Gesichtsfalten mimisch unsere Worte unterstreichen. Über die Haut des Menschen drücken sich akute Gefühlsbewegungen, typische Verhaltensweisen, langwährende seelische Belastungen und Krankheiten aus …“

Körperwahrnehmung, Teil III (192)

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„Aber bitte finde deinen Körper nicht zu gut!“ Erste Restriktionen in Bezug auf dein Verhältnis zu deinem Körper durch gesellschaftliche Prägung erfährst du als Inhalt der Erziehung. Wie lebst du damit?

Nachdem du im Kindesalter viele Regeln auferlegt bekommen hast, dich vermutlich an die meisten hieltest, erfuhrst du in deiner Pubertät viel neues, spannendes über deinen Körper. Hormonumstellungen ließen dich fröhlich und betrübt zugleich sein, du konntest lachen und weinen im gleichen Atemzug und fühltest dich vermutlich ziemlich allein gelassen mit deinem innersten Gefühlen. Spricht man gemeinhin von der Ablösung der Kindheitsgefühle hin zum Erwachsenwerden, gleichwohl Loslösung von den Eltern, und stelltest du zunehmend fest, dass deine Freunde auch nicht oft sehr hilfreich sein konnten, weil sie sich in einem ähnlichen Gefühlsumbruch befanden, so konnte es, wie bei vielen Generationen vor dir, sehr raumumgreifend sein.

Was machst du zu diesem Zeitpunkt mit deinen vielen Fragen? Wunderbar ist es vielleicht, wenn du deine Eltern fragen konntest. Oder lieber doch nicht? Ist es dir lieber gewesen, das mit dir selber auszumachen? Konntest du viele deiner Erfahrungen mit denen deiner Freunde vergleichen, mit ihnen Vermutungen austauschen und Thesen aufstellen, gefolgt von Antithesen und wieder neuen Thesen? Die starken Stimmungsschwankungen machten wahrscheinlich den Umgang mit dir nicht leichter, nicht nur für andere, auch für dich selbst.

Alles entscheidend ist aber die Frage, ob du die Veränderungen deines Körpers, die Umstellungen und neuen Gefühle in dir (er-) leben konntest! Hattest du genug Raum und Zeit, allumfassende Dimensionen – und dies meine ich wortwörtlich – um dich auf deine Empfindungen einzulassen? Dimensionen deshalb, weil es einerseits um das materielle, körperliche Dasein geht, andererseits um das psychisch – geistige Verständnis.

Das körperliche Dasein beschreibt den Umgang mit deinem sich zunehmend stärker veränderndem Körper, in vielen Regionen, noch mehr körperlichen Reaktionen. Mochtest du, was du berühren konntest, gefiel dir, was du sahest, konntest du es annehmen?

Das psychisch-geistige Verständnis bezieht sich auf deinen geistigen Freiraum. Hattest du deinen Kopf frei genug, um dich mit deinen Gefühlen zu beschäftigen. Hattest du die ganz alltägliche Zeit für dich, jenseits von bildungspolitisch vorgesehenen Leistungsvorgaben, jenseits der alltäglichen Erwartungen der Menschen, die dich auf dem Weg der Menschwerdung anleiten?

Doch mit nur „Zeit“ ist die einzige Freiheit nicht maßgeblich benannt. Hattest du überhaupt die moralisch-ethische Freiheit nachzudenken und zu fühlen über deine körperlichen Signale? Konntest du dich ihnen frei von schlechtem Gewissen und Beschränkungen durch Sitte und gesellschaftlicher Verklemmtheit nähern. Warst du in der Lage, sie zu betrachten und unvoreingenommen zu „bewerten“?

Mit bewerten meine ich nicht ein absolutes Urteil abzugeben über gut und böse, sondern einen Grad der Akzeptanz im Hinblick auf empathische, freidenkerische und individuelle Wertschätzung. [Anmerkung: in unserem Bildungssystem halte ich die massive Überbetonung von purem Faktenauswendiglernen humanistisch für mehr als fragwürdig! Eine sehr viel mehr auf ethische Inhalte gerichtete Bildung würde sicher, global gesehen, wieder zu einer menschlicheren Welt führen!]

Nicht viele Menschen hatten und haben überhaupt die Freiheit, sich selbst im Hinblick auf ihren Körper frei zu entfalten! Nicht verwechseln sollte man diesen Entwicklungsspielraum jedoch mit Orientierungslosigkeit, denn die Zeit der Adoleszenz sollte immer wieder Leuchttürme und Häfen bieten, die für jedes Menschenkind unerlässlich sind. Dabei ist es nicht leicht, den Grad zwischen moralisch-ethischen Vorgaben und deren Überschreitung durch allzu körperfeindliche Vermeidungstendenzen zu wahren.

Im nächsten Teil von Körperwahrnehmung mache ich mir Gedanken über die Bedeutung von Berührungen in all ihren Facetten.