Beliebige Bilderflut [105]

Ich sehe das anders. Bilder, überall. Selfies, wohin man digital blickt, alle filteroptimiert. Menschen wurden vor der Kamera abgelichtet, die Ergebnisse sind sichtbar auf all den einschlägigen Plattformen im Internet. Präsentation als Sinn und Zweck scheint der Darstellung von Kunst (Fotografie war niemals ausschließlich Kunst) gewichen zu sein. Bilder, nein, Fotos erschaffen eine virtuelle Realität. Ich bin etwas überfordert mit dem Maß der Nutzung der digitalen Virtualität und ich bin schon etwas erfahrener im Leben, heißt, ich habe vieles gelernt, vergessen, erlebt, gelitten, mich an Vielem erfreut und manchen Schwindel und Hype über-lebt. Wenn es für uns Menschen einen Horizont gibt und ich ihn beschreiben würde, so begänne ich am Tellerrand.

Mein Leben hat, wie vielleicht auch Deines, viele Gewässer durchschifft, hat manchen Sturm gemeistert, sonnige Tage erlebt, aber auch den ein oder anderen Schiffbruch erlitten. Bis heute und hier hin aber bin ich am Riff nicht verendet, sondern konnte allein oder mit Hilfe anderer Menschen ein neues Schiff bauen und die Reise fortsetzen. Wieder mit sonnenbeschienenen Stränden und schweren Unwettern, Flauten und Stürmen, in voller Gleitfahrt und vor sich hin dümpeln. Mal sogar zurück treibend. Bis heute habe ich damit einen Fundus errichtet, der mir aus heutiger Sicht eine schier unendliche Vielfalt an Erinnerungen darbietet, Erinnerungen, die sicher in ihrer Gänze total eingefärbt mit Gefühlen in einem zumindest rosigen, bisweilen aber auch dunklen Licht auftauchen.

Sitze ich gedanklich auf der Luv-Seite in der Sonne, blicke zum Horizont, den warmen Wind auf meiner Haut, die Geräusche des Bootes, das mit nur dem Wind durch die sanften Wellen des Meeres schneidet, so verliere ich mich gerne immer wieder in den vergangenen Welten von einst. Aus dem eigenen Repertoire tauchen Gedankenkonstrukte auf, immer gefühlvoll begleitet von Gerüchen, ich rechtfertige und erkläre, genieße, ich lebe nach und fühle. Von Zeit zu Zeit entführt mich eine Welle oder Boe in die nähere Dimension, blicke auf die Segel, korrigiere behutsam den Kurs, um gleich wieder in die entfernten Welten der Erinnerungen zu gleiten.

Doch ich war beim Foto. In jeder erdenklichen Situation werden Fotos geschossen. Was viel entscheidender ist, sie werden alle gepostet! Alle paar Minuten, Stunden. Tage eher nicht, denn das ist zu viel, das verzeihen die Follower nicht und entfolgen. Die älteren Fotos, mit einem Alter von vielleicht 4 Stunden sind schnell wertlos und verschwinden im Nirvana des www. Was bezwecken wir Menschen mit dieser Lebensweise, diesem Handeln und Posten von Essen und Haustieren, von Looks und Schmuck, von Nahrungsergänzungsmitteln und Proteindrinks und besondes Urlaubsdestinations? Als öffentliches Tagebuch zur eigenen Doku könnte man es möglicherweise verstehen, doch was gezeigt wird, ist häufiger das, was sein sollte, anstatt dem, was tatsächlich ist. Der Sinn und Zweck erschließt sich mir immer weniger. Wie geht es Dir damit? Was erwirkt diese Überflutung von Medien in Dir? Welchen Stellenwert hat ein Foto für Dich? Wie viele Fotos lagern in Deinem RAM? Oder Videos? Wie siehst Du den (hauptsächlich) deutschen Widerspruch von abnehmenden Zahlen der Abbildungen von Menschen in der Streetfotografie bei gleichzeitiger Flut von Selfies oder Buddies in den sozialen Netzwerken? Fragen über Fragen, und hier sitze ich und staune! Naja, nicht wirklich, gleich fängt Djungelcamp an. 😂

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The show must go on. Vom Posing [104]

Posing, die Bezeichnung für das Einnehmen einer bestimmten Körperhaltung für eine Fotografie, stellt ein wesentliches Merkmal einer Bildaussage dar. Vielfach vernachlässigt entscheidet die Haltung in Verbindung mit Mimik explizit über Gedeih und Verderb einer Bildaussage, über die Wirkung oder die Beliebigkeit eines Bildes.

Ein Bild kann noch so gut ausgeleuchtet sein, das Spiel mit Licht und Schatten so exzellent ausgearbeitet sein, die Verläufe von Farben und Formen durch Perspektive und Winkel so passend erfasst sein, die Kontraste und Verläufe der Strukturen so harmonisch oder gegenläufig eingefangen sein, kurz, technisch kann die Aufnahme von tadelloser Finesse gekennzeichnet sein, wenn die Pose auch nur in geringer Weise irritiert, so bildet dies einen entscheidenden Störfaktor bei der Beurteilung einer Fotografie. Zumindest dann, wenn es um vorzeigbar künstlerische Qualität gehen soll.

Damit meine ich nicht die vielen Millionen Bildchen bei Instagram oder Facebook, oder in anderen sozialen Netzwerken, die eine andere Orientierung haben, wie es zum Beispiel bei 500px, Flickr, und anderen Plattformen, die mehr auf Bildpräsentation ausgerichtet sind, als der Darstellung der User zu dienen. (Eine gesunde Mischung aus Präsentation und möglicher einfacher Kommunikation in Form einer Anwendung habe ich bisher noch nicht gefunden, vielleicht muss man es selbst generieren)

Auch die starke Tendenz der Zurschaustellung möglichst wenig bekleideter Menschen in den Fotogruppen bei FB ändert für mich nichts an der Tatsache, dass Posing ein vielfach unterschätztes Mittel ist. Viel Haut macht ein Bild noch lange nicht gut (obwohl es oft viele Likes mehr erhält, als Portrait und Lifestyle). Ich sehe es ganz im Gegenteil. Bei weniger Kleidung ist in meinen Augen die Qualität der Arbeit der Protagonisten noch viel wesentlicher. Es ist dabei sehr viel mehr Vertrauen, Einfühlungsvermögen und Gespür vonnöten, um nicht nur „Nacktbilder“ zu erstellen, sondern (künstlerischen) Akt oder Teilakt, wie auch verdeckten Akt. Letztgenannter stellt in meinen Augen nochmal mehr eine Möglichkeit dar mit dem zu spielen, was Kunst, Phantasie und Kreativität miteinander verbindet. Das aber nur am Rande.

Wo beginnt Posing und endet der Zufall? Keine Frage, es gibt atemberaubend schöne Bilder, die in einem Moment der absoluten Entspannung entstanden sind, die als Produkt des Zufalls sozusagen nebenbei entstanden sind. Doch sie sind meines Erachtens rar. Was ist also notwendig, damit man einer Idee eine Form, einem Gefühl einen Ausdruck geben kann? Sind der Blick und die Mimik Zutaten, die der Komposition einen Körper geben? Was ist mit den Gliedmaßen, was mit der Haltung des Kopfes, was mit der Stellung der Beine, dem Winkel von Kopf, Schultern und Rücken? Kann eine Drehung von Hüfte bis Kopf tatsächlich die Spannung erzeugen, die von vielen Fotografen und noch mehr Betrachtern so geschätzt wird?

Eine der am häufigst gestellten Fragen ist jene nach der Haltung und Stellung der Hände: „Und was soll ich mit meinen Händen tun?“ Was sieht natürlich aus, erscheint sinnvoll und was bereits gepost? Was erzeugt Widerstände beim Betrachter, was irritiert den wohlwollenden Besucher Deiner Werke? Oder initiierst Du eine Situation, in der gerade die überzogen künstlichen Positionen die Aussage des Bildes erst darstellen? Um dich der Möglichkeiten zu bedienen brauchst Du, wie so oft im Leben, das Rüstzeug des Basiswissens, um einzustellen, zu dirigieren, zu komponieren. Das Wissen über das, was fehlschlagen kann, bewahrt vor einfachen Fehlern, denn die passieren sowieso, weil wir Menschen sind. Aber eine solide Basis vermindert deren Wahrscheinlichkeit um ein gesundes Maß. Und welche sind es?

Wie kann ich Hände halten? Wie viele Ausdrücke kann mein Gesicht nur durch Veränderung der Lippen erzeugen? Dabei habe ich noch nicht über meinen Kopf selbst gesprochen, den ich neigen und drehen kann, in jede Position bringen, die in Verbindung mit allen anderen möglichen Variablen so mannigfaltige Gefühle darzustellen vermag. Denke nur an Haare, Wangen, Stirn, vor allem aber an die Augen. Gehe also den Schritt weiter, als „Stell‘ Dich mal hin und lächel!“

Reicht ein Foto? (Intermezzo)

TfpShooting, photoshootings mayen eifel

mies-vandenbergh-fotografie.de

Ich gebe es zu. Ich bin ein leidenschaftlicher Sammler. Von nahezu jedem von mir besuchten Ort der Welt habe ich etwas mitgebracht. Nicht nur von Urlaubsorten, auch von dort, wo ich nur einen Spaziergang lang Zeit hatte, brachte ich etwas mit. Manchmal war es recht viel, meist zuviel, meine Taschen waren hin und wieder bis zum Bersten gefüllt.

Zuhause angekommen galt es die Taschen zu entleeren, doch letztendlich stellte sich immer die Frage, wohin damit. Es fand sich aber bis heute immer noch ein Plätzchen, wo die mitgebrachten Dinge abgelegt werden konnten. Im Laufe der Jahre wurden es immer mehr, immer mehr mutete es an, wie eine Sammlung. Es schien sich ein Konglomerat an unterschiedlichsten Strukturen zu bilden, wobei der Sinn und Zweck der Ansammlung nur in dessen Existenz zu erkennen war.

Es ließ über all die Jahre hinweg nur marginal nach. Jeder Besuch in einer neuen, manchmal sogar in einer alten mir bekannten Region ließ mich hinsehen und zugreifen, aussuchen, wählen, wegschmeißen und erneut suchen. Immer wurde ich fündig. Die Größe des Mitbringsels war nur am Rande von Bedeutung und wurde prinzipiell nur von der praktischen Umsetzbarkeit eingeschränkt. Wenn es nicht anders ging, so konnte es nur ein kleineres Erinnerungsstück sein, wenn es aber möglich zu transportieren war, so nahm ich gerne die Last auf mich.

Wer nun denkt, dass ich im Laufe der Jahre die Herkunft der einzelnen Exemplare vergessen hätte, der täuscht sich – nicht. 😉 Es wäre nicht ehrlich, wenn ich behaupten würde, ich erkenne jedes gesammelte Stück und weiß noch, wann und woher ich es habe. Aber es sind noch viele Exemplare, deren Herkunft und Fundort ich exakt vor Augen habe, die mich an die Zeit von damals erinnert, die mich den Geruch in der Luft, die Geräusche der Umgebung und vor allem die Gefühle der Seele nachempfinden lassen. Manche verbinden mich mit Menschen von damals, aber auch mit dem Menschen von mir, der ich damals war, der aus heutiger Sicht nicht immer der geliebte war, sondern auch der, den ich aus heutiger Sicht nicht recht verstehen kann.

Nun betrachte ich all die Dinge, die mit mir alle Umzüge quer durch die Republik mitgemacht haben, die meine Zimmer einst zierten, von denen es heute noch manche tun. Umzugshelfer, darunter viele Freunde, zweifelten an mir, ob es denn wirklich sein müsste, DAMIT wieder umzuziehen, denn zugegeben, sie waren nicht nur nicht leicht, sie waren auch in der Überzahl. Doch ja, sie ahnten, dass es keinen andern Ausweg gab, schließlich warteten einige von ihnen auf gemeinsamen Reisen oftmals geduldig auf mich, bis ich genug ausgesucht hatte.

Heute, viele Jahre später, stehe ich oft da, blickte manche an, nehme hin und wieder einen in die Hand, fühle ihn, spüre ihn, sehe ihn ganz genau an, erfreue mich an seiner Schönheit, denke an und fühle die damalige Zeit, schmunzle oder werde traurig, und frage mich, (und ich möchte gerne an dieser Stelle auch DICH fragen!) wie es wohl wäre, wenn ich all diese Exemplare hätte liegen lassen und statt ihrer nur ein Foto derselben gemacht hätte.

Wie wäre das? Reicht es aus, lediglich ein Bild einer Sache zu haben und wäre es das Gleiche? Sind nicht alle Dinge nur Dinge, die irgendwann vergehen?

Vitrine Fotografie Sammlung

Sammlung von Erinnerungen

Vielen Dank Mitzi Irsaj für Deinen Blogbeitrag, der mich daran erinnert hat, dass ich schon jahrelang mit dieser Thematik schwanger gehe.😊

Garten Mauer Koblenz

Diese Erinnerungen sind nun fixiert

Reminiszenz, Teil 2 [101]

Fotoshooting Koblenz Portrait tfpShooting

mies-vandenbergh-fotografie.de

Wie sehr man den Erfahrungen der Vergangenheit Raum in der Gegenwart einräumt, hängt davon ab, was man erlebt hat und wie es sich auf das Leben ausgewirkt hat. Die Frage, ob man zur Erkenntnis gelangt, man habe schon alles erlebt und es gäbe nichts neues mehr zu erfahren, beantworte sich jeder Mensch selbst. Während der vielen Schritte der eigenen Entwicklung durchlaufen Menschen verschiedene Stadien der Erkenntnisse. Was geschieht, wenn man denkt, man habe alles erkannt und was, wenn der zweite, viel entscheidendere Schritt der Erkenntnis eintritt, man könne nur wenig bis gar nichts verändern, in einer Resignation endet?

Wenn das Leben einen Menschen lehrt, dass jede Handlung Grenzen aufzeigt und dass diese Grenzen bisher nicht überwunden werden konnten, ganz gleich, ob die Ziele einer Handlung zu hoch oder die Anstrengungen zu gering, die Zeit einfach die falsche oder der Ort nicht der richtige war, ist nicht, was bleibt, immer das gleiche Resultat: Scheitern?

Wie oft stehst Du auf, nachdem Du fielst? Ist es irgendwann genug? Arrangieren sich nicht allzu viele Menschen in ihrer Komfort-Zone, liegend, Menschen, die nur dann wieder aufstehen, wenn diese Komfort-Zone in Bedrängnis gerät? Menschen, die bis zu diesem Zeitpunkt allenthalben nur schreien?

Wie ist es in einem Leben innerhalb einer Resignation? Wenn alles außerhalb der Komfort-Zone belanglos und ein Zeitvertreib darstellt, den es höchstens mal zu kommentieren, bestenfalls zu verurteilen gilt! Immer aber schön aus der Komfort-Zone heraus, dann aber mit Nachdruck. Um nicht allzu nah heran zu kommen, oder gar ergriffen zu werden, von der beobachteten Situation, einem Geschehen, einer Entwicklung, immer dann ist ein virtueller Abstand schon nicht schlecht. Also, paradiesische Zustände in dieser unseren digitalen Welt, oder? Klick – Weg, Schalt – um!

Reisen formt den Charakter (Teil 5) Panamá

Die Feste des Bürgermeisters und andere Begegnungen.

Am zweiten Abend ludt der Bürgermeister der Stadt Portobelo zu einem kleinen Fest. Er hieß uns persönlich willkommen, drückte seine Freude über unser Kommen aus, betonte die Bedeutung für seine kleine Stadt, die außer einigen Seglern selten derartige Aufmerksamkeit erhielt, wie jetzt zu diesen Tagen der Begegnung. Erneut in Spanisch und Englisch erfuhren wir etwas über die spannende Geschichte der Stadt, die vieles mit der Anlandung der Spanier im frühen 16. Jahrhundert zu tun hat, aber auch mit dem Freibeuter Sir Francis Drake.

Genauso berichtete er von den Zeiten der Diktatur unter General Noriega und den erst um 1984 stattgefundenen Freiheitskampf der Bewohner Panamas. Nicht alles ist besser geworden seit dem, leider klafft weiterhin eine große Lücke zwischen Panama-Stadt und dem Rest des Landes, sowie zwischen Reich und Arm, was in vielen Fällen auch zwischen Regierung und Volk, leider durch Korruption, vielfach verbreitet ist.

Auf dem Bild oben sieht man die Art der Wasserversorgung in Portobello. Die weißen Rohre zeigen die Frischwasser-Leitungen der Stadt. Abwasser läuft in kleinen offenen Kanälen, die als Bett für die Leitungen dienen. Wasser wird nicht abgerechnet, da die Leitungen an vielen Stellen undichte Stellen aufweisen. Eine Aussage der Bewohner der Stadt war in diesem Zusammenhang, dass einige Gelder für die Ausrichtung des Weltjugendtages vom Ausbau der Wasserversorgung zweckentfremdet wurden. Die übereinstimmende Aussage der Bewohner von Portobelo war, dass sie sehr gerne ihre Mittel und Möglichkeiten zur Ausrichtung des Weltjugendtages geben, sie wären aber sehr gerne vorher gefragt worden.

Nach der Ansprache des Bürgermeisters fand ein Fest mit Musik und Tanz statt, das einen derart großen Erfolg und eine riesig gute Resonanz bei allen Beteiligten erreichte, sodass es noch drei Mal wiederholt wurde. 😊 Beim ersten Mal war eine örtliche Tanzgruppe zugegen, die aus Kindern und Erwachsenen bestand, sie stellten spielerisch und tänzerisch mit viel Enthusiasmus und Begeisterung die Geschichte des Landes dar. Wir waren begeistert.

Auch ein „kleiner“ Regen konnte allen nichts anhaben, es trocknete alles relativ schnell…. 😊

Nach der Darbietung wurde uns noch eine Art Disco geboten, der Bürgermeister spendierte Getränke für alle und eine Beschallung der für uns ungewohnten Art ließ uns im wahrsten Sinne des Wortes aufhorchen: Zwei Vans waren jeweils zu einer Art Musikbox umgebaut worden, die es an Lautstärke durchaus mit einem Düsenjäger hätte aufnehmen können. Von Salsa über Techno bis zu House wurde alles gespielt, alle Menschen tanzten dazu und feierten ein rauschendes Fest der Begegnung.

Ich ging irgendwann zu einem der Fahrzeuge und äußerte einen Musikwunsch, der auch sogleich gespielt wurde, es war nichts Einheimisches, wurde aber nicht minder gut angenommen und mit Begeisterung getanzt (Robert Miles – Children)

Nachdem ich meinen Wunsch hatte spielen lassen, trauten sich auch andere ihre Wünsche zu äußern, und es entstand eine bunte Mischung aus mittelamerikanischen Klängen, europäischen Songs und sogar einem recht bekannten deutschen Volksmusik-Stück von Frau Fischer, (man möge es mir nachsehen, dabei war ich zwar raus, aber jedem das seine!)

Die Feier endete abschließend mit der Abholung der Teilnehmer der Reisen aus Kolumbien, Mexiko, Brasilien, Ecuador und Chile so gegen 19.30 Uhr. Auch ich trat meine Heimreise an, dazu im nächsten Teil mehr.

„Schicksalsschläge“ wäre nicht das richtige Wort (in Memoriam 🍃)

Tausend Dinge wandern durch die Hände,

Gedanken voll von tiefer Trauer,

Einst gelebt in diesen Wänden,

Bleiben keiner Bilder, nur noch Mauer.

.

Jedes einzelne beschreibt ein Jahr,

Erinnerungen, kaum mehr wahr,

Im Herzen wirst Du bei mir bleiben,

wo immer ich auch werde treiben.

.

Manches von den vielen Dingen,

kommt mit mir zur nächsten Welt‘,

Deinen Enkeln das zu bringen,

was an Liebe Du uns einst geschenkt.

.

Letztlich ist’s zwar nur ein weltlich Teil,

doch als kleines Od aus Deinen Händen,

erinnert es an Deiner Wärme Heil,

mit einem Lächeln in uns tief,

erinnern wir uns täglich bei dem Blicke,

trotz Deiner Reise hinterlass’nen Lücke,

wie das Wort Liebe Du uns riefst.

Du. Bist. Schuld. [99]

Fotoshooting Koblenz Portrait tfpShooting

mies-vandenbergh-fotografie.de

Kann von Schuld überhaupt die Rede sein?

Was bedeutet dir deine Schuld? Wie gehst du damit um? Kannst du deine Schuld eingestehen? Relativierst du deine Schuld und teilst sie auf in kleine Teile, die nicht alle deine Schuld ausweisen? Oder bist du eher analytisch, siehst deine Schuld und erkundest, wie es zu dieser Schuld kam? Vielleicht übergehst du alle Schuld, ignorierst sie und gehst über zur Tagesordnung? Flucht wäre eine Alternative? Schnell weg?

Der Umgang mit Fehlern ist eine der schwierigsten Herausforderungen unserer Kommunikation. Fehler macht jeder. Einer macht ihn, ein anderer bemerkt ihn. Was nun? Wie können die Reaktionen aussehen?

  • Hey Du, Du hast einen Fehler gemacht!
  • Hey Du, hast Du einen Fehler gemacht?
  • Hey Du, ist das richtig, was Du gemacht hast?
  • Hey Du, ich habe ein Problem, ich verstehe nicht, was dies bedeutet.
  • Hey Du, kannst Du mir helfen, folgendes nachzuvollziehen?
  • Hey Du, wie hast Du dies gemacht?
  • Hey Du, habe ich Dich richtig verstanden, wenn ich denke, dass es so gemeint war?

Möglichkeiten auf einen Fehler zu reagieren sind so vielfältig, wie unsere Sprache. Jeder hat schon von „Ich-Botschaften“ und „Du-Botschaften“ gehört. Jeder hat schon davon gehört, das es Aussagesätze und Fragesätze gibt. Möglicherweise hat mancher auch schon von ihrer Wirkung gehört. In der Theorie ist es vielleicht nicht so schwer die Unterschiede anzuwenden, doch die Praxis sieht allzu häufig anders aus. Ich bin da nicht anders, ganz und gar nicht. Ich versuche es, es gelingt immer besser, aber immer wieder falle ich in Verhaltensmuster zurück, die ich schon längst als ausgemerzt gesehen habe. 🙈

„Du bist schuld!“ meint immer auch „Ich nicht!“ „Ich bin besser als Du, weil mir dieser Fehler nicht passiert ist! In diesem Moment ist es eine wahre Einladung sich zu erhöhen, den anderen zu erniedrigen. Besonders bei jenen Menschen, deren Ego und auch Charakter nicht besonders stark ist beobachte ich diese Reaktion. Wie ist Deine Erfahrung? Doch Fehler sind das, was man machen wird, wenn man handelt. Handle ich nicht, lindnere also, so ändere ich nichts, das Leben nicht, eine Situation nicht, eine Lage nicht. Nur der Umgang damit ist etwas zutiefst komplexes, da er viele unterschiedliche Parameter hat. Wie gravierend ist ein Fehler, welche Situation ist es, und wer wird betroffen? Gibt es menschlichen Schaden, physisch oder psychisch, oder nur materiellen Schaden? Ist eine Anstrengung vergebens geworden, gilt der Schaden der Zeit? Welche Folgen sind real oder zu erwarten? Gibt es einen Lerneffekt? Ist Buße eine gute Idee oder Vergebung? Im kleinen Fehler wie im großen, im einmaligen wie im wiederholten, worin liegt die Ursache? Kann die Ursache bei der Betrachtung in Erwägung gezogen werden oder ist erst im Nachhinein von Bedeutung?

„Du bist schuld!“ ist ein Phänomen geworden, in vielen Lebenslagen und an vielen Orten scheint durch die nachlassende Fähigkeit zu kommunikativem Umgang der Ton rauer geworden zu sein und eine Verteidigungsstrategie liegt im Geiste stets bereit. „Nein!“, „Doch!“, „Nein!“, „Doch!“,…. konstruktiv sieht anders aus. Was erlebst Du so in Sachen „Fehler“ und „Schuld“? Hast Du Dich heute schon entschuldigt? Wurde Dir verziehen, oder hast Du eine Reaktion lieber gar nicht erst abgewartet? Nee, nicht wahr? 😊

Intermezzo (Reisen formt den Charakter, Teil 1) Panamá

Zwei Wochen Panama. Leben in zwei mir vorher unbekannten einheimischen Familien, am Atlantik die eine, am Pazifik die andere, als einzelner Gast. Keine Medien-Nutzung. Leben als Grundlage, Kommunikation und Kultur in nächster Nähe.

Vom Großen zum Kleinen, ungeordnet, zunächst wollen Gedanken aufgeschrieben werden. Eindrücke mannigfaltigster Art explodieren förmlich im Gedächtnis und Herzen.

Was sonst, mag sich derjenige denken, der reist, der mit offenen Augen jenseits der Pauschal- und Bettenburgen-Urlaube schon einmal unterwegs war, und damit nicht dem örtlichen Tourismus zum Opfer gefallen ist. Panama, für mich ein Land voller Gegensätze, nicht nur, was die Einkommensverteilung und Lebensstandards angeht. Laut Glücksforschung Land Nummer 7 auf der Liste der glücklichsten Länder der Erde. Temperatur ganzjährig um die 28 Grad Celsius bei einer über 90%igen Luftfeuchtigkeit, außer in der Regenzeit, dann noch höher.

Es war Januar, außerhalb der Regenzeit, es scheint ein guter Zeitpunkt für eine Reise in dieses schmale, lange Land in Mittelamerika gewesen zu sein. Zwar regnete es hin und wieder, jedoch nur kurz und wenig heftig.

Wo beginnen mit den Erlebnissen und Erfahrungen, den Geschichten und Schilderungen? Einige Tage ist es nun her, dass ich nach Deutschland zurück gekommen bin. Alles wirkt noch immer ganz nah und bewusst, aber ungeordnet. Starke Eindrücke wechseln sich in Gedanken mit Belanglosigkeiten ab. Ein Blog ist nicht der beste Ordner dafür, das Reisetagebuch schon eher.

Teil 1 Anreise:

Bahnfahrt von Koblenz (2°C) zum Flughafen München(-4°C). Alles pünktlich. Bahn und Flug. Bogota(14°C) als Zwischenstop, dann Panamà(24°C), wie die Einheimischen ihre Hauptstadt Panama-Stadt zu nennen pflegen.

Verabreden sich in Panama (es sind zum Teil Geschichten, die ich hier notiere, angeregt durch Erzählungen meiner Gastfamilien, deren Freunden und Verwandten, ohne dass ich sie überprüfen wollte!) die Menschen und sagen beispielsweise fünf Uhr, dann kommen sie um fünf, oder um zwei oder um halb sieben. Wenn sie es aber genau nehmen möchten, so lautet die Verabredung Fünf, German Time!

Die Flüge waren also nach ca. 15 Stunden absolviert. Ankommen am Tecumen Airport. Transfer direkt mit dem Bus (siehe unten) die ca. 90 km vom Pazifik an die Karibik nach Portobelo. Dazu weiter im nächsten Intermezzo.

#caminorealpanama #cultourpanama @cultourpanama

Aufruhr [98]

Fotoshooting Portrait Koblenz tfp Shooting

mies-vandenbergh-fotografie.de

Gedanken, Einfälle und Ideen sind für mich oftmals der Beginn einer Handlung. Sie konstruieren möglicherweise allein durch ihre Erscheinung ein neues Ziel im Leben. Dieses Ziel kann mal groß, mal kleiner sein. Eine Wertigkeit ergibt sich wie von selbst, das Ziel wird eingeordnet in mein Leben, eingegliedert in all die bereits vorhandenen Ziele meines Lebens.

Dabei bilden Verschiebungen der Ziele, manche werden wichtiger, andere unwichtiger, eine spannende Begleiterscheinung. Besteht das Leben doch aus vielen kleinen und großen Entscheidungen für oder gegen eine Idee und dadurch Handlungsweise, lerne ich mich darauf einzulassen. Prioritäten ändern sich ständig durch neue Erkenntnisse, werden dadurch ebenfalls verschoben. Gleichfalls fallen einige meiner bestehenden Ziele weg. Widersprüche und Konfrontationen gilt es auszuräumen, wobei die Zeit als essentieller Faktor eine große Rolle spielt. Das zeigt sich beispielsweise darin, dass nicht jede Frage zeitnah oder sogleich beantwortet werden kann. Die Lösung eines Problems ergibt sich damit erst im Laufe der Zeit durch weitere Wandlung oder auch Inklusion.

Wenn ich es etwas anders ausdrücken möchte, so kann ich behaupten: „Entdeckungen und Ideen sind unter anderem jene Motoren, die meinen Geist herausfordern, die ihm einiges abringen, um in meinem Verständnis ihren Platz zu fordern.“

Oft erschließt sich, wie oben bereits erwähnt, nicht sofort der Zusammenhang von Leben und neuen Ideen, von Verhalten und Wirkungen. Oft denke ich an Sinnlosigkeit, da sich mir der Sinn einfach nicht erschließen will. Dennoch, irgendwann zeigt sich ein (tieferer) Sinn. Hin und wieder verweigere ich mich aus den unterschiedlichsten Gründen den Veränderungen, sie brauchen manchmal einen erneuten Anlauf oder ein besonderes Erlebnis, um ihren Platz zu einnehmen zu können.

Wie ein Puzzle scheint sich mein Geist und insbesondere seine Ausrichtung zusammen zu setzen, nicht jedes Teil passt an jede Stelle und schon gar nicht zu jedem Zeitpunkt. Verfolge ich eine (neue) Idee, so ergeben sich natürlich fortlaufend neue Erkenntnisse. Diese erreichen mich selten in DEM aufnahmefähigen Moment, in dem sie passen, sie auf ein Verständnis stoßen, oft geschieht es erst hinterher. So setzt sich die ein oder andere Idee fest, leitet mein Verhalten mit an und bringt verschiedene Vorhaben zur Umsetzung.

Doch nicht jede ist von Dauer. Wie während der Gezeiten scheinen Inseln aufzutauchen, die im nächsten Augenblick durch eine neue Idee schon wieder verschwunden sind, ohne dass ich jemals meinen Fußabdruck auf ihr hinterlassen hätte. Einfälle, als kleinere Elemente, kommen und gehen, werden von mir verworfen und verschwinden, andere werden aufgegriffen und umgesetzt. Manche davon sind sozusagen der Keim, der bei Beachtung und Beschäftigung mit ihm zu einer Handlung und einem wegweisenden Projekt führen wird, das meine Persönlichkeit mit ausmacht.

Es ist spannend für mich zu beobachten, wie sich nach Erkenntnissen oder neuer Orientierung einige Ziele neu ordnen, andere Ziele sich unterordnen und durch bestimmte Ideen ganze Stränge von Handlungen verändert werden, ja manchmal gänzlich abreißen. Was gestern noch wichtig erschien, kann morgen schon an Bedeutung verloren haben. Gelingt es mir, die neue Perspektive bereits vor der Umsetzung einer Idee einzunehmen, kann ich sehr gut die Wichtigkeit der aktuellen Ziele abwägen, und eine gewisse Gelassenheit (nicht Gleichgültigkeit) verschafft mir eine innere Ruhe und Übersicht, die für mich ein gesundes Handlungs-Fundament bildet.

Gegenteilig kommt es auch vor, dass Ideen, nachdem ich sie zu integrieren versuchte, sich als Irrglauben oder kontraproduktiv herausstellten. Dann lasse ich sie passieren, löse mich von ihnen, oder begegne ihnen aktiv. Irrungen sind und bleiben Teil meines Handelns, dazu bin ich Mensch, zum einen und zum anderen gilt es manches zu erkennen, was vorher nicht deutlich für mich zu erkennen war. Und auch das bildet einen Teil meiner Erfahrungen, die als Teil von mir zunächst einmal schmerzlich sind, mit der Zeit jedoch als jene Hinweise fungieren, die Verhaltensweisen andeuten und damit eine Art Gelassenheit bei erneutem Auftreten mir zur Seite stellen, damit ich die innere Ruhe zur Begegnung einer ähnlichen Situation bewahren kann. So manches Mal half es mir die Übersicht zu behalten.

Abschließend stelle ich fest, dass Ideen und Einfälle immer eine Handlung hervorrufen, eine Reaktion, die zeigt, an welcher Stelle ich mich befinde, welch Geistes Kind ich bin, in diesem Moment, mit dieser Situation. Niemals lerne ich aus. Aus Täuschungen und Irrungen bildet sich ein Charakter wie aus gelungenen Werken und erreichten Zielen. Scheitern und Gelingen, Verlieren und Gewinnen sind Teil des spannenden Lebens. Verschiebungen von Prioritäten sind für mich ein Zeichen, dass ich noch denken und analysieren, bedenken und handeln kann. Eine Kehrtwende ist Teil eines Weges, der niemals nur geradeaus führt. Und Ideen und Einfälle sind die Abzweige von einem Weg, die zeigen, es gibt niemals nur den einen richtigen Weg. Umwege und Abkürzungen können auf mich warten und auch, wenn der Weg der des Lebens ist, so ist die Art, wie ich gehe, meine Entscheidung, meine Entscheidung für oder gegen eine Idee, für oder gegen einen Einfall, für oder gegen ein neues oder altes Ziel, für oder gegen eine Handlung. Wie sieht es bei Dir aus? Hast Du Ideen und Einfälle, die Dich beschäftigen? Jenseits von der Frage, ob Du heute Erstes, Zweites oder Drittes Programm oder Channel guckst? 😉