Was ich besser machen könnte… Teil 1 von 12 [Intermezzo]

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1. Slang, Dialekt, Akzent.

Aufgewachsen in Düsseldorf habe ich zwar manchmal das rheinische Platt gehört, meine Großmutter väterlicherseits beispielsweise sprach es in manchen Momenten, als könne sie gar nicht anders. Ein (zugegeben aus weiter Erinnerung stammendes) Beispiel: Am Esstisch, beim gemeinsamen Abendessen – „Donne misch ema de Woosch erövver!“ Jedes der Worte ohne wirkliche Trennung vom anderen, wie ein einziges Wort gesprochen. Heißt in Hochdeutsch: „Reichst Du mir bitte die Wurst herüber.“

Aufgewachsen in einem Elternhaus, in dem der Tenor lautete: Ja kein Platt reden, das ist die Sprache der Gosse. Verboten. Außer bei Oma. Und zwar nur bei Oma väterlicherseits, bei der Mutter meiner Mutter wurde Knigge in Reinstform gelebt. Höflichkeit war viel Wert und brachte in dieser ganzen Familie höchste Achtung. Klar, bei uns zu Hsuse gab es auch einen Knigge. (Für all jene, die nicht wissen, was „Knigge“ bedeutet, Freiherr Adolph von Knigge formulierte eine Reihe von Regeln, die den Umgang der Menschen miteinander in einer sehr höflichen, freundlichen und achtungsvollen Weise anleiten sollte.) Verinnerlicht habe ich ihn nicht gänzlich, aber mit 17 kannte ich seinen Inhalt ganz gut. Und ich verhielt mich meist so, zumindest dort, wo es angebracht oder notwendig erschien. Zurück zum Platt. Was wurde daraus?

Ich habe eine verstärkte Aversion gegen jede Form der Dialekte zurückbehalten. Heute, wie gestern bewundere ich Menschen, die akzentfrei sprechen. In der Vordereifel und in Koblenz bin ich genauso wenig gut aufgehoben, wie in meiner Geburtsstadt Düsseldorf. Ich bewundere Menschen aus dem Münsteraner Raum, Gütersloh, Paderborn, Westfalen, ein Bezirk, wo der Dialekt aus reinstem Hochdeutsch besteht. 😍😍😍

Ich muss mich bessern. Bairisch akzeptieren lernen, obwohl ich nix verstehe. Aussetzer bekomme ich regelmäßig, wenn Worte einfach getauscht werden oder die Bedeutung kurzerhand geändert wird. Beispiele aus Mayen: Fliegen, also die gewöhnliche Stubenfliege heißt hier Mücke. Anderes Beispiel: Das Wort nehmen wird so mir nichts dir nichts durch holen ersetzt. „Dat Lehnchen hat aber schwer abgeholt!“ Ich: „Wen hat Lehnchen abgeholt?“ Nee, Olaf, Lehnchen hat abgenommen, en paar Kilo. 😂

Aber nicht nur hier, auch andere Gegenden in Deutschland sind für mich sprachlich gesehen „Kann-nix-verstehen-Land“ Ich habe damit ein Problem, das ich in den Griff bekommen muss. Ich versuche es. Es sind ja nicht die Menschen dort, die kann ich gut leiden, sondern nur meine eigenen Probleme mit der Kommunikation. Mein Fehler. Ich kann es nicht leiden. Tut mir leid, ehrlich, aber dieses Gefühl überkommt mich einfach so. Ich arbeite daran, versprochen! Einen schönen Abend, Dir, liebe Leserin und Dir, lieber Leser und vielleicht hast Du ja einen Tipp für mich.

Gehabt Euch wohl!

5 Gedanken zu “Was ich besser machen könnte… Teil 1 von 12 [Intermezzo]

  1. Lieber Olaf,
    Ich habe mittlerweile in so vielen Regionen in Deutschland gelebt und musste jedes Mal das Deutsch neu lernen.
    Am Niederrhein machen die Leute die Tür oder Geschäfte los, statt sie zu öffnen und fahren mit de Fitz, statt mit dem Fahrrad.
    Im Ruhrgebiet bin ich auch auf das Dat und Wat gestoßen.
    In Niedersachsen bin ich mit dem Plattdütsch aufgewachsen und schnacke immer noch ein paar wenige Worte, wobei es dort auch wieder von Dorf zu Dorf unterschiedlich ist, auch wenn nur 5 km dazwischen liegen.
    Daraus habe ich mittlerweile meinen eigenen Sprachgebrauch gemacht.
    Oftmals sagt mein Vater dann zu mir, wenn ein plattdeutsches Wort bei mir einfließt, dass ich es falsch ausspreche. Aber dort, wo ich gerade wohne, wird es nun mal so ausgesprochen.
    Da gibt es glaube ich, kein Patentrezept. Dat tut man lernen mit de Tied.
    Liebe Grüße
    Nella

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    • Nein, Nella, das denke ich auch und ich arbeite weiter an mir. 😊 Danke für Deinen Kommentar. Ich lebte auch schon im Pott, in Berlin und anderswo, und tat mich immer recht schwer mit dem Slang, verstand zwar fast alles, (außer Bayern) doch vom Gefühl her dachte ich, WIE IST DAS MÖGLICH…. 😂

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  2. Tja, ich bin in Duisburg, mit ‚dat und wat‘ und einigen anderen Sprachbegebenheiten großgeworden. 😉 Ich staunte nicht schlecht, als ich in der Schule lernte, dass ’nich‘ eigentlich ’nicht‘ heiß und mit einem ‚t‘ am Ende geschrieben wird. Auf der anderen Seite habe ich zu Hause Istanbuler Türkisch, also Hochtürkisch gelernt. Den pöttischen Dialekt habe ich mir mittlerweile – glaube ich – abgewöhnt. Zumindest behauptet das andere. Ich muss zugeben, dass ich mit den starken Dialekten in Deutschland, also die, wo ich meinen Gesprächspartner so rein gar nicht verstehe, ebenfalls meine Probleme habe. Das kommt aber daher, dass es bei mir immer hieß, dass wenn ich in Deutschland lebe, auch gutes Deutsch sprechen muss. Oder auch diese Bemerkungen wie „Lebt schon so lange in Deutschland und spricht immer noch kein vernünftiges Deutsch“. Tja, ich war kürzlich mal in Deutschland unterwegs und hatte wirklich Schwierigkeiten, die Menschen in Bayern zu verstehen. Sie gaben sich Mühe Hochdeutsch mit mir zu sprechen, aber auch das führte nicht wesentlich zum Erfolg. Da stellte ich mir dann die Frage, warum die Deutschen, die so lange in Deutschland leben, der deutschen und somit ihrer eigenen Sprach nicht mächtig sind. … Lange Rede kurzer Sinn. Ich kann Dir auch keinen Tipp geben. Denn ich habe damit auch so meine Probleme 🙂

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    • Danke Dir, Serap, aus Deiner Perspektive mit einer Familie, die auch eine Fremdsprache spricht, ist die Sichtweise sehr interessant, denn Dein Ansporn im Land, in dem man lebt, deren Sprache zu sprechen, ist noch mal eine ganz andere Intention. Finde ich toll und die Deutschen (die ich kenne und kannte) sind in bestimmter Hinsicht besonders, wenn sie ins Ausland fahren: Ich musste aus familiären Gründen in meiner Jugend ganz oft nach Holland fahren. Sehr oft. Also begann ich irgendwann, die Holländische Sprache zu lernen. Damals (80er und 90er Jahre) hielten mich eigentlich alle Freunde, Bekannte, Kunden, Mitmenschen für bekloppt, denn in Holland würden doch eh alle Deutsch sprechen. Das stimmt zwar zu einem großen Teil, aber abgesehen davon, dass heutige Tendenzen eher weg davon gehen, trotz wirtschaftlicher Verbundenheit, wollte ich damals einfach die Sprache des Landes sprechen, in dem ich als Ausländer war.

      Danke Dir und ich finde, Du sprichst ein sehr gutes Deutsch, ich kann das beurteilen, ich höre hin und wieder Deine tollen Podcasts oder Aufnahmen. (Ich muss hier gestehen, ich weiß nach Jahren immer noch nicht, ob ein Pott Cast ein Essen ist oder ein Live-Mitschnitt! 😂)
      Liebe Grüße, woll, und noch einen schönen Sonntaach. 😊 Olaf

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      • Es ist immer wieder interessant, lieber Olaf, welchen Anspruch Menschen an andere haben, aber nicht an sich selbst. Dies zeigt mir die Reaktionen auf Dein Lernen des Niderländischen.
        Vielen Dank und wenn wir statt Podcast das Wort Hörspiel nehmen, müssen wir uns auch gar keine Gedanken darüber machen, was eigentlich Podcast ist 😉
        Dir noch einen schönen Sonntag!
        Herzliche Grüße
        Serap

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