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Von der Liebe zu den Bildern und die Bedenken über ihren Stillstand.

Fotografien bedeuten mir viel. Ich sehe sie gerne an und erfreue mich daran. Sie stellen für mich ein wundervolles Zeitzeugnis sonder gleichen dar. Es ist, als würde man den Blick einen Moment länger fest halten können. Vermischt es sich mit der trügerischen Gewissheit, der Blick könne in dieser Form eine wirkliche Ewigkeit Bestand haben, so wird man enttäuscht. Denn die so schöne Wirklichkeit folgt unbeirrt ihrem gleichmäßigen Gang der Dinge, was bleibt ist das Bild des Gewesenen.

Betrachte ich eben noch die frühen Fotografien einer unbändigen, jugendlichen und lasziven Brigitte Bardot, und begegne ihr daraufhin heute auf dem Montmartre, so sehe ich nicht mehr den jugendlichen Anschein in ihr, sondern eine älter gewordene Grande Dame mit ihrer immer größer gewordenen Ausstrahlung, die viel mehr als die äußerlichen Werte der Jugend des Menschen Seele bedeuten.

Fotos sind anders gemeint. Nur ein klein wenig länger erhalten sie den flüchtigen Augenblick. Gaukeln dir vor, einen vermeintlichen Stillstand der Zeit zu ermöglichen.
Glauben wir tatsächlich nach der Belichtung einer beliebigen Szenerie alle Zeit der Welt zu besitzen, diese Szene, diesen Moment des Lebens, das Bild davon anzusehen? Ja, können wir, noch nach Jahren das Bild anschauen und uns des Moments seiner Entstehung erinnern. Der längst vergangene Augenblick kommt uns ins Gedächtnis. Ich nutze das Bildnis als geistige Brücke, mich der Momente zu erinnern, die ohne das Bild in den Wirren der Zeit verschüttet geblieben wären.

Ich kann das Bild vielen Menschen zugänglich machen, in einer Ausstellung, in einer Publikation oder sonst wie. Das Motiv kann daraufhin von jedem Betrachter so interpretiert werden, wie er oder sie es auffasst. Erregt das Foto vielleicht Bewunderung oder Entsetzen, Staunen oder Abscheu? Die Grenzen zwischen dem Fotografen und seinem Motiv verschmelzen während der kritischen Auseinandersetzung immer wieder. „Was sehe ich hier, und warum ist es dokumentiert? Wer hat es gesehen, wer hat es fotografiert und wer zeigt es hier? Was will der Fotograf mit seinen Bildern sagen, was will er zeigen? Warum das Motiv?“ Ein Betrachter könnte sich fragen, warum sehe ich es mir denn an, und gehe nicht vorrüber.

Das Bild kann archiviert werden, für spätere Zeiten oder für ganz späte Zeiten.

Ich bin in der Lage ein abgelichtetes Motiv anzusehen, es viel länger zu betrachten, als es im Leben, im schnelllebigen Dahingleiten unserer Zeiten möglich wäre. Sehr viel deutlicher bleibt mir der eingefrorene Moment vor Augen, als im bewegen Bild, oder den laufenden Bildern eines Videos. Ich stehe da, denke: „Ja, so sah es aus, so war’s!“ Und manchmal kann diese Bemerkung auch in Frageform daherkommen: „So war’s?“

Wenn man von Tiefe in der Malerei spricht, so lässt sich das -meiner Meinung nach- auf die Kunst der Fotografie übertragen. Ein Foto kann die Tiefe eines Gemäldes haben, ganz gleich, ob es komponiert oder als Schnappschuss ergattert wurde. Aussagekraft ist das passende Wort! Dramatik und Spannung, Ruhe und Ausgeglichenheit, Schönheit und Faszination, Elend und Abscheu können der Kern einer Fotografie sein. Das kann als Aussage beabsichtigt sein, oder das, was der Betrachter im Foto erkennt.

Entscheidend dabei ist für mich als Fotograf die Intention des Bildes. Die Herangehensweise des Betrachters unter Berücksichtigung seiner eigenen Vorstellungen und Ideen halte ich für wichtig im Nachhinein, das Werk jedoch und sein Ausführender ist vorher gefragt. Denn der Ausführende sah den Augenblick in seiner höchst eigenen Wahrheit. In ihm entstand -oft noch vor der Fotografie- die Idee zur Fotografie. Danach handelnd, ganz gleich, ob in der Ausführung mehr laienhaft oder auch professionell, verwirklicht er die Realität in Form seiner Ablichtung, so, wie sie sich für ihn oder sie dargestellt hat.

Fotografien sind für mich, wie für viele weitere Menschen auch, ein Medium, um die Welt ein bisschen besser zu erkennen und sich an ihrer Vielfalt zu erfreuen. Es liegt vielleicht auch in der Natur des Menschen die Besonderheiten unserer Lebensräume bildlich festzuhalten, ganz gleich ob in Form von Höhlenmalereien, Aquarellen oder digitalen Dateien, immer mit dem Wissen der letztendlich doch flüchtigen Anwesenheit auf unserem wundervollen Planeten.

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Wie verhalte ich mich bei einem Kontakt zu einem Menschen, wenn ich glaube, ich bin mit einem Makel, welcher Art auch immer, gezeichnet?

Inbegriff dafür kann mangelndes Selbstbewusstsein sein, fehlendes Selbstvertrauen oder nicht erlangte Selbstsicherheit. Die äussere Art eines Mangels kann ein offensichtliches Merkmal wie eine Narbe im Gesicht sein, ein zu hohes Körpergewicht oder abweichende Körperproportionen. Während die Narbe ein explizites Merkmal darstellt, so sind die Abweichungen beim Körpergewicht oder in der Körperform abhängig von einer Norm, die im Vorfeld von einer Instanz (Gesellschaft, Mode, Medien) relativ willkürlich festgelegt worden sein muss.

In einer Erhebung aus den 1990er Jahren bewies ein interessantes Experiment den Einfluss eines offensichtlichen Mangels auf unser Sozialverhalten. Probanden wurde eine deutlich sichtbare Narbe in das Gesicht geschminkt. Mit dieser Narbe sollten sie sich in ein Gespräch mit einer unbekannten Person begeben, und im nachhinein bewerten, in wie fern dieser ihr Makel beachten würde. (verbal oder nonverbal) Die Versuchsperson sollte die Narbe vor dem Gespräch noch mal im Spiegel kontrollieren, und danach wurde sie mit der fadenscheinigen Begründung der Feuchtigkeits-Haltbarmachung tatsächlich aber entfernt.
Als Ergebnis kam heraus, dass über 70% der Probanden eindeutige Reaktionen auf die Narbe feststellten, die ja gar nicht vorhanden war. Eine Kontrollgruppe sollte in den Aufzeichnungen dieser Gespräche nach Hinweisen auf einen Makel bei einer der Gesprächsteilnehmer suchen. Diese fanden erwartungsgemäß keine!

Als Fazit daraus stelle ich folgenden Gedanken auf. Wenn wir Menschen glauben mit irgend einem Makel behaftet zu sein, und mit dem Wissen über diesen Zustand in eine Phase des Kennenlernens kommen, gegen welche Gefühle und Befürchtungen müssen wir uns behaupten, noch bevor wir überhaupt die Freiheit nutzen können uns so zu zeigen wie wir wirklich sind und nicht zu sein befürchten.

Da wir alle mit einem mehr oder minder sichtbaren Makel ausgestattet sind, wäre es doch an der Zeit, die Aufklärung dahingehend zu treiben, diesen nicht über Gebühr in den gedanklichen Vordergrund zu rücken, sondern uns freigeistig zu entfalten.

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Schön = Gut! Oder doch nicht?

Die Forschungen gehen weiter. Nachdem Wissenschaftler die Fragestellungen in ihren Untersuchungen variiert hatten, ob denn schöne Menschen tatsächlich als die besseren gelten, zeigte sich ein viel differenziertes Bild dieser Hypothese. Wenn sich auch die wohlbekannten Forschungsergebnisse über die Einschätzungen von schöneren Menschen wiederholten, so hatten sich nach einer Abänderung der Attribute während den Befragungen die Ergebnisse in Bezug auf eine bestimmte Kategorie neu ergeben. So haben die schöneren Menschen den weniger schönen Menschen im Punkte soziales Verhalten laut Einschätzung der befragten Probanden leicht das Nachsehen bzw. sind gleichauf.

Geht es explizit um den Faktor Bescheidenheit, wie z.T. auch um die Eigenschaften Fürsorge, Mitgefühl und Empathie, so wird den attraktiveren Gesichtern zunehmend weniger davon attestiert, während den weniger attraktiven Menschen im Schnitt mehr dieser Tugenden zugetraut wird. Die vermutete Eitelkeit sowie eine unterstellte Überheblichkeit schließt genauso einen gewissen Grad der Menschlichkeit aus, welcher aber wiederum gesellschaftlich gefordert ist.

In den besagten Studien wurde schöneren Menschen in einer Reihe von Merkmalskategorien ein durchweg höheres Maß zugeordnet. Diese Kategorien beinhalteten Merkmale wie z.B. Selbstsicherheit, Offenheit, Aktivität, …! Weniger Vorteile gegenüber durchschnittlich oder minder attraktiven Personen wurden in den Kategorien Ehrlichkeit, Zuverlässigkeit oder intellektuelle Kompetenz zugeordnet. Keine besseren Einschätzung erhielten attraktivere Menschen in den Bereichen Sensibilität, Intelligenz, Einfühlungsvermögen oder Integrität.

Wohlgemerkt wurden diese Studien ausschließlich mit Personen durchgeführt, die sich nicht kannten und es waren Jugendliche und Erwachsene.

Nachteilig wurden die attraktiveren Menschen in den Punkten Bescheidenheit, Zufriedenheit oder Glückseligkeit bewertet. Eine vermeintliche Oberflächlichkeit wurde ebenso zugeordnet wie die eingangs beschriebene Arroganz, Eitelkeit, Einbildung oder Überheblichkeit.

Keine Abweichungen wurden in diesen Metastudien bei der Rolle der Geschlechter festgestellt. Keine der Studien konnte überraschenderweise unterstützende Hinweise auf geschlechtsspezifische Besonderheiten dokumentieren.

Was kann ich aus diesen Teilergebnissen entnehmen? Es geht vorerst nur um die erste Bewertung von Menschen unterschiedlicher Attraktivität. Dies findet zu einem Zeitpunkt statt, zu dem wir sie noch nicht kennen gelernt haben. Die Forschungen zeichnen bis hierher das Bild einer Einschätzung bis zum ersten Wort. Sie beschreiben auf interessante Weise, welch vorgefertigte Schubladen in uns Betrachtern existieren, und wogegen sich attraktivere Personen – anders als weniger attraktive Menschen – bis zum Kennenlernen behaupten müssen. Geht ein Kontakt nicht über das Sehen hinaus, bleibt das Bild in unseren Köpfen erhalten. Das ist natürlich viel häufiger der Fall.

Diese in unserem Denken verankerten Ressentiments gegenüber schöneren Menschen beruhen in der Mehrzahl der Fälle meist auf nur einzelnen Erfahrungen. Die emotionale Reife zu besitzen den Menschen zu betrachten, ohne ihn dabei einem Diktat der Attraktivität zu unterziehen, sollte als eines der vorrangigen Ziele der Aufklärung erkannt werden. Sicher ist der Einfluss des Aussehes immer gegenwärtig, doch dieser Einfluss kann durchaus in unserem Bewusstsein, wenn auch nicht ganz ausgeblendet, so doch gemildert werden.

Dazu ein kleiner, nicht ganz haltbarer Vergleich: wie lange und ausgiebig können wir uns mit der Auswahl einer Farbe für ein bestimmtes Objekt(Wand, Fußboden, Auto, Couch, …) beschäftigen, bis wir es wählen? Und wenn wir es entschieden haben, wir mit dieser Sache jeden Tag leben, wir lange dauert es, bis wir die Sache nicht mehr als so schön wahrnehmen, wie zu Beginn? Eine Woche, ein Monat oder ein Jahr? Wie wäre es mit dem schönen Menschen, dessen Schönheit uns bei der ersten Begegnung die Worte oder den Atem verschlagen hat. Wie lange dauert es, bis wir beginnen, den Menschen in seinem Wesen und Charakter wahrzunehmen? Eine Woche, einen Monat oder ein Jahr. Zugegeben, ein Jahr ist schon sehr lang in diesem Kontext.

Was ich mit diesem Beispiel sagen möchte ist ein Hinweis auf folgende Überlegung: Sehen wir den Menschen doch mal an, und stellen und vor unserem geistigen Auge vor, wir kennen den Menschen schon ganz lange mit ihren oder seinen alltäglichen kleinen und großen Sorgen und Freuden! Und schon geraten wir in den Bereich der menschlichen Wahrnehmung. Wir haben die Möglichkeit diesen Menschen jenseits von nur seinem „blendenden“ Aussehen wahrzunehmen. Dass sich dadurch ein ganz anderes, emotionaleres Miteinander ergibt ist meines Erachtens ein Schritt in die richtige Richtung.

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Wer schön ist, ist auch gut!

Dieser Allgemeinplatz ist in unserer Gesellschaft weit verbreitet. Schönen Menschen werden gerne gute Eigenschaften zugeordnet. In zahlreichen Experimenten wiesen eine relevante Anzahl von Teilnehmern attraktiveren Personen positivere Eigenschaften zu, und zwar erst ausschließlich anhand von Fotografien, später sogar bei bekannten Personen innerhalb einer Militäreinheit.

Besonders auffällig dabei war ein geschlechtsspezifischer Unterschied. In der Gruppe der weniger attraktiven Personen wurden Männern öfter positivere Eigenschaften beschieden, als ihren weiblichen Pendants. Sollte es so sein, dass bei den Frauen dieser Aspekt stärker zum Tragen kommt, so würde dies eine unbewusste Benachteiligung aufgrund des Geschlechts ohne signifikante und erklärbare Ursache darstellen. Und ja, mehrere Studien haben dies immer wieder verifiziert. Stellt das ein Aspekt für die viel größere Bedeutung der Attraktivität bei Frauen dar, so müsste sich dies in den Folgeuntersuchungen bewahrheitet haben. Die langsame Verschiebung der Bewertung von Schönheit innerhalb der Geschlechter – von der Frau hin zum Manne – belegt einen Trend, der die zunehmende Bedeutung des Aussehens beim Mann anhand folgender Indizien offenbart:

· Signifikant zunehmende Anzahl von Schönheitsoperationen beim Mann

· Steigender Anteil schöner Männer in der Werbung

· Stärkere Bevorzugung von Partnern mit schönheitsrelevanten Attributen bei der Partnerwahl durch die Frauen

· Stark zunehmender Umsatz bei Kosmetikartikeln für den Herrn

· u.a.

Augenscheinlich leben wir mitten in einer Zeit der Umwälzungen. In vielleicht 30 Jahren oder kürzer werden nicht mehr nur noch die Frauen einem Schönheits-Stereotyp nacheifern, den Männern wird es ebenso ergehen.

Die Frage ist jedoch, ob dieser Weg der erstrebenswerte Weg ist. Für uns Menschen wäre vielleicht der Weg der Aufklärung derjenige, der uns in eine zufriedenere Zukunft ohne eifern, wetteifern oder nacheifern führte. Zwar strebten die Menschen schon immer nach einem Schönheitsideal, doch welche die Attribute dafür sind, oder sein sollen, das ließe sich sicher neu bestimmen. Evolutionsbiologisch betrachtet komme ich zu der These, dass das Streben nach Schönheit in allen Dingen mit der ständigen Optimierung in allen Bereichen der Natur einhergeht. Wenn ich hier die Optimierung der Lebewesen anspreche, so meine ich zum Beispiel die ständige Anpassung der Organismen an die sich stetig verändernden Umweltbedingungen. Tiere besetzen entstandene Nischen, indem sie sich im Zuge der Evolution genau darauf eingestellt haben, um darin immer effektiver ihre Art zu erhalten.

Diesem Grundgedanken folgend kann ich die These erweitern, indem ich sie um folgenden Inhalt ergänze: der Mensch strebt nach Schönheit, weil sich in der Schönheit die Gesundheit manifestiert. Die Gesundheit wiederum ist zur erfolgreichen Arterhaltung unabdingbar. Dem weiter folgernd bedeutet es für die Attraktivität des Körpers sowie für das Körpergewicht und die Verteilung der Masse im Körper, dass ein gesundes Gewicht einen attraktiven Körper zur Folge hat. Im Umkehrschluss wäre zu folgern, dass schönere Menschen eine bessere Voraussetzung für die erfolgreiche Arterhaltung mitbringen, und daher schon allein aus evolutionsbiologischer Hinsicht bevorzugt werden. Vage Hinweise darauf finden sich in der Literatur zuhauf, aber auch vielfältige Antithesen. Deren ausführliche Diskussion übersteigt momentan jedoch meine hiesige Präsenz.

Ob wir nun genau so funktionieren und wo dabei vielleicht Ausnahmen oder Bestätigungen zu finden sind, dass kann von Wissenschaftlern entsprechender Fachrichtungen, wie z.B. der Neurologie, Soziologie oder Psychologie anhand gezielter Forschungen und Versuchsreihen ermittelt werden, oder man ist schon dabei. Das zu recherchieren habe ich mir noch für einen späteren Zeitpunkt vorgenommen, weil ich es sehr spannend finde. Vielleicht hat jemand ja den ein oder anderen Literaturtip für mich auf Lager.

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Einbildung ist auch keine Bildung.

Sind schöne Menschen eingebildet? Sind schöne Menschen öfter eingebildet als weniger schöne Menschen? Was bedeutet es, wenn jemand als eingebildet betitelt wird?

Ein Thema, das vornehmlich in meiner Jugend immer wieder zu äußerst angeregten Diskussionen führte. Phänomen war damals, dass diese Diskussionen viel mehr unter uns Jungs zum Thema wurden. War nun das eine hübsche Mädchen eingebildet oder nicht. Oder nur für bestimmte Jungs, und für andere war sie nett und aufgeschlossen? Um einer Erklärung ein wenig vorzugreifen frage ich, ob es nur so schien, weil sich das hübsche Mädchen doch nur der Zuneigungsbekundungen der Jungs erwehren wollte? Oder war sie so hübsch, wusste darum, und wähnte sich den Anderen gegenüber als etwas Besseres? Und heute?

Mitmenschen und Freunde in unserem Alter schenken diesem Thema keine besondere Aufmerksamkeit. Sind Menschen in den 40ern weniger eingebildeten Personen ausgesetzt, als jüngere Leute? Bezeichnen wir vielleicht eingebildete Personen mit anderen Adjektiven? Zum Beispiel als abgehoben, hochnäsig, unnahbar,…?

Wer als eingebildet eingeschätzt wird, der zeichnet sich durch bestimmte Verhaltensweisen aus, die gerade zu dieser Einschätzung hinführen. Für die meisten Menschen sind diese Bewertungen gleichermaßen gültig, vorausgesetzt, dass der Kulturkreis identisch ist. Die Frage aber stellt sich mir immer wieder, ob diese Verhaltensweisen wirklich auf eine Einbildung deuten, oder ob sie nicht viel mehr ein Zeugnis von Unsicherheit sind! Nur ging es mir oftmals im Leben so, dass sich die vermeintlich eingebildete Person während des näheren Kennenlernens gar nicht mehr als so hochgradig eingebildet erwies, sondern als unsicher und nicht so selbstbewusst, wie unterstellt worden war.

Unsicherheit deswegen, weil vielleicht hübsche Menschen überproportional häufig wegen ihres Aussehens gelobt werden, viel weniger wegen besonderer Leistungen oder besonderer Verhaltensweisen. Das diese Fürsprache nicht gerade zum positiven Selbstbild und gesundem Selbstbewusstsein führt, dass dürfe jedem verständlich sein, weil das Aussehen etwas ist, für das der Mensch gerade in Jugendzeiten nicht viel tun muss. Er oder sie ist einfach schön, hübsch, gutaussehend oder gar süß und niedlich! Im Gegensatz dazu sind geleistete Dinge, die ein Lob hervorbringen, eine Tat, die man bewusst vollbracht hat, der eine eigene Leistung zu Grunde liegt, für die man sich anstrengen musste. Schönheit hingegen hat man, besonders aber die Frau, zum jetzigen Zeitpunkt in der westlich geprägten Gesellschaft mehr, als der Mann! Das Gefühl „Bin ich schön, aber sonst nichts wert!?“ stellt die Hürde dar, sie für attraktive Menschen höher ist, als für durchschnittlich attraktive oder unterdurchschnittlich attraktive Menschen.

Folge ich dieser Argumentation ein Stück weit, dann relativiert sich die Einbildung hübscher Menschen auf ihr Aussehen maßgeblich. Es fällt danach etwas leichter, eine vermutete Einbildung zu hinterfragen und offener auf diese Personen zuzugehen. Das erscheint mir auch gerechter zu sein.

Nach alledem möchte ich natürlich nicht unterschlagen, dass es sie wirklich gibt, die Eingebildeten, die im Glauben und mit der festen Überzeugung leben, ihre Schönheit wäre der Beweis für ihre Herrlichkeit. Treffe ich auf solche gottgleichen Geschöpfe, bin angetan von ihrem Äußeren und frage entweder mit Worten (seltener) oder mit hoch gehaltener Kamera und leicht angeschrägter Kopfhaltung nach einem Foto, so sehen sie meist in einer bogenförmigen Bewegung nach oben hin weg, ja übersehen geradezu ihre Umwelt, nicht aber ohne ein selbstgefälliges Lächeln auf den hübschen Lippen.

Als Steigerung der Einbildung möchte ich die Arroganz bezeichnen, bei der die der Einbildung zu Grunde liegende Überbewertung des eigenen Wesens noch die herabwürdigende Behandlung der Mitmenschen hinzu kommt. Während diesen arroganten Menschen Wesenszüge wie z.B. gutmütig, kooperativ, rücksichtsvoll, altruistisch oder feinfühlig abgesprochen werden, so werden nicht arroganten Personen diese Faktoren zugeschrieben, ohne dass diese ein Zeugnis dafür ablegen konnten. So hat es der arrogant wirkende Mensch noch viel schwerer zu belegen, dass ihm oder ihr diese sozial erforderlichen und begehrten Attribute nicht verschüttet liegen.

Bei Arroganz von unbewussten Verhalten zu sprechen halte ich für zu gewagt. Ein gesellschaftliches Feedback trifft bei jedem Kontakt zum anderen Menschen den Absender. Ausser bei emotional unempfänglichen Wesen kommt es stets dazu, anhand der Art und Weise dieses Feedbacks zu erkennen, dass ein Störfaktor im zwischenmenschlichen Kontakt besteht. Den bei sich zu suchen misslingt den arroganten Menschen. So finden sie -wenn überhaupt- nur unter Gleichgesinnten eine Resonanz, die ihnen ihre Verhaltensweise reflektiert.

Vielleicht wird die Einbildung dann geheilt, wenn das Wertebewusstsein des schönen Menschen sich ein Stück weit von seinem Aussehen löst, und er feststellt, dass es weit mehr braucht, als einen schlanken Körper, wunderschöne Augen, oder einen wohlgeformten Hintern! ;-)

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Zuerst zählt das Aussehen. Wir sehen einen Menschen, der uns gefällt. In den ersten Sekunden, so haben Forscher herausgefunden, entscheidet sich der Verlauf einer Bekanntschaft. Dabei wurde insbesondere festgestellt, dass es bei einer heterosexuellen Beziehung fast ausschließlich die Frau ist, die den Verlauf des Kennenlernens maßgeblich lenkt. Signalisiert die Frau dem Manne in den ersten Sekunden eine ablehnende Haltung, so halten sich die allermeisten Männer absolut zurück. Bei dieser Entscheidung der Frau über Ablehnung oder Zustimmung war während den Untersuchungen als entscheidendes Kriterium die Attraktivität des Mannes ausschlaggebend. Passte es nicht zusammen, so wurde der Mann fast immer abgelehnt. Zwar wurde auch von männlichen Probanden die weniger attraktiven Frauen abgelehnt, doch hier agierten die Männer nur bei großen Unterschieden in der Attraktivität zurückhaltend.

Ist nun der Punkt der ersten Wahrnehmung überschritten, und die Voraussetzungen für weitere Aktionen waren durch das Aussehen oder Gefallen gegeben, so werden andere Kriterien zunächst in den Vordergrund treten. Angenommen, dass das Aussehen der beiden Menschen stimmig ist, so achten die allermeisten Menschen zunächst auf die Gestik und die Mimik des Gegenüber. Wie verändern sich die Gesichtszüge des Gesprächspartner während des Gedankenaustausches. Welche Bewegungen machen die Augen, die Lippen, der Mund. Wie sind die Blicke desjenigen, mit dem ich spreche? Kann er oder sie mich ansehen oder schaut er oder sie oft weg? Sind die Körperbewegungen harmonisch, weich und konsistent, oder sind sie abrupt, unsicher und diffus?

Wenn auch diese Eigenheiten des Gesprächspartners mit den bewussten oder unbewussten Ansprüchen zusammen passen, so sind die beiden Menschen einen großen Schritt weiter. Über den Inhalt der geführten Gespräche hinaus sind die eben beschriebenen Faktoren – zusammen mit dem Geruch und der Ausstrahlung des Partners – den Forschungsergebnissen nach die entscheidungsrelevanten Voraussetzungen für weitere Kontakte.

Die thematischen Inhalte der Gespräche spielen erst in zweiter Linie eine Rolle. Darüber kam in den Untersuchungen heraus, dass es während des Kennenlernens allzu viele Variablen sind, die zur sicheren Bestimmung des Meinungsbildes erst im Laufe der Zeit herangezogen werden können. Die große Mehrzahl der Menschen vertritt anfangs meist (leider) nicht offen und ehrlich die eigene Überzeugung. Die wissenschaftlichen Beobachtungen ergaben darüber hinaus, dass durch diese mehrheitliche, anfängliche Unterdrückung der eigenen Standpunkte diese intuitiv weniger berücksichtigt werden. Den Äußerungen des gegenüber wird zu Beginn noch nicht die große Bedeutung zugemessen wird, die man eigentlich vermuten würde. Die Devise: „Welche Taten folgen den Worten“ findet -oft mehr unbewusst- Anwendung.

Für mich ist es spannend, diese Forschungsergebnisse zu lesen, da ich schon immer sehr interessiert war und bin an den Beweggründen für menschliches Handeln. Die Literatur von Autoren wie Karl Grammer und Samy Molcho fanden in mir immer einen begeisterten Nachdenker. Oftmals verstand ich als jüngerer Mensch die ein oder andere Handlung meiner Mitmenschen nicht, und nicht immer konnte es in Gesprächen geklärt werden. Oft genug kam es nicht mal zu Gesprächen. Wie schwer es sein kann, trotz gesprochener Worte in deren Bedeutung überein zu kommen, das kann jeder Leser selbst bestätigen. Es ist daher immer eine Freude, wenn ich bei Menschen in Gesprächen eine Basis entdecke, die ein Stück weit ein gemeinsames Verständnis enthält. Bei dieser Übereinstimmung kommt man beim Gedankenaustausch oft ein wirkliches Stück weiter.

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Zusammenleben erfordert immer auch ein gewisses Maß an Kompromissbereitschaft. Wie weit diese Bereitschaft gehen kann, das liegt an vielen Faktoren. Eine Auswahl davon ist:

1. Persönlichkeiten
2. soziale Statuten
3. gesellschaftliche Normen
4. …

Zu den Persönlichkeiten:
manch einer ist kompromissbereiter als ein anderer. Begründet liegt das in den persönlichen Erlebnissen, den Erfahrungen im Leben, in den eigenen Ideen von einer funktionierenden Gesellschaft und der emotionalen und geistigen Reife. Uneinsichtigkeit und Unwissenheit führen zu zahlreichen Differenzen innerhalb einer -wie auch immer gearteten- Beziehung zu einem anderen Individuum. Kompromiss bedeutet immer auch ein Verständnis dessen, was der andere denkt und fühlt. Insbesondere unsere Kenntnis über die Ursachen ihrer oder seiner Beweggründe führt dazu, sich in den anderen soweit hineinzuversetzen zu können, den Kompromiss bewusst und mit Überzeugung eingehen zu können.

Zu den sozialen Statuten:
Kompromisse werden immer dann eingegangen, wenn auf beiden Seiten dem jeweils anderen ein Zugeständnis gemacht werden wird, während die Verhandlungen auf entweder gleicher sozialer oder auf gleicher gesellschaftlicher Ebene stattfinden. Auch wenn es auf privater Ebene um die Erreichung eines gemeinsam angestrebten Zieles geht, kommt es immer wieder zu Kompromissen.

Beispiele:
Ein Verantwortlicher erteilt einen Auftrag, der vom Auftragnehmer ausgeführt werden muss. Er kann sich eine Ablehnung des Auftrages nicht erlauben. ==» kein Kompromiss. Seine Überlegung kann nur sein: erfülle ich den Auftrag oder verlasse ich die Lage als Auftragnehmer mit allen dazugehörigen Konsequenzen. (Ein Chef weist an, ein Angestellter führt aus oder kündigt.)

Ein Partner möchte ein persönliches Ziel erreichen, welches nicht mit den gemeinsamen Zielen korreliert. Dies führt zu Differenzen und es wird darüber gesprochen. Sind beide weiter an der Erreichung der gemeinsamen Ziele ihrer Partnerschaft interessiert, so besteht die Notwendigkeit des Kompromisses. Steht das Teilziel des einen Partners im Widerspruch zum gemeinsamen Hauptziel, so bleibt abzuwägen, ob es sich nur um eine akzeptable Verzögerung handelt oder um einen Weg in eine gänzlich andere Richtung. Ein Kompromiss kann nur dann funktionieren, wenn die Übereinkunft vom Sinn und Zweck der Partnerschaft nicht unterlaufen, verletzt oder ad absurdum geführt wird.

Richten zwei Menschen gemeinsam eine Wohnung für eine gemeinsame Zukunft ein, werden die Geschmäcker so gut wie niemals identische Vorlieben hervorrufen. Jedem gefällt etwas anderes besser, doch für die Gemeinsamkeit gibt jeder dem anderen Raum zur persönlichen Entfaltung und geht -nicht nur einen- Kompromiss ein.

Zu den gesellschaftlichen Normen:
dabei überträgt -meines Erachtens nach- die Außenwirkung den Inhalt eines Kompromisses auf die Gemeinschaft. Hier gehen wir Menschen die meisten Kompromisse ein. Sie sind zwar in erster Hinsicht nicht besonders tiefgreifend, jedoch durch ihre immense Anzahl allein haben sie einen entscheidenden Einfluss auf unser Leben. Bei einer folgenden, kleinen Auswahl möchte ich nicht auf die krankhaften Auswüchse dekadenter und krankhafter Zeitgenossen eingehen, auch nicht auf die vielleicht fließenden Grenzen bei deren Bewertung, sondern auf die kleinen allgemeinen Zugeständnisse im Leben in dieser westlichen, industrialisierten Urbanität.

· Ich gehe bekleidet aus der Wohnung.
· Ich bezahle Geld für die Wohnung (Grundfläche auf unserer Erde)
· Ich umarme keinen fremden Menschen bei einer zufälligen Begegnung (im Geschäft)
· Ich habe nicht mehrere Männer als Ehepartner
· ….

Dem aufmerksamen Leser fällt bestimmt schon jetzt auf, dass es sich bei all den kleinen Kompromissen im Leben um die Einhaltung von Regeln des gemeinsamen Zusammenlebens handelt. Ob sie nun den Namen Regel, Gesetz, Verordnung, Norm oder Bestimmung haben, wir erkennen, dass wir bei jeder einzelnen Regelung den Kompromiss eingehen, und uns tunlichst daran halten. Zumindest mal nach außen hin. O:-)

Und nur so funktioniert die Gesellschaft, wenn wir in ihr Wohnen und den Kontakt zu anderen Individuen wünschen. Da der Lauf der Zeit immer wieder Veränderungen der Regelungen mit sich bringt, was jedem Menschen bewusst ist, sollte man sich klar machen, dass diese Veränderungen nicht von der Zeit erwirkt werden, sondern von uns Menschen. Von jedem von uns. Für die fortschreitenden Veränderungen ist es daher von entscheidender Wichtigkeit, dass wir alle unsere Regeln nicht nur im Auge haben, sondern wieder und immer wieder in Frage stellen. Grundsätzlich! Verantwortung übernehmen heisst kritisch sein, aber genauso als Bewahrer des Bewährten dafür einzustehen.

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Kompositionen, Arrangements und Schnappschüsse

Welche Zutaten gehören zu einer gelungenen Komposition eines Fotos? Wie groß ist die Distanz zwischen einem arrangiertem Foto und einem Schnappschuss? Wie zuverlässig kann ich einen arrangierten Schnappschuss von einem wirklichen unterscheiden?

Diese Fragen entstanden in mir während der Betrachtung so mancher Fotografie, die sich als Streetfoto auswies. Dabei hatte ich die Fähigkeit des Fotografen im Sinn, eine Szenerie vor seinem geistigen Auge zu erfassen, schnell alle örtlichen Gegebenheiten abzuschätzen, und so ein besonders aussagekräftiges Foto zu erfassen. Der geübte Fotograf erkennt schnell die Situation, er weiß, wie hoch er die Kamera halten muss, welchen Abstand er braucht und wie die Lichtverhältnisse die Aufnahme beeinflussen werden. Er kann gut einschätzen, wie sich die Lage in den nächsten Sekunden verändern wird und ob er in dieser Zeitspanne einen geeigneteren Zeitpunkt finden wird, um auszulösen, oder ob er jetzt in diesem Augenblick den besten Moment vor sich hat.

Wie ergeht es demjenigen, der einfach mal so draufhält, und dem, der intuitiv auslöst?

Im Gegensatz dazu ist es spannend zu sehen, welche ausgefeilten Vorbereitungen der planende Fotograf vor der Aufnahme zu Stande bringt. Er arrangiert die Softboxen, platziert die Aufheller und bringt die Reflektoren in Position. Er legt die Richtung zum Licht fest, misst die Lichtstärke vom Motiv zur Kamera und von der Kamera zum Motiv. Er positioniert sein Motiv, richtet es immer wieder neu aus, fotografiert ganze Reihen mit unterschiedlichen Blendenwerten und Belichtungszeiten. Er kommt vielleicht an einem anderen Tage noch einmal wieder, arrangiert erneut die Komposition und schießt wiederholt eine Serie seines Motives.

Wie verändert sich die Ausbeute an Fotos, mit denen der Fotograf zu einem zufriedenen Lächeln kommt, wenn man die verschiedenen Wege ausprobiert? Möglich ist es auf jedem der Wege, die sich vielleicht nur in der Länge, in ihrer Schwierigkeit und in ihrer Ausbeute unterschiedlich begehen lassen. Sind der Aufwand und die Vorbereitungen größer, so wird die Anzahl an verwertbaren Fotografien vermutlich höher ausfallen, als wenn ich es nur auf gut Glück versuche.

Auch durch intuitives Auslösen entstehen manchmal besondere Fotografien. Es liegt natürlich immer am Motiv, an der Auftragslage und den eigenen Anforderungen an seine Bilder. Manches funktioniert einwandfrei auch ohne aufwändige Planungen, vieles aber gerade nicht! Wie weit die Planung gehen muss, das obliegt den persönlichen Einstellungen des Fotografierenden, für manchen beginnt es bereits beim Stativ, bei anderen erst beim terminierten Set.

Der Laie wird oft erstaunt und verwundert schauen, wenn er den Aufwand für so manches Foto erführe, allein die digitale Nachbereitung kann schon Unmengen von Zeit verschlingen. Manchmal würde ein Fotoband mit ausschließlich unbearbeiteten Fotos des Künstlers einen unverfälschten Blick auf sein Schaffen erst ermöglichen. Wo dann Bearbeitung beginnt und Unverfälschtes bleibt soll, dies deutlich kundgetan und vorher reiflich überdacht öffnet den Blick für’s Wesentliche.

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Wie ich es auch betrachte, es ändert sich doch! ;-)

Wir haben alles gesehen, immer und immer wieder. Es gibt fast nichts, was wir noch nicht gesehen haben. Neues finden wir nur noch selten.

So denken wir jedenfalls, denn wir übergehen viele alltäglich anmutende Motive in der sicheren Überzeugung, nur allseits Bekanntes vor uns zu haben. Wir begeben uns wie in Trance allmorgendlich zu unserer Arbeitsstelle. Selten findet unsere Augen ein besonderes Kleinod, wir werden überflutet von Werbung jeder Art, von blinkenden, leuchtenden, grellen Buchstaben, die uns von jeglichem aussergewöhnlichen Normalem ablenken. Ich meine dabei nicht nur den durch die Weltgeschichte schreitenden Fotografen, ich meine alle sehenden Menschen, die mehr entdecken könnten, wenn sie nur hinsehen würden. Doch wir müssen uns in jeder Sekunde entscheiden, was wir entdecken wollen, wir müssen uns für oder gegen etwas entscheiden, wenn wir überhaupt die Wahl haben und unser Gehirn etwas nicht für uns schon als längst bekannt entschieden und nicht wert für wahrnehmbar bestimmt hat.

Wie lernen wir, wieder dort hin zu sehen, wo unvermutet ein wunderbares Motiv zu entdecken ist? Für den Fotografen einerseits, um zu zeigen, was es gibt, dem Betrachter der Bilder zu zeigen, es gibt mehr, als TV und Werbetafeln. Sich auseinander zu setzen mit den vielen Kleinigkeiten unserer Umgebung, die unser Leben so ungemein bereichern. Andererseits dem nicht fotografierenden Menschen, der aber sehend und neugierig -wie ein Kind- die Welt an jedem Tage neu entdecken möchte.

Im Alltäglichen das Besondere zu sehen, ist ein Schritt in die richtige Richtung. Es zu erkennen und dann in einer Art und Weise festzuhalten, wir es alle Menschen sehen könnten, würden sie nur hinsehen, ist ein weiterer Schritt. Es zu publizieren, für den Adressaten zugänglich machen, mit dem Bild zu sagen, was man meint, dem Ausdruck zu verleihen, was uns bewegt und innehalten lässt. Wieder ein Schritt weiter ist mit den Bildern zu sagen, wie wir sind und wer wir sind, mit allen gern gesehenen Vorzügen und den weniger geliebten Makeln. Wir suchen nicht, was es nicht gibt, wir finden nur, was da ist.

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