Körperwahrnehmung, Teil II (191)

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„Finde Deinen Körper (gut)!“Wie beginnt Deine Körperwahrnehmung?

Hier in Teil 2 von Körperwahrnehmung möchte ich zunächst eine chronologische Herleitung beginnen. Von der Jugend an befasst du dich mit deinem Körper. Anfangs ist es vielleicht nur warm und kalt, laut und leise, hell und dunkel, du hast Hunger und Durst und du fühlst Geborgenheit und Liebe, wenn du Glück hast. Richtig nachdenken über deine Empfindungen kannst du zu diesem Zeitpunkt noch nicht, reagieren sehr wohl. Grundsteine für dein Gefühlsleben, so haben Forscher mittlerweile festgestellt, wurden für dich sogar schon vor deiner Geburt gelegt. Die Gefühle deiner Eltern, ihre Stimmungen, auch ihre Stimmen prägen dich schon im Mutterleib.

Nach deiner Geburt findet Prägung weiter statt. Der Umgang deiner Eltern mit dir ist enorm wichtig, viele deiner fundamentalen Gefühle von Verständnis und Empathie, der Fähigkeit, Liebe zu empfinden und zu geben werden im Idealfall, so die Forscher, in Grundzügen in frühester Jugend gebildet. Dass der Idealfall oft nicht eintritt, ist leider Fakt. Oft selbst nicht ihrer Gefühle gewahr, versäumen es Eltern, diese fundamentalen Weichen zu stellen, meist nicht bewusst, sondern aus eigenem Mangel, aus fehlender Empathie. Verlässliche Zahlen diesbetreffend wurden bisher nicht erhoben, erste Zählungen aus wenigen Forschungsergebnissen nennen vorsichtig Zahlen um die 60% derer Menschen, die in frühester Jugend einen Mangel an Zuwendung erhielten. Damit ist nicht unbedingt nur eine Überforderung der Eltern hinsichtlich der Gabe frühkindlicher Zärtlichkeiten beschrieben, auch der eigene Mangel an solchen Erfahrungen wurde beschrieben. Ein soziologisch spannendes Feld, über das ich, bevor ich weiter darüber schreibe, noch einiges lesen und recherchieren möchte.

Nach der Zeit der frühen Jugend beginnt gemeinhin die Zeit, an die du dich erinnern kannst. Du erlebst Aktion und Reaktion, erfährst einen ersten Eindruck von Ursache und Wirkung, dir werden erste Ver- und Gebote auferlegt. Spätestens dann wird, so die gängigen Theorien aus der Humanforschung, die erste Differenzierung zwischen den Geschlechtern konstruiert. Mädchen und Jungs erfahren unterschiedliche Vorgaben hinsichtlich ihrer Körper, einerseits aus Tradition, andererseits aus unterschiedlichem Dafürhalten.

Aber auch dann findet eine Reflektion noch nicht statt. Diese beginnt meist mit Eintreten der Pubertät. Die dann eintretenden Veränderungen am Körper, einhergehend mit Veränderungen in Psyche und Geist finden ähnlich der Fahrt auf einer Achterbahn statt und überfordern zeitweise den jungen Menschen enorm. Darüber findet man etliche Studien, die ein sehr weitläufiges Bild zeichnen, interessant sind hierbei die Verdichtungen, die Punkte, in denen weitestgehend Konsens besteht.

Was geschieht nun in den Anfängen mit dir, deinem Körper während der Entwicklung hin zu deiner Persönlichkeit? Über deinen Körper erfährst du nach und nach dein Selbst. Du bist dein Körper und du hast dein Körper. Im Prozess der Reifung deines Körpers, deiner zunehmenden Handlungsfähigkeit und Beherrschung deiner Körperfunktionen bildet sich dein Selbstbewusstsein heraus, mit dem du die oben genannte Ambivalenz zu einer Einheit bildest.[Dass diese meist nicht konstant erhalten bleibt, und wieder und wieder erneuert werden kann, ist Teil deiner weiteren Entwicklung.]

Auf dem Weg zu deiner Persönlichkeit begleiten dich mehrere Menschen. Zu Beginn sind es deine Eltern, dabei wird in den meisten sozialwissenschaftlichen Betrachtungen dem gleichgeschlechtlichen Elternteil der größere Einfluss zugesprochen. Zusätzlich spielen die Geschwister, wenn vorhanden, eine große Rolle, denn der Vergleich ist ein wesentliches Element, mittels dem deine Auseinandersetzung mit deinem Körper von statten geht. Wenn keine Geschwister da sind, nehmen Freunde und Spielkameraden diese Rolle ein, hier meist auch die gleichgeschlechtlichen.

Du erfährst deine eigenen Sinneswahrnehmungen und vergleichst diese mit denen der Menschen um dich herum. Dabei spielt es zunächst keine Rolle, ob es sich um positive oder negative Erfahrungen handelt. Was tut dir weh oder deinem Schwesterchen, vielleicht ein erster Kniff, du probierst es – auch deine Schwester wird es tun, was du zu spüren bekommst.

In der Zeit des ersten Bewusstwerdens deines eigenen Körpers bildet sich dein Körperbild. Wie schwer diese Wahrnehmung aufgrund der ständigen Veränderungen sein kann, wird Thema in folgenden Beiträgen werden, auch die Tatsache, dass die Veränderungen bei Mädchen und Jungen aufgrund der viel stärkeren und zeitlich ausgedehnteren Veränderungen des weiblichen Körpers sehr unterschiedlich ausfallen.

Schönheit, eine Frage des Wertes Teil III ( 189 )

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Im 3. und letzten Teil von „Schönheit, eine Frage des Wertes“ möchte ich über das Aussehen in seiner Verbindung zum sozialwissenschaftlichen Faktor Macht schreiben. Welchen Einfluss übt Schönheit auf die Fülle der Macht aus, die ihrerseits zum Aspekt der Einflussnahme abgegrenzt werden kann? Gibt es eine Äquivalenz und wenn ja, bricht sie an einem bestimmten Grade der Macht ab?

Die Mächtigen sind nicht unbedingt schön. Nicht schön im Sinne eines wie auch immer gearteten Schönheitsideals. Wenige, aber meist unbedeutende Ausnahmen finden sich dennoch. Um eine Verknüpfung von Macht und Schönheit zu entdecken ist es nötig, die Facetten der Macht kurz zu skizzierten. Was bedeutet Macht? Woraus entsteht Macht? Was bewirkt sie und was nicht. Was beobachten wir bei drohendem oder tatsächlichem Verlust von Macht? Und auch: Warum ist Macht nach Reichtum der begehrteste „Zustand“ auf der Liste der Wünsche des Menschen? Warum wird Macht und Reichtum oft eng miteinander verknüpft? Der Leitspruch „Wissen ist Macht“ beschreibt eine weitere, wichtige Verknüpfung, charakterisiert sich die Macht doch auch durch Wissen, respektive dessen Verfügbarkeit.

Macht geht einher mit Einfluß. Um Macht auszuüben braucht der Mächtige hörige Menschen, die ihm huldigen, freiwillig oder unfreiwillig. Somit bedeutet „Macht haben“ nichts losgelöstes, eigenständiges, sondern stets einen Zustand der Dualität. Ohne Volk kein König, ohne Angestellte kein Chef, ohne Wähler kein Politiker! Damit ist die Macht ohne Pendant nicht existent. Macht wird auf etwas oder über etwas unter Zuhilfenahme einer Kraft ausgeübt. Unterschieden wird zwischen positiver und negativer Macht: positive Macht beschreibt einen Zustand, der stets freiwillig und zum Nutzen beider Seiten, der ausübenden und empfangenden Seite eintritt. Negative Macht wird beschrieben als eine für die ausübende durchaus positiv wirkende Kraft, jedoch für die empfangende Seite nicht positive und nur unter Zwang vermittelbare Kraft, die oft mit seelisch-moralischer Erpressung oder Gewalt einher geht. In letzterem Zustand ist eine käufliche Seite gleichsam häufig zu attestieren.

Macht -in all seinen Ausprägungen- versammelt Instrumente der Einflussnahme. Sie kann von einer Einzelperson ausgehen, wie auch von einer mehr oder minder großen Gruppe ausgeübt werden. Sie entsteht nicht aus sich selbst heraus, sondern wird übertragen. So lassen sich Machtverhältnisse zwischen Einzelpersonen untereinander beschreiben, zwischen Einzelpersonen und Gruppen auf der anderen Seite wie auch zwischen zwei oder mehreren Gruppen. Während die Beziehung zweier Einzelpersonen klar definiert wird, spielt bei der Interaktion intra- oder intergruppal die Gruppengröße eine fundamentale Rolle. Beispielsweise innerhalb einer Familie, eines Vereins, einer Partei oder einer Volksgruppe findet differenzierte Einflussnahme statt. Je größer der Verband ist, desto häufiger stuft sich Macht ab, das heißt, Macht wird nicht polarisiert, sondern verteilt sich auf mehrere Stufen.

Ausgehend von der Wertigkeit des Aussehens in unserer Gesellschaft ist gutes Aussehen gleichbedeutend mit Zuwachs an möglicher Einflussnahme. Durch eine erhöhte Wahrnehmung von schönen Menschen, und wir alle wissen, dass schöne Menschen viel eher herausstechen, als durchschnittliche Menschen, stehen sie zunächst deutlicher im Mittelpunkt. Doch bei der Macht kommt ein entscheidender Faktor hinzu: Zeit! Die Zeit entpuppt sich in jeder Hinsicht als Gegner des schönen Scheins, und zwar aus folgendem Grunde:

Der Mensch gewöhnt sich allzu schnell an etwas, das er kennt, das ihm bekannt vorkommt oder an das, wovon er annimmt, das er es kenne. Die Schönheit definiert sich jedoch durch eine Besonderheit: Diese Besonderheit ist nicht zuletzt besonders, weil sie ausnehmend ist, und Ausnahme verliert sie dann, wenn ihre Aussergewöhnlichkeit das „Ausser“ verliert, und Gewöhnung an eine Schönheit diese relativiert. Dann folgt, was bei jeder Beziehung zwischen einem oder mehreren Menschen eintritt: Ja doch du bist schön, das sehe ich, jedoch was kommt jetzt, was ist das Innere deiner „Verpackung“?

An dieser Stelle möchte ich als Fazit folgend meine Meinung darstellen: Schönheit besitzt durchaus Macht. Diese beschränkt sich aber definitiv auf eine kurze Phase, sie funktioniert im Sinne von Einflussnahme nur für einen sehr schnelllebigen Moment. Alles, was Macht im sozialwissenschaftlichen Sinne ausmacht, ist von längerer Dauer, daher sticht Schönheit hier nicht. Nur da, wo es auf den kurzen, vergänglichen Augenblick ankommt, z.B. im Film, der Werbung, im Fernsehen, kurz gesagt, in den uns allumgebenden Medien wirkt Schönheit mit Macht. In allen anderen Bereichen, besonders auch in denen der zwischenmenschlichen Interaktionen kommt es auf das an, was nach der Schönheit kommt: Das Sein!

Sinnlichkeit (186)

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Sinnlichkeit. Nicht (nur) ein schwebender Zustand, viel mehr ein Gefühl, das uns, durch Reize erzeugt, in gänzliche Aufruhr geleitet. Unsere Leidenschaft wird durch sie entfacht. Die auslösenden Reize, dir wir mit menscheneigenen Sinnen tief erfassen, schalten manches Mal unseren Intellekt einfach ab. Meine ich.

Menschen und deren Verhalten werden immer wieder als sinnlich wahrgenommen. Ihr Aussehen, ihre Wirkung strahlt es aus. Manchmal sind es unspektakulär kleine Aspekte, die uns zu dieser Erfahrung bringen. Gefühle eines Menschen können sinnlich daher kommen. Ausgelöst wird dieses Empfinden durch bestimmte Schlüsselreize. Diese erreichen uns stets von außen (optische, haptische, akustische, olfaktorische).

Sinnlichkeit, in ihrer Wirkung , von „Innen“ heraus, ist bisher in diesem Zusammenhang jedoch eine weitgehend unerforschte Richtung. Weitergehende Verknüpfungen zwischen innen und außen konnten gleichfalls nicht abschließend erforscht werden, denn vordergründig beschäftigten sich die Forscher auf die Ausschüttung von Hormonen in Form der Reizreaktionen. Innere Reize oder Reizreaktionen werden erst in neuester Zeit gründlicher erforscht, wie z.B. die Wirkung von Gehirnströmen, die sowohl zielgerichtet (Gedankenströme) als auch diffus auftreten können. Bislang hatten wir einfach nicht die Möglichkeit, dies näher zu erforschen, da unsere Messmethoden noch unzureichend funktionierten.

Zwei Beispiele aus dem Leben sollen Dir eine Vorstellung vermitteln: Stelle Dir folgende Situation vor: ein Mensch betritt einen Raum, in dem Du Dich aufhältst. Das kannst Du aber nicht sehen, weil es in Deinem Rücken geschieht. Du bemerkst es aber. Warum?
Stelle Dir eine Menschenmenge vor. Du hältst Dich dort auf, und darin erblickst Du einen anderen Menschen, unwillkürlich, bemerkst, wie dieser Dich gleichzeitig anblickt. Wie nur konntest Du es bemerken? Zufall? Mitnichten.

Das klingt tatsächlich etwas esoterisch? Wäre aber nicht schlimm, denn nur weil etwas bisher physikalisch noch nicht nachweisbar, respektive messbar war, und zeitgleich kein Gegenbeweis erbracht werden konnte, heißt es nicht, dass es das nicht gäbe. Das erfuhren wir bereits häufiger. Und nun konnten neue Erkenntnisse gewonnen werden: erstmals wurden Wellen, Energieströme, erzeugt durch Konzentration im Gedächtnis messtechnisch nachgewiesen. Sind Gedanken (oder sogar Gefühle, was dann noch eine andere Stufe bedeuten könnte) energetisch relevant? Haben wir Menschen sogar Rezeptoren dafür? Es scheint sich abzuzeichnen. Das wird (nicht nur) für mich sehr spannend werden.

Zurück zur Sinnlichkeit. Sie wird von uns als positives Gefühl erlebt. Wir können uns, beeinflusst durch unsere beständige Aufmerksamkeit, diesem Moment kaum entziehen. Sinnlichkeit ist zunächst etwas Körperbezogenes, wird getrennt vom Geistigen unterschieden. Sie wird durch unsere Sinne empfangen. Jedoch im Moment der Empfängnis, im Moment, in dem wie sie zulassen, wirkt sie psychisch viel weitergehend.

Fast magnetisch reagieren unsere inneren Rezeptoren, Hormone werden unvermittelt ausgeschüttet. Doch nicht nur durch die vordergründigen Reize reagieren wir so, wie Forscher jetzt herausfanden. Es scheint mehr zu geben, als unsere Sinne, um diese körperliche Reaktion zu erfahren. Höchstwahrscheinlich gibt es zielgerichtete (Aus-) Strahlung in Form einer gerade erst nachgewiesenen Energie, die zwischenmenschliche Interaktion auslöst. Ist Instinkt am Ende messbar?

Unsere Bedürfnisse nach Erfüllung körperlicher Triebe reagieren auf die Sinneswahrnehmung mit durchweg positivem Gefühl, wir fühlen uns gut. (Die Hormonausschüttung ist einer der wissenschaftlich nachgewiesenen Ursachen für unser Wohlbefinden) Durch die nun entdeckten Energien mit der Möglichkeit von feinfühliger zwischenmenschlicher Kommunikation bekommt die Sinnlichkeit noch mal einen ganz anderen Anstrich. So „spüren“ wir uns gegenseitig doch viel deutlicher, als uns immer bestätigt wurde, wir aber doch schon immer ahnten.

Da der Mensch nach diesen Gefühlen trachtet, ist er -bewusst oder unbewusst- immer auch auf der Suche danach. (Nicht nur) Fotografien fungieren dazu als geistige Krücke, die, wenn sie die Sinnlichkeit erfasst haben, diese auf künstlerische Weise transportierten können. Das sind -nach meiner persönlichen Einschätzung- jedoch nur wenige Fotografien, denn ein lasziver Blick eines mehr oder weniger bekleideten Menschen genügt dem noch nicht. Abgesehen von dieser kleinen Diskussion um das Foto: Live bleibt dabei natürlich unberührt und erhaben!

„Der Sinnlichkeit im letzteren Sinn entgegengesetzt ist die reine Intellektualität sowie die Spiritualität (Vergeistigung).“ (Wikipedia)

Du bist schön, weil ich Dich kenne! (177)

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Menschen, die uns an jemanden erinnern, den wir kennen, bzw. dessen Aussehen uns bekannt vorkommt, diese Menschen haben in der Wahrnehmung einen „Heimvorteil“. Warum ist das so?

Studien, die in England durchgeführt wurden, ergaben, dass Sympathiegrade sich stark an bekannten Gesichtern orientieren. Probanden wurden auf dem Bildschirm eine Reihe von Gesichtern gezeigt, die sie auf einer Skala benoten sollten. Es sollte, so wurde ihnen vorher mitgeteilt, eine Erhebung über die Attraktivität natürlich geschminkter Gesichter im Verhältnis zu überzogen geschminkter Gesichter durchgeführt werden.

Wovon die Probanden jedoch nichts wussten, war folgende Konstellation. Ihnen wurden gezielt ausgewählte Gesichter gezeigt, die so ausgesucht wurden, dass ein Teil der Gesichter bestimmten Personen aus ihrem persönlichen Umfeld ähnelten, zusätzlich einige Gesichter von mehr oder weniger bekannten Models und Stars, sowie willkürlich ausgewählte Gesichter. Einer Kontrollgruppe wurden die gleichen Gesichter gezeigt. Hauptsächliche Beachtung fanden bei der späteren Auswertung jedoch nur die Gesichter, die den Vertrauten-Bonus bei den Probanden der ersten Gruppe besaßen und die dazu erfolgte Bewertung der Kontrollgruppe.

Das Ergebnis war eindeutig: die erste Gruppe bewertete Gesichter, welche unwissentlich Personen aus ihrem eigenem Umfeld glichen, durchweg höher in der Attraktivität, als die Kontrollgruppe dies tat.

So scheint der Mensch, als Gewohnheitstier, dem Vertrauten ehr zugeneigt zu sein. Eine Vermutung könnte man daraus schließen: dass auf diesem Wege Menschen, die vielleicht in den Augen der Masse keinen der vorderen Plätze bei einem Schönheitswettbewerb erreichen würden, so diesen ungeahnten Vorteil für sich verbuchen können.

Und tatsächlich gibt es Studien, nach denen eine nicht unerhebliche Zahl von Ehemännern dem Äußeren der Väter der Ehefrauen in auffälliger Weise ähneln. Umgekehrt, also bei den Ehegatten konnte dies jedoch nicht festgestellt werden, hier sind Erkenntnisse herausgearbeitet worden, die das Gegenteil untermauern: Die Ehefrauen sehen den Müttern der Ehemänner auffallend wenig ähnlich. Eine Erklärung dazu wäre noch interessant heraus zu finden.

Zuletzt möchte ich noch einen Bogen schlagen zur Globalisierung der Sehgewohnheiten durch die Medien. Die zunehmende Präsenz aller menschlichen Rassen in den verschiedenen Medien, besonders aber des immer stärker genutzten Internets, wird dazu führen, dass wir unseren Horizont deutlich erweitern. Eine persönliche Verbundenheit Bekanntem gegenüber wird einen immer größeren Kreis bilden, was ich in diesem Zusammenhang sogar für durchweg positiv halte. Die Wahrnehmung und Gewöhnung an die tatsächliche Existenz der unterschiedlichsten Menschen auf unserer Erde wird diese latente Zurückhaltung andersartigen Menschen gegenüber zunehmend verblassen lassen. Ist zu hoffen.

So gefällt uns der lächelnde Südamerikaner genauso gut, wie der lächelnde Schwede, die traurig schauende Japanerin so wie die betrübt blickende Stuttgarterin. 🙂

Nervige Schönheit (165)

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Zwei Faktoren bestimmen die Verhaltensweisen des Menschen: Erstens Prägung und zweitens angeborene, vererbte Strukturen. Dies nicht nur in Bezug auf die Wahrnehmung und die Reaktion auf Schönheit. Soweit die Ergebnisse der Forschung bisher. Nun geht es bei genauerer Betrachtung darum, den Anteil der Prägung und somit die Folgen des Einflusses von Erziehung, Anleitung, Fürsorge und Empathie genauer zu bestimmen.

In der neurobiologischen Wissenschaft konnten bis in die 1990er Jahre durch Versuche und Forschung keine gesicherten, übereinstimmenden Ergebnisse heraus gearbeitet werden, die das Maß, den Einflussbereich von Erziehung, Bildung und sozialem Umfeld auf die Entwicklung des Individuums bestimmen konnten. [1] Oftmals wurden die vererbten Gene für prägender, mit stärkerem Einfluss versehen, gehalten. Andere Forscher kamen zum Ergebnis, das es das soziale Umfeld, in dem der Mensch aufwächst, sein Schicksal unabänderlich vorausbestimmten sollte. Erst seit dem letzten Jahrzehnt des vergangenen Jahrhunderts verdichten sich die Anzeichen für eine deutliche Tendenz. Untermauert von unterschiedlichsten Studien in verschiedensten Ländern beweist sich der Einfluss der Gene sich als viel geringer, die Persönlichkeit, das Wesen des Menschen zu gestalten, als die sozialen Vernetzungen.

Damit geht folglich einher, dass die Reaktionen auf unsere soziokulturelle Umwelt mehr erlernt scheinen als angeboren. Interessant an dieser Stelle wäre die wissenschaftliche Beantwortung der Frage, wieviel angeboren verursachtes Reaktionspotential in Ausübung der erlernten Verhaltensregeln des Menschen steckt.

In der Literatur finden sich einige Dokumentationen aus Forschung und Feldstudien, die zwar nicht direkt dieser Frage nachgegangen sind, die jedoch ganz ähnliche Bereiche der menschlichen Verhaltensweisen in Frage stellten.

Stelle ich hier die Frage, in wie weit mein Umgang mit den optischen Reizen der eigenen Spezies anerzogen ist, oder wieviel archaisches Instinktverhalten unbewusst in mein ach so intellektuelles Gehabe einfließt oder gar eine grundsätzliche Tendenz aufzwingt, so habe ich bereits in früheren Artikeln mit entsprechenden Forschungsergebnissen darauf antworten können. Treten Schlüsselreize auf, so reagiere ich in Millisekunden instinktiv, noch bevor mein Intellekt auch nur die Spur einer Chance hätte, mit dem Ausstoß von Neurotransmittern, die in Form von Enzymen wie beispielsweise Dopamin, aber auch Noradrenalin, β-Endorphin und Serotonin das Nervensystem anleiten. Diese Stoffe sind maßgeblich an unserem (Wohl-) befinden beteiligt, welches unser vermeintlich bewusst gesteuertes Verhalten unbewusst bestimmt.

Wird ein Cocktail aus diesen Substanzen in unserem Nervensystem erzeugt, durch welchen Schlüsselreiz auch immer, steigt unser Wohlbefinden in merklichem Ausmaß und damit ist die Tendenz unsres Verhaltens schon vorbestimmt. Mentale Autonomie, intellektuelle Selbstbestimmung scheint diesen Ergebnissen zufolge eine komplette Sinnestäuschung zu sein.

Und doch ist es so, dass wir nicht durch die Ausschüttung von Dopamin in Euphorie verfallen und alles stehen und liegen lassen. Wir sehen etwas Schönes und sind hin und weg? Nein, da ist schließlich noch das Serotonin. Dieser Stoff wirkt als Dämpfer. Es ist also nicht unser bewusster Verstand, der allzu erwachsen reagiert. Es ist der Botenstoff, der uns zu Gelassenheit, Ausgeglichenheit, inneren Ruhe und Zufriedenheit bringt. Er sorgt dafür, dass Besonnenheit als Grundlage für unser Denken geschaffen wird.

Zurück zur eigentlichen Fragestellung. Heißt die Antwort auf die Frage, wie wir mit der Schönheit umgehen, je nach Möglichkeit unseres Körpers den ein oder anderen Neurotransmitter ausschütten zu können bestimmte die Reaktion? Was würde der Lerneffekt des Lebens dazu beisteuern, wenn es so wäre? Nun, dass liegt sozusagen eine Ebene höher. Im Laufe des Lebens bilden sich die individuellen Nervengeflechte eines jeden einzelnen Menschen. Nahezu abgeschlossen ist diese Entwicklung im Alter von 16 bis 20 Jahren. [ebnd] Die Nervenautobahnen sind etabliert, nur Nebenstraßen werden noch gebildet. Und das immer langsamer. Und genau bei dieser Entwicklung zeigt sich der Einfluss der Gene und der Einfluss der Bildung: Multiple Sinnesreizungen, höchst abwechslungsreiche Inputs im Laufe der Menschwerdung bilden mannigfaltige Vernetzungen in den verschiedensten Bereichen des Gehirns aus, (musisch, kognitiv, haptisch) die dafür sorgen, dass der Mensch in vielfältiger, unterschiedlich reflektierender Art und Weise auf seine Umwelt reagierten kann und darüber hinaus diese mit formen kann!

Fazit: Mit dem Einfluss auf die Entwicklung eines Individuums bestimmen wir dessen Möglichkeiten im Umgang mit all den Einflüssen, die im Laufe seines Lebens auf ihn warten.

.[1]: Prof. Manfred Spitzer, Medizin für die Bildung, Spektrum-Verlag, Heidelberg 2010

Schönheit – Sinn und Zweck (156)

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Welchen Sinn und Zweck hat ein schöner Schein als zu scheinen? Welchen Sinn und Zweck hat ein schöner Schein als eine Wirkung zu erzielen? Auf wen soll sie wirken und und warum wirkt sie in dieser Weise?

Schönheit bei Menschen, ein schönes Gesicht und ein schöner Körper, Ausstrahlung wäre wirkungslos, wenn nicht ein Adressat existieren würde. Schönheit ist eine Ursache. Schönheit existiert in unserem Dasein. Schönheit erzielt eine Wirkung. Menschen sehen Schönheit, und sie fühlen sich intuitiv zu ihr hingezogen, in den meisten Fällen jedenfalls.

Auch durch die Kunst wird im Menschen ein Gefühl der Schönheit erzeugt. Der Neurowissenschaftler Zeki hat Probanden in einer Magnetresonanzröhre verschiedene Gemälde gezeigt und gleichzeitig deren Gehirnaktivität aufgezeichnet. „Je mehr die Kunst gefiel, desto stärker aktivierte sie den medialen orbitofrontalen Cortex,…“, so Zeki. Er sieht eine Parallele: „Der orbitofrontale Cortex ist auch stark aktiviert, wenn wir jemanden lieben, der uns gefällt.“ Weiter schreibt er: „Schönheit ist zu einem großen Teil eine Qualität des Körpers, die mit einer Aktivität im medialen orbitofrontalen Cortex einhergeht und die Sinne einbezieht.“

Alleiniger Adressat der Schönheit ist der Mensch selbst. Ein Löwe frisst einen schönen Menschen genauso gerne, wie einen hässlichen Menschen. Ein Hund freut sich über eine Delikatesse, gleich ob sie von einem furchigen Narbengesicht überreicht wird oder von einer zarten, bildhübschen Prinzessin.

Die Schönheit setzt im Menschen bestimmte Hormone frei, Emotionen (Reizreaktionen) in uns sind die Folge, die oftmals Reaktionen zur Folge haben. Beispielsweise lächeln wir bei einem schönen Kinde viel ehr, als bei einem wenigen schönen Kind, so haben es Wissenschaftler festgestellt. Andere Wissenschaftler sehen in der Wirkungsweise neurolophysiologische Reaktionen. Komplexe Verhaltensmuster entwickelten sich in unterschiedlichen Kulturen.

  Erkannte menschliche Schönheit besitzt einen großen Anteil an evolutinärem und sozial entwickeltem Potential. Wir als westlich orientierte Menschen würden geografisch oder ethnisch entstandene Formen der Schönheiten nicht als solche bezeichnen, würden nicht die Reaktionen erfahren, die wir bei Schönheiten unseres Wirkungskreises erfahren. Ob es nun der Fettsteiß mancher afrikanischer Völker ist oder die Tellerlippen der Äthiopier erzeugen in uns nicht die Reaktionen eines bildhübschen jungen Kindes wie Ronja Räubertochter Hanna Zetterberg.

Wissenschaftliche Versuche, bei denen in Gesichtern von Probanden Sensoren angebracht wurden, um Muskelkontraktionen aufzuzeichnen, die nach der Ansicht bestimmter Bilder erfolgten, bewiesen dieses Zusammenspiel von Emotionen und körperlichen Reaktionen. Nur die wenigsten davon nehmen wir deutlich wahr, (Angst-die Haare stellen sich auf, Liebe-Schmetterlinge im Bauch) die Mehrzahl passiert völlig unbewusst.

So hat Schönheit den Zweck, Reaktionen zu erzeugen, Schönheit ist zielgerichtet, und wir alle versuchen tagein, tagaus den Wert dieser Schönheit zu erhalten, zu steigern oder erzeugen. Wir wissen, unabhängig von ethnischer Zugehörigkeit und über die Jahrhunderte hinweg, dass gesteigerte Attraktivität uns bei der Erreichung unserer Lebensziele dienlich ist, und wir im Gegensatz bei ihrem Mangel dieses durch differente Investitionen ausgleichen müssen.

Können wir uns wehren gegen diese Automatismen? Neurowissenschaftliche Forschungen verneinen diese Frage eindeutig. Doch im zweiten Schritt haben die Menschen Handlungsspielraum. Nachdem die evolutionär-soziale Sensorik auf die Schönheit mit körperlichen Reaktionen antwortete, liegt es an uns, diese in unserem Bewusstsein als das zu erkennen, was sie tatsächlich ist. Schöner Schein, der vorerst nur den Sinn des Schönen Scheins besitzt, sonst nichts.

Eure Schönheit, Hochwohlgeboren (128)

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In der heutigen Veröffentlichung schreibe ich über Attraktivität und wie sich die Wahrnehmung derselben durch Interkommunikation verändert.

Was geschieht, wenn wir einen attraktiven Menschen erblicken? Wir sehen hin. Wir sehen etwas länger hin, als bei einem weniger attraktiven Menschen. Ob wir wollen oder nicht, wir können gar nicht anders, denn bekanntlich entscheidet unser Gehirn praktisch in 150 Millisekunden darüber, ob ein Gegenüber für uns interessant ist oder eben nicht. Was dann folgt, ist ein festgelegtes Ritual. Bei einer positiven Botschaft des Gehirns sehen wir den Menschen an, und erfassen in mehr oder weniger fest bestimmter Reihenfolge ganz bestimmte Merkmale, über die ich zuvor schon ausführlich berichtete:

· alt oder jung
· weiblich oder männlich
· gesund oder krank
· klein oder groß
· …

Auch diese Einschätzungen treffen wir in viel weniger als einer Sekunde. Anschließend wandern unsere Augen bei der Betrachtung unseres Gegenübers erneut auf ausgetretenen Pfaden: als erstes schauen wir in das Gesicht, über das mehr als 90 Prozent unserer Kommunikation abläuft. Des weiteren sehen wir auf die Statur des Menschen im Gesamten, bevor wir auf die einzelnen, primären oder sekundären sexuellen Merkmale achten, die da wären:

· Haare
· Lippen
· Hintern
· Busen
· Schultern
· Beine
· Becken
· Oberarme
· …

Diese Handlung, die schon viel mehr unserem Bewusstsein entspringt, als irgendwelchen Automatismen, kann mehr Zeit in Anspruch nehmen. Wir bewegen uns in Zeiträumen von knapp unter einer Sekunde bishin zu sehr wenigen Sekunden.

Nun komme ich zum Kern dieses Artikels. Innerhalb dieses Ablaufs, der Betrachtung unseres Gegenübers, treffen wir sehr früh, nämlich während der Wahrnehmung des Gesichts, auf die Augen des Menschen. Diese sind, vielfach beschrieben als das Tor zur Seele, das aussagekräftigste Element im Gesicht des anderen. Wir haben im Laufe der Evolution gelernt, die Sprache der Blicke zu verstehen. Wir sind noch immer dabei, diese zu erlernen. Menschen suchen förmlich den Blickkontakt, um zu erfahren, wer mir da entgegen kommt, ob Freund oder Feind . Vielfach wissenschaftlich untersucht, erkennen wir relativ schnell an bestimmten Aktionen unserer Blicke, was gemeint sein könnte. Eine der ersten Erkenntnisse entscheidet über die Frage, ob ich gemeint bin, oder ob die Person mich gar nicht wahrgenommen hat. Diese Feststellung wird uns gleich noch näher beschäftigen.

Aber erst zu den weiteren Aussagen, die wir anhand des Augenkontaktes treffen können. Wie ist der Verlauf des Blickkontaktes? Schlägt der Partner die Augen nieder, und welche Aussage bedeutet es? Ist er traurig oder ist ihm etwas unangenehm? Senkt oder hebt er die Augenbrauen? Ist er missgestimmt oder greift er mich an? Weiten sich seine Augen, ist er überrascht, mich zu sehen oder verblüfft über meine Handlung? Lächeln seine Augen, und ist er erfreut mich zu sehen oder erfreut ihn meine Aktion, vielleicht wird ein Lächeln erwidert.
So sind es eine Vielzahl von Reizen, die wir durch unsere Augen verarbeiten, die als erster Schritt der Kommunikation zwischen zwei Menschen stattfindet.

Im Bezug auf die Attraktivität ergaben sich im Hinblick auf genau diese erste Kommunikation interessante Ergebnisse, als Wissenschaftler untersuchten, in wie weit ein Zusammenhang besteht zwischen primärer, nonverbaler Kommunikation und Aussehen. Anhand Versuchen, bei denen Probanden attraktive und weniger attraktive Gesichter vorgelegt wurden, die entweder die Probanden direkt ansahen oder die diese nicht ansahen, konnte unter Zuhilfenahme von Kernspinntomographen erwiesen werden, dass Gesichter, bei denen eine Kontaktaufnahme durch Blicke stattfand, eindeutig größere Attraktivitätswerte ermittelt wurden. Das konnte solange festgestellt werden, bis die Attraktivität der Betrachteten unter einen mittleren Wert sank. Danach wurde festgestellt, dass die Probanden sozusagen froh schienen, nicht von den unterdurchschnittlich aussehenden Menschen bemerkt worden zu sein. Diesen letzten Punkt näher zu untersuchen wäre eine interessante Aufgabe der Attraktivitätsforschung. Bestimmte Bereiche in unserem Kortex machten wahre Freudensprünge, wenn attraktive Gesichter Notiz vom Beobachter nahmen, so die Forscher.

Als Fazit möchte ich festhalten:
Die Aussage, dass eine Person, die attraktiv ist, also um ein unendliches attraktiver wird, wenn sie den Betrachter wahrnimmt, halte ich für ein äußerst spannendes Ergebnis. Der Leser mag sich selbst fragen, welche Gefühle in ihm entstehen, wenn er oder sie von einem attraktiven Menschen wahrgenommen wird, und ein kurzer Blickkontakt zustande kommt. Ich spreche dabei noch nicht mal von einem Sekundenflirt, ich denke mehr an die vielen Unternehmungen, die viele von uns anstrengen, um attraktiver, und damit mehr beachtet zu werden. Vielleicht kann dieser aufmerksame Blick eine Art der Bestätigung unserer selbst werden. Damit sollte ein weiterer plausibler Grund geliefert sein, viel öfter den Menschen ein wahrnehmbares Lächeln zu schenken. Denn schon mit diesem geringen Aufwand können wir Freude und Wärme schenken.

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Verfall der Schönheiten, Teil 2 (113)

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In diesem Artikel schreibe ich über die körperlichen Veränderungen bei uns Menschen, und wie wir gedenken damit umgehen zu müssen.

Was wäre unser Leben ohne Vergänglichkeit? Dafür, dass etwas Neues entstehen kann, muss etwas Altes vergehen.

Wäre die Vergänglichkeit nicht, so wären wir noch was?: befruchtete Eizelle? – nein, diese vergeht und wird zum Fötus. Baby? – nein, wir werden zum Kind. Jugendlicher? – nein, wir werden zum jungen Erwachsenen. Erwachsener? – nein, wir werden zum älteren Menschen. Greis? – nein, wir werden sterben.

Somit vergehen wir -wie unser Aussehen vergeht und entsteht- mehrere Male im Leben. Unser Dasein als Baby vergeht. Wir sind irgendwann nicht mehr Baby, sondern Kind. Genau so, wie sich unser Menschsein immerfort entwickelt, so unterliegt unser Aussehen einer immerwährenden Entwicklung. Was wäre, wenn wir auf einer beliebigen Stufe der Entwicklung stehen blieben? Der Traum vieler Menschen, ja ganzer Völker, ist der Stillstand des Alterns. Dieser aber bitte nicht auf der Stufe des Kleinkindes.

Unser Leben, unsere körperliche Verfassung, unser Aussehen verläuft üblicherweise in der Form einer Parabel. So empfinden und erkennen wir es auch. Ursächlich dient das Aussehen unter den Menschen, wie bei vielen Tieren, als Katalysator zur Durchführung von Aktionen, welche zur Erhaltung der Art dienen. Damit ist gemeint, dass die größte Attraktivität genau in der Zeitspanne von uns Menschen empfunden wird, in der wir die höchste Fertilität besitzen. Diese biologische Kausalität wird durch mannigfaltige, geistige, oft unbewusste Mechanismen unterstützt.

Die Menschen sind im Allgemeinen daran interessiert, diese Zeitspanne der größtmöglichen Attraktivität so lange, wie nur irgend möglich zu erhalten. Die große Mehrzahl der Frauen unternehmen größtmögliche Anstrengungen, um ihrem Aussehen möglichst lang ein jugendliches Antlitz zu erhalten. Unzählige Mittel sollen z.B. den Alterungsprozess der Haut verzögern. Begonnen bei ganzen Regalen voller Cremes über Peelingbehandlungen bishin zu Botoxspritzen ins Gesicht. Und die Männer sind auf der gleichen Fährte, wenn auch bei weitem nicht so fortgeschritten.

Der Grad dieser Eingriffe in den Zyklus der Alterung wird in erster Linie nicht vom Individuum selbst bestimmt. Hier ist vielmehr der Gruppenzwang von großem Einfluss, der durch den allgemeinen Wertebegriff initiiert wurde. Jugendlich – frisches Aussehen steht in der heutigen Zeit mit an ganz oberster Stelle auf unserer Werteskala. Verbunden mit der immensen Bedeutung des Aussehens überhaupt sind die Menschen tendenziell auf dem Wege hin zu mehr Schein als Sein. Auch, wenn es vermehrt kritische Stimmen dazu gibt, so gehen diese unter in den vielen Auswüchsen in Form von Suchen nach einem next Supermodell oder Superkinde. Fluten von Bildern von schönen und schlanken Menschen (wie meine Bilder hier im Blog) suggerieren uns die Allgegenwart der Schönheit. Vergänglichkeit wird weitestgehend verdrängt.

Dabei hat sie eine enorm wichtige Funktion. Wie eingangs beschrieben ist es für die Zeit unseres Aufenthaltes hier in dieser Welt eine Notwendigkeit zu vergehen. Wenn es bei Faust heißt : „… und das mit Recht, denn alles, was entsteht, ist wert, das es zugrunde geht,…“ so gibt das wieder, wie der wissenschaftliche Zusammenhang gemeint sein könnte: (Hier einen kleinen Ausflug ins Metaphysische) Unsere Seele findet einen Körper auf der Erde. Der Körper bedient sich bestimmter Moleküle, die im Laufe seines Lebens kontinuierlich ausgetauscht werden, bis sie eines Tages wieder in den Elementen verschwunden sein werden. Unter den Gläubigen spricht man von Erde, aus der man entstanden und zu der man wieder wird.

In Verbindung mit unserer Haut würde es nach oben erwähnter Manier bedeuten, dass wir zur Blütezeit unserer Konstitution besonders viel Spannkraft in der Haut haben, die, mittlerweile gut erforscht, durch bestimmte chemische Substanzen wie z.B. Collagen und Elastin erreicht wird. „ Nach und nach nehmen die Kollagenfasern und die elastischen Fasern der Haut ab, was zur Folge hat, dass sie nicht mehr so viel Feuchtigkeit speichern kann und schrumpft. Dieser Prozess lässt die Haut altern. Sie
verliert an Feuchtigkeit und Spannkraft.“ *
Beginnt unser Körper mit dem Abbau dieser Substanzen, so fehlt der Haut mit jedem Jahr etwas mehr dieser jugendlich anmutenden glatten Haut. Abgesehen vom biologischen Signal, dass wir mit dieser Haut das Zeichen setzen, dass wir nicht mehr uneingeschränkt zur Erhaltung unserer Art taugen, so spielt sich das eigentliche Drama nur in der Bedeutung genau dieses Wertes durch unsere Gesellschaft ab. Um es auf den Punkt zu bringen: Der Wert des Menschenalters wird einzig und allein durch unseren Umgang damit manifestiert. Ob nun auf der Werteskala eines jeden einzelnen oder innerhalb seiner Gesellschaft makellose Haut weit über der Weisheit der Menschen rangiert, das mag gerne jeder selbst entdecken.

* http://www.planet-wissen.de/natur_technik/anatomie_mensch/kosmetik/wie_altert_die_haut.jsp