Hintergedanken [92]

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Was Du sagst und was Du denkst, sind unterschiedliche Dinge! Doch was Du tust und besonders was Du nicht tust, zeigt, wes Geistes Kind Du bist! Du spielst verstecken, aber Du kannst Dich nicht verstecken, denn Du handelst nicht, wo Handlung angesagt. Jeder kann es sehen, und sieht Dich früher oder später so, wie Du bist!

(Mein Model auf dem Bild war übrigens das genaue Gegenteil!💪 😊)

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Zusammenspiel (Ein Joint-Venture) [91]

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Unisono. Es war schön. Wir verstanden uns. Fotograf und Model. Dieses Zusammenspiel schlug sich nieder in unseren Bildern, Fotografien, die den Eindruck vermitteln, es wäre überhaupt kein Fotograf anwesend gewesen.

Wie es dazu kam ist recht kurz zu fassen: Wir kennen uns seit 2 Jahren. Haben schon zusammen gekocht nach unseren Shootings und blödeln schon mal durch die Gegend. Vielleicht entsteht solch eine Vertrauensbasis, wenn man weiß, was „dahinter“ steckt. Ganz selten funktioniert es schon bei der ersten Zusammenkunft, beim 2. Male wird es meist besser. Doch auch weniger gut kann es werden, wenn einer schlecht drauf ist. Es pendelt sich ein, meistens. In besagtem Falle funktionieren wir, reibungslos und inspirierend geht uns die Arbeit von der Hand. Die Zeit vergeht rasend schnell, es gibt relativ wenige Pausen, nur der Fotograf nervt dauernd mit Trinkaufforderungen. 😊

Andere Teilnehmer am Shooting, darunter MUA und Stylistin, sowie Helfer lassen sich da gerne anstecken, sie sind aber lange nicht immer dabei. Ich denke hin und wieder an unseren Erstkontakt zurück und schmunzle dabei. Sie ist einer derer Models, die ich auf der Straße angesprochen hatte, ihr gab ich meine Karte und alles andere fügte sich: Rückruf, erstes Treffen, erste Shootings und Familie kennenlernen, alles Standard. Nur die Art der Zusammenarbeit entwickelte sich derart leicht, was lange nicht immer so ist. Manchmal aber passt es, wie hier. Kreativität und Ausdauer, Ideen und deren Vorbereitung gehen Hand in Hand, es macht Spaß und das ist bekanntlich einer der Motoren solcher Shootings. Was will ich damit eigentlich sagen?

Dieses Beispiel dient mir als ein möglicher Maßstab für gelungene Zusammenarbeit. Langjährige Erfahrungen führen schneller zu einer solchen Arbeitsweise, aber nicht jeder hat diese Erfahrung und ich erinnere mich an meine eigenen Anfänge. Dabei ist allerdings eines sehr interessant zu beobachten: Es ist altersunabhängig, wie die Zusammenarbeit von statten geht, wie das erste Treffen verläuft, wie die Kommunikation funktioniert und wie zuverlässig ein Mensch agiert! Ich wünschte mir oftmals, dass dies alles etwas stetiger wäre. Es ist wie im richtigen Leben, auch da sind viele Kontakte von Unverbindlichkeit geprägt, Dinge laufen anders, als besprochen, Ernsthaftigkeit ist Mangelware. Warum sollte es bei den Shootings anders sein? Dass es bei manchen Menschen anders geht, freut mich ungemein. Dafür bin ich gerne bereit, mehr zu tun, in welcher Form auch immer.

Die andere Seite ist mir immer etwas unverständlich. Ich gehe davon aus, dass es sich bei einem Shooting, der Erstellung von schönen Bildern, um eine Sache handelt, die man gerne macht, die nichts mit Zwang oder Pflicht zu tun hat, die freiwillig und unter den besten Voraussetzungen stattfinden wird. Sicher ist es eine Frage von Stellenwert und Zielen für sich selbst, das ist aber bei der Erschaffung von Kunst immer die große Frage. Eine Unsicherheit ist nicht tragisch, besonders zu Beginn, doch die Frage ist, wie damit umzugehen ist.

Kommunikation! Das Hauptmerkmal der zwischenmenschlichen Beziehung. Warum liegt hier so viel im Argen? Oder kommt es mir nur so vor? Menschen schreiben etwas, sagen etwas und vergessen es scheinbar. Überall. Gibt es zu viel Ablenkung, sind wir in einer Phase der starken Wandlung, beeinflusst von einer recht neuartigen Mediennutzung, unfähig es so schnell umzusetzen, wie nötig, aus einer tatsächlichen Überforderung heraus?

Seltenst unterstelle ich Absicht, manche Exemplare nutzen es sicherlich, um zu manipulieren, leiten Dinge ganz gezielt in eine Sackgasse um sich keiner Auseinandersetzung zu stellen! Ist ja auch viel einfacher und wird schon nichts kommen, nicht wahr! Lieber leicht und oberflächlich, bloß nicht zu kompliziert, alles nicht so wichtig, just for fun, alles cool! In einer Gesellschaft des Überflusses eine scheinbar folgerichtige Situation, kommt mir eines zu nahe, habe ich tausend andere Möglichkeiten – und Menschen. (Upps, bin ich doch gerade leicht abgedriftet, das also nur am Rande 😉…)

Zurück zum Thema. Es ist spannend, wenn man sich bei einem Shooting auf den Inhalt konzentrieren kann. Fernab von Konventionen und Ressentiments, von irgendwelchen Beschränkungen, wenn die Idee im Vordergrund stehen kann und die Ausarbeitung gemeinsam angegangen werden kann. Wunderbar. Man spricht miteinander, als kenne man sich schon immer, sieht den anderen als seinen Partner für die Erschaffung von künstlerischen Aufnahmen, begibt sich in eine unbedingte Atmosphäre, in der alles frei abläuft, alles gesagt werden kann und alles besprochen werden kann. Jeder Zweifel kann kommuniziert werden, jedes Bedenken konkretisiert und beseitigt werden, damit einer freien und Umsetzung nichts im Wege steht. Damit erreicht man eine vertrauensvolle Grundlage, auf der erst das entstehen kann, was ich oben beschrieben habe: Kunst in Form und Ausdruck!

Schönheit, eine Frage des Wertes, Teil II (172)

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Der Zähler der Schönheit wird definiert durch ihren Wert. Wenn Schönheit vorhanden ist, geht es nur noch um deren Gegenwert und Einfluss.

Hier nun in Teil II dieses Beitrages möchte ich von Werten der Schönheit schreiben. Was bedeutet es, wenn ich den Wert x auf einer Werteskala von 1-100 besitze? Welche Vorteile genieße ich, wenn der Wert größer ist und habe ich Nachteile, wenn er nicht so hoch ist? Und wenn es überhaupt einen Einfluss gibt, in welchen Bereichen kann er gemessen werden?

Dazu auch wieder ein Beispiel: Aus den vielen möglichen Bereichen wie z.B. Arbeitswelt, Partnersuche, Machtkampf, Öffentlichkeit, Freundschaften, Arterhaltung, Glaubensfragen oder Selbstwertgefühl möchte ich das Vertrauen herausnehmen, ein Gefühl, eine Einstellung, deren Beziehung zum Aussehen (nicht nur) beim Menschen hinlänglich erforscht wurde.
Jedermann kennt diese Ergebnisse, die durch vielfältige Untersuchungen verifiziert wurden: Einem gutaussehenden Menschen vertrauen wir nun mal eher als einem nicht so gut Aussehenden. Bis zu einem gewissen Grad, nicht aber darüber hinaus.

Von diesen Ergebnissen ausgehend kann ich den Wert des Zählers beschreiben und je nach Größe in ein Verhältnis setzen. Nehme ich also den Wert von 75, dessen Skala die Schönheit von 1, schön, aber nicht so schön, bis 100, sehr schön entnommen ist, so habe ich ein Wesen, dessen Schönheit grundsätzlich vorhanden ist ( zur Erinnerung, der Nenner ist die Schönheit, sie ist also da, und das ab dem Wert 1 in meiner erdachten Skala) und das mit einem relativ hohem Wert. Daraus ergeben sich möglicherweise eine Reihe von Gegenwerten, die ich bei diesem Vergleich dem Alphabet entnehmen möchte und mit A bis N, also 14 an der Zahl, bezeichne. Worum es sich handelt, dazu später mehr.

Als Gegenpart möchte ich den Wert 24 nehmen, der als Gegenwerte die der Bezeichnungen A bis G erhält, und damit weniger, als der Wert 75, nämlich genau 7. Ihm fehlen die Gegenwerte H bis N. An dieser Stelle sein nochmals erwähnt, dass diese Werte nur primär fehlen, bis wir den Menschen kennengelernt haben. Im Verlauf des Kennenlernens wird ent-deckt und ent-täuscht.

Nun zur Erklärung der sehr theoretischen Ansatzweise. Da ist ein Mensch. Ihm ist ein bestimmtes Maß an Schönheit zu eigen. Wie genau das sich festlegt, ist unwichtig, das wurde im Nenner bereits festgelegt! (z.B. ein Ring mehr zwischen Kopf und Torso bei dem Stamm der Karen , ein Speckröllchen mehr im Barock oder heute ein paar Gramm zu wenig) Diese Schönheit bringt diesem Menschen eine Verknüpfung verschiedener Attribute und Eigenschaften zu Tage, die schon in der Antike zur philosophischen Verbindung von schön und gut ( altgriechisch καλός, von innerer/moralischer Schönheit: schön, gut, trefflich, edel, ehrenvoll, anständig, rühmlich) wurde. Es ist in diesem Moment nicht von Bedeutung, ob er oder sie diese Eigenschaften tatsächlich besitzt, sie werden ihm oder ihr erstenmal zugerechnet. Damit schafft die Attraktivität einen ersten Vorteil in der Beziehung der Menschen, so auch in meinem Beispiel, dem Vertrauen. Wir vertrauen tatsächlich gutaussehenden Menschen viel eher, obwohl rein garnichts dazu berechtigte.

Diese Tatsache ist meist aber von kurzer Lebensdauer. Treten wir in Kontakt zu diesem Menschen, so erweist sich meist sehr schnell, ob dieses Vertrauen gerechtfertigt war oder nicht. An den Handlungen und Taten zeigt sich eindrucksvoll, was „dahinter“ steckt, ob wirklich Substanz da ist oder ob es hohl daher kam. Und an diesem Scheideweg trennt sich die ursächliche Wertigkeit der Schönheit vom aktiven Miteinander der Menschen. In der zugegeben zunehmenden Bedeutung der Medien, in dem der tatsächliche Kontakt zwischen Menschen immer fiktiver und virtueller zu werden scheint, verliert die Substanz zunehmend an Boden. Streit wird oft mit Ignoranz abgestraft, anstatt sich mit dem Menschen auseinanderzusetzen, und vielleicht großmütig Fehler zu verzeihen.

Beim Vertrauen ist es also eine Art Vorschusslorbeeren, die der schönere Mensch schneller erntet, und auf denen er erst mal aufbauen, oder sich ausruhen kann. Es dauert möglicherweise länger, bis sich herausstellt, ob das Vertrauen zurecht ausgesprochen wurde. Der Wert der Schönheit verursacht hier in erster Linie einen Vorteil, einem Mehrwert, solang es um dem ersten Eindruck geht.

In Teil 3 möchte ich mich dem Faktor Macht widmen und den Einfluss der Schönheit darauf beleuchten, denn auch dabei zeigt sich, in welchen Bereichen des menschlichen Miteinanders dies überhaupt zur Entfaltung kommt.

Schöneren Menschen vertrauen wir eher! (114)

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In diesem Artikel beschreibe ich die erste Wirkung des Äußeren auf unser Bewusstsein, und erläutere dies anhand einer Studie.

Alexander Todorov, Neurowissenschaftler und Wahrnehmungspsychologe der Universität Princeton geht in seinem Social Neuroscience Lab der Frage nach, wie der „erste Eindruck” entsteht, den uns ein
Gesicht vermittelt. Welche Anzeichen sorgen für einen ersten positiven, sympathischen Eindruck und was führt zu einem ablehnenden Gefühl?

Wir sehen den Menschen an, und unser Gehirn erkennt ganz automatisch die Gestik und Mimik unseres Gegenüber. Es vergleicht in Bruchteilen von Sekunden unsere Datenbank der Erfahrungen damit, überarbeitet diese Vergleiche mit unserem Instinkt und gibt damit eine Empfehlung an unser Bewusstsein – der wir meist erst mal folge leisten.

Ulrich Renz schreibt darüber in seinem (leider eingestellten) Blog:

„Todorovs Team arbeitet mit (sowohl echten als auch computergenerierten) Gesichtern, die als 3D Gitternetz mathematisch kodiert sind (s. Abbildung). Er kann damit den Zusammenhang zwischen der Gestalt eines Gesichtes und dem Persönlichkeitseindruck, den es bei Probanden auslöst in exakte Zahlen fassen. Und damit die Frage beantworten, welche Hinweisgeber im Gesicht es eigentlich sind, die uns das Gefühl geben: “diesem Menschen kannst du vertrauen”. Hat es mit der
Augengröße zu tun? Der Lage der Brauen? Der Position der Mundwinkel?

Nach tausenden von Bewertungs-Durchläufen weiß Todorov: Die als vertrauenswürdig wahrgenommenen Gesichter haben offenbar eine diskrete und bewusst nicht wahrnehmbare Ähnlichkeit mit Gesichtern, die den Ausdruck von Freude tragen. Und das, obwohl
die untersuchten Gesichter in ihrer Mimik vollkommen neutral waren, also keinerlei Gefühlsregung zeigten! Umgekehrt – wenig vertrauenswürdig wirken (gefühlsneutrale) Gesichter dann, wenn sie mit Spuren der Emotion „Ärger” kontaminiert sind. Lesen wir in einem Gesicht die Gefühlsregung „Freude”, so interpretieren wir das als Annäherungs-Signal: „Hier kommt ein Freund!” – Lesen wir dagegen „ärgerlich”, rutscht der entsprechende Mensch in die Kategorie „potentieller Feind”.

Beim Lesen von Gesichtern unterläuft uns also offenbar eine systematische Verwechslung: Obwohl sie “eigentlich” gar keine Gefühlsbotschaft transportieren, lesen wir doch ein Gefühl in sie hinein – einfach deshalb, weil ihr Aussehen uns an diese Emotionen erinnert. Anders ausgedrückt: Wenn die genetische Lotterie einem Gesicht rein zufällig Merkmale beschert hat, die einem bestimmten
Gefühlsausdruck ähneln – beispielsweise höhere oder tiefere Mundwinkel -, so können wir gar nicht anders, als in diesem Gesicht das entsprechende Gefühl wahrzunehmen.

Ein klarer Fall von Verwechslung, denn dieses Gefühl ist ja gar nicht vorhanden. Wahrnehmungspsychologen wie Todorov sprechen bei
solchen „Verwechslungen” von overgeneralization, also Über- Verallgemeinerung: Wir verallgemeinern die Botschaft eines Reizes (in unserem Fall die Botschaft „ich freue mich”) automatisch auf einen anderen Reiz, sobald dieser dem ursprünglichen Reiz ähnelt.

Was hat das nun aber mit Schönheit zu tun? – Eine ganze Menge, wie Alexander Todorov herausgefunden hat. Im vieldimensionalen „Gesichts-Raum” seiner Probanden haben nämlich der Attraktivitäts- und der Vertrauenswürdigkeitsvektor eine erstaunlich übereinstimmende Ausrichtung. Will heißen:
„Vertrauenswürdigkeit” und „Attraktivität” überschneiden sich in unserer Wahrnehmung in höchstem Maß. Und Vertrauenswürdigkeit wiederum ist, wie wir nun wissen, an die “Gefühlsspuren” gekoppelt, die wir in manchen Gesichter zu erkennen meinen. – Man könnte es vereinfacht auch so ausdrücken:
Wer glücklich aussieht lässt bei uns die Vertrauenssaite klingen, und wer als vertrauenswürdig wahrgenommen wird, wird auch als
anziehend empfunden. … Hier ist nur folgendes wichtig: Sie vollziehen sich vollkommen unbewusst und reflexartig, und zwar blitzschnell
(nämlich innerhalb der ersten 100 Millisekunden einer Begegnung).“

Dies ist eine anschaulich beschriebene und aufschlussreiche Studie. Als Fazit daraus kann ich für mich feststellen, dass der Mensch viel mehr intuitiv gesteuert ist, als ihm bewusst ist. Wir reagieren auf bestimmte Schlüsselreize, ohne dass wir sie als solche erkennen, ohne, dass wir uns dessen jedes Mal bewusst sind. Aufgrund bestimmter Ausprägungen im Gesicht des Gegenüber fällt unser Unterbewusstsein die Entscheidung über letztendlich Attraktivität oder Missfallen und ist so freundlich uns dies über ein Gefühl mitzuteilen.

Nun gehört diese Reaktion zu einem Konglomerat von komplexen Automatismen, ohne die wir in unserer Umgebung durch Reizüberflutung zu Grunde gehen würden. Von den unendlich vielen Reizen, die beständig auf uns hernieder gehen, filtern diese Mechanismen die Mehrzahl aus. Für uns werden jene Reize bis ins Bewusstsein transportiert, die für uns neu oder besonders intensiv sind. Viele andere gehen dabei unter, wieder andere lösen eine diffuse Gefühlsregung aus, die in ihrer Summe zu einer bewussten Empfindung werden. Oft passiert es jedoch, das wir aufgrund der Vielzahl der Reize, besonders der optischen Reize, völlig überfordert sind. Dadurch kommt es immer häufiger vor, dass wir Reize von eigentlich für uns großer Wichtigkeit übersehen, und unser Bewusstsein zu einem Fehlverhalten geleitet wird. Manchmal sind es die kleinen Zeichen, die, wenn sie erkannt, zu einer sinnvollen Tat führen, die aber, wenn sie übersehen werden, dies zu erheblichen Missverständnissen führt.

Im Zuge der hiesigen Betrachtung des wohlgeformten Hinterns schlage ich den Bogen über folgenden Zusammenhang: entdecken wir einen schönen Menschen, respektive einen wohlgeformten Hintern, so erkennen wir den aufgrund ganz individueller Schlüsselreize. Diese lösen in jedem von uns eine momentane Begeisterung aus. Bei jedem von uns wirkt etwas Anderes, wenn auch immer wieder ähnliches, wenn es um die Attraktivität des anderen Geschlechts geht. Diese Reize sind meist nicht von langer Dauer. Sie finden nur aufgrund der Stärke des Reizes, aufgrund der Neuartigkeit für unsere Vergleichsdatenbank in unserem Gedächtnis und letztendlich auch aufgrund unserer Aufnahmebereitschaft den Zugang zu unserem Bewusstsein. (Den Punkt Aufnahmebereitschaft möchte ich in einem späteren Artikel gesondert aufgreifen.)

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Der Größere ist der Schönere! (112)

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In diesem Artikel stelle ich die Frage, ob die Größe etwas mit der Attraktivität zu tun oder die Attraktivität etwas mit der Größe zu tun hat? Um es vorweg zu nehmen – JA, hat sie!

Will eine Frau oder ein Mann als Modell arbeiten, so gibt es genau bestimmte Körpergrößen, die nicht unterschritten werden dürfen. Kleinere Menschen haben es erwiesenermaßen schwerer einen Partner zu finden, als größere. Das gilt in einem bestimmten Rahmen, denn über eine gewisse Größe hinaus tendiert das Maß der Attraktivität wieder in die entgegengesetzte Richtung.

Dass die Körpergröße ein gefragtes Attribut ist, kann man beispielsweise an den Wunschangaben in den weitverbreiteten Singleseiten im Internet erkennen. Bei den Wünschen der Frauen für einen Partner wird in fast allen Fällen eine größere Körperstatur gewünscht. Bei den Wunschangaben der Männer für eine Partnerin verhält es sich anders. Dabei spielt die Größe der Kandidatin eine weit weniger wichtige Rolle, da ist mehr die Nachfrage nach jünger als der Mann und schlank und hübsch.

Es ist damit weithin bekannt, dass die Körpergröße ein wesentlicher Faktor auf dem Feld der Attraktivität ist. Bei meiner Suche nach der Begründung für diesen Zustand wurde ich sofort fündig. Häufig wird das archaische Bild vom starken Mann bemüht, der in der Lage ist, mich vor dem Säbelzahntiger zu beschützen und auch für mich und meine Brut sorgen kann, indem er groß(stark) genug ist, ausreichend Wild für unsere Familie zu erlegen.

Übertragen in die heutige Zeit trifft die Sache mit dem beschützen gleichwohl zu, denn ein größerer Mann kann die Frau vermeintlich eher beschützen, als ein nicht so groß gewachsener. Schon Größe allein flößt den meisten Menschen Respekt ein. Beispielsweise bei den Türstehern gilt eine gewisse Größe schon als halbe Eintrittskarte für den Job, wenn der Bewerber nicht gerade einen furchteinflößenden Habitus oder Gesichtsausdruck besitzt.

Größe impliziert häufig Autorität. Wo der kleinere Mann durch Stimme oder Gestik, sowie Äußerlichkeiten, wie z.B. der Kleidung, seine Autorität behauptet, da fliegt es dem größeren Mann oftmals fast ohne Zutun zu. Der umgangssprachliche Ausdruck „Giftzwerg“ gibt den Zusammenhang recht anschaulich wieder: Er oder sie ist klein, hat aber Durchsetzungsvermögen, ist auffällig durch eine -häufig unangenehm penetrante- aufdringliche Art, dabei -häufig unangenehm- laut in Stimme, Schuhwerk und dem Umgang mit Utensilien. Solange diese kleineren Vertreter der Menschheit nicht als genauso wertvolle Menschen erkannt sind, fallen sie durch das oben genannte, nicht immer angenehme Verhalten auf. Kennt man ihn oder sie dann näher, schätzt den Menschen mehr oder minder, wie jeden größeren auch, so löst sich das auffallende Verhalten fast gänzlich auf. Doch bis dahin kommt es vermehrt zu diesen „Hallo, hier bin ich, überseht mich nicht!“ – Verhaltensweisen. Im Beruf finden wir dieses Verhalten weit häufiger, als im privaten Leben, Stichwort „Konkurrenzkampf“. Ein weiterer Unterschied wird bei der Partnerwahl deutlich. Hier ist die Frau in Vergleich zum Mann dergestalt im Vorteil, als dass sie als kleinerer Mensch mit den Attributen süß, niedlich, schnuckelig, usf. belegt ist, und u a. durch die Wirkung des Kindchenschemas besonders stark den Beschützerinstinkt des Mannes auslöst.

Bei den Frauen kann es im Bezug auf die Attraktivität genausogut zu umgekehrten Vorzeichen kommen. In Befragungen bei Forschungen zum Marktwert von Partnern erhielten die Wissenschaftler ein eindeutiges Ergebnis. Männer gaben an, dass Frauen, die eine ähnliche oder größere Körpergröße besäßen, als sie selbst, den Mann zu einer größeren Zurückhaltung veranlassten. Unsicherheit war eines der am häufigst genannten Schlagworte. Im weiteren Verlauf der Untersuchungen konnten die Forscher auch etwas über die Gründe dieses Verhaltens ermitteln. Viele der männlichen Probanden setzten die Körpergröße gleich mit geistiger und mentaler Stärke! Damit implizierten sie beim Anblick der körperlich größeren Frauen mehr unbewusst das Attribut „stark“. Und dass viele Männer ein Problem mit „starken Frauen“ haben, das ist trotz häufigen, offenkundigen, gegenteiligen Beteuerungen der Herren in vielen wissenschaftlichen Untersuchungen als Fakt erwiesen worden.

Doch genausowenig die Körpergröße ein Beweis für mentale Stärke beim Mann ist, so ist es einer bei der Frau. Nur archaische Überbleibsel von Gefühlsregungen aus geraumer Vorzeit lassen in uns auch heute noch Empfindungen entstehen, die uns in dieses Klischee tappen lassen. Erst beim Bewusstwerden dieser Tatsache überwinden wir dieses Vorurteil.