Auf den Punkt! … vergleiche! (narzisst-starke-persoenlichkeit-menschen-selbstbewusstsein)

Narzisst oder starke Persönlichkeit: 10 Anzeichen für Menschen mit wahrem Selbstbewusstsein

Beliebigkeit, Teil II (219)

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Ist unser Aussehen belanglos? Wie oft hörst du den Ausruf: „Auf die inneren Werte kommt es an!“ Was dem offensichtlich widerspricht: Die durchschnittlichen finanziellen Ausgaben (von der zeitlichen Investition ganz zu schweigen) der Bevölkerung (in Deutschland) für Dinge, Mittel und Maßnahmen zur optischen Veränderung betrugen ca. 26 Milliarden Euro (Schönheitspflegemittel, Fitness, Friseur, Schönheits-OPs)

Auch wenn der Bereich Fitness mit 4,66 Milliarden Euro teilweise bestimmt zu gesundheitsfördernden Maßnahmen zählt, habe ich ihn hinzu genommen, da ein großer Anteil der Beweggründe für die Arbeit am eigenen Körper im Wunsch nach Attraktivität liegen, so die Erhebungen der Attraktivitätsforschung.

Zum Vergleich einige Angaben über Ausgaben der Menschen in Deutschland für andere Bereiche:

• 170 Mrd Euro für Lebensmittel

• 58,7 Mrd. Euro für Touristik

• 64.46 Mrd. Euro für Kleidung

Dabei ist es tatsächlich seit Jahren unverändert, dass Frauen nahezu doppelt so viel für Schönheitspflege ausgeben, wie Männer es tun.

Wie verhält es sich nun mit den inneren Werten? Ein Mensch kann herausgeputzt sein, bis zum „Gehtnichtmehr“, falls die charakterlichen Werte nicht kompatibel sind, führt das vermutlich zu keiner positiven Verbindung. Hier möchte ich den Sicherheits- und Opportunismus-Aspekt ausklammern, denn den wird es weiterhin unverändert geben: Wenn der mögliche Partner über genügend Mittel verfügt, tritt das Äußere vermehrt und deutlich in den Hintergrund, hier statistisch deutlicher bei der Frau als beim Mann, wenn der Mann über gewisse Statuten verfügt (Geld, Macht, Ansehen, usf.)

Begegnest du einem anderen Menschen, laufen viele automatisierte Mechanismen in dir ab. Diese haben zunächst mit Äußerlichkeiten zu tun. Erst dann, wenn du durch äußere Umstände gezwungen wärest, dich näher mit einem Menschen auseinander zu setzen, bestünde die Möglichkeit, die charakterlichen Eigenschaften des Gegenüber zu ergründen.(Oder du suchst Kontakt!) Zwar spielt auch dann noch das Aussehen eine Rolle, doch das Wesen des Menschen nimmt in der Betrachtung seiner Person zunehmend Raum ein. Dabei laufen gleichfalls Automatismen ab, du fühlst, riechst, hörst deinen Gegenüber. Unterbewusst treten z. B. seine Gerüche in deine Wahrnehmung, und es wird eine Kompatibilität abgeglichen, ohne dass du es mitbekommst. Außer, er stinkt dir, daher kommt der Ausspruch: „Den kann ich nicht riechen!“ Was so viel heißt, dass man jemanden nicht leiden kann.

Auch die Frequenzen der Stimme treffen auf deine Gehörgänge. Wiederum wird sogleich eruiert, ob die Stimme angenehm ist, oder ob man sich auf Fluchtmöglichkeiten vorbereiten muss. Je größer die Dauer ist, die man mit dem Menschen verbringt, desto mehr gewöhnen wir uns an bestimmte Reize, wie Tonlage, Geruch, Mimik oder Gestik. Sollte es nicht zu sehr auffällig negativ sein, verläuft es sich in die Belanglosigkeit. Folgend kommen weitere Eigenschaften und Denkweisen auf den Prüfstand: Es sind Inhalt und Einstellungen über geistige oder emotionale Belange. Wieder werden beständig Abgleiche durchgeführt. Der Mensch führt unterbewusst -und auch ein wenig bewusst- eine Art Konto mit Soll- und Haben-Seite, auf dem all diese Eindrücke gebucht werden; dies alles mit sehr unterschiedlichen Gewichtungen. Am Ende bleibt dennoch, in einer Mischung aus bewussten und unbewussten Eindrücken, eine Bilanz übrig: sympathisch oder unsympathisch, was nichts anderes heißt, als dass diese Person vielleicht ähnlich tickt, wie du. Gemeinsamkeiten verbinden, wenn es passt! „Sympathie (entlehnt aus lateinisch sympathia, dieses aus altgriechisch συμπάθεια sympátheia „Mitgefühl“) ist die sich spontan ergebende gefühlsmäßige Zuneigung. Ihr Gegenteil ist die Antipathie (Abneigung).“ (Wikipedia)

Dabei spielen natürlich noch andere Prämissen eine entscheidende Rolle: Beispielsweise der Zweck der Zusammenkunft, der Stand der eigenen Person oder auch die Dauer der Zusammenkunft. Es läuft fast immer identisch ab, wenn wir leibhaftig einem Menschen begegnen. Dass es in anderer Form anders abläuft, dürfte einleuchtend sein. (Chat, Mails, Brieffreundschaften, etc.)

So spielen bei einer Begegnung diese Dinge eine wesentliche Rolle. Und dennoch: das Aussehen kommt immer wieder zum tragen, denn der Mensch ist ein zutiefst optisches Wesen. Kleinste Veränderungen in Mundwinkeln, in der Art des Blickes, zusammengefasst im Zusammenspiel der 26 mimischen Gesichtsmuskeln, kannst du wahrnehmen. Wenn wir Menschen nicht gar so entrückt wären von der Natur und ja, auch von dem Zwischenmenschlichen, so könnten wir sie noch viel effektiver deuten, als es jetzt in kläglicher Weise der Fall zu sein scheint. Wir könnten bestimmt etwas vorsichtiger mit eigenen Regungen umgehen, ohne gleich einen Gegenüber mit Mimiken zu verwirren, zu entfremden oder vor den Kopf zu stoßen. Auch wenn wir nicht mehr vieles von diesen Regungen verstehen, unser Empfindungsapparat reagiert sehr wohl sehr eindeutig auf diese Verhaltensmuster. Nicht selten fragen wir uns gefühlsmäßig, wie der Gegenüber es jetzt meinte, wenn, wie oft, Worte und körperlicher Ausdruck diametral auseinander driften.

Vielfach nehmen wir sehr deutlich Dissonanzen im Antlitz des anderen wahr, ganz gleich, ob durch Unsicherheit, Unmut oder niederen Beweggründen. Allein unsere Fähigkeit, diese entsprechend zu deuten, um im weiteren darauf reagieren zu können, ist in der Mehrzahl von uns Menschen zu vage.

Fortwährend kommt dabei das Aussehen zum Tragen. Ist es schwieriger, bei allgemeingültig gutaussehenden Menschen Unstimmigkeiten zu sehen oder spielt die Schönheit dabei keine beeinflussende Rolle? Kommt  ganz entscheidend die Gewöhnung hinzu, die dazu führt, dass wir einen Menschen zwar immer noch als attraktiv ansehen, aber durch diese Gewöhnung nicht mehr der Verblendung der Schönheit unterliegen und diese Nuancen immer klarer und deutlicher erkennen können? Forschungen bestätigen dies eindeutig. Es ist demnach nicht wichtig, ob jemand nach gängigen Vorstellungen schön ist oder nicht, Stimmungsveränderungen sind sichbar, anfangs nur nicht so leicht.

Aussehen relativiert sich somit in kürzester Zeit. Dennoch ist es erstaunlich, wie sehr wir Menschen danach streben, uns in der Rangliste immer wieder etwas weiter nach oben zu hangeln, respektive ja nicht abzurutschen. Das geschieht in einem Prozess, der absolut vorprogrammiert ist. Interessantes Unterfangen, nicht wahr?

 

Lichtgestalt (217)

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Wer ist gerade jetzt Deine Lichtgestalt im Leben? Wer ist Dir momentan der wichtigste Mensch? Und wie sieht er oder sie aus?

Der wichtigste Mensch in deinem Leben ist, wenn du schon weitestgehend auf eigenen Beinen stehst, wahrscheinlich dein Partner. Davon möchte ich für diesen Beitrag ausgehen, ohne weiter darauf einzugehen, dass es durchaus andere Beziehungen zu Menschen gibt, als partnerschaftliche. Und natürlich, falls es gerade überhaupt jemanden gibt!

Da ist nun der Partner. Deine ganz persönliche Lichtgestalt. Mit seinem Aussehen, seinen optischen Vorzügen und seinen optischen Abweichungen vom gängigen Schönheitsideal sowie den Abweichungen deines eigenen, einzigartigen Schönheitsideals. Jeder von uns hat wohl eines, das ihm mehr oder minder bewusst ist. Ich kenne keinen Fall, bei dem ein Freund oder Bekannter nicht doch eine eigene Meinung vertritt, was das Aussehen einer anderen Person angeht. Zunächst möchte ich nochmals kurz darauf hinweisen, dass es in diesem Blog in erster Linie um das Aussehen geht. Das Oberflächliche, was unsere Augen und unsere Sinne, unsere Einstellung und Auffassungsgabe immer wieder erneut in so starkem Maße wahrnehmen.

Wie wichtig war dir das Aussehen deines Partners bei eurer ersten Begegnung? Hatte er die Attribute, die dir schon immer, oder seit neuestem wichtig waren? Erschienen sie dir ausgeprägt oder nur ansatzweise vorhanden? Wie war die Bilanz seines optischen Auftritts? War etwas nicht vorhanden von dem, was dir stets wichtig erschien, wichtig beim Aussehen deines potentiellen Partners? Glich er den einen Mangel mittels eines anderen, vorteilhaften optischen Wesenszuges aus?

Fehlten ihr die langen Haare? Oder war sie etwas kleiner? War sie etwas stärker gebaut oder viel zu dünn für deinen Geschmack? War er untersetzt? Hatte er schon viel zu wenig Haare für deinen Geschmack oder schien er eigentlich zu sehr der nordländische Typ zu sein, während du doch total auf den südländischen Typ standest? Hatte sie blondes Haar, wo du doch viel lieber brünettes Haar magst? Von rot ganz zu schweigen, denn da wusstest du, es gab nur wunderschön oder eben nicht. Wie stand es mir den primären Schlüsselreizen beim Anderen? Breite Schultern oder viel zu schmal gebaut. Knackarsch oder nix, was die Hose hätte ausfüllen können? War ihr Busen zu groß? Ihr Hintern zu flach, oder ihr Becken ganz schön breit?

Dafür gab es vielleicht etwas anders, das deine Aufmerksamkeit erregte. Trotz der falschen Haarfarbe sprach dich das volle Haar an? Die fehlende Größe machte dein Partner durch seine sportliche Figur wett? Und der zu kleine Po? Nun, die langen Beine hatten etwas, nicht war. Wohlgemerkt, ich bin noch immer beim Aussehen! Kein Wort wurde gewechselt. Keine Ahnungen hattest du von deinem gegenüber. Noch bevor überhaupt ein Lächeln über die Lippen kam, wälzten sich längst diese Abschätzungen durch deine Aufmerksamkeit. Viel schneller, als es dir jemals gewahr hätte werden können.

Aber dann. Nach diesem ersten, unvermeidlichen Prozedere kommt es zu all den „Dingen“, die über das Aussehen hinausgehen. Die Schönheit der Seele ist es, in ihrer Ausprägung von Ausstrahlung und Charisma, von Anmut und Empathie, von Wärme und Achtung… ferner Bewegung und Gestik. Aber das ist ja nicht das Thema dieses Blogs. 🙂 (Wer hat da gerade gedacht, schade eigentlich … 😉 )

Und unser Aussehen? Beständig versuchen wir, immer gut auszusehen. In einer Partnerschaft lassen manche Menschen die Zügel etwas schleifen, einer mehr, eine weniger… grundsätzlich bemühen wir uns doch. Wir machen es ja schließlich nicht nur für unseren Partner, auch für uns und unser Leben. Was wurde aber aus den Dingen, aus den Vorlieben, die uns unser Partner nicht erfüllen konnte? Gemeinhin tauchen diese ja nicht plötzlich doch auf. Verlieren sie in Anbetracht der anderen Attribute ihr Bedeutung für dich? Oder führten sie gar schon einmal zu einer Trennung? Sind es etwa jene kleinen Bausteine einer Mauer, die manchmal zwischen zwei Menschen -mehr oder minder offensichtlich- errichtet wird, die dann möglicherweise klammheimlich eine Entfremdung, ein „Auseinanderleben“ verursachen könnte? Haben Äußerlichkeiten diese Macht, solch ein Baustein zu werden? Sind nicht die sogenannten „Soft-Skills“ die eigentlich wichtigen, bedeutsamen Dinge im Zusammenleben zweier Menschen? Ist nicht erst ein Mangel, eine Diskrepanz in Gefühlen der Verursacher einer Krise mit ungewissem Ausgang?

Geht es so weit, dass fehlende Äußerlichkeiten an anderer Stelle gesucht und gefunden werden? Irgendwann? Oder ist deren Bedeutung dafür nicht ausreichend für dich? Zusammen alt werden hat etwas mit totaler äußerer Veränderung zu tun, gemeinsam. „In wie weit wären optische Eigenschaften austauschbar?“ Wie ist das gemeint?

Du hast einen Partner, dem bestimmte Eigenschaften fehlen. Als Beispiel nehme ich die Größe eines Körperteils. Suche dir eines aus. Ob du es nun klein magst und es zu groß ist oder ob du es groß magst und es ist an deinem Partner zu klein, sei einerlei. Es stimmt nicht, passt nicht, und du suchst schließlich einen Partner, bei dem es stimmt. Du tauscht daraufhin deinen Partner aus. Du wusstest es vielleicht schon vorher, nur die Bedeutung hattest du unterschätzt. So gibst du nach. Das kommt immer wieder vor, scheint natürlich, besonders zu Beginn eines Erwachsenwerdens. (Drum prüfe, wer sich ewig bindet, ob sich nicht was besseres findet) Dass die wenigsten ihre Sandkastenliebe heiraten, ist bekannt, oder?

Was aber folgt beim nächsten Partner? Fehlt dort etwas anderes? Bei deiner Gewichtung wirst du dir schon etwas dabei gedacht haben, sonst würdest du nicht weiter gesucht haben. So gibt es viele (optische) Eigenschaften, deren Bedeutung, die dir einst so wichtig zu sein schien, in der Gleichgültigkeit versandeten, da sie für deine und vor allem eure Entwicklung nicht so relevant waren, wie du glaubtest. So sind diese Eigenschaften austauschbar, und die Länge der Haare und deren Farbe zerfließt wahrlich im urgewaltigen Gezeitenstrom des Lächelns deiner Lichtgestalt.

Schattenlicht (215)

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Licht und Schatten, Schwarz und Weiß, Gut und Böse, und: … Schön und Hässlich. Einerseits polarisierend, andererseits mit schier unerschöpflich breiter Grauzone meinen wir etwas zu erkennen, von dem wir nicht ahnen, wie lang seine Halbwertszeit sein wird. Von einem glasklaren Urteil bishin zu undeutlichen Tendenzen, von wo aus sich unsere Einschätzungen gerne in der Unendlichkeit verlieren. Wir bewerten Menschen in allen erdenklichen Situationen, unermüdlich, bewusst wie unterbewusst. Die Suche nach einer Versicherung, die uns selbst in Sicherheit wiegt, damit wir nicht unvorbereitet und ahnungslos zu einer Reaktion verleitet werden, welche möglicherweise irrational erscheint. „Kommt meist nicht gut, nicht wahr? “

So schauen wir, sehen hin, versuchen zu erkennen, versuchen zu werten, ordnen ein. Wir versuchen zu erfassen, was wichtig für uns ist, damit wir nicht in den Weiten der Informationsflut untergehen. Gleich so geschieht es, wenn wir Menschen sehen und nicht nur Menschen. Auch alle anderen Veränderungen vor unserem Blick filtern wir. Manches fällt durch ein Raster, es wird in die Unbedeutsamkeit verschoben. Mitunter sogar der ein oder andere Mensch rutscht uns durch die Lappen. Sicher, in der widernatürlich hohen Konzentration von Menschen in manchen Bereichen der Großstadt fallen relativ mehr Personen durch dies Raster, schon allein deshalb, weil die Aufnahmekapazität eines jeden einzelnen in dieser Lage nicht mal ansatzweise ausreichend wäre.

Stelle dir vor, du stündest zur Hauptgeschäfszeit auf der Düsseldorfer Kö, und würdest jeden einzelnen Menschen begrüßen wollen! Abgesehen davon, dass du schon bald nach Grafenberg* überstellt werden würdest, könntest du es organisatorisch gar nicht schaffen, weil es einfach zu viele Individuen sind. Jetzt erwäge die Möglichkeit, jeden Menschen, der an dir vorüber geht, bewusst anzusehen. Auch dazu ist dein Gehirn nicht in der Lage, selbst dann nicht, wenn du konzentriert nur Bruchteile von Sekunden jeden einzelnen betrachten würdest. Folglich wird der ein oder andere durch dein persönliches Raster fallen, du selektierst!

Im Einzelfall geht es natürlich nicht um die Vielzahl der Menschen und die Vielzahl der Begegnungen, es ist die einzelne Begegnung. Doch dabei ist es nicht anders. Der einzelne Mensch wirkt auf dich mit all seinen Reizen, die er hat. Doch nicht alle seine Reize erreichen deine Rezeptoren. Ein Beispiel: Du magst große Menschen? Vielleicht entgeht dir eine Person, weil sie nur 1.58 Meter hoch ist? Voreingenommen? Nein. Nur der kleine Mensch besitzt eine Eigenschaft, die mit deiner Idee eines Menschen nicht übereinstimmt. Da bedarf es einer Ergänzung, die der kleine Mensch nur dann liefern kann, wenn er die Chance bekommt. Übersehen bekommt er sie jedoch niemals.

Die spannende Frage ist, nach welchen Kriterien du selektierst. Beim Menschen gibt es zunächst viele optische Unterschiede, die zu Differenzen in der Abstimmung mit deiner Idee von Aussehen führen. Dazu muss man nicht mal internationale, ethnische oder kulturelle Eigenheiten wie die durchstochenen Wangen einiger Indianer des südamerikanischen Kontinents zitieren. Manch einen befremdet (früher noch mehr als heute) schon ein Piercing. (Mich manchmal auch 😉 ) Auch weniger deutliche Signale führen zum Übersehen einer Person. Dabei spielt natürlich auch sie Ausstrahlung, die „Aura“ eine große Rolle, auch dabei ist es vermutlich mehr, als wir bisher erfassen können.

Was bedeutet es aber, wenn ein Mensch durch ein Raster fällt? Darauf gibt es eine einzige Antwort: Nichts. Warum? Weil dieser Mensch durch das Raster dieses einen Betrachters fiel, sonst nichts. Auch bedeutungslos ist es, wenn es viele wären. Es erklärt sich nämlich sehr klar. Wenn sich zwei Menschen nicht wahrnehmen, oder aber nicht gleichwertig begegnen, damit meine ich, eines der beiden Wesen nimmt mehr wahr, als das andere, so fehlt einzig der entscheidende Berührungspunkt. Damit ist einer der beiden Menschen nicht weniger wert, als der andere. Sie sind nur nicht „kompatibel“. Bei der Begegnung mit einem anderen Menschen können ganz schnell die Vorzeichen wechseln. Dann wird der Übersehende ganz einfach zum Übersehenen. Auch dabei findet keine absolute Wertung statt.

Im Geiste, in der Gedankenwelt des einen werden oft Erklärungen gesucht, und durch Prägungen oft die Ursache bei sich selbst gesucht, manchmal vermeintlich sogar gefunden, doch es ist ein Trugschluss. Wir schweben nur auf einer anderen Wellenlänge. Intuitiv sind wir nicht mehr sehr aufmerksam, der moderne Mensch überhört seine Intuition immer häufiger. Oder sein Intellekt kommt an die Grenzen der Logik, weil bestimmtes Verhalten jeglicher Logik entbehrt, oder viel wesentlicher, der Absender des Verhaltens selbst in einer diffusen Gefühlswelt verweilt. Vielleicht ist er auch nur abgelenkt? Das reicht manchmal aus!

Wechselbeziehungen in den eigenen Gedanken und Gefühlen machen es uns nicht leichter, zwischenmenschliche Interaktionen zu erfassen. An welchem Punkt der eigenen persönlichen Entwicklung befindet man sich, und ja, wie ist die Tagesform? Ist ein Charakter gefestigt, hat er sich ein Stück weit erkannt, oder sucht er (wieder)? Irrungen und Wirrungen zu deuten fällt nicht leicht, wenn man sie zum ersten Mal erfährt. Deshalb ist aber ein Mensch nicht weniger oder mehr wert! Er ist nur anders. [Solange es nicht krankhaft ist, versteht sich! (Krankhaft: übermäßiger Einfluss jedweder Form auf die Freiheit eines Individuums, beispielsweise, u.v.a.m.)]

Als angenehm empfindet es der Mensch, wenn er auf „Seelenverwandte“ trifft. Da könnte man annehmen, dass viele Parallelen und Ergänzungen zu einer wunderbaren Dynamik und zu Synergien führen. Traurig hingegen im Sinne der Gefühlswelt wird es nur, wenn sich Menschen verlieren. Die Berührungspunkte der Seele polen sich um, -ein Mensch erfährt Veränderungen- was sich vorher angezogen hat, verliert sich oder stößt sich sogar ab.

Aber auch dann ist keiner der Menschen weniger oder mehr wert. Es „passt“ nur weniger gut bis gar nicht mehr. Da es bei den Menschen um viel mehr geht, als nur um die äußere Wirkung, sind innere Prozesse dabei wesentlich entscheidender. Das dürfte dir aber bewusst sein, oder? Daher geht es hier im Beitrag viel mehr um die vielen ersten Begegnungen, als um die scheidenden Wege zweier Menschen.

So begegnen wir unzähligen Individuen. Deren innere Einstellung passt dabei nicht unbedingt zu der unsrigen – und umgekehrt. Und da diese innere Einstellung oft auf unser Äußeres strahlt, empfindet der Mensch ganz oft über den ersten äußeren Eindruck viel Passendes und Unpassendes, in Bezug zum eigenen Ego. Bewusst und unbewusst. Das zu erkennen, lesen zu können, ist eine Kunst, von der wir viel verlernt haben.

*Grafenberg: in Düsseldorf synonym verwendeter Begriff für Nervenheilanstalt, vulg. Irrenhaus

Die Suche nach der Schönheit, Teil IV (214)

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Weiter auf der Suche nach der Schönheit, oder das, was man dafür halten könnte.
 
Du stehst vor etwas Schönem. Wer sagt dir, dass es schön ist? Niemand! Du empfindest es einfach als schön. Ohne jede Wertung entsteht in dir dieses Gefühl, etwas zu erfahren, was in dir eine Sehnsucht erweckt, vielleicht eine Sehnsucht nach etwas Vollkommenem, nach einem Gefühl selbst, in dir etwas zu spüren, dass dich auffängt, dort, wo nichts widersprüchiges dich befremdet.

Wieder kann es sich dabei um ein Objekt handeln, welches (be-)greifbar ist, ein Bild in der Natur, das so gewachsen ist, wie es sich unserem Auge präsentiert. Welches wir so erfahren, wie wir es gelernt haben zu erfahren, denn die Naturschönheit weiß nichts davon, uns zu gefallen, weil sie einfach nur ist. Oder Du hörst ein Musikstück. Dieses Stück versetzt dich in Verzückung. Du bist wie gefangen in den Weiten der eindringlichen Klänge, kannst Dich kaum lösen, nur schwer entziehen, schon allein deshalb, weil du es gar nicht möchtest.

Möglicherweise verweilst du gerade vor einem Kunstwerk, einst von Menschenhand geschaffen aus einer Idee heraus, die der Künstler in seinem Werke verewigt in dir widerklingen lässt, kannst dich der Ausstrahlung nicht entziehen, das Kunstwerk hat dich scheinbar in seinen Bann gezogen und du gibst dich seiner lebendigen Wirkung auf dich hin. Manche Kunstwerke lösen solch eine Faszination in dir immer wieder aus, andere nur manchmal und wieder andere gar nicht. Sollte zum Widerklang dieser einen Schönheit genau diese Saite in dir vorhanden sein müssen, um Anklang zu finden?

Die Frage, ob jedes Kunstwerk „schön“ sein soll, wurde erst seit dem 19. Jahrhunderts intensiver gestellt, zuvor komponierte ein Künstler sein Werk in naher Anlehnung an die Natur, die lange Zeit als Vorbild des Schönen galt. Mit Einzug der Romantik idealisierten die Künstler die Idee der Schönheit, versuchten selbst die Natur zu übertreffen, idealisierten sie, bevor zur Zeit von Friedrich Nietzsche (1870) das Nicht-Schöne zunehmend an Beachtung gewann.(sehr stark vereinfacht gesagt)

Betrachte ich stellvertretend ein beliebiges Kunstwerk, eine Skulptur beispielsweise: Denke dir eine aus! David
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der Denker
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die Venus
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oder ein anderes, welches dich begeistert.

Es wird Menschen geben, die diese Skulptur als schön bezeichnen. Andere würden sie vielleicht als mittelmäßig schön bezeichnen, nicht direkt als hässlich, aber auch nicht als schön. Wahrscheinlicherweise gibt es Menschen, die dieses Werk auch als unansehnlich titulieren würden, denen dieses Werk sogar Unbehagen bereiten könnte. Vielleicht sind es auch nur Teile dieser Skulptur, die Missfallen erregen? Interessant ist dabei die Frage, ob es eine Möglichkeit gäbe, die eine Art Level schlüssig darstellt, welches im Auge des Betrachters erreicht werden kann, um den Anmut einer Darstellung, die Ästhetik einer Skulptur erkennen zu können?

Nehme ich die Extreme: Eine Person hat niemals zuvor im Leben eine Plastik, eine Skulptur gesehen. Was kann in ihm vorgehen? Die Person trifft auf das Kunstwerk! Und nun? Daneben steht eine Person, die schon unzählige Skulpturen gesehen hat, die schon etliche Ausstellungen über Skulpturen veranstaltet und einige Fachbücher über die Bedeutung und Herkunft sowohl der Skulpturen als auch der Künstler verfasst hat. Worin liegen die Unterschiede?

Der Schönheit ist es einerlei, wer vor ihr steht. Zunächst beide Wesen betrachten das Werk. In beiden Wesen löst das Werk die verschiedensten Empfindungen, Gedanken oder Ideen aus. Ordnet der Kenner das Kunstwerk ein, so wird es der jenige ohne Vorerfahrungen nicht einordnen. Doch im Laufe der Betrachtung kommen und gehen in beiden Personen die unterschiedlichsten Regungen, das Werk des Künstlers erweckt eine Reihe von Dimensionen ganz unabhängig vom Stand des Betrachters. Kann es dafür eine Wertung geben. Philosophen aller Epochen versuchten sich an der Beantwortung dieser Frage und kamen zu widersprüchlichsten Thesen.

Was denkst Du? Eine Metapher: ein Kunstwerk lässt eine Saite in dir anklingen. Ist es von Wichtigkeit, wie viele Saiten ein Mensch in sich trägt? Ist es wichtig, wie oft diese Saiten angespielt werden? Ist es von Bedeutung, ob diese Saiten gestimmt wurden? Ist es entscheidend, wie stark diese Saiten angespielt werden? Ist es eine Frage der Zugänglichkeit der Saiten, ob sie erklingen? Was denkst Du?
 

 

 

Die Suche nach der Schönheit, Teil III (213)

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„Du hast ja keine Ahnung, natürlich ist das ein Kunstwerk!“ So oder so ähnlich könnte mir auch jemand vorwerfen mich geäußert zu haben, wenn ich manche Kunst intuitiv beschreiben müsste. Kann es aber wahrhaft so sein, dass jemand keine Ahnung von dem hat, was Kunst sein könnte?

Der ästhetische Blick kann geschult werden. So das gängige Verständnis der Sachverständigen. Friedrich Schiller beschreibt es in seinem Werk „Über die ästhetische Erziehung des Menschen“ sehr anschaulich, da er Schönheit in Verbindung mit gesellschaftlicher Moral und Freiheit bringt. Im Zuge der Persönlichkeitsentwicklung des Menschen kann man davon ausgehen, dass Schönheit, wenn sie als etwas Vollkommenes verstanden wird und Hässlichkeit als unvollkommen, grundsätzlich erkannt wird. Nuancierungen dessen, sowie Übergänge von einem Extrem zum anderen Extrem, wie auch nur marginale Unterschiede kennzeichnen die möglichen Erwägungen.

Wenn Ästhetik erlernt werden kann, so bedeutet das im Umkehrschluss, dass es Wesen gibt, die eines ästhetischen Blickes oder Verständnisses entbehren. Dieser Zustand kann über kurz oder lang so erhalten bleiben. Wird das Wesen nicht geschult, ausgebildet oder gebildet, so wird es einer eventuellen Ästhetik vielleicht niemals gewahr. Weiterhin gibt es demnach unterschiedliche Stufen der Erkenntnis. Je weiter ein Wesen gebildet worden ist, desto sicherer erkennt es eine Ästhetik.

Heißt es aber im Gegensatz zu dieser Annahme, dass ein ungebildeter Geist nicht in der Lage wäre, Ästhetik zu blicken? Erkennt ein unbedarfter Mensch nicht die Harmonie (hier in Ergänzung zur Ästhetik verwendet) eines Musikstückes? Kann ein nicht durch die musische Bildung geformter Mensch die Eloquenz einer Dichtung, die brillanten Pinselstriche eines Malers oder die atemberaubende Plastizität einer Arbeit eines Bildhauers erkennen? Mitnichten, möchte ich meinen, doch da es hier nicht um die einzelne Person geht, trägt die musische Bildung in der statistischen Summe doch: Die Wahrscheinlichkeit ist einfach um ein Vielfaches größer ein ästhetisches Werk zu erkennen, wenn einem betrachtenden Wesen eine ästhetische Bildung zu Teil wurde.

Wird eine Beschreibung durch die Fähigkeit ihrer Herleitung wertvoller als ohne diesen Hintergrund benennen zu können? Nicht unbedingt, nur die Wahrscheinlichkeit ist definitiv größer, dass etwas überhaupt erkannt wird, wenn die einzelnen Komponenten geläufig sind. Schönheit wird in jedem einzelnen Genre definiert durch bestimmte Inhalte, Merkmale oder einzelne Kompositionen.

Deute ich den trivialen Ausspruch: „Schönheit liegt im Auge des Betrachters!“ einmal näher, so liegt diesem Ausspruch eine deutlich klarere Bedeutung, als die landläufig gängige, zugrunde: Schönheit als Objekt besitzt einen absoluten Wert, wobei das betrachtende Subjekt dabei in der Lage ist, nur einen ihm bekannten, erlernten, geläufigen Wert dieser Schönheit überhaupt wahrzunehmen in der Lage ist. Du erkennst nur die Schönheit, die Du gelernt hast zu erkennen. Dabei kann der Begriff „Schönheit“ in manchen Fällen sehr viel weiter gesteckt werden, etwa als Kunst-werk, oder als Naturschauspiel, als vom Menschen geformtes oder natürlich entstandenes Objekt, dessen Inhalt nicht nur schöne, sondern auch gewöhnliche bis außergewöhnliche, bizarre oder skurrile Erscheinungen widerspiegeln vermag.

Die Suche nach der Schönheit, Teil II (211)

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Hier im zweiten Teil von „Die Suche nach der Schönheit“ möchte ich mich der Beantwortung der Fragen aus dem ersten Teil nähern. Eine spannende Reise durch die Sichtweisen auf die Schönheit führt uns dabei zu einem Stück unserer eigenen Wahrnehmung.

Zunächst noch einmal die Fragen aus Teil 1:
1. Gibt es eine universelle Schönheit, deren Wert erst erkannt, begriffen oder erlernt werden kann oder gar muss?
2. Ergibt sich, und das ist eine Frage, die sich sehr nah an der ersten Frage orientiert, eine größere Befähigung, bestimmte Schönheiten erst dann zu erkennen, wenn man sich mit diesen Verhältnissen über einen größeren Zeitraum hinweg auseinandergesetzt hat?
3. Gibt es Parallelen bei der Erkenntnis oder Wahrnehmung unterschiedlicher Formen der Schönheit?
4. Entstehen Irrungen durch bestimmte Einflüsse oder defizitäre Befähigungen, vielleicht schon durch Wahrnehmungsstörungen?

Ohne mich allzu streng an die obige Reihenfolge der Fragen zu halten, soll sie mehr als inhaltliche Orientierung für das Nachfolgende dienen.

Da wäre also ein Subjekt, das vor einem Objekt steht. Das Objekt soll bisweilen noch jeglicher Form entbehren. Es könnte beispielsweise eine Landschaft sein, ein Tier, ein Kunstwerk oder ein Wesen. Wie kommt es dazu, dass in diesem Objekt Schönheit erkannt wird?

Eine fundamentale Annahme: Schönheit sehe ich als befreit von jeglichem Zweck. Etwas als schön zu befinden, weil es nützlich ist, entbehrt dem Sinn der Schönheit, die ihrer selbst willen existiert. Daher klammere ich es zunächst aus, ohne aber zu übersehen, dass im Falle eines schönen Menschen die Sinnhaftigkeit nur schwer auszublenden ist. Aber dazu später mehr. Schönheit wird daher erkannt, indem sie in Form eines Reizes über die Sinne des Menschen Eingang findet in die Vorstellung und die Idee eines jeden, der offen dafür ist. Damit komme ich in den Bereich der ersten Frage:
1. Gibt es eine universelle Schönheit, deren Wert erst erkannt, begriffen oder erlernt werden kann oder gar muss?

Hat ein Mensch die Zeit und die Befähigung die atemberaubende Schönheit eines Sonnenaufgangs vor überbordend bizarrer Kulisse fantastischer Felsformationen in einem weitläufig dramatischen Küstenabschnitt wahrzunehmen, wenn seine letzte Nahrungsaufnahme Tage zurück liegt, wenn er auf der Flucht vor einem Raubtier ist, dessen Nahrungsaufnahme auch wiederum eine längere Zeit zurück liegt oder er in sich eine tiefe Traurigkeit hineingesteigert hat ob dem Verlust eines geliebten Wesens?

Dringt die bezaubernde Schönheit einer tieftraurigen oder leicht-beschwingt heiter-fröhlichen Arie in unsere Wahrnehmung ein, um uns als Subjekt in einen wunderbaren Zustand der Hingerissenheit zu geleiten, wenn wir bisher niemals vorher solcher Töne gewahr wurden, vielleicht immerzu die eindringlichen Schläge der Arbeit eines Hammers in einem Steinbruch auf unser Trommelfell eindröhnten?

Kann die Schönheit eines Menschen von uns wahrgenommen werden, wenn wir nicht vorher in einem langen Prozess auf die kulturellen Merkmale und gesellschaftlichen Ausprägungen von Schönheit darauf konditioniert wurden?

Allesamt diskussionswürdige Fragen, meine ich. Antworten darauf habe ich schon mehrfach in früheren Beiträgen geliefert und belegt, und so erfolgt die daraus resultierende spannende These: Schönheit wahrzunehmen bedarf einer Schulung und unterliegt einer Entwicklung, die jenseits von affektierter Opportunität zu manifestieren ist. Um Schönheit zu erkennen bedarf es absolut einer Freiheit, dies tun zu können.

Freiheit von den Grundbedürfnissen des Menschen ist einer der ersten wesentlichen Aspekte, denn weder ein hungriger Mensch nimmt sie Schönheit einer skurril geformten, farblich tief durchgezeichneten Frucht war, noch ein durchfrorener Mensch ergötzt sich an der Schönheit einer staketenförmig gewachsenen Reihe von überdimensionalen Eiszapfen vor einem gigantischen Wasserfall.

Ferner gilt es, die Freiheit im Geiste zu bewahren, etwas tun zu dürfen und sich nicht Restriktionen gegenüber zu sehen, sobald man der Schönheit gewahr wird. Sogenannte „Entartete“ Kunst diene hier als anschauliches Beispiel für den manipulativen Einfluss vermeintlicher Instanzen. Auch ausreichend Zeit zu haben, Schönheit zu erkennen, ist wesentlich, denn wie schon zu Zeiten der Einführung des Begriffs der entarteten Kunst ist das entwickelte Dogma: „Arbeit macht frei“ nichts anderes als eine willkürlich Beschneidung und Einengung gedanklicher aber auch faktischer Freiheit des Menschen. Wer so viel arbeitet, dass er nach getaner Arbeit erst körperlich, gleichfalls aber damit geistig so erschöpft ist, dass ihm die Kraft und Muße abgeht, sich geistigen Dingen zu widmen, der stellt gleichzeitig keine Gefahr dar, sich Gedanken über etablierte Prozesse zu machen, darüberhinaus scheint auch die Beschäftigung mit den schönen Dingen des Lebens der Überanstrengung zum Opfer zu fallen.

Heute, da der Inhalt der „Arbeit macht frei“-Maxime zunehmend am Einfluss verliert, treten an ihre Stelle viel perfidere Systeme: „Konsum macht frei“ bringt es am ehesten auf dem Punkt. Konsum von Waren, Konsum von Medienangeboten, Konsum von Freizeitaktivitäten. So könnte der auf diese Weise zur Unfreiheit verführte Mensch Gefahr laufen, immer weniger die Schönheiten des Lebens zu erfahren.

Bevor ich im weiteren auf die oben erstellte These von der notwendigen Konditionierung für die Fähigkeit, Schönheit zu erkennen, näher eingehe, möchte ich gleich erwähnen, dass eine Antithese dazu, nämlich eine solche, nach der eine absolute Unbefangenheit gegenüber der Schönheit vielleicht erst dazu führt, die reine Schönheit zu sehen, in eine nicht weniger interessante Richtung führt.

Kann man Schönheit lernen? Muss man Schönheit lernen, bevor man sie versteht? Sind es bestimmte Schönheiten, die man erst dann erkennt, nachdem man sich mit dem Genre ausführlich befasst hat? Max Ernst meint dazu: „Kunst hat mit Geschmack nichts zu tun“

Zu diesen Fragen führt der weitere spannende Weg in dieser Beitragsreihe.

Nach Klärung dieser fundamentalen Prämissen wirken weitere Variablen auf unsere Ideen und unser Erkennen von Schönheit. Damit befasse ich mich in den nächsten Teilen von „Die Suche nach der Schönheit“, und wühle mich dafür schon wieder durch die Literatur und die neuesten Ergebnisse der Attraktivitätsforschung.

Die Suche nach der Schönheit, Teil I (210)

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Wo findet sich Schönheit? Woran wird die Schönheit erkannt? Gibt es einerseits unterschiedliche Grade der Schönheit und gibt es andererseits unterschiedliche Grade der Befähigung diese zu erkennen? Einige Gedanken und Schlüsse daraus.

Schönheit, das Thema über Jahrtausende, wurde wahrscheinlich schon immer hinterfragt, zumindest aber immer wieder seit der Zeit, da es Überlieferungen belegen. Erst als Objekt wurde es untersucht. Es wurde versucht, die Schönheit in eine Formel zu bringen. Es wurde versucht, sie in bestimmter Form und Erscheinungsweise zu manifestieren. Danach wurde die Schönheit vom Objekt gelöst. Nur ein Subjekt sollte in der Lage sein, sie überhaupt zu erkennen, denn ohne Betrachter sollte es keine Schönheit geben. Es gab nur das Sein. Es wurde fortwährend versucht, die Schönheit von jeglicher Zweckgebundenheit zu befreien. Sie sollte ihre Wirkung nur durch sich selbst entfalten, ohne sich durch eine Zweckgerichtetheit legitimieren zu müssen. So sollte die Wahrnehmung verlaufen.

An dieser Stelle möchte ich hier gerne ansetzen und eine Betrachtung wagen. Wurde die Schönheit beispielsweise von David Hume und Edmund Burke vom Objekt losgelöst? Musste ein Subjekt beschrieben werden, dessen Existenz gegeben sein muss, um eine Schönheit überhaupt erst wahrzunehmen? Im Zuge dessen finde ich eine sehr interessante Relevanz wieder:

Wenn ein Subjekt -in unserem Falle ein Mensch, der (in was auch immer) eine Schönheit erkennt- diese Schönheit wahrnimmt, dann stelle ich die Frage: Gibt es dahingehend tatsächlich unterschiedliche Grade der Befähigung, Schönheit zu erkennen? Ferner sei die Frage gestellt, welche Variablen und Bedingungen auftreten könnten, die diese Erkenntnis erstens beeinflussen, zweitens ermöglichen oder drittens verhindern!

Schönheit erkennen wir in vielen Dingen. Eine Pflanze kann einem Menschen schön erscheinen, eine Landschaft, ein Wetterphänomen kann beeindruckend schön erscheinen. Ein Tier oder ein Mensch erweckt den Anschein der Schönheit in uns. Auch ein Gedicht bezeichnen wir mitunter als schön, oder noch mehr ein Musikstück? Gefühle können es sein, die wir als schön empfinden, oder ist es vielleicht auch der Auslöser dieser Gefühle. Selbst Schauder bezeichnen wir hin und wieder gerne als schön, sei es, weil wir auf diese Weise das ursprüngliche Leben in uns spüren, ganz gleich dabei, ob in der Form von Angst und des Erschreckens oder der Gewissheit des Schauspiels und unserer distanzierten Sicherheit dazu.

Bleibe ich zunächst bei dem Subjekt, in dessen Vorstellung -Schönheit ist ja nichts Faktisches, sie ist stets nur angenommen- Schönheit entstanden ist. Sie ist erkannt worden. Es gibt nun theoretisch unendlich viele Subjekte, die sich zum einen im Wesen unterscheiden -es sind einfach unterschiedliche Wesen- und zum anderen solche, die sich in der zeitlichen Phase differenzieren -sie befinden sich an einem bestimmten Punkt ihrer Entwicklung, als Kind, Jugendlicher, Erwachsener oder reifer Mensch. Selbst innerhalb dieser Phasen zählt jeder Augenblick als einzigartige Situation.

Zu jedem Zeitpunkt begegnet Schönheit einem x-beliebigen Subjekt. Ein Subjekt begegnet irgend einer Schönheit. Wahrnehmung findet statt. Wie verhält es sich mit der Erkenntnis? Ganz gleich, was der Mensch als schön erkennt, es gibt bei manchen Dingen eine große Übereinstimmung in der Beurteilung, in manchen aber nicht. Nun greife ich die Fragen von oben auf und frage erneut:

1. Gibt es eine universelle Schönheit, deren Wert erst erkannt, begriffen oder erlernt werden kann oder gar muss?
2. Ergibt sich, und das ist eine Frage, die sich sehr nah an der ersten Frage orientiert, eine größere Befähigung, bestimmte Schönheiten erst dann zu erkennen, wenn man sich mit diesen Verhältnissen über einen größeren Zeitraum hinweg auseinandergesetzt hat?
3. Gibt es Parallelen bei der Erkenntnis oder Wahrnehmung unterschiedlicher Formen der Schönheit?
4. Entstehen Irrungen durch bestimmte Einflüsse oder defizitäre Befähigungen, vielleicht schon durch Wahrnehmungsstörungen?

Stelle sich jeder Interessierte diese Fragen, um zu prüfen, inwiefern sich die Erkenntnis von Schönheit in ihm manifestiert. Weiter mit der Beantwortung der Fragen meinerseits geht es im nächsten Artikel.

Die Gefahr der Schönheit [ 209 ]

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Das Schöne blendet uns und verblendet uns. Immer wähnt uns das Schöne gut zu sein. Nicht erst seit der Antike (Kalokagathia) finden sich synologische Tendenzen schon in der Wortwahl: schön gleich gut! Nie sind die Menschen mit dem Guten zufrieden, sondern suchen fortwährend nach dem Besseren. Dem besseren Foto, dem besseren Kleid, den besseren Schuhen oder der besseren Wohnung.

Stets erzeugt das Schöne eine positive Verknüpfung in uns. Das Schöne muss auch gut sein. Das Schöne kann es besser. Das Schöne meint es gut. So, wie das Schöne daher kommt, kann es nichts Böses im Schilde führen. Wie groß ist aber unsere Enttäuschung, wenn wir dieser unserer Täuschung gewahr werden. Wie konnte es nur dazu kommen, man hat es dem Schönen zuvor nicht angesehen.

Und das Schöne weiß um seine Wirkung, in allen Dingen. Nahezu magisch werden wir von ihm angezogen. Wir sortieren Minderwertiges aus, lassen den Hässlichsten von Dreien links liegen und wählen das Schönste. Wie ärgern wir uns, wenn uns einer zuvor kommt und uns das Schönste vor der Nase wegschnappt.

Wieder und wieder gehen wir dem Schönen auf den Leim. Aufgeklärt möchten wir sein, wissen, woran wir sind, gewappnet sein für alle möglichen Eventualitäten, denn wie lieben es nicht sehr, unvorbereitet überrascht zu werden. Doch mit all dem Wissen ist es nicht weit her, denn allzu gern lassen wir uns verführen: Das Schöne erweckt Versprechungen, die nur durch unser Zutun entstehen konnten, denn diese Versprechungen sind -fiktiv- in uns entstanden, ohne dass sie je vom Schönen ausgesprochen worden wären.

Wir suchen das Schöne. Immerzu. Wir suchen das, von dem wir persönlich meinen, dass es das Schönste sei: Die Kleidung, die uns am schönsten macht, die Wohnung, die wie am schönsten finden, das Auto, welches wir für das schönste halten. Es werden bevorzugt Zwecke konstruiert, um das Schöne zu rechtfertigen. In uns fiel das Urteil längst, bevor es in unser Bewusstsein kommt, dorthin gelangt es erst viel später hernach. Uns da ist es meist schon zu spät.

Wie oft fielen wir schon herein, auf das Schönere, das Bessere, das Wertvollere? Wie oft hat sich im Nachhinein gezeigt, dass im Schönen so viel Ungutes versteckt war, oder offensichtlich eigentlich – nur waren wir zu benebelt es zu erkennen, weil unsere Sinne vom Schönen geblendet waren. Verzaubert schien uns manche Schönheit, bis sie uns zu eigen wurde und uns im täglichen Angesicht zur Selbstverständlichkeit degradierte. Finden wir noch in den Sammelsurien der Schönheiten die Individualitäten oder finden wir sie bereits wieder als ein Ausstellungsstück im Kabinett der Belanglosigkeiten? Was einst so schön uns anmutete, sollte es untergegangen sein in einer Sammlung? Einer Sammlung an Eindrücken, Sichtweisen, Gefühlen oder Briefmarken? Um nur hin und wieder ganz kurz aufzublitzen? Doch, letztendlich, verloren in der Sammlung der Schönen …

Außenwirkung (208)

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Weite. Unendliche Weite. Weite in Gedanken, im eigenen Willen, im innersten Gefühl, in seinen Zielen, Weite im Werden und im Sein. Befreit von Zwängen, von nutzlosem Tand, von Mauer und Hecken vor seinem eigenen Geiste, wie auch in der Wirklichkeit.

Differenzen enttarnen. Differenzen zwischen der sogenannten Realität, dem Dasein, dem, was wir Leben nennen, und dem, was unsere Idee vom Leben ist, unsere Vorstellung von Zufriedenheit und Entwicklung ist, und dem, von dem wir glauben, dass es erwartet wird, vom wem auch immer. Doch nicht nur diese Dualität erfasst es. Es handelt sich pluralistisch um mehr, mindestens aber um eine Trilogie. Drei Perspektiven, drei Ausgangspunkte, drei Sichtweisen könnte man einnehmen, mindestens.

Realität: Das, was uns widerfährt, was wir erleben, was unsere Sinne festzustellen in der Lage sind. Das, was wir durch Aktion und Reaktion erwirken. Das, was wir empfinden.

Wünsche, Vorstellungen und Ideen: Wir haben ein Bild oder eine Vorstellung von einem Zustand, den wir gerne erreichen möchten. Vielleicht ist es auch eine Ansammlung von Wünschen unterschiedlicher Priorität, die sich zudem auch noch beständig verändern; welch eine Herausforderung.

Einflüsse aus unserer Umwelt: Was sollen bloß die anderen denken? Was möchten wir, dass sie von uns denken? Wie wichtig ist uns, was ein anderer Mensch, ganz gleich, ob Fremder oder Freund, über uns urteilen? Was investieren wir [nur] für den Schein, das Licht, in dem wir er-scheinen möchten? Was soll lieber im Schatten hinter uns versinken? Welchen Einfluss haben all die anderen Menschen in unserem Leben? Was nehmen wir als gegeben hin [oder auf], um zu entsprechen? Wieviel unserer Lebensenergie verwenden wir auf diese Entsprechung?

Sind es diese drei Standpunkte, dann warten viele Abstufungen auf uns. Und noch vielfältigere Wahrscheinlichkeiten warten darauf, verarbeitet zu werden. Das geht oft auf der heimischen Couch nicht gut. Zu bequem. Zu viel Ablenkung durch … nun, Du kennst sie, die bösen … ! Treiben wir mehr durchs Leben, oder werden wir gar getrieben, von Mode, Konsum oder Luxus? Befehlen uns unsere schier unbändige Gier nach immer mehr oder unsere grenzenlose Habsucht zu eifern nach Diesem oder Jenem? Sind wir es am Ende selbst, die bestimmen, wann wir welchen Schritt zu welchem Ziel machen möchten?

Ist es leichter, Befehle zu empfangen, als solche zu geben, zu entscheiden, wo lang es geht? Die Freiheit Entscheidungen treffen zu können ist schnell der Zwang, eine Entscheidung treffen zu müssen. Gar nicht so leicht, muss man doch abwägen! Aber womit soll man abwägen, wenn die gewichtigen, essentiellen Gesichtspunkte fremd und unerkannt bleiben? Entscheidungen, deren Tragweite nur einer Idee von einer Vorstellung entsprechen? Das kann dramatisch enden. Und sich zu bilden, zu informieren, ein Fundament zu erbauen ist wiederum mit Mühsal verbunden. Und das, während wir doch so gern auf der Couch sitzen und heiter konsumieren. Verflixt. Kreativität hat etwas mit Aktivität zu tun. Tschüß Couch.