Der wohlgeformte Körper (157)

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Die Idealvorstellung, die Idee von der Schönheit des menschlichen Körpers ergreift uns mit jeder Ansicht eines schönen Körpers immer wieder von Neuem. Sie erinnert uns an eine vollkommene Daseinsform, die von Malern, Bildhauern, und auch Bildbearbeitern in unser Blickfeld gerückt wird und uns immer wieder eine Realisierung der idealen Form wach ruft.

Ein kürzlicher Besuch in der Karlsruher Kunsthalle ließ mich über die Ansicht des menschlichen Körpers nachdenken. Je nach Jahrhundert stellten die Maler ihre Musen mit den unterschiedlichsten Proportionen sowie in unterschiedlichsten Farben dar. Im 16. Jhd. erschienen die Formen runder gewünscht, die Blässe verstärkt und die Augen kindlich vergrößert gefordert. Nur knapp 200 Jahre später durften die Gemälde die Personen, Frauen, Körper schon etwas schlanker sein, die Gesichter ebenmäßiger mit nicht mehr nur mit in Kalk gemeißelter Haut portraitiert werden. Wieder 200 Jahre später könnte ich es wagen, gar von Schlankheit zu sprechen, die Werke der regionalen Schulen der Malerei in Europa zeigen dazu deutliche Hinweise. Der Besuch, obwohl gerade viel im Umbau wegen seiner Degas – Sonderausstellung war inspirierend.

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Willi Lehmbruck, Kunsthalle Karlsruhe

Doch es rief in mir auch jene Gedanken wach, die sich mit der Form als die vergänglichste der körperlichen Eigenschaften, als ein Geschenk der Jugend, und eine Baustelle der Zeit danach darstellt. So sehr ich in meinem Blog der wunderbaren Form des Pos eine Hommage setzen möchte, so sehr ist mir die unaufhaltsame Vergänglichkeit aller Körperlichkeit der Stachel im Fleische. Auch wenn die marmornen Körper des Auguste Rodin oder Wilhelm Lehmbruck

 

 

Generationen überstehen, vielleicht auch die ein oder andere Malerei und sogar Fotografie der Zeit ein wenig den Verfall abringt, so kann der menschliche Körper doch nur eine kurze Zeit das Vorbild, das Modell für die Ewigkeit sein. Es ist in der Geschichte der Menschheit nur die Erhaltung derselben, die uns in immer neuer Jugendlichkeit die Schönheit der Mona Lisa wiederfinden lässt in der Schönheit von Ikonen der jeweiligen Epoche davor oder auch danach. Jeder Mensch kann es sein, ein Vorbild für ein Kunstwerk der Zeit. Jenseits von modischen Formen liegt es im Auge und der Hand des Künstlers, Kunst zu erschaffen, die er aber ohne sein Modell nur schwer, wenn überhaupt erschaffen kann.

Zeiten, in denen heutige Kunstwerke nichts bedeuteten als Schund, der Künstler verhungerte, dessen Bilder heute einen Wert von hundert Jahreseinkommen eines arbeitenden Menschen übersteigt zeigt die Willkür und aber auch Freiheit in der Darstellung der allgegenwärtigen Schönheit des Menschen!

Die berühmtesten aller Modelle waren einst nicht mehr als der Bursche vom Hof nebenan oder das Mädchen aus der Wäsche am Flusse. Es war vielleicht nur die Schwester eines Freundes oder der Sohn des Nachbarn. Was hätte Salvador Dali ohne seine Frau gemalt, die ihm Muse und Inspiration zugleich war, wie wurde Claudia Schiffer einst in Düsseldorf auf der Straße von Karl Lagerfeld entdeckt? Warum soll nicht die Kassiererin vom Supermarkt um die Ecke eine Muse der Künste sein, deren Ausdruck den Betrachter des Bildnis‘ von ihr entzückt?

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Zensur des schönen Hässlichen (140)

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Mies Vandenbergh Fotografie

Darf ich alles ansehen, was es gibt? Existieren Dinge, Wesen, Geschehenisse, die meinen Augen verschlossen bleiben (sollen)? Wie würde ich diese Fragestellung in eine Beziehung zu meiner naturwissenschaftlichen Bildung setzen? Ein Essay.

Alle Dinge bestehen aus einer Ansammlung von Atomen, Elektronen, Protonen, Quarks oder Neutrinos, vielleicht sogar Higgs Teichen, diese von uns wahrgenommen werden, wenn Lichtenergie auf ein Körper trifft Albedo . (Selbstleuchtende Körper übergehe ich einmal.) Grundsätzlich kann ein Körper jede mögliche Form annehmen. Durch physikalische Kräfte bedingt, und im Zusammenschluss der Teilchen unter Adhäsion und Kohäsion kommen sie zustande. Unter dem Einfluss in bestimmten Wellenlängen auftreffender elektromagnetischer Strahlung kann unser dafür eingebauter Sensor, das Auge, die Formen und Farben der Körper wahrnehmen. Wir sehen etwas. Soweit die physikalischen Abläufe in kurz angerissener Weise.

Spannend wird es, wenn wir Menschen beginnen, diese physikalischen Information zu deuten, zu erklären oder zu steuern. Bevor wir dies tun, ist von Grund auf jede Erscheinung ohne Bedeutung. Bis der Mensch eine Definition festlegt. Einem Kinde beispielsweise erklären wir die Welt, weil es nicht weiß, was die Dinge bedeuten. Die Dinge, Erscheinungen selbst wissen nichts davon. Sie sind seit ihrer Entstehung immernoch gleicher Natur. Dennoch belegte der Mensch im Laufe der Zeit, die Jahrhunderte und Jahrtausende ausmacht, die Dinge nicht immer identisch. Das ist ein zentraler Punkt. Unter dessen Berücksichtigung wird die Sichtweise auf die Dinge ungemein geschärft. Ein steter Wandel also begleitet die manigfaltigen Bedeutungen in ihrer Erscheinung.

An dieser Stelle möchte ich die folgenden, einfachen Fragen aufwerfen und ihnen sogleich darauf nachgehen: Woher nehmen wir diese und jene Bedeutung der Dinge, der Wesen, der Erscheinungen? Warum verteidigen wir sie gegen Gedanken, Ideen und Gefühle? Warum hinterfragen wir sie so wenig? Passable Beispiele zur Erforschung dieser Fragestellung finden sich in jedem noch so profanen Begriff. Dessen Bedeutung erzeugt bei jedem von uns ähnliche und weniger ähnliche Assoziationen.

Was wäre mit dem Begriff  „rot“, oder dem Begriff „Bein“? Fallen einem zu diesen beiden Begriffen verschiedene Bedeutungen ein? Wie wäre es mit der Bedeutung des Wortes Vertrauen? Vertrauen besitzt eigentlich nicht den Status eines Wesens, Dings oder einer Erscheinung (im weitesten Sinne ist Erscheinung noch eine akzeptable Bezeichnung dafür) , sondern wird mehr als Zustand umschrieben. Dazu fallen mir viele differenzierte Erläuterungen ein. Da jedoch zu Beginn dieses Artikels von der Bedeutung von Dingen und Wesen die Rede war, die wir mit unseren Augen sehen können, möchte ich nicht über einen Zustand nachdenken, sondern den Begriff „Haut“ hernehmen und ganz kurz umreißen. (Schon deshalb ist er für mich spannend, weil er in engeren Sinne direkt mit Aussehen in Verbindung gebracht wird!)

Unter „Haut“ versteht die Menschheit auf der gesamten Erde meist dasselbe. Der Umgang mit ihrer Erscheinung jedoch gestaltet sich in den Kulturen der Welt und den Epochen der Gesellschaften äußerst vielfältig und variabel. In einer bestimmten Epoche ist es en Vogue etwas mehr Haut zu zeigen, zu einer anderen Zeit ist es -im Gegenteil- mehr als verpönt. In manchen Ethnologien wird die Haut geschmückt, indem man sie einritzt, in der nächsten Kultur tätowiert und der übernächsten gilt eine bestimmte Farbe der Haut als Voraussetzung für eine Akzeptanz eines Individuums in der Gesellschaft. Soweit nur ein ganz kleiner Ausschnitt, der aber schon jetzt verdeutlicht, worauf ich hinaus möchte. Zuvor aber noch ein anderer Gedanke.

Als problematisch für das Verständnis der Menschen von Bedeutungen sehe ich ihren Wandel an. Der lässt die Menschen oftmals nicht Schritt halten. Dabei spielt es keine Rolle, ob sich der Wandel über eine relativ kurze Spanne von einem Jahr oder kürzer vollzieht oder erst im Laufe von mehreren Jahrzehnten sein neues Gewand hervor bringt. Liegt es nämlich in der Verantwortung der Erziehenden, Inhalte zu vermitteln, so liegt es hingegen in der Verpflichtung der Schüler, das Erlernte zu reflektieren. (Was wiederum eine freigeistige Erziehung voraussetzt, was wiederum voraussetzt, dass der erziehende freigeistiger Gedanken fähig ist…) Auch gilt hier zu erwägen, in wie weit sich der Erklärende von seiner Natur entfernt und Probleme dadurch entstehen, dass diese unterdrückt (gehört) 😉 und massiv einer künstlichen Bestimmung untergeordnet wird. (Letzteres sei nur am Rande bemerkt, dazu ließe sich ein eigener Artikel verfassen.)

Zurück zu den eingangs gestellten Fragen. Woraus bildet sich jene stille Übereinkunft, in einer Erscheinung einen bestimmten Sinn zu erkennen. Von erlernt über eingetrichtert bishin zu verinnerlicht durch Vorleben erreichen uns schier unendliche Sinninhalte. Diese addieren sich in unserem Gedächtnis auf einer Habenseite eines Kontos, während auf der Sollseite unsere individuelle Empfindungswelt einen Ausgleich zu finden sucht. Bringe ich dazu meinen Verstand ins Spiel, so folgt zwangsläufig die Überlegung, was dem Sinn der Erscheinungen seinen Sinn gibt. Wodurch und worin ordnet sich eine Erscheinung in Bezug auf ihre Sichbarkeit und Unsichtbarkeit ein.

Was ich mir ansehe, was ich mir nicht ansehen soll und warum ich es nicht soll, das kann eine spannende Entdeckungsreise werden. Gehe ich dem nach. Um das zu können, suche ich zunächst nach dem Grund dafür, warum bestimmte Dinge, Erscheinungen und Wesen per Definition bestimmte Adjektive erhalten. Adjektive wie etwa ekelig (gefühlserzeugend), schleimig (Aggregatzustand beschreibend), rauh (haptisch), oder anziehend (gefühlserzeugend), stabil (Aggregatzustand beschreibend), weich (haptisch). Wir verbinden Erscheinungen mit diesen positiven und negativen Adjektiven, während die Struktur an sich nichts mit den menschlichen Umschreibungen und insbesondere Wertungen zu tun hat. Warum verbergen wir Bestimmtes vor unseren Augen, was hat uns so weit gebracht, woher kommt dieser Zustand? Überdenken wir, was uns dazu veranlasst, und wir entdecken manchen Irrtum. Fortsetzung der Überlegungen in Teil 2 demnächst auf diesem Blog 🙂

Poform und Körpergewicht ( 73 )

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Körpergewicht beeinflusst die Proportionen. Ab einem bestimmten Maß. Denn bei zunehmender Größe verteilen sich die Massen proportional, bis zu einem ungefähren Verhältnis. Das bedeutet, ein Mensch mit 80 kg und einer Körpergröße von 1,85 m kann wesentlich attraktiver sein als ein Mensch mit 1,56 m Höhe und einem Körpergewicht von 46 kg. Auch an der Untergrenze zur Magersucht gilt dies.

Im Rahmen von Erhebungen über das Thema „Entwicklung des Körpergewichtes im Vergleich der Jahre“ wurde festgestellt, dass die Menschen in Deutschland im Vergleich der Zeiträume zunehmend dicker werden und die Anzahl der normalgewichtigen Menschen immer weiter abnimmt. Diese Ergebnisse betreffen durchweg alle Altersgruppen. In Deutschland ist es noch weniger ausgeprägt, als beispielsweise in den USA, doch die Zahlen deuten darauf hin, dass wir auf dem besten Wege dahin sind.

Dass es so ist, daran zweifelt niemand, doch warum es so ist, das versuchen Wissenschaftler zu eruieren. Bei der Ursachenforschung ist die Rede von Nahrungsmitteln und Genussmitteln mit einem enormen Zuckergehalt; ebenso von Menschen, die zunehmend mehr und mehr Zeit vor den Medien in sitzender Haltung verbringen, anstatt sich zu bewegen. Elektrische und elektronische Geräte nehmen uns die Bewegungen ab.

Was bedeutet das für die Fotografie von Menschen? Was ändert sich an den Motiven. Ein interessantes Thema, dessen Antwort aber im Grunde genommen schon in der Fragestellung enthalten ist.

Der Fotograf sucht nach Models mit passendem Äußeren, je nach Auftragsanforderungen oder Vorliebe. Auf der Straße begegnen dem Streetphotographer zunehmend weniger Menschen mit normalem Gewicht, noch dazu fotografiert er sowieso nicht nach Gewicht. Der Schönheitssuchende hat es etwas schwieriger, wohlproportionierte Menschen zu fotografieren, doch mit etwas Geduld ist es ohne weiteres weiter zu fabrizieren.

Was an diesen Forschungsergebnissen wesentlich wichtiger ist, meine ich, das ist die Notwendigkeit und Forcierung von Aufklärungsarbeit bei uns Menschen über die Bedeutung von Nahrungsmitteln und deren Wirkung. Die Entwicklung hin zur zunehmenden Fettleibigkeit scheint widernatürliche und konträre Tendenzen aufzuzeigen, denn die evolutionären Veränderungen der Menschen in den letzten Jahrhunderten führten zu einem größeren und tatsächlich schlankeren Menschen. In erster Linie jedoch geht es bei der Aufklärung um den Faktor Gesundheit des Körpers UND des Geistes, das Aussehen kann in diesem Zusammenhang nur marginal sein.

Einen Fingerzeig auf die Körperformen gibt der gemeinhin bekannte Ausspruch: „Ein gesunder Geist wohnt in einem gesunden Körper“. Jeder kann sich selbst beantworten, wie viel Wahrheit in diesen Worten steckt. Ich selbst fühle mich im gesunderen Körper, damit meine ich im weniger schweren Körper besser, was sich auf mein Gemüt positiv auswirkt. Ich möchte an dieser Stelle sogar noch eine ganz andere These in den Raum stellen: EIN GESUNDER GEIST HAT EINEN GESUNDEN KÖRPER ZUR FOLGE!

Etwas gewagt, ja, das ist es schon, zumal dabei einige Ausnahmen schon allein in meinem kleinen Biotop aufzuzeigen sind. Mit dem gesunden Geist allein ist eine Stoffwechselkrankheit nicht zu besiegen. Doch für uns „Nichtkranke“, bequeme, dekadente und faule, ignorante und besserwisserische (dazu wider besseres Wissens handelnde) Zeitgenossen könnte ein bis dahin nicht gekanntes beständiges Körperbewusstsein zu einem wahrhaft gesünderen Körper führen. Sind wir so stark, die uns bekannten körperfeindlichen Nahrungsergänzungsmittel, wie z.B. Zucker oder gehärtetes Fett aus unserem Speiseplan nahezu zu streichen, so würde der größte Teil der industriellen Gesellschaft weniger schweren Krankheiten ihre Lebensenergie opfern müssen.

Und der Bezug zur Fotografie? Ich kann den Po eines zierlichen Wesens durchaus mit dem eines athletischen oder wohlgenährten Menschen vergleichen, denn dieser unterscheidet sich nur in seiner Dimension. Als Anschauungsmaterial dienen hier die beiden Fotografien, die von je einer der beiden oben genannten Körperformen stammen.

Damit bleibt es umso mehr eine Sache der menschlichen Vorlieben, wenn die Frage nach der Körpergröße gestellt und jene nach der körperlichen Proportionen ausgeklammert werden kann, vorausgesetzt die Formen treffen den Geschmack des Betrachters.

Als Fazit möchte ich feststellen, dass das Körpergewicht bis zu einem bestimmten Maß nur indirekten Einfluss auf das Aussehen der Menschen hat. Wird dieses Maß, wie in verschiedenen Erhebungen festgestellt worden ist, überschritten oder unterschritten, dann verändern sich die gesund wirkenden Proportionen. Der Ausspruch: „Das ist ja nicht mehr schön.“ beschreibt diese Diskrepanz.

Uns gefällt das Äußere eines Menschen im vorliegenden Fall vielleicht nicht. Statistisch gesehen gefällt anderen Menschen ein übergewichtiger und untergewichtiger Mensch – rein optisch betrachtet – weit weniger, als ein normalgewichtiger Mensch. In unserer Wirklichkeit kommt es natürlich nicht nur auf die Äußerlichkeiten an! Dadurch treffen alle Menschen auf Menschen, denen sie gefallen. Ich gehe hier zu Vereinfachung vom Durchschnitt aus. Vielleicht kommen Wissenschaftler irgendwann zu einer evolutionsbiologischen These, die die stetige Verbesserung der Gattung Mensch durch die Auswahl der „schöneren“ und dadurch vermeintlich gesünderen Exemplare darlegt.

Wie dem auch sei, mir liegt schon einiges mehr am wohlproportionierten Hintern, solange es sich um das Aussehen und das Gefallen dreht.

Motiv + Wirkung ( 69 )

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Alles, was mit dem menschlichen Auge zu sehen ist, könnten wir -rein theoretisch- auch fotografieren.

Warum wir es tun könnten, ist eine Frage, die ich gerne anderswo interpretieren und bearbeiten möchte. Warum wir es nicht tun, ist auch eine interessante Frage. Dass wir es nicht tun oder zeigen, ist eine Tatsache. Die Auswahl unseres vornehmlich fotografierten Motives ist eng mit der gesellschaftlichen Verknüpfung verbunden, in der wir (fest-) stecken.

   Hier in Deutschland ist es beispielsweise nicht ohne weiteres möglich, so interessante Streetfotografien wie von Bruce Gilden oder Sao Paulo Streetphotography zu veröffentlichen, da das Thema rechtlich einerseits sehr eng, andererseits aber zutiefst schwammig geregelt ist! Da liegt es scheinbar näher, sich nur mit rechtlich einwandfreien Motiven auseinander zu setzen. Auch darunter finden wir natürlich viele spannende Motive. Interessant ist z.B. die Tierfotografie, wie es beispielsweise Jörg David in fantastischer Weise immer wieder beweist.

   So viele Menschen es gibt, so viele Vorlieben für’s Fotografieren und mehr noch für’s Ansehen der Bilder gibt es. Und genau da liegt der Kern der Einzelbetrachtung. Im Sehenwollen und tatsächlichen Hinsehen durch die Betrachter findet sich eine versteckte Motivation. Die erste Frage dabei soll die nach dem Grund der Fotografie sein: Fotografieren wir, um uns selbst an den Bildern zu erfreuen oder fotografieren wir, um die Bilder zu präsentieren, um auch andere zu begeistern und zu faszinieren?

   Das ist insofern relevant, als dass sich daran die Frage anschließt, was wir mit einer Präsentation der Ergebnisse erreichen wollen. Dazu jedoch gleich mehr. Fotografieren wir nur für uns selbst, und vielleicht einen kleinen Kreis der Familie und Freunde, so liegt die Sache ziemlich einfach. Die Resultate müssen (nur uns) gefallen. Wir sind die einzigen Kritiker. Wir wachsen aus unserem eigenen Anspruch an die Bilder. Oder eben nicht. Das nicht notwendige Feedback anderer verhilft uns zu keinen anderen Ergebnissen, wir fotografieren ausschließlich privat.

   Gänzlich anders sieht die Sache bei der Idee aus, seine Fotografien auszustellen. Spätestens hier wird die Frage nach dem Motiv absolut relevant. Um es auf die Spitze zu treiben, stelle ich folgende Überlegungen an: Was sollte einen Besucher meiner Ausstellung im Filmsaal der Schule, in der Galerie oder einem Ausstellungsraum, wie auch in den vielen möglichen Portalen im Internet dazu verleiten, in Aktion zu treten, um meine Bilder anzusehen? Einige Klicks sind einfach, aber eine Räumlichkeit aufzusuchen bedeutet schon einen größeren Aufwand. Mit den „falschen“ Motiven wird sich mein Erfolg in jeder Hinsicht in engen Grenzen halten. Ob ein Besucher wieder mal auf meiner Homepage oder meinem Fotoblog vorbeischauen wird, ist direkt abhängig vom Motiv und seiner Perspektive. Die Qualität der Fotografien kann noch so gut sein, wenn nicht das Motiv etwas Beliebtes darstellt oder die Darstellung eine durchweg außergewöhnliche Betrachtungsweise definiert, zeigt es sich erst, ob jemand eine Autofahrt in Kauf nimmt, um (m)eine Ausstellung zu besuchen.

   Ich gehe hier grundsätzlich mal davon aus, dass die technischen Belange der Fotoaufnahmen vorzeigbar sind.

   Immer wieder stellt sich die Frage nach dem Motiv! Dazu kommt die Verbindung mit dem Sinn und Zweck der Aufnahmen. Jedem Fotografen bietet sich zu jedem Beginn, auf’s Neue, wenn er oder sie nicht an einer Reihe arbeitet, eine Chance auf Bilder eines anderen Genres. Innerhalb dieses Genres findet sich wiederum eine große Anzahl differenzierter Motive. Welche Überlegungen dabei für mich vorrangig zu beachten sind, das möchte ich skizzieren. Nähme ich ein allseits beliebtes Thema, so wäre mir zwar die Zuneigung und Aufmerksamkeit meiner Besucher zumindest dann gewiss, wenn ich in der Lage bin, Bekanntes fotografisch neu oder spannend ( neu gilt als spannend) zu definieren. Es existieren sonst nämlich schon viele bis unendlich viele ähnliche Fotografien. Lichte ich seltenere Motive ab, so findet mich vielleicht kaum einer, aber ich könnte exklusive Aufnahmen fertigen. Nur für wen? Wer würde danach suchen? Wer sich in die Ausstellung verlaufen?

   Zum Glück ist durch die immens große Themenauswahl unserer Kreativität keine (kaum eine) Grenze gesetzt. Zu Beginn habe ich auf unsere gesellschaftlichen Zwänge angespielt, die uns beständig zur Konformität führen wollen. Dazwischen finden wir aber auch einige Überschreitungen, wenn wir nur frei genug im Geiste und emotional reif dafür sind.

   Um es zu vergleichen, möchte ich die Frage stellen, welche Fotoaufnahmen für den Leser interessanter wären: die Nahaufnahme zarter Adern eines Rosenblattes in durchscheinendem Lichte oder die Nahaufnahme berg-und talartiger Furchen eines abgeschnittenen Zehennagels in durchscheinendem Lichte.

Noch Fragen? 😉

   Ich vermute mal, dass sich die Rosenblätter deutlich höherer Besucherzahlen erfreuen würden. Man kann diese beiden Themen um viele weitere ergänzen. In Jörg Davids oben erwähnten, hervorragendem Tierfotografie-Blog hat er mir unlängst bestätigt, dass die Besucherfrequenz während seines Intermezzos von der Vogel-Fotografie in die Amphibien- und Reptilien-Fotografie nicht unerheblich abnahm, obwohl die Qualität der Aufnahmen auf gewohnt höchstem Niveau lag. Vermutlich stellen die Vögel ein deutlich populäreres Motiv dar und die Menschen begeistern sich viel mehr für die vermeintlich „schöneren“ Vögel!

   Die Frage dabei bleibt jedoch, ob ich etwas möglichst populäres und beliebtes publizieren möchte, oder einem Thema Ausdruck geben will, dem ich – in irgend einer Weise – verbunden bin. Möchte ich in einem beliebten Thema fotografieren und dort in außergewöhnlichen Bahnen Perspektiven und Besonderheiten finden und ausstellen, oder mich einem ungewohnten oder gesellschaftlich nur heimlich beliebtem Thema widmen? Das entscheidet jeder für sich selbst. Der Erfolg einer Publikation hängt meiner Ansicht nach direkt vom gelebten, zugegebenen ehrlichen Interesse der möglichen Betrachter ab. (Vergleiche Privatfernsehen gegenüber arte 😉 , wo halten wir uns auf?)

   Ich meine, die Entscheidung für oder gegen ein Motiv sollte immer auch mit der eigenen Passion verbunden sein, denn was man mag, macht man im allgemeinen besser. Ich meine, letztlich führt nur dieser Weg zur eigenen Verwirklichung und zum Erfolg.

Und wie immer: Do it! Again and again. KLICK!

Gesellschaftliche Konventionen – Sag‘ bloß nicht Hintern (28)

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Was lässt sich über gesellschaftliche Konventionen – in Verbindung mit dem Gesäß – so alles bemerken?

Lese ich bestimmte Artikel über das Thema, so eröffnet sich mir ein wahrer Reigen dieser Konventionen. Bestimmungen über Bestimmungen, Regeln, wohin man sieht und Tabus, deren Verletzung fast eine gesellschaftliche Ächtung, wenigstens aber eine soziale Diskriminierung zur Folge haben kann. Was haben wir, was hat unsere Gesellschaft erreicht?

Wir sind unsere Gesellschaft. Wir machen sie aus. Wenn wir uns am sozialen Umfeld orientieren, wenn wir teilnehmen am gesellschaftlichen Miteinander, wenn wir interagieren, so prägen wir unser Miteinander aktiv mit. Wir entwerfen selber die Umstände, unter denen wir uns wiederum selbst verantworten müssen. Wie entstanden also die Konventionen in meiner westlich geprägten Umwelt? Ich lernte schon als Kind, was sich ziemt und was nicht. Diese Konditionierung, die meine Eltern ihrerseits von deren Eltern, und diese wieder von ihren Eltern erfuhren, und die auch wir an unsere Kinder weiter geben. Eben diese Konditionierung eröffnet in uns eine Instanz, welche die Konventionen auf unsere Handlungsmuster überträgt. Dadurch wird eine Kommunikationsebene geschafft für die Verständigung in unserer Gesellschaft respektive in unserem sozialen Umfeld. Ohne diese Fähigkeit könnten wir uns in unserer Gesellschaft nicht verständigen. Wir wären in unserem Land, in dem wir nicht nur die Sprache nicht verstünden, auch die Gestik und Mimik sowie die Verhaltensweisen wären uns gänzlich unverständlich.

Aber wir haben die Fähigkeit der Kommunikation. Wir können sprechen und manchmal sogar zuhören. Und wir können denken. Manchmal auch nachdenken. Wir haben die Freiheit und selten sogar die Zeit, die Sitten und Bräuche, die Regeln und Vorschriften, die Gesetze und Verbote und die Dinge allgemein in Frage zu stellen. Ob die Dinge dann der Überprüfung stand halten, das ist nicht gesagt. Jedes könnte ganz, könnte zum bestimmten Teil oder könnte gar nicht aufrecht erhalten werden. Es geht dabei nicht darum, Gesetze zu brechen, oder Verbote zu umgehen. Es geht nicht darum, mit alten Bräuchen zu brechen und die Regeln zu verletzen. Es geht für jeden von uns Menschen darum, dieses Gebilde der Gesellschaft, unserer Gesellschaft, zu reflektieren. Was meine ich mit „reflektieren“? Ich frage nach dem Sinn und dem Ursprung für den Ist-Zustand. Ich stelle die Frage:“Wie wirkt die soziale Umgebung auf mein Leben und das meiner direkten und entfernteren Mitmenschen. Ich rede mit den Menschen und frage einfach.

Denke ich also hier laut über die Eingangs gestellte Frage nach.

Was lässt sich über gesellschaftliche Konventionen in Verbindung mit dem Gesäß so alles bemerken?

Der Hintern ist im Grunde genommen tabu. Er ist hinten und vorne ist das, worum es geht. Er ist es, aus dem der Körper sich der überflüssigen Exkremente entledigt. Wie ich schon weiter oben erwähnte, lernen wir als Kinder, dass das „AA“ „bahbah“ ist. Und wir sollen uns ja nicht dort anfassen. Genau genommen nicht nur dort nicht. In früheren Zeiten war es laut Berichten der Altvorderen noch viel strenger. Diese „Regel“ wird uns unter vielen anderen beigebracht, bis wir sie verinnerlicht haben. Unterstützend kommen noch die Einflüsse aus anderen Bereichen hinzu, wie der Umgangssprache: „Du Ar… “ und „ar…kalt“ zum Beispiel. In meinen Gedanken entsteht dabei die Frage nach der „Richtigkeit“, nach dem Ursprung für den „Verruf“.

In der Öffentlichkeit redet man nicht gerne über den Po. Es ist kein Thema. Die Auseinandersetzung findet lieber unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt, wenngleich es mittlerweile schon Ausnahmen gibt. In Brasilien wurde neulich die Miss Bumbum gekürt. Bumbum wird in Brasilien der Hintern genannt. Eine andere Kultur, auf die wir zugleich naserümpfend herniederblicken und neiderfüllt aufsehen. Das Internet stellt mittlerweile eine Plattform zur Verfügung, die die Möglichkeit zur halböffentlichen Darstellung der Ansichten der Nutzer bietet. Nicht nur durch einen Blog oder eine Homepage kann etwas dargestellt werden, was sonst nicht zu veröffentlichen wäre. Auch durch die Auswertung der Begehrlichkeiten findet eine gesellschaftliche Dokumentation statt. Was wird wie oft von wem nachgefragt? So wie in meinem Blog wird mancher Gedanke mitgeteilt, der gelesen wird und damit anregt, aufregt und einen (Denk-) Anstoss gibt.

Komme ich wieder zurück zum „Das macht man nicht!“ Schon das Wort Sitte erzeugt in mir ein deutliches Widerstreben. Das kommt m.E. durch die Erfahrungen, die sich auf der Soll – Seite meines Gewissenskontos seit meiner Jugend addiert haben. Sittsames Verhalten bedeutet für jeden Menschen etwas anderes, es finden sich zwar Gruppierungen, die oberflächlich gesehen in der Sitte einen gemeinsamen Nenner gefunden haben, die jedoch bei näherem Hinsehen starke Differenzen aufweisen. (Beisp.: Kirche oder Vereine) Das empfinde ich in meiner Kultur als verklemmtes und verlogenes Verhalten. Ich sehe „Verklemmt“ wörtlich und meine es so, als dass etwas klemmt, was gerne heraus möchte. Vielleicht wird es durch ein Gewissen eingeklemmt, welches aufgezwungen, domestiziert wurde. Hier oder in Papua-Neuguinea. Mit unterschiedlichen Wertvorstellungen.

Vielleicht durch die Sitte wird etwas eingeklemmt, das eigentlich unserer Natur entspricht. Wer bestimmt, was durch den Filter Gewissen, Sitte, Gesetz usf. aufgehalten wird, und zu einem Sediment in unserem Wesen wird.
Kann ich es anhand von Beispielen beschreiben, ohne gleich als freizügig und verantwortungslos bewertet zu werden. Sicher nicht. Doch wer bewertet? Ein Mensch? Eine Gesellschaft? Eine Konfession? Eine Gemeinschaft? Eine Partei? Ein Verein? Ein …?
Nehme ich ein Beispiel: Unbedeckte Schulter in einer venezianischen Basilika. Ein anderes: Mit Hut in eine Dorfkirche der Eifel. Noch eines: Lachen in einem Gerichtssaal. Ein letztes: Mann in einem String-Tanga im Kurbad Baden-Baden. Ein allerletztes: Eine Familie mit 6 Kindern im Feinschmeckerrestaurant.

Es könnte immer so weiter gehen mit Beispielen. Ihnen fallen bestimmt auch noch zig-hunderte ein. UND WER HAT WANN BESTIMMT, DASS WAS NICHT SITTSAM IST???

Wir! Wir halten uns daran. Nicht auffallen. lieber konsumieren. (… ich schweife ab!)

Denke ich also weiter. Warum ist unser Hintern tabu? Ist ein verantwortlicher Umstand der unangenehme Geruch, der entweichen kann? Sind es die Exkremente? Suche ich in der Geschichte nach…

Kate Moss – Ein schöner Popo ? ( 19 )

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Die Vorbildwirkung der in der Werbung gezeigten superschlanken Models hat nachgewiesenenermaßen einen erheblichen Einfluss auf das Körpergefühl der Betrachterinnen, besonders der jüngeren Mädchen.

   Als in den 1990er Jahren Fotos des Topmodels Kate Moss in die Medien kamen, da entstand – neben Empören – eine offene Disskussion über die Magersucht einiger Models und deren Wirkung auf die Menschen im Allgemeinen und auf die jungen Mädchen im Speziellen. Welchen Einfluss würden diese sehr schlanken und keineswegs beispielhaften Modells auf die Einstellung der Mädchen in ihrer körperlichen Entwicklung nehmen?

Würden jetzt alle mit Magersucht und Bullemie zu kämpfen haben? Es sollte sich zeigen, dass diese Gedanken und Befürchtungen sich zum Glück vorerst nicht bewahrheiteten. Die meisten Mädchen nahmen zunächst eine völlig „normale“ Ansicht zur Entwicklung ihres Körpers an. Erst im Laufe der Jahre etablierte sich in den Köpfen der zumeist jüngeren Betrachterinnen ein Schönheitsideal, das von Schlankheit gekennzeichnet war.

   Und Kate Moss? Sie wurde zu einem so genannten Supermodel. Überaus erfolgreich, so schrieb man mindestens ein Buch über sie, war sie stets begehrt, was nicht immer einfach für sie selbst war. Drogenprobleme schienen ihr zu schaffen zu machen, was sich zeitweise in ihrem Äußeren widerspiegelte. Doch sie schaffte es, diesen Kreislauf zu durchbrechen und ihre eigene „Marke“ zu etablieren. Weshalb ich darüber schreibe? Ich möchte ein paar Worte über ihren oft abgebildeten schlanken Körper, speziell auch über ihren Hintern anhand einer ganz speziellen Aufnahme schreiben. Das Foto fiel mir auf, weil auf ihm der Po -wie der gesamte unbekleidete Körper von Kate Moss (Verdeckter Akt)- zu sehen war. In einer Werbung eines Bekleidungsherstellers, bzw. in der Anzeuge für dessen Duftwasser for men, Namens „Obsession“, in einer Zeitschrift auf dem Bauch liegend sah ich sie und dachte „Sieht ja schön aus, ein wenig dünn, aber einen tollen Hintern hat sie.“ Wovon ich damals nichts ahnte war die Tatsache, dass sie erst knapp über 16 Jahre alt war. Ich dachte mir damals nichts dabei, ich nahm nur das Foto von Corinne Day als sehr gelungene Aufnahme wahr.

    Das besagte Bild ist hier zu sehen. Es ist in S/W gehalten und der Hintern mutet liegend auf einem Sofa in seinen Proportionen nahezu perfekt an. Trotz der schlanken, ja fast magersüchtig wirkenden Figur zeigt der Popo in seiner Form eine sehr harmonische Linie. Diese gibt der Symmetrie nach, die in der Kunst der Skulptur oft ähnlich angefertigt wurde. Es ist eine Momentaufnahme, von der ich nicht mal weiß, in wie fern sie in Photoshop nachgearbeitet wurde. Es soll nicht darstellen, wie ein Popo sein soll und immer bleiben wird, denn er sieht sich, wie unser gesamter Körper, vielen Veränderungen ausgesetzt, es geht mir um den Augenblick. Er ist es, den ich in meinen Fotos schön geformter Gesäße versuche festzuhalten. Ich stelle damit keine absolute Form im Sinne der beispiellosen Statur in Perfektion in den Raum, es ist nur genau dieser eine Augenblick, in welchem diese Kontur in für mich Ideal typischer Symmetrie vorhanden ist.

   Auf dem Foto von Corinne Day ist nicht unbedingt der Moment der Aufnahme, in dem sie gemacht wurde, für mich entscheidend, -sicher handelt es sich um ein Foto einer ganzen Serie- , es ist viel mehr der Blickwinkel der Kamera. Der Blick des Betrachters wird so auf den Hintern, wie auf den jugendlich knabenhaften Körper von Kate Moss geleitet.

Es spielt bei einem Foto eines (schönen) (nicht nur) Hinterns eine wesentliche Bedeutung, aus welcher Perspektive die Ansicht aufgenommen wird. Die Form variiert nämlich sehr stark je nach Betrachtungswinkel. Die eine Hinsicht kann eine tolle Linie darstellen, eine andere Ansicht des gleichen Pos kann plötzlich den Eindruck erwägen, die Linie würde etwas aus der Form laufen. Ich meine, bei besagtem Bild von Kate Moss ist die Ansicht des Profils sehr treffend gewählt, wenn ich die Symmetrie als positives Element vorraussetze. Da ich davon ausgehe, dass die Symmetrie die Attraktivität entscheidend erhöht, wie es in verschiedenen wissenschaftlichen Betrachtungen verifiziert wurde, ist gerade dieses Bild ein Beispiel par Excellence dafür. Wenn dieser Körper, der in der damaligen Zeit in den Medien als zu dünn und magersüchtig bewertet wurde, so kann der Popo auf diesem Bild mitnichten als zu dünn erachtet werden. Er kann als Beispiel für einen wohlproportionierten Hintern sehr gut hergenommen werden. Nicht außer Acht lassen sollte man unbedingt dabei, dass die Formen und Linien dieses Körpers den einer 16 jährigen beschreiben!

    Durch die Ansicht auf das Profil von Kate Moss spielt die Breite ihres Beckens und ihrer Hüfte nur eine untergeordnete Rolle, wie bei Profilaufnahmen allgemein. Meines Erachtens erwirkt ein vorhandenes oder dargestelltes Hohlkreuz eine verstärkende Betonung der Hinternform. Auch ein Bauchansatz wirkt sich auf die Linie aus. Am Beispiel von Kate Moss wirkt dieses Bild durch den konvex geformten Rücken und die Positionierung auf dem Sofa, sowie die Wahl der Ausleuchtung des Motivs in der Fotografie verstärkend auf die Form des Pos. Zusätzlich unterstützt durch die leicht erhöhte Wahl des Kamerastandpunktes wird die Linie des Bauches durch die Schattierung des eigenen Körpers leicht verschwommen dargestellt. Dadurch verstärkt sich die Betonung des Hinterns und des Rückens. Für mich eine sehr gezielt sinnliche Aufnahme des Pos, und auch, wenn der Po von Kate Moss in vielen anderen Aufnahmen eine andere Form beschreibt, halte ich dieses Bild für gelungen.

Po – Formen ( 18 )

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Der Apfel     –     Die Birne    –   Die Tomate   –   Der Pfirsich   –   Die Kartoffel

   Alles Obst und Gemüse. Nicht doch! Diese Bezeichnungen kursieren als Synonyme für die Beschreibung der Form eines Hinterns umher. Für den Apfel – Popo als Beispiel wird die Sängerin Kylie Minogue genannt, für den birnenförmigen Popo Jennifer Lopez und für den Popo mit der Form eines Pfirsichs Pippa Middelton.

    Kann sich jetzt jeder etwas vorstellen? Ich bin mir da nicht so sicher. Wenn ich die Formen betrachte, so ist natürlich richtig, dass ich neben diesen Formen unzählige Zwischenformen finde. Bei der Betrachtung meiner Fotos komme ich zum Ergebnis, dass ich wohl zur Form des Pfirsichs eine besondere Affinität habe.

   Wie aber ist der Hintern im Sinne der Formen zu betrachten? Kann ich jeden Hintern in eine der „Schubladen“ packen? Den einen Hintern mehr in die eine Richtung tendierend, der andere mehr dorthin und der nächste so als Zwischending? Ich befasse mich in diesem Blog mit dem wohlproportionierten Hintern, also dem in meinen Augen schönen Popo.

   Dazu möchte ich in meiner Auseinandersetzung mit dem Thema den Versuch wagen, so etwas wie eine kleine Landkarte dazu zu erstellen – dazu meine Bilder präsentieren. Und ich möchte in diesem Teil des Blogs auch den Menschen fragen, was sie/er zu den Formen sagt. Spielt die Frage nach der Form für sie überhaupt eine Rolle? Steht bei der Betrachtung des eigenen Hinterns nicht eher die Frage nach der Größe allgemein im Vordergrund? Eine Rolle scheint der schöne Popo zu spielen bei der Frage nach der Hose. Hier nimmt er noch vor den Beinen eine wichtige Stellung ein. „Wie sieht mein Popo in der Hose aus? Oder war die Hose vorhin doch schöner?“ „in wie weit formt die Hose meinen Hintern und nicht umgekehrt?“

   Eine Freundin arbeitete in einem Bekleidungsgeschäft, in dem es eine Abteilung für Hosen gibt und dort beriet sie über einige Monate hinweg die weiblichen und männlichen Kundinnen und Kunden. Ich konnte sie befragen, welche Erfahrungen sie bei der Wahl der Menschen nach ihrer Hose machte und welche Bedeutung die Passform der Hose hatte. Vereinfacht ausgedrückt komme ich mir ihr zum Fazit, dass die Mehrheit der Menschen hauptsächlich Wert auf eine nicht zu groß wirkende Optik des Hinterns legten. Eine Vielzahl der Kundinnen in der Abteilung Jeans war an engen Jeans interessiert ( 2004) , die die Form ihres Popos hervorheben würden. Bis eine Hose gefunden wurde, die nach Ansicht der Kundin zur Form ihres Popos passte, verging schon mal eine Stunde und mehr. Der Blick in den Spiegel mit der jeweiligen Hose fiel fast immer nur kurz auf die Frontalansicht, viel länger und intensiver wurde nach Aussage meiner Freundin die Rückansicht überprüft! Kann ich dabei herausfinden, welchen Einfluss die Poform bei der Wahl der Hose hat? In einschlägigen Foren werden Tipps zur Form der Hose gegeben, die sich nach der Poform richten. Die Röhrenjeans lieber für die Pfirsischform oder Tomatenform, bei der Birnenform einen nicht so hohen Bund wählen, weil der die Größe zu stark betonen würde. Worum geht es bei der Darstellung der eigenen Hinternform?

    Der Mensch möchte schön aussehen. Das setze ich als gegebene Maxime voraus. Und die Form des Hinterns soll bei den meisten Menschen ebenfalls schön aussehen. Außer sie gehören zu den „Hinternversteckern“. Wissen die Menschen von der Form ihres Hinterns? Wissen sie, wie sie von hinten aussehen? Ein Versuch einer Gruppe von Attraktivitätsforschern nahm sich dieses Themas an. Personen wurden in ihrer Rückansicht fotografiert und sollten anschließend ihren Popo unter mehreren Popos erkennen. Das Ergebnis war für alle überraschend, denn viele erkannten ihren Po nicht auf Anhieb.

   Wie ist es also mit der Form und der Erkenntnis bei den Menschen und wie reagieren sie darauf? Nicht jeder hat die Möglichkeit einen Berater zu befragen. Leider! Ist die Form dem Menschen bewußt, kann er/sie für den eigenen Hintern die „schönste“ Hose aussuchen. Bei meinen Eindrücken aus dem Straßencafe heraus stelle ich fest, dass vielen die Form nicht so recht bewußt ist oder, was auch oft der Fall zu sein scheint, es ist dem Menschen vielleicht nicht so wichtig ist. Ob es wichtig ist oder nicht, das wäre in einer empirischen Umfrage zu eruieren. Warum wäre die Ansicht des eigenen Hinterns anders zu werten, als die anderer Körperregionen? Was würde für einen Unterschied hinsichtlich der Wertung sprechen? Die Beschreibung der Formen des schönen Popos kann ich anhand meiner Bilder am leichtesten beschreiben. Dazu beim nächsten mal mehr.

   Im Bewußtsein der Menschen bleibt das Aussehen des eigenen Hinterns sehrwohl. Nur die Optik, weil sie dem eigenen Gesicht abgewandt ist, lässt Zweifel darüber aufkommen, ob es für den Menschen viel bedeutet. Wird die Hose – vermutlich zuhause – noch mal begutachtet, wenn überhaupt, so macht sich unterwegs kaum einer noch Gedanken über die Passform und das momentane Aussehen seines Hinterns bis auf gelegentliches Emporziehen des Beinkleides. Wie denn auch, es sind andere Dinge natürlich wichtiger. Fast niemand läuft durch die Stadt und denkt über die Form des eigenen Popos nach, auch ist es schon technisch nicht so einfach, geeignete Spiegel zu finden und sich dann auch noch “ Uhu-Like“ umzusehen. Was sollten die Passanten da nur denken? Wir haben manchmal eine Art „Passgefühl“, das uns verrät, wie wir uns in der Hose fühlen, wie sie sitzt, sagte eine Freundin. „Wir kennen sie und wissen um den Sitz des Beinkleides, gehen so beruhigt in die Welt hinaus.“ Manch einem geht dieses Gefühl ab. (Nicht berücksichtige ich wiederum die Menschen, denen das Aussehen des eigenen Hinterns gleichgültig ist, wie oben erwähnt.)

   Für die Frau ist es meistens wichtiger, wie sie von hinten aussieht, als für den Mann. Weil die Frau erfahrungsgemäß Wert auf ihr Äußeres legt, ist sie für mich immer wieder schön anzusehen, dabei spielt die Form des Pos eine eher untergeordnete Rolle. Eine größere Rolle spielt die Passform der Hose und dabei entsteht der Widerspruch in Punkto Form: Was ist maßgeblich für eine Form? Hose oder Hintern. Auch hier in den Kommentaren bestätigte ein Leser die landläufige Meinung, dass in der richtigen Jeans jeder Po toll aussähe. Dem kann ich nur bedingt zustimmen. Ich meine, eine Jeans kann durch einen bestimmten Schnitt der Figur des Trägers eine „Form“ geben, doch die Struktur des Knochenbaus bleibt erhalten, so dass damit die Grenzen der Formbarkeit aufgezeigt sind. Selbst die Muskulatur des Gesäß´ ist von erheblichem Einfluss auf das Erscheinungsbild des Trägers. Ein Mangel an Bewegung lässt deutlich weniger straffe Formen auch in der Jeans erkennen! ( Wie gesagt, ich möchte es immer wieder betonen: Es geht hier erst mal nur um die reine Äußerlichkeit, die Seele des Menschen bleibt von dieser Betrachtung unberührt!)

Wie ich vorher bemerkte, genießen es viele Frauen, wenn sie den ein oder anderen Blick der Männer auf sich ziehen oder gar ein freundliches, anerkennendes Lächeln erhalten. Die Form des eigenen Popos ist den meisten Frauen ebenso wichtig, wie die Optik allgemein. Deshalb entwickelten die Hosenhersteller die „Push-Up Hose“ für den schönen Hintern. Außerdem sind vielfältige Fittnessübungen für den straffen Popo in Mode, das aber schon immer. (Mehr noch die jüngeren) Frauen tragen gerne enge Jeans. So ist die Form des Pos gut zu erkennen. Ich gehe davon aus, dass es so gewollt ist, wäre es nicht ein Leichtes, den Po zu verhüllen. Die Form des Hinterns hat bei dieser Zurschaustellung, die ja die meisten Männer sehr anziehend finden, nichts damit zu tun, denn gleich welcher Form, wir sehen in der Öffentlichkeit alle Formen. Der Mensch „hinter dem Hintern“ ist nun mal so geformt, wie er ist und der Mensch zeigt, was er hat: Er tut dies gerne, und es gibt genug Menschen, denen der Hintern so gefällt, wie er ist. Es wäre müßig zu erforschen, welche Form unter den Pos die beliebteste Form ist. Die Aussage würde möglicherweise den einen oder anderen Hintern favorisieren. Dass der etwas dickere Hintern der beliebtere ist, das haben Wissenschaftler bereits eruiert. Es sagt jedoch nur wenig über die Form aus. Die Gewinnerin des Po-Contest in 12/2012 in Brasilien hat beispielsweise einen eher fülligen Hintern.

   Vielleicht denkt der ein oder andere Leser, dass die Form des Hinterns Rückschlüsse auf das Wesen des Menschen zulässt. So gab es (oder gibt) in den 1970er Jahren die Volksweisheit, dass ein straffer aufrecht geformter Po auf ein schnippisches Wesen hinweist. Über wissenschaftliche Verifizierungen diesbezüglich ist mir aber nichts bekannt. Dazu wird möglicherweise jeder seine eigene Ansicht haben. Die Vorliebe für die Form ist also eine Geschmackssache, wie für andere Vorlieben auch. Sind lange Haare schöner oder kurze Haare?
Unterliegen also die Formen des Hintern auch einer Mode! Im Laufe der Zeit wechselten die Idealformen immer wieder. Adäquat zu der Größe des Pos waren mal der kleine, tomatenförmige Po „in“, mal der breitere, birnenförmige Po. Allein in unserer Zeit gibt es Liebhaber für die Form des Pos wie der von Shakira, genauso aber gibt es Liebhaber von Pos mir der Form wie der von Kate Moss ( bischen Gimp?!). Die Formen stehen nur als Beispiel für die Vielfalt der Po-Formen, die so zahlreich, wie es Menschen gibt, sind. Glücklicherweise! Und selbst dann spielt sich das ab, was bei uns allen der Fall sein wird: Im Laufe unseres Lebens können wir glatt vom Pfirsich zur Tomate werden …   😉  UND BLEIBEN DOCH GELIEBT!

Hintern in der frühen Kunstgeschichte ( 7 )

serv jeans hintern Mies-Vandenbergh-Fotografie

Mies-Vandenbergh-Fotografie

Die frühen Hochkulturen

   Das Thema Abbildungen des Hinterns in der Kunst habe ich schon kurz angerissen, nun möchte ich es wieder aufgreifen.

Suche ich in den Werken der frühgeschichtlichen Kunst, so finde ich dort bezeichnende Beispiele für Werke mit Abbildungen des Hinterns. Auf Gefäßen der frühdynastischen ägyptischen Kunstepoche sind Abbildungen von Menschen -für meinen Geschmack- stark idealisiert dargestellt. Betrachte ich die Fresken ägytischer Künstler, so empfinde ich jene gezeichneten Beine als überdurchschnittlich schlank, lang (z.B. Gruppenstatue des Iai-ib und seiner Gemahlin Chuaut) und dabei dennoch ungemein wohlproportioniert. Im weiteren Verlauf von Gesäß über die Hüfte hinweg sind die Proportionen -sogar nach heutigen, westlichen Massstäben- nahezu ideal, wenn man einen idealen Verlauf als möglich voraussetzen mag (Wandmalereien in Theben). Es wurde vom Zeichner dort eine auffallend schlanke Hüfte gezeichnet. Gleichwohl die Taille, sie wurde auch proportional schlank gezeichnet. Dieser Tenor für die schlanke Form des menschlichen Körpers findet sich über alle Reiche ( altes, mittleres und neues Reich) in einem Zeitraum von nahezu 5000 Jahren beständig wieder.

Daraus ergibt sich auf den überlieferten Zeichnungen ein -für meine Augen- wohlgeformter Hintern, der, blicke ich nur auf den Bereich des Hinterns und der Hüfte, sowie den Oberschenkelansatz, eher dem eines jüngeren Menschen entspricht. (An den Ufern des Nils von Edda Bresciani

   Man kann folgendes gut erkennen: die Breite des Beckens hat einen bedeutenden Einfluss auf die Form des Hinterns, wie ich schon vorher bemerkte. Durch die jungenhafte Darstellung von Körpern, und gleich dabei, ob es sich um weibliche oder männliche Bildnisse handelt, weist auf die wesentliche Bedeutung der Körperproportionen in der ägyptischen Kunst hin. Mit jungenhafter Darstellung meine ich hier im Speziellen die Breite des Beckens. Durchgängig idealisiert ist in der Abbildung ein verhältnismäßig schmales Becken. Folglich werden auch Oberschenkel und Beine schlank dargestellt.(Die Göttin Iris)

So konstatiere ich, schon damals, mit dem Beginn der ägyptischen Hochkulturen, in der Zeit um 1000 v. Chr. könnten Schönheitsideale unter den Menschen eine wichtige Bedeutung gehabt haben. Die Hinweise darauf lassen mich dies hervorheben, finden wir doch aussagekräftige Zeugnisse davon, denn es ist davon auszugehen, dass die Normalverteilung der Körperformen auch damals schon starke Abweichungen beinhaltet hat. Überlieferungen aus der Zeit sind allgemein nur sehr dürftig vorhanden, daher bleibt vieles davon Spekulation. Allein die Konsistenz in der Darstellung über mehrere Jahrtausende hinweg geben Anlaß zu derartigen Vermutungen.