Außenwirkung (208)

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Weite. Unendliche Weite. Weite in Gedanken, im eigenen Willen, im innersten Gefühl, in seinen Zielen, Weite im Werden und im Sein. Befreit von Zwängen, von nutzlosem Tand, von Mauer und Hecken vor seinem eigenen Geiste, wie auch in der Wirklichkeit.

Differenzen enttarnen. Differenzen zwischen der sogenannten Realität, dem Dasein, dem, was wir Leben nennen, und dem, was unsere Idee vom Leben ist, unsere Vorstellung von Zufriedenheit und Entwicklung ist, und dem, von dem wir glauben, dass es erwartet wird, vom wem auch immer. Doch nicht nur diese Dualität erfasst es. Es handelt sich pluralistisch um mehr, mindestens aber um eine Trilogie. Drei Perspektiven, drei Ausgangspunkte, drei Sichtweisen könnte man einnehmen, mindestens.

Realität: Das, was uns widerfährt, was wir erleben, was unsere Sinne festzustellen in der Lage sind. Das, was wir durch Aktion und Reaktion erwirken. Das, was wir empfinden.

Wünsche, Vorstellungen und Ideen: Wir haben ein Bild oder eine Vorstellung von einem Zustand, den wir gerne erreichen möchten. Vielleicht ist es auch eine Ansammlung von Wünschen unterschiedlicher Priorität, die sich zudem auch noch beständig verändern; welch eine Herausforderung.

Einflüsse aus unserer Umwelt: Was sollen bloß die anderen denken? Was möchten wir, dass sie von uns denken? Wie wichtig ist uns, was ein anderer Mensch, ganz gleich, ob Fremder oder Freund, über uns urteilen? Was investieren wir [nur] für den Schein, das Licht, in dem wir er-scheinen möchten? Was soll lieber im Schatten hinter uns versinken? Welchen Einfluss haben all die anderen Menschen in unserem Leben? Was nehmen wir als gegeben hin [oder auf], um zu entsprechen? Wieviel unserer Lebensenergie verwenden wir auf diese Entsprechung?

Sind es diese drei Standpunkte, dann warten viele Abstufungen auf uns. Und noch vielfältigere Wahrscheinlichkeiten warten darauf, verarbeitet zu werden. Das geht oft auf der heimischen Couch nicht gut. Zu bequem. Zu viel Ablenkung durch … nun, Du kennst sie, die bösen … ! Treiben wir mehr durchs Leben, oder werden wir gar getrieben, von Mode, Konsum oder Luxus? Befehlen uns unsere schier unbändige Gier nach immer mehr oder unsere grenzenlose Habsucht zu eifern nach Diesem oder Jenem? Sind wir es am Ende selbst, die bestimmen, wann wir welchen Schritt zu welchem Ziel machen möchten?

Ist es leichter, Befehle zu empfangen, als solche zu geben, zu entscheiden, wo lang es geht? Die Freiheit Entscheidungen treffen zu können ist schnell der Zwang, eine Entscheidung treffen zu müssen. Gar nicht so leicht, muss man doch abwägen! Aber womit soll man abwägen, wenn die gewichtigen, essentiellen Gesichtspunkte fremd und unerkannt bleiben? Entscheidungen, deren Tragweite nur einer Idee von einer Vorstellung entsprechen? Das kann dramatisch enden. Und sich zu bilden, zu informieren, ein Fundament zu erbauen ist wiederum mit Mühsal verbunden. Und das, während wir doch so gern auf der Couch sitzen und heiter konsumieren. Verflixt. Kreativität hat etwas mit Aktivität zu tun. Tschüß Couch.

Selbsterfüllende Prophezeiung ( 185 )

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Wenn es nur oft genug gesagt wird, dann glaubt man es. Spätestens dann verhält sich der Mensch entsprechend. So bestätigen es Forschungsergebnisse. Was ist gemeint, dazu mehr im Folgenden.

Denkt ein Mensch, es geht nicht gut, dann geht es oft nicht gut. Denkt der Mensch hingegen, dass es schon gut gehen werde, so geht es oft gut. So viel hat schon jeder von uns einmal erfahren. Ich selbst verhalte mich zwar noch lange nicht dementsprechend, aber ich arbeite daran. Positive Energie!

Was hat es mit dem Aussehen zu tun? Eine ganze Menge, so haben es Forscher in den USA heraus gefunden. Sie haben mit einer Anzahl von über 1000 Kindern eine Langzeitstudie durchgeführt, in der erforscht werden sollte, was es mit Bestätigung und Widerspruch zum Aussehen der Kinder auf sich hat, und sie kamen zu einem (leider) ernüchterndem Ergebnis, welches sich wie folgt beschreiben lässt : Die Kinder, denen ihr soziales Umfeld beständig ihr gutes Aussehen bestätigte, entwickelten sich im Laufe der Jahre zu Menschen, die in vielen Dingen eine sehr viel positivere Entwicklung erfuhren, als solche Kinder, die diese Bestätigung weniger oder nicht erfuhren.

Was bedeutet das? Wenn einem Kinde nur oft genug gesagt wird, wie hüsch, stark, schlau, …  es ist, entwickelt es ein positiveres Selbstbild von sich. Dieses positivere Selbstbild trägt in erheblichem Maße dazu bei, mehr Selbstbewusstsein auszubilden, was wiederum dazu führt, dass dieser (junge) Mensch noch positiver wahrgenommen wird, und demnach wieder mehr positve Rückmeldung zu sich bekommt. Diesen Effekt, der nicht ohne Probleme von statten geht, wozu ich weiter unten noch etwas bemerken möchte, konnte in o.g. Studie nachgewiesen werden.

Bei den weniger positiv veranlagten Kindern trat dieser Effekt im Negativen auf. In ihrem Selbstbewusstsein schwebten Phrasen wie : “ Ich kann das sowieso nicht“, „ich bin nicht schön“, ich bin zu dick/klein/langsam/dumm/… die dazu beitrugen, dieses zu verinnerlichen und nach außen auszustrahlen. Damit ging dieser Kreislauf in die negative Richtung und konnte nur schwer bis gar nicht durchbrochen werden.

Dieses Verhalten endet keineswegs mit dem Eintritt ins Erwachsenenalter. Nicht umsonst werden immer wieder Führungsseminare durchgeführt, in denen die leitenden Mitarbeiter erlernen, wie sie Ihre Untergebenen anleiten sollen, um ein möglichst hohes Potential freizusetzen. Das dient freilich ausschließlich der Gewinnoptimierung, weniger der Menschenfreundlichkeit. Aber, auch wenn es erhebliche Fehlleistungen auf diesem Gebiet in Form unfähig leitender Angestellter gibt, so wirkt es an den Stellen, wo es klappt, deutlich messbar. (Gewinnsteigerung durch deutlich größeren Einsatz der MA) Dies konnte ich während meiner Zeit als Personalreferent zudem gut beobachten.

Ein häufig aufgetretenes Phänomen war bei dieser Untersuchung, dass einige der oft gelobten Kinder regelmäßig zur Selbstüberschätzung tendierten. Problematisch war dabei, dass bei einem Hinweis auf diese Selbstüberschätzung diese Kinder diesen Hinweis selbst als nur unwesentlich übergehen konnten. Es tat ihrem Ego keinen Abbruch. Alles kleine Narzissten?  So extrem war es dann doch nicht, denn junge Menschen machen in ihrer Entwicklung logischerweise Fehler, aus denen sie lernen, lernen, dass auch sie nicht perfekt sind. Nur steckten diese Kinder die Fehler viel leichter weg, als ihre „minderwertigen“ Pendants. „Minderwertig“ ist in diesem Zusammenhang ein starkes Kraftwort, dass natürlich nicht wirklich auf die jungen Menschen zutrifft! Nur in dem Sinne, wie sie sich selbst erfuhren, nämlich als viel weniger wert, als die schöne Freundin oder weniger wert, als der schlaue Freund, trifft es die Sache genau: Kinder sind sehr gute Beobachter, und es entging ihnen nicht die Ungleichbehandlung der unterschiedlichen Menschen. „Wie ungerecht es doch ist!“ Auch das ist ein Punkt, der hinzukommend an ihrem ohnehin nicht besonders starken Selbstbewusstsein nagt.

Meine Gedanken dazu: In einer Gesellschaft, in der das Aussehen einen derart hohen Stellenwert innehat, leiden die Vielzahl der Kinder unter diesem Aspekt, eine Vielzahl der Kinder, die in ihrer Mehrzahl nicht den Entsprechungen genügen (können). Wir Erwachsenen selbst sind es, die diese Werte immer wieder neu vermitteln, seit Generationen immer das Gleiche! Eine allumfassende Antwort darauf muss auch ich leider schuldig bleiben, dazu sind schon sehr viele kluge Bücher und Artikel veröffentlicht worden, die man leicht findet ( Kinder suchen Orientierung, Lasst Kinder wieder Kinder sein, …) Ich möchte dazu nur eingehend aufrufen, die Werteveteilung zu überarbeiten. Ohne die Stigmatisierung fortzuführen zu wollen und Medien eine Alleinschuld zuweisen zu wollen, möchte ich jeden einzelnen dazu auffordern, seine Werte zu überdenken, und vor allem danach zu handeln. Beklagen ist einer unserer Lieblingsmodi, doch zu verändern ist scheinbar nahezu unmöglich. Die Studie ist für mich ein weiter Anlass dazu, andere Menschen in ihrer „Wertigkeit“ zu bestärken. Wo es geht.

Auch meine Worte, wenn von unserem Sohn mal wieder die Frage kommt, ob wir nicht ein transatlantisches Schnellrestaurant aufsuchen wollen, zu antworten, ob er irgendwann so aussehen wolle, wie jener oder dieser „dicke Mops“ impliziert schon die Wertigkeit von Körpergewicht. ( Wobei ich hier anführen möchte, dass sich die Zahl der Besuche in erwähntem Etablissement schon halbiert hat: 2014 = 2; 2015 = 1 !!!!! )  So, wie meine Eltern es schon taten, wenn ich nach Schokolade fragte! In allen noch so kleinen Bemerkungen gebe ich Werte weiter. Wie soll unser Sohn da „normal“ auf nicht dünne Menschen reagieren. Wie werden wohl seine Wertemassstäbe sich  entwickeln, wenn wir solche Worte verwenden. Bei seiner letzten Geburtstagsfeier lud er mit 13! auch Mädchen! ein. Als einziger in seiner Klasse. Auch ein nicht schlankes Mädchen war darunter, und im Umgang mit ihr stellte ich keine Diskrimierung fest, von keiner der anwesenden Personen und trotz Aufenthalt im Kletterpark. Das war selbst in der Grundschule anders zu beobachten, wenn auch dort von Mädchen untereinander viel häufiger. Mal sehen, wohin das führt. Ich werde berichten …

 

Der Mensch ist schön, und nicht nur der Mensch – Universelle Schönheit (134)

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Die Schönheit im Kulturgut – in Form von Kunst und Form – unterliegt einer spannenden Ambivalenz. Steht sie in direkter Konkurrenz zur Schönheit der Natur, und damit den Menschen? Darüber möchte ich hier im Artikel laut nachdenken.

Schon Darwin hatte seine lieben Probleme mit dem Sinn und Zweck des geschlagenen Rades eines Pfaus. Zweifellos empfinden die meisten Menschen dieses Rad als wunderschön, steht er voll Anmut und Grazie vor ihnen. Und genau so kann uns der majestätische Adler begeistern, wie auch der Delfin und die Rose. In meinem Artikel „Warum ist der Baum schön?“ habe ich das Thema bereits angerissen. Hier möchte ich den Faden weiter spinnen.

Platon, der Vater der Schönheitsbetrachtung in der Philosophie, stellte schon in seinem Dialog mit Ilias fest, das es mehr geben müsse, als einfache Schönheit. Er bezog die Schönheit der Dinge, der Tiere, der Menschen und jene der Götter auf das allgemeine Verständnis von Schönheit und legte diese Abstufung für eine These zu Grunde, welche die Schönheit als universelle Kraft beschrieb. Die Schönheit als Kraft! Eine sehr spannende Betrachtungsweise, meine ich, zieht doch der Anmut eines schönen Menschen wie ein Magnet andere Menschen magisch an. Der schöne Mensch kann dabei oftmals in Zweifel geraten, ob wirklich er gemeint ist oder nur sein Bild der Schönheit.

Forscher aus unserer Zeit, die sich dem Phänomen der Schönheit mit zeitgemäßer Technologie nähern, sind dieser Universalität gleichsam auf der Spur. Sie zeichneten die Gehirnaktivitäten von Probanden in der CT-Röhre auf, denen währenddessen eine gezielt ausgewählte Menge schöner Dinge und schöner Menschen vor Augen geführt wurde. Und siehe da, es sind die gleichen Regionen ihres Gehirns, die in Aufruhr gerieten, erblickten sie schöne Dinge jedweder Art oder schöne Menschen gleichsam!

Sollte unserer Liebe zum Schönen tatsächlich eine Ausschüttung von Hormonen zugrunde gelegt sein, welche in uns eine Gefühlsregung erzeugt, die in höchstem Maße angenehm ist? Sind wir süchtig nach schönen Dingen? Das scheint nicht verwunderlich, strebt der Mensch doch beständig nach guten Gefühlen und meidet, wo es geht, Schmerz, Furcht, Ekel und Unbehagen. Diese Antwort befindet sich noch, soweit mir bekannt ist, im Findungsprozess, doch ich bin der festen Überzeugung, dass sie in den nächsten Jahren enttarnt wird.

Auf der Suche nach Wohlbehagen, Freude und Einfachheit, schlichtweg Vergnügen und Spaß, werden wir angeleitet von dem, was wir empfinden. Wir meiden all das, was unser Körper und unser Geist in seinen Aufzeichnungen als negativ vermerkt hat. Wir wissen meist intuitiv, was gut ist und was eben nicht gut ist. Das, was wir als Gegenteil von angenehm beurteilt haben, fliehen wir. Besonders unser Unterbewusstsein weiß genau auf all die Reize angemessen zu reagieren, bevor unser Bewusstsein davon Wind bekommt. Dass dabei die Fehlertoleranz dabei recht hoch ist, und immer wieder zu irregeleiteten Reaktionen führt, ist vollumfänglich bekannt.

Das führt in unserem alltäglichen Verhalten immer wieder zu Verzögerungen, Missverständnissen und Komplikationen. Vielfach hatten wir das dann doch so nicht erwartet, sagen wir, und sind häufig vorsichtig. Der scheinbar schwache Mensch ist in dieser Angelegenheit auch nur ein Fluchttier, und dies ist er durch alle gesellschaftlichen Schichten hindurch gleichsam. Es bedarf wohl sehr starker Kräfte, dieses Empfinden erst einmal in offener Art und Weise zuzulassen, es gelassen wahrzunehmen. Kräfte wie z.B. Selbstbewusstsein, Selbstvertrauen, Selbstsicherheit strahlen nach außen, um souverän zu sichten und zu begreifen, was hier gemeint sein könnte, und im Zweifelsfall gelassen zu hinterfragen. Doch bei aller guter Vorsätze, der Mensch scheint in dieser Angelegenheit viel mehr vom Tier zu haben, als jeder Verstand bestätigen würde.

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