Wahrnehmung und Sichtweise (223)

Was du siehst und was du wahrnimmst, sind oft ganz verschiedene Dinge. Was du siehst und was andere sehen, sind oft sehr unterschiedliche Dinge. Was du aus einem visuellen Objekt machst, und was andere damit verbinden, können immer wieder vollkommen andere Dinge sein.


Einhundert Menschen könnten etwas sehen. Nehmen wir diese Möglichkeit einmal an. Einige davon sehen es tatsächlich, andere nicht. Nehmen wir an, es seien 60 Menschen, die es sehen, der Rest von 40 sieht es nicht. Von den 60 Menschen könnten es alle wahrnehmen. Doch dem ist natürlich nicht so, denn selbst dann, wenn wir etwas sehen, nehmen wir es nicht unbedingt wahr. Es fällt durch unser Aufmerksamkeitsraster. (Ein spannendes Wort, wäre eine besondere Betrachtung wert) 

Sagen wir, von den 60 Menschen nehmen es 40 wahr. Ein hoher Wert, meine ich, buhlen doch um unsere Aufmerksamkeit sekündlich unendlich viele Reize. Doch belassen wir es bei den 40 Personen.Von diesen 40 Betrachtern verwerfen das Bild wenigstens die Hälfte, nachdem es im Gehirn kurzfristig abgeglichen wurde mit bereits bekannten, gängigen Formaten. Hier hängt es wesentlich davon ab, wie sehr etwas bekannt ist, wie außergewöhnlich eine Sache ist, die in unser Gehirn vordringt oder wie ungewöhnlich die Umstände der Wahrnehmung sind.(Ganz außerordentlich subjektiv!) Finden wir keine Verbindung, wird es interessanter. Wir sehen länger hin, um vielleicht doch noch eine Verknüpfung zu finden. Je nach Bild entscheiden wir in nur Bruchteilen von Sekunden darüber, ob sich eine weitere Beschäftigung mit der Sache momentan anbietet, oder ob es aus irgend einem Grund momentan nicht möglich ist. (Zeit, Verfügbarkeit, Wichtigkeit)

Bleiben also vorerst 20 Personen übrig. Diese 20 haben entweder eine Verknüpfung mit bereits vorhandenen Mustern gefunden, oder sie haben eine neue Idee entwickelt. 20 Möglichkeiten der Wahrnehmung, Deutung, 20 mögliche Reaktionen, wenn auf ein Bild eine Reaktion erfolgen kann. 

Zurück zur Frage der Betrachtung. Welche Bilder ermöglichen überhaupt eine Reaktion? Welche eine Besprechung, oder welche erzeugen eine Beschäftigung damit. Kurzfristig, in der Realität erblickte Situationen benötigen mindestens eine Beschreibung, wenn mehr als der Betrachter eine Beschäftigung mit dem Bilde erwägt. Eine Dokumentation in irgendeiner Art und Weise, mündlich, schriftlich oder sonst wie, wenn nicht mindestens 2 Personen die identische Szene wahrgenommen haben. Selbst dann jedoch verwischen sich die Eindrücke in Windeseile. Gesehenes vermischt sich mit Erinnerungen, Realität und Fiktion driften aufeinander zu. (Man erinnere sich an die unzähligen Versuche über Täterbeschreibungen, und wie weit diese tatsächlich auseinander lagen.)

Findet eine Beschäftigung mit einem Bilde statt, die einer Kommunikation zwischen Ersteller und Empfänger entspricht, wenn auch zeitlich und räumlich meist getrennt, so meist nur in eine Richtung, wenn es nicht gerade „live“ geschieht. Schon haben wir zwei unterschiedliche Pole, die all ihre Vorbildung (jedes mal) in die Waagschale werfen, der Absender wie auch der Adressat. Noch spannender würde es, wenn zwei Adressaten existierten, die zeitlich und räumlich zusammenträfen. So wäre ein interessanter Austausch möglich.

Anders bei einer Dokumentation? Schon bei einer Niederschrift nehmen Worte den Platz der Bilder ein. Diese erzeugen im Gedächtnis des Empfängers ein Bild aus ihrer selbst. Doch wie ist es beim stehenden oder bewegtem Bilde? Auch hier, je nach Blickwinkel und Vollständigkeit der Dokumentation entsteht willkürlich Zensur, so dass nicht mehr über die vermeintliche Situation, sondern bloß noch über das Abbild entschieden werden kann. Nichts anderes, als ein Gemälde, dessen Wirkung und Auswirkung, dessen hervorgebrachte Reaktionen und Aktionen zu einem neuen Bild heranwachsen werden. Alles eine Frage der Kommunikation, oder?

Von der Wichtigkeit einer Sache könnten einige von Hundert erzählen. Da wir jedoch in unserer Kommunikation mehr und mehr eingeschränkt werden, bzw. diesen Vorgang mutwillig selbst vollziehen, sind es am Ende nur wenige unter 10.000, die einem Bildnis gewahr werden und wie verschwindend klein ist die Wahrscheinlichkeit einer weiteren Beschäftigung? Sehen wir mal (hin).

Lichtgestalt (217)

Mel jeans Hintern Fotografie

mies-vandenbergh-fotografie.de

Wer ist gerade jetzt Deine Lichtgestalt im Leben? Wer ist Dir momentan der wichtigste Mensch? Und wie sieht er oder sie aus?

Der wichtigste Mensch in deinem Leben ist, wenn du schon weitestgehend auf eigenen Beinen stehst, wahrscheinlich dein Partner. Davon möchte ich für diesen Beitrag ausgehen, ohne weiter darauf einzugehen, dass es durchaus andere Beziehungen zu Menschen gibt, als partnerschaftliche. Und natürlich, falls es gerade überhaupt jemanden gibt!

Da ist nun der Partner. Deine ganz persönliche Lichtgestalt. Mit seinem Aussehen, seinen optischen Vorzügen und seinen optischen Abweichungen vom gängigen Schönheitsideal sowie den Abweichungen deines eigenen, einzigartigen Schönheitsideals. Jeder von uns hat wohl eines, das ihm mehr oder minder bewusst ist. Ich kenne keinen Fall, bei dem ein Freund oder Bekannter nicht doch eine eigene Meinung vertritt, was das Aussehen einer anderen Person angeht. Zunächst möchte ich nochmals kurz darauf hinweisen, dass es in diesem Blog in erster Linie um das Aussehen geht. Das Oberflächliche, was unsere Augen und unsere Sinne, unsere Einstellung und Auffassungsgabe immer wieder erneut in so starkem Maße wahrnehmen.

Wie wichtig war dir das Aussehen deines Partners bei eurer ersten Begegnung? Hatte er die Attribute, die dir schon immer, oder seit neuestem wichtig waren? Erschienen sie dir ausgeprägt oder nur ansatzweise vorhanden? Wie war die Bilanz seines optischen Auftritts? War etwas nicht vorhanden von dem, was dir stets wichtig erschien, wichtig beim Aussehen deines potentiellen Partners? Glich er den einen Mangel mittels eines anderen, vorteilhaften optischen Wesenszuges aus?

Fehlten ihr die langen Haare? Oder war sie etwas kleiner? War sie etwas stärker gebaut oder viel zu dünn für deinen Geschmack? War er untersetzt? Hatte er schon viel zu wenig Haare für deinen Geschmack oder schien er eigentlich zu sehr der nordländische Typ zu sein, während du doch total auf den südländischen Typ standest? Hatte sie blondes Haar, wo du doch viel lieber brünettes Haar magst? Von rot ganz zu schweigen, denn da wusstest du, es gab nur wunderschön oder eben nicht. Wie stand es mir den primären Schlüsselreizen beim Anderen? Breite Schultern oder viel zu schmal gebaut. Knackarsch oder nix, was die Hose hätte ausfüllen können? War ihr Busen zu groß? Ihr Hintern zu flach, oder ihr Becken ganz schön breit?

Dafür gab es vielleicht etwas anders, das deine Aufmerksamkeit erregte. Trotz der falschen Haarfarbe sprach dich das volle Haar an? Die fehlende Größe machte dein Partner durch seine sportliche Figur wett? Und der zu kleine Po? Nun, die langen Beine hatten etwas, nicht war. Wohlgemerkt, ich bin noch immer beim Aussehen! Kein Wort wurde gewechselt. Keine Ahnungen hattest du von deinem gegenüber. Noch bevor überhaupt ein Lächeln über die Lippen kam, wälzten sich längst diese Abschätzungen durch deine Aufmerksamkeit. Viel schneller, als es dir jemals gewahr hätte werden können.

Aber dann. Nach diesem ersten, unvermeidlichen Prozedere kommt es zu all den „Dingen“, die über das Aussehen hinausgehen. Die Schönheit der Seele ist es, in ihrer Ausprägung von Ausstrahlung und Charisma, von Anmut und Empathie, von Wärme und Achtung… ferner Bewegung und Gestik. Aber das ist ja nicht das Thema dieses Blogs. 🙂 (Wer hat da gerade gedacht, schade eigentlich … 😉 )

Und unser Aussehen? Beständig versuchen wir, immer gut auszusehen. In einer Partnerschaft lassen manche Menschen die Zügel etwas schleifen, einer mehr, eine weniger… grundsätzlich bemühen wir uns doch. Wir machen es ja schließlich nicht nur für unseren Partner, auch für uns und unser Leben. Was wurde aber aus den Dingen, aus den Vorlieben, die uns unser Partner nicht erfüllen konnte? Gemeinhin tauchen diese ja nicht plötzlich doch auf. Verlieren sie in Anbetracht der anderen Attribute ihr Bedeutung für dich? Oder führten sie gar schon einmal zu einer Trennung? Sind es etwa jene kleinen Bausteine einer Mauer, die manchmal zwischen zwei Menschen -mehr oder minder offensichtlich- errichtet wird, die dann möglicherweise klammheimlich eine Entfremdung, ein „Auseinanderleben“ verursachen könnte? Haben Äußerlichkeiten diese Macht, solch ein Baustein zu werden? Sind nicht die sogenannten „Soft-Skills“ die eigentlich wichtigen, bedeutsamen Dinge im Zusammenleben zweier Menschen? Ist nicht erst ein Mangel, eine Diskrepanz in Gefühlen der Verursacher einer Krise mit ungewissem Ausgang?

Geht es so weit, dass fehlende Äußerlichkeiten an anderer Stelle gesucht und gefunden werden? Irgendwann? Oder ist deren Bedeutung dafür nicht ausreichend für dich? Zusammen alt werden hat etwas mit totaler äußerer Veränderung zu tun, gemeinsam. „In wie weit wären optische Eigenschaften austauschbar?“ Wie ist das gemeint?

Du hast einen Partner, dem bestimmte Eigenschaften fehlen. Als Beispiel nehme ich die Größe eines Körperteils. Suche dir eines aus. Ob du es nun klein magst und es zu groß ist oder ob du es groß magst und es ist an deinem Partner zu klein, sei einerlei. Es stimmt nicht, passt nicht, und du suchst schließlich einen Partner, bei dem es stimmt. Du tauscht daraufhin deinen Partner aus. Du wusstest es vielleicht schon vorher, nur die Bedeutung hattest du unterschätzt. So gibst du nach. Das kommt immer wieder vor, scheint natürlich, besonders zu Beginn eines Erwachsenwerdens. (Drum prüfe, wer sich ewig bindet, ob sich nicht was besseres findet) Dass die wenigsten ihre Sandkastenliebe heiraten, ist bekannt, oder?

Was aber folgt beim nächsten Partner? Fehlt dort etwas anderes? Bei deiner Gewichtung wirst du dir schon etwas dabei gedacht haben, sonst würdest du nicht weiter gesucht haben. So gibt es viele (optische) Eigenschaften, deren Bedeutung, die dir einst so wichtig zu sein schien, in der Gleichgültigkeit versandeten, da sie für deine und vor allem eure Entwicklung nicht so relevant waren, wie du glaubtest. So sind diese Eigenschaften austauschbar, und die Länge der Haare und deren Farbe zerfließt wahrlich im urgewaltigen Gezeitenstrom des Lächelns deiner Lichtgestalt.

Schattenlicht (215)

image

Licht und Schatten, Schwarz und Weiß, Gut und Böse, und: … Schön und Hässlich. Einerseits polarisierend, andererseits mit schier unerschöpflich breiter Grauzone meinen wir etwas zu erkennen, von dem wir nicht ahnen, wie lang seine Halbwertszeit sein wird. Von einem glasklaren Urteil bishin zu undeutlichen Tendenzen, von wo aus sich unsere Einschätzungen gerne in der Unendlichkeit verlieren. Wir bewerten Menschen in allen erdenklichen Situationen, unermüdlich, bewusst wie unterbewusst. Die Suche nach einer Versicherung, die uns selbst in Sicherheit wiegt, damit wir nicht unvorbereitet und ahnungslos zu einer Reaktion verleitet werden, welche möglicherweise irrational erscheint. „Kommt meist nicht gut, nicht wahr? “

So schauen wir, sehen hin, versuchen zu erkennen, versuchen zu werten, ordnen ein. Wir versuchen zu erfassen, was wichtig für uns ist, damit wir nicht in den Weiten der Informationsflut untergehen. Gleich so geschieht es, wenn wir Menschen sehen und nicht nur Menschen. Auch alle anderen Veränderungen vor unserem Blick filtern wir. Manches fällt durch ein Raster, es wird in die Unbedeutsamkeit verschoben. Mitunter sogar der ein oder andere Mensch rutscht uns durch die Lappen. Sicher, in der widernatürlich hohen Konzentration von Menschen in manchen Bereichen der Großstadt fallen relativ mehr Personen durch dies Raster, schon allein deshalb, weil die Aufnahmekapazität eines jeden einzelnen in dieser Lage nicht mal ansatzweise ausreichend wäre.

Stelle dir vor, du stündest zur Hauptgeschäfszeit auf der Düsseldorfer Kö, und würdest jeden einzelnen Menschen begrüßen wollen! Abgesehen davon, dass du schon bald nach Grafenberg* überstellt werden würdest, könntest du es organisatorisch gar nicht schaffen, weil es einfach zu viele Individuen sind. Jetzt erwäge die Möglichkeit, jeden Menschen, der an dir vorüber geht, bewusst anzusehen. Auch dazu ist dein Gehirn nicht in der Lage, selbst dann nicht, wenn du konzentriert nur Bruchteile von Sekunden jeden einzelnen betrachten würdest. Folglich wird der ein oder andere durch dein persönliches Raster fallen, du selektierst!

Im Einzelfall geht es natürlich nicht um die Vielzahl der Menschen und die Vielzahl der Begegnungen, es ist die einzelne Begegnung. Doch dabei ist es nicht anders. Der einzelne Mensch wirkt auf dich mit all seinen Reizen, die er hat. Doch nicht alle seine Reize erreichen deine Rezeptoren. Ein Beispiel: Du magst große Menschen? Vielleicht entgeht dir eine Person, weil sie nur 1.58 Meter hoch ist? Voreingenommen? Nein. Nur der kleine Mensch besitzt eine Eigenschaft, die mit deiner Idee eines Menschen nicht übereinstimmt. Da bedarf es einer Ergänzung, die der kleine Mensch nur dann liefern kann, wenn er die Chance bekommt. Übersehen bekommt er sie jedoch niemals.

Die spannende Frage ist, nach welchen Kriterien du selektierst. Beim Menschen gibt es zunächst viele optische Unterschiede, die zu Differenzen in der Abstimmung mit deiner Idee von Aussehen führen. Dazu muss man nicht mal internationale, ethnische oder kulturelle Eigenheiten wie die durchstochenen Wangen einiger Indianer des südamerikanischen Kontinents zitieren. Manch einen befremdet (früher noch mehr als heute) schon ein Piercing. (Mich manchmal auch 😉 ) Auch weniger deutliche Signale führen zum Übersehen einer Person. Dabei spielt natürlich auch sie Ausstrahlung, die „Aura“ eine große Rolle, auch dabei ist es vermutlich mehr, als wir bisher erfassen können.

Was bedeutet es aber, wenn ein Mensch durch ein Raster fällt? Darauf gibt es eine einzige Antwort: Nichts. Warum? Weil dieser Mensch durch das Raster dieses einen Betrachters fiel, sonst nichts. Auch bedeutungslos ist es, wenn es viele wären. Es erklärt sich nämlich sehr klar. Wenn sich zwei Menschen nicht wahrnehmen, oder aber nicht gleichwertig begegnen, damit meine ich, eines der beiden Wesen nimmt mehr wahr, als das andere, so fehlt einzig der entscheidende Berührungspunkt. Damit ist einer der beiden Menschen nicht weniger wert, als der andere. Sie sind nur nicht „kompatibel“. Bei der Begegnung mit einem anderen Menschen können ganz schnell die Vorzeichen wechseln. Dann wird der Übersehende ganz einfach zum Übersehenen. Auch dabei findet keine absolute Wertung statt.

Im Geiste, in der Gedankenwelt des einen werden oft Erklärungen gesucht, und durch Prägungen oft die Ursache bei sich selbst gesucht, manchmal vermeintlich sogar gefunden, doch es ist ein Trugschluss. Wir schweben nur auf einer anderen Wellenlänge. Intuitiv sind wir nicht mehr sehr aufmerksam, der moderne Mensch überhört seine Intuition immer häufiger. Oder sein Intellekt kommt an die Grenzen der Logik, weil bestimmtes Verhalten jeglicher Logik entbehrt, oder viel wesentlicher, der Absender des Verhaltens selbst in einer diffusen Gefühlswelt verweilt. Vielleicht ist er auch nur abgelenkt? Das reicht manchmal aus!

Wechselbeziehungen in den eigenen Gedanken und Gefühlen machen es uns nicht leichter, zwischenmenschliche Interaktionen zu erfassen. An welchem Punkt der eigenen persönlichen Entwicklung befindet man sich, und ja, wie ist die Tagesform? Ist ein Charakter gefestigt, hat er sich ein Stück weit erkannt, oder sucht er (wieder)? Irrungen und Wirrungen zu deuten fällt nicht leicht, wenn man sie zum ersten Mal erfährt. Deshalb ist aber ein Mensch nicht weniger oder mehr wert! Er ist nur anders. [Solange es nicht krankhaft ist, versteht sich! (Krankhaft: übermäßiger Einfluss jedweder Form auf die Freiheit eines Individuums, beispielsweise, u.v.a.m.)]

Als angenehm empfindet es der Mensch, wenn er auf „Seelenverwandte“ trifft. Da könnte man annehmen, dass viele Parallelen und Ergänzungen zu einer wunderbaren Dynamik und zu Synergien führen. Traurig hingegen im Sinne der Gefühlswelt wird es nur, wenn sich Menschen verlieren. Die Berührungspunkte der Seele polen sich um, -ein Mensch erfährt Veränderungen- was sich vorher angezogen hat, verliert sich oder stößt sich sogar ab.

Aber auch dann ist keiner der Menschen weniger oder mehr wert. Es „passt“ nur weniger gut bis gar nicht mehr. Da es bei den Menschen um viel mehr geht, als nur um die äußere Wirkung, sind innere Prozesse dabei wesentlich entscheidender. Das dürfte dir aber bewusst sein, oder? Daher geht es hier im Beitrag viel mehr um die vielen ersten Begegnungen, als um die scheidenden Wege zweier Menschen.

So begegnen wir unzähligen Individuen. Deren innere Einstellung passt dabei nicht unbedingt zu der unsrigen – und umgekehrt. Und da diese innere Einstellung oft auf unser Äußeres strahlt, empfindet der Mensch ganz oft über den ersten äußeren Eindruck viel Passendes und Unpassendes, in Bezug zum eigenen Ego. Bewusst und unbewusst. Das zu erkennen, lesen zu können, ist eine Kunst, von der wir viel verlernt haben.

*Grafenberg: in Düsseldorf synonym verwendeter Begriff für Nervenheilanstalt, vulg. Irrenhaus

Entscheide dich, schön zu sein! [ ALSO DU ZU SEIN ] (174)

oldu jeans hintern mies-vandenbergh-fotografie.de

mies-vandenbergh-fotografie.de

Die Zeit, als eine menschliche Konstante, Grundlage für jede Entwicklung, gewährt uns prinzipiell in jeder ihrer Sekunden die Möglichkeit einer Entscheidung. Auch verlangt unser Dasein, unsere Ziele eine solche. Dieser folgt ein Neubeginn oder ein Festhalten an Gewohntem. Mehr oder weniger bewusst der Konsequenzen unseres Handelns oder der Unterlassung leben wir diese sekündlichen Urteile und Verweigerungen.

In jedem Moment entscheide ich mich, was ich tun werde. Bleibe ich sitzen oder stehe ich auf? Sage ich Hallo oder schweige ich? Gehe ich nach draußen oder bleibe ich drin? Diese Momententscheidungen betreffen auch das Aussehen. Kleide ich mich so, oder anders? Bin oder bleibe ich sportlich oder lieber nicht. Esse ich dies oder jenes oder nichts?

In jedem Moment habe ich die Wahl. Oft genug habe ich die Pflicht zu wählen. Die Grundbedürfnisse sind existentiell. Doch deren Ausprägung individuell. Möchte ich einen durchtrainierten Körper haben, so sagt es das Wort schon: Gehe trainieren. Nicht nur ein bisschen, nein, durchtrainiert heißt mehr. Dazu muss ich mich irgendwann entscheiden. Für diesen Körper, gegen die Möglichkeit, in der Zeit des Trainings etwas anderes zu tun. Fern zu sehen, zu lesen, ins Bistro oder die Lounge zu gehen und zu chillen… 😉

Trainiere ich, so habe ich die Chance, meinen Körper zu formen, so, wie ich es mir wünsche, zumindest weitestgehend. Unterlasse ich es, habe ich nicht die Möglichkeit, und bleibe, bestenfalls, wie ich bin. Möchte ich mein Aussehen verändern, muss ich mein Verhalten ändern. In der Sekunde, in der ich den Wunsch zu meinem Ziel mache, sind Entscheidungen zu treffen. Dazu muss ich nicht immer alle Variablen verändern, die in meinem Leben eine maßgebliche Rolle spielen. Veränderungen bezüglich des Aussehens sind meist nicht solch rudimentärer Natur, wie solche den Charakter betreffend.

Es ist damit, wie in den meisten Bereichen des Lebens: es liegt am Einzelnen, etwas zu tun, man muss nur handeln. Nicht lamentieren, nicht bedenken, nicht abwarten, tun! Es geht nicht darum, etwas umzustoßen, sondern einer Veränderung Raum zu gewähren, damit anderes weiter in den Hintergrund zu stellen, dessen Bedeutung sich im Leben als nicht essenziell herausgestellt hat. Von diesem Unrat besitzen wie alle jede Menge.

Es geht bei der Entscheidung für oder wider eine Sache auch nicht um Stärke oder Schwäche, denn wenn wir zu schwach sind, etwas zu verändern, ist der Grund zur Veränderung nicht stark genug, dass bedeutet, wie kommen auch ohne gerade diese Veränderung zurecht, vielleicht schlechter als mit ihr aber dennoch bequemer.

Schicksalsschläge sind manchmal der Erdrutsch, der diese Bequemlichkeit entlarvt, wobei man mich hier nicht falsch verstehen möge, keineswegs wünsche ich irgendjemandem irgendwelche Schicksalsschläge, doch jeder, der einen solchen jemals erlebte, weiß, wie ich das meine. Ich spreche nur von Möglichkeiten, von denen man niemals zuvor vermutet hätte, sie lägen im Bereich dieses Möglichen. Damit weise ich auf dem Mut hin, der manchmal nötig ist, seine Komfortzone zu überdenken, und ggf. zu verlassen. Ergo: zu sein, wie man sich erkennt, nicht zu sein, wie man erkannt werden möchte.

Zus.: Wundervoll, wenn es da jemanden gibt, der eine darin unterstützt, mal eine Brücke baut, wo man selbst nur einen Abgrund wähnt. 🙂

Zensur des schönen Hässlichen (140)

Mies-Vandenbergh-Fotografie fibo jeans hintern

Mies Vandenbergh Fotografie

Darf ich alles ansehen, was es gibt? Existieren Dinge, Wesen, Geschehenisse, die meinen Augen verschlossen bleiben (sollen)? Wie würde ich diese Fragestellung in eine Beziehung zu meiner naturwissenschaftlichen Bildung setzen? Ein Essay.

Alle Dinge bestehen aus einer Ansammlung von Atomen, Elektronen, Protonen, Quarks oder Neutrinos, vielleicht sogar Higgs Teichen, diese von uns wahrgenommen werden, wenn Lichtenergie auf ein Körper trifft Albedo . (Selbstleuchtende Körper übergehe ich einmal.) Grundsätzlich kann ein Körper jede mögliche Form annehmen. Durch physikalische Kräfte bedingt, und im Zusammenschluss der Teilchen unter Adhäsion und Kohäsion kommen sie zustande. Unter dem Einfluss in bestimmten Wellenlängen auftreffender elektromagnetischer Strahlung kann unser dafür eingebauter Sensor, das Auge, die Formen und Farben der Körper wahrnehmen. Wir sehen etwas. Soweit die physikalischen Abläufe in kurz angerissener Weise.

Spannend wird es, wenn wir Menschen beginnen, diese physikalischen Information zu deuten, zu erklären oder zu steuern. Bevor wir dies tun, ist von Grund auf jede Erscheinung ohne Bedeutung. Bis der Mensch eine Definition festlegt. Einem Kinde beispielsweise erklären wir die Welt, weil es nicht weiß, was die Dinge bedeuten. Die Dinge, Erscheinungen selbst wissen nichts davon. Sie sind seit ihrer Entstehung immernoch gleicher Natur. Dennoch belegte der Mensch im Laufe der Zeit, die Jahrhunderte und Jahrtausende ausmacht, die Dinge nicht immer identisch. Das ist ein zentraler Punkt. Unter dessen Berücksichtigung wird die Sichtweise auf die Dinge ungemein geschärft. Ein steter Wandel also begleitet die manigfaltigen Bedeutungen in ihrer Erscheinung.

An dieser Stelle möchte ich die folgenden, einfachen Fragen aufwerfen und ihnen sogleich darauf nachgehen: Woher nehmen wir diese und jene Bedeutung der Dinge, der Wesen, der Erscheinungen? Warum verteidigen wir sie gegen Gedanken, Ideen und Gefühle? Warum hinterfragen wir sie so wenig? Passable Beispiele zur Erforschung dieser Fragestellung finden sich in jedem noch so profanen Begriff. Dessen Bedeutung erzeugt bei jedem von uns ähnliche und weniger ähnliche Assoziationen.

Was wäre mit dem Begriff  „rot“, oder dem Begriff „Bein“? Fallen einem zu diesen beiden Begriffen verschiedene Bedeutungen ein? Wie wäre es mit der Bedeutung des Wortes Vertrauen? Vertrauen besitzt eigentlich nicht den Status eines Wesens, Dings oder einer Erscheinung (im weitesten Sinne ist Erscheinung noch eine akzeptable Bezeichnung dafür) , sondern wird mehr als Zustand umschrieben. Dazu fallen mir viele differenzierte Erläuterungen ein. Da jedoch zu Beginn dieses Artikels von der Bedeutung von Dingen und Wesen die Rede war, die wir mit unseren Augen sehen können, möchte ich nicht über einen Zustand nachdenken, sondern den Begriff „Haut“ hernehmen und ganz kurz umreißen. (Schon deshalb ist er für mich spannend, weil er in engeren Sinne direkt mit Aussehen in Verbindung gebracht wird!)

Unter „Haut“ versteht die Menschheit auf der gesamten Erde meist dasselbe. Der Umgang mit ihrer Erscheinung jedoch gestaltet sich in den Kulturen der Welt und den Epochen der Gesellschaften äußerst vielfältig und variabel. In einer bestimmten Epoche ist es en Vogue etwas mehr Haut zu zeigen, zu einer anderen Zeit ist es -im Gegenteil- mehr als verpönt. In manchen Ethnologien wird die Haut geschmückt, indem man sie einritzt, in der nächsten Kultur tätowiert und der übernächsten gilt eine bestimmte Farbe der Haut als Voraussetzung für eine Akzeptanz eines Individuums in der Gesellschaft. Soweit nur ein ganz kleiner Ausschnitt, der aber schon jetzt verdeutlicht, worauf ich hinaus möchte. Zuvor aber noch ein anderer Gedanke.

Als problematisch für das Verständnis der Menschen von Bedeutungen sehe ich ihren Wandel an. Der lässt die Menschen oftmals nicht Schritt halten. Dabei spielt es keine Rolle, ob sich der Wandel über eine relativ kurze Spanne von einem Jahr oder kürzer vollzieht oder erst im Laufe von mehreren Jahrzehnten sein neues Gewand hervor bringt. Liegt es nämlich in der Verantwortung der Erziehenden, Inhalte zu vermitteln, so liegt es hingegen in der Verpflichtung der Schüler, das Erlernte zu reflektieren. (Was wiederum eine freigeistige Erziehung voraussetzt, was wiederum voraussetzt, dass der erziehende freigeistiger Gedanken fähig ist…) Auch gilt hier zu erwägen, in wie weit sich der Erklärende von seiner Natur entfernt und Probleme dadurch entstehen, dass diese unterdrückt (gehört) 😉 und massiv einer künstlichen Bestimmung untergeordnet wird. (Letzteres sei nur am Rande bemerkt, dazu ließe sich ein eigener Artikel verfassen.)

Zurück zu den eingangs gestellten Fragen. Woraus bildet sich jene stille Übereinkunft, in einer Erscheinung einen bestimmten Sinn zu erkennen. Von erlernt über eingetrichtert bishin zu verinnerlicht durch Vorleben erreichen uns schier unendliche Sinninhalte. Diese addieren sich in unserem Gedächtnis auf einer Habenseite eines Kontos, während auf der Sollseite unsere individuelle Empfindungswelt einen Ausgleich zu finden sucht. Bringe ich dazu meinen Verstand ins Spiel, so folgt zwangsläufig die Überlegung, was dem Sinn der Erscheinungen seinen Sinn gibt. Wodurch und worin ordnet sich eine Erscheinung in Bezug auf ihre Sichbarkeit und Unsichtbarkeit ein.

Was ich mir ansehe, was ich mir nicht ansehen soll und warum ich es nicht soll, das kann eine spannende Entdeckungsreise werden. Gehe ich dem nach. Um das zu können, suche ich zunächst nach dem Grund dafür, warum bestimmte Dinge, Erscheinungen und Wesen per Definition bestimmte Adjektive erhalten. Adjektive wie etwa ekelig (gefühlserzeugend), schleimig (Aggregatzustand beschreibend), rauh (haptisch), oder anziehend (gefühlserzeugend), stabil (Aggregatzustand beschreibend), weich (haptisch). Wir verbinden Erscheinungen mit diesen positiven und negativen Adjektiven, während die Struktur an sich nichts mit den menschlichen Umschreibungen und insbesondere Wertungen zu tun hat. Warum verbergen wir Bestimmtes vor unseren Augen, was hat uns so weit gebracht, woher kommt dieser Zustand? Überdenken wir, was uns dazu veranlasst, und wir entdecken manchen Irrtum. Fortsetzung der Überlegungen in Teil 2 demnächst auf diesem Blog 🙂

Leerlaufmomente (88)

maka jeans hintern  Mies-Vandenbergh-Fotografie

Mies-Vandenbergh-Fotografie

Was bedeuten uns die Zwischenzeiten? Was würden wir denken, fühlen, sehen, empfinden oder planen, wenn wir nicht unsere Smartphones stets zur Hand hätten? Zum Glück haben wir es ja immer griffbereit, in der Bahn, im Bus, an der Haltestelle, im Wartezimmer, an der Ampel, in der Einkaufsschlange, im Stau, beim Frühstück, beim Fernsehen, in der Arbeitspause, ……!

Früher, ja früher, als alles noch besser war, da hatten wir noch kein Smartphone. 😉 Heute können wir glücklicherweise jederzeit über unsere Social Networks just in time immer erreichbar sein, über bestimmte Apps ständig e-mails und posts checken, wenn wir nicht sowieso, via push-option, sofort alles Neue mit Nachdruck erhalten; und, ach ja, immer telefonisch erreichbar sind. Unser Kalender erklärt zu bestimmten Zeiten, was bis wann zu geschehen hat.

Neulich an der Haltestelle erhaschte mich ein Gedanke!

Während wir, wie es nämlich früher im Vorhandyzeitalter am Ort des Wartens auf den Bus üblich war, ohne Medien ausharren mussten, stand man dort herum, sah auf die Uhr, dachte sich, wie lange es wohl noch dauerte, bis der Bus endlich einträfe, denn pünktlich waren die Busse schon früher mitnichten. Man sah sich die Mienen der Mitwartenden an, deren düstere Fratzen einen daran erinnerte, dass das Ziel der Reise gegen 7 Uhr am Morgen meist die nicht unbedingt immer geliebte Arbeitsstelle war. Man betrachtete sich die schreienden Werbeplakate der Bushalte mit ihren haltlosen Versprechungen, entdecke die vielen kleinen verlorenen Dinge der zukünftigen Fahrgäste, die niemals mehr die Stationen der Reise erleben würden. Im Häuschen der Haltestelle versammelten sich häufig die Drogenabhängigen, und verpesteten die ohnehin schon dicke Luft des Autoverkehrs um ein vielfaches mit ihrem Qualm. Auch die vielfältigen Facetten des Straßenbegleitgrüns unterzog sich unserer eingehenden Betrachtung. Gedankenverloren suchten unsere leer wirkenden Blicke den Horizont in der Richtung ab, aus der der Bus auftauchen würde. Manchmal den vorbeihastenden PKW nachsehend stellten wir wilde Vermutungen über deren Ziele an.

Und, wir konnten nachdenken, nachdenken über uns selbst, unsere Erlebnisse, unsere gesprochenen Worte und mehr noch über unsere unausgesprochenen, gedachten Worte. Wir konnten das erleben, was ein Psychologe vielleicht als Reflexion bezeichnet, und was wir heute nur noch dann erleben dürfen, wenn wir es versäumt haben, unser smart-i am Abend vorher in die Ladestation zu stecken.

Vielleicht konnten wir ohne unsere smart-is eine andere Qualität von Geisteshaltung entwickeln, die uns auf unserem Wege zum mündigen Menschen dienlicher voranbrachten. So gelingt es uns heute sehr gut, unsere Leerlaufmomente zu befüllen mit allerley Wischgesten. Bleibt die Hoffnung, dass wir uns irgendwann verantwortlich unserem geistigen, körperlichen und seelischen Dasein und Wirken gegenüber standhalten können.