Agonie der Hoffnung [120]

Veränderung ist das, was Leben bedeutet. Stagnation hieße ein Wandel zu einem Stillleben. Doch – alles bewegt sich. Nichts ist fixiert, weder der Berg, noch der Ozean, noch das Plastik in unserer Umwelt. Unser Leben sowieso, denn während wir verzweifelt oder im Glauben gekonnt meinen, es steuern zu können, geschieht Leben einfach so weiter. Offenen Auges schreiten wir voran, beobachten all die Dinge, die sich verändern, schauen hi und da nach vorne und zurück, sehr selten mal zur Seite, bestimmt aber nicht über den Tellerrand hinweg und setzen unsere Schritte fort.

Hoffentlich geht das gut, denken wir uns, kaufen weiter fleißig jedes Jahr ein neues Handy, alle 3 Jahre ein neues Auto und alle 12 Jahre einen neuen Lebensabschnittspartner. Ach, Unsinn, wir doch nicht, immer diese Statistiker. Was ist schon Durchschnitt? Also, hoffentlich geht das gut. Klima, Regenwald, Plastik, Umwelt, Bildung, das Leben schlechthin. Sieht zwar manches nicht mehr so toll aus, aber hey, bei uns im Discounter gibt’s doch alles. Und Microplastik in mir habe ich auch noch nicht gefunden. Zwar auch nicht gesucht, aber was solls, geht mir doch ziemlich gut. Na gut, im Schnee ist es jetzt auch nachgewiesen worden, aber naja, den essen wir ja nicht. Nee, den trinken wir auch nicht, Niederschlag doch nicht. Wie, Tiere, die wir verspeisen trinken Regenwasser? Naja, wird schon nicht so schlimm sein. Man soll sowieso weniger Fleisch essen. Soll gesünder sein. Dafür mehr Gemüse. Und wer jetzt auf die Analysen hinweist, die Microplastik auch in Gemüse nachweisen konnten, der ist schon ein regelrechter Spielverderber.

Wird schon gutgehen, irgendwie. Dass die meistverkaufte Nussnougatcreme (der Welt?) jede Menge Palmfett beinhaltet, das weiß man, aber so schlimm wird die Abholzung der Urwälder nicht sein, wo statt des Urwaldes Palmen angebaut werden. Darauf erst mal einen Kaffee aus der Kapsel-Maschine trinken. Plastikmüll? Das bisschen. Außerdem, für mich alleine lohnt kaum eine andere Variante. So als Single, von denen es ja immer mehr gibt, gerade in Städten, wo alle hin wollen oder müssen, weil das Fahren ja nicht mehr zeitgemäß ist. Umwelt, du verstehst?

Wer hat eigentlich gesagt, dass die Kommunikation zwischen den Menschen problematisch würde? Bei uns nicht, wir haben ein Smartie, mit allen möglichen Apps und Anwendungen, mit deren Hilfe wir total viel kommunizieren. Da braucht man nicht mal mehr hingehen. Und Konflikte gibt’s da auch weniger. Man muss ja nicht antworten und schlimmstenfalls muss man halt blockieren. Außerdem kommuniziere ich mit all meinen Freunden der sozialen Netzwerke. Das sind echt viele und wir kommunizieren echt viel. Und die Likes erst. So viele, ich bin echt was wert.

Nee, raus gehen machen wir weniger. Wozu auch, geht alles online. Und viel günstiger. Und, wir müssen kein Auto oder Bus fahren, schonen total die Umwelt damit. Die Post fährt eh, hält bei fast jedem, in der Straße, jeden Tag. Dann ist mein Paket ja sozusagen nur Mitfahrer. Sozusagen. Außer Urlaub natürlich. Wir fliegen fast jedes Jahr weg. Ja, wegen Wetter. Ist hier auch nicht dolle, zumindest nicht zuverlässig. Ja ich weiß, ökologischer Fußabdruck. Aber weißt du, wenn ich Greta so sehe, die jetzt über den Atlantik segelt, und nur im Notfall den Diesel im Boot anwirft, das ist cool. Nee, ich hab leider nicht die Zeit, nach Formentera zu segeln, weißt du, die Dauer, ich hab ja nur 2 Wochen Urlaub im Sommer. Und La Réunion, wie lange müsste ich dahin segeln? Greta hat keinen Job, die hat es gut, und die Überfahrt wird wohl gesponsert. Denke ich, oder.

Hoffentlich geht das gut. Nee, nicht Greta, die haben einen Schiffsdiesel. 84 PS. Ich meine den Rest. Klima, Plastik, Regenwald und so. Ach ja, und Bildung. Aber bei der Bildung beginnt es, denn woher soll man wissen, was in der Nussnougatcreme für Inhaltsstoffe sind, wenn man in der Schule schreiben darf, wie man hört. Und wo der Unterrichts-Ausfall so hoch ist, dass Politik oder Ethik gar nicht statt finden kann. Wie soll einer darauf kommen, dass in einem Land in Südamerika Regenwälder gerodet werden, um Soja, das hauptsächlich für Tiernahrung verwendet wird, anzubauen. Das ist so weit weg, was die da machen und wenn einige Indianerstämme dafür ausgerottet werden, von den Tieren ganz zu schweigen, was solls, da irgendwo in Afrika oder Amerika, oder wo das ist. Und Palmöl für Biosprit, wo der Urwald für Palmen … – ja, du weißt schon… , das ist traurig, ja, aber der Biosprit ist gut für’s Klima. Nee, ist alles nicht gut, aber so schlimm bestimmt nicht, das sind garantiert nur Fake-News. Bestimmt. Hier ist alles in Ordnung im Supermarkt und Elektronikmarkt, wo es viele coole neue Handys gibt, jedes Jahr. Was die können, glaubst du nicht. Und jetzt komm‘ mir mal nicht mit seltenen Erden aus Afrika. Mach nicht noch ein Fass auf, sonst kommt mir noch der Gedanke, dass man nix mehr darf.

Nee, is nicht ironisch gemeint, ironisch? Wenn das mal nicht ironisch ist… 😉

Welcher Aufwand ist nötig, um ein Bild zu erschaffen? [115]

Ganz klar ist die Beantwortung dieser obigen Frage daran geknüpft, welches Ziel hinter dem Bild steckt. Davon hängt ab, ob ein Bild nach dem Zufallsprinzip erschaffen würde oder ob Planung und Ideenfindung dahinter steckt.

Was ist nötig für ein Bild? Einerseits könnten sich Model und Fotograf irgendwo treffen und Bilder machen. So wird ein Mensch fotografiert und es entstehen Bilder. Andererseits kann eine aufwendige Planung hinter einem Shooting stehen. Das ist meist dann der Fall, wenn es sich um eine konzeptionelle Arbeit handelt, die zu einem bestimmten Ergebnis führen soll. Welcher also ist der Weg, Dein Weg, mein Weg?

Pauschal lässt sich keine Antwort darauf finden. Jeder Mensch hat einen anderen Anspruch an ein Bild. Nicht jeder möchte einen großen Aufwand betreiben, um ein paar Bilder zu erhalten. Model und Fotograf sind gleichermaßen gefragt, wenn es um die Qualität der Aufnahmen geht, und beide legen fest, welche Voraussetzungen zu erfüllen sind und wie die Planung von statten geht.

Ein Skizzenbuch beispielsweise ist für manche Menschen Neuland. Eine vorherige Beschäftigung mit dem Shooting kann mehr oder weniger intensiv sein. Manchem Model reichen einfache Bilder ohne großen Aufwand aus, manchen Fotografen entsprechend. Widersprüchlich dabei ist allein das Anspruchsdenken der Menschen: Manche Menschen erwarten explizit außergewöhnliche und besondere Bilder, gehen jedoch ohne Vorstellung davon an die Umsetzung heran. Manche legen die Umsetzung in die Hand des Anderen oder erwarten einen All-Inclusiv-Service ohne eigenes Zutun.

Wieder andere Menschen haben erste Erfahrungen hinter sich und bieten sich als Model an, dies mit der Prämisse, die entstehenden Bilder sollen wenigstens der Qualität der eigenen gezeigten Fotografien entsprechen. In den meisten Fällen jedoch findet sich bei diesen Bildern offensichtlich leider keine besondere Qualität. Aber selbst diese Einschätzung liegt im Auge des Betrachters, und vielleicht reicht einigen dieses Mittelmaß aus und sie finden diese Bildchen gut genug. Immer wieder kommt es auf den Anspruch und das Ziel an.

Vielen Fotografen geht es mehr um eine Sammlung vieler unterschiedlicher Menschen als Motiv für ihr Portfolio, da spielt die Qualität eine eher untergeordnete Rolle. Ob diese Fotografen die Qualität ihrer Bilder überhaupt erkennen steht für mich zur Debatte, denn wie solle die Aufnahme werden, wenn ein Mensch die Wirkung eines Blicks oder einer Pose nicht erkennt und damit nicht beeinflussen kann. Wenn ich die Bilder eines Peter Lindbergh oder einer Annie Leibovitz betrachte, so sehe ich doch, dass es funktionieren kann. Diese Bilder kann jeder sehen. Warum also kommt es zu solchen Unmengen mangelhafter oder unterdurchschnittlicher Fotos im Netz? Vielleicht liegt die Antwort schon in der Frage, denn der Punkt ist wahrscheinlich allein die einfache Möglichkeit der Publikation von allem und jedem im Internet, gravierend die miserable Qualität auf einigen Socialmedia-Plattformen, auf denen man sich unbedarft aufhalten kann. Wieder aber stellt sich hier die Frage des Anspruchs: Will ich künstlerisch-außergewöhnliche Bilder kreieren, oder reicht mir die natürliche Abbildung eines lächelnden Menschen, was keineswegs ein verwerfliches oder minder wichtiges Sujet ist? Nicht jeder hat den Anspruch, ein hochwertiges Bildnis zu erstellen, ganz abgesehen von der Fähigkeit dies zu erfüllen, und dabei schließe ich mich explizit ein. Nicht jeder hat die Ressourcen im Rahmen seiner Möglichkeiten einen Stab an Mitwirkenden aufzustellen, die als Stylisten, Makeup-Artisten, Licht-Adjudanten, allgemeine Helfer und Berater bei einem Bild mitwirken. Wieder stellt sich die Frage nach dem Anspruch.

Die Bedeutung der Fotografie ist in einem starken Wandel begriffen. Jeder Mensch muss sich selbst vor Augen führen, welche Bedeutung sie für ihn hat. Nach der Schwemme von Bildchen im www gilt es vielleicht eine Rückbesinnung zur Form der Fotografie als Kunst anzustoßen. Eine Gegenbewegung zur Manier des Dauerpostens zur Erhöhung der eigenen Reichweite in Form unzähliger Follower zur Steigerung des eigenen Egos ist vielleicht ein Weg. Mehr gute Bilder als viele Bilder. Oder hälst Du den Zug für abgefahren?

Mein geschätzter Fotografen-Kollege Lars Döbler hat in einem bemerkenswerten Artikel kürzlich die in vielen Bildern geforderte Geschichte im Bild in Frage gestellt. Ich selbst denke darüber seit 30 Jahren nach und für mich gibt es ebenfalls Bilder, die einfach nur diesen „Wow-Effekt“ haben, ohne eine Geschichte zu erzählen. Das kann die Darstellung eines Körpers sein oder der Ausdruck der Augen, der mich anhalten lässt und einfach nur begeistert staunen. Ob eine langhaarige Darstellerin in langem, wehenden Kleid in den stürmischen schottischen Highlands oder ein CloseUp eines Körperteils im Gegenlicht kann diesen Effekt haben. Bei diesen Bildern stellt sich die Frage, wie viel Aufwand notwendig war für die Erstellung. Standen drei Mitarbeiter mit Windmaschinen neben dem Model in wehendem Kleid oder herrschte tatsächlich stärkerer Wind und Helfer hatten alle Mühe die Blitze mit den Lichtformern festzuhalten? Oder war man nur zu zweit in der Eifel und es war zufällig windig, die Bilder entstanden nur mit availible Light? (Ja, sieht man natürlich auf den Bildern)

Welcher Aufwand ist für Dich tragbar und es wert, aufgewendet zu werden? Locker flockig oder gezielt geplant? Beides, hin und wieder? Manchmal kommen mir Zweifel. In letzter Zeit häufiger, als mir lieb ist. Aber ich bleibe gelassen. Wie siehst du das?

Wieviel Körper braucht Dein Bild? [111]

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mies-vandenbergh-fotografie.de

Du weißt, ich fotografiere seit fast 40 Jahren Menschen. Mal mehr, mal weniger. Nicht hauptberuflich, sondern als Amateurfotograf. Männer sind nur sehr selten vor der Kamera, zu 99% sind es Frauen. Du könntest einwerfen ’natürlich‘, sie sind das schöne Geschlecht. In wie weit das stimmt oder gesellschaftlich festgelegt ist, sei einmal dahingestellt, Fakt ist, dass in unserer Gesellschaft die Frau als das schönere Geschlecht gilt und in nahezu allen Bereichen, die mit der Abbildung von Schönheit zu tun haben, Frauen bevorzugt abgebildet werden.

Auch ich mache da keine Ausnahme. Ziemlich viel habe ich schon darüber geschrieben, weshalb es so ist, warum ich mich fotografisch viel mehr dem Weiblichen widme, und das möchte ich hier nicht wiederholen. In diesem Beitrag stelle ich meine Bilder und die der anderen Lichtzeichner, die die Frau als das spannendste Motiv auserkoren haben, zur Disposition, indem ich frage, wieviel vom Körper einer Frau auf einer Fotografie zu sehen sein sollte, um eine bestimmte Bildaussage zu kreieren.

Vordergründig geht es um den Sinn und Zweck einer Fotografie. Es bedarf der Erläuterung, wozu diese erstellt wird und wo sie gezeigt werden soll. Dieses Ziel ist für mich untrennbar mit dem Motiv und seiner Darstellung verbunden. Was ist denkbar auf einem Foto? Betrachte ich meine Bilder, so sehe ich einen Querschnitt durch alle Möglichkeiten. Mal ist mehr Körper zu sehen, mal weniger. Mal sehe ich fast nur die Augen, ein anderes Mal noch Hände dazu, Arme, einen Oberkörper, einen gesamten Körper. Wie verändere ich die Bildaussage mit der Hinzunahme oder der Ausgrenzung von Teilen des Körpers?

Der Fokus richtet sich auf eine Sache, indem diese hauptsächlich abgebildet wurde und nicht durch zu viel „Beiwerk“ davon abgelenkt wird. Auf das Wesentliche zu fokussieren ist ein klassischer Leitsatz der Fotografie, Worte, wie „Ist Dein Bild nicht gut, so warst Du zu weit weg“ von berühmten Leuten der Fotografie beschreiben es. Gehe ich einen Schritt zurück, so erscheinen mehr Dinge im Bild. Also was und wie viel, so die Frage, soll von einem Menschen zu sehen sein?

Außer im Bereich der Bodyparts, also der gezielten Fotografie einzelner Körperteile oder Körperbereiche, stellt sich mir die Frage, was grenze ich aus für eine Aufnahme, was beziehe ich mit ein. Was könnte stören in einer Bildaussage und was ist so belanglos, dass es wirkungslos bleibt. Gibt es Körperteile, die eine bestimmte Aussage implizieren, sind darunter solche, die unbekleidet eine stärkere Aussage geben als bekleidet oder die mit ausgewählten Kleidungsstücken eine besondere Bedeutung suggerieren?

Klar, sie gibt es, jeder kennt sie, schließlich werden wir alle durch die Werbeindustrie mit ihnen bombardiert. Nicht, weil es die Werbung so toll findet, nein, sondern weil wir sie lieben, weil sie auf uns wirkt und wir uns beeindrucken lassen! Ja, auch auf Dich wirkt es. Es müssen nicht einmal die primären Geschlechtsmerkmale sein, die in einer Abbildung wirken, beziehungsweise deren Andeutung. Es können andere Körperteile sein, wie etwa eine entblößte Schulter, ein langes gerades Bein oder ein Spalt breit ein Stück Bauch im richtigen Licht. Ein Bizeps eines Mannes oder eine Pobacke angedeutet suggeriert uns Kraft, Ausdauer und Stärke, Eigenschaften, die seit je her gesucht sind. Auch deshalb ziehen sie uns an.

Zurück zum Bildnis, welche Aussage wird verändert, wenn mal mehr Bein oder weniger Bein, ein Schlüsselbein unter zart gebräunter Haut, eine kleine Lücke zwischen Wollpulli und Bund der Jeans zu sehen ist? Was sagt diese Idee aus, was fehlt ohne ihre Umsetzung? Mir kommt es grundsätzlich auf den Gesichtsausdruck an, der steht für mich ganz oben. Dieser spiegelt die Gefühle der Seele wider, dieser gibt dem Bild eine Geschichte. Alles andere ist Beiwerk, dient der Unterstützung oder auch der Ablenkung. Sicher, es reizt (auch mich) eine Andeutung eines Körperteils, das man sonst entweder selten sieht oder im vorhandenen Kontext eine ungemeine Spannung erzeugt, aber wie viel ist notwendig, um diese Spannung zu erzielen und wann wurde (wie so häufig) über das Ziel hinaus geschossen?

Verhielte es sich nicht so spannend, würden wir alle nur noch Portraits ohne Körper sehen, vielleicht nur Augen (und Mund), deren Aussagekraft ein immenses Spektrum abdecken. Man rufe sich das Portrait des afghanischen Mädchens Sharbat Gula vom Fotografen Steve McCurry in Erinnerung. Mehr als Ihre Augen wären wahrscheinlich zu viel gewesen. Doch es ist nicht der Fall, dass wir nur Portraits sehen. Abgesehen von anzüglichen Bildern, beziehungsweise solchen, die gesellschaftlich so tituliert werden, wirken Körperpartien wie ein Magnet auf uns, ob von Amateurfotografen (wie mir) oder solchen, die Bilder für die Werbung produzieren, respektive deren Auftraggebern erwünscht sind, erstellt. Hast Du selbst schon einmal analysiert, warum Dir ein bestimmtes Bild so sehr gefällt, wie es das tut? Was wäre, wenn bestimmte Elemente des Motivs extrahiert oder verdeckt würden, vielleicht durch eine Pflanze? Es ist für mich spannend, und ich denke, es ist einer weiteren Betrachtung wert. Also mehr in Teil zwei.

Filter sei Dank! Selfie-Bilder als Vorbild

Schönheits-OPs – Junge Frauen wollen so aussehen wie ihr Selfie

Deutsche Schönheitschirurgen warnen vor einem Selfieboom, der zu einer steigenden Zahl von Schönheits-Operationen führt.

http://www.deutschlandfunk.de/schoenheits-ops-junge-frauen-wollen-so-aussehen-wie-ihr.1939.de.html?drn:news_id=1008196

Keine Möglichkeit [108]

Fotoshooting Koblenz Portrait tfpShooting

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Kannst Du Erwartungen als Überforderungen enttarnen? Erwartungen, die nicht erfüllbar sind? Welche Arten von Forderungen kennst Du? Welche sind reale Forderungen und welche sind Mittel zum Zweck, das heißt, werden gestellt im Wissen um ihre Unerfüllbarkeit?

Was ist der Unterschied zwischen einer von außen gestellten Erwartung und jenen, die man an sich selbst hat? Kennst Du die Bedingungen, unter denen Du eigene Erwartungen formulierst, gibt es Erwartungen, die Du an Dich selbst richtest, deren Ursprung jedoch in einem Glauben, einer Vermutung oder einer gesellschaftlich Entsprechung liegen? Ziemlich nebulös liegen diese Anforderungen oft vor uns Menschen. Sie lichten sich meist erst im Laufe der Zeit, was bis zu Jahren oder Jahrzehnten dauern kann.

Wie so oft finden wir hier eine der Aufgaben, die eine kritische Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Konventionen voraussetzt. Dabei gilt es den Bezug zur eigene Persönlichkeit einfließen zu lassen. Zweigleisig wird man es handhaben, denn die Auseinandersetzung mit äußeren Einflüssen wie der Entwicklung der eigenen Persönlichkeit laufen parallel. Keine einfache Sache, meine ich, fordert sie doch viel Zeit und Aufmerksamkeit. Wie wir wissen, möchte uns die Aufmerksamkeit nur allzu gerne von vielen Seiten abgezogen werden, dankbar nehmen wir diese Ablenkungen an. Nicht nur Medien und Konsum sind da zu nennen, auch Ablenkungen der einfachsten Art wiegen uns in einer scheinbaren Sicherheit und komfortablen Ruhe. Arbeit an sich selbst, das wissen all jene, die es versucht haben, ist auch Arbeit und kostet Energie. Gar nicht mal wenig. Doch die Investition halte ich für notwendig, will man seinen Charakter wirklich aus – bilden.

Ich gebe Dir eine Streichholz-Schachtel. Ein kleines Schächtelchen aus Pappe mit vielleicht 10x5x2 cm. Daneben lege ich 100 getrocknete Linsen. Deine Aufgabe besteht darin, die Linsen in der Schachtel unterzubringen. – Was sagst Du? Passt nicht? Es passen nur 40 Linsen? Hm, schlechte Leistung! Du taugst nicht zu viel! Aber ich gebe Dir noch eine Chance: Hier, die gleiche Schachtel. Hier sind 30 Linsen. Lege die 30 Linsen einzeln in die Schachtel, dafür hast Du 10 Sekunden Zeit! Los, Zeit läuft! – Was meinst Du? Die Zeit war zu kurz? Du hast also wieder versagt? Du bist wirklich nicht viel wert, nichts kannst Du wirklich!

Was sagt Dir diese kleine Geschichte? Vollkommen klar liegen alle Begründungen vor Dir und Du durchschaust alles, oder? Ganz logisch, nicht wahr? Ich möchte Dir dennoch ein paar Perspektiven eröffnen, die Du vielleicht so noch nicht in Erwägung gezogen hast.

  1. Der Aufgabensteller hatte zu seiner Zeit, als ihm die Aufgabe gestellt wurde, eine größere Schachtel.
  2. Der Aufgabensteller hatte keine Linsen, sondern Reiskörner
  3. Der Aufgabensteller hatte keine 10 Sekunden, sondern 20 Sekunden, erinnert sich aber nicht mehr
  4. Der Aufgabensteller spricht eine Sprache, die vom Probanden nur sehr schwer verstanden werden kann

Jetzt noch einige sehr fiktive und abstruse Einlassungen über Voraussetzungen bei diesem Experiment, die später jedoch einen sinnvollen Bezug erhalten werden:

  • Der Proband ist blind
  • Der Aufgabensteller neigt den Tisch, auf dem die Linsen liegen, so daß sie herunter rollen
  • Der Proband hat keine Arme
  • Der Aufgabensteller verkürzt die Zeit ohne Wissen des Probanden
  • Der Proband lässt einige Linsen, unbemerkt vom Aufgabensteller, „verschwinden“
  • Der Aufgabensteller spricht mit oder über den Probanden, während dieser die Aufgabe zu lösen versucht
  • Der Aufgabensteller verursacht plötzlich ein sehr lautes Geräusch

All diese teilweise abstrusen Faktoren beeinflussen ein mögliches Ergebnis. Sie manipulieren gezielt, offen oder versteckt. Offene Manipulationen, mal ganz abgesehen von der Machbarkeit einer Aufgabe, sind vielleicht noch anzusprechen und auszuräumen, doch versteckte meist nicht. Was bedeutet das für das Leben? An dieser Stelle beginnt die Schwierigkeit, Aufgaben im Leben, die man gestellt bekommt, zu analysieren, mit den Möglichkeiten, dem Werkzeug, welches einem an die Hand gegeben wurde oder man sich selbst erarbeitet hat. Je vielfältiger sein Wissen, je weiter sein Horizont, je offener der Geist, desto eher unterscheiden wir zwischen Machbarem und Unmöglichem, zwischen Zielen, die erreichbar sind, es werden können oder ad acta gelegt werden sollten, Ziele, die alleine erreicht werden können oder nur mit Hilfe eines anderen Menschen und wenn mit Hilfe, so stellt sich die Frage, mit wem. Kann so der Ausstieg aus dem Hamsterrad in Angriff genommen werden? Ich denke, es ist ein Schritt. Wie siehst Du es? Schon eine Schachtel und Linsen bereit gelegt? 😊

Reicht ein Foto? (Intermezzo)

TfpShooting, photoshootings mayen eifel

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Ich gebe es zu. Ich bin ein leidenschaftlicher Sammler. Von nahezu jedem von mir besuchten Ort der Welt habe ich etwas mitgebracht. Nicht nur von Urlaubsorten, auch von dort, wo ich nur einen Spaziergang lang Zeit hatte, brachte ich etwas mit. Manchmal war es recht viel, meist zuviel, meine Taschen waren hin und wieder bis zum Bersten gefüllt.

Zuhause angekommen galt es die Taschen zu entleeren, doch letztendlich stellte sich immer die Frage, wohin damit. Es fand sich aber bis heute immer noch ein Plätzchen, wo die mitgebrachten Dinge abgelegt werden konnten. Im Laufe der Jahre wurden es immer mehr, immer mehr mutete es an, wie eine Sammlung. Es schien sich ein Konglomerat an unterschiedlichsten Strukturen zu bilden, wobei der Sinn und Zweck der Ansammlung nur in dessen Existenz zu erkennen war.

Es ließ über all die Jahre hinweg nur marginal nach. Jeder Besuch in einer neuen, manchmal sogar in einer alten mir bekannten Region ließ mich hinsehen und zugreifen, aussuchen, wählen, wegschmeißen und erneut suchen. Immer wurde ich fündig. Die Größe des Mitbringsels war nur am Rande von Bedeutung und wurde prinzipiell nur von der praktischen Umsetzbarkeit eingeschränkt. Wenn es nicht anders ging, so konnte es nur ein kleineres Erinnerungsstück sein, wenn es aber möglich zu transportieren war, so nahm ich gerne die Last auf mich.

Wer nun denkt, dass ich im Laufe der Jahre die Herkunft der einzelnen Exemplare vergessen hätte, der täuscht sich – nicht. 😉 Es wäre nicht ehrlich, wenn ich behaupten würde, ich erkenne jedes gesammelte Stück und weiß noch, wann und woher ich es habe. Aber es sind noch viele Exemplare, deren Herkunft und Fundort ich exakt vor Augen habe, die mich an die Zeit von damals erinnert, die mich den Geruch in der Luft, die Geräusche der Umgebung und vor allem die Gefühle der Seele nachempfinden lassen. Manche verbinden mich mit Menschen von damals, aber auch mit dem Menschen von mir, der ich damals war, der aus heutiger Sicht nicht immer der geliebte war, sondern auch der, den ich aus heutiger Sicht nicht recht verstehen kann.

Nun betrachte ich all die Dinge, die mit mir alle Umzüge quer durch die Republik mitgemacht haben, die meine Zimmer einst zierten, von denen es heute noch manche tun. Umzugshelfer, darunter viele Freunde, zweifelten an mir, ob es denn wirklich sein müsste, DAMIT wieder umzuziehen, denn zugegeben, sie waren nicht nur nicht leicht, sie waren auch in der Überzahl. Doch ja, sie ahnten, dass es keinen andern Ausweg gab, schließlich warteten einige von ihnen auf gemeinsamen Reisen oftmals geduldig auf mich, bis ich genug ausgesucht hatte.

Heute, viele Jahre später, stehe ich oft da, blickte manche an, nehme hin und wieder einen in die Hand, fühle ihn, spüre ihn, sehe ihn ganz genau an, erfreue mich an seiner Schönheit, denke an und fühle die damalige Zeit, schmunzle oder werde traurig, und frage mich, (und ich möchte gerne an dieser Stelle auch DICH fragen!) wie es wohl wäre, wenn ich all diese Exemplare hätte liegen lassen und statt ihrer nur ein Foto derselben gemacht hätte.

Wie wäre das? Reicht es aus, lediglich ein Bild einer Sache zu haben und wäre es das Gleiche? Sind nicht alle Dinge nur Dinge, die irgendwann vergehen?

Vitrine Fotografie Sammlung

Sammlung von Erinnerungen

Vielen Dank Mitzi Irsaj für Deinen Blogbeitrag, der mich daran erinnert hat, dass ich schon jahrelang mit dieser Thematik schwanger gehe.😊

Garten Mauer Koblenz

Diese Erinnerungen sind nun fixiert

Architektonische Schönheit [102]

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Der Begriff ‚Architektonische Schönheit‘ aus dem Werk „Kallias“ von Friedrich von Schiller begleitet mich schon eine Weile. Geht es in seinem Schriftstück in einer These um die Schönheit an sich auf der einen Seite, auf der anderen Seite hingegen um die Schönheit im Verhältnis vor der Erfassung ihrer selbst durch den Geist, den Intellekt, der bei ihrer Betrachtung eine Nützlichkeit hinzuaddiert wird, und somit aus ihrer Ursprünglichkeit hinaus getragen scheint. „Die architektonische Schönheit der menschlichen Bildung muss von der technischen Vollkommenheit derselben wohl unterschieden werden.“{1}

Mich hingegen beschäftigt dieser Ansatz im Hinblick auf das, was wir Menschen an unserer Schönheit optisch konstruieren, indem wir physische Maßnahmen jedweder Art ergreifen und wie unser Gegenüber darauf reagiert.

Es kommt mir dabei ein bisschen vor, wie bei Schiller: Ursprüngliche Schönheit ist schön um ihrer selbst Willen. Sie verfolgt keinen Zweck. Ein schöner Mensch ist einfach schön. Doch wir Menschen kennen viele schöne Menschen und jeder einzelne versteht unter Schönheit im gewissen Radius etwas anderes unter Schönheit. Ein offensichtliches Beispiel, an dem jeder für sich selbst eine Meinung bilden kann: Ist die Schönheit eines Sportlers eine andere Schönheit, als die eines Mannequins? Wäre der Sportler auch dann noch schön, würde er nicht Muskeln an bestimmten Stellen besitzen? Wäre er schön, wenn er kein breiteres Kreuz hätte, oder seine Beine sehr schlank und ebenmäßig sein würden, wie die Beine des Mannequins?

Finden sich tatsächlich Kriterien für unbestimmte, und noch wichtiger, unbedingte Schönheit? Wo wäre sie zu finden. Vor Jahren las ich ein Buch über die Schönheit des Weiblichen Motivs in der Kunst, in dem folgende These über die Schönheit der Frau als Modell für die bildenden Künste (ca. 18. Jahrhundert) aufgestellt wurde: (in etwa) Die tatsächliche Schönheit einer Frau reiche nur bis zur Frauwerdung, da ab diesem Zeitpunkt der Schönheit ein Zweck zur Seite gestellt würde, nämlich die Aufforderung zur Arterhaltung an sich, und zwar mit all seinen Ausprägungen, wie Werbung, Konkurrenzkampf und Erhaltung der Marktfähigkeit. Danach wären Bildnis und Skulptur nicht mehr nur der unbedingten Schönheit geschuldet.

Dieser Zweck, diese Funktion schließt Schiller wie folgt aus: (Auszug) … „Wenn man also von der Schönheit spricht, so wird weder der materielle Wert dieser Zwecke noch die formale Kunstmäßigkeit ihrer Verbindung anbei in Betrachtung gezogen. Das anschauende Vermögen hält sich einzig nur an die Art des Erscheinens, ohne auf die logische Beschaffenheit seines Objektes die geringste Rücksicht zu nehmen.{2}

Ausgehend von der anfangs gestellten Überlegung, was wir Menschen anstellen, um eine „Schönheit“ aufrecht zu erhalten oder zu steigern, möchte ich die Perspektive erweitern und fragen, in wie weit der Betrachter einer Schönheit überhaupt in der Lage ist, Schönheit von Zweck zu trennen, beziehungsweise diese ohne eine logische Beschaffenheit erfüllte Schönheit überhaupt wahrzunehmen. Ist nicht immer ein Zweck im Hintergrund unseres Intellekts, der sich in vielleicht jedes Urteil einschleicht? Kann der denkende Mensch überhaupt anders? Ist es ein Unterschied, ob der Mensch vor einem grandiosen Naturschauspiel seine Entzückung nicht mehr verbergen kann oder ergriffen vor dem Anmut einer menschlichen Erscheinung da steht?

{1} Friedrich von Schiller; Kallias, oder über die Schönheit / Über Anmut und Würde; Reclam, 2010 S. 75

{2} ebd.