Wohin Du gehst. (Teil 3) [24]

Sinn und Zweck meiner fotografischen Arbeiten ist der Ausdruck eines Lebensgefühls zu einer definierten Zeit.

Es kommt auf den Anspruch an. Mit Realität, einer Dokumentation oder Wiedergabe von Ausschnitten aus Leben hat Schnittmengen, was ich kreiere. Ein Portrait aus dem Jahre 1981 und eines aus 2017 liegen noch immer vor mir. Die Bilder scheinen sich so ähnlich. Es liegen 36 Jahre zwischen den beiden Abbildungen.

Im Laufe der Zeit, im Laufe der Jahre, in denen man in einer beliebigen Kunstrichtung -die Fotografie ist für mich eine davon- sein Werk nach und nach vervollständigt oder ausbaut, obliegt es dem bildenden Künstler, einen Ausdruck dessen zu finden, was in ihm wohnt. Beim Gemälde wie bei einer Skulptur, als zwei Beispiele der schaffenden Künste, findet eine Zwiesprache statt, die so manche weitere Dimension besitzt.

Ein Beispiel aus der Malerei, Zeichnung oder Grafik: Es ist zunächst das Material, welches aufgetragen wird. Es wird auf ein Medium aufgetragen. Fertiggestellt, präsentiert als Werkstück, Bildnis wird es in einer hellen oder dunklen Umgebung an einem ausgewählten Ort ausgestellt, in einem Rahmen oder ohne selbigen, vielleicht auf einem Bildschirm? Es wird so oder anders dem Betrachter dargereicht. Dieser kann sich, seine Empfindungen sowie seine Gedanken diesem Werkstück stellen.

Eine Skulptur -als Beispiel aus der Bildhauerei- besteht aus einem bestimmten Material wie z.B. Holz, Bronze oder Alabaster. Daraus wird eine Form ausgearbeitet, alles, was nicht zur Idee dieser Form gehört, was sozusagen stört, als störend empfunden wird, wird entfernt. Diese Form erhält eine bestimmte Oberfläche, vielleicht rauh, vielleicht poliert. Sie wird abschließend in einer genau bestimmten Umgebung dem Betrachter präsentiert. Vielleicht wird dort die Form in gleißendem Licht betont oder in schummerigem Dunkel die Phantasie angeregt, bei dem die Aussage des Werks ein geheimnisvolles Unterbewusstsein anspricht.

Und wie ist es bei einer Fotografie, die ein einzelnes Kunstwerk darstellen soll? Ist es überhaupt ein einzelnes Bild, das ein Kunstwerk sein kann oder ist es nur im Gesamtwerk ein Kunstgegenstand, weil die Halbwertszeit einer Fotografie inflationär scheint? Monitär gesehen existieren genug Beispiele für Fotografien, ob bearbeitet oder nicht. Sie erzielten immense Summen auf Auktionen. Was aber ist mit den Bildern, die dies nicht erreichen, egal ob von bekannten und anerkannt guten Fotografen wie zum Beispiel Alessio Albi oder Emily Soto oder unbekannten aber begabten Fotografen mit einem kleinen Wirkungskreis? Ist dann als Ziel der Bildband zu nennen, dessen schnöde Verkaufszahlen über Erfolg und Güte urteilen dürfen? Ist es eine Internetpräsens, die eine möglichst große Zahl von Followern generiert (man denke hier an Instagram, wo über Mechanismen, die gegen Bezahlung vielen tausend Teilnehmern für kurze Zeit gefolgt wird in der Hoffnung, es bleiben über Followback möglichst viele hängen….), über die sogar ein Vertrieb verschiedener Fotos läuft? Ab wann ist eine Fotografie ein Bild und ab wann ist ein Bild ein Kunstwerk? Überhaupt stellt sich die Frage, für wen kann ein Bild ein Kunstwerk sein.

Fotografie spielt mit vielen Sinnen. Gefühle, Emotionen, Erwartungen können verstören, provozieren, berühren und begeistern. Reichweite möchte ich an dieser Stelle bewusst ausklammern. Viele Schätze fristen ihr dasein im Verborgenen. Fotografen und ambitionierte Laien bringen -meiner Meinung nach- oftmals wahre Kunstwerke zutage, die in der Weite des www unterzugehen scheinen, vielleicht niemals entdeckt werden. Aber darum geht es nicht einmal. Sollte es nicht vielmehr um den Künstler selbst gehen, der sein Werk zuerst erschafft, anschließend sieht, im einzelnen sowie im Gesamtwerk und für sich erkennt, wie weit es gediegen ist, wie weit es ihm gelang, diesem inneren Gefühl den Ausdruck zu verleihen, der ihm innewohnt?

Persönlichkeit? [21]

fotoshooting koblenz portrait

Kann ein Bild authentisch sein? Ich denke, es gibt kein nicht-authentisches Bild. Klar, für ein Bild verstellt sich so mancher in seiner persönlichen Wahrnehmung. Ich achte mehr auf mich, meine Haltung, mein Ausdruck, meine Kleidung, wo ich mich befinde, und, und, und. Auch der Fotograf Corwin von Kuhwede drückt sich im Buch „Das authentische Portrait“ in diesem Sinne aus. Aus vielen Gründen könne es kein authentisches Portrait geben. Die Kamera wählt stets einen Ausschnitt aus der Szene. Niemals erfasst sie die ganze Szenerie. Sie hält den Moment fest, weiß nicht, was Sekunden vorher geschah, ahnt so wenig wie wir, was gleich geschehen wird und nicht, was Nanometer weiter links und rechts, oben und unten, oder davor und dahinter geschieht. Meistens.

Ob ein Bild eines Menschen authentisch ist oder nicht kann vielleicht der Betrachter entscheiden. Denn das, was an einer Bildaussage in diesem Bild transportiert wird, kann nur als eine Botschaft im Sinn des Betrachters verstanden werden. Sicher legt der Fotograf seine Idee der Aufnahme in das Bild, oft mehr, als der Mensch vor der Kamera, aber was beim Betrachter ankommt, ist vielleicht entscheidend.

So ist für mich jedes Bild authentisch (wenn nicht durch Bildbearbeitung verändert!), auch dann, wenn der Mensch vor der Kamera sich verstellt, verbiegt, versteckt. Es ist immer noch der Mensch, der sich zeigt, abgebildet vor dem Fotografen, in einem Moment, in dem er sich so verhielt, wie auf dem Bild, mit der Aussage, die in dieser 1/320 s festgehalten werden konnte. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Meine ich. Was denkst Du?

Bildidee und Zufall [19]

Wie viel Planung und Organisation braucht ein Bild oder eine Bildidee, wie viel Improvisation reicht aus für die besondere Aufnahme?

Manchmal gefällt es mir bei einem Fotoshooting einfach während des Beisammenseins und der dabei stattfindenden Gespräche hin und wieder zu fotografieren. Es sorgt beim Model für eine recht entspannte Stimmung, die von üblichem Posing oft ablenkt. Dadurch entstehen ungestellt wirkende Aufnahmen, die entsprechend der Stimmung viel gelöster erscheinen und viele unterschiedliche Facetten und Mimiken, Ausdrücke und Gefühle zeigen können. Auch die dadurch entfallenden Lichtsets mit einem bis mehreren Blitzen oder Reflektoren tragen zur entspannten Atmosphäre bei.

Es geht natürlich nicht immer, denn gewisse Ideen und Ziele, aber auch Lichtsituationen bedingen einen manchmal komplizierteren Aufbau am Set. Dazu noch eine Stylistin sowie eine MakeUp-ArtistIn, entsprechende Accessoires und das Posing bilden ein Team. Schön sind dabei die Shootingpausen, in denen zwar erschöpfte aber auch tiefenentspannte Gesichter authentische Bilder ergeben.

Meiner Erfahrung nach ist es so, dass erfahrene Models eher in der Lage sind ein größeres Set mit mehr Teilnehmern in den Aufnahmen auszublenden. Ob weniger mehr ist entscheidet sich aber nicht direkt mit den Menschen um das Bild, oft ist es der Zufall, den man mehr oder weniger gezielt herbeiführen kann. Oder er zeigt sich an diesem Tag nicht. Dann wird es an einem anderen Tag sein. Sicher.

Manche Träume begleiten dich …

… über einige Stunden, andere sind im Moment des Erwachens intensivst und dennoch Minuten später nicht mehr erinnerbar. Nur das vage, wenn auch starke Gefühl bleibt. 

Some dreams accompany you some hours, other are later no more remindable at the moment of the awakening most intensely and still minutes. Only this vaguely, even if strong feeling remains.

Streetfotografie – Ähnlichkeiten (55)

spica jeans hintern Mies Vandenbergh Fotografie

Mies-Vandenbergh-Fotografie

Bei einem Gang duch die Stadt sind die Gedanken üblicherweise nicht weit weg von den Möglichkeiten, die sich in der Stadt bieten. Der Grund des Besuches in der Stadt weist einem den Weg zum Ziel. Geht nun jemand in die Stadt mit dem Ziel, sich der Streetfotografie zu widmen, so sehen die kreisenden Gedanken ganz anders aus, als ginge es beispielsweise zu einem Bummel.

Schon zu Beginn kreisen die Gedanken um die Örtlichkeit, an die man sich begeben möchte, der Ort, der einen Erfolg bietet, nämlich am Ende des Tages mit einigen wenigen, gelungenen Fotografien nach Hause zu kommen. Streetfotografie als Thema ist nicht so weit gefasst, wie allgemein hin angenommen wird. Szenen aus dem Alltag mit ungestellten Handlungen und ebenso unvermittelt abgelichteten Personen beschreibt dies Genre am ehesten. Alles Inszenierte kann nur dann, wenn es nahezu perfekt choreographiert wurde, als ungestellt durchgehen – wenn es nicht schon wieder zu perfekt ist. Aber es soll natürlich sein und so wirken. Bei der Streetfotografie ist es natürlich von entscheidender Bedeutung, Menschen mit auf die Aufnahme zu bringen, sonst wäre kein Leben im Sinne von Alltäglichkeit in der Bildaussage wieder zu finden. Stillleben könnte man das nicht beabsichtigte Ergebnis bestenfalls nennen oder eine Architekturaufnahme von unverständlichem Aussagewert käme heraus, würden die Menschen fehlen.

Menschen in allen möglichen Lebenslagen erfüllen das Foto mit Leben, und zeichnen ein Bild des Alltäglichen, wie es der Anspruch der Streetfotografie vorzugeben meint. Ein Portrait hingegen ist in der Regel kein Streetfoto, es ist schließlich ein Portrait. Doch gibt es immer wieder vereinzelte Portraitfotografien, die sich eher als Streetfoto zeigen lassen, als zu den Portraits gerechnet zu werden. Wenn der fotografierte Mensch nicht gerade in die Kamera lächelt, sondern behende seiner Tätigkeit nach geht, kann die Situation schon zwiespältig sein. Eigentlich gibt es keinen ernsthaften Grund, die Szene nicht dem Genre der Streetfotografie zu zu rechnen. In allzu engen Grenzen gefasst verliert meiner Meinung nach jedes Thema der Fotografie ihren Reichtum, ihre Vielfalt.

Meine in diesem Blog ausgestellten Bilder sind nichtsdestotrotz weit von der Streetfotografie entfernt. Sie werden zwar zum Teil auf eine ähnliche Weise fotografiert, wie die Bilder in der Streetfotografie gemacht werden, doch vom Motiv sind sie gänzlich anders und auch anders gemeint.

Aber die Herangehensweise ist sehr ähnlich, die Vorüberlegungen drehen sich gleichwohl um die Orte, an denen man fotografieren wird. In der Fußgängerzone der Stadt haben die Menschen Zeit. Es gibt dort einige Motive, deren Aufnahme sicher erfragt werden könnte. Spontan und meist ungestellt als Schnappschuss können hingegen oft eine natürlich anmutende Fotografie ergeben. Für meine Zwecke eignen sich beispielsweise Ampeln oder Bushaltestellen deshalb besonders gut, weil die Menschen den Augenblick der Ruhe vielleicht unbewußter genießen und gerne ungekünstelt hin und her flanieren. Dabei kann ich manches Mal die Formen sehr deutlich erkunden, die die Figur des Menschen ausmacht. Um geeignete Bilder für die fotografisch-künstlerische Gestaltung zu erhalten (hier ist der Betrachtungswinkel wichtig) ist die Beobachtung der Menschen nach wie vor von entscheidender Wichtigkeit. Es kommt darauf an, den Blickwinkel zu finden, der das Motiv in möglichst angenehmer Art und Weise belichtet und dabei die Linien und Proportionen möglichst aussagekräftig abbildet. In der Ruhe gelingt es meist besser, als in Bewegung, jedoch nicht immer. Wechselt der Mensch immer wieder von einem Bein auf das andere, kann ich sehr interessante Blickwinkel vernehmlich der Form des Hinterns auf dem Film festhalten. Nebeneinander betrachtet lässt sich sehr schön verdeutlichen, in wie weit der Blick des Betrachters den richtigen Zeitpunkt erfassen kann, um der Form gewahr zu werden, oder ob er daneben liegt, und der vielleicht schöne Hintern gar nicht entdeckt, sondern einfach verkannt übersehen wird.

Wie eigentlich auf alle Körperregionen übertragbar, und mehr noch auf alles Betrachtete im Leben, zeigt nur der bewusst hinsehende Mensch in nur einem bestimmten Moment die einzigartige Schönheit des Wesens. Vereinfacht gesagt kann es die Pflanze in Blüte sein, das Tierbaby in Lauerstellung, der Mensch mit lächelndem oder auch bedachtem Gesichtsausdruck oder die Sonne nahe dem Meeresspiegel in alle rot bis orange farbenen Töne des Farbkreises gehüllt. Jeder Mensch empfindet dabei anders. Es finden sich die Vorlieben aller Betrachter in ihren Kreisen gerne in den Aufnahmen wieder, vielleicht zum Austausch der Idee vom Bild.

Gehe ich also in die Stadt mit der Idee, Menschen mit einer -nach meiner Vorstellung- schönen Figur zu fotografieren, so ist dies eines der vielen Themenbereiche, die wir Menschen für uns auserkoren haben. Spannend ist es schon deswegen immer, weil ich dabei nie weiß, welche Motive ich überhaupt bemerken werde, und welche es davon einigermaßen gelungen auf meine CF-Speicherkarte schaffen werden werden.