Moralia 3 {Ursachenforschung} (47)

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Mies-Vandenbergh-Fotografie

  Weiter geht´s mit Teil 3 von Moralia 2:    Geschrei, Zeter und Mordio! Wer fabriziert die Bilder in unserer Umgebung und unseren Köpfen?

Die bösen Medien verderben unser grundlegendes (gesundes) Verständnis von natürlicher Körperlichkeit. Ein Verständnis, das sich im Laufe unserer Prägung entwickelte. Mit all den Einflüssen unserer Vergangenheit und unserer sozialen Kontakte. Es werden überall und immerdar (nur) schöne und schlanke Körper präsentiert. In der Werbung, in den Filmen und in den Anzeigen, in den Serien und in den Shows werden ausschließlich glückliche Menschen gezeigt. In den Katalogen und Zeitschriften werden nur schöne Menschen mit Zufriedenheitslächeln und der Optik des erfolgreichen Berufstätigen abgebildet. Frauen werden sogar oft nur als hübsches Beiwerk, begleitend als Ausstattung zum Erreichen des eigentlichen Zieles hinzu addiert, oft zum männlichen Helden, der die Welt in Händen hält oder dieselbige gerade rettet. Klischees an allen Enden und Ecken lauern auf uns mündige Konsumenten, von Kindesalter an aufwärts.

Besonders beim weiblichen Geschlecht dürfen auch hier nur junge, schlanke und glücklich schauende Models „benutzt“ werden. Menschen werden reduziert auf ein künstliches Abbild eines nie da gewesenen Idealmenschen, dessen Omnipräsenz unseren Geist irgendwann schon infiltriert haben wird, wenn man den Verwendern Glauben schenken wollte. Frauen unterliegen besonders diesem Diktat, welches von Männern geschaffen worden sein soll und stets präsent gehalten werden soll, doch der Mann ist auf dem Wege, diesem Bilde nachzukommen.

Die böse Welt, in der wir leben, in der wir all das oben genannte ertragen müssen, könnte so viel besser sein, wenn wir nur davon wüssten. Oder? So könnte man vermuten. Doch ich möchte die Frage bewusst an uns stellen und einen Versuch der Antwort wagen. Enden werde ich dabei wiedereinmal bei unserer Moral. Mir wird wieder die Scheinheiligkeit unserer Gemeinschaft bewusst, die mich antreibt und nicht müde werden lässt, sie (und mich) an den Pranger zu stellen, und wenn es nur mein eigener, persönlicher sein wird.

Beginne ich also mit den unangenehmen Fragen und den fiesen Antworten:

· Wer ist der Konsument, genannt die Zielgruppe dieser Schönmenschenabbilder?

Antwort: WIR!

· Wer sorgt für die hohen Einschaltquoten von Filmen mit durchweg attraktiven Menschen und die unterdurchschnittlichen Quoten bei Filmen mit durchschnittlich attraktiven Menschen?

Antwort: WIR!

· Wer kauft die an Tieren erprobten Schönheitscremes und Haargeeltuben im Supermarkt?

Antwort: WIR!

· Wer verschlingt die neuen Klatsch und Tratsch – Kolumnen in den TV, Netz und Print Medien?

Antwort: WIR!

· Wer klickt im Netz millionenfach auf die Bilder der reichen und besonders die Bilder der schönen Männer und Frauen?

Antwort: WIR!

So ist die Reihe fortzuschreiben, jeder von uns weiß es selbst am besten. Warum ist es so?

Wieder ein paar Fragen dazu:

· Willst Du durchschnittlich schöne Menschen im Fernsehen sehen?
· Kaufst Du Produkte, die mit unterdurchschnittlich attraktiven Gesichtern beworben werden?
· Wenn Du es Dir aussuchen könntest, wärest Du lieber überdurchschnittlich schön oder weniger schön?
· Was unternimmst Du alles, um Deine Attraktivität zu erhalten oder zu steigern?
· Wie viel von Deinem mit Deiner Lebensenergie erwirtschafteten Geld bist Du bereit, für Deine Schönheit, also deren Erschaffung, Erhaltung oder Verbesserung zu opfern?

Und nun zum Eingemachten!
Erneut ein paar Fragen!

· Hast Du einen attraktiven Menschen zum Partner?
· Hast Du Dich „schön“ gemacht vor Euren ersten Treffen?
· Kleidest Du Dich vorteilhaft, wenn Du ausgehst?
· Um einen Menschen zu beeindrucken, zeigst Du Dich von Deiner alltägliches Seite, nämlich so, wie Du bist, oder spielst Du eine Rolle?

Auch hier könnte ich viele weitere Fragen stellen. Es würden vermutlich immer die gleichen Antworten folgen, nämlich der Mensch steht in Konkurrenz zu seinen Mitmenschen, meint es zumindest. Daher stellt er sich in einem Licht dar, das „anders“ scheint, als das Licht der anderen. Nicht gänzlich versteht sich dabei, denn mit der Mode geht der Mensch sehr wohl, es kann nur keine ältere Mode sein, denn wenn der Mode alle nachgekommen sind, so ist es keine Mode mehr. Dann muss schon etwas Neues her, das den Menschen erneut aus der Masse abhebt. Die kleinen Zeichen, die den eingeweihten als Erkennungszeichen für ihr Modelabel dient, sind von höchster Wichtigkeit bei der alltäglichen Modeschau der Straße. Was früher(und noch heute) ein kleines (riesiges)Reptil war, ist heute ein ausgestorbener Dickhäuter oder ein schlaues Waldtier, wer nicht so reich betucht oder auf vermutlich nicht so hohe Qualität bedacht ist, greift auf eine Tierspur zurück, um etwas auszusagen.

Um all das auf den Punkt zu bringen:

Der aktive Mensch entwickelt sich ständig weiter. Er unterliegt Veränderungen, die er selbst hervorbringt. Er strebt immerfort nach “ M E H R “ !  Mehr Haben, mehr sein! Zufriedenheit wird in dieser Gesellschaft immer mehr zu einem „knappen Gut“, weil gleichgesetzt mit Stillstand. Der Mensch entwickelt sich also. Er möchte schöner sein. Er möchte reicher sein, mächtiger, beliebter, glücklicher, …  . Er möchte sich besser fühlen! Möchte sich ernsthaft jemand schlechter fühlen? Nein. Was tue ich, um mich mein Leben lang immer ein bisschen besser zu fühlen?  Ich unternehme Dinge, von denen ich denke, dass sie dazu führen, mich besser zu fühlen. Mich glücklicher zu fühlen.

Was das ist, das erkennt jeder selbst, oder es wird ihm vorgelebt, jedem in seinem Habitat auf eine bestimmte Art und Weise und er kann es kopieren. Er kann natürlich versuchen, es selbst herauszufinden, doch dafür müsste der Mensch die ausgetretenen Pfade verlassen. Der ignorante, bequeme, dekadente Durchschnittsbürger der westlichen Zivilisation steht dabei vor einem Dilemma. Er muss sich bewegen! Körperlich und vor allem geistig und seelisch! Das ist anstrengend. Sehr anstrengend. Sich im Strom treiben zu lassen, als Fähnchen im Wind ist doch so bequem, hatten wir schon des Öfteren, mit einer Tüte Chips auf dem Sofa ist schon verdientes chillen, oder. „Ach, ja, geht doch auch so…!“ Ja, mich mich, mich. Von den anderen ganz zu schweigen. Ich möchte an dieser Stelle nicht noch darauf eingehen, was der Zwischenmenschlichkeit und Empathie geschuldet hinzu kommt, das werde ich gerne in einem weiteren Beitrag tun.

Der Mensch möchte das positive Erlebnis, die positive Erkenntnis, die positive Veränderung seiner Bilanz auf dem Konto der Gefühle, des Aussehens, des Habens, der Zufriedenheit. Erreichen wir diese positive Bilanzierung mit negativen Erlebnissen oder mit guten, schönen, erfolgreichen Inhalten? Ich bin in einem Zustand, in dem ich denke, es werden die positiven sein!

Das gestaltet sich beispielsweise so:

Ich sehe im Fernsehen viel lieber schöne Menschen. Ich habe lieber eine schöne Frau zu meiner Ehefrau. Ich habe viel lieber einen schönen Ehemann zum Mann. Ich habe lieber gutaussehende Freunde. Ich habe lieber schöne Kinder. Ich sehe mir lieber schöne Bilder an. Ich gehe lieber gutes Essen zu mir nehmen. Ich fahre lieber schöne Autos. Ich ziehe lieber schöne Kleidung an. Ich sehe lieber schöne Tiere im Zoo an. Ich sehe lieber schöne Menschen auf der Straße. Ich gehe lieber ins Kino, wenn dort schöne Menschen eine Rolle haben. Ich sehe mir lieber schöne Pflanzen in der Natur an. Ich gehe lieber durch schöne Wälder. Ich laufe gerne in schönen Schuhen. Ich trage gerne eine schöne Armbanduhr. Ich sehe lieber schöne Zähne beim Gegenüber. – Wie lang kann die Liste werden?

Ist das alles wahr? Manches ja, manches weniger, manches nicht. Jeder kann für sich selbst überdenken, was er oder sie bejahen würde und was nicht. Und was ist die Folge davon?

Friedrich Schiller schreibt im übertragenen Sinne in seiner „Kalias“ dazu: Schönheit hat zwei Gesichter, nur eines ist die wirkliche Schönheit, die nämlich der Natur: Eines ist diese Schönheit der Natur, die da wirkt aus ihrem Naturell und frei ist von jedem Zweck! Eine andere ist die Schönheit des Zweckes, die nur deshalb entstand, weil sie den Zweck einer Sache hervorhebt („Ein Werk (Gebäude) kann deswegen nie ein ganz freies Kunstwerk sein und nie ein Ideal der Schönheit erreichen, weil es schlechterdings unmöglich ist, an einm Gebäude, das Treppen, Türen, Kamine, Fenster und Öfen braucht, ohne Hilfe eines Begriffs auszureichen und also Heteronomie zu verbergen.“, Kalias oder über die Schönheit, Friedrich Schiller, 1793). Der Mensch als Naturwesen, so verstehe ich Schiller, ist ein Wesen beider Schönheiten, denn ihm obliegt die Schönheit der Natur und des gerichteten Zwecks des Fortbestandes, mehr jedoch entspricht er der Natur. Dabei kann das nur im unbekleideten Zustand der Fall sein, denn Kleidung ist bereits zweckgerichtet, wobei die Art der Kleidung mal mehr, mal weniger von der Natur des Menschen erkennen lässt. (natürlicher = schöner im Sinne der Natur???  –  Oh, ich meine: hat was!  🙂 )

Möchte ich (an)gesehen werden/sein, so muss ich mich entsprechend verhalten! Jeder Mensch möchte wahrgenommen werden, es ist existentiell! Warum reicht nicht die Kutte der Mönche? Naja, Jeans und Pulli? 😉 Nun, dann müssten wir uns über unseren Geist und über unser Herz definieren. Wahrlich nicht einfach! Und vernichtend? Wer weiß? Wir lieben die Schönheit in allen Belangen und unsere Moral ist so zweigleisig, man könnte glatt von Doppelmoral sprechen. Nicht? Sein und Haben in reinster Form leiten uns in die Irre, wenn wir nicht unser Gehirn und unsere Gefühle (be)achten. Richtiger wäre es sogar, wenn wir von leiten lassen sprechen, denn der Mensch war ja ein grundlegend dekadentes Wesen, nicht wahr? 😉 Jeder hat seine eigene Moral und sucht sich im Falle eines Falles die für ihn bequemste heraus. Wo das hin führt, beschreibt schon wieder einen neuen Bereich, der einen neuen Artikel nach sich ziehen wird 🙂

(Epilog 😉  Ich sehe gerne hin und wieder einen wohlgeformten Hintern an und freue mich, dass es viele Frauen gibt, die diese Schönheit hin und wieder gerne zeigen.