Du bist kontrolliert! (198)

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In der Gemeinschaft, in der wir leben, befinden wir uns fast zu jeder Zeit in einem Verband, der durch Übereinkünfte zu Regeln und Vorschriften kam, die durch seine Mitglieder, also uns selbst, kontrolliert werden, solange wir uns innerhalb dieses Verbands aufhalten.

Du lebst in einem Verband. Dieser kann sein eine Familie, ein Verein, ein Club, eine Klasse, eine Schule, eine Firma, eine Partei, einer Straße oder anderes mehr. Du, das Individuum, befindest dich in Gesellschaft. Im Laufe der Zeit haben sich Verhaltensweisen etabliert, die für diese Gesellschaft für ein funktionierendes Miteinander notwendig erscheinen.

Bevor ein Wesen Mitglied dieser Gesellschaft werden kann, wird es entsprechend konditioniert. Sobald die Gesellschaft davon ausgeht, dass dieses designierte Mitglied alle Regeln weitestgehend verinnerlicht hat, dies durch irgendwie geartete Prüfung bewiesen hat, gilt es als Mitglied.

Von nun an erfährt jedes Mitglied eine tief verwurzelte Überwachung. Ein Kontrollmechanismus funktioniert dergestalt, dass jedem einzelnen Individuum jederzeit die Vorschriften bewusst sind, und jede Zuwiderhandlung unweigerlich als Verstoß erst einmal auffällig wird, um dann, laut vorher festgelegter Mechanismen, in entsprechender Weise sanktioniert zu werden. Das kann von subtil, ja fast unbewusst bishin zu scharf proklamatorisch geschehen. Es kann alles sein zwischen einem Blick oder Wegsehen bishin zur Todesstrafe.

Je nach Auffälligkeit, Andersartigkeit einer Handlung erfolgt eine Reaktion, die dem Verursacher aufzeigen soll: Was Du gerade vollzogen hast, ist so nicht konform der Regeln der Gemeinschaft, in der wir leben. Gleichzeitig ist diese Reaktion zutiefst subjektiv, denn sie erfolgt von einem Menschen, der zwar die weitestgehend selben Regeln erlernt hat, wie der Akteur, aber stets eine eigene Auslegung derer betreibt.

Wenn nicht die Angelegenheit aus einem Dialog besteht, dann erntet der Akteur mehrfach Beachtung. Gleichzeitig erfährt er mehrfache Reaktionen. Diese richten sich wiederum nach der Gepflogenheiten der Gemeinschaft, ein einfaches Unterfangen bei einer eindeutigen Handlung, nicht so jedoch bei einer weniger eindeutigen Handlung.

Bei der Reaktion auf eine zweifelhaft erscheinende Sache bedarf es oftmals eines Vorreiters, der durch seine Reaktion eine Richtung weist. So einfach dies auch erscheinen mag, so willkürlich kann es erfolgen. Wie genau diese Zusammenhänge miteinander in Verbindung stehen ist eine eigene Betrachtung wert und würde hier den Rahmen sprengen. Du erinnerst dich bestimmt an Situationen, in denen dir ein Verhalten eines Menschen im erstem Moment nicht unmittelbar verständlich und vor allem nicht bewertbar erschien, bis eine deiner gültigen Instanzen (Vater, Mutter, Partner, Kollege, Führer, …) ein Urteil fällte, dem dein Geist (zustimmend) folgen konnte.

So funktioniert unsere Gesellschaft vielerorts durch Selbstkontrolle oder Eigenkontrolle, wie durch Überwachung des Habitats durch uns selbst. Jeder sieht jeden an und bewertet unwillkürlich augenblicklich. Und wehe, er ist nicht konform. Dann haben viele Menschen ein Problem. Wo ist meine Grenze von dem, was ich persönlich noch tolerieren kann, ab wann sehe ich meinen Biotop in Aufruhr gebracht und beginne denunzierende Tendenzen in mir aufsteigend zu erkennen oder mache mir Gedanken über Regulation.

Wie funktioniert dein persönlicher Mechanismus? Wann glotzt du? Wann schreitest du ein? Wann bemühst du weitere Instanzen und vor allem, wie sehr entwickeltst du dir deine eigenen Theorien, verschaffst dir einen eigenen Überblick oder übernimmst einfach vorgebrachte Parolen aus vorgedachtem Meinungs-Fastfood?

Jeder von uns hat eine eigene Konditionierung erhalten und baut diese im Laufe seines Lebens weiter um und aus. Jeder von uns formt mit seinem persönlichen Verhalten sein persönliches Umfeld weiter aus. Hier zu unterscheiden, was dem einzelnen Individuum sowie der Gemeinschaft zuträglich ist oder unmerklich latent und sukzessive durch bestimmte Mitglieder unterstützt eine Eigendynamik entwickelt. Gefahr in Verzug ist immer dann gegeben, wenn ein System des Systems willen beginnt zu agieren und nicht mehr der Mitglieder wegen, bzw. nur einzelner weniger wegen. (Dieser spezielle Aspekt ist einen eigenen Beitrag wert.)

Sei also achtsam auf deinem eigenen Geist und auf alle Tendenzen in deiner Gemeinschaft und besonders ist ein Austausch von Gedanken und Gefühlen zu proklamierten: Starte immer, wenn möglich, ein Palaver!

[Anmerkung: Palaver: aus dem indianischen, eine Gesprächsrunde, bei der als Besonderheit gilt: gesprochen wird immer der Reihe nach, niemals werden Worte unterbrochen, jeder hat in etwa die gleiche Redezeit, es werden vorher eine bestimmte Anzahl von Runden festgelegt, zwischen jeder Rede findet eine kleine Pause statt, deren Länge vorher beschlossen wird.]

Gemein – schaft (197)

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Lebst Du als Einsiedler? Nein? Dann in einer Gemeinschaft? Prägt Dich diese Gemeinschaft in irgend einer Art und Weise?  Oder prägst Du die Gemeinschaft? Vielleicht kommt Dir das Wort „Wechselwirkung“ in den Sinn.

Seit dem wir Menschen nicht mehr in kleinen Gruppen verstreut über den Globus dahinvegetieren, und uns mehr oder weniger dicht auf die Pelle rücken, haben wir uns Regeln ausgedacht. Regeln, die uns helfen [sollen], den Umgang untereinander vorhersagbar zu machen. Die Zeitspanne, in der sich diese Normen gebildet haben, beläuft sich auf eine Zeit von über 500 Jahren, und ist dabei keineswegs abgeschlossen, sondern befindet sich im stetigen Wandel. Was heute noch moralisch ethisch korrekt ist, könnte im Laufe der Entwicklung schon bald als überholt und nicht mehr zeitgemäß gelten.

Junge Erdenbürger werden in relativ kurzer Zeit so konditioniert, dass sie funktionieren. Sie müssen, wie du auch, diesen Entwicklungsprozesses, der sich im Laufe der Jahrhunderte etablierte, in nur wenigen Jahren verinnerlichen. Diese Normen und Regeln sollen so weit übernommen werden, dass sie nicht mehr von außen überwacht, gesteuert oder geregelt werden müssen, sondern sie sollen aus eigener Überzeugung befolgt werden.

Ob diese Übereinkünfte dabei dem eigenen Körperempfinden widersprechen oder nicht, das gilt aus Sicht der Norm als zunächst unerheblich. Den körperlichen Bedürfnissen wurde im Zuge der Reglementierungen zunehmend weniger Raum eingeräumt. Die Trennung von Geist und Körper im Laufe der „Zivilisierung“ des Menschen schuf gleichzeitig eine Verlagerung der Gewichtung. Der Geist wurde über den Körper gestellt.

Jeder von uns bedenkt sein Verhalten, bevor er es ausübt. Er geht im Geiste die möglichen Konsequenzen durch, die ihn durch sein Verhalten ereilen könnten, wenn nicht schon die aufkommende Idee über eine Handlung als nicht konform niedergeschlagen wird. Im bezug auf die körperlichen Belange funktionieren in uns Mechanismen, deren Ausdruck in Scham und Peinlichkeit gründet. Ein Verhaltenskodex ist in unserem Verständnis so weit etabliert, dass eine Zuwiderhandlung eine derart große Hemmschwelle zu überwinden hätte, die uns warnt: bis hier her und nicht weiter, sonst habe ich mit unvorteilhaften Konsequenzen zu rechnen.

Einzug gehalten haben die die körperlichen Umgangsformen beim Adel, wenn ich dem Soziologen Elias folge. Regelwerke über die Etikette wurden anschließend zunächst nur für die Bourgeoisie verfasst, sie sollten sich danach aber zunehmend auch unter dem einfachen Volk durchsetzen. Dieser Prozess kann bis heute und in vielen Regionen und Ländern beobachtet werden. Schon vor knapp 100 Jahren beobachteten aufmerksame Zeitzeugen gegenläufige Tendenzen. Aufweichungen der Benimmregeln wie das Reden über private, körperliche Erfahrungen im öffentlichen Fernsehen, die Akzeptanz von Nacktheit in der Öffentlichkeit, bishin zum Urinieren bei Theatervorstellungen mögen als Beispiele gelten. So lassen sich diese Verschiebungen als leicht pendelhaft bezeichnen.
Jeder einzelne Mensch findet sich im Gezeitenstrom der Moralitäten wieder, in dem er selbst entscheiden kann, ob er sich mittreiben lässt, stehen bleibt, oder gegen diesen Strom schwimmt. Je nach persönlichen Konsequenzen für Dich handelst Du täglich auf’s neue. Viel Erfolg!

Du bist schön, weil ich Dich kenne! (177)

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Menschen, die uns an jemanden erinnern, den wir kennen, bzw. dessen Aussehen uns bekannt vorkommt, diese Menschen haben in der Wahrnehmung einen „Heimvorteil“. Warum ist das so?

Studien, die in England durchgeführt wurden, ergaben, dass Sympathiegrade sich stark an bekannten Gesichtern orientieren. Probanden wurden auf dem Bildschirm eine Reihe von Gesichtern gezeigt, die sie auf einer Skala benoten sollten. Es sollte, so wurde ihnen vorher mitgeteilt, eine Erhebung über die Attraktivität natürlich geschminkter Gesichter im Verhältnis zu überzogen geschminkter Gesichter durchgeführt werden.

Wovon die Probanden jedoch nichts wussten, war folgende Konstellation. Ihnen wurden gezielt ausgewählte Gesichter gezeigt, die so ausgesucht wurden, dass ein Teil der Gesichter bestimmten Personen aus ihrem persönlichen Umfeld ähnelten, zusätzlich einige Gesichter von mehr oder weniger bekannten Models und Stars, sowie willkürlich ausgewählte Gesichter. Einer Kontrollgruppe wurden die gleichen Gesichter gezeigt. Hauptsächliche Beachtung fanden bei der späteren Auswertung jedoch nur die Gesichter, die den Vertrauten-Bonus bei den Probanden der ersten Gruppe besaßen und die dazu erfolgte Bewertung der Kontrollgruppe.

Das Ergebnis war eindeutig: die erste Gruppe bewertete Gesichter, welche unwissentlich Personen aus ihrem eigenem Umfeld glichen, durchweg höher in der Attraktivität, als die Kontrollgruppe dies tat.

So scheint der Mensch, als Gewohnheitstier, dem Vertrauten ehr zugeneigt zu sein. Eine Vermutung könnte man daraus schließen: dass auf diesem Wege Menschen, die vielleicht in den Augen der Masse keinen der vorderen Plätze bei einem Schönheitswettbewerb erreichen würden, so diesen ungeahnten Vorteil für sich verbuchen können.

Und tatsächlich gibt es Studien, nach denen eine nicht unerhebliche Zahl von Ehemännern dem Äußeren der Väter der Ehefrauen in auffälliger Weise ähneln. Umgekehrt, also bei den Ehegatten konnte dies jedoch nicht festgestellt werden, hier sind Erkenntnisse herausgearbeitet worden, die das Gegenteil untermauern: Die Ehefrauen sehen den Müttern der Ehemänner auffallend wenig ähnlich. Eine Erklärung dazu wäre noch interessant heraus zu finden.

Zuletzt möchte ich noch einen Bogen schlagen zur Globalisierung der Sehgewohnheiten durch die Medien. Die zunehmende Präsenz aller menschlichen Rassen in den verschiedenen Medien, besonders aber des immer stärker genutzten Internets, wird dazu führen, dass wir unseren Horizont deutlich erweitern. Eine persönliche Verbundenheit Bekanntem gegenüber wird einen immer größeren Kreis bilden, was ich in diesem Zusammenhang sogar für durchweg positiv halte. Die Wahrnehmung und Gewöhnung an die tatsächliche Existenz der unterschiedlichsten Menschen auf unserer Erde wird diese latente Zurückhaltung andersartigen Menschen gegenüber zunehmend verblassen lassen. Ist zu hoffen.

So gefällt uns der lächelnde Südamerikaner genauso gut, wie der lächelnde Schwede, die traurig schauende Japanerin so wie die betrübt blickende Stuttgarterin. 🙂

Jetzt bin ich schön! Und dann? (149)

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Habe ich erreicht, schön zu sein, schöner zu sein, so habe ich einen Zustand erreicht, ein Niveau, das sich wahrscheinlich nicht automatisch erhält. Ich habe einen Prozess begonnen, der, wenn ich nicht beständig in diesen investiere, er sich schlichtweg verläuft.

Wenn sich ein Mensch schmückt oder verkleidet, so folgt daraufhin unweigerlich irgendwann der Moment, an dem diese Maßnahme verblasst, an dem der Mensch wieder sein ursprüngliches Aussehen annimmt. Bei dem Prozess der Schönheitsoperation ist das differenzierter. Die Operation verändert das Äußere eines Menschen zumeist dauerhaft. Der Körperbereich, der sich dieser Behandlung, Formung oder Angleichung unterworfen hat, nimmt für einen längeren Zeitraum seine artifiziell-chirurgisch optimierte Form an. Der Mensch verändert sich, jedoch ohne dabei zu erahnen, welche Dissonanzen sich im Laufe der Jahre dadurch ergeben können. Denn wenn auch dieser modifizierte Bereich nach dem Eingriff seine Veränderung behält, so sind es sämtliche anderen Körperzonen, die (noch) keine Manipulation erfahren haben und damit ihrer regelmäßigen Entwicklung des Alterns entgegen sehen.

Tritt ein Mensch heraus aus seinem äußeren Schatten, aus seiner Erscheinung, so obliegt es seiner Willensstärke und seinem Erkenntnisstand diesen Zustand zu lange wie möglich zu erhalten. Die Zeit scheint unserer Optik stets entgegen zu wirken. Der Zahn der Zeit nagt an uns, so wie an allen Dringlichkeiten. Daher sind wir über und über bemüht, die Zustände der Schönheit mit viel Energie festzuhalten. Gelingt uns das nicht, so beginnt für viele Menschen eine Art Krise. Es gilt, einen Verlust von Jugendlichkeit zu verhindern. Die Wahl der Mittel ist dabei einerlei. Was für den einen undenkbar, unbezahlbar oder nicht mit seinem Ideal der Ethik zu vereinbaren ist, ist für den anderen die Lösung seiner Problem(e)(zonen). Dabei halte ich die Wahl der Mittel für individuell. Jeder entscheidet für sich selbst, was möglich ist, wo seine persönliche Grenze liegt.

Es scheint ein kleingeistiges Gedankenspiel derer zu sein, die die Mittel der Manipulation verurteilen, wenn diese ihren eigenen Horizont überschreiten. Wenn in einer Dokumentation über Schönheit eine Teilnehmerin einer Nasen-OP Eingriffe im Vaginaltunnel (Verengung) als unmoralisch und überzogen beschreibt, so könnte ein anderer die Nasen-OP selbst als Eingriff wider die Natur misbilligen. Zwischen den Stufen der Veränderungen am Menschen ließen sich allgemein stets eigene Maßstäbe anlegen. Diese können und sollen für jeden individuell bewertet werden, doch für andere Menschen beginnt ein eigenes Verständnis. Keiner soll etwas antizipieren müssen, aber tolerieren.

Was geschieht mit dem veränderten Menschen? Seine Nase ist gerader, seine Bauchdecke gestraffter, seine Haare in wallenden Locken gestyled. Der Mensch fühlt sich besser. Seinem Grundbedürfnis nach Selbstverwirklichung, der eigenen Entwicklung nachzugehen wird betrachtet als unumstrittene Versinnlichung des Lebens. Da der Mensch mehr braucht als nur Nahrung und Wohnung, Sicherheit und Arterhaltung, finden sich vielfältige Wege, die die Entwicklung der eigenen Persönlichkeit voranbringt. Der Mensch ist in der Lage, zu reflektieren. Das ist sein größtes Kapital, fähig sein, zu denken! Daraus entsteht alles das, was über reines instinktives Verhalten der Tiere hinausgeht.

Jeden Tag fällen wir mehr als 10.000 Entscheidungen. Manche reiflich überlegt, die meisten aber intuitiv. Kaffe oder Tee, noch eine Tasse, mit Zucker oder Milch, jetzt sofort oder nachdem ich ins Brötchen gebissen habe, und, und, und, … Wir denken uns Ziele aus, fassen sie ins Auge und handeln danach; wenn wir gut sind! Viele Menschen setzen sich nur wenige bis gar keine Ziele, oftmals nur oberflächliche, wie das Ziel des nächsten Sommerurlaubs. Wo aber wir in 3, 5, oder 10 Jahren stehen möchten, darüber machen sich die wenigsten Menschen Gedanken. Eines der Ziele innerhalb der Selbstverwirklichung ist der Wunsch nach äußerer Optimierung. Wir Menschen haben gemeinhin das Ziel des Wachstums, wir sind auf der Suche nach Erfolg und Bestätigung und ganz oben dabei steht die Entwicklung von unserem Ego. Das kann in der Anhäufung von Erfolgen begründet liegen, genauso aber auch in der Anhäufung von Wissen, Erfahrungen, Gütern, Freunden, oder anderen Dingen, die wir im Laufe der Zeit erreichen möchten. Immer im Hintergrund ist die Grundlage der Grundbedürfnisse nach Maslow, die in folgender Grafik dargestellt sind:

http://de.wikipedia.org/wiki/Maslowsche_Bed%C3%BCrfnishierarchie

Heute finden sich tiefer greifende Theorien zu Hauf in der Literatur, die jedoch den Rahmen dieses Beitrags sprengen würden. Worauf ich hinaus will ist die Tatsache, dass erst die Grundbedürfnisse der ersten 3 Stufen der oben abgebildeten Pyramide erfüllt sein sollten, bevor wir uns um die zwei ausbleibenden Stufen bemühen. Das wiederum bedingt, dass dem Menschen, der sich mit den oberen beiden Stufen beschäftigen kann, ausreichend Resourcen zur Verfügung stehen, die die unteren drei Stufen abdecken. Ohne die Grundlagen wird es dem Menschen nicht gelingen, sich um die Selbstverwirklichung zu kümmern, er muß zum Beispiel Zeit haben, um zu denken. Dazu benötigt der Mensch die Zeit und die Freiheit, die noch lange nicht in allen Gesellschaften und Ländern, allen Glaubenbereichen und Religionen usus ist.

Ist also die körperliche Manipulation ein Ziel der Selbstverwirklichung. In der heutigen Zeit wird sie zunehmend dazu. Wir erfahren einen Wandel, in der nicht nur der Geist der ständigen Arbeit an sich unterliegt, nein, wir werden immer häufiger auch daran gemessen, in wie weit wir in der Lage sind, ja die Fähigkeit besitzen, unser Äußeres zu optimieren. Es scheint, je besser uns das gelingt, desto höher steigen wir im Ansehen der Gemeinschaft, in der wir uns befinden.

Ob das der Wahrheit letzter Schluss ist, wage ich ernsthaft zu bezweifeln. Ist doch auch unsere Zeit nur eine Momentaufnahme der Geschichte, so wird dieser Trend ebenso wenig von ewiger Dauer sein, wir alle seine Vorläufer in der Vergangenheit. Um dem zu begegnen, bedürfen wir dem Einsatz unserer Gedanken, unseres Intellektes, damit wir nicht nur konsumieren und applaudieren, sondern reflektieren, und nachdenken, über die Gesellschaft und unsere Lebensweise in ihr. Wir sind dazu aufgefordert Entscheidungen zu treffen. Über alles und jedes haben wir die Wahl. Natürlich mit allen Konsequenzen und Folgen. Das gilt es zu bedenken. Und zwar für uns selbst, in erster Linie und FAST gleichbedeutend für die Menschen in unserem direkten Umfeld. Was erwarte ich vom Leben und wie will ich es leben? So oder so ähnlich könnte die Frage lauten, die ich mir vor der Entscheidung zu einer Manipulation meines Äußeren stellen mag.

Eure Schönheit, Hochwohlgeboren (128)

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In der heutigen Veröffentlichung schreibe ich über Attraktivität und wie sich die Wahrnehmung derselben durch Interkommunikation verändert.

Was geschieht, wenn wir einen attraktiven Menschen erblicken? Wir sehen hin. Wir sehen etwas länger hin, als bei einem weniger attraktiven Menschen. Ob wir wollen oder nicht, wir können gar nicht anders, denn bekanntlich entscheidet unser Gehirn praktisch in 150 Millisekunden darüber, ob ein Gegenüber für uns interessant ist oder eben nicht. Was dann folgt, ist ein festgelegtes Ritual. Bei einer positiven Botschaft des Gehirns sehen wir den Menschen an, und erfassen in mehr oder weniger fest bestimmter Reihenfolge ganz bestimmte Merkmale, über die ich zuvor schon ausführlich berichtete:

· alt oder jung
· weiblich oder männlich
· gesund oder krank
· klein oder groß
· …

Auch diese Einschätzungen treffen wir in viel weniger als einer Sekunde. Anschließend wandern unsere Augen bei der Betrachtung unseres Gegenübers erneut auf ausgetretenen Pfaden: als erstes schauen wir in das Gesicht, über das mehr als 90 Prozent unserer Kommunikation abläuft. Des weiteren sehen wir auf die Statur des Menschen im Gesamten, bevor wir auf die einzelnen, primären oder sekundären sexuellen Merkmale achten, die da wären:

· Haare
· Lippen
· Hintern
· Busen
· Schultern
· Beine
· Becken
· Oberarme
· …

Diese Handlung, die schon viel mehr unserem Bewusstsein entspringt, als irgendwelchen Automatismen, kann mehr Zeit in Anspruch nehmen. Wir bewegen uns in Zeiträumen von knapp unter einer Sekunde bishin zu sehr wenigen Sekunden.

Nun komme ich zum Kern dieses Artikels. Innerhalb dieses Ablaufs, der Betrachtung unseres Gegenübers, treffen wir sehr früh, nämlich während der Wahrnehmung des Gesichts, auf die Augen des Menschen. Diese sind, vielfach beschrieben als das Tor zur Seele, das aussagekräftigste Element im Gesicht des anderen. Wir haben im Laufe der Evolution gelernt, die Sprache der Blicke zu verstehen. Wir sind noch immer dabei, diese zu erlernen. Menschen suchen förmlich den Blickkontakt, um zu erfahren, wer mir da entgegen kommt, ob Freund oder Feind . Vielfach wissenschaftlich untersucht, erkennen wir relativ schnell an bestimmten Aktionen unserer Blicke, was gemeint sein könnte. Eine der ersten Erkenntnisse entscheidet über die Frage, ob ich gemeint bin, oder ob die Person mich gar nicht wahrgenommen hat. Diese Feststellung wird uns gleich noch näher beschäftigen.

Aber erst zu den weiteren Aussagen, die wir anhand des Augenkontaktes treffen können. Wie ist der Verlauf des Blickkontaktes? Schlägt der Partner die Augen nieder, und welche Aussage bedeutet es? Ist er traurig oder ist ihm etwas unangenehm? Senkt oder hebt er die Augenbrauen? Ist er missgestimmt oder greift er mich an? Weiten sich seine Augen, ist er überrascht, mich zu sehen oder verblüfft über meine Handlung? Lächeln seine Augen, und ist er erfreut mich zu sehen oder erfreut ihn meine Aktion, vielleicht wird ein Lächeln erwidert.
So sind es eine Vielzahl von Reizen, die wir durch unsere Augen verarbeiten, die als erster Schritt der Kommunikation zwischen zwei Menschen stattfindet.

Im Bezug auf die Attraktivität ergaben sich im Hinblick auf genau diese erste Kommunikation interessante Ergebnisse, als Wissenschaftler untersuchten, in wie weit ein Zusammenhang besteht zwischen primärer, nonverbaler Kommunikation und Aussehen. Anhand Versuchen, bei denen Probanden attraktive und weniger attraktive Gesichter vorgelegt wurden, die entweder die Probanden direkt ansahen oder die diese nicht ansahen, konnte unter Zuhilfenahme von Kernspinntomographen erwiesen werden, dass Gesichter, bei denen eine Kontaktaufnahme durch Blicke stattfand, eindeutig größere Attraktivitätswerte ermittelt wurden. Das konnte solange festgestellt werden, bis die Attraktivität der Betrachteten unter einen mittleren Wert sank. Danach wurde festgestellt, dass die Probanden sozusagen froh schienen, nicht von den unterdurchschnittlich aussehenden Menschen bemerkt worden zu sein. Diesen letzten Punkt näher zu untersuchen wäre eine interessante Aufgabe der Attraktivitätsforschung. Bestimmte Bereiche in unserem Kortex machten wahre Freudensprünge, wenn attraktive Gesichter Notiz vom Beobachter nahmen, so die Forscher.

Als Fazit möchte ich festhalten:
Die Aussage, dass eine Person, die attraktiv ist, also um ein unendliches attraktiver wird, wenn sie den Betrachter wahrnimmt, halte ich für ein äußerst spannendes Ergebnis. Der Leser mag sich selbst fragen, welche Gefühle in ihm entstehen, wenn er oder sie von einem attraktiven Menschen wahrgenommen wird, und ein kurzer Blickkontakt zustande kommt. Ich spreche dabei noch nicht mal von einem Sekundenflirt, ich denke mehr an die vielen Unternehmungen, die viele von uns anstrengen, um attraktiver, und damit mehr beachtet zu werden. Vielleicht kann dieser aufmerksame Blick eine Art der Bestätigung unserer selbst werden. Damit sollte ein weiterer plausibler Grund geliefert sein, viel öfter den Menschen ein wahrnehmbares Lächeln zu schenken. Denn schon mit diesem geringen Aufwand können wir Freude und Wärme schenken.

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Der Sehende ist der Schuldige! (70)

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Wer sagt denn, dass Du schön bist?
Warum sagt es der Mensch?

Ich denke darüber nach, welche Rolle der Absender einer Schönheitsbekundung spielt und welche die Beweggründe sind. Plakativ gesagt drückt es sich folgendermaßen aus:

¤ Ich finde dich schön, weil ich mich mit dir fortpflanzen will!

¤ Ich finde dich schön, weil ich mit dir meine Begierde ausleben möchte.

¤ Ich finde dich schön, weil ich gerne schöne Menschen ansehe.

¤ Ich finde Dich schön, weil ich so etwas wie dich gerne besitzen würde.

¤ Ich finde dich schön, weil mich etwas an dir bezaubert.

¤ Ich finde dich schön, weil ich dich berühren möchte.

¤ Ich finde dich schön, weil ich dich fotografieren möchte.

¤ Ich finde dich schön, weil ich auch so sein möchte.

Und Du? Warum sagst du es? Wer spricht da?

☆ Sagt es eine Person in jungen Jahren, die das Leben noch vor sich hat, vielleicht eine Familie gründen wird und auf der Suche nach einem Partner ist?

☆ Sagt es eine Person in mittlerem Alter, die längst die Familiengründung hinter sich gelassen, der das schöne Aussehen bewusst wird und dieses einfach kund tut?

☆ Sagt es eine Person höheren Alters, der die jugendliche Unbeschwertheit gepaart mit dem bezaubernden Anmut der erblickten Person ins Auge fällt und die diese gerne teilen möchte?

Dazwischen existieren noch vielfache Abstufungen, welche die Beweggründe der Menschen in Bezug zu ihrem Alter differenziert wiedergeben. Attraktivität wird durch den Betrachter attestiert, sie ist nicht per se vorhanden. Ohne Bühne keine Schauspieler. Stellt der eine Betrachter diese Attraktivität bei einem Menschen aus seiner jugendlichen „Sturm und Drang-Zeit“ heraus fest, kann bereits der Nebenstehende rein in schwelgender Erinnerung aus eben jener Zeit zu ähnlichen Gefühlen kommen. Welche Rolle spielt der GRUND für Dich?

Tendieren wir beim Lesen dieser Sätze innerlich zu einer Bewertung? Anerkennt der eine Mensch die Attraktivität begründeter, als es der andere tut? Belegt unsere Gemeinschaft die einen Gründe mit einem Hauch von Niedertracht und stellt die anderen im Glanze ihres Lichts als gottgegeben, wenn nicht edel dar? Wie dem auch sei, über die Heuchelei der ehrenwerten Herren und Damen aber habe ich zuvor ein Wort geschrieben.

So komme ich am Ende zur Erkenntnis, dass es nicht die eine Attraktivität geben kann. Mannigfaltige Facetten führen zu einer ganzen Reihe von Schönheiten, die durch ihre jeweiligen Betrachter, genannt „das Publikum“, erst erschaffen wurden, weil sie dann überhaupt erst wahrgenommen wurden. Deren Bedeutung beruht trotz des Allgemeinverständnisses auf gänzlich unterschiedlichen Grundfesten, die da wä(h)ren:

Bewunderung
Habgier
Bewunderung
Arterhaltung
Neid
Macht
Geltungsbedürfnis
Trieb
Dokumentation
Gier
Gefallen
Liebe
Anerkennung

Darum stellen wir Schönheit fest. Sicher finden sich noch viele Gründe mehr, und die Bewertung derer belasse ich natürlich gern dem Leser.

Die Gesellschaft, in der wir leben, definiert ihren eigenen Standort, wenn es um die ethische Wertung von Schönheit allgemein und die moralischen Beweggründe für die Wahrnehmung der Schönheit durch den jeweiligen Betrachter geht. Sich diesen unter zu ordnen oder seine eigene Sicht der Dinge zu entwickeln, darauf kommt es an. Einen Freigeist im inneren voraus gesetzt werden die Zweifel unabdingbar, denn dieses Infragestellen bildet das Fundament zur kritischen Auseinandersetzung mit dem Leben.

Warum? halte ich für die wichtigste Frage des denkenden Menschen. Geistige Einschränkung, die Unterdrückung freier Betrachtung des Sinngehaltes unserer Lebenssituation, ob durch exzessive Mediennutzung oder einem Konsumgüter – Überangebot mit penetranter Schaffung von künstlicher Nachfrage, wie auch einfache Beschränkungen durch Restriktiven im alltäglichen Leben gilt es wiederholt zu prüfen.

Bilden wir uns eine eigene Meinung. Eine Meinung über die Schönheit und vor allem den Umgang mit Schönheit. Die Schönheit von Augen, Gesichtern, Haaren, Figuren, und Hintern, von Lächeln, von Stimmen, von Ausdruck und Gefühlen.

Und an die Fotobegeisterten: Fotografiere sie, wann immer Du sie erblicken kannst. TUE ES.

Die Vergänglichkeit der Jeans ( 57 )

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Fotografie als Zeitvertreib, von Motiven, die sich im Laufe der Zeit aufreiben. Vergängliche Lebenszeit für vergängliche Motive. Was bleibt ist das Nichts. Weder Motiv bleibt noch Betrachter. Und dennoch: für die Zeit der Wahrnehmung bleibt die Erinnerung auf Zelluloid oder Bits und Bytes, Papier oder Alu-Dibond als geistige Krücke für vergessliche Geister. Wunderbar.

Sinn und Zweck unseres Daseins scheint vordergründig die Arterhaltung der Gattung Mensch zu sein. Läuft alles darauf hinaus, könnte man meinen. Schon immer hat mich die Frage nach dem „Warum?“ nicht nur beschäftigt, sie hat mich viele Minuten meiner Stunden, Stunden meiner Tage, Tage meiner Jahre gekostet. Dramatisch ausgedrückt hat mich diese Frage einen Teil meines Lebens so sehr beschäftigt, dass ich in dieser Zeit fast abgemeldet von der Realität nicht am regelmäßigen Leben teilnahm.

„Warum wurden diese Worte gesagt, jene Tat vollbracht oder manche Dinge unterlassen? Geschah dies aus freiem Willen? Ereignete es sich unter vollem Bewusstsein oder war Gedankenlosigkeit im Spiel, gar Absichtslosigkeit?“, so lauteten die Fragen in mir, die ich stets versuchte zu lösen. Zu lösen oftmals im Kreise meiner Freundinnen und Freunde, mehr aber noch in diffusen Gedanken, scharfen Thesen und noch schärferen Antithesen, ausgedrückt in Texten, die ich vornehmlich mit Hand verfasste. Mann dachte nach, bevor der Text zu Papier gebracht wurde. Das war schon im 5. Schuljahr so, und sollte bis heute bleiben. Nur die Handschrift ist dem Tippen gewi(s)chen.

So gibt es im Leben des denkenden, fühlenden Menschen mehr als die pure Arterhaltung. Folglich stellt sich die Frage, was den Mehrwert in unserem Leben ausmacht? Welchen Stellenwert nimmt beispielsweise die Beschäftigung mit dem Hobby Fotografie allgemein und die Ablichtung schöner Vergänglichkeit im Besonderen ein? Bezogen aufs Besondere frage ich weiter: Halte ich verzweifelt fest, was unabdingbar dem Wandel und letztlich sogar dem Untergang geweiht ist?
Da du nur eine begrenzte Anzahl von Tagen hier auf diesem Sonnentrabanten verweilst, sich dies einer so zumindest ausgedacht hat, ist die Überlegung anzustellen, wie du die Tage verbringen möchtest. „Jede Zeit hat ihre Dinge!“ So heißt es irgendwo.

Ich persönlich widme mich in meiner Freizeit unter anderem der Fotografie der schönen Vergänglichkeiten. Bei genauerer Betrachtung ist natürlich jedes Phänomen vergänglich, allein bei der Halbwertszeit finden sich Unterschiede. So, wie eine Blüte und ein Baum vergänglich ist, so ist es unser Körper ebenso. Allein die Geschwindigkeit der Veränderungen ist (nicht nur) von außen betrachtet unterschiedlich. Unter den Wesen dieser Erde denken wir uns die verschiedensten Zeitspannen. Schneller dahin geht unsere eigene Anmut im Auge der Schildkröte, wie unendlich langsam in den Augen des Schmetterlings. Diese Kreaturen wissen vermutlich nichts davon. Wir selbst hingegen besitzen dieses vermeintliche Wissen darüber, doch erleben uns letztlich nur durch unsere höchst subjektive Wahrnehmung.

Neben vielfältigsten weiteren Inhalten meines Daseins beansprucht das Hobby Fotografie für mich (inklusive einem Anspruch einer -irgendwie gearteten- Selbstverwirklichung) einen relativ weiten Raum. Das führt bisweilen dazu, dass andere Elemente des Lebens kürzer treten. In wie weit das zu bewerten ist, kann jeder mit seinen „Mitmenschen“ beschließen.

Nebenbei: Genauso viel Zeit beansprucht diese momentan ausgeführte Teilnahme an unserer Blogcommunity. Lesen und schreiben wir nicht eine Menge unserer Zeit hier? Besser als Television? Vermutlich!

Verfahren wir also in unserem Dasein allesamt mehr oder weniger gleich auf der Leiter der Evolution? Halte ich mich einmal nicht mit solchen Kleinigkeiten und Haarspaltereien wie unterschiedlichen Motiven auf, so ist für mich die Fotografie die spannende Dokumentation des Menschlichen und ja, auch hin und wieder des menschlich Möglichen. Dabei ist ganz wichtig, dass Absender und Adressat gleichermaßen gewichtet sind. Ich gehe sogar noch einen Schritt weiter und behaupte, die Fotografie ist ausschließlich Dokumentation des menschlich Möglichen. Schließlich kann jeder Mensch, wenn sich ihm die Möglichkeit bietet, und er die technischen Voraussetzungen hat, alles, was ihm vor Augen schwebt, sehen, dabei ablichten und letztlich öffentlich machen. Selbst Ideen und Phantasien kann er „fotografieren“, wenn er die Kunst des „GIMPENS“ beherrscht.

Eine Bewertung dessen kann hier nicht erfolgen, denn es wäre nur ein Abklatsch der gesellschaftlichen Konventionen, gepaart mit persönlichen Präferenzen und gesetzlichen Vorgaben.

Wie bei anderen Sujets, so auch bei der Fotografie, dieser einen Variation der vielen menschlichen Betätigungsfelder, finden sich unendliche Facetten der stets subjektiven Darstellung von Lebensinhalten. Scheinbar befreit bleibt diese Richtung der Kunst von jedem Diktat der Arterhaltung. Die nach der Ausübung allzeit notwendige Kommunizierung der Ergebnisse, die für fast alle Hobbys der Menschheit fundamentaler Bestandteil ist, erfolgt über einfache mediale Wege, die niemals so leicht zu beschreiten waren, wie heute im Netz.

Was du auch tust, wenn du einem Sinn auf der Spur bist, es wird immerzu ein Teil deiner Aufgabe sein, die du dir selbst auferlegst, deren Ziel dir dabei jedoch nicht immer vor Augen liegt. Du verwendest dazu dein Leben und sogar einen Teil des Lebens deiner Mitmenschen. Die Schleife dazu finde ich genau in der Form der Kommunikation der Ergebnisse, die letztendlich dem Wunsch nach Gemeinsamkeit, Anerkennung und Sozialisation Rechnung trägt. Der Mensch, ein sozialer Egoist.

Fortsetzung der Schönheiten (54)

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   In der öffentlichen Diskussion um das Thema Schönheit, welches sich direkt in Verbindung zu seinen Hauptkriterien „glatte Haut“ und „Schlankheit“ manifestiert, finden sich immer wieder die gleichen Begründungen, mit denen der Versuch einer Rechtfertigung für das Streben der Menschen nach ihr dargelegt werden.

   Die Menschen sehen die Gesellschaft in der Verantwortung Abhilfe dafür zu schaffen, dass alles nur noch nach Schönheit strebt,  den Jüngern der Schönheitsindustrie, ihrer Leid (enschaft) einen Fluchtweg zu offenbaren.

   Wo liegt, so frage ich, die Ursache des Schönheitskultes, besonders bei der Frau, aber auch zunehmend beim Mann. Wenn die Befragten von den eigenen Gründen für ihre Wünsche nach besserem Aussehen sprechen, so kommt sehr häufig die Gesellschaft zur Sprache, in gleichem Atemzug der eigene Stellenwert in der Gesellschaft, in der das Streben nach Schönheit immer und überall gelebt und vorgelebt wird. Menschen glauben, mit einem höherem Maße an Schönheit mehr Einfluss,  Macht, Beliebtheit und Anerkennung zu gewinnen.

   Ihnen wird, so der Tenor, diese Prämisse für Erfolg in allen gesellschaftlichen Beziehungen vorgelebt. Alle Welt spricht über die Schönheit der Frau, die so schlank für ihr Alter ist. Mit enormer Bewunderung wird dies ebenso betont, wie die Höchstleistung eines Spitzensportlers. Ob das Gespräch mit der Nachbarin oder beim abendlichen Treffen im VHS-Kurs, noch mehr beim wöchentlichen Besuch im Fitnesscenter, wie beim Abendessen mit Freunden kommt immer das gleiche Kompliment über die Lippen des Gesprächspartners der Frau:“Du siehst ja gut aus!“ Beständig sieht man Talkshows mit dem Thema „Gewichtsproblem“ der westlichen Menschenkinder, deren Gewicht dank Überangebot und ständiger Verfügbarkeit maßlos überzuckerter Brausegetränke und Fertiggerichte in Schnellrestaurants ins adipöse zu rutschen droht. Unter dem Deckmantel der Gesundheitsvorsorge wird dem Schönheitswahn dergestalt Rechnung getragen , als die einzig wahre Vorbeugung zur Gesundheit das Abnehmen gepredigt wird. Schlank = gesund = SCHÖN!

   Wie dem auch sei, bei der Beleuchtung der Ist-Situation habe ich noch nicht die Frage nach der Ursache all dessen beantwortet. Wo wird dieses Verständnis geboren, wo werden alle Menschen der Gesellschaft mit dieser Lebensweisheit des „Hübschseins“ zum ersten Male konfrontiert? Wahrscheinlich findet dies sehr früh bei uns allen in der Kindheit statt. Von klein an werden die Kinder sehr unterschiedlich an das Thema Aussehen herangeführt. Immer noch, wie vor über 100 Jahren, wird dem Mädchen wiederholt Komplimente über sein Aussehen gemacht, die Niedlichkeit des Gesichts und der Augen, wie dem Anmut der Bewegungen in dem neuen weißen Kleidchen. Der Junge hört diese Bekundungen, wenn überhaupt, sehr viel weniger. Bei ihm sind es die Stärke und das Wissen, die Schnelligkeit und die Geschicklichkeit des Buben, mit der er den Parcours mit dem Fahrrad durchfuhr.

   Liegt darin die erste Ursache für unser Dilemma, in dem wir uns befinden? Setzen wir uns mit dem Thema Aussehen so auseinander, weil es uns derart mit auf den Lebensweg gegeben wurde? Immer wieder werden die gleichen Verhaltensweisen vorgelebt, werden den Kindern von jeder neuen Generation Eltern das selbe, fundamentale Verständnis weitergegeben, das schon sie  selbst erfuhren. Wie prägend diese Kindheitserfahrungen sein können, haben schon viele Wissenschaftler evaluiert. Zumal es nicht nur die Eltern des Kindes hervorrufen, vielmehr ist es eine ganze Armada von Bezugspersonen, die ihrerseits unter den gleichen Vorzeichen groß wurden. Die Tante, der Onkel, die Kindergärtnerin, der Lehrer, die Oma, sie alle in vielfacher Ausführung leben es vor. Wann lernen junge Menschen am besten und meisten? Nicht durch Vorsagen oder beibringen, sondern durch Vorleben. Folglich findet hier eine sehr starke Prägung statt. Kinder und Jugendliche identifizieren sich mit Vorbildern und Idolen, diese sind zunächst die Eltern, vielleicht noch Geschwister, bis es dazu kommt, Vorbilder aus der Welt der Medien zu entdecken. Ob Musiker, Schauspieler oder „Stars“ der Social-Media-Szene, Stichwort YouTube oder Blogger. Kann es durchaus eine Begründung für dieses Verständnis von Schönheit sein? Ich vermute es.

   Wenn ich von der daraus folgenden Voraussetzung ausgehend die gesellschaftlichen Beziehungen zwischen den Menschen sehe, und der untereinander verflochtenen sozialen Abhängigkeit Rechnung trage, so entsteht zwangsläufig dieser allgemeine Konsens über ein Ideal von Schönheit. Wir können vermeintlich gar nicht anders. Würden  wir uns mit dieser Materie tatsächlich auseinander setzen, so kämen wir vermutlich auf ein differenzierters Verständnis. Doch es gibt im Leben sicher andere, entscheidend wichtigere Dinge, mit denen der Mensch sich auseiander setzen muss. Dies behauptet die Mehrheit der Menschen. Sieht man aber, wie viel Lebensenergie wir alle in die Gestaltung und Verbesserung unserer Optik fließen lassen, so ist dies scharf zu überdenken, bin ich überzeugt. Hier wäre vermutlich wieder einmal die Erziehung der jungen Menschen zu bereichern, vielleicht dahin gehend, dass ein Schulfach Ethik in Verbindung mit dem Thema Gemeinschaft und miteinander leben einen richtigen Ansatz darstellt.

  Aufklärung ist in meinen Augen noch immer der nachhaltigste Weg, um eine differenzierte Betrachtung zu ermöglichen. Die Frage, ob denn die Erkenntnis zu einem veränderten Umgang mit dem Thema Schönheit zur Folge haben würde, wäre dann obsolet. Wenn wir Bürger von den Zusammenhängen Kenntnis hätten, die uns zu einer immer größeren Schönheit verleiten, so würden wir wahrscheinlich gelassener damit umgehen. Führte diese Gelassenheit als Folge dieser Bewusstseinsveränderung nicht automatisch zu einer zunehmenden Verminderung der allgemeinen Leistungsbereitschaft? Wenn du nicht mehr in bisherigem Maße nach Schönheit strebst, wonach strebst du dann? Diese Frage kann sich jeder einmal stellen, der sich alltäglich um sein Äußeres bemüht. Bedeutet es, wenn plötzlich nur noch ungeschminkte Menschen durch die Städte laufen, es auch nur noch unförmig aufgedunsene, ungepflegte, unsaubere Personen sind, die das Bild unserer Landschaften prägen? Oder reduziert sich danach der Aufwand um visuelle Begehrlichkeiten auf ein (gesundes) Maß an natürlicher körperlicher Fitness?  Ich sehe, wie schon häufig gesagt, gerne -in meinen Augen- schöne Menschen an. Allein die Tatsache, dass das, was jeder Mensch als schön erachtet, könnte vielleicht individueller geprägt sein.

   Einem Ausflug in das Thema Evolution soll einer der nächsten Beiträge gewidmet sein. Spannend dazu die These: Warum die Schlankheit evolutionsbiologisch „richtig“ sein könnte.