Von der Tiefe [Intermezzo] [39]

Ich beschäftige mich. Ein Leben lang. Mit den unterschiedlichsten Dingen. [Lass‘ mich das alles zunächst „Dinge“ nennen.]

Manche Dinge begegnen mir früher, andere später. Mit manchen beschäftige ich mich aus freien Stücken, mit manchen nur, um zu überleben. Manche Dinge lasse ich gerne in mein Leben, andere nicht so gerne. Manche davon verweilen eine längere Zeit bei mir, wieder andere nur sehr kurzfristig, einige dieser Dinge aber scheinen mich ein Leben lang zu begleiten. Von gänzlich anderen Dingen höre ich, aber sie scheinen sich mir zu entziehen. Wiederum andere entspringen meiner Vorstellung und ich darf glücklich darüber sein, dass sie nicht teilhaben an meinem Leben.

Wie gehe ich mit all diesen Dingen um? Mein Gefühl ist oft diffus. Der Verstand vielleicht nicht, aber sind wir mal ehrlich: was schon entscheiden wir tatsächlich mit dem Verstand? Wenn dem so wäre, die Wirtschaft bräche sang- und klanglos zusammen. Bildlich ausgedrückt sieht es so aus, als ob ich vieles nur peripher wahrnehmen kann, dass heißt, ich sehe Verschiedenes, auch über einen längeren Zeitraum hinweg, aber ich überfliege es nur, wie der Adler über den Wäldern fliegt, über die Bäume hinweg gleitet, unendlich Kreise um sie zieht, niemals aber auf ihnen landet, geschweige denn von ihren Früchten oder gar Wurzeln nur eine Ahnung erfährt.

Ich sehe Dinge, kann über sie sprechen, weiß, dass sie existieren. Es scheint mir, als könne ich mir ausmalen, wie sie sind, aber nähere mich ihnen nicht wirklich. So, als fasste ich ein Stück Holz an, vielleicht ein Werkzeug, ohne es gebrauchen zu können, obwohl ich genau weiß, wozu es dient, weiß, was damit erschaffen werden könnte. Es ist, als greife ich mit Händen in einen Nebel, um ihm habhaft zu werden.

Manche Dinge berühre ich, ohne sie wirklich zu begreifen. Manche Gedanken denke ich ohne sie wirklich zu begreifen. Von manchen Dingen scheine ich zu wissen ohne eine wirkliche Vorstellung davon zu haben. Tatsächlich berühre ich Dinge ohne sie wirklich zu fassen. In einem Moment sind sie präsent, im nächsten Augenblick scheinbar niemals dagewesen.

In der Meditation kann ich gut aus dem mir eigenen Körper treten, es gelingt mir leicht. Vielleicht, weil ich es seit frühester Jugend praktiziere. Immer öfter aber scheinen mir Dinge, die ich klar vor mir sehe, zu entgleiten, während sie noch da sind. Sie scheinen sich zu entmaterialisieren, während ich sie noch betrachte, wahrnehme, nutze, fühle.

Auch mit Gedanken, Gefühlen, Begegnungen geschieht es immer wieder. Unwirklich beschreibt es, was nachher bleibt. Zwischen Traum und Wirklichkeit verschwimmen die Erinnerungen, Grenzen lösen sich auf. Mit aller Macht stemme ich mich gegen diesen Zustand, meist gelingt es, aber ich nehme die Transzendierung deutlich wahr. Auch die tatsächliche Präsenz anderer Menschen empfinde ich in dem Grad, wie sie mir entgegen treten. Da oder nicht da, als ein Spiegelbild meiner eigenen Präsenz?

Wie kann ein Mensch mit mir in Kontakt treten, wenn nur der Körper da zu sein scheint? So frage ich hin und wieder, wenn ich bemerke, dass es in aller Oberflächlichkeit um Belange der Banalität geht, die als notwendiges Übel in unserem Leben uns beschränken. Aber auch diese Dinge sind vorhanden, machen uns als Menschen aus, lassen uns als Wesen wirken. Wir können dabei eine Wirkung nur dann erreichen, wenn wir verändern und gestalten. Kraft unseres Körpers erreichen wir eine Entwicklung der Seele, denn mit ihm denken, fühlen und vor allem handeln wir. Wir bewegen Dinge, indem wir ihren Zustand verändern, ihre Lage verändern oder ihre Existenz in Energie verwandeln. Vielleicht schaffen wir irgendwann den umgekehrten Weg, nämlich aus Energie etwas Materielles zu transferieren.

Wahrhaftigkeit ist ein kostbares Gut bei uns Menschen, und wie mir scheint, ein rares. Was passiert mit uns Menschen, dass es immer weiter zu weichen scheint, Platz macht für den Spaß, das Vergnügen, den Konsum in der vielerorts zunehmenden Wohlstandsgesellschaft der Erde, wo die Gier alle Kreativität und Mitmenschlichkeit ersetzt?

Von der Philosophie der Fotografie [37]

Gibt es eine Philosophie der Fotografie? Natürlich, mag man ausrufen! Wenn es eine Philosophie für das Leben gibt und die Fotografie zum Leben zählt, dann wäre es nur folgerichtig.

Wenn du für dein Leben und in Beziehung zur Gesamtheit der Menschen eine eigene Philosophie etabliert hast, so kannst du diese Philosophie sicher auf die Fotografie als einem Teil deines Lebens, so du dich mit ihr beschäftigst, determinieren.

Jenen Teil deines Lebens, den du -auf welcher Ebene und Seite auch immer- in die künstlerische Fotografie investierst, in die Erschaffung von Bildern, vielleicht auf der Suche nach dem einen Bild bist oder dabei bist, dein Werk zu vollbringen, diesem Teil gebührt über die pure Aufmerksamkeit hinaus die Beschäftigung mit dem Sinn dahinter, vielleicht dem Sinn, einen eigenen Weg zu beschreiten, auf dem du das auszudrücken vermagst, was du gerne verkünden möchtest, was in dir ist und dem du eine Gestalt geben kannst, nämlich in Form der künstlerischen fotografischen Aufnahme als ein Teil dessen, was von dir bleibt.

Vom Ausdruck im Portrait [36]

Ein fotografisches Portrait. Der Blick auf dem Bild sagt etwas aus. Deine Augen suchen im Blick auf diesem Bild vielleicht etwas. Einmal suchst du Informationen, ein anderes Mal kommunizierst du mit anderen oder zum letzten erfasst dein Blick etwas. Auf dem Portrait wäre die Kommunikation recht einseitig, vermutlich!

Betrachte ich ein Portrait eines Menschen, auf dem der Blick des Portraitierten in die Kamera gerichtet ist, so begegne ich dem Blick, nehme ihn wahr. Der Blick auf dem Bildnis erzeugt in nur Bruchteilen von Sekunden eine Stimmung in mir, fast immer. Was kann dieser Blick aussagen? Unendlich viele Stimmungen sind es, die er transportieren vermag. Er kann mich führen, anleiten, in eine ganz bestimmte Gefühlslage zu kommen. Zustimmung oder Ablehnung, positive und negative Reaktionen, Interesse oder Desinteresse werden erzeugt. Wieder sind bei der Erstellung eines Portraits die drei Seiten der Kreativität beteiligt, nämlich der Portraitierte, der Fotografierende und der Betrachtende.

Wie gehe ich selbst, als einer der Beteiligten, nämlich als der Fotografierende, an die Erstellung eines Portrait-Projektes heran? Als einen Teil aus der kreativen Idee heraus kann ich mehr oder weniger Raum im Geschehen einnehmen. Ich kann mich zurück halten oder deutlich und oft intervenieren. Ich kann, wie es Richard Avedon in Shootings machte, über eine Stunde lang in einem absoluten Schweigen verbringen, während dieser Stunde die Kamera auf einem Stativ fernausgelöst steuern und immer wieder eine Aufnahme des Portraitierten machen. Kommunikation findet dabei ausschließlich über gelegentliche Blicke statt. Jede noch so kleine Veränderung sehe ich dabei, löse aus und dokumentiere. Kein Mensch konnte und kann während dieser Stunde durchgehend eine Maske aufrecht erhalten, wieder und wieder fällt sie für Augenblicke nieder. Das können die Momente sein, in welchen ein Portrait ungemein an Authentizität gewinnt. Die Ersteller würden sich natürlich beide darauf einlassen.

Oder rege ich als Fotografierender gezielt Stimmungen an, erzeuge durch Geschichten und Erzählungen Gefühle, provoziere durch eigene Mimik beim Gegenüber ähnliche oder konträre Regungen, um diese in die Bildaussage zu transportieren? Was will das Portrait? Worin liegt der Sinn und Zweck der Aufnahme, welche Idee steckt dahinter und möchte kommuniziert werden?

Bei weitem bin ich in meinen Fotografien noch nicht so weit, dass ich es explizit darstellen kann, auch nach 30 Jahren nicht. Vielleicht soll diese Suche auch der Ansporn sein, der Weg, sich seiner eigenen Veränderung der Identität immer wieder zu nähern. Wie lange es geht? Solange die Kreativität lebt und Sehnsucht nach der Verwirklichung, dem Ausdruck eines Lebensgefühls in einer beliebigen Form der Kunst existiert und etwas erschaffen werden möchte, das diesem in irgendeiner Form Ausdruck verleihen kann.

Von Konsum, Produktivität und Bildern [35]

Ich sitze oder stehe da und schaue mir Bilder an. Es sind Bilder, die ich über ein Medium betrachte. Mal handelt es sich bei diesem Medium um ein Buch, dann ist es ein Handy, öfter mal eine Zeitung, viel öfter noch der Monitor; oder ich besuche eine Ausstellung.

Ich schaue die Fotografien an, entscheide dabei, meist in sekundenschnelle, ob mich das Bild berührt oder nicht. Die meisten Bilder sehe ich zwar an, doch die Wahrnehmung ist stets eine differenzierte. Denn sehr viel mehr dieser Bilder werden durch diese meine Wahrnehmung unbewusst ausgeblendet. Zusätzlich beschränkt das Medium durch die ihm eigene Art und Weise der Darstellung diese Wahrnehmung.

Je nach Art der Darstellung haben die Bilder, und mögen sie von noch so hoher Qualität sein, eine stark vom Medium abhängige Wirkung. Dabei spielen Fülle, Größe und Anzeige- beziehungsweise Ansichtsdauer eine in diesem Moment medienabhängige Rolle: Sind es viele Bilder, gehen die einzelnen unter, sind sie klein, werden sie wahrscheinlich in ihrer Aussage beschränkt, werden sie nur kurz angezeigt, haben sie kaum die Chance, eine Aussage zu vermitteln.

Kombiniere ich nun diese Voraussetzungen, ergibt sich eine noch differenziertere Situation: in extremo: viele kleine Bilder werden schnell durchgescrollt! Was, so frage ich mich, kann dabei die Aufmerksamkeit erregen? Immer geübter werden unsere Blicke, filtern in Sekundenschnelle die für uns interessanten Aufnahmen heraus, betrachten sie für einen Moment lang etwas aufmerksamer. Durch die Fülle der präsentierten Lichtbilder bleibt dem medienaffinen Wesen kaum eine andere Herangehensweise, könnte man meinen.

Wird ein Bild in einer Ausstellung gezeigt, so findet es, durch die Verweildauer des Besuchers in der Ausstellung gemeinhin, eine wesentlich höhere Aufmerksamkeit. Davon ausgänglich kann die Bildaussage deutlich stärker kommuniziert werden und auch im Nachgang behält das Bild eine stärkere Bedeutung. Sicher wurde eine gewisse Güte eines Werkes durch die Vorauswahl implementiert, denn allein der Fakt der Anwesenheit in einer Ausstellung oder Galerie impliziert eine besondere Wertigkeit. Ob sie es tatsächlich innehat, steht auf einem anderen Blatt.

In abgeschwächter Form folgt die oben getroffene Aussage ebenso dem Printmedium. Zeitung, Zeitschrift oder Buch, Poster oder Druck im öffentlichen Handel kommt einer solchen Qualitätsaussage nahe, auch, wenn es sich in unserer Gesellschaft mehr um eine durch ökonomische Richtlinien bestimmte Intentionen handelt, als dieser Tatsache einen künstlerischen Gesichtspunkt unterstellen zu können.

Was bleibt, sind die digitalen Medien. Trotz der Tatsache, dass sie allenthalben genutzt werden, ihnen eine schier unendliche Reichweite beschieden werden könnte und ihre Verfügbarkeit -insofern ein Netz vorhanden ist- stets gewährleistet zu sein scheint, ahnen wir, dass Wolken entstehen können, sich jedoch genauso gut sehr schnell wieder auflösen können. Wenige Services bereichern die Kreativität der Nutzer. Da, wo ein Kontakt zwischen Schaffenskraft und Kreativen, zwischen Künstlern und Liebhabern, zwischen Neugierigen und Mutigen, sowie ernsthaft Interessierten und authentischen Menschen entsteht, da ist ein Prozess jenseits von Konsum, Gier, Geltungssucht und Überfluss möglich.

Manche digitale Plattform hat das Zeug dazu, die Kreativität der Nutzer zu fördern, ein Stück weit den Konsum zurück zu führen, und die Menschen wieder näher zusammen zu bringen um dem Sein größeren Raum zu geben, eine Möglichkeit zu bieten, zu produzieren, zu erschaffen, anstatt immer weiter zu konsumieren.

Ob eine Plattform dazu werden kann, entscheidet der Nutzer. Ist für Dich eine solche in Sicht? Siehst Du diesen Prozess in der Gesellschaft?

Natürliche Schönheit kommt von außen? ( 167 )

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Natürliche Schönheit als feste Größe zu betrachten fällt mir zurzeit schwer. Natürliche Schönheit als das zu erkennen fällt mir schwer. Vermischen sich doch die natürlich schön „Gemachten“ mit den natürlich Schönen.

Wo ist der Unterschied zwischen denen, welche natürlich schön sind und denen, die natürlich schön hergerichtet wurden? Dazu bedarf es für mich erst einmal eine Definition für natürliche Schönheit. Bemühe ich den Zeitgeist, der mir exakt vermittelt, was gerade „en vogue“ ist! Vorbei scheinen demnach in jedem Falle die Zeiten, zu denen eine „natürliche“ Form des menschlichen Körpers als schön gilt. Die Mehrheit der Menschen, gehe ich nach diesen idealen Maßen der Medien, ist definitiv nicht dürr genug. Betrachten wir jedoch die vergangenen Zeiten in ihrer Summe, so erkennen wir, dass wir nur in „einer“ Epoche leben, in der es so zu sein scheint. So ist im Mittel der Zeiten der Körper des Menschen dem Mittelmaß verschrieben. Natürlichkeit hat also, legt man das zu Grunde, sehr viel mit Mittelmäßigkeit zu tun! Oder?

Nur heutzutage sind wir dazu gekommen, den nicht zu dünnen und nicht zu dicken Körper als nicht mehr ganz normal zu betrachten. Wenn ich an dieser Stelle von „wir“ spreche, so meine ich die Gesellschaft als Ganzes. Denn im persönlichen Umfeld eines jeden scheint es weniger so zu sein, als durch die Öffentlichkeit suggeriert wird. Ist man nicht gerade Teil der Medien oder Modebranche, so sind die Menschen um einen herum in ihrer Mehrzahl weit genug entfernt von Modelmaßen.

Definiert sich natürliche Schönheit über die Erkenntnis, einen Menschen zu sehen, der bestimmte Attribute in sich vereint, die nicht künstlich hinzugefügt, oder bestimmte Attribute nicht zu besitzen, die nicht künstlich entfernt wurden? Wird das Empfinden von Schönheit eines Menschen geprägt durch äußere Einflüsse? In früheren Artikeln habe ich das soweit ausführlicher dargelegt. Inwieweit aber, so ergibt sich daraus für mich die Fragestellung, kommen wir mit der ursprünglichen Empfindung von Natürlichkeit darin überein, als etwas schön -oder weniger schön- zu erkennen und zu beschreiben? Gewiss, Menschen reagieren auf die Seele weitaus tiefer, als auf die Erscheinung, doch immer wieder wird der Mensch dazu angehalten, auf die Erscheinung einzuwirken und denen etwas abgeschrieben, die nicht diesem Bild der Übereinkunft entsprechen. Hinzu kommt das allseits proklamierte Manifest von der Wechselwirkung innerer Werte mit seinem Äußeren! So wird also per se ein latenter Druck auf unsere Eigenwahrnehmung ausgeübt.

Natürliche Schönheit besitzt für mich einen ganz bestimmten Reiz, der mich intuitiv berührt. Lange bevor ich darüber nachdenke, was mich gerade in besonderem Maße angesprochen hat, entstand schon die Empfindung darüber in mir. Einen deutlichen Unterschied zur „künstlichen“ Schönheit kann ich beschreiben aus eigener Erfahrung. Wenn auch die ersten Augenblicke zunächst identisch zu sein scheinen, so stellt sich doch schon einen kurzen Augenblick später diese Empfindung als ganz und gar nicht gleichwertig heraus. Während die natürliche Schönheit in mir eine Art harmonischer Schwingung erzeugt, so mischt sich in die „künstliche“ Schönheit im Laufe der nächsten Augenblicke eine Art Disharmonie mit ein. Ein Gefühl von : „Schön, ja, aber etwas ist hier nicht richtig…“ beschreibt diese Disharmonie etwas anschaulicher. In der schnelllebigen Medienwelt, bzw. Welt der auf uns hernieder prasselnden Bilderstürme, besonders in der „Volksdroge Fernsehen“, dem Zeitdieb Nummer 1, wird nicht mehr davon benötigt, es zählt der erste Augenblick, denn einen zweiten gibt es nicht. Wild wechselnde Perspektiven sind das Mittel der Wahl, der Zuseher und Hinseher wird mit blitzartigen Einstellungen in hohen Dosierungen versorgt. Geschwindigkeit ist Trumpf, Fastfood ist in, visualisieren und verarbeiten überflüssig. Daher auch inhaltlich leichte Kost, meistens. Schwerere hat es schwerer. 🙂

Zurück zum Thema. Wenn ein Schönheitschirurg wie Werner Mang in seinem lesenswerten Buch/Werbebroschüre „Verlogene Schönheit“ davon spricht, dass er, wie ich ihn verstanden habe, möglichst nur „natürlich wirkende“ Schönheitsoperationen durchführen möchte, so bezeichnet das für mich einen Widerspruch in sich selbst. Zur Erklärung dessen: Natürlich wirkende Manipulationen bleiben Manipulationen, da wird er mir sicher zustimmen, und mir ist auch klar, was er mit natürlich wirkender Manipulation meint, nämlich zu handeln in Richtung der Erhaltung bestimmter körperlicher Eigenschaften zur optischen Vortäuschung eines bestimmten körperlichen Alters. Jenseits jeglicher Wertung darüber liegt für mich mein eigentliches Bedenken in der Bedeutung des Aussehens in unserer Gesellschaft, und der fleißige Leser meines sehr persönlichen Blogs wird an meinen verfassten Artikeln eine Stetigkeit dieser Bedenken erkennen.

Finde ich damit nur natürliche Schönheit bei jungen Menschen? Beispiel: Als ich gestern in Koblenz an einem Geschäft der Modekette „Zara“ vorüber ging, befand sich auf der Rückseite eine Werbung, die ein Model abbildete, deren Alter ich auf maximal 13- 15 Jahre schätze. Ohne Zweifel ein schöner Mensch. Ebenmäßiges Gesicht mit Kindchenschema, bearbeitet mit Grafiksoftware, und dennoch jugendliche Schönheit par Excellance. Dieses als Beispiel für einen Trend, denn davon gehen Menschen aus, so oder ähnlich auszusehen, egal, ob mit 25, 35, 45, 55 oder älter.mies-vandenbergh-fotografie

Die Frage nach der natürlichen Schönheit ist noch nicht beantwortet, und ich stelle hier die Frage, ob eine Catherine Deneuve mit 60 noch schön sein kann? Oder ein Sean Connery heute? Oder Elfriede Schulze-Riemann mit 66 aus Berlin, mein Lieblingsmodel für Bilder der 50+ Generation? Wenn sie nicht mehr aussehen, wie mit 16? Gibt es natürliche Schönheit jenseits der 17 noch? Gab es sie jemals? Das frage sich jeder selbst und es werden wohl Antworten gefunden werden, oder?

 

 

Sturmfluten der Schönheit (154)

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Mies Vandenbergh Fotografie

Die Übersättigung an Schönheit in den allgegenwärtigen Medien könnte die Hinsehenden vielleicht stärker beeinflussen, als wir glauben.

Während der Lektüre eines Spiegel-Artikels über den Konsum von pornografischen und erotischem Bildmaterial im Internet durch Jugendliche und die Auswirkungen auf sie stellte ich die Überlegung an, in wie weit sich die Erkenntnisse auf die Zielgruppe der Erwachsenen übertragen lässt, die mit schönen Körpern und Gesichtern in allen Medien überflutet werden.

Ohne eine Zensur, ohne jegliche Qualitätskontrolle (wer will sich anmaßen festzustellen, was schön ist oder nicht) werden zigfach Bilder ins Internet gestellt, die den User regelrecht überfluten. Schönheit, oder solche, die es sein soll, Hässlichkeit, oder solche, die vermieden werden sollte trifft unsere Sinne an allen Ecken und Enden. Natürlich ist diese Flut nicht auf das Internet begrenzt. Auch in Anzeigen und Werbespots „begegnen“ uns sorgfältig gegimpte Körper und Gesichter. Es hat den Anschein, als wären es so viel, wie niemals zuvor. Jedes Mobiltelefon ist mit einer „Kamera“ bestückt, jeder Fernsprechende wird so zum Fotografen par Excellance, die Ergebnisse seiner Tätigkeit ist in vielen Foren und den Social Media Plattformen zu bewundern. (Im Jahre 2015 wurden pro Tag weltweit ca. 6 Milliarden ins Netz gestellt.)

Printmedien und Werbespots zeigen immerfort schöne Menschen, „Sex Sells“ funktioniert wie vor 30 oder 130 Jahren, oder eine schöne Prinzessin bescherte  einem Lande schon einmal mehr den Frieden mit einem einstmals verfeindeten Nachbarlande.

In der Fotografie scheinen vordergründig immer nur die möglichst knapp bekleideten Mädchen das große Interesse auf sich zu vereinen, Klicks und Kommentare scheinen es zu beweisen. Deren Anzahl steigt zunehmend, ob qualitativ wertig oder weniger. Meist scheint es nicht einfach zu sein, beispielsweise Fotografien von der Güte derer wie von Betina la Plante zu finden. Ferner habe ich den Eindruck gewonnen, Motive jenseits von Schönheit haben es zunehmend schwerer mit der Würdigung-

Bei näherer Auseinandersetzung mit dem oben beschriebenen Eindruck komme ich jedoch zu ambivalenten Ideen. Auch wenn diese omnipräsente Bilderflut in sämtlichen Medien auf uns hernieder geht, so trifft es uns im „richtigen Leben“ bedeutend weniger heftig. Es steht uns schließlich frei, sich mit diesem Angebot auseinander zu setzen oder es zum Teil zu ignorieren. Hingabe in unserem medienfernen Teil des Lebens bedeutet weniger Einfluss. Du kannst hinsehen, du musst es aber nicht. Du kannst dich dem Thema widmen, aber nur so weit, wie es dir gefällt. Eine Auszeit wirkt wie ein Wandertag in den Weiten der Berge oder ein Trip mit dem Segelboot über das Meer.

Schönheit ist für den Menschen zweifelsohne eine fastzinierende Stimulanz, ob der Sixpack oder Knackpo eines Mannes oder die Grazie einer ausdrucksstarken Frau.  Doch es macht das Leben nicht aus, es nur ein kleiner, wunderbarer Teil des Ganzen. Nähert man sich so dieser Sache, meine ich, kann man mit der richtigen Distanz den Blick schweifen lassen über die wunderbare Welt der Schönheit, ohne dabei durch die schier unerschöpflichen Fluten der Bilder ohnmächtig darin ertränkt zu werden.

 

 

 

 

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Vorsicht Schönheit (121)

Helix jeans hintern   mies-vandenbergh-fotografie

mies-vandenbergh-fotografie

Das Ziel dieser Betrachtung hier wird es sein, festzustellen, in wie weit die massive Darstellung von schönen Gesichtern und sexy Körpern in sämtlichen Medien unser Verständnis von Aussehen beeinflusst.

Überall, wohin ich auch sehe, erblicke ich schöne Menschen. Ob in Zeitschriften, im Fernsehen, in der Werbung, im Internet, mir lachen stets Kunden der Kieferorthopädie entgegen. Was ich sehe sind Menschen, die „zurechtgemacht“ sind, die geschminkt, gestylt, frisiert und „überarbeitet“ sind. In welcher Art auch immer, das habe ich hier beschrieben. Auf der anderen Seite, der Realität nämlich, bietet sich ein gänzlich anders Bild: auf der Straße, am Arbeitsplatz, in der Stadt, während meiner Freizeit begegne ich Menschen, lebendigen Menschen, nicht von Bildern her, sondern real. Diese sind nur meist nicht so präpariert oder bildbearbeitet. Es sind ungeschminkte darunter, dicke, dürre, krumm gewachsene, alte und ältere.

Diese Diskrepanz hat tatsächlich eine verheerende Wirkung auf uns. Das wurde in mehreren Studien untersucht und konnte bewiesen werden. Als erstes wurde die Vehemenz untersucht, mit der die schönen, schlanken und jungen Gesichter und Körper unsere Aufmerksamkeit überfluten. Es stellte sich heraus, dass diese wiederkehrenden Bildnisse das Empfinden der Betrachter deutlich beeinflussen. Durch eben diese hohe Frequenz der Reizdarbietung verschiebt sich das Empfinden über die Schönheit. Unser Unterbewusstsein speichert all diese Bilder von Schönheit und Ebenmaß und so setzen wir genau diese Schönheiten als normal an. Durch diese Verschiebung haben es „normal“ oder unterdurchschnittlich aussehende Menschen viel schwerer, wenn es um die Attraktivität geht. Durch die ständige Anwesenheit von z.B. George Clooney, Brat Pitt oder Ralf Bauer bei den männlichen und Jessica Biel, Jessica Alba oder Lisa Martinek bei den weiblichen Schauspielern in unserem Fernsehen und der durchschnittlichen Verweildauer der Deutschen vor der Glotze von über 3 1/2 Stunden täglich, oder der Präsenz im Internet meinen wir zunehmend, diese Schönheiten seien das Maß aller Dinge. Wir streben mehr oder weniger bewusst nach solch einem Äußeren. Die Frauen tun dies noch mehr, als die Männer. Und auch sonst im Fernsehen sehen wir meist schöne, wohlgeformte Menschen.

Nehme ich nur mal die sehenswerte Sendung „Wunderschön“ vom WDR. Über die inhaltlich sehr interessant gemachten Beiträge hinaus habe ich vor allem eines festgestellt: Neben wenigen anderen, wie dem sehr sympathischen Stefan Pinow moderieren vor allem Tamina Kallert und Katty Sallie (2014) durch die Sendung, und zwar tun sie das fast immer in engen Jeans, die in der Sendung sehr häufig in der Totalen gezeigt werden. Dadurch kommen ihre wohlgeformten Figuren immer wieder gut zur Geltung so dass die Sendung absolut auch mit diesen sekundären erotischen Reizen punktet.

Daran anschließen könnte ich noch viele andere Sendungen, sie als Leser werden dies vermutlich selbst häufig festgestellt haben. Wenn ich bedenke, dass der Mensch in Durchschnitt 7-8 Stunden schläft, 9 Stunden arbeitet und noch Hygiene und Nahrungszubereitung in sein tägliches Programm gehört, so sind die über 3,5 h TV täglich mit weit über 50% unser verfügbaren Zeit belegt, und da wurde die Zeit im www zusätzlich oder neben dem fernsehen her noch gar nicht erfasst.

Abgesehen vom Wert dieser Berieselung und der Erkenntnis, was man nicht alles für kreative und schöpferische Dinge tun könnte, wird hier die Gewichtung der schönen Menschen deutlich. Von der Werbung in anderen Medien habe ich bis jetzt noch nicht mal angefangen zu sprechen. Diese Faktoren kommen zusätzlich zum Treiben auf der Mattscheibe hinzu und auch dabei begegnen uns fast ausschließlich attraktive Menschen.

Als Folge davon wurde in o.g. Studien eine steigende Unzufriedenheit in uns diagnostiziert und daran anhängend der Wunsch nach eigener Veränderung. Die Zahl derer, die sich wünschen, so auszusehen, wie eine Schönheit aus der medialen Welt, steigt zunehmend. Doch Wissenschaftler warnen in ihrem Fazit vor diesem Phänomen: durch die überbordende Anzahl gestylter Personen in den Medien verlieren viele Menschen den Bezug zur Realität. Aufschreckende Beispiele finden sich überall. Es sind Fälle beschrieben, in denen über Personen berichtet wurde, die in Therapie kamen, weil ihr Wertebild vom Partner gehörig durcheinander gekommen war, weil dieser in der Wirklichkeit doch altert.

Auch die Leichtigkeit im Netz an Bilder nackter Menschen zu gelangen hat zur Folge, dass sich schon junge Menschen von 12 oder 13 Jahren einer Intimrasur unterziehen, ohne wirklich zu wissen, warum sie dies tun. Als Begründung wird die Präsenz im Internet genannt, wo fast ausschließlich nackte Menschen mit rasiertem Schambereich abgebildet werden.

So sollten wir, wie in vielen Bereichen des Lebens, mit großem Bedacht an die schöne (neue) Welt heran gehen, und sich stets ins Bewusstsein rufen, dass oftmals mehr der Schein trügt, als es das Sein tatsächlich ist.

Bilderflut (119)

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mies-vandenbergh-fotografie

In diesem Beitrag möchte ich aufzeigen, welchen Einfluss die Vielzahl der weltweit veröffentlichten Fotos auf uns hat, und ich möchte einen kleinen Ausblick darauf geben, welche Auswirkungen das auf uns hat.

Millionen von Menschen sehen ihre eigene Welt. Sie sehen das, was vor ihnen und um sie herum erscheint. Sie sehen etwas, dessen Erscheinung so massiv ist, dass es ihr Bewusstsein vordringt. Sehr viele dieser Menschen sehen es nicht nur. Sie fotografieren diese Welt aus verschiedensten Beweggründen. Alle Arten von Werkzeug werden dazu genutzt. Abgelichtet wurde mit der einfachsten Digicam für deutlich unter hundert Euro, genau so, wie über die mehr als hunderte Millionen zählenden fotografierenden Mobiltelefone, weiterhin mit vielen DSLR’s bishin zu den wenigen edlen Mittelformat-Kameras.

Viele dieser fotografierten Bilder werden im World-Wide-Web veröffentlicht. Schlägt man die entsprechenden Seiten des Internets auf, so überrollt eine schier unendlich große Welle der Aufnahmen von Millionen von Fotografierenden den Betrachter. Während zu Zeiten der analogen Fotografie die Veröffentlichung von Fotos eher die Ausnahme war, so ist es heutzutage schon fast usus. Vor der Digitalisierung konnte man seine Bilder vielleicht im Fotoclub präsentieren, manchmal aushängen in Vereinen oder teilnehmen bei Wettbewerben, aber die eigentlichen Veröffentlichungen blieben dem Berufsfotografen vorbehalten. So waren die Bilder in den Medien der damaligen Zeit nur begrenzt auf den Print.

Fotografien ließen sich ausschließlich in Zeitschriften oder Bildbänden, sehr selten im Fernsehen bestaunen. Eine Ausstellung gelang nur verhältnismäßig wenigen Künstlern, geschweige denn eine Präsentation der Fotos in Katalogen, aus denen sich der Interessent eine Fotografie zur Dekoration seiner Wohnung oder seines Arbeitsplatzes aussuchen konnte. Wie man sie auch heute noch findet, gab es früher Postershops, in denen man sich unter vielen Standardmotiven wie Sonnenuntergängen oder Tierportraits, ansehnlichen Menschen oder Rockstars auch dekorative und tiefgründig aussagekräftige Fotografien als Poster kaufen konnte.

Heutzutage reichen 2 Klicks! Schon haben wir eine riesige Auswahl von Motiven vor uns. Je nach Verwendungszweck können wir ein Bild sofort herunterladen (downloaden) oder wir kaufen es in entsprechender Auflösung zum späteren ausdrucken, wie gesagt, je nach Verwendungszweck. Ein Bild auf Leinwand oder Alu-dibond ist auch schnell ausgesucht und schnell geliefert.

An dieser Stelle stellen sich bei mir erste Zweifel ein. Welche Qualität finden wir im Netz? Wie viel Zeit müssen wir opfern, bis wir entsprechende Bilder mit der gesuchten Aussage gefunden haben? In der vordigitalen Zeit war es mit Mühen verbunden, ein entsprechendes Motiv zu finden. Ich meine, durch die scheinbare Leichtigkeit der Motivsuche im Internet wird es nicht unbedingt einfacher. Wie oft verlieren wir uns in der Flut der Bilder, und surfen plötzlich in ganz anderen Gefilden?

Jedermann ist es grundsätzlich möglich seine Bilder ins Netz zu stellen. Und so geschieht es. Da wird wenig nach Qualität gefragt, besonders auf den einschlägigen Social Media Plattformen. Sicher sind auch dort Ausnahmen zu finden, doch die befinden sich viel eher auf den Seiten sog. fotografischer Communities und in Fotoblogs. Auf den Homepages von Fotografen kann man schließlich die qualitativ hochwertigen Bilder finden, die man früher in Bildbänden und Zeitschriften suchen musste.

Was bedeutet es nun, das man sich dieser Masse von Fotografien gegenüber sieht. Welchen Einfluss haben die Mengen der Bilder auf unsere eigenen Bilder, auf unsere eigene Motivauswahl, auf unser eigenes fotografisches Verhalten? Lässt sich ein Fotografierender heutzutage mehr von den vorhandenen Fotografien beeinflussen, als zu analogen Zeiten von den wenigen aus Zeitschriften, Büchern. Werbung und TV? Vielleicht ist beides zu beobachten. Vielleicht dienen die vielen Beispiele als Ansporn, um sein eigenes Projekt endlich in die Tat umzusetzen. Oder ein anderer wird mutlos ob des Vorhandenseins aller erdenkbaren Themen in Form der Fotos aus aller Welt.

Als Fazit für mich möchte ich feststellen, dass die vielen Vorbilder und Beispiele viel mehr als Ansporn zu verstehen sein sollten als ein Hemmnis. Obwohl es scheinbar jedes Motiv bereits in die Öffentlichkeit geschafft hat, so ist doch die Welt voller derartig wunderbarer Motive, die zusätzlich jeder Mensch durch seine eigenen Augen betrachtet in sein besonderes persönliches Licht rücken kann. Dieser Besonderheit folgend kann er den Menschen diese Betrachtungsweise nahebringen! So findet er möglicherweise Personen, die in ähnlichen Bahnen denken oder Personen, die konstruktiv konträr dazu stehen, und somit mit einem sinnvollen Austausch von Vorstellungen und Ideen zum Katalysator werden können.

Als Inspiration sollten wir die Bilder ansehen. Weg vom reinen Konsum der vorhandenen Ware sollen wir uns bewegen, hin zum eigenen Schaffensprozess aufbrechen, jeden Tag von Neuem. Dies muss nicht automatisch bedeuten, dass wir die Werke unserer Mitfotografen ignorieren. Wenn wir uns einige Zeit mit der Problematik auseinandergesetzt haben, so werden wir immer treffsicherer die Fotografien und die Menschen dahinter entdecken, die unsere Kreativität fördern. Dazu kann das www durchaus eine geeignete Plattform sein. Noch sinnstiftender ist es jedoch den Weg zu Mitmenschen zu suchen, die eine gleiche oder ähnliche Passion in sich ausmachen, um so eine persönliche Einschätzung und ein persönliches Feedback in Form von Gesprächen, Diskussionen, Ausstellungen und dergleichen zu finden. Diese sollte uns selbst wie auch den Gesprächspartner gleichermaßen immer wieder ein Stück weit voran bringen. Wenn wir es möchten.:-)

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