Frauen und Männer, eine unterschiedliche Sichtweise in der Fotografie? [90]

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Sieht man Unterschiede im Bild, wenn ein Motiv von einem Mann oder einer Frau in Szene gesetzt wurde? Gibt es unterschiedliche Arten der Arbeit je nach Geschlecht? Sind womöglich erkannte Unterschiede vom jeweiligen Motiv abhängig? Eine kurze Überlegung.

Ich bin ein Mann. Keine Frau. Fotografieren kann ich ein männliches Model oder ein weibliches. Wie viele Menschen fotografiere ich aus vielfältigen Gründen lieber Frauen als Männer. Aber auch Männer fotografiere ich gerne. Damit beschränke ich es ersteinmal auf die Geschlechterverteilung, unabhängig von den Fähigkeiten der Models. Es entstehen bei einem Fotoshooting Bilder, die im besten Falle eine Geschichte erzählen. Die Bilder weisen (hoffentlich) eine Spannung auf, erwecken Gefühle, geben wieder, was empfunden wurde und erreichen den Betrachter dort, wo er es tief in sich resoniert.

Mein Weg, diese Gefühle zu erreichen, im Bild eine ganz besondere und definierte Stimmung zu erzeugen, unterscheidet sich sowieso von dem Stil anderer Fotografen, was auch gut und sinnvoll erscheint, möchte ich doch niemanden kopieren. (Wenn ich auch von den guten Fotografen (z.B.Peter Lindbergh) und Fotografinnen (z.B. Lindsay Adler) stets zu lernen begierig bin. Dies ist aber eine andere Story.) Anhand meiner Bilder erkennt man also meine Art der Fotografie und Bearbeitung, die ich natürlich im Kontext der Fotografie allgemein betrachten kann. Dabei vergleiche ich ganz unbewusst und primär ohne Suche die Stile anderer Bilder auf den unterschiedlichsten Plattformen vorzugsweise im Internet, und es zeigt sich wie beim Betrachten der Bücher und Zeitschriften zu analogen Zeiten: Ich meine einen Unterschied zu erkennen zwischen einem männlichen und einem weiblichen Fotografen.

„Klar!“, mag der ein oder andere einräumen, „Unsinn!“ ein Nächster. „Ich lege Dir eine Fotografie, ein Bild vor, und Du kannst mir sagen, ob der Fotograf weiblich oder männlich ist?“ So war die Antwort einer befreundeten Fotografin. Ich konnte es am Rechner nicht zuverlässig erkennen, als wir es durchspielten. Vielleicht ist es mehr intuitiv und es gibt Menschen, die es bestimmt sicherer können. Bei mir ist es ein mehr vages Gefühl. Wodurch aber entsteht dieser Eindruck?

Eine Frau, so sagten mir einige Models, kann bei einer Frau hinter der Kamera mehr sie selbst sein, weil es keine (wenige) sexuell definierten Belange in der Zusammenarbeit gäbe. Das wäre bei einem männlichen Fotografen anders, denn es wäre immer eine Beziehung Mann/Frau, die zwar überhaupt nicht von Handlungen derart geprägt, aber unterschwellig latent vorhanden sei. Damit sei jedoch keine Wertung verbunden, es sei nicht mal schlecht, so die Models, ist doch ein Spiel mit der Koketterie für viele Aufnahmen eine unterstützende Komponente.

Viele Unterschiede bei Arbeiten mit Männern und Frauen als Model könnte ich aus meiner Erfahrung heraus aufzählen, auch Unterschiede bei der Arbeit mit heterosexuellen oder homosexuellen Models, doch es sind stets Einzelfälle und Momentaufnahmen, individuelle Verbindungen, die in einer einzigartigen Atmosphäre stattfand, weil wir alle in diesem Moment so waren, wie wir waren und bei einem nächsten Treffen schon wieder anders uns verhielten. Parallelen bei den Zusammenkünften zu sehen fällt mir nicht schwer, obwohl ich kein Freund von Verallgemeinerungen bin, manche aber drängen sich geradezu auf.

Eine wesentliche Verbindung ist für mich die Liebe zu dem, was ich mache. Das schließt bestenfalls das Model mit ein, denn vielleicht muss ein Fotograf sein Model in einer bestimmten Art und Weise „lieben“, damit er die Empfindungen und Verhaltensweisen des Menschen vor der Kamera erspüren kann und in der Lage ist, dies in eine Aufnahme zu übertragen, damit aus der Aufnahme ein Bild werden wird. Ohne dies funktioniert zwar die technische Seite der Aufnahme, die Ausstrahlung aber bleibt auf der Strecke.

Vor kurzem las ich in einem Online-Beitrag einen Kommentar. Sinngemäß hieß es über jene Fotografen, die nur dann ein Model gut ablichten können, wenn es bei einer Größe von 175 cm eine Kleidergröße von 34 besitzt und möglichst unter 17 Jahre alt sein darf. Im Übrigen würden diese Fotografen nichts zu Stande bringen, so der Autor. Aus vielerlei Sicht finde ich diesen Kommentar zu kurz bedacht, ich möchte aber nur einen Aspekt hier aufgreifen, da er zielführend ist: Ein Fotograf, egal ob Profi oder nicht Profi, ob Anfänger oder erfahrener Amateur oder langjähriger Berufsfotograf, wird kein „gutes“ Bild bewerkstelligen, wenn eine bestimmte Beziehung zum Model nicht gelingt, der fotografierende Mensch keinen Zugang zum Wesen des Portraitierten finden kann, aus welchen Gründen auch immer. In dem Falle wird eine Aufnahme in den allerseltensten Fällen zu einem Bild. Davon quillt das Internet über, ganz extrem bei Instagram zu beobachten, und bei zu starkem Genuss dieser Plattform verdirbt man sich seinen Blick (Notiz an mich selbst: weniger dort schmökern!!😉) Augenscheinig scheint es besonders bei jenen Models zu sein, die zweifelsohne eine Reputation besitzen, die jedoch Aufnahmen in ihrem Profil zeigen, die sie mehr entstellen, als ihnen zum Geleit zu werden. Dabei meine ich nicht die mehr lustigen oder familiären Bildchen, die gerne gezeigt werden, sondern die scheinbar kunstvoll-modischen Aufnahmen, die ihre Proportionen oder Gesichtszüge erheblich verstellen. Ich denke, jeder Interessierte kann das leicht nachvollziehen.

Zurück zu Thema. Für mich hat die Herangehensweise der Fotografinnen an eine Fotografie eine größere „Leichtigkeit“, wenn ich dieses Wort dazu hernehmen kann; Das Spiel mit den Gefühlen im Bild wirkt auf mich harmonischer, die Bilder wirken auf mich tiefer. Dabei kann es durchaus laut und schrill sein (z.B. Ellen von Unwerth) aber auch leise und vertraut (Annie Leibovitz). Vielleicht ist es das Prinzip des Jägers und Sammlers im Manne, der damit eine faktische Art in sich trägt, und es mutet eine mehr vereinende und dennoch losgelöste Idee bei der Arbeit der Frauen zu finden an. Meine Worte finde ich hier nicht so recht, der aufmerksame Leser wird es vielleicht selbst besser nachempfinden können bei der vergleichenden Betrachtung, wenn ihm danach ist.

Gründe in der Art der Kommunikation zu finden ist da wesentlich leichter, reden doch Frau und Mann anders miteinander, als Frau und Frau oder Mann und Mann – immer vorausgesetzt, es geht um konstruktive Zusammenarbeit. Jeder weiß um die Unterschiede, und es soll und kann hier keine Wertung einfließen, denn dazu ist nur die Bewertung einer einzelnen Fotografie geeignet, und diese ist erst einmal neutral. Die Sichtweise scheint zwischen Frau und Mann zu differieren, es ist nicht unbedingt so, dass das durch beispielsweise die Lichtsetzung oder einen bestimmten Blickwinkel oder auch die unterschiedlichen Regieanweisungen beim Posing allein erreicht wird, es ist die daraus und aus noch Anderem resultierende Gesamtkomposition, die wiederum einzelne Elemente hervorbringen, welche mehr feminin anmuten. Was nicht heißen soll, ein Mann könne das nicht oder auch umgekeht, eine Frau könne nicht, was ein Mann kann. Eine spannende Geschlechterfrage aus dem Bereich der künstlerischen Fotografie, meine ich. Siehst Du, was ich meine?

Kommunikation, oder „Wie meinst Du?“ (204)

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Du verstehst die Menschen recht gut, oder? Du sprichst die Sprache der Menschen, mit denen du zusammen lebst, du hast ähnliche Gedanken, Meinungen und Gefühle, wie sie. Du siehst ihnen meist an, wenn sie dich nicht verstehen, oder? Du bist nicht immer einer Meinung mit ihnen, aber deshalb kannst du mit ihnen diskutieren, nicht wahr?

Kommunikation kann ein weites, spannendes Feld sein. Beinahe täglich erleben wir, welche Blüten diese Pflanze hervorbringt. Zum einen als Zuschauer, zum anderen als Involvierte suchen wir in unserem Repertoire nach einer Übersetzung eines Verhaltens, gleichen ab, ordnen ein, schließen aus, berichtigen wieder, und irren uns doch ständig. „Wie hat er das gemeint?“ „Was will sie mir damit sagen?“ „Hä?“

Es kommt vor, dass wir weiter fragen. Vielleicht noch öfter kommt es aber vor, dass wir nicht weiter fragen! Wie geben uns damit zufrieden, einen Gedanken gebildet zu haben, der da sagt: „Ja, so wird es wohl gemeint sein, der Kontext lässt es höchstwahrscheinlich zu. Es wird sich zeigen, ob es so gemeint war, irgendwann.“ Außerdem haben wir schließlich gar nicht die Zeit, es eingehend zu klären, viel zu umfassend sind unsere Aussagen, beziehungsweise stehen noch so viele andere Sätze in der Warteschleife, die wir unbedingt anbringen möchten, da können wir uns unmöglich länger bei diesem einem Thema aufhalten.

Was vielleicht zusätzlich zu bedenken ist, ist die Tatsache, dass eine Aussage, die am Ende tatsächlich geklärt wurde, bedenklicherweise etwas bedrohlich verbindliches innehat. Dabei lässt sich doch unverbindlich so bequem leben. Wie gut kann man sich immer noch herausreden: „D A S habe ich so aber nicht gemeint!!!“ Klingt schon ganz vertraut, oder? Die unverbindliche Aussage lässt uns so viele Fluchtwege offen, warum sollten wir uns diese verbauen. Es könnte nachher noch jemand auf die Idee kommen, wir seien authentisch. Noch schlimmer, es könnte der Eindruck entstehen, wir verträten einen Standpunkt und hätten gar eine eigene Meinung.

Klar, in großen Fragen haben wir eine Bewertung, wissen, wozu wir stehen, was wir erwarten und was unterstützen. Allein in unserem täglichen Kontakt mit den Menschen lieben wir es doch eher vage. Wie sind schließlich frei. Doch, glauben wir wirklich. Wir sind so frei, dass wir uns die Freiheit nehmen, selbst zu entscheiden, wie viel wir zugeben, was wir kundtun, wozu wir beitragen und vor allem, wie weit wir gehen. Lieber einen kleinen Schritt hi und da, als einen anstrengenden Weg. Der könnte schnell zu mühsam werden, wir müssten möglicherweise Flagge zeigen und unsere Richtung offenlegen. Schrecklich verbindliche Sache! Und das, wo uns doch so viele Möglichkeiten offen stehen.

Zurück zur Kommunikation. Weißt du, wie viel Kommunikation täglich über dich herein bricht? Vielleicht sind es viel weniger die persönlichen, zwischenmenschliche Worte, sondern viel mehr Worte, Taten, Handlungen und Aufrufe durch Figuren auf Bildschirmen und Plakatwänden, Zeitungsseiten und Monitoren. Gehört Heidi Klum und Dieter Bohlen auch schon zu deinem nächsten Freundeskreis, der mehrmals in der Woche in Deinem Wohnzimmer zu Gast ist. Oder ist es Dieter Nuhr und Abdelkarim, der des Abends dir die Welt erklärt? Vielleicht guckst du aber lieber YouTube Videos von Katzen, die sich vor Gurken erschrecken?

In wie weit halten wir es für bare Münze, diese Possen, die uns -mehr oder weniger- frei Haus geliefert, oftmals so schön über den Dingen stehen lassen, als Beispiele der menschlicher Kommunikation zu werten? Abgesehen von dieser zwischenmenschlichen Einbahnstraße bestimmter Medien und den aufbereiteten Wortlauten finden sich bei diesem Konsum erste Anzeichen von Realitätsverlust bei uns Individuen. Verlernen wir das Sprechen. Bestechend ist die mediale Welt besonders für junge Menschen, die statt langer, persönlicher Gespräche gern die kurze WhatsApp-Message nutzen. Wie soll es werden, wenn irgendwann tatsächlich persönliche Gespräche erforderlich sind, und nicht nur Worte fehlen, sondern auch die Empathie, den anderen zu sehen und zu erkennen, zu spüren, was der andere meint.

Die Masse der Menschen um uns herum entbehrt zunehmend der Fähigkeit der zwischenmenschlichen Kommunikation, nicht nur, weil es immer mehr Individuen sind, von denen jedes eine neue Sichtweise und Ausdrucksweise mitbringt, auf die wir uns einstellen können, sondern weil die persönliche Kommunikation immer weniger gesucht wird, so haben es verschiedene Studien bestätigt.(2008)

Vielleicht sollten wir alle wachsam sein und uns Gedanken machen. Doch dabei sollen wir es nicht bewenden lassen. Der nächste Schritt ist noch wichtiger, wir werden etwas tun. Suchen wir das Gespräch. Nicht die Floskel. Ob mit dem Partner, dem Freund, dem Feind, diskutiere. Wohl denen, die es tun. Führen wir wieder Gesprächsabende innerhalb unserer Gemeinschaft ein, fördern wir Gesprächsbereitschaft und vor allem die Fähigkeit dazu. Es lohnt sich. MEINE ICH!

Körperwahrnehmung, Teil I (190)

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Körper – ein spannendes Feld. Was fühlst du, wenn du an deinen Körper denkst. Liebst du ihn, hasst Du ihn? Wie gehst du mit ihm um? Oder ist er dir egal. Ist er nur Transportbehälter für deine Seele? Oder Formungsobjekt aus deinem Anspruch an einen sozial funktionierenden Mechanismus?

Wie siehst du deinen Körper? Wie erfährst du deinen Körper im Laufe deiner Menschwerdung? Wie empfindest du die Unterschiede zwischen dem öffentlichen Bild von Körpern zu deinem eigenen Körper? Akzeptierst du deinen Körper? Siehst du ihn als deinen Körper an und in wie weit lässt du ihn Anschauungsobjekt und Spielobjekt für andere Menschen sein.

Zunächst eine Festlegung von mir: ich spreche im folgenden vom Körper des Menschen, und meine dabei sowohl den der Frau wie den des Mannes. Obwohl es in der Körperwahrnehmung kulturell und gesellschaftlich nachgewiesenermaßen Unterschiede zwischen den Geschlechtern gibt, werde ich diese nur dort explizit differenzieren, wo es mir unumgänglich erscheint. Sonst folge ich zuverlässig der Devise, dass wir in erster Linie Menschen sind. 🙂

Wie ergeht es dir mit deinem Körper? Ich hoffe und wünsche dir, du fühlst dich, und nimmst dich als das wahr, was du bist! Dein Körper ist in erster Linie Schnittstelle! Schnittstelle zwischen Geist und Wesen, zwischen innen und außen, zwischen dir und allen anderen Menschen, zwischen deiner Idee und der Erde, die du bereicherst, formst, gestaltest und erhältst mit deiner Existenz. Schnittstelle zwischen dem Materiellen und der Idee von Menschlichkeit. Prinzipiell bist du der Mittelpunkt des Universums. Es kann nur so sein. Es geht gar nicht anders, denn ohne dich gäbe es das Universum nicht! Logisch, oder?

Dein Geist sagt dir sicherlich andere Wahrheiten, du hast gelernt, dass die Welt, das Universum, alle anderen Menschen auch dann noch existieren werden, wenn du nicht mehr da sein solltest. Schließlich bist du auch noch da, obwohl andere Menschen ihren Körper bereits verlassen haben. Ja, das bestätige ich dir. Doch wenn du überlegst, was die Seele, die ihren Körper verlassen hat, wohl dazu sagt, so wird es ein spannendes Unterfangen.

Was ich damit sagen möchte, ist folgendes: Es geht hier um deinen Körper, um dich, und es geht um die Wahrnehmung der Umwelt durch deinen Körper. [Zwischenbemerkung: das oder ob es noch andere, körperlose Wahrnehmungen gibt, sei dahingestellt. Auch, wenn ich davon überzeugt bin, endet auch diese Wahrnehmung in unseren Gedanken, Gefühlen, Intuitionen.] Wenn dein Körper nicht mehr da ist, kommunizierst du nicht weiter. Wenn dein Körper eingeschränkt ist, findet auch Kommunikation eingeschränkt statt. (Dazu später mehr) So ist dein Körper ein Medium, du kommunizierst passiv, so z.B. über unbewusste Gestik, Mimik, Körperhaltung, Kleidung und Statur und auch aktiv über Worte, Blicke, Bewegung, Berührungen, Handeln oder Nichthandeln. Es geht mir darum, dies im einzelnen zu beleuchten, eine Verbindung von Körper und Psyche zu entdecken.

In weiteren Beiträgen werde ich die Fragen von oben aufgreifen, deren Beantwortung unter Einbeziehung einschlägiger Literatur und diversen Forschungsergebnissen eine spannende und interessante Materie ist. Demnächst 🙂

Männerpo (37)

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Mies-Vandenbergh-Fotografie

Eigentlich wäre ich schon fertig, bevor ich das erste Wort überhaupt geschrieben hätte, denn die Fotografie von schönen Männerhintern gestalte sich nur sehr unbefriedigend. Bei einem aromatisch heißen Latte Macchiato auf dem Bonner Münster-Platz genieße ich die wärmende Septembersonne in meinem Gesicht, sehe den vorbeieilenden Menschen zu und stelle die ein oder andere Vermutung über ihre Ziele und Wege an.
Neben manchen schönen Frauenpopos kommen ebenso viele Männerhintern vorüber. Doch hier das Adjektiv „schön“ zu gebrauchen käme mir dann doch nur schwer in den Sinn. Zumindest in den von den Männern bevorzugten Beinkleidern. Dass es nicht so schlimm um den Männerpo bestellt ist, zeigte sich den Sommer über im Freibad. Doch die Männermode in Sachen Hintern ist für mich und auch die Freundinnen, mit denen ich mich über das Thema austauschen durfte, in eine Richtung gedriftet, die mit ansehnlicher Kleidung nicht viel gemein hat.

Die Hosen vieler Männer haben einen Beinansatz in Kniehöhe, das Kleidungsstück ähnelt mehr einem „Sack“, als einer Hose. So sehe ich den „Ist-Stand“ der Mode vieler Männer. Po-betonte Hosen sind bei den Männern sehr rar, die große Mehrheit trägt weitere Hosen. Aus welchem modischen „Un“-Bewusstsein diese Hosen momentan so gerne getragen werden, kann ich nur anhand von Stichprobenbefragungen unrepräsentativ ermitteln. Nach meinen bisherigen Befragungen kamen Gründe wie z.B. Bequemlichkeit des Kleidungsstückes und Gleichgültigkeit gegenüber der Optik(Form) der Hose heraus. Geld spielt seltenst eine Rolle, bei den jüngeren Befragten sind von „Coolness“ über „Gruppendynamik“ bis zu „Attraktivitätsglauben“ Gründe für das Tragen solcher Hosen.

Dass es – nicht nur in meinen Augen – nicht die schönste Modeerscheinung ist, beschreien meine weiblichen Freunde lautstark, die abgesehen von der Tatsache, dass die Männer nicht das schöne Geschlecht sind, doch lieber den knackigen Männerpo ansehen. Vielleicht mag die ein oder andere Leserin dieses Blogs etwas dazu anmerken :-).

Ausnahmen gibt es aber dennoch:

Nach diesem schönen Männerpo als positives Beispiel möchte ich noch ein weiteres Beispiel für die Misere der „Sackjeans“ vorstellen:

BILD folgt widerwillig…

Hier also das versprochene Bild:

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Warum ist es nun so, dass die Bedeutung der rückwärtigen Optik beim männlichen Geschlecht so gering ist? Warum ist es vielen Männern vordergründig nicht wichtig? „Gibt es andere Dinge, die mehr zählen“, so könnte ich ironischer Weise fragen und ich tue dies auch!

Sicher gibt es wichtigere Attribute, als dieses sekundäre Geschlechtsmerkmal. Die breiten Schultern oder der Waschbrettbauch, wie sie besonders bei den Schwimmern zu bestaunen sind, sind anschauliche Beispiele, auch muskulöse Oberarme sehen „gut“ aus. Doch ist es so unwichtig, wie der Mann von hinten wirkt? Ich denke nicht! Abgesehen von der Tatsache, dass ich mich hier weiterhin nur auf einer rein optischen Ebene bewege, also die vielen anderen Werte des Menschen wie Ausstrahlung, Seele, Geist oder Humor bei der Betrachtung wieder mal außen vor lasse, so bin ich der festen Überzeugung, dass es auch auf die Optik des Rückens und des Hinterns bei uns Männern ankommt. Dabei sind viele Aspekte aufzuzählen, deren Zusammensetzung  bei den Männchen genau so wie bei den Weibchen der Gattung Mensch eine Aussage über deren Erscheinungsbild ergeben. Heißt es schon bei Homers Odysseus im übertragenen Sinne , dass die Schönheit nicht aus eigenen Verdiensten erlangt wurde, so gebe ich dem nur bedingt recht. Sicher spielen die Gene eine Rolle, die Schönheit eines Menschen ist, wenn man so will, gottgegeben, und jeder sieht anders aus. Es schreiten in der Tat schönere und weniger schöne Menschen durch die Lande und über die Leinwände. Wenn ich als Beispiel Sean Connery(Bild), George Clooney (Bild) oder Lex Barker(Bild) nenne, dann sind deren Gesichter – neben ihrer charismatischen Ausstrahlung – bestimmt als schön einzustufen, und wenn ich daneben die Gesichter von Klaus Kinski(Bild), Mickey Rourke(Bild) oder Marty Feldmann(Bild) stelle, so sind diese weniger schön (Ohne über die Ausstrahlung oder Sympathie zu sprechen!!!). Der Schönheit als Thema an sich möchte ich mich aber an anderer Stelle annehmen.

Neben der angeborenen Schönheit gibt es also die Dinge, die ich für mich selbst tun kann, um mich wohlzufühlen. Zähle ich diese Aspekte auf:

    • Das Essen: Wenn ich gerne esse, heißt das nicht, das ich viel esse, ich kann gut, aber gemäßigt essen. Ich kann auch übermäßig essen! Das wirkt sich auf die Figur aus und ich kann die Proportionen damit gehörig durcheinander bringen. Das ist eine Sache, mit der ich durchaus meine „Schönheit“ beeinflussen kann.
    • Die Bewegung: Ich könnte hier am Rechner oder Smartphone viel Zeit mit bloggen verbringen, auch mal ab und zu zum Fernseher gehen, und nachsehen, was so läuft. Auf meiner Arbeit sitze ich vielleicht auch den ganzen Tag lang auf einem Bürostuhl. Ich gehe zwischendurch vielleicht auch gerne mal einen Cappucchino einnehmen. Am Abend mit meiner Frau zu Griechen zu gehen könnte ein Ritual sein. Am Wochenende gerne ins Kino oder in die Oper.  –  Man merkt schon, worauf ich hinaus will: So würde ein Körper vermutlich nicht so bewegt, wie er es zur Ausbildung bestimmter Muskelpartien erfordert. Die sind aber wichtig für die Gesundheit, die Körperhaltung und vieles mehr, worum jeder bestens informiert ist.
    • Die Gestik und Mimik: Bei der Betrachtung der Gesichter und Körper kann man einen großen Einfluss durch die Grimassen oder Bewegungsabläufe der Menschen erkennen. Jeder kennt den Moment, wenn ein optisch ansprechender Mensch plötzlich zu sprechen beginnt, und zu den Worten manch ulkige oder peinliche Grimasse auftaucht, man sich daraufhin sogleich bei dem Gedanken ertappt: „Hätte er doch bloß nichts gesagt“. Ein Beispiel aus der TV-Welt ist die Parodie von Heidi Klum durch die Comedy-Schauspielerin Martina Hill in der „Heute Show“ (als Tina Hausten). Auch die Körperbewegungen können ein Bildnis eines Menschen zerstören, ich denke da nur an den „Watschelgang“ mit nach außen zeigenden Fußspitzen. Dieses Beispiel mag mir eigen sein, doch ich meine, viele Leser finden ein Beispiel für sich selbst.
    • Die Kleidung: Man sehe sich nur die Jahrhunderte der Menschheit an, sehe sich an, was gerade Mode war, dann wieder nicht , dann wieder, dann wieder nicht , dann wieder doch…… Auch ich zeichne hier wieder nur eine Momentaufnahme, außer der Tatsache, dass ich mich näher an Kleidung der Körperbetonung orientiere. Karin Pöhlmann und Peter Joraschky schreiben in ihrem Beitrag: Körperbild und Körperbildstörungen, Der Körper sls gestaltbare Identitätskomponente:“Ein weiterer genereller Trend besteht darin, dass die Mode immer mehr vom Körper sichtbar macht, und immer weniger Möglichkeiten lässt, Mängel und Unvollkommenheiten zu verstecken. (Johnston 1993)“mehr Vielleicht hätte ich vor zweihundert Jahren einen Blog  über die Vorzüge des Korsetts geschrieben.;-)
    • Die Gesellschaft: Unser aller Verständnis und die Bedeutung von Aussehen in unserem Habitat beeinflußt direkt die Sichtweise auf die Verhüllung unserer Körper. Je nach ethnologischem und räumlichem Umfeld haben die Einwohner eine eigene Bewertung für die Bekleidung, das divergiert in dem räumlichen Gefüge, wie auch in der zeitlichen Spanne.
    • Die eigene Wahrnehmung: All die vorherigen Punkte spielen bei diesem natürlich mit hinein, denn die Weise, wie ich mich selbst sehe und selbst wahrnehme wird immer durch die Aktionen und Reaktionen meiner Umgebung beeinflusst. Liefe ich nackt durch den Urwald, wäre es unter Umständen normal und etwas anderes, als täte ich dies auf der Königsallee in Düsseldorf.

Zurück zu den mit Tarnkleidung verdeckten, knackigen Männerpopos. Mit der Hoffnung meiner Freundinnen auf bessere Zeiten in Sachen Hosen-Mode möchte ich bemerken, dass ich guter Hoffnung bin. Vielleicht sollte die Beratung der Herren in Form eines sanft formulierten „schweren Schlages auf den Hinterkopf“ – lieben Tipps der Partnerin unterstützend verstärkt werden. Nach einem üblichen wie immer geistesabwesend klingendem „Jaja“ des Mannes wirkt dieser Hinweis doch meist länger nach, als manche Frau glaubt.