Die gekaufte Schönheit (161)

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Kann man sich Schönheit kaufen?  Ja! Kauft man sich damit gleichzeitig Erfolg, Ansehen und Glück? Nein!  Warum?

Die Praxis eines Schönheitschirurgen: Ein Mann kommt herein, möchte eine Veränderung in seinem Gesicht machen lassen. Der Arzt fragt nach den Gründen. Der Mann zählt Gründe auf, die dem Arzt sehr geläufig sind. Jedermann kennt diese Begründungen.

Denkt man darüber nach, stellt sich jeder sogleich die eigenen Intentionen im Geiste zurecht: Ich würde es gerne machen lassen, weil … ! Wenn Schönheitsoperationen nicht verhältnismäßig hohe Kosten verursachen würde, so wären es mehr Menschen, die sich diesem Prozedre unterziehen würden. Doch zu den Gründen: Sämtliche Beweggründe für eine Veränderung im Erscheinungsbild eines Menschen führen folgerichtig auf ein klar definiertes Ziel hinaus. Der Mensch möchte eine Veränderung in seiner Wahrnehmung durch andere Menschen erreichen. Hier kommt bei Ärzten oft der Einwand des Patienten, dass er es sich hauptsächlich für sich selbst wünscht, für sein eigenes Bewusstsein, sein eigenes Selbstvertrauen.

Vordergründig gilt diese Aussage, doch im weiteren Schritt entlarvt sich diese Aussage: Nachdem ein Mensch etwas hat verändern lassen, fühlt er sich besser, sicherer, selbstsicherer. Sein Auftreten anderen Menschen gegenüber wird nach der optischen Manipulation ein vermeintlich Sichereres sein. Damit verändert sich scheinbar tatsächlich seine Erscheinung.

Diese „neue“ Wahrnehmung beruht vornehmlich auf der Veränderung der charakterlichen Wahrnehmung. Die entscheidende Frage hier lautet: Würde die gleiche Wirkung erzielt werden, wenn dem Menschen vermittelt worden wäre, er wäre so vollständig, wie er -ohne die Manipulationen- ist? Würde er sich auch dann nicht selbstsicherer darstellen, wenn er der festen Überzeugung wäre, er ist so wie er ist, in der Gemeinschaft vollwertig?

Erneut zu den Gründen: Der Mensch hat einen Grund für sein Handeln. Der Grund beruht auf einer Ursache. Die Ursache entsteht aus der Wahrnehmung einer Diskrepanz innerhalb der Gemeinschaft, in der sie eine Bedeutung von -frei festgelegtem- Wert besitzt. Zum Beispiel: Eine Manipulation der schmalen Lippe ist eine häufig durchgeführte Operation für den Schönheitschirurgen. Der Mensch, der sich die Lippe aufspritzen lässt hat im Vorfeld am einem bestimmten Zeitpunkt erfahren, dass schmale Lippen einen weniger großen Marktwert besitzen, als dies vollere Lippen haben. Davon ausgehend, dass ein Bestreben zu maximalem Marktwert in der -zumindest- westlichen Gesellschaft ein ständiges Bestreben darstellt, folgt der Mensch diesem und lässt sich die Lippen richten. Damit verspricht er sich eine Verbesserung seiner Position im Wettlauf um die Preise der Gesellschaft.

Wie lauten diese: Erfolg, Ansehen, Macht, Glück, … und den Schritt zurück zum biologisch-genetischen Fundament: Bei der Arterhaltung kann er mit volleren Lippen seine Gene besser erhalten, als mit schmaleren. Doch genau dazu habe ich in vorherigen Artikeln weitere Erkenntnisse verfasst. Zur eingangs gestellten Frage, ob Erfolg käuflich ist, bin ich meine Begründung schuldig, warum dies nicht so ist. Anhand des o.g. Beispiels argumentiere ich wie folgt: Trotz der volleren Lippen bleibt der Mensch im Charakter identisch, denn die optische Manipulation der volleren Lippen unterstützt ihn vielleicht beim ersten Kontakt in der Gesellschaft, da er NICHT durch schmale Lippen auffällig ist. Alles weitere ergibt sich zunehmend nur noch durch seine Worte und viel mehr noch durch seine Taten. Und die ändern sich nicht durch vollere Lippen, größere Busen, knackigerer Po oder kleinerer Nase. DEFINITIV. Meine ich!

Look at the Beauty! (141)

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Warum verändert der Mensch seinen Körper? Liegt der Grund darin, dass dieser Mensch eine Zugehörigkeit in ein von einer elitären Gesellschaft bestimmtes Sozialgefüge anstrebt? Dazu jedoch müsste er erst einmal ein Gefühl des Ausschlusses empfinden! Und die Ursache dessen auf sein Äußeres fundieren.

Eine Diskussion darüber, welche Menschen es sind, die, global betrachtet, einen Prototyp der Attraktivität bilden ist schon lange im Gange. War es bis zum Ende des letzten Jahrhunderts noch fast ausschließlich der kaukasische Typus, so hat sich bis in die Gegenwart hinein eine vorsichtige Erweiterung dieses Bildes manifestiert. Hatten es die plastischen Chirurgen aus dem „Fachgebiet Beauty“ vorher noch damit zu tun, Gesichter vom asiatischen oder afrikanischen Typus in Richtung des europäischen anzugleichen, so ging dieser Anteil der Schönheitsoperationen aktuell deutlich zurück, so die Presse.

Im Einzelfall handelte es sich dabei um die Ergänzung einer zweiten Lidfalte beim asiatischen Typ und die Veränderung der Nase beim afrikanischen Typus. Zwar sind Veränderungen im Nasenbereich noch immer eine der häufigsten Maßnahmen zur Angleichung an einen idealtypischen Menschen, doch erfährt im Zuge der Globalisierung auch auf diesem Gebiet das Schönheitsideal Anpassungen. Die Omnipräsenz von (bearbeiteten)Fotografien von Menschen vielfältiger ethnischer Herkunft in allen verfügbaren Medien erweitert so das bisherige Ideal.

Eine Erklärung, oder besser Aufklärung über die Beweggründe für einen Menschen, einem bestimmten Vorbild entsprechen zu wollen, lässt sich einleiten, wenn man die Bestrebungen genauer unter die Lupe nimmt, die die Menschen auf sich nehmen, um erklärte Ziele für ihr Aussehen zu erreichen. Unternehme ich eine Schönheits-OP, um einem bestimmten sozialen Verbund beitreten zu können oder um einem anderen zu entkommen?

Liest man Aussagen über die Ziele der Personen, die sich einer plastischen Operation unterziehen, so steht an erster Stelle fast immer die Manipulation des eigenen Ego. Der Wunsch, sich im äußeren einer Veränderung zu unterziehen, geht Hand in Hand mit dem Wunsch einher, dass sich diese Veränderung sowohl auf ihr inneres, besonders aber auf die Wirkung auf ihr soziales Umfeld überträgt. Nicht dass diese Menschen sich über die Ausschöpfung der Möglichkeiten von Veränderungen ihres Äußeres definierten, es stellt sich vielmehr so dar, als dass sie ihr Äußeres auf ihre charakterliche Persönlichkeit übertragen. Dieses Äußere ist zunehmend formbar, steuerbar und beeinflussbar.

Meistens liegen die Gründe für eine Manipulation des Aussehens weniger im Wunsch nach einem Superlativ, so das tendenzielle Ergebnis der Mehrzahl entsprechender Untersuchungen, sondern in der Absicht, das Äußere in einen Zustand zu bringen, der gesellschaftlich in einen Rahmen der sozialen Toleranz fällt. Die Ziele der Menschen, die als Mittel der Wahl die kosmetische Chirurgie wählen, liegen demnach in Veränderungen in genau den Bereichen, die von einem gesellschaftlichen Gefüge in ihrer ursprünglichen Form dieser Äußerlichkeit mindestens mit teilweise erheblichen Störungen, bis hin zum offenen, öfter aber noch perfiderweise unterschwellig versteckt zum gänzlichen Ausschluss von dieser Gemeinschaft führen.

Da der Mensch ein zutiefst soziales Wesen ist, unternimmt er tagtäglich alles, um in der Gesellschaft eine Anerkennung seiner Persönlichkeit zu erreichen. Der Weg dahin ist so vielfältig, wie es Menschen gibt, doch der hier beschriebene Bereich der optischen Attraktivität nimmt dabei weltweit eine Sonderstellung ein. Das zeigt sich schon allein in der Tatsache, dass optische Manipulationen in allen Teilen der Erde und zu allen Zeiten unserer Gesellschaft eine herausragenden Status einnehmen. Darüber schrieb ich schon häufiger.

Was in der Gegenwart -für mich als eifriger Beobachter dieser Entwicklungen- besonders auffällig ist, sind die steigenden Zahlen der kosmetischen Operationen weltweit. Dieses, als eines der letzten Mittel -vor der pränatalen Einflussnahme- das letzte Mittel, weist hin auf die scheinbar zunehmenden Kräfte der Angleichung der eigenen Persönlichkeit an soziale Idealvorstellungen, in einer Gesellschaft, die sich vermeintlich immer mehr über Äußerlichkeit definiert, oder aber ihr zumindest einen immer größeren Rang zuschreibt.

Das dekadente Wesen Mensch, könnte man annehmen, nutzt die sich ihm bietenden Möglichkeiten immer aus. Was machbar erscheint, wird ausgeführt. War die kosmetische OP noch vor einiger Zeit ein durch ihre immensen Kosten der reichen Oberschicht vorbehaltenes Mittel, beispielsweise überbezahlten Mimen, bei denen man es durch ihre öffentliche Tätigkeit stets gut nachvollziehen konnte, (Cher, Elizabeth Taylor, u.v.a.m.) so bietet sich diese Möglichkeit zunehmend jedermann an. Wie oben erwähnt, angenommen wird es mehr und mehr, was die Zahlen der Umsätze der Branche offen nachvollziehbar verdeutlichen.

Vorläufiges Fazit: hauptsächlicher Grund für die kosmetische Operation scheint die Beseitigung eines selbst empfundenen Mangels zu sein. Die Ursache dieser Empfindung scheint vorrangig daraus zu resultieren, dass der Mensch sich per Definition seines Äußeren sozial anerkannt fühlt. Die Idealvorstellungen, denen jede Gemeinschaft anzugehören bestrebt ist, wurde durch sie selbst erschaffen. Die Erreichung dieses Zustands kann nicht das erklärte Ziel sein, sondern die Ausmerzung all der Hindernisse, die eine Zugehörigkeit gefährden. Im Moment erscheint es einfacher zu sein, optische Hindernisse aus dem Wege zu räumen, als sich idealistisch-geistig zu entwickeln. Doch noch ist nicht aller Tage Abend!

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Zensur des schönen Hässlichen (140)

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Darf ich alles ansehen, was es gibt? Existieren Dinge, Wesen, Geschehenisse, die meinen Augen verschlossen bleiben (sollen)? Wie würde ich diese Fragestellung in eine Beziehung zu meiner naturwissenschaftlichen Bildung setzen? Ein Essay.

Alle Dinge bestehen aus einer Ansammlung von Atomen, Elektronen, Protonen, Quarks oder Neutrinos, vielleicht sogar Higgs Teichen, diese von uns wahrgenommen werden, wenn Lichtenergie auf ein Körper trifft Albedo . (Selbstleuchtende Körper übergehe ich einmal.) Grundsätzlich kann ein Körper jede mögliche Form annehmen. Durch physikalische Kräfte bedingt, und im Zusammenschluss der Teilchen unter Adhäsion und Kohäsion kommen sie zustande. Unter dem Einfluss in bestimmten Wellenlängen auftreffender elektromagnetischer Strahlung kann unser dafür eingebauter Sensor, das Auge, die Formen und Farben der Körper wahrnehmen. Wir sehen etwas. Soweit die physikalischen Abläufe in kurz angerissener Weise.

Spannend wird es, wenn wir Menschen beginnen, diese physikalischen Information zu deuten, zu erklären oder zu steuern. Bevor wir dies tun, ist von Grund auf jede Erscheinung ohne Bedeutung. Bis der Mensch eine Definition festlegt. Einem Kinde beispielsweise erklären wir die Welt, weil es nicht weiß, was die Dinge bedeuten. Die Dinge, Erscheinungen selbst wissen nichts davon. Sie sind seit ihrer Entstehung immernoch gleicher Natur. Dennoch belegte der Mensch im Laufe der Zeit, die Jahrhunderte und Jahrtausende ausmacht, die Dinge nicht immer identisch. Das ist ein zentraler Punkt. Unter dessen Berücksichtigung wird die Sichtweise auf die Dinge ungemein geschärft. Ein steter Wandel also begleitet die manigfaltigen Bedeutungen in ihrer Erscheinung.

An dieser Stelle möchte ich die folgenden, einfachen Fragen aufwerfen und ihnen sogleich darauf nachgehen: Woher nehmen wir diese und jene Bedeutung der Dinge, der Wesen, der Erscheinungen? Warum verteidigen wir sie gegen Gedanken, Ideen und Gefühle? Warum hinterfragen wir sie so wenig? Passable Beispiele zur Erforschung dieser Fragestellung finden sich in jedem noch so profanen Begriff. Dessen Bedeutung erzeugt bei jedem von uns ähnliche und weniger ähnliche Assoziationen.

Was wäre mit dem Begriff  „rot“, oder dem Begriff „Bein“? Fallen einem zu diesen beiden Begriffen verschiedene Bedeutungen ein? Wie wäre es mit der Bedeutung des Wortes Vertrauen? Vertrauen besitzt eigentlich nicht den Status eines Wesens, Dings oder einer Erscheinung (im weitesten Sinne ist Erscheinung noch eine akzeptable Bezeichnung dafür) , sondern wird mehr als Zustand umschrieben. Dazu fallen mir viele differenzierte Erläuterungen ein. Da jedoch zu Beginn dieses Artikels von der Bedeutung von Dingen und Wesen die Rede war, die wir mit unseren Augen sehen können, möchte ich nicht über einen Zustand nachdenken, sondern den Begriff „Haut“ hernehmen und ganz kurz umreißen. (Schon deshalb ist er für mich spannend, weil er in engeren Sinne direkt mit Aussehen in Verbindung gebracht wird!)

Unter „Haut“ versteht die Menschheit auf der gesamten Erde meist dasselbe. Der Umgang mit ihrer Erscheinung jedoch gestaltet sich in den Kulturen der Welt und den Epochen der Gesellschaften äußerst vielfältig und variabel. In einer bestimmten Epoche ist es en Vogue etwas mehr Haut zu zeigen, zu einer anderen Zeit ist es -im Gegenteil- mehr als verpönt. In manchen Ethnologien wird die Haut geschmückt, indem man sie einritzt, in der nächsten Kultur tätowiert und der übernächsten gilt eine bestimmte Farbe der Haut als Voraussetzung für eine Akzeptanz eines Individuums in der Gesellschaft. Soweit nur ein ganz kleiner Ausschnitt, der aber schon jetzt verdeutlicht, worauf ich hinaus möchte. Zuvor aber noch ein anderer Gedanke.

Als problematisch für das Verständnis der Menschen von Bedeutungen sehe ich ihren Wandel an. Der lässt die Menschen oftmals nicht Schritt halten. Dabei spielt es keine Rolle, ob sich der Wandel über eine relativ kurze Spanne von einem Jahr oder kürzer vollzieht oder erst im Laufe von mehreren Jahrzehnten sein neues Gewand hervor bringt. Liegt es nämlich in der Verantwortung der Erziehenden, Inhalte zu vermitteln, so liegt es hingegen in der Verpflichtung der Schüler, das Erlernte zu reflektieren. (Was wiederum eine freigeistige Erziehung voraussetzt, was wiederum voraussetzt, dass der erziehende freigeistiger Gedanken fähig ist…) Auch gilt hier zu erwägen, in wie weit sich der Erklärende von seiner Natur entfernt und Probleme dadurch entstehen, dass diese unterdrückt (gehört) 😉 und massiv einer künstlichen Bestimmung untergeordnet wird. (Letzteres sei nur am Rande bemerkt, dazu ließe sich ein eigener Artikel verfassen.)

Zurück zu den eingangs gestellten Fragen. Woraus bildet sich jene stille Übereinkunft, in einer Erscheinung einen bestimmten Sinn zu erkennen. Von erlernt über eingetrichtert bishin zu verinnerlicht durch Vorleben erreichen uns schier unendliche Sinninhalte. Diese addieren sich in unserem Gedächtnis auf einer Habenseite eines Kontos, während auf der Sollseite unsere individuelle Empfindungswelt einen Ausgleich zu finden sucht. Bringe ich dazu meinen Verstand ins Spiel, so folgt zwangsläufig die Überlegung, was dem Sinn der Erscheinungen seinen Sinn gibt. Wodurch und worin ordnet sich eine Erscheinung in Bezug auf ihre Sichbarkeit und Unsichtbarkeit ein.

Was ich mir ansehe, was ich mir nicht ansehen soll und warum ich es nicht soll, das kann eine spannende Entdeckungsreise werden. Gehe ich dem nach. Um das zu können, suche ich zunächst nach dem Grund dafür, warum bestimmte Dinge, Erscheinungen und Wesen per Definition bestimmte Adjektive erhalten. Adjektive wie etwa ekelig (gefühlserzeugend), schleimig (Aggregatzustand beschreibend), rauh (haptisch), oder anziehend (gefühlserzeugend), stabil (Aggregatzustand beschreibend), weich (haptisch). Wir verbinden Erscheinungen mit diesen positiven und negativen Adjektiven, während die Struktur an sich nichts mit den menschlichen Umschreibungen und insbesondere Wertungen zu tun hat. Warum verbergen wir Bestimmtes vor unseren Augen, was hat uns so weit gebracht, woher kommt dieser Zustand? Überdenken wir, was uns dazu veranlasst, und wir entdecken manchen Irrtum. Fortsetzung der Überlegungen in Teil 2 demnächst auf diesem Blog 🙂

Aussenwerbung des Körpers (125)

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In diesem Abschnitt geht es darum, mit welchen Mitteln und warum wir Menschen beständig um die Aufmerksamkeit unserer Zeitgenossen buhlen.

Man sagt, kleine Frauen trügen gerne lautes Schuhwerk. Während meiner Jugend war es gang und gäbe sich unter seine Schuhe, es waren gerne Stiefel, Metallplättchen zu nageln. Mit dem daraus resultierenden metallisch klingendem Klackern während seiner Schritte fiel man stets auf, wenn man kam oder ging.

Schrille Kleidung ist ein weiteres, probates Mittel, um sich Aufmerksamkeit zu erhaschen. Zwar nicht jeder letzte Schrei mutiert zum Trendsetter, doch eine Extravaganz in der Kleidung führt fast immer zum Erfolg bei uns visuellen Wesen, wenn man auffallen will.

Wer sich großzügig behängt, mit was auch immer, der sticht aus der Masse der Menschen heraus. Ob sich der Mensch mit allerley Tändel umgibt, einem Haus, einem Auto, einer Yacht, einem Pferd, so wird er nicht lange ohne die aus dem Werbespot der Sparkasse mir in Erinnerung gebliebene Pferdepflegerin bleiben. Kaum ein Mensch will im Mainstream, der „wabernden Masse“ mitlaufen, wie einst die Rockgruppe Bap in „Kristallnacht“ verkündete, oder wie es Hermann Hesse mit den Worten „…dummes Schaf in der Herde der Vielen.“ in seinem Klassiker Siddharta bezeichnete.

Dabei ist es keineswegs so, dass sich nur die weniger Schönen oder wenig Schönen aufzupäppeln gedenken, nein, selbst die Schönen stehen dem in nichts nach, auch sie wollen noch schöner dastehen.

Worauf das alles hinausläuft? Nur ein Ziel ist vordergründig zu belegen, glaubt man den vielen Forschern: Der Mensch strebt danach, bestmögliche Ausgangssituationen zu schaffen, um sich erfolgreich zu vermehren. Je mehr er in der Gesellschaft darstellt, desto größer ist die Chance, die Auswahl, einen wertvollen Partner – im Sinne der guten Gene- zu gewinnen. Dabei sind die Rollen, wenn auch im Wandel begriffen, klar zwischen Männchen und Weibchen differenziert! Mann = Status, Haben und Kraft, Frau = Zierde, Schmuck und Gebärfähigkeit. Heute wie gestern, denn in der Jugend und unter den jungen Erwachsenen heute ist es nicht anders als bei den Generationen davor!

Nicht die vielen anderslautenden Lippenbekenntnisse von den inneren Werten, wieder und wieder in die Runde geworfen, und mit penetranter Vehemenz wiederholt, können darüber hinwegtäuschen, dass der Mensch in seiner Eitelkeit kein Stück weiter ist, als ein siamesisches Kampffischmännchen! Und wie die Kampffischweibchen dem Balzen der Männchen nicht widerstehen können, so ist es bei uns Menschen – nur mit umgedrehten Kennzeichen: Die Männchen sind seltenst in der Lage, den Reizen der Weibchen zu widerstehen! Das wissen die Weibchen par Excellence einzusetzen. Wir alle plustern uns auf wie der Kugelfisch! Wir brüllen laut, wie der Löwe, besonders die kleineren Vertreter unserer Spezies.

Der Schein in unserer Gesellschaft, in der heutigen Zeit ist von enormer Bedeutung, wie das dazugehörige Schauspiel der Menschen ebenso. Fast ausnahmslos nehmen die Menschen im Augenblick der Verkleidung, der Aufhübschung, der Tarnung eine einstudierte Rolle an, die durch gesellschaftliche Normen, Regeln und Konventionen strikt vorgeschrieben ist. Der Mensch funktioniert ganz passabel, Überschreitungen oder gar Ausbrüche sind selten zu beobachten.

Um aus dieser Arena auszubrechen bedarf es einer ganzen Menge Selbstbewusstsein und Selbstsicherheit. Warum die wenigsten Menschen damit in ausreichendem Maße gesegnet sind, ist ein Rätsel. Warum nur schwimmen so viele mit in diesem Strom? Warum wagen nicht mehr denkende Wesen einmal den Ausstieg ans Ufer, um zu sichten, wohin die Reise geht, und zu überdenken, ob das Ziel des Stroms mit dem eigenen Ziel einhergeht? Wollen die Mehrheit der Menschen vielleicht doch lieber in der Anonymität der Masse treiben? Ist es dort vielleicht bequemer und man wird nicht mit wiederkehrenden Entscheidungen belästigt, die man treffen muss und für die man anschließend auch noch die Verantwortung übernehmen muss?

Wie ist diese Ambivalenz zu erklären? Falle ich dann nicht auf, wenn ich auffalle? Falle ich nur auf, wenn ich nicht auffalle, mich nicht an diesem Schönheits-Wettbewerb, an dieser ständigen Aufhübschung beteilige? Nein, das wäre zu weit gedacht. Viele Beispiele lassen sich finden, die belegen, dass auch mit bedacht geführte Manipulationen -wobei es immer noch Manipulationen bleiben- kaum erkennbar scheinen, und damit der Natürlichkeit zu neuem alten Wirken verhelfen. Vielleicht ist dann ein Weg zu erkennen, der sich geradezu anbietet, der uns nach und nach in eine Abkehr vom SCHEIN hin zu mehr SEIN begleitet. Was aber nicht vergessen werden kann ist die Tatsache, dass schöne Bilder, egal, ob in Form eines attraktiven Menschen oder in Form eines bezaubernden Naturschauspiels immer wieder unsere Seele berühren werden, und unseren Begehr stets auf’s Neue erwecken wird. Dazu sind wir Mensch. Es kommt nur auf das Maß an! Wie in fast allen Belangen, um die es in unserem Leben geht.

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Vorsicht Schönheit (121)

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Das Ziel dieser Betrachtung hier wird es sein, festzustellen, in wie weit die massive Darstellung von schönen Gesichtern und sexy Körpern in sämtlichen Medien unser Verständnis von Aussehen beeinflusst.

Überall, wohin ich auch sehe, erblicke ich schöne Menschen. Ob in Zeitschriften, im Fernsehen, in der Werbung, im Internet, mir lachen stets Kunden der Kieferorthopädie entgegen. Was ich sehe sind Menschen, die „zurechtgemacht“ sind, die geschminkt, gestylt, frisiert und „überarbeitet“ sind. In welcher Art auch immer, das habe ich hier beschrieben. Auf der anderen Seite, der Realität nämlich, bietet sich ein gänzlich anders Bild: auf der Straße, am Arbeitsplatz, in der Stadt, während meiner Freizeit begegne ich Menschen, lebendigen Menschen, nicht von Bildern her, sondern real. Diese sind nur meist nicht so präpariert oder bildbearbeitet. Es sind ungeschminkte darunter, dicke, dürre, krumm gewachsene, alte und ältere.

Diese Diskrepanz hat tatsächlich eine verheerende Wirkung auf uns. Das wurde in mehreren Studien untersucht und konnte bewiesen werden. Als erstes wurde die Vehemenz untersucht, mit der die schönen, schlanken und jungen Gesichter und Körper unsere Aufmerksamkeit überfluten. Es stellte sich heraus, dass diese wiederkehrenden Bildnisse das Empfinden der Betrachter deutlich beeinflussen. Durch eben diese hohe Frequenz der Reizdarbietung verschiebt sich das Empfinden über die Schönheit. Unser Unterbewusstsein speichert all diese Bilder von Schönheit und Ebenmaß und so setzen wir genau diese Schönheiten als normal an. Durch diese Verschiebung haben es „normal“ oder unterdurchschnittlich aussehende Menschen viel schwerer, wenn es um die Attraktivität geht. Durch die ständige Anwesenheit von z.B. George Clooney, Brat Pitt oder Ralf Bauer bei den männlichen und Jessica Biel, Jessica Alba oder Lisa Martinek bei den weiblichen Schauspielern in unserem Fernsehen und der durchschnittlichen Verweildauer der Deutschen vor der Glotze von über 3 1/2 Stunden täglich, oder der Präsenz im Internet meinen wir zunehmend, diese Schönheiten seien das Maß aller Dinge. Wir streben mehr oder weniger bewusst nach solch einem Äußeren. Die Frauen tun dies noch mehr, als die Männer. Und auch sonst im Fernsehen sehen wir meist schöne, wohlgeformte Menschen.

Nehme ich nur mal die sehenswerte Sendung „Wunderschön“ vom WDR. Über die inhaltlich sehr interessant gemachten Beiträge hinaus habe ich vor allem eines festgestellt: Neben wenigen anderen, wie dem sehr sympathischen Stefan Pinow moderieren vor allem Tamina Kallert und Katty Sallie (2014) durch die Sendung, und zwar tun sie das fast immer in engen Jeans, die in der Sendung sehr häufig in der Totalen gezeigt werden. Dadurch kommen ihre wohlgeformten Figuren immer wieder gut zur Geltung so dass die Sendung absolut auch mit diesen sekundären erotischen Reizen punktet.

Daran anschließen könnte ich noch viele andere Sendungen, sie als Leser werden dies vermutlich selbst häufig festgestellt haben. Wenn ich bedenke, dass der Mensch in Durchschnitt 7-8 Stunden schläft, 9 Stunden arbeitet und noch Hygiene und Nahrungszubereitung in sein tägliches Programm gehört, so sind die über 3,5 h TV täglich mit weit über 50% unser verfügbaren Zeit belegt, und da wurde die Zeit im www zusätzlich oder neben dem fernsehen her noch gar nicht erfasst.

Abgesehen vom Wert dieser Berieselung und der Erkenntnis, was man nicht alles für kreative und schöpferische Dinge tun könnte, wird hier die Gewichtung der schönen Menschen deutlich. Von der Werbung in anderen Medien habe ich bis jetzt noch nicht mal angefangen zu sprechen. Diese Faktoren kommen zusätzlich zum Treiben auf der Mattscheibe hinzu und auch dabei begegnen uns fast ausschließlich attraktive Menschen.

Als Folge davon wurde in o.g. Studien eine steigende Unzufriedenheit in uns diagnostiziert und daran anhängend der Wunsch nach eigener Veränderung. Die Zahl derer, die sich wünschen, so auszusehen, wie eine Schönheit aus der medialen Welt, steigt zunehmend. Doch Wissenschaftler warnen in ihrem Fazit vor diesem Phänomen: durch die überbordende Anzahl gestylter Personen in den Medien verlieren viele Menschen den Bezug zur Realität. Aufschreckende Beispiele finden sich überall. Es sind Fälle beschrieben, in denen über Personen berichtet wurde, die in Therapie kamen, weil ihr Wertebild vom Partner gehörig durcheinander gekommen war, weil dieser in der Wirklichkeit doch altert.

Auch die Leichtigkeit im Netz an Bilder nackter Menschen zu gelangen hat zur Folge, dass sich schon junge Menschen von 12 oder 13 Jahren einer Intimrasur unterziehen, ohne wirklich zu wissen, warum sie dies tun. Als Begründung wird die Präsenz im Internet genannt, wo fast ausschließlich nackte Menschen mit rasiertem Schambereich abgebildet werden.

So sollten wir, wie in vielen Bereichen des Lebens, mit großem Bedacht an die schöne (neue) Welt heran gehen, und sich stets ins Bewusstsein rufen, dass oftmals mehr der Schein trügt, als es das Sein tatsächlich ist.

Schönheiten, soweit das Auge reicht. Wie weit reicht es denn? (115)

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In diesem Artikel möchte ich der Frage nachgehen, warum dem einen Menschen die schöne Frau oder der interessante Mann auffällt und einem anderen Menschen das Aussehen der Personen in seinem Umfeld einerlei zu sein scheint.

Tausend schöne Menschen um ihn herum, und er sieht sie nicht! Der Superstar neben ihm in der Warteschlange am Flughafen, und er bemerkt ihn nicht! Die schöne Frau sitzt ihm gegenüber im Abteil, und er sieht sie nicht! Der gutaussehende, charismatisch-interessante Gentleman sitzt neben ihr im Bistro, und sie nimmt ihn nicht wahr! Situationen aus dem Alltag.

Warum könnte es so sein? Weil er und sie mit anderen Dingen beschäftigt sind? Weil ihre Wahrnehmung auf andere Dinge gerichtet ist oder weil die Wahrnehmung nach innen gerichtet ist?

Auf der anderen Seite gehen Personen durch die Stadt, denen die schönen Menschen, die ihnen begegnen, nicht entgehen. Sie sehen sie alle, nehmen sie wahr, erfassen sie mit ihrem Blick, kontaktieren sie mit ihren Augen, manchmal mit einem Lächeln in den Augen, einer Sympathiebekundung ähnlich. Sie betreten das Café, sehen die Menschen an, die dort ebenfalls zu Gast sind und werden der Attraktivität der Personen sofort gewahr.

Was unterscheidet diese Personengruppen im Hinblick auf die Wahrnehmung von Schönheit und Attraktivität voneinander? Die Reaktion auf das Äußere der Menschen könnte unterschiedlicher nicht sein. Woraus resultiert diese Differenz?

Menschen nehmen ihr Umfeld in unterschiedlicher Weise wahr. Von sehr introvertiert daher kommenden, ja fast abwesend wirkenden Menschen reicht die Spannbreite bishin zu äußerst offenen, aufmerksamen Personen, die hellwach wirken. Doch nicht nur innerhalb dieser Grenzen bewegt sich die Wahrnehmung von Schönheit und Attraktivität. Ein zweiter Aspekt ist die Unterscheidung der Menschen im Hinblick auf ihr soziales Umfeld. Damit meine ich zuerst die Quantität der informellen und formellen Kontakte des Einzelnen. Als zweites kann ich die Unterschiede in der Qualität beschreiben.

Zunächst einmal zur Quantität. Wie wirkt es sich aus, wenn eine Person in regem Kontakt mit einer großen Anzahl von Menschen steht?

Dabei kann es die Masse der Großstadt sein. Entweder der Ort, an dem man wohnt oder an dem man arbeitet. Es kann gleichwohl der Arbeitsplatz sein, an dem man -dem Berufsbild entsprechend- in ständigem Kontakt zu vielen z.B. Kunden, Gästen oder Patienten steht. Erwartungsgemäß könnte eine solch hohe Frequenz der zwischenmenschlichen Kontakte zu anderen Reaktionen auf das Aussehen der Menschen führen, als bei einer Person, die in suburbanen oder dörflich geprägten Gegenden lebt. Dort begegnen einem nur sporadisch Menschen, häufig bekannte Gesichter, selten Fremde.

Erneut der Vergleich im Bereich des Broterwerbs, der Zeitspanne, der wir einen Großteil unserer iLebenszeit opfern. Der Mensch trifft während dieser Arbeitszeit -wiederum dem Berufsbild entsprechend- auf nur wenige oder gar kein Publikum, wie vielleicht im Beruf des Laboranten, Baggerfahrers oder Lageristen.

An dieser Stelle noch eine Zwischenbemerkung. Gerade im weniger frequentierten Lebensraum, aber auch in Ballungszentren findet meiner Ansicht nach eine schleichende Ent-Sozialisierung statt. Als Ursache führe ich die zunehmende Nutzung aller verfügbaren Medien an. Ein Beispiel aus dem Umfeld meiner Eltern ist das folgende: am Nachmittag finden sich die Senioren nicht mehr zum Kaffeeklatsch ein, sondern sie verpassen kaum eine Folge ihrer Sendung „Kaffee oder Tee“ im Fernsehen. Die Berührungspunkte zu fremden oder auch bekannten Gesichtern spielen sich im Supermarkt, in der Arztpraxis oder beim Bäcker ab.

Als zweites werfe ich einen kurzen Blick auf die Qualität unserer sozialen Kontakte . Sie könnte sich auf unsere Wahrnehmung in Sachen Attraktivität dann auswirken, wenn wir einen nach unserer Vorstellung attraktiven Partner haben. Durch seine Anwesenheit erfahren wir wahrscheinlich eine Art Sättigung an Schönheit, die eine größere Gelassenheit dem anderen (oder gleichen) Geschlecht gegenüber zur Folge hat. Als Einwand könnte man hier einbringen, dass alle Menschen tendenziell immer nach Neuem streben. Das hätte in letzter Konsequenz die Tatsache zur Folge, dass uns nichts und niemand auf Dauer „reichen“ könnte. Umtriebig wären wir irgendwann doch wieder auf der Suche nach anderer, neuer Schönheit.

Neben diesen Faktoren spielen natürlich die Vorlieben jedes Einzelnen die Hauptrolle. Als Ästhet betrachtet der Mensch vielleicht viel häufiger die Formen und Farben der Umgebung. Dabei beschränkt er sich nicht auf die Körperformen des Menschen. Gleichfalls sind es die Formen von Pflanzen, Tieren, Landschaften genau so gut, wie die von Menschenhand erschaffenen Formen, derer ein Ästhet sofort gewahr wird. Dabei kann es sich um ein Kunstobjekt in Form einer Plastik oder eines Gemäldes, wie auch der Form eines Segelbootrumpfes oder Autokarosserie handeln. Für den Liebhaber dieser Formen geht es dabei ganz und gar nicht darum, diese Kunst zu besitzen. Allein die erkennende Betrachtung führt zur Freude über die Schönheit der Welt.

Neben den ästhetischen Gesichtspunkten bei der Betrachtung des wohlgeformten Menschen finden wir bei uns Menschen weitere Vorlieben des Einzelnen. Ein wesentlicher, wenn auch bei vordergründiger Beachtung nicht sehr vorteilhafter, Beweggrund ist die Sensationslust. Gemeint ist die Gafferin und der Gaffer.
Dabei ist es nicht mit dem Hintergrund der sexuellen Begierde abgetan. Dieser ist zwar ursächlich in der Mehrzahl der Fälle als archaischer Trieb latent in uns vorhanden, doch ins offene Bewusstsein dringt er so nicht vor. Es spielt sich viel mehr auf der Ebene der Verbundenheit zwischen Menschen ab. Grundsätzlich mögen sich Menschen, wenn nicht etwas Destruktives dieses Urgefühl getrübt hat. Dieses Gefühl der Verbundenheit kann sich in vielen Facetten im Verhalten des Einzelnen manifestieren. Eine davon ist gerade das Ansehen von Menschen, die einen in irgend einer Weise ansprechen. Das ist nicht nur „live“ möglich, auch in Form von Fotografien und bewegten Bildern. Dieses kann er sogar unbeobachtet tun.

Was kann ich als erstes Fazit bekunden? Wir alle sehen gerne schöne Menschen, nur sind wir dazu nicht jederzeit gleichsam aufnahmefähig. Es liegt bei jedem selbst zu hinterfragen, warum einem manchmal viel mehr schöne Menschen begegnen. Es liegt im Betrachter.

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Paparazzi, der. (107)

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Abfällig bezeichnete unlängst ein Passant einen Fotografierenden mit einem lichtstarken Teleobjektiv als Paparazzi. Er drehte sich zu mir um, und fügte seiner in den luftleeren Raum angegebenen Bemerkung noch hinzu, dass “Sowas“ ja nur gebraucht würde, um den Hintern von irgend welchen Prominenten abzuschießen. Im Anschluss aber an diesem Satz hängte er ein fragendes „oder?“ an, und blickte mich dazu noch an. Ich gebe zu, ich war sehr verdutzt, und ich bejahte seine Bemerkung zu allererst, doch schon während meiner völlig verfehlten, daher geschwafelten Entgegnung wurde mir deren unsinniger Inhalt bewusst, und ich konnte noch eine Gegenfrage anschließen: „Müssen Paparazzi nicht eher unauffällig agieren, anstatt solch auffällige Objektive zu gebrauchen?“

Doch diese Frage schien dann doch zu viel für den Menschen zu sein. Er sah mich entsetzt an, wohl mit dem Gedanken, ob ich ihn in eine Diskussion verwickeln wollte, drehte sich dann doch lieber herum und schlich von dannen.

Was hat es mit dieser Momentaufnahme auf sich? Spiegelt diese Ansicht dieses einzelnen Herrn die Meinung einer ganzen Gruppe von Menschen wieder, die jene Fotografen als Paparazzi betrachten, die ein größer dimensioniertes Objektiv verwenden? Im Zoo oder auf der Safari würde wohl niemand auf derartige Gedanken kommen. Da wäre das anerkannte Motiv wohl für jeden erkennbar in einem Tier zu vermuten.

Anders aber in den Bereichen, in denen Ottonormalbürger einem Fotografen begegnen könnte. In Bereichen wie der Straße, dem Strand, der Stadt und anderen öffentlichen oder halb-öffentlichen Plätzen. Was könnte der Fotograf dort mit einem 500er f1:4,0 fotografieren? Was würde er oder sie denn mit diesem Objektiv in dieser Umgebung erfassen?

Auf der anderen Seite ist die Frage zu stellen, was denn das Ergebnis der „Paparazzi-Arbeit“ ist! Fotos von mehr oder weniger Prominenten, mal mehr mal weniger erwünscht. So gaben doch manche „Prominente“ an, dass sich ihr „Marktwert“, ihre Beliebtheit durchaus in der Frequenz der geschossenen Paparazzi-Fotos berechnete.

Wenn es für die nicht für Fotos von Menschen im urbanen Raum (Streetfotografie) bezahlten Fotografierenden darum geht, authentische Fotografien zu erstellen, so haben sie die Möglichkeit entweder mit einem Normalobjektiv direkt in die Szenerie hinein zu fotografieren, eventuell dies vorher zu erfragen, oder mit einem Teleobjektiv von etwas weiter weg zu dokumentieren. Über die Vorzüge und Nachteile der ein oder anderen Methode habe ich HIER bereits geschrieben.

Kommen wir zurück auf das 500er f1:4. Mal abgesehen von dem Anschaffungspreis, der durchaus im Bereich eines Kleinwagens liegt, stelle ich die Frage, wie oft wir einen Menschen mit diesem Tele auf offener Straße sehen, oder mit einem bauähnlichen Objektiv? Weder in meiner Zeit in Berlin, noch Düsseldorf, noch hier in Koblenz habe ich öfter als 2-3 mal überhaupt einen Fotografierenden mit einem solchen Objektiv gesehen. Ganz anders im Fußballstadion! Massen dieser Linsen mit Fotografen daran laufen um das Spielfeld. Aber auf der Hohestraße in Köln? Fehlanzeige! Am Dom? Fehlanzeige! Da sind dann eher einige 70-300er zu sehen. Doch dieses Objektiv hätte niemals den Ausspruch des Herrn vom Anfang ausgelöst. Dafür kannte er sich wohl zu wenig aus, und dass damit genauso gut der ein oder andere Hintern eines nicht so prominenten Mitmenschen abzulichten wäre, das würde ihm sicher entgehen.

Damit bin ich bei der Krux des kurzen Erlebnisses. Es geht weniger um die Werkzeuge bei der Verrichtung eines Werkes, es geht um das Ergebnis! Dass es mit besseren Werkzeugen leichter, sicherer, oftmals besser geht, das ist schon lange kein Geheimnis mehr. Welche Aussenwirkung ein baulich großes Teleobjektiv hat, ist einerlei, werden doch die damit geschossenen Bilder, gleich ob es Paparazzi-Aufnahmen von Prominenten, die millionenfach in hunderten von Magazinen erscheinen, und exorbitante Auflagen erzielen, oder spannende Detailaufnahmen eines Zebras sind, von der Mehrzahl der Menschen in Massen konsumiert. Auch der Herr vom Anfang wird vermutlich genau wissen, wovon er spricht, wenn er Zuhause die neueste Auflage der „Bunte“, des „Stern“ oder auch der „Gala“ seiner Frau „liest“!

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Weight- One of the Last Acceptable Prejudices

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southern and subtlety blunt

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A thigh gap is a gap in your thigh that is two inches to four inches and it is “a trend that needs to die”, and it seems a bit extreme. I believe the total aggregate of females who are either claiming that thin girls are “being discriminated against”, “muscular/fit is the new thin”, or “curvy is the new thin” has failed to remember thousands of females, especially teenagers and young women have natural gaps in their thighs. The article I set out to find was originally posted by Glamour magazine. What I found in the process is harsh cruel word in which my body is hated, and this article took an unforeseen twist examining unfeigned mean girls as a whole.

Glamour magazine asked 1,800 women ages 18-40 to imagine “overweight” women and “thin” women in a survey. They were told to imagine that they knew nothing about either of…

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Hinsehen erwünscht! (86)

flow jeans hintern Mies-Vandenbergh-Fotografie

Mies-Vandenbergh-Fotografie

   Das Aussehen der Menschen ist ein Thema, mit dem wir uns tagtäglich auseinandersetzen, mal gerne, mal weniger gern. Wir sehen dabei die Menschen um uns herum an, und wir sehen uns selbst immer wieder, jeden Tag vielfach. Das ist am Morgen im Spiegel, sowie den Tag über im Spiegel und in jedem Moment, in dem wir mit einem anderen Menschen in Kontakt treten.

   Verdutzt schauen wir, wenn wir, nicht wie sonst, kurz und meist oberflächlich, sondern auf eine ungewöhnliche Art und Weise angeschaut werden. Was empfindest Du, wenn Dich Dein Gesprächspartner unerwartet intensiv ansieht, eine gefühlte Ewigkeit länger als sonst, die vielleicht in Wirklichkeit nur Bruchteile von Sekunden länger andauert. Als Beschreibung für das Hinsehen entstehen in Dir möglicherweise Worte, wie z.B. „Anglotzen“, „Anstieren“, „Beobachten“ oder „mit den Augen verfolgen“.

   Während bei attraktiven Personen eine Art Gewöhnung durch die häufigeren Blicke nachzuvollziehen ist, ergeht es allen anderen eher so, dass sie eine Verwunderung in sich entdecken, wenn sie betrachtet werden. Nicht, das es immer angenehm wäre, als attraktiver Mensch häufig angeschaut zu werden, dem ist nämlich keineswegs so, wie mir glaubhaft versichert wurde, aber man lernt damit umzugehen. Man lernt zu verstehen, warum ein Gegenüber schaut, etwas intensiver schaut und unter Umständen gerne mal freundlich lächelt. Wenn so etwas noch als angenehm empfunden werden kann, so kann es, wenn es vom Betrachter übertrieben wird, in welcher Form auch immer, leicht zum Ärgernis werden. Wenn aus freundlich ansehen ein Gaffen wird, so werden Blicke als penetrant unangenehm empfunden, und es gestaltet sich im Gefühl der Betrachteten als Verletzung der Persönlichkeit.

   Das Maß für diese Reaktion ist äußerst individuell. Sicher spielen einige Faktoren eine zusätzliche Rolle, wenn nämlich zum Grad der Attraktivität noch die Lebensumstände hinzu gezogen werden. Ob ein Mensch in einer Kleinstadt lebt oder nicht, ob er während seiner Arbeit mit vielen Menschen (Kunden, Patienten, Gästen, Besuchen, usf.) Kontakt hat, ob er sich von seinem Wesen her als gesellig empfindet und ganz oben an, ob er oder sie ein gesundes Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein besitzt. Nicht, dass es hin zur Einbildung überentwickelt sein sollte, nur wenn der Mensch auf dem Weg zu seiner Mitte hin sich befindet, so kann er aus dieser inneren Ruhe souverän mit dem Blick des Anderen umgehen, ihn frei erwidern.

   Er oder sie kann sich dann eher darüber freuen, sobald sein oder ihr Äußeres geschätzt wird -oder auch nicht beachtet wird, das nur nebenbei- mit einem souveränen Lächeln darauf antwortend, als andererseits ein Mensch, der sich seiner viel unbewusster, fremder, unsicherer ist, und sich alle möglichen Sorgen und Gedanken darüber macht, weshalb sein oder ihr gegenüber tatsächlich schaut oder gar lächelt.

   Wenn einem nicht überdurchschnittlich attraktiven Menschen intensivere Blicke begegnen, so wird die Frage entstehen, weshalb sein Betrachter ihn anschaut. Da wir in unserer westlich geprägten Gesellschaft intensive Blicke meist vermeiden, ja es geradezu als unhöflich gilt, ist es auffällig, wenn jemand länger schaut. Viele gehen bei diesen Blicken davon aus, dass an ihrem Äußeren etwas „nicht stimmt“. Dieses Auffallen ist für viele von uns mit unangenehmen Gefühlen belegt. Eine Begründung dafür ist ohne weiteres nicht zu belegen, denn auch dabei spielen etliche Faktoren mit.

   Aus der Tatsache heraus, dass das weitaus interessanteste Thema des Menschen mit himmelweitem Abstand der Mensch selbst ist, möchte ich gerne folgende Ableitung erstellen:

   Weil der Mensch DAS Thema für den Menschen darstellt, sollten wir alle mit dem Betrachten des Menschen einen anderen Umgang lernen; sowie den Umgang mit dem Menschen selbst, oftmals. Nahezu jeder Mensch sieht gerne andere Menschen an. Dennoch verstecken wir uns hinter allen erdenklichen Masken und Mauern. Wir verkleiden uns jeden Tag neu. Wir verstecken uns ziemlich vereinzelt hinter dicksten Mauern. Wenn wir sie verlassen, so eilen wir ziemlich vereinzelt von Punkt A zu Punkt B, möglichst mit mindestens 170 km/h. Unser Umfeld scheint ziemlich genau abgesteckt zu sein, was fremd ist, ist vielleicht nicht gut, zumindest bedenklich.

   Finden wir die Menschen nicht mehr in unserer Realität, so weichen wir auf elektronische Medien aus, zunehmend, wenn man der Statistik nicht völlige Umkehrung der Tatsachen vorwirft. Wenn Schüler eine größere Kommunikation über Social Media betreiben als im persönlichen Gespräch, so sollte das als Warnung erst zu nehmen sein.

   Mir liegt es fern zu wünschen, dass wieder alle Menschen nackt umherlaufen und ausschließlich in Kommunen wohnen, doch wenn ich verstört angesehen werde, wenn ich jemanden anlächle, so gebe ich diese Entfremdung zu bedenken. Als ein Volk von Heimlichtuern nur noch im www Menschen ansehen, ist, wenn die Zahlen auch genau das beweisen, nicht die Sache des sozialen Wesens Mensch. Meine ich!

Sie her, wie hässlich ich bin! (82)

scal jeans hintern    Mies Vandenbergh Fotografie

Mies-Vandenbergh-Fotografie

Wie verhalte ich mich bei einem Kontakt zu einem Menschen, wenn ich glaube, ich bin mit einem Makel, welcher Art auch immer, gezeichnet?

   Inbegriff dafür kann mangelndes Selbstbewusstsein sein, fehlendes Selbstvertrauen oder nicht erlangte Selbstsicherheit. Die äussere Art eines Mangels kann ein offensichtliches Merkmal wie eine Narbe im Gesicht sein, ein zu hohes Körpergewicht oder abweichende Körperproportionen. Während die Narbe ein explizites Merkmal darstellt, so sind die Abweichungen beim Körpergewicht oder in der Körperform abhängig von einer Norm, die im Vorfeld von einer Instanz (Gesellschaft, Mode, Medien) relativ willkürlich festgelegt worden sein muss.

   In einer Erhebung aus den 1990er Jahren bewies ein interessantes Experiment den Einfluss eines offensichtlichen Mangels auf unser Sozialverhalten. Probanden wurde eine deutlich sichtbare Narbe in das Gesicht geschminkt. Mit dieser Narbe sollten sie sich in ein Gespräch mit einer unbekannten Person begeben, und im nachhinein bewerten, in wie fern dieser ihr Makel beachten würde. (verbal oder nonverbal) Die Versuchsperson sollte die Narbe vor dem Gespräch noch mal im Spiegel kontrollieren, und danach wurde sie mit der fadenscheinigen Begründung der Feuchtigkeits-Haltbarmachung tatsächlich aber entfernt.

Als Ergebnis kam heraus, dass über 70% der Probanden eindeutige Reaktionen auf die Narbe feststellten, die ja gar nicht vorhanden war. Eine Kontrollgruppe sollte in den Aufzeichnungen dieser Gespräche nach Hinweisen auf einen Makel bei einer der Gesprächsteilnehmer suchen. Diese fanden erwartungsgemäß keine!

   Als Fazit daraus stelle ich folgenden Gedanken auf. Wenn wir Menschen glauben mit irgend einem Makel behaftet zu sein, und mit dem Wissen über diesen Zustand in eine Phase des Kennenlernens kommen, gegen welche Gefühle und Befürchtungen müssen wir uns behaupten, noch bevor wir überhaupt die Freiheit nutzen können uns so zu zeigen wie wir wirklich sind und nicht zu sein befürchten.

   Da wir alle mit einem mehr oder minder sichtbaren Makel ausgestattet sind, wäre es doch an der Zeit, die Aufklärung dahingehend zu treiben, diesen nicht über Gebühr in den gedanklichen Vordergrund zu rücken, sondern uns freigeistig zu entfalten.