Bleistiftzeichnungen von Poformen (43)

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Mies-Vandenbergh-Fotografie

Linien, nichts als Linien und dennoch erregen diese Linien unsere Aufmerksamkeit. In diesem Beitrag stelle ich Bilder von Körperformen dar, die ausschließlich durch ihre Kontur auf uns wirken. Jemand könnte sagen, es wäre kein Inhalt in den Bildern zu finden und ich würde ihm Recht geben, jedoch nur auf den ersten Blick. Diese Linien stellen Bleistiftzeichnungen dar, und zwar nur die äußeren Konturen menschlicher Körper. Mit Inhalt füllen wir selbst – ich meine damit unsere interprätative Vorstellungskraft. Nicht zuletzt gibt natürlich der Titel dieses Blogs den entscheidenden Hinweis. Aber ich denke, jeder wird sofort diese Konturen erkennen. Warum aber ist es so? Warum erkennen wir sofort, was es A: IST, und B: VON WELCHER GÜTE ES UNS ZU SEIN SCHEINT.

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So wie bei den Scherenschnitten, die uns eine Geschichte vermitteln, von der wir den Inhalt bestens auffassen, so, wie die gelungene Gegenlichtaufnahme eines menschlichen Körpers uns meist auch etwas über die Körperform verrät, so ist es auch bei diesen unscheinbaren Bleistiftzeichnungen. Wir erkennen sehr gut die Proportionen des Menschen. Wir sehen sehr gut, ob der Körper – nach unserer Vorstellung – ebenmäßig gewachsen ist, ob er klein oder groß dimensioniert ist, ob er schlank oder dick ist, ob er gerade dasteht oder verdreht und vor allem, ob er uns anspricht oder nicht!

Wenn ich in einem meiner vorherigen (Link) Artikel schon über die Bedeutung der unteren Rückenpartie geschrieben habe, so möchte ich hier daran anknüpfen und die weiteren Linien des Körpers anhand von vor allem Bildern aber auch Worten beschreiben. Ich fand es sehr spannend im Verlauf dieses Artikels zu erkennen, wie sich die nur kleinste Veränderung der Linienführung auf unsere Attraktivitätsbeurteilung auswirkt. Ich konnte meinen Freundinnen und Freunden diese Fragen in Form von Bildern stellen und die Antworten waren insofern interessant, als dass die Ergebnisse und Schlüsse daraus allesamt sehr ähnlich waren.

Das kann der Leser gerne mal für sich selbst überprüfen. Vergleiche für Dich die unterschiedlich bearbeiteten Körpersilhouetten und lese weiter unten im Fazit nach, welche Formen des Körpers wie von meinen ausgesuchten Probanden bevorzugt wurden und wo Zweifel bestanden, natürlich unrepräsentativ.

Nun ist es wiederum sehr spannend auf die Attraktivitätsforschung zurück zu greifen, und daraus wiederum die Erkenntnisse von der Bedeutung der Symmetrie zu Rate zu ziehen und das – in etwa – auf die Liniendarstellungen zu übertragen. Damit ergibt sich folgendes Bild: Je gleichmäßiger die Proportionen des menschlichen Körpers sind, desto attraktiver mutete er den Befragten an. Und je symmetrischer die Linien in Beziehung zu einander stehen, desto größer war die positive Zustimmung zum Aussehen der Körperlängen.
Als Begründung dafür läßt sich auch hier wieder der archaische Grundsatz der Arterhaltung anwenden. Menschen mit einer „gesunden“ Proportion haben vermeintlich gute Gene in sich, die vermutlich zu einen gesunden Nachwuchs führen werden. Von dieser einfachen Denkart, welche den deutlichen Ergebnissen der Attraktivitätsforschung entliehen sind, kann ich sehr einfach Rückschlüsse auf die Gefühle und Gedanken, die Reaktionen und Reflexe der Menschen wagen, die nachvollziehbar und erklärlich sind.

Tusch B1Tusch B2Tusch B4 Tusch B5Frage ich den Hinseher, warum er ein Abbild eines Menschen für attraktiv halte und ob es wünschenswert sei, diese Person kennen zu lernen, so wird eine Begründung dergestalt folgen, dass eine „schöne, hübsche, gutaussehende“ Person vor ihm oder ihr stünde, von der er oder sie sich gut vorstellen könne, diese kennen zu lernen. Der befragte Mensch ist damit interessiert an diesem Menschen. Würde das Interesse auf Gegenseitigkeit beruhen, wäre eine Beziehung wahrscheinlich. Die eigentliche Frage der Untersuchung liegt aber bei der Aussage des Menschen über die Begründung der Attraktivität. „Warum findest Du diese Person gutaussehend?“
Nun sind die Bleistiftskizzen keine realen Personen, deren Besonderheiten fast immer viel mehr aus machen, als das vergängliche Aussehen. Ich werde mit dem Menschen, den ich einst ansprach, weil er oder sie attraktiv für mich war/ist, auch dann noch zusammen leben wollen, wenn wir alt und grau sind, um auf einer Bank im botanischen Garten sitzend über die Schönheit einer zart in Blüte stehenden Stewartia pseudocamelia sprechen und uns liebevoll zulächeln und an der Hand halten.

Was also bewegt uns, wenn wir, als Single versteht sich selbstredend, an einem verregnetem Novembertag in einem Cafe sitzend, einer Zeitung unsere Aufmerksamkeit schenkend aufblicken, einen Menschen anblicken, der uns berührt, den wir als attraktiv empfinden und deshalb anlächeln. Der Mensch lächelt vielleicht zurück und es ergibt sich weiteres.
„Sind es die Augen, die Haare, die Figur oder etwas anderes, was in mir dieses Interesse an dir erweckte?“ Es muss natürlich nicht die Figur sein, die mir als erstes auffällt, doch ich denke, früher oder später wird jeder Mensch einen Blick „riskieren“ auf die Schultern, die Beine, den Busen, den HINTERN! Ob es wichtig ist oder bleibt, oder nicht so wichtig ist wird sich ergeben. Da die meisten Menschen nicht den vollkommenen Körper vorweisen können oder wenn doch, dann mit tödlicher Sicherheit nicht ewig behalten werden, wachen wir auf Dauer mit dem ein oder anderen Makel seines Partners auf. Und er mit uns! Im Moment des Kennenlernens spielt die Optik dennoch eine entscheidende Rolle. Vielleicht ist die Frau oder der Mann nicht das Modell aus der Werbung, doch Etwas oder Mehreres hat uns bekannt gemacht. Und gefällt uns, rein optisch. Hier behaupte ich einfach mal, dass das auf uns fast alle zutrifft. Die Forschungsergebnisse sagen aus, dass zunehmend symmetrische Formen die Attraktivität steigern. Dass attraktivere Menschen leichter Kontakt knüpfen sei dahingestellt, die Forschung besagt, dass es so ist. Dass sie einfacher einen Partner finden mitnichten.

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Der entscheidende Punkt dabei ist jedoch der, dass der attraktive Mensch durch die gesteigerten optischen Reize eine höhere Aufmerksamkeit erhält, als der weniger attraktive Mensch. Bei einem Menschen mit symmetrischeren Proportionen steigt die Auffälligkeit entsprechend an. Das sagt natürlich nichts über die daraus resultierende Qualität der zwischenmenschlichen Begegnungen aus, aber das soll schließlich nicht Thema dieser Einzelbetrachtung sein. Ich möchte hier darstellen, dass die besonders symmetrische Linie des Menschen eine überdurchschnittliche Attraktivität ergibt. Das hat in unserer Gesellschaft eine höhere Rate der Begegnungen zur Folge, mit der leicht erhöhten Chance, vielleicht dem richtigen Liebsten zu begegnen, ihn zu sehen, auch gefunden zu werden und zusammen den Weg zu gehen.

Wie war es früher: 🙂

„Willst Du mit mir gehen?“
Ja  ……………………   ◊
Nein  ………………..   ◊
Vielleicht  …………   ◊

Der Jeanspo ( 26 )

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Neulich schlenderte ich durch die Koblenzer Innenstadt. Es war ein sonniger Vormittag, ich hatte etwas Zeit bis zu einem Termin, so beschloss ich, mir das neue Einkaufsgebäude am Zentralplatz anzusehen. Ich hatte meine Kamera dabei, aber nicht erwartet, ein paar Streetfotos machen zu können. So kam es am Ende dann auch, es sollte nicht der Tag für gelungene Bilder sein. So ging ich mich ein wenig umsehen, beobachtete und verweilte im Nichtstun. In besagtem Einkaufszentrum findet man eine ungemein hohe Dichte an Klamottenläden. Ich sah mir also die Menschen an, die durch die steril anmutenden, neuen Gänge schritten und sah mir auch die Hosen an, sowie das, was sie ausfüllte. Und dabei wurde mir einiges erneut bewußt. Ich meine noch immer, dass das männliche Geschlecht sich erheblich weniger um die eigene Rückansicht bemüht, als es das Weibliche tut. Ich verstehe gerade bei einigen jüngeren Männern nicht den Sinn einer Hose, deren Schritt bis deutlich unter die Kniekehle geht! Aber was muss ich als „Alter“ da auch verstehen? Während unserer Jugend hätten wir uns eher umgebracht, als derart angezogen anderswo, als im eigenen, mehrfach gesicherten Kellerverlies zu verweilen.

Ich meine, diese Jungen sind schon über die pubertierende Phase hinaus, zeigen ein leichtes Adoleszenzverhalten, während aber diese schlacksige Haltung und Bewegung auf ein typisches Pubertätsgehabe hinweist. Diese Hosenform – ich tue mich schwer bei dieser Hose das Wort „Form“ in den Kontext zu bringen- untermalt geradezu dieses Verhalten auf eindrucksvolle Weise.

Bei den Frauen und Mädchen ist dies nicht zu beobachten. Diese kleiden sich so, dass man annehmen könnte, sie würden am Morgen schon mal die rückwärtige Ansicht begutachten.

Was ich bei den Frauen nur sehr schade finde ist der Stellenwert der modischen Tendenzen – natürlich gerade in diesem einen Fall, 😉 – bzw. die Verfolgung derselben. Die in Mode gekommene Jeans mit tiefer angesetzten Gesäßtaschen hatte ich zwar schon erwähnt, ich möchte es hier aber nochmals tun, weil ich während meiner Pause in einem Straßencafé nochmals aufmerksam auf diesen FAUX PAS der Darstellung des schönen Popos geworden bin.

Ein junges Mädchen von vielleicht 20 Jahren brachte mich zu dieser neuerlichen Überlegung: sie trug eine solche Jeans mit tief sitzenden Gesäßtaschen, hatte eine für meinen Geschmack tolle Figur und einen wirklich wohlgeformten Hintern. Doch diese Jeans verdeckte geradezu die tolle Form des schönen Popos. Die Hose war schon eng anliegend, was zu einer Betonung des Hinterns führte, doch wenn ich mit den Augen der Linie der Poform folgte, so verlor sie sich an der Stelle der Taschen vollständig im Chaos. Ich nehme weiterhin an, dass es den Menschen manchmal nicht bewußt ist, welche Wirkung diese Art Hosen auf die Optik der Figur hat oder die Optik spielt eine geringere Rolle als das Wohlfühlen. Auf Nachfrage erhielt ich bisher jedoch meist die Bestätigung, dass die Trägerin auch von hinten eine gute, ansehnliche Figur machen möchte!

Die Linie wird m.E. durch diese Anordnung der Gesäßtaschen arg gestört, diese Störung verdeckt geradezu die Form des Hinterns in der Jeans. Wie ein Fremdkörper mutet diese Jeans an, als würde sie vielleicht nur noch nicht ganz angezogen, bzw. hochgezogen sein. Wenn ich die Zeilen gerade nochmals selbst überfliege, so entsteht bei mir der Eindruck, als drehe sich hier „Alles“ nur um die Form und die Linie. Es ist natürlich mehr als das, denn wie ich schon weiter oben beschrieben habe, ist es das Zusammenspiel von Form und Formen, von Größenverhältnissen und Größen, von Farben und Lichtern. UND MEHR!

Was dann noch geschah, als ich im gemütlichen Straßencafé in der sonnigen Altstadt bei einer dunklen Schokolade mit Ingwerstückchen saß: Wie schon oft bei der Ablichtung einer Form ist es wieder mal passiert. Ich dachte, welch tolle Ansicht die Figur der Vorrüberschreitenden doch hat und ich fotografierte sie. Später, bei der Sichtung der Fotos aber fand ich das gleiche Bild nicht wieder! Ich fragte mich, ob ich mich denn so täuschen konnte. Doch weit gefehlt. Es lag in diesem Fall einzig und allein an der anmutigen Bewegung. Die Statik des Fotos konnte bei weitem nicht die fantastische Dynamik der Körperbewegungen wiedergeben, welche die außerordentliche Attraktivität erst hervorbrachte. Nur durch die Motion wurde die Figur und das Aussehen, die Schönheit und die Harmonie des Körpers, des Menschen hervorgebracht. So gibt es Momente, einer von vielen, in denen die Fotografie ihre Unzulänglichkeit offenbart und erst das bewegte Bild in seiner Natürlichkeit die Botschaft transportiert. Das aber ist Thema eines weiteren, spannenden Artikels.