Posing 6: Gefallen [14]

Fotoshooting Eifel Modelscout Portrait

Betrachte jene Bilder einmal genauer, die dir besonders gut gefallen. Was ist es, das deine Aufmerksamkeit erweckt? Warum gefällt dir genau dieses Bild? Was ist an diesem Bild besonders? Was ist diesem Bild anders, als an den vielen Millionen anderen Bildern, die tagtäglich um deine Aufmerksamkeit buhlen?

Wo verweilen deine Augen gerne länger, zu welchen Einzelheiten wenden sie sich, zwischen welchen Merkmalen wandern deine Augen hin und her? Oder ist es der Gesamteindruck, der dieses Bild besonders macht. Erreicht dich eine Art „Wow-Effekt“, der dich sprachlos überzeugt, bevor dir überhaupt klar wird, warum es so ist?

Und im weiteren, wie ist es mit dem Bild im Laufe der Zeit? Bleibt deine positive Bewertung erhalten oder verändert sie sich? Nutzt sich das Bild ab, gewöhnt sich dein Eindruck an das Bild oder kann die Begeisterung, die überzeugende Wirkung bestand halten?

Kannst (oder möchtest) du überhaupt analysieren, warum dir ein Bild gefällt? Da ich in der Reihe „Posing“ von Menschenbildern ausgehe, beginnt die Analyse natürlich mit dem Ausdruck des abgebildeten Menschen. Darauf folgt die Körperhaltung des Menschen.

Der sichtbare Teil des Körpers spielt eine Rolle, aber auch das, was nicht zu sehen ist, ist von entscheidender Wirkung auf den Betrachter. Wie viel siehst du vom Menschen? Denn ganzen Körper? Nur einen Teil des Körpers? Welchen Teil siehst du und ist es ein Teil des Körpers, der gemeinhin nicht üblicherweise zu sehen ist? Ist es eine Gliedmaße, die allgemein nicht öffentlich sichtbar gezeigt wird, deren Sichtbarkeit eine Art wohliger voyeuristischer Empfindung im Betrachter auslöst und eine daher rührende (heimliche) Begeisterung zur Folge hat?

Es kann ferner eine ungewöhnlich spannende Perspektive sein, die eine positive Gefühlsregung mit anschließender Begeisterung für eine Aufnahme hervor rufen. Nur warum ist es so? Was macht diese Aufnahmen so anziehend, für den einzelnen, oder für eine ganze Gemeinschaft von Betrachtern. Ist es ein Bein, ein Arm, die Statur, die Form, die Proportionen oder der Blick, der vielleicht laszive Blick, oder ein stolz-unnahbarer Blick, der dich fesselt? Überlege einmal, während du dir zwei, drei Bilder ansiehst, die dir so gut gefallen!

Was Du siehst. [4]

Du erschaffst ein Bild? Was ist es, das du abbilden möchtest. Was möchtest du ausdrücken? Was ist deine Intention? Was möchtest du dem Betrachter sagen?



Ist es ein technisch einwandfreies Bild? Ein Bild, in welchem sich viele der Regeln über Komplementärfarben und Perspektiven, über Aus- und Anschnitte, Schärfe und Bokeh und über Posing und Hintergründe wiederfinden lassen? Ein Bild, das eben durch die Umsetzung dieser Regeln einer „breiteren“ Gemeinschaft „zusagen“, auffallen wird, durch seine anerkannt stimmigen Einstellungen zum Lobe gereicht wird? Oder möchtest du andere Wege beschreiten? Wege, die von nur wenigen vorher eingeschlagen wurden? Wege zu Bildern, die sich von der Masse abheben, deutlich unterscheiden, deren Andersartigkeit aber auch bishin zum verstörend verwirrenden, unklar fragwürdigem oder extravagant Außergewöhnlichen weisen. Und da genau liegt der Punkt bei der Entscheidung: 

Fotografierst du „konformer“ so dass deine Arbeit eine breitere Masse erreichen kann oder liegt dir viel mehr das Ungewöhnliche, dessen Aufmerksamkeit hauptsächlich dem geschulteren Auge Beachtung abringt, sich aber dadurch der Mehrheit der Betrachter nicht unbedingt erschließt?

Ganz zu schweigen von der Beliebigkeit jener Bilder, die in ihrer Belanglosigkeit der einfachsten Erstellung durch jedes noch so einfachste Aufnahmegerät zur Bilderflut im einzigen globalen Medium dienen und die wenigen Bilder in der Masse der Aufnahmen mit sich reißen. (Blüten daraus mal ausgenommen!)

Dies könnte eine Frage sein, die du dir bei der Erstellung einer Fotografie jedes Mal von neuem stellen könntest und die dich vielleicht auf dem Wege deiner Entwicklung, respektive der Entwicklung eines eigenen Stils, wenn du einen solchen angedacht haben solltest, unterstützen wird.

Das Bild oder der Mensch? [3]

Was siehst du, wenn du ein Portrait betrachtest? 

Millionen von Fotografien unzähliger Menschen sind im Netz. Auf vielen unterschiedlichen Plattformen sind Bilder aller Art zu betrachten. Etwa auf Instagram, Facebook, flickr, 500px, auf Seiten der fotocumunities und Fotomagazinen u.v.a.m. kann sich jeder Mensch „durchklicken“ und hin und wieder ein „LIKE“ hinterlassen. 

So finden sich Menschen-Bilder mit mehr und Menschen-Bilder mit weniger Aufmerksamkeit und weniger „Likes“. Was und ob es überhaupt etwas über die Qualität des Bildes aussagt kann jeder für sich selbst bestimmen. Ob ein „gutes“ Bild von einem Fotografen mit geringer Reichweite oder weniger Followern oder ein schlechtes Bild von einem Fotografen mit sehr vielen Followern ist, das die größere Anzahl von „Likes“ erhält, sei hier gleichwohl unkommentiert.

Die Frage ist viel mehr, was dir in den Sinn kommt, wenn du ein Bild betrachtest oder überscrollst. Was siehst du? Die Ausstrahlung des Menschen? Oder die Qualität der Aufnahmen? Zeitweise beides? 

Was erkennt der „Durchschnittsbetrachter“ beim scrollen, bestenfalls im Einzelbildmodus am 27 Zoll Monitor, ungünstigstenfalls auf dem kleinen Smartphone-Display im Galleriemodus? 

Wieviel erkennt der Betrachter, wieviel erkennst du von Bilddiagonalen, vom Anschnitt oder der Lichtführung, von Bokeh oder Flares, von Spitzlichtern oder weichem Rembrandt-Licht?

Was nimmt der Betrachter wahr von der Haltung der Hände, der Stellung der Füße oder der Blickrichtung des Menschen? Was sieht der Hinsehende in der Milisekunde der Zeit, die ihm bleibt für die Sichtung des Bildes von Körper-Dynamik und Körperspannung, vom Sitz der Kleidung oder erst deren Auswahl?

Was empfindet der Gast bei einer Präsentation, wenn er einen Menschen auf einem Bildträger jedweder Art sieht? 

Den Mensch? Den Ausdruck? Die Bildaussage? Eine Schönheit? Eine Sympathie oder eine Ablehnung? 

Was denkst du ist es bei dir? 

Ist es möglicherweise ganz schlicht ein Zusammenspiel aller möglichen Faktoren? Erfolgt deren intuitive Bewertung dadurch, dass ein Eindruck steht und fällt mit dem Fehlen eines oder mehrerer Einzelfaktoren, die die Summe der Aussage tatsächlich, wenn nicht ein Faktor andere überstrahlen kann, diese vernichten kann?

Unbekannter Künstler

Ein Werkstück kann als Kunstwerk anerkannt sein. Kunst kann allgemein gültig sein. Mehrheitlich wurden Festlegungen getroffen. Es wurde unterschieden zwischen Kunst und „Nichtkunst“, zwischen möglicher Kunst und unwahrscheinlich zu Kunst werdenden Werken. 

Vermeintliche Kunst kann zur Kunst werden, wenn Werke nur ein ausreichendes Maß an Quantität der Beachtung finden. Selbst wahrhaftige Kunst kann durch mangelnde Wahrnehmung als „Nichtkunst“ ihr Dasein fristen. 

Kunst kann der Zeit entwachsen sein, ihr voraus, ihr hernach. Kunst kann dem Ort nicht gemäß sein. Kunst kann der Empfindung der Zeit entrückt sein. 

Wo du dich wann befindest, wer dich wahrnimmt und wie, das bezeichnet den Stand deiner selbst. Jedoch sagt es nichts aus über Dein Wesen, allein über die Verknüpfung deiner Erscheinung in deiner dich umgebenden Welt. 

Kaufe! Gefälligst! (205)

piri jeans hintern

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Hast Du eine Fotokamera? Gut. Dann gehörst Du einer sehr beliebten Gruppe an: Du bist Käufer! Unter den vielen Gruppen der Bevölkerung, die gerne in positiv oder negativ eingeteilt werden, nämlich diesem Beispiel zufolge in Käufer oder Nichtkäufer, gilt je nach gesellschaftlicher Einstufung: Nutzen oder Nichtnutzen: für die (Markt-)wirtschaft. Kaufst Du nicht, bist Du nichts!

Bei der Betrachtung der menschlichen Belange einerseits und den gesellschaftlich-sozialen Verknüpfungen andererseits kommt es bei der Herangehensweise zu vielfältigen möglichen Annäherungen. In der Literatur werden die unterschiedlichsten Ansätze verwendet, wodurch es zu ebenso vielen, kontrovers diskutierten Thesen kommt. Erst zusammengenommen ergeben sie einen interessanten Überblick über den aktuellen Stand der Forschung in Sachen Sozialisation des Individuums.

Unabhängig davon, ob man über Foucault, Villa oder Habermas zu einem Ansatz einer eigenen Betrachtung kommt, spannend ist für mich die Verknüpfung dieser Theorien. Verglichen mit den eigenen Beobachtungen und Schlüssen und den daraus resultierenden Ergebnissen erschließen sich oftmals gänzlich neue Ideen und Thesen. Die Sichtweise jedes einzelnen, der sich Gedanken über das Verhalten des Menschen, so auch über sein eigenes Handeln macht, kann sehr spannend werden, wenn sie zusätzlich in irgend einer Form kommuniziert wird.

Ob das nun durch Worte in Textform geschieht oder durch Bilder, durch Zurschaustellung des eigenen Charakters durch Wahl des Äußeren oder durch Handlungen, das unterscheidet sich lediglich im Weg der Kommunikation. Dabei ist natürlich entscheidend, wer, beziehungsweise welche Gruppe dieser gewählten Sprache mächtig ist. Ist man der Sprache, dem Dresscode oder sonst einem Soft Skill nicht mächtig, bleibt man außen vor, und das längst nicht immer offensichtlich.

Ob das beim Individuum die ausreichend unterschiedlichen Kleidungsstücke sind, deren Stil für den Träger eine ganz genau definierte Stimmung ausdrückt, oder eine Wortwahl inklusive Ausdruck, Mimik, Gestik, deren Wahl beim Adressaten ebenso eine Befindlichkeit vermitteln möchte, es kommt ganz wesentlich darauf an, dass der andere diese Sprache überhaupt versteht. Rotgerinngelt=giftig!? Zumindest bei manchen Tieren ist es relativ deutlich. Und bei Menschen und deren Kulturen, wie sieht es da mit der Eindeutigkeit aus?

In den vielen Bereichen der menschlichen Kommunikation, ob unter Individuen, Individuen und Gruppen oder Gruppen untereinander, geraten viele Teilnehmer immer wieder in einen Strudel von Missverständnissen. Die Komplexität ist stark abhängig von sehr spezifischen Anforderungen, die nicht ohne weiteres von den Mitgliedern einer Gemeinschaft erfüllt werden können und zwar aus mehreren Gründen: die schnelllebigen Zeiten erfordern eine hohe Flexibilität und ein rasches Auffassungsvermögen für Veränderungen. Unterschiedliche Bewertungen und Maßstäbe im Umgang mit Regeln und Übereinkünften, extrem abhängig von persönlichen und temporären Befindlichkeiten, führen bei den immer häufiger werdenden Begegnungen zu immer mehr zu Konfrontationen. Selbst deren Abläufe bergen eine Vielzahl von Irrtümern, die schnell zu inneren Konflikten und Vorurteilen führen können.

Wir als affektierte Wesen reagieren lange vor unserer eigentlich durchdachten Erwiderung körperlich mit Gesten und Gesichtsausdrücken, sehr schön beschrieben von Sammy Molcho. Bevor es aber zum direkten Austausch zwischen Kommunizierenden kommen kann, muss erst einmal Kontakt bestehen, das heißt, ein Individuum muss wahrgenommen werden. Sogar einen Schritt weiter möchte ich hier gehen, das Individuum muss sogar akzeptiert sein, um eine Wirkung erzielen zu können. Pure Wahrnehmung reicht da nicht aus, denn eine sofortige Ignoranz oder bewusster Ausschluß eines Wesens unterbindet jegliche Kommunikation. Damit komme ich zurück zum Ausgangspunkt dieses Artikels. Ökonomisch bist Du nur dann von Bedeutung, wenn Du Kaufkraft besitzt und diese auch einsetzt. Da wir in einer ökonomisch relevanten Zeit, immer weiter weg bewegend vom Sozialen in der sozialen Marktwirtschaft hin zur freien Marktwirtschaft leben, fristen meiner persönlichen Meinung nach andere Bereiche des menschlichen Lebens zunehmend ein Nischendasein. Durch diese Verschiebung sehe ich die Fähigkeiten der Menschen untereinander FREI in Kontakt zu treten immer mehr gefährdet. Nicht die Frage “ Meint er es ernst, meint er es so oder so?“ steht im Raum, vielmehr die Frage „Was bezweckt er damit, welchen Nutzen verspricht er sich und welche Vorteile sind für mich erreichbar und vor allem, was kostet es mich, verliere ich etwas?“ läuft intern ab.

Nach der Wiedergabe meiner Gedanken zu diesem Thema möchte ich eine Aussicht nicht schuldig bleiben und eine Anregung geben. Versuche doch mal eine Begegnung mit bekannten und unbekannten Menschen ganz anders zu beginnen: Was kannst du dem Menschen vor dir schenken: Zeit, Achtung, Höflichkeit, Vertrauen? Selbst dann, wenn du vielleicht ein Minusgeschäft machst, es sogar abzusehen ist, denke darüber nach, ob nicht möglicherweise die Währung innere Großmütigkeit deinerseits einen viel höheren Wert besitzt, als ein Triumph über ein Wesen vor dir. Sicher sollst Du nicht blindlings in die an jeder Ecke lauernden (Konsum-) Fallen laufen und dich „verkaufen“ an Dinge oder Wesen, doch eine Freiheit in deinen Gedanken und Gefühlen reißt mitunter Dämme ein, die dir die Sicht auf die Freiheit und den Sinn bisher vernebelten. Verändere immer wieder deinen Standpunkt. Die Aussicht ist phänomenal, sei dir gewiss!

Verlosung, raffle, present, tombola, gift, cadeau, rifa, regalo

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Ein kleines Präsent (siehe oben, ALUMINIUM 30x20cm ) für meine Abonnenten: Ich möchte ein Aluminium-Direkt-Druck eines Fotos aus meinen Arbeiten verlosen. Der bei Whitewall produzierte Druck wird unter allen Einsendern verlost, die mir eine kleine Kritik (Was kann besser werden, was könnte ich ändern!!!!, also bitte nicht : Schön!, Toll!, Gefällt mir! oder sowas 😉 ) über meinen Blog hinterlassen. Also, wer möchte, ran an die Worte 🙂

A small present (see above ALUMINIUM 30x20cm ) for my subscribers: I would like to draw lots an Aluminum directly pressure of a photo of my work. The pressure produced with Whitewall is drawn lots among all senders who leave a small criticism (What can become better, what I could change!!!!) about my Blog to me. Thus who might, come on to the words 🙂

Een klein presentje (zie hierboven ALUMINIUM 30x20cm ) voor mijn abonnees: Ik wil een aluminium direct printen van foto’s van mijn werk weg te geven. De geproduceerde whitewall druk zal worden verloot onder alle deelnemers, de hint me een beetje kritiek (Wat kan beter, wat kon ik veranderen !!!!) over mijn blog. 🙂

Un petit cadeau (voir ci-dessus ALUMINIUM 30x20cm ) pour mes abonnés: Je veux donner une impression directe d’aluminium de photos de mon travail. La pression WhiteWall produite sera tiré au sort parmi tous les participants, l’indice-moi un peu de critiques (Quoi de mieux, que pouvais-je changer !!!!) à propos de mon blog 🙂

Un piccolo regalo (vedi sopra, ALLUMINIO 30x20cm) per i miei iscritti: voglio dare via un stampa diretta in alluminio di foto da me. La pressione Whitewall prodotta sarà sorteggiato tra tutti i partecipanti, che mi ha lasciato un po ‚di critiche (Che cosa può essere migliore, quello che ho potuto cambiare !!!!) sul mio blog. 🙂

Un pequeño presente (véase más arriba ALUMINIUM 30x20cm ) para mis suscriptores: Quiero regalar un impresión directa de aluminio (producto de Whitewall) de fotos de mi trabajo. La presión de banda blanca entre todos los participantes, la sugerencia de mí un poco crítica (¿Qué puede ser mejor, lo que podría cambiar !!!!) sobre mi blog 🙂

V I E L ___ E R F O L G __ ! __ LÄUFT BIS 03/2016 🙂

(Nichts Kommerzielles, kein Fake, kein Blödsinn, nur aus Spaß an der Bloggerei, keine Barauszahlung, keine notarielle Aufsicht, der Gewinner müsste am Ende der Verlosung eine Postadresse für den Versand übermitteln, bei Fragen gerne über Kommentare oder meine Homepage: http://www.mies-vandenbergh-fotografie.de)

Körperwahrnehmung, Teil VI (201)

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„Mens sana in corpore sano.“
Ein gesunder Geist wohnt in einem gesunden Körper. Oder umgekehrt? „Ein gesunder Körper entsteht durch einen gesunden Geist.“ Ich sehe es als problematisch, eine solche These herzuleiten. Definiert sich der Mensch durch seinen Körper? Wird er durch seinen Körper definiert?

Es kommt auf den Standpunkt an. Wie näherst du dich einer Frage? Warum interessiert es dich? Die Perspektive erlaubt einen Überblick. Je weiter weg Du stehst, desto größer ist deine Übersicht. Alles ist [natürlich] begrenzt durch deinen persönlichen Horizont. Den hast du entdeckt, er hat sich weiter gebildet und du hast ihn [wahrscheinlich] irgendwann erweitert. Vielleicht bestehen Erfahrungen durch erfahren von Sichtweisen anderer. Entdecktest du die Einzelheiten am Horizont erst durch Hinweise eines weitsichtigen Vorbilds? Reihten sie sich ein in deinen Horizont? Andererseits entgehen dir vielleicht bei einer weiten Sichtweite Einzelheiten. Einzelheiten, die möglicherweise entscheidenden Einfluss auf das Ganze gehabt hätten. Folglich ist beides vonnöten.
Es folgt ein Versuch.

Du existierst. Du existierst als Körper. Du existierst als Geist. Diesen cartesischen Dualismus blende ich hier vorerst aus.
Im Gegenteil: Ich beschreibe einen weiteren Dualismus. Du existierst auf der einen Seite als Körper, und zwar als Körper, der handelt, kreativ ist, der erschafft und vernichtet, der auf seine Umwelt wirkt. Auf der anderen Seite existierst du gleichzeitig als Körper, der empfängt: Die Umwelt wirkt auf dich. Du fühlst, du hörst, du schmeckst. Du erfährst Einflüsse aller Art. Du empfindest Gefühle über deinen Körper, die durch Wahrnehmungen bei anderen Lebewesen, deren Handlungen, sowie deren Unterlassungen, deren Gesten und Ausstrahlung erzeugt werden.

Ein Wechselspiel der Kräfte kannst du beobachten: Dir widerfährt etwas, du reagierst, du handelst, eine Wirkung geschieht. Auf diese reagierst du wiederum. Leben. Wirken. Über deinen Körper wirkst du auf die Welt, schreibst jeden Tag Geschichte, die Geschichte deiner selbst, sowie die Geschichte der Menschen.

Bist du also für die Personen in deinem Umfeld neben deinem Körper als Körper das, was dein Körper verkörpert? Du wirkst nicht nur durch deine Taten, schon deine schiere Existenz wirkt auf deine Umgebung. So wie der Grashalm, auf dem du stehst, sich verbiegt, so wirkt deine Erscheinung auf andere Menschen. Siehe dich an. Überlege, welchen Einfluss das Äußere der Menschen, denen du tagtäglich begegnest, auf dich selber hat.

Bei der Begegnung mit Menschen in deinem sozialen Umfeld laufen all die Prozesse ab, auf die du im Laufe deiner Entwicklung konditioniert wurdest. Gesellschaftliche Konstruktionen des Miteinander regeln deine Erscheinung, weitestgehend uniform kommst du gegangen. Du armes, austauschbares Individuum, hervorgebracht durch gesellschaftliche Diskurse, nicht aus sich selbst heraus, vielmehr ein Produkt der Gesellschaft, sich im Wesen auflehnend, doch immer schön konform. Nonkonforme Störelemente bedrohen die Ordnung, die Vorhersagbarkeiten der intersozialen Abläufe laufen Gefahr ihres Zweckes enttarnt zu werden.

Dein Körper, angefüllt mit Wahrheit, Wissen, Macht und Trieb bringt diese Dinge über Aktion heraus, hervor, er wirkt ausschließlich über Aktion, selbst Verweigerung ist zuweilen Aktion, wenn nicht Verweigerung zum statischen Zustand geworden ist. Und aufgepasst: Wie weit entfernt bist du vom Zustand einer Statue? Meckerst du nur herum, fügst dich in ein Schicksal, das gerade so zufällig des Weges kam, heulst nur herum, kaum hörbar, gerne von der Couch aus, mit ein paar Snacks neben dir, das Pad auf dem Schoß, wild Buchstaben swypend, über deine ach so missliche Lage? Das ist ja so wunderbar bequem, unauffällig, statisch. Hauptsache, der Hecht im Karpfenteich, in Form eines notwendigen Broterwebs hält dich noch funktionell aufrecht für die ökonomische Liga. Herzlichen Glückwunsch.

Du bist kontrolliert! (198)

mewo jeans hintern

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In der Gemeinschaft, in der wir leben, befinden wir uns fast zu jeder Zeit in einem Verband, der durch Übereinkünfte zu Regeln und Vorschriften kam, die durch seine Mitglieder, also uns selbst, kontrolliert werden, solange wir uns innerhalb dieses Verbands aufhalten.

Du lebst in einem Verband. Dieser kann sein eine Familie, ein Verein, ein Club, eine Klasse, eine Schule, eine Firma, eine Partei, einer Straße oder anderes mehr. Du, das Individuum, befindest dich in Gesellschaft. Im Laufe der Zeit haben sich Verhaltensweisen etabliert, die für diese Gesellschaft für ein funktionierendes Miteinander notwendig erscheinen.

Bevor ein Wesen Mitglied dieser Gesellschaft werden kann, wird es entsprechend konditioniert. Sobald die Gesellschaft davon ausgeht, dass dieses designierte Mitglied alle Regeln weitestgehend verinnerlicht hat, dies durch irgendwie geartete Prüfung bewiesen hat, gilt es als Mitglied.

Von nun an erfährt jedes Mitglied eine tief verwurzelte Überwachung. Ein Kontrollmechanismus funktioniert dergestalt, dass jedem einzelnen Individuum jederzeit die Vorschriften bewusst sind, und jede Zuwiderhandlung unweigerlich als Verstoß erst einmal auffällig wird, um dann, laut vorher festgelegter Mechanismen, in entsprechender Weise sanktioniert zu werden. Das kann von subtil, ja fast unbewusst bishin zu scharf proklamatorisch geschehen. Es kann alles sein zwischen einem Blick oder Wegsehen bishin zur Todesstrafe.

Je nach Auffälligkeit, Andersartigkeit einer Handlung erfolgt eine Reaktion, die dem Verursacher aufzeigen soll: Was Du gerade vollzogen hast, ist so nicht konform der Regeln der Gemeinschaft, in der wir leben. Gleichzeitig ist diese Reaktion zutiefst subjektiv, denn sie erfolgt von einem Menschen, der zwar die weitestgehend selben Regeln erlernt hat, wie der Akteur, aber stets eine eigene Auslegung derer betreibt.

Wenn nicht die Angelegenheit aus einem Dialog besteht, dann erntet der Akteur mehrfach Beachtung. Gleichzeitig erfährt er mehrfache Reaktionen. Diese richten sich wiederum nach der Gepflogenheiten der Gemeinschaft, ein einfaches Unterfangen bei einer eindeutigen Handlung, nicht so jedoch bei einer weniger eindeutigen Handlung.

Bei der Reaktion auf eine zweifelhaft erscheinende Sache bedarf es oftmals eines Vorreiters, der durch seine Reaktion eine Richtung weist. So einfach dies auch erscheinen mag, so willkürlich kann es erfolgen. Wie genau diese Zusammenhänge miteinander in Verbindung stehen ist eine eigene Betrachtung wert und würde hier den Rahmen sprengen. Du erinnerst dich bestimmt an Situationen, in denen dir ein Verhalten eines Menschen im erstem Moment nicht unmittelbar verständlich und vor allem nicht bewertbar erschien, bis eine deiner gültigen Instanzen (Vater, Mutter, Partner, Kollege, Führer, …) ein Urteil fällte, dem dein Geist (zustimmend) folgen konnte.

So funktioniert unsere Gesellschaft vielerorts durch Selbstkontrolle oder Eigenkontrolle, wie durch Überwachung des Habitats durch uns selbst. Jeder sieht jeden an und bewertet unwillkürlich augenblicklich. Und wehe, er ist nicht konform. Dann haben viele Menschen ein Problem. Wo ist meine Grenze von dem, was ich persönlich noch tolerieren kann, ab wann sehe ich meinen Biotop in Aufruhr gebracht und beginne denunzierende Tendenzen in mir aufsteigend zu erkennen oder mache mir Gedanken über Regulation.

Wie funktioniert dein persönlicher Mechanismus? Wann glotzt du? Wann schreitest du ein? Wann bemühst du weitere Instanzen und vor allem, wie sehr entwickeltst du dir deine eigenen Theorien, verschaffst dir einen eigenen Überblick oder übernimmst einfach vorgebrachte Parolen aus vorgedachtem Meinungs-Fastfood?

Jeder von uns hat eine eigene Konditionierung erhalten und baut diese im Laufe seines Lebens weiter um und aus. Jeder von uns formt mit seinem persönlichen Verhalten sein persönliches Umfeld weiter aus. Hier zu unterscheiden, was dem einzelnen Individuum sowie der Gemeinschaft zuträglich ist oder unmerklich latent und sukzessive durch bestimmte Mitglieder unterstützt eine Eigendynamik entwickelt. Gefahr in Verzug ist immer dann gegeben, wenn ein System des Systems willen beginnt zu agieren und nicht mehr der Mitglieder wegen, bzw. nur einzelner weniger wegen. (Dieser spezielle Aspekt ist einen eigenen Beitrag wert.)

Sei also achtsam auf deinem eigenen Geist und auf alle Tendenzen in deiner Gemeinschaft und besonders ist ein Austausch von Gedanken und Gefühlen zu proklamierten: Starte immer, wenn möglich, ein Palaver!

[Anmerkung: Palaver: aus dem indianischen, eine Gesprächsrunde, bei der als Besonderheit gilt: gesprochen wird immer der Reihe nach, niemals werden Worte unterbrochen, jeder hat in etwa die gleiche Redezeit, es werden vorher eine bestimmte Anzahl von Runden festgelegt, zwischen jeder Rede findet eine kleine Pause statt, deren Länge vorher beschlossen wird.]

Zensur des schönen Hässlichen, Teil 2 (195)

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Hier im zweiten Teil von „Zensur des schönen Hässlichen“ gehe ich weiterhin der Frage nach dem Umgang mit physischen Erscheinungen nach. Was sehen wir (an), wie bewerten wir das gesehene und warum?

Zunächst ein inhaltlicher Auszug aus Plutarchs (ca. 46-120 n.Chr.) Dichtungen über die Spartaner:
„Lykurg hat auch die Lebensführung der Frauen sorgfältig geregelt. Er sorgte dafür, dass die Körper der Mädchen durch Laufen, Ringen und Speerwerfen gekräftigt wurden. Denn er sagte sich, dass Frauen mit kräftigen Körpern auch kräftige Kinder gebären würden. Und auch bei der Geburt selbst hätten sie keine Schwierigkeiten. Weichlichkeit, Verzärtelung und alles, was er abfällig „weibisch“ nannte, verbannte er. Er gewöhnte die Mädchen daran, wie die Knaben nackt ihre Aufzüge zu halten und bei bestimmten Festen zu tanzen und zu singen und das vor dem Augen der jungen Männer. Dass die Mädchen sich entblößten, hatte übrigens nichts peinliches an sich. Denn es war Scham dabei und keine ungehörige Schaulust. So gewöhnten sie sich an Einfachheit und strebten nach wohl gestalteter Körperbeschaffenheit. Auch gab das der Frau Sinn und Geschmack für das stolze Selbstgefühl, dass auch sie nicht weniger als der Mann Anteil haben sollte am Streben nach Tapferkeit und Ruhm. …“

Auch wenn schriftliche Überlieferungen aus der Zeit Spartas meist nicht von Spartanern selbst verfasst und überliefert wurden, diese stammen nämlich mehr von ihren Feinden oder von Nachfahren, und dadurch deren Integrität grundsätzlich bezweifelt werden darf, so lässt sich aus pragmatischer Vorstellung heraus doch ein wahrer Kern annehmen, zumal ausreichend andere Kulturen existieren, die einen vergleichbaren Umgang mit der Körperkultur pflegen. Anhand des obigen Beispiels sieht man, wie sich die damals aktuellen Richtlinien und vorgegebenen Verhaltensweisen im Punkto Körperlichkeit über die Zeiten hinweg verändern. Die Sozialisation körperlicher Belange mündete in der modernen westlich-geprägten Gesellschaft gemeinhin in eine Tabuisierung, was unter anderem an der Sprache, dem genutzten Wortschatz zu erkennen ist.

Die vermutlich etwas verklärte Sicht Plutarchs auf die Gebräuche der Spartaner soll hier als Gedankenanstoß gelten. Im ersten Teil stellte ich die Frage nach der Bedeutung der sichtbaren Formen aller Dinge im Umfeld des Menschen. Durch welche Überlieferungen bedeuten unserer Gesellschaft bestimmte Dinge mehr als anderes, warum verändert eine optische Abweichung die Bedeutung, wie entsteht die unterschiedliche Wertigkeit?

Nicht nur Formen beeinflussen unser Verständnis der Dinge, auch Oberflächen und Material erwirken seltsame Gebärden. Irgendwann entdeckte der Mensch das Gold. Woher und warum entstand seine Wertigkeit, warum brachten die Conquistadores viele tausend Ureinwohner für das Metall ums Leben? Weil es glänzt? Weil es rein ist? Weil es ein knappes Gut ist? Weil ein relativ hoher (Gegen-) Wert festgelegt worden ist? Warum? Vielleicht ahnen wir es.

Zurück zur eigentlichen Fragestellung. Im Zuge der Sozialisation der Gesellschaft entstanden vielfältige Übereinkünfte, die einer ganz wesentlichen, fundamentale Ambivalenz entsprang: Sie ist von einem Subjekt erschaffen und weiterentwickelt worden, und zwar für ein Objekt, das gleichzeitig Subjekt ist. Dabei ist besonders in unserem Kulturkreis die rationalistische Denkweise bezeichnend für den Umgang mit der Vielfalt der Möglichkeiten. Stark zweckdienliches Denken besitzt den höchsten gesellschaftlichen Stellenwert. Ob die zweckgerichtete Lebensart bei uns Menschen zum Selbstzweck mutiert ist, kann jeder für doch selbst entscheiden, wenn er nur reflektiert.

So ist ein wesentlicher Faktor in diesem Zusammenhang der Akt der Infragestellung von Sinnhaftigkeit jedweder sittlichen, moralischen und emotionalen Übereinkünfte durch jedes Individuum einer Gemeinschaft, um diese Gemeinschaft dem Menschen dienlich zu gestalten und nicht umgekehrt. Perfide Mechaniken wie die versteckt-offene Etablierung einer grenzenlosen Konsumsucht, angefeuert durch den Anschein von fiktiven Innovationen entfremden den Menschen zu einem zunehmend entsozialisiertem und was viel bedeutender ist, entmenschlichtem Wesen.

So lässt sich ein „Ist-Zustand“ beschreiben, wie er vielfach attestiert und auch empfunden wird. Über die Herkunft, die Entstehung sagt es nur wenig aus. Verfolgt man allerdings die Entwicklungsgeschichte von Sitten und Gebräuchen, so wird einem gewahr, dass es in den Kulturen, Epochen und Gesellschaften in ihren unterschiedlichen Umgangsweisen nahezu alle erdenklichen Formen gelebt wurden. Auch ergibt sich daraus, dass unsere aktuelle Lebensart nur einen Ausschnitt aus den Möglichkeiten beschreibt, der in ferner oder naher Zukunft schon nicht mehr gesellschaftsfähig sein kann.

Nichtsdestotrotz sind wir hier und jetzt sozialisiert worden. Umgangsformen beherrschen wir notwendigerweise und da der Mensch an sich ein zutiefst bequemes Wesen ist, Veränderungen im Grunde genommen nicht wirklich anstrebt und mag, ist jede Auseinandersetzung mit Normen anstrengend und wird erst dann in Angriff genommen, wenn diese Normen die menschliche Existenz über einen gewissen Punkt hinaus gefährden.

Dieser Punkt findet sich bei jedem Individuum am anderer Stelle, auch die Auffassungsgabe gegenüber den eigenen Lebensbedingungen gestaltet sich absolut heterogen, und das schon in jedem einzelnen von uns, geschweige denn zwischenmenschlich. Auch dabei kommt uns wieder unsere Bequemlichkeit entgegen, wenn es darum geht, Denkmodelle zu hinterfragen, oder, vollkommen utopisch, selbst solche zu entwerfen.

Gemeinhin wird gerne konsumiert, was schon da ist, was bequem übernommenen werden kann. Es wird ein wenig zurecht gebogen, und gerade so passend gemacht. Querulanten, die unbequeme Fragen aufwerfen, sind nicht gern gesehen. Nur wenn es mehr werden, wenn mehr und mehr Menschen dazu übergehen, Sichtweisen in Frage zu stellen, es sich selbst unbequem zu machen, weil man sich nicht weiter auf sich selbst ausruht, dann ist es möglich, etwas zu verändern. Dazu bedarf es, wie uns die Vergangenheit gelehrt hat, Vorreiter.

Das sind jedoch solche Wesen, die nicht unaufhörlich die zwar bequemen, aber prinzipiell unhaltbaren Zustände nur beschreien. Es braucht Menschen, die folgerichtige Lösungsansätze vorschlagen können, die menengerechte Ideen postulieren. Es braucht Denker und „Empfinder“, die durch Beschreibungen Fakten darlegen UND Wege aus dem unbekannten Dilemma weisen oder aufzeigen, wie diese zu finden sind. Wir brauchen dringend Menschen, die einfach ethische Lebens – Thesen aufstellen. Diese kann man auch durchaus mal an eine Türe nageln.

Jugendwahn Teil 3 (187)

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In diesem 3. und letzten Teil von Jugendwahn befasse ich mich mit den Auswirkungen des Jugendkultes auf unser Verhalten und unserem Verständnis von Aussehen als Folge davon.

„Nur wer jugendlich erscheint, ist dynamisch.“ Einerlei, ob Mann oder Frau, in der Gesellschaft zählt derjenige besonders viel, der sein Aussehen einer einzigen Direktive unterzieht: Sehe frisch aus, wirke agil, unverbraucht und möglichst makellos. Makel sind Fehler. Fehler bedeuten Unvollkommenheit. So möchte keiner wirken. Sei gutaussehend. Dann sieht man dir deine Fähigkeiten an, die Kraft zu haben, etwas zu bewegen, zu erschaffen.

Anders ist es, wenn man dir ansieht, dass du nicht mehr ganz jung bist. Dann hast du die beste Zeit deines Lebens schon hinter dir. Du hast nicht mehr die Kraft und Energie, das zu leisten, was die Leistungsgesellschaft von jedem erwartet. Sicher gibt es noch etwas für dich zu tun, aber die wichtigen, großen und bedeutenden Dinge werden durch frische Kräfte viel effizienter abgearbeitet.

Das sollte jedem Menschen bewusst sein. Wem es nicht bewusst ist, dem wird es in jeder erdenklichen Situation vermittelt. Ob durch die Volksdroge Fernsehen, oder durch andere Kommunikationsmedien wird jugendliche Frische propagiert. Eine milliardenschwere Industrie beispielsweise bombardiert uns mit der scheinbaren Notwendigkeit der permanenten Aufhübschung. Sie nutzt die im Menschen programmierten Urinstinkte und genetisch bedingten Abläufe für ihre Zwecke.

Und der Mensch? Der fällt darauf rein. Der läuft hinterher. Der verliert zunehmend die Fähigkeit zu agieren. Der reagiert nur noch. Menschen jenseits des jugendlichen Alters setzen alles daran, diese Phase des Lebens zu verlängern. Dass sie bei diesem Unterfangen wesentliche Inhalte ihres aktuellen Daseins unwiederbringlich zerstören, entzieht sich ihrem Bewusstsein. Lebensgüte entsprechend des Alters erleidet unter dem schier alles entscheidenden Einfluss des Äußeren immer wieder Schiffbruch. Kleine, knapp unter der Wasseroberfläche liegende Felsenriffe lassen uns genau so kentern, wie weit offensichtliche Klippen, an denen der Mensch nicht in der Lage ist, vorüber zu fahren.

Wie sehen diese Hindernisse aus? Die Klippen sind die permanent sichtbaren, relativ künstlichen Vorbilder, Lieblinge aller Medien. Der Mensch neigt dazu, sich beständig zu verbessern, in allen Belangen. Im Grunde genommen ist es nicht falsch, folgend dem Sinne der Evolution. Sonst gäbe es Stillstand. (Was in manchen Belangen durchaus wünschenswert wäre, das gehört jetzt aber nicht hierhin.) Jedoch zu Stillstand ist der Mensch nicht programmiert. Anstatt aber seine Energie in andere Bahnen zu leiten, als der der Optimierung der Äußerlichkeiten einträchtig zu folgen, verfällt der Mensch allzu bereitwillig immerzu dieser Richtung. Er steckt bekanntermaßen unendlich viel Energie und Substanz in diesen Bereich.

Weitere Hindernisse auf dem Kurs des Menschen -in Form von Felsen unter der Wasseroberfläche- sind die eigenen Wertvorstellungen. Diese schuf sich der Mensch im Laufe seiner Entwicklung selbst. Gedanken kreisten seit je her um das eigene Wesen. Sie stellten damals wie heute Parallelen auf von der eigenen Interaktion bis zu der anderer Individuen. Ob das in aktiver oder passiver Form geschieht, ist einerlei und ist in jeder Hinsicht ambivalent. Aktiv ist der Mensch, indem er kommuniziert, passiv, indem er als (optisches) Wesen einfach anwesend ist. Und zwar genau so, wie er erscheint. Manipulieren und bestimmen kann er weitestgehend beides, das Aussehen sowie seine Handlungen. Solange es darum geht, Werte zu erschaffen, einem Wachstumskurs zu folgen, wird der Mensch immer BEWERTET werden. Wie hoch ist sein Beitrag zum allgemeinen Wachstum?

Und genau darin liegt die Crux. Leistet ein Mensch weniger, als von allen erwartet, ist er weniger wert. Spätestens da beißt sich die Katze in den Schwanz. Schönen Menschen billigen wir alle viel mehr positive Werte und Eigenschaften zu, als weniger schönen Menschen. Das wurde zur genüge nachgewiesen. Um diesem Urteil nicht tatenlos ausgesetzt zu sein, reagiert der Mensch. Er manipuliert sein Aussehen unter der Vorgabe, möglichst „wertvoll“ gesehen zu werden. Denn, sieht er „besser“ aus, ist er wertvoller. Zumindest vom Äußeren her und zu Beginn, mit dem Doping der Attraktivität. Nicht nur Fehler werden attraktiveren Menschen eher verziehen, selbst gleiche Leistungen werden erwiesenermaßen höher bewertet. Das beginnt schon in der Schule oder früher.

Damit bleibt als Fazit das Verständnis von Wertigkeiten in unserer Gemeinschaft in Frage zu stellen. Ist das Nonplusultra die Jugendlichkeit mit ihrer Erscheinung und ihren Attributen. Bemisst sich der Wert eines Menschen an der Ausbildung jugendlicher Merkmale, respektive jugendlichem Aussehens in jedem Alter? Diese Frage kann sich jeder stellen, ob er sie aber beantworten möchte, und ob er die Antwort kund tut, sich sogar nach seiner Erkenntnis richtet, das zeigt sich im Wandel der Werte in unserer Gemeinschaft.