Körperwahrnehmung, Teil IV (193)

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Wie fühlst du dich? Was fühlst du gerade? Wenn du diese Frage beantwortest, sagst du etwas über Wärme oder Kälte, über Sehnsucht oder Melancholie oder über eine zärtliche Umarmung?

Hier im vierten Teil von Körperwahrnehmung möchte ich zunächst über das Entstehen deiner Möglichkeiten schreiben, deinen Körper über Berührungen zu empfinden. Diese sind so mannigfaltig, dass du oftmals vergisst, was dir dein Körper über dich verrät. Die Anfänge findest Du bereits in deiner frühesten Kindheit. Das reiße ich hier kurz an.

Wie elementar deine Empfindung ist, das begreifst du sehr eingehend, wenn du dir klarmachst, wie alles bei dir begann: Dein Wissen um die Zeit vor deinen ersten Erinnerungen hält sich in Grenzen. Manches erahnst du, falls du in der glücklichen Lage bist, Fotografien aus dieser Zeit dein eigen nennen zu können. Aber wie es damals war, weiß vielleicht dein Verstand, sicher nicht dein Gedächtnis. Du warst im Bauch deiner Mutter. Alles war warm. Nichts war eckig, alles weich und zart. Um nichts musstest du dich kümmern, Nahrung stand immer zur Verfügung. Und Nähe! Du warst nicht allein.

Damit sind deine ersten Empfindungen im Grunde benannt. Deine Haut, der größte Sensor deiner Sinne vermittelt dir in der Wärme deiner Mutter Geborgenheit. Der Bauch bietet Schutz vor Dingen, von denen du noch nicht einmal ansatzweise eine Vorahnung hattest. Du spürtest die Schwingungen deiner Mutter, wenn sie sprach, lachte, weinte oder nur atmete. Du spürtest ihr Herz schlagen, all das noch ohne dein Bewusstsein, aber: schon in dieser Zeit wurden Weichen gestellt für dein gesamtes weiteres Leben. Dazu weiter unten mehr.

Irgendwann war es dann soweit. Du erblickst das Licht der Welt durch deine eigenen Augen. Naja, erst mal hattest Du sie noch eine Weile geschlossen. Deine Geburt bedeutete die Trennung von deiner Mutter, die „Einkörperlichkeit“ wurde aufgegeben, du begannst, dein eigener Mensch zu werden. Was spürstest du? Was empfandest du? Losgelöst aus deiner bisherigen einzigen Welt betratst du diese neue Welt.

Diese heißt in erster Linie „Kälte“! Auch, wenn der Moment nur sehr kurz sein sollte, bis du im Idealfall noch vor dem Wiegen und Vermessen sofort nackt auf die nackte Haut deiner Mutter gelegt wirst, bedeutet es den Moment der Trennung, des Verlassens der warmen Umgebung des Bauches deiner Mutter. Du musst selbst atmen, die kühlende Luft strömt in deine Lungen, und du spürst den Luftzug.

Schwedische Forscher fanden in den 1980 er Jahren heraus, dass Kinder, die umgehend, also in den nächsten 30 Minuten nach ihrer Geburt direkten Hautkontakt zu ihrer Mutter erhielten, als Menschen ein grundsätzlich größeres „Urvertrauen“ besaßen, als solche Kinder, die erst nach diesen ersten dreißig Minuten diesen Kontakt erfuhren. Höchst interessant war auch der Umkehrschluss, dass Mütter mit dem direkten Kontakt zu ihren Kindern ein gleichfalls innigeres Verhältnis hatten, als solche ohne diesen frühen Kontakt.

So war von Anfang an deine Haut das erste Organ, welches in Beziehung zu deiner Umwelt trat, noch bevor du sehen konntest, hören oder schmecken, riechen konntest! Was kam danach? Atmen konntest du schon bald, Sauerstoff für deine Atmung gab es in der Luft, damit konntest du versorgt werden. Doch auch die Nahrungsversorgung wurde mit dem Betreten dieser Erde gekappt. Folglich hattest du irgendwann Hunger. Wieder bestenfalls konntest du an der Brust deiner Mutter saugen, dich dort mit Nährstoffen versorgen.

Doch nicht nur um die Nahrungsversorgung geht es dabei, wie Forscher nachweisen konnten. Der Moment der Nahrungsaufnahme hat zusätzliche elementare Funktionen: Durch die Berührung der Brust mit dem Mund und durch die Körpernähe werden im Körper des Kindes notwendige Botenstoffe ausgeschüttet, die eine beruhigende Wirkung auf das gesamte Nervensystem haben. Beim Saugreflex wird der Mund, die Lippen des Kindes mehr nach vorn geschoben, so dass die Kontaktfläche der Lippeninnenseite bei Berührung der Brustwarzen besonders groß ist, und durch die Schleimhäute in deinem Mund konntest du die in den ersten 2 Tagen des Stillens besonders inhaltsreiche Muttermilch besser aufnehmen.

Ein trauriges Kapitel der Menschheitsgeschichte umfasst die sogenannten Kinderhäuser, Anstalten, in die Mütter ihre Kinder geben konnten, wenn sie sie nicht behalten konnten/wollten und in denen sog. Findelkinder untergebracht wurden. Die Sterblichkeitsrate betrug um die 99%. Ursache war das hohe Infektionsrisiko durch Mangel an Muttermilch, sowie das fehlen von taktiler Stimmulierung und fehlendem intensiven Hautkontakt.

So wichtig war dein Hautkontakt in deiner Kindheit, und es geht noch weiter. Dazu hat Anke Herold (Psychologin, Bremen) einen sehr spannenden und interessanten Aufsatz verfasst, aus dem ich hier gerne einen kleinen Abschnitt zitieren, diesen Artikel beschließen, und darauf hinweisen möchte, wie es im 5. Teil weiter geht, nämlich mit deinen körperlichen Empfindungen:

„Zum anderen ist die Haut das Kontaktorgan, über das die Wahrnehmung von Streicheln oder auch Schlägen mit der Erlebnissituation verschmilzt und zu individueller und sozialer Erfahrung führt. Sie ist das Organ, über das wir zeitlebens, kaum beeinflussbar, mit anderen kommunizieren, ob wie beispielsweise erröten oder mit Gesichtsfalten mimisch unsere Worte unterstreichen. Über die Haut des Menschen drücken sich akute Gefühlsbewegungen, typische Verhaltensweisen, langwährende seelische Belastungen und Krankheiten aus …“

Körperwahrnehmung, Teil III (192)

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„Aber bitte finde deinen Körper nicht zu gut!“ Erste Restriktionen in Bezug auf dein Verhältnis zu deinem Körper durch gesellschaftliche Prägung erfährst du als Inhalt der Erziehung. Wie lebst du damit?

Nachdem du im Kindesalter viele Regeln auferlegt bekommen hast, dich vermutlich an die meisten hieltest, erfuhrst du in deiner Pubertät viel neues, spannendes über deinen Körper. Hormonumstellungen ließen dich fröhlich und betrübt zugleich sein, du konntest lachen und weinen im gleichen Atemzug und fühltest dich vermutlich ziemlich allein gelassen mit deinem innersten Gefühlen. Spricht man gemeinhin von der Ablösung der Kindheitsgefühle hin zum Erwachsenwerden, gleichwohl Loslösung von den Eltern, und stelltest du zunehmend fest, dass deine Freunde auch nicht oft sehr hilfreich sein konnten, weil sie sich in einem ähnlichen Gefühlsumbruch befanden, so konnte es, wie bei vielen Generationen vor dir, sehr raumumgreifend sein.

Was machst du zu diesem Zeitpunkt mit deinen vielen Fragen? Wunderbar ist es vielleicht, wenn du deine Eltern fragen konntest. Oder lieber doch nicht? Ist es dir lieber gewesen, das mit dir selber auszumachen? Konntest du viele deiner Erfahrungen mit denen deiner Freunde vergleichen, mit ihnen Vermutungen austauschen und Thesen aufstellen, gefolgt von Antithesen und wieder neuen Thesen? Die starken Stimmungsschwankungen machten wahrscheinlich den Umgang mit dir nicht leichter, nicht nur für andere, auch für dich selbst.

Alles entscheidend ist aber die Frage, ob du die Veränderungen deines Körpers, die Umstellungen und neuen Gefühle in dir (er-) leben konntest! Hattest du genug Raum und Zeit, allumfassende Dimensionen – und dies meine ich wortwörtlich – um dich auf deine Empfindungen einzulassen? Dimensionen deshalb, weil es einerseits um das materielle, körperliche Dasein geht, andererseits um das psychisch – geistige Verständnis.

Das körperliche Dasein beschreibt den Umgang mit deinem sich zunehmend stärker veränderndem Körper, in vielen Regionen, noch mehr körperlichen Reaktionen. Mochtest du, was du berühren konntest, gefiel dir, was du sahest, konntest du es annehmen?

Das psychisch-geistige Verständnis bezieht sich auf deinen geistigen Freiraum. Hattest du deinen Kopf frei genug, um dich mit deinen Gefühlen zu beschäftigen. Hattest du die ganz alltägliche Zeit für dich, jenseits von bildungspolitisch vorgesehenen Leistungsvorgaben, jenseits der alltäglichen Erwartungen der Menschen, die dich auf dem Weg der Menschwerdung anleiten?

Doch mit nur „Zeit“ ist die einzige Freiheit nicht maßgeblich benannt. Hattest du überhaupt die moralisch-ethische Freiheit nachzudenken und zu fühlen über deine körperlichen Signale? Konntest du dich ihnen frei von schlechtem Gewissen und Beschränkungen durch Sitte und gesellschaftlicher Verklemmtheit nähern. Warst du in der Lage, sie zu betrachten und unvoreingenommen zu „bewerten“?

Mit bewerten meine ich nicht ein absolutes Urteil abzugeben über gut und böse, sondern einen Grad der Akzeptanz im Hinblick auf empathische, freidenkerische und individuelle Wertschätzung. [Anmerkung: in unserem Bildungssystem halte ich die massive Überbetonung von purem Faktenauswendiglernen humanistisch für mehr als fragwürdig! Eine sehr viel mehr auf ethische Inhalte gerichtete Bildung würde sicher, global gesehen, wieder zu einer menschlicheren Welt führen!]

Nicht viele Menschen hatten und haben überhaupt die Freiheit, sich selbst im Hinblick auf ihren Körper frei zu entfalten! Nicht verwechseln sollte man diesen Entwicklungsspielraum jedoch mit Orientierungslosigkeit, denn die Zeit der Adoleszenz sollte immer wieder Leuchttürme und Häfen bieten, die für jedes Menschenkind unerlässlich sind. Dabei ist es nicht leicht, den Grad zwischen moralisch-ethischen Vorgaben und deren Überschreitung durch allzu körperfeindliche Vermeidungstendenzen zu wahren.

Im nächsten Teil von Körperwahrnehmung mache ich mir Gedanken über die Bedeutung von Berührungen in all ihren Facetten.

Körperwahrnehmung, Teil II (191)

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„Finde Deinen Körper (gut)!“Wie beginnt Deine Körperwahrnehmung?

Hier in Teil 2 von Körperwahrnehmung möchte ich zunächst eine chronologische Herleitung beginnen. Von der Jugend an befasst du dich mit deinem Körper. Anfangs ist es vielleicht nur warm und kalt, laut und leise, hell und dunkel, du hast Hunger und Durst und du fühlst Geborgenheit und Liebe, wenn du Glück hast. Richtig nachdenken über deine Empfindungen kannst du zu diesem Zeitpunkt noch nicht, reagieren sehr wohl. Grundsteine für dein Gefühlsleben, so haben Forscher mittlerweile festgestellt, wurden für dich sogar schon vor deiner Geburt gelegt. Die Gefühle deiner Eltern, ihre Stimmungen, auch ihre Stimmen prägen dich schon im Mutterleib.

Nach deiner Geburt findet Prägung weiter statt. Der Umgang deiner Eltern mit dir ist enorm wichtig, viele deiner fundamentalen Gefühle von Verständnis und Empathie, der Fähigkeit, Liebe zu empfinden und zu geben werden im Idealfall, so die Forscher, in Grundzügen in frühester Jugend gebildet. Dass der Idealfall oft nicht eintritt, ist leider Fakt. Oft selbst nicht ihrer Gefühle gewahr, versäumen es Eltern, diese fundamentalen Weichen zu stellen, meist nicht bewusst, sondern aus eigenem Mangel, aus fehlender Empathie. Verlässliche Zahlen diesbetreffend wurden bisher nicht erhoben, erste Zählungen aus wenigen Forschungsergebnissen nennen vorsichtig Zahlen um die 60% derer Menschen, die in frühester Jugend einen Mangel an Zuwendung erhielten. Damit ist nicht unbedingt nur eine Überforderung der Eltern hinsichtlich der Gabe frühkindlicher Zärtlichkeiten beschrieben, auch der eigene Mangel an solchen Erfahrungen wurde beschrieben. Ein soziologisch spannendes Feld, über das ich, bevor ich weiter darüber schreibe, noch einiges lesen und recherchieren möchte.

Nach der Zeit der frühen Jugend beginnt gemeinhin die Zeit, an die du dich erinnern kannst. Du erlebst Aktion und Reaktion, erfährst einen ersten Eindruck von Ursache und Wirkung, dir werden erste Ver- und Gebote auferlegt. Spätestens dann wird, so die gängigen Theorien aus der Humanforschung, die erste Differenzierung zwischen den Geschlechtern konstruiert. Mädchen und Jungs erfahren unterschiedliche Vorgaben hinsichtlich ihrer Körper, einerseits aus Tradition, andererseits aus unterschiedlichem Dafürhalten.

Aber auch dann findet eine Reflektion noch nicht statt. Diese beginnt meist mit Eintreten der Pubertät. Die dann eintretenden Veränderungen am Körper, einhergehend mit Veränderungen in Psyche und Geist finden ähnlich der Fahrt auf einer Achterbahn statt und überfordern zeitweise den jungen Menschen enorm. Darüber findet man etliche Studien, die ein sehr weitläufiges Bild zeichnen, interessant sind hierbei die Verdichtungen, die Punkte, in denen weitestgehend Konsens besteht.

Was geschieht nun in den Anfängen mit dir, deinem Körper während der Entwicklung hin zu deiner Persönlichkeit? Über deinen Körper erfährst du nach und nach dein Selbst. Du bist dein Körper und du hast dein Körper. Im Prozess der Reifung deines Körpers, deiner zunehmenden Handlungsfähigkeit und Beherrschung deiner Körperfunktionen bildet sich dein Selbstbewusstsein heraus, mit dem du die oben genannte Ambivalenz zu einer Einheit bildest.[Dass diese meist nicht konstant erhalten bleibt, und wieder und wieder erneuert werden kann, ist Teil deiner weiteren Entwicklung.]

Auf dem Weg zu deiner Persönlichkeit begleiten dich mehrere Menschen. Zu Beginn sind es deine Eltern, dabei wird in den meisten sozialwissenschaftlichen Betrachtungen dem gleichgeschlechtlichen Elternteil der größere Einfluss zugesprochen. Zusätzlich spielen die Geschwister, wenn vorhanden, eine große Rolle, denn der Vergleich ist ein wesentliches Element, mittels dem deine Auseinandersetzung mit deinem Körper von statten geht. Wenn keine Geschwister da sind, nehmen Freunde und Spielkameraden diese Rolle ein, hier meist auch die gleichgeschlechtlichen.

Du erfährst deine eigenen Sinneswahrnehmungen und vergleichst diese mit denen der Menschen um dich herum. Dabei spielt es zunächst keine Rolle, ob es sich um positive oder negative Erfahrungen handelt. Was tut dir weh oder deinem Schwesterchen, vielleicht ein erster Kniff, du probierst es – auch deine Schwester wird es tun, was du zu spüren bekommst.

In der Zeit des ersten Bewusstwerdens deines eigenen Körpers bildet sich dein Körperbild. Wie schwer diese Wahrnehmung aufgrund der ständigen Veränderungen sein kann, wird Thema in folgenden Beiträgen werden, auch die Tatsache, dass die Veränderungen bei Mädchen und Jungen aufgrund der viel stärkeren und zeitlich ausgedehnteren Veränderungen des weiblichen Körpers sehr unterschiedlich ausfallen.

Körperwahrnehmung, Teil I (190)

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Körper – ein spannendes Feld. Was fühlst du, wenn du an deinen Körper denkst. Liebst du ihn, hasst Du ihn? Wie gehst du mit ihm um? Oder ist er dir egal. Ist er nur Transportbehälter für deine Seele? Oder Formungsobjekt aus deinem Anspruch an einen sozial funktionierenden Mechanismus?

Wie siehst du deinen Körper? Wie erfährst du deinen Körper im Laufe deiner Menschwerdung? Wie empfindest du die Unterschiede zwischen dem öffentlichen Bild von Körpern zu deinem eigenen Körper? Akzeptierst du deinen Körper? Siehst du ihn als deinen Körper an und in wie weit lässt du ihn Anschauungsobjekt und Spielobjekt für andere Menschen sein.

Zunächst eine Festlegung von mir: ich spreche im folgenden vom Körper des Menschen, und meine dabei sowohl den der Frau wie den des Mannes. Obwohl es in der Körperwahrnehmung kulturell und gesellschaftlich nachgewiesenermaßen Unterschiede zwischen den Geschlechtern gibt, werde ich diese nur dort explizit differenzieren, wo es mir unumgänglich erscheint. Sonst folge ich zuverlässig der Devise, dass wir in erster Linie Menschen sind. 🙂

Wie ergeht es dir mit deinem Körper? Ich hoffe und wünsche dir, du fühlst dich, und nimmst dich als das wahr, was du bist! Dein Körper ist in erster Linie Schnittstelle! Schnittstelle zwischen Geist und Wesen, zwischen innen und außen, zwischen dir und allen anderen Menschen, zwischen deiner Idee und der Erde, die du bereicherst, formst, gestaltest und erhältst mit deiner Existenz. Schnittstelle zwischen dem Materiellen und der Idee von Menschlichkeit. Prinzipiell bist du der Mittelpunkt des Universums. Es kann nur so sein. Es geht gar nicht anders, denn ohne dich gäbe es das Universum nicht! Logisch, oder?

Dein Geist sagt dir sicherlich andere Wahrheiten, du hast gelernt, dass die Welt, das Universum, alle anderen Menschen auch dann noch existieren werden, wenn du nicht mehr da sein solltest. Schließlich bist du auch noch da, obwohl andere Menschen ihren Körper bereits verlassen haben. Ja, das bestätige ich dir. Doch wenn du überlegst, was die Seele, die ihren Körper verlassen hat, wohl dazu sagt, so wird es ein spannendes Unterfangen.

Was ich damit sagen möchte, ist folgendes: Es geht hier um deinen Körper, um dich, und es geht um die Wahrnehmung der Umwelt durch deinen Körper. [Zwischenbemerkung: das oder ob es noch andere, körperlose Wahrnehmungen gibt, sei dahingestellt. Auch, wenn ich davon überzeugt bin, endet auch diese Wahrnehmung in unseren Gedanken, Gefühlen, Intuitionen.] Wenn dein Körper nicht mehr da ist, kommunizierst du nicht weiter. Wenn dein Körper eingeschränkt ist, findet auch Kommunikation eingeschränkt statt. (Dazu später mehr) So ist dein Körper ein Medium, du kommunizierst passiv, so z.B. über unbewusste Gestik, Mimik, Körperhaltung, Kleidung und Statur und auch aktiv über Worte, Blicke, Bewegung, Berührungen, Handeln oder Nichthandeln. Es geht mir darum, dies im einzelnen zu beleuchten, eine Verbindung von Körper und Psyche zu entdecken.

In weiteren Beiträgen werde ich die Fragen von oben aufgreifen, deren Beantwortung unter Einbeziehung einschlägiger Literatur und diversen Forschungsergebnissen eine spannende und interessante Materie ist. Demnächst 🙂

Werden wir immer schöner? (173)

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Unterschiedliche Schönheiten finden unterschiedliche Liebhaber. Es bilden sich nahezu unendlich viele Teilmengen aus. Innerhalb dieser Teilmengen sind stärker durchgezeichnete Bereiche genau so vorhanden, wie weniger stark hervor gehobene Bereiche. Was bedeutet das?

Der Ausspruch „… für jeden Topf gibt es einen Deckel!“, aus Zeiten der Großeltern, dessen Ursprung sehr wahrscheinlich schon so alt ist, wie die Geschichte der Menschheit selbst, übermittelt etwas vom oben genannten Vergleich aus der Geometrie. Tatsächlich scheint es stets jemanden zu geben, der einen ganz bestimmten anderen Menschen in irgend einer Art und Weise anziehend findet. Unter ihnen befinden sich selbstverständlich Menschen, deren äußere Attraktivität im allgemeinen Ansehen weniger hoch ist, genau so, wie -im Ansehen der jeweils aktuellen Sicht auf die Attraktivität- solche, die als attraktiv zu bezeichnen sind.

Was führt dazu, dass es größere Teilmengen gibt, so, wie es kleinere gibt, möglicherweise sogar nur Teilmengen bestehend aus 1.

Hergeleitet aus der Tatsache, dass im Menschen ein grundsätzliches Streben nach Entwicklung fest verankert ist, gilt mein Ansatz diesem daraus resultierendem, selektiven Verfahren. Wir „möchten gerne“ einen in unserem Auge attraktiven Menschen finden, um uns mit diesem zu liieren. Dabei gibt es sehr differenziert erfasste Ursachen für wahrgenommene Attraktivität, hinzu kommt das unterschiedliche Verständnis von Attraktivität, gekennzeichnet unter anderem durch weibliche und männliche Präferenzen. Wer die Wahl hat, würde sich grundsätzlich eher für einen attraktiven Menschen als Partner entscheiden, als für einen minder attraktiven. Wie gesagt, was im einzelnen die Attraktivität ausmacht, sei vorerst dahingestellt.

Beobachtungen und statistische Erhebungen verzeichnen eine Tendenz zur steigenden Symmetrie des menschlichen Körpers. (Außen vorgelassen bleibt eine andere Tendenz zur zunehmenden Fettleibigkeit der Menschen.) Das heißt, wir Menschen werden immer schöner, weil symmetrischer. Ich wage daraus die Schlussfolgerung, dass es eine Folge der Selektion ist. Der Einfluss der Ernährung, Lebensweise und körperliche Fitness in diesem Zusammenhang ist natürlich sekundär genauso relevant und halte ich einen fortführenden Artikel darüber nach entsprechenden Recherchen für aufschlussreich, nichtsdestotrotz sind die Wahl der Gene und die Verbindung daraus entstehenden Lebens vorentscheidend. Was nun die Bedeutung des Aussehens betrifft, der ich in diesem Blog auf die Spur zu kommen plane, ergibt sich aus der Selektion eine stetige Entwicklung im Aussehen der Menschen, tendenziell zum schlanken, aber durchtrainierten Körper.

Besonders ersichtlich ist das bei der Beobachtung von jungen und sehr jungen Menschen, bei denen die Umwelteinflüsse noch nicht in entsprechendem Maße wirken konnten. Vorgeburtliche Maßnahmen verstärken diesen Trend erheblich, folgt man den Wissenschaftlern, deren Veröffentlichungen sehr interessante Hinweise beschreiben. So ist zum Beispiel die gezielt gesunde Ernährung der werdenden Eltern und deren medizinische Begleitung ein wesentlicher Grund für eine optimale Versorgung des werdenden Lebens und die Schaffung der damit verbundenen gesundheitlichen Voraussetzungen der bestmöglichen Entwicklung des Körpers und Geistes. Damit sind leider vorerst noch Industrienationen beschrieben, denn von gesundheitlicher Prävention kann in den Entwicklungsländern noch keine Rede sein, bzw, in Ländern, in denen chronische Unterversorgung nicht nur mit Nahrung und Trinkwasser herrscht.

Was nun der einzelne Mensch aus diesen positiven Fundamenten macht, sein dahingestellt, wenn in der Schule Kinder zu beobachten sind, deren Frühstückspaket tagein tagaus aus einer koffeinhaltigen Brause und einem Schokoladenriegel besteht, so sollte einem das zu denken geben. Aber nicht nur Kinder sind davon betroffen, auch für mich sind die ölig-kross gerösteten Kartoffelsticks aus der Tüte oftmals verlockender, als ein paar frisch geschnittene Kohlrabi-Stäbchen…  und: auf die Dosis kommt es an, schon länger bekannt 😉

Zurück jedoch zur oberflächlichen Äußerlichkeit: Wie sich die Richtungsänderungen in der Gesellschaft durch unterschiedliche Strömungen im Wert der Attraktivitäten auswirken, ist für mich noch nicht ersichtlich. Wenn in einer Zeit X ein schlanker Körperbau bevorzugt wird und in der darauf folgenden Epoche Y ein stärkerer Körperbau im Trend liegt, so werden sich frei nach den Evolutionstheorien die Durchschnittsmenschen mal schlanker, mal kräftiger entwickeln. Speziell in die Tiefe gehende evolutionstheoretische Fakten, wie die generationsüberspringende Vererbung bestimmter Gene möchte ich hier nur erwähnen, nicht jedoch vertiefen. Dazu gibt es Fachliteratur, für den interessierten Leser kommt man im www schon zu verständlichen Ergebnissen. Was jedoch an den Tendenzen und Vorlieben der jeweiligen Zeit entscheidenden Einfluss hat ist die Tatsache, dass die Zyklen in immer kleiner werdenden Intervallen wechseln. Da stellt sich die Frage, inwieweit unsere Körper dann noch in der Lage ist, darauf zu reagieren und die Evolution damit egalisiert erscheinen wird. Findet die Mode zwischen schlank und vollschlank einen Wechsel innerhalb einer oder zweier Generationen statt, so befindet sich dies außerhalb der Evolution. Dann kommen andere Eigenschaften zum Tragen. Braucht der Mensch noch Füße oder Beine? Oder Zehen? Oder reicht die Hand zur Bedienung eines Mediengerätes?

Weniger ironisch-sarkastisch fortfahrend komme ich auf die Frage nach dem Wert der Attraktivität. Ein Topf findet einen Deckel, wenn z.B. eine Liebenswürdigkeit im Menschen vorhanden ist, die weit über jedweden Äußerlichkeiten steht. Doch in der Gesellschaft wird es zunehmend erschwert, diese Liebenswürdigkeit zu zeigen, dazu müsste man mit dem Menschen näheren Kontakt haben. Der wird reduziert, durch selbst genutzte Medien und einem weichenden Verständnis für Geduld, Verzeihen und anderen kleinen, aber dann doch geradewegs liebenswerten Unzulänglichkeiten. Der Schein rockt on Stage. Erkennen wir das, können wir darüber nachdenken, in wie weit das zu dem führt, wonach der Mensch im Grunde genommen strebt: Menschlichkeit!

Natürliche Schönheit kommt von außen? ( 167 )

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Natürliche Schönheit als feste Größe zu betrachten fällt mir zurzeit schwer. Natürliche Schönheit als das zu erkennen fällt mir schwer. Vermischen sich doch die natürlich schön „Gemachten“ mit den natürlich Schönen.

Wo ist der Unterschied zwischen denen, welche natürlich schön sind und denen, die natürlich schön hergerichtet wurden? Dazu bedarf es für mich erst einmal eine Definition für natürliche Schönheit. Bemühe ich den Zeitgeist, der mir exakt vermittelt, was gerade „en vogue“ ist! Vorbei scheinen demnach in jedem Falle die Zeiten, zu denen eine „natürliche“ Form des menschlichen Körpers als schön gilt. Die Mehrheit der Menschen, gehe ich nach diesen idealen Maßen der Medien, ist definitiv nicht dürr genug. Betrachten wir jedoch die vergangenen Zeiten in ihrer Summe, so erkennen wir, dass wir nur in „einer“ Epoche leben, in der es so zu sein scheint. So ist im Mittel der Zeiten der Körper des Menschen dem Mittelmaß verschrieben. Natürlichkeit hat also, legt man das zu Grunde, sehr viel mit Mittelmäßigkeit zu tun! Oder?

Nur heutzutage sind wir dazu gekommen, den nicht zu dünnen und nicht zu dicken Körper als nicht mehr ganz normal zu betrachten. Wenn ich an dieser Stelle von „wir“ spreche, so meine ich die Gesellschaft als Ganzes. Denn im persönlichen Umfeld eines jeden scheint es weniger so zu sein, als durch die Öffentlichkeit suggeriert wird. Ist man nicht gerade Teil der Medien oder Modebranche, so sind die Menschen um einen herum in ihrer Mehrzahl weit genug entfernt von Modelmaßen.

Definiert sich natürliche Schönheit über die Erkenntnis, einen Menschen zu sehen, der bestimmte Attribute in sich vereint, die nicht künstlich hinzugefügt, oder bestimmte Attribute nicht zu besitzen, die nicht künstlich entfernt wurden? Wird das Empfinden von Schönheit eines Menschen geprägt durch äußere Einflüsse? In früheren Artikeln habe ich das soweit ausführlicher dargelegt. Inwieweit aber, so ergibt sich daraus für mich die Fragestellung, kommen wir mit der ursprünglichen Empfindung von Natürlichkeit darin überein, als etwas schön -oder weniger schön- zu erkennen und zu beschreiben? Gewiss, Menschen reagieren auf die Seele weitaus tiefer, als auf die Erscheinung, doch immer wieder wird der Mensch dazu angehalten, auf die Erscheinung einzuwirken und denen etwas abgeschrieben, die nicht diesem Bild der Übereinkunft entsprechen. Hinzu kommt das allseits proklamierte Manifest von der Wechselwirkung innerer Werte mit seinem Äußeren! So wird also per se ein latenter Druck auf unsere Eigenwahrnehmung ausgeübt.

Natürliche Schönheit besitzt für mich einen ganz bestimmten Reiz, der mich intuitiv berührt. Lange bevor ich darüber nachdenke, was mich gerade in besonderem Maße angesprochen hat, entstand schon die Empfindung darüber in mir. Einen deutlichen Unterschied zur „künstlichen“ Schönheit kann ich beschreiben aus eigener Erfahrung. Wenn auch die ersten Augenblicke zunächst identisch zu sein scheinen, so stellt sich doch schon einen kurzen Augenblick später diese Empfindung als ganz und gar nicht gleichwertig heraus. Während die natürliche Schönheit in mir eine Art harmonischer Schwingung erzeugt, so mischt sich in die „künstliche“ Schönheit im Laufe der nächsten Augenblicke eine Art Disharmonie mit ein. Ein Gefühl von : „Schön, ja, aber etwas ist hier nicht richtig…“ beschreibt diese Disharmonie etwas anschaulicher. In der schnelllebigen Medienwelt, bzw. Welt der auf uns hernieder prasselnden Bilderstürme, besonders in der „Volksdroge Fernsehen“, dem Zeitdieb Nummer 1, wird nicht mehr davon benötigt, es zählt der erste Augenblick, denn einen zweiten gibt es nicht. Wild wechselnde Perspektiven sind das Mittel der Wahl, der Zuseher und Hinseher wird mit blitzartigen Einstellungen in hohen Dosierungen versorgt. Geschwindigkeit ist Trumpf, Fastfood ist in, visualisieren und verarbeiten überflüssig. Daher auch inhaltlich leichte Kost, meistens. Schwerere hat es schwerer. 🙂

Zurück zum Thema. Wenn ein Schönheitschirurg wie Werner Mang in seinem lesenswerten Buch/Werbebroschüre „Verlogene Schönheit“ davon spricht, dass er, wie ich ihn verstanden habe, möglichst nur „natürlich wirkende“ Schönheitsoperationen durchführen möchte, so bezeichnet das für mich einen Widerspruch in sich selbst. Zur Erklärung dessen: Natürlich wirkende Manipulationen bleiben Manipulationen, da wird er mir sicher zustimmen, und mir ist auch klar, was er mit natürlich wirkender Manipulation meint, nämlich zu handeln in Richtung der Erhaltung bestimmter körperlicher Eigenschaften zur optischen Vortäuschung eines bestimmten körperlichen Alters. Jenseits jeglicher Wertung darüber liegt für mich mein eigentliches Bedenken in der Bedeutung des Aussehens in unserer Gesellschaft, und der fleißige Leser meines sehr persönlichen Blogs wird an meinen verfassten Artikeln eine Stetigkeit dieser Bedenken erkennen.

Finde ich damit nur natürliche Schönheit bei jungen Menschen? Beispiel: Als ich gestern in Koblenz an einem Geschäft der Modekette „Zara“ vorüber ging, befand sich auf der Rückseite eine Werbung, die ein Model abbildete, deren Alter ich auf maximal 13- 15 Jahre schätze. Ohne Zweifel ein schöner Mensch. Ebenmäßiges Gesicht mit Kindchenschema, bearbeitet mit Grafiksoftware, und dennoch jugendliche Schönheit par Excellance. Dieses als Beispiel für einen Trend, denn davon gehen Menschen aus, so oder ähnlich auszusehen, egal, ob mit 25, 35, 45, 55 oder älter.mies-vandenbergh-fotografie

Die Frage nach der natürlichen Schönheit ist noch nicht beantwortet, und ich stelle hier die Frage, ob eine Catherine Deneuve mit 60 noch schön sein kann? Oder ein Sean Connery heute? Oder Elfriede Schulze-Riemann mit 66 aus Berlin, mein Lieblingsmodel für Bilder der 50+ Generation? Wenn sie nicht mehr aussehen, wie mit 16? Gibt es natürliche Schönheit jenseits der 17 noch? Gab es sie jemals? Das frage sich jeder selbst und es werden wohl Antworten gefunden werden, oder?

 

 

Lange Beine ((150))

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Was macht ein Bild aus? Was braucht es, um besondere Beachtung zu finden, um als „Hingucker“ zu gelten? Je nach Genre sind es ganz bestimmte Bildelemente, die ein Bild zu einem Kunstwerk machen können. In diesem Beitrag möchte ich beleuchten, was es bei der Fotografie von Menschen, im Besonderen bei der Fotografie von Models, im sehr Speziellen bei der Fotografie von schönen weiblichen Menschen ausmacht. Dabei ist ein kleiner Ausflug in die allseits geführte Diskussion um Geschlechterrollen für mich ebenso interessant.

In Anlehnung an meinen Artikel „Look – über das Posing der Modelle“ möchte ich hier über die Beurteilung einer einzelnen Fotografie im Hinblick auf das Motiv schreiben. Im Bereich der People-Fotografie, ganz besonders der Fotografie von schönen Menschen wird manchen Bildern eine größere Beachtung geschenkt, als anderen Bildern. Dabei finden sich, sowohl im Bereich der künstlerischen Menschen-Fotografie (Betina LaPlante, Helmut Newton, David Hamilton, Steve McCurry, Andreas Bitesnich, Herb Ritts, usf.) wie auch im Bereich der professionellen Fotografie wie z.B. Werbung (Peter Lindbergh, David LaChapelle, Richard Avedon, Patrick Demarchelier, Annie Leibovitz, Albert Watson, Ellen von Unwerth, usf.) immer wieder Fotografien, denen besonders hervorragende Qualitäten attestiert werden. (Bei den genannten Fotografen und Fotografinnen sind die Grenzen zwischen professioneller Werbefotografie und Kunst für mich durchaus fließend!)

Wenn ich die einzelnen Fotografien genauer betrachte, und mich dabei frage, was es ist, das sie zu einem besonderen Werk machen, so finde ich neben den technischen Attributen wie Lichtgebung, Location und Accessoires ganz besonders – nicht ausschließlich, aber in der Mehrzahl der Motive – eines: Die FORM des abgebildeten menschlichen Körpers und des Gesichts in all seinen Einzelheiten. Was meine ich damit?

Ganz gleich, welches Werk ich als Beispiel anführe, es ist für mich oft ähnlich. Betrachten möchte ich als Beispiel folgende Fotografie, das 1993 von Albert Watson in Marrakesch aufgenommene Bild von Kate Moss.

Auf diesem Bild ist Kate Moss in Ganzkörperansicht abgebildet. Sie sitzt unbekleidet, im Halbportrait. Ihr Gesicht ist im Viertelportrait zu erkennen, deutlich sichtbar und von besonderem Ausdruck, wie ich finde. Dies ist für jeden sicherlich anders, doch in der Summe der Betrachtung kommt das Profil von Kate Moss besonders zur Geltung, und zwar in Gestalt ihrer Beine und ihres Hinterns, sowie ihres schlanken Torsos. Ihre wilden Haare, die ebenfalls enormen Anteil an der Wirkung der Fotografie haben, lasse ich bewusst außen vor.

Die Wirkung, auf die ich hinaus will, ist genau jene, die durch die -für mich- nahezu perfekten Proportionen ihres Körpers erzielt wurde. Auf dem Bild haben die Beine von Kate Moss ein nahezu ideales Maß, während sie in anderen Aufnahmen manchmal zu schlank aussehen. (Was sie ja auch tatsächlich waren)  Albert Watson hatte in seiner Serie diese Aufnahme vor sich, und traf Kate Moss in dem Augenblick, in dem die Proportionen ihres Körpers durch die Spannung ihrer Pose diese  -für mich- ideale Symmetrie erreichte. (Vorausgesetzt, man unterstellt deren Existenz)

Übertragen auf das Genre der People-Fotografie ergibt sich für mich folgendes: Ein Bild kann dann besonders gewürdigt werden, egal ob durch enorm hohe Preise bei Auktionen, wie mein Beispiel oder durch Aufnahme in beispielsweise die National Portrait Gallery in London, oder nur durch millionenfache Klicks im WWW, wenn die Proportionen des abgebildeten Menschen einem Ideal entsprechen, das allgemein anerkannt ist. Dadurch kommen Fotografien von Models und Schauspielerinnen wie z.B. Jessica Alba, Candice Swanepoel oder Tyra Banks zu ihrem Bekanntheits- und Beliebtheitsgrad. Ein Bild von Farrah Fawcett-Mayors wurde über 12 Millionen mal als Poster verkauft und ist noch heute, fünf Jahre nach ihrem Tode, weiter erhältlich und beliebt.

Abschließend nach dieser Bestandsaufnahme noch der Bezug zur Gender-Diskussion. All diese Fotografien von wundervollen Körpern, ob nun bearbeitet (die Mehrzahl) oder out of the Cam, die in der Gunst der Betrachter so weit vorne rangieren, sprechen eine deutliche Sprache. Sie sind dann so beliebt, wenn die gefälligen Proportionen des Menschen SICHTBAR, machmal aber auch erahnbar sind. Zum Verhältnis der Geschlechter ist festzustellen, dass der Fokus während unserer Epoche in der Fotografie bekanntlich auf den Frauen liegt, wenn auch zaghaft eine Tendenz zur Angleichung festzustellen ist. Eine Begründung dafür an dieser Stelle möchte ich bewusst schuldig bleiben. In allen Bereichen der Fotografie zeigt sich das entsprechende Bild. In unserer Gesellschaft scheint die Schönheit der Frauen von beiden Geschlechtern akzeptiert. Nur wenige Stimmen rufen nach einem Ausgleich, Robert Mappelthorpe ist ein Beispiel für ästhetische Fotografien von Männern, auch er legt einen gezielten Fokus auf die Wirkung der Proportionen der Körper, dies gelingt ihm besonders eindrucksvoll.

Für mich ist die Wirkung der Proportionen des menschlichen Körpers ein wesentlicher Bestandteil einer Fotografie, wenn es um die Abbildung eines Körpers geht. Durch die Körperspannung, die Art der Pose sowie die Wahl des Aufnahmestandpunktes entscheidet sich die Qualität der Fotografie. Dabei spielt oftmals nicht einmal die tatsächliche Körperform und Proportion die entscheidende Rolle, sondern die Art und Kunst der Darstellung.

Wenn ein Körper im Bilde ein wesentliches Ausdrucksmerkmal der Aufnahme darstellt, kommt es darauf an einen Körper fotografisch so zu formen, dass dieser durch die Darstellung der ihm eigenen Formen den Betrachter anspricht. Dazu bedarf es der Linien und Konturen, Kontraste und Schatten, durch welche die Betrachter geradezu gefesselt werden.

Es ist vermeintlich nicht schwer, einen perfekt anmutenden Körper (Beispiel)  in Szene zu setzen, doch auch da beweisen unzählige Fotos im www, was manchmal nicht sonderlich gelingt. Eine viel größere Herausforderung kann es da sein, einen vielleicht dem gängigen Schönheitsideal nicht so nahekommenden Körper so zu fotografieren, dass er durch seine Linien dennoch besticht. Das halte ich für eine anspruchsvolle Aufgabe. Dabei ist es häufig so, dass nicht abgebildete, dadurch im Geiste des Betrachters fortgeführte Linien viel mehr Wirkung erziehlen, als blanke Fakten. Weniger ist so oft mehr. Hier fängt villeicht die Kunst an? Oder?

Jetzt bin ich schön! Und dann? (149)

Mies Vandenbergh Fotografie afi2 Jeans hintern

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Habe ich erreicht, schön zu sein, schöner zu sein, so habe ich einen Zustand erreicht, ein Niveau, das sich wahrscheinlich nicht automatisch erhält. Ich habe einen Prozess begonnen, der, wenn ich nicht beständig in diesen investiere, er sich schlichtweg verläuft.

Wenn sich ein Mensch schmückt oder verkleidet, so folgt daraufhin unweigerlich irgendwann der Moment, an dem diese Maßnahme verblasst, an dem der Mensch wieder sein ursprüngliches Aussehen annimmt. Bei dem Prozess der Schönheitsoperation ist das differenzierter. Die Operation verändert das Äußere eines Menschen zumeist dauerhaft. Der Körperbereich, der sich dieser Behandlung, Formung oder Angleichung unterworfen hat, nimmt für einen längeren Zeitraum seine artifiziell-chirurgisch optimierte Form an. Der Mensch verändert sich, jedoch ohne dabei zu erahnen, welche Dissonanzen sich im Laufe der Jahre dadurch ergeben können. Denn wenn auch dieser modifizierte Bereich nach dem Eingriff seine Veränderung behält, so sind es sämtliche anderen Körperzonen, die (noch) keine Manipulation erfahren haben und damit ihrer regelmäßigen Entwicklung des Alterns entgegen sehen.

Tritt ein Mensch heraus aus seinem äußeren Schatten, aus seiner Erscheinung, so obliegt es seiner Willensstärke und seinem Erkenntnisstand diesen Zustand zu lange wie möglich zu erhalten. Die Zeit scheint unserer Optik stets entgegen zu wirken. Der Zahn der Zeit nagt an uns, so wie an allen Dringlichkeiten. Daher sind wir über und über bemüht, die Zustände der Schönheit mit viel Energie festzuhalten. Gelingt uns das nicht, so beginnt für viele Menschen eine Art Krise. Es gilt, einen Verlust von Jugendlichkeit zu verhindern. Die Wahl der Mittel ist dabei einerlei. Was für den einen undenkbar, unbezahlbar oder nicht mit seinem Ideal der Ethik zu vereinbaren ist, ist für den anderen die Lösung seiner Problem(e)(zonen). Dabei halte ich die Wahl der Mittel für individuell. Jeder entscheidet für sich selbst, was möglich ist, wo seine persönliche Grenze liegt.

Es scheint ein kleingeistiges Gedankenspiel derer zu sein, die die Mittel der Manipulation verurteilen, wenn diese ihren eigenen Horizont überschreiten. Wenn in einer Dokumentation über Schönheit eine Teilnehmerin einer Nasen-OP Eingriffe im Vaginaltunnel (Verengung) als unmoralisch und überzogen beschreibt, so könnte ein anderer die Nasen-OP selbst als Eingriff wider die Natur misbilligen. Zwischen den Stufen der Veränderungen am Menschen ließen sich allgemein stets eigene Maßstäbe anlegen. Diese können und sollen für jeden individuell bewertet werden, doch für andere Menschen beginnt ein eigenes Verständnis. Keiner soll etwas antizipieren müssen, aber tolerieren.

Was geschieht mit dem veränderten Menschen? Seine Nase ist gerader, seine Bauchdecke gestraffter, seine Haare in wallenden Locken gestyled. Der Mensch fühlt sich besser. Seinem Grundbedürfnis nach Selbstverwirklichung, der eigenen Entwicklung nachzugehen wird betrachtet als unumstrittene Versinnlichung des Lebens. Da der Mensch mehr braucht als nur Nahrung und Wohnung, Sicherheit und Arterhaltung, finden sich vielfältige Wege, die die Entwicklung der eigenen Persönlichkeit voranbringt. Der Mensch ist in der Lage, zu reflektieren. Das ist sein größtes Kapital, fähig sein, zu denken! Daraus entsteht alles das, was über reines instinktives Verhalten der Tiere hinausgeht.

Jeden Tag fällen wir mehr als 10.000 Entscheidungen. Manche reiflich überlegt, die meisten aber intuitiv. Kaffe oder Tee, noch eine Tasse, mit Zucker oder Milch, jetzt sofort oder nachdem ich ins Brötchen gebissen habe, und, und, und, … Wir denken uns Ziele aus, fassen sie ins Auge und handeln danach; wenn wir gut sind! Viele Menschen setzen sich nur wenige bis gar keine Ziele, oftmals nur oberflächliche, wie das Ziel des nächsten Sommerurlaubs. Wo aber wir in 3, 5, oder 10 Jahren stehen möchten, darüber machen sich die wenigsten Menschen Gedanken. Eines der Ziele innerhalb der Selbstverwirklichung ist der Wunsch nach äußerer Optimierung. Wir Menschen haben gemeinhin das Ziel des Wachstums, wir sind auf der Suche nach Erfolg und Bestätigung und ganz oben dabei steht die Entwicklung von unserem Ego. Das kann in der Anhäufung von Erfolgen begründet liegen, genauso aber auch in der Anhäufung von Wissen, Erfahrungen, Gütern, Freunden, oder anderen Dingen, die wir im Laufe der Zeit erreichen möchten. Immer im Hintergrund ist die Grundlage der Grundbedürfnisse nach Maslow, die in folgender Grafik dargestellt sind:

http://de.wikipedia.org/wiki/Maslowsche_Bed%C3%BCrfnishierarchie

Heute finden sich tiefer greifende Theorien zu Hauf in der Literatur, die jedoch den Rahmen dieses Beitrags sprengen würden. Worauf ich hinaus will ist die Tatsache, dass erst die Grundbedürfnisse der ersten 3 Stufen der oben abgebildeten Pyramide erfüllt sein sollten, bevor wir uns um die zwei ausbleibenden Stufen bemühen. Das wiederum bedingt, dass dem Menschen, der sich mit den oberen beiden Stufen beschäftigen kann, ausreichend Resourcen zur Verfügung stehen, die die unteren drei Stufen abdecken. Ohne die Grundlagen wird es dem Menschen nicht gelingen, sich um die Selbstverwirklichung zu kümmern, er muß zum Beispiel Zeit haben, um zu denken. Dazu benötigt der Mensch die Zeit und die Freiheit, die noch lange nicht in allen Gesellschaften und Ländern, allen Glaubenbereichen und Religionen usus ist.

Ist also die körperliche Manipulation ein Ziel der Selbstverwirklichung. In der heutigen Zeit wird sie zunehmend dazu. Wir erfahren einen Wandel, in der nicht nur der Geist der ständigen Arbeit an sich unterliegt, nein, wir werden immer häufiger auch daran gemessen, in wie weit wir in der Lage sind, ja die Fähigkeit besitzen, unser Äußeres zu optimieren. Es scheint, je besser uns das gelingt, desto höher steigen wir im Ansehen der Gemeinschaft, in der wir uns befinden.

Ob das der Wahrheit letzter Schluss ist, wage ich ernsthaft zu bezweifeln. Ist doch auch unsere Zeit nur eine Momentaufnahme der Geschichte, so wird dieser Trend ebenso wenig von ewiger Dauer sein, wir alle seine Vorläufer in der Vergangenheit. Um dem zu begegnen, bedürfen wir dem Einsatz unserer Gedanken, unseres Intellektes, damit wir nicht nur konsumieren und applaudieren, sondern reflektieren, und nachdenken, über die Gesellschaft und unsere Lebensweise in ihr. Wir sind dazu aufgefordert Entscheidungen zu treffen. Über alles und jedes haben wir die Wahl. Natürlich mit allen Konsequenzen und Folgen. Das gilt es zu bedenken. Und zwar für uns selbst, in erster Linie und FAST gleichbedeutend für die Menschen in unserem direkten Umfeld. Was erwarte ich vom Leben und wie will ich es leben? So oder so ähnlich könnte die Frage lauten, die ich mir vor der Entscheidung zu einer Manipulation meines Äußeren stellen mag.

Grenzen der Schönheit (145)

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Mies Vandenbergh Fotografie

Zwischen Ideal und Realität, darin befinden wir uns, mal näher am Ideal, mal näher an der Realität. Dieser Raum scheint unser Schicksal zu sein, zumindest so lange, bis wir es geschafft haben, uns über diesen Raum zu erheben, bis wir erkannt haben, dass unser Leben, losgelöst von den Grenzen, von den Mauern dieses Raumes weit mehr bietet, ja erst einer Erfüllung entgegen gehen kann, wenn wir diese Mauern niedergerissen haben.

Diese Mauern können aus verschiedensten Hirngespinnsten bestehen. In unserer Vorstellungskraft gründen diese Mauern auf subtil vermittelten Fundamenten. Entlarven wir diese Strukturen, so können sie sich nur noch in Schall und Rauch auflösen. Doch der Reihe nach. Welche Ideale und Realitäten leiten unser Handeln? Neben vielen anderen Triebfedern, wie etwa Habgier, Geltungsbedürfnis, Größenwahn, Machtbesessenheit oder Despotismus möchte ich mich, ganz dem Hauptthema dieses Unterfangens geschuldet, der Auseinandersetzung mit dem Aussehen, dem schönen Schein widmen. Dabei wird herauskommen, dass unser Aussehen oftmals als Katalysator fungiert, um die o.g. Ziele zu verwirklichen.

Da sitzen wir also, mit unserem Äußeren, an einem Punkt, auf einer Stufe, von der wir glauben sie zu kennen, zu wissen, von welcher Qualität sie ist. Und vor unseren Augen schwebt die Vorstellung von einer besseren Welt, in die wir dann gelangen, wenn unser Aussehen nur entsprechend verändert, meint „verbessert“ wäre. Wir glauben, mit der Verschönerung ein sicherer Mensch im Umgang mit unsres Gleichen zu werden.

Jeden Tag versuchen wir von neuem unser Äußeres zu optimieren. Wir legen Wert auf das Bild, welches wir darstellen wollen, wenn wir in die Öffentlichkeit treten. Dabei spielt es vordergründig keine Rolle, ob der Schein den Inhalt widerspiegelt. Die Bedeutung des Scheins steht noch vor der Bedeutung des Wesens.

Ab der Zeit der Pubertät bis ins hohe Alter sorgen wir uns mehr oder weniger, dennoch beständig um unser Aussehen. Was wir alles unternehmen, dass habe ich an anderer Stelle schon ausführlicher beschrieben, zur Erinnerung seien nur die Fitnessindustrie(ca. 6 Milliarden Euro Jahresumsatz in Deutschland) , Bekleidungsindustrie (ca. 60 Milliarden Euro Jahresumsatz in Deutschland) und die sog. dekorative Kosmetikindustrie (ca. 3 Milliarden Euro Jahresumsatz in Deutschland) genannt, der zusammengenommen allein in Deutschland jährlich über 10 % unserer Gesamtausgaben ausmacht, wenn ich vorher die Ausgaben der Grundbedürfnisse des Menschen, nämlich Wohnen und Nahrung ausblende! Ein wenig ist es natürlich eine Milchmädchen-Rechnung, da wir natürlich nicht nackt herumlaufen und damit irgendwelche Kleidung benötigen, die mit in der Summe beinhaltet ist. Interessant ist es an dieser Stelle weiter zu forschen, in wie weit die Grundversorgung mit Kleidung berücksichtigt werden kann und ab wann modische, optische Gründe für Kleidungskonsum einfließen.

Spannend bleibt es trotzdem. Es scheint so, als ob unsere Bemühungen, unser Aussehen zu optimieren, im Laufe der Jahre statistisch betrachtet die Form einer Parabel beschreibt. Erst sind wir so, wie wir sind, dann erfolgen zunehmend die Optimierungswünsche und deren Umsetzung, bis es wieder nachlässt und wir uns schlussendlich wieder so nehmen, wie wir sind. Allein der Abfall der Parabel erfolgt etwas weicher, als der Anstieg.

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So ähnlich kann man sich die Bemühungen im Laufe der Zeit vorstellen, wobei der Verlauf nur durchschnittlich ist und sicher diskutiert werden kann. Einige Forscher sehen den Verlauf nach Erreichen des Zenit noch viel weniger stark abfallen.

Worauf ich jedoch in diesem Artikel hinaus möchte ist die Erkenntnis, dass wir uns der Tatsache bewusst werden, dass überhaupt stattfindet, was wir Streben nach für uns optimalem Aussehen nennen und darin vor allem, welch enorme Bedeutung es in unserem Dasein einnimmt. Ich möchte mich dabei nicht ausnehmen, lasse ich doch gerade eine Zahnbehandlung an einem Zahn durchführen, die rein optische Wirkung, bzw. Wiederherstellung des „normalen“ Zustandes bewirkt. 😉

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