Posing 4: Erwartungshaltung [12]

Wenn du einen anderen Menschen erblickst, erkennst du nur zum Teil seine tatsächliche Haltung. Vergleichst du im selben Moment nicht intuitiv das, was deine Augen sehen mit geläufigen Mustern deines persönlichen Erfahrungsschatzes?Schätzt Du den Menschen ein, versuchst zu erfassen, was diese Körperhaltung für dich persönlich zu bedeuten hat?

Du vergleichst und dir fällt dabei zuerst das auf, was du nicht in deinem Repertoire an bekannten Körperhaltungen wiederfindest. Wie in vielen Situationen im Leben sticht zuerst jenes heraus, was dir befremdlich erscheint. Dabei spielt es zunächst keine Rolle, ob es ein Ausschlag in die positive oder negative Richtung gibt. Beides lässt dich gleichsam stutzig werden, deine Aufmerksamkeit ist der Sache -oder dem Foto- gewiss. Damit zu spielen ist ein Stil vieler Bildgestalter.

Wie weit eine Pose von gängigen Mustern abweichen kann liegt bestimmt bei jedem einzelnen Künstler, es hängt im wesentlichen davon ab, welche Rolle der Faktor „Likes“ spielt, d.h. in wie weit ein Bild der Allgemeinheit gefallen soll. Wird es nämlich zu künstlerisch, so geht das Verständnis der meisten betrachtenden Menschen rapide zurück. Es sind oftmals nur Nuancen, die vom visuellen Gleichgewicht abweichen und für positive Überraschungen sorgen

Manchmal kann man aber auch eine Pose so einrichten, dass sie trotz verfremdeter Art eine faszinierende Wirkung auf den Betrachter ausüben kann. Das aber hängt in der Wirkung von viel mehr Faktoren ab, als ausschließlich von der Pose. (Model, Location, Lichtstimmung, Kontext, …) Doch die Pose kann allemal ein sehr interessantes Zuspiel sein, wie auch sehr gefährlich, wenn sie nur unzureichend dargestellt oder erfasst wird…

Du versuchst beim Anblick eines Menschen zu verstehen, zu fühlen, was er fühlt, was in ihm vorgeht, und du versuchst zu erkennen, ob er mit die in Kontakt zu treten bereit ist. Dieser weitere Aspekt von Wahrnehmung einer Körperhaltung beeinflusst die Darstellung des Körpers auf einem Bild und so lässt sich eine Bildaussage steuern, wenn der Mensch vor der Kamera es versteht diese Ausdrucksweisen zu erzeugen. Wieder eine Parallele zum Schauspiel, das im Gegensatz zum Bilde die Emotionen im Fluss hält, während das Bild eine absolute Momentaufnahme wiedergibt.

 

Weiter geht´s in Teil 5

„Wie fotografiere ich den Hintern meiner Frau richtig?“ (206)

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„Wie fotografiere ich den Hintern meiner Frau richtig?“ Diese Frage fand ich jetzt schon einige Male in den Suchanfragen meines Blogs. Zeit also, darauf eine Antwort zu geben. Eine kleine Anleitung mit ein paar unbearbeiteten „Was passiert, wenn … “ Fotografien. 

Wie fotografiere ich den Hintern meines Partners / meiner Partnerin (richtig)? Eine Frage, die vermutlich nicht allzuhäufig öffentlich gestellt wird. Das Thema ist nahezu gleichbedeutend mit der Anleitung, einen Menschen, respektive einen menschlichen Körper zu fotografieren. Es geht dabei um Ästhetik und Wahrnehmung von Körpern, bestenfalls ist ein Hauch von Sinnlichkeit zu finden.

Du findest eine große Auswahl von Fachbüchern auf dem Buchmarkt. Von der einfachen „Portrait – Fotografie“ über die „People-Fotografie“ bis hin zu Anleitungen über das vorteilhafte Posing sind dazu erhältlich. Aus diesen Büchern kann sich der interessiert Fotografierende jene Tipps und Erfahrungsberichte zu Rate ziehen, die ihn in seinen Fragen weiter voran bringen oder ihm überhaupt erst einmal einen Einstieg in diese Art der Fotografie eröffnen.

Workshops oder Coachings können für Nichtprofis einen weiteren Weg darstellen, sich einen ersten Einblick in ein Genre zu verschaffen oder sich darin weiter zu entwickeln. Das meiste aber erfährt man nachhaltig durch „Learning by Doing“! Nach erfolgtem Shooting immer wieder seine Arbeiten kritisch zu überprüfen ist ein probates Mittel, um festzustellen, warum eine bestimmte Art der Aufnahme besser gefällt, als eine andere.

Eine zusätzliche Hilfe kann der Vergleich sein. Vergleiche deine eigenen Fotografien mit denen der anerkannten Meister. Du kannst Hinweise auf mögliche Unterschiede herausarbeiten und Änderungen bei deiner Arbeit einplanen und erneut vergleichen. Finde heraus, was anders verlief. Nicht aber verfallen solltest du dem [irrigen] Ansporn, so zu werden, wie diese Künstler, vielmehr arbeite daran, deinen eigenen Stil zu finden. Wichtig halte ich es, besser zu werden, als deine Arbeit zuvor und dabei zu wissen, warum es so ist. Selbst Rückschritte sind fördernde Meilensteine, wenn du sie denn so sorgfältig analysierst, wie deine vermeintlichen Erfolge. Warum ist eine fotografische Aufnahme gut oder weniger gut gelungen? „Likes“ eignen sich dafür sicher nicht besonders 😉 !

 

Wohin?

Eine erste Frage stellt sich bald schon, wenn du dich entschieden hast, Fotografien anzufertigen: Wo soll ich das ganze durchführen? Da fallen einem zunächst vielleicht die eignen vier Wände ein. Das bringt viele Vorteile mit sich:

  • kein (schweres) Tragen einer Ausrüstung
  • Wetterunabhängigkeit
  • Lichtverhältnisse vorher gut zu durchdenken und vielleicht weiches Fenster-Seitenlicht
  • vertraute Umgebung und keine neugierigen Blicke von Passanten
  • problemloses Umkleiden

Als nachteilig könnte sich der vielleicht beengte Raum erweisen, oder eine fehlende optisch ansprechende Umgebung, beziehungsweise ein ruhiger Hintergrund. Outdoor werden die oben genannten Vorteile zu Herausforderungen, die erst mal gemeistert werden wollen. Sicher lässt es sich machen, der Aufwand ist einfach nur größer. Das muss jeder für selbst entscheiden. Außerdem muss ja nicht bei einem Shooting bleiben. Draußen eignen sich beispielsweise alte Mauern, Häuserwände, manchmal auch Landschaft, wenn sie nicht zu unruhig ist. Auch sollte der Hintergrund nicht in Konkurrenz zu deinem Partner stehen. Bei einem Waggon aus dem frühen 20. Jahrhundert und zu weitem Ausschnitt beispielsweise ist es gut möglich, oder?

Hilfe beim Shooting?

Wenn du Outdoor fotografierst kann es hilfreich sein, wenn du einen Assistenten hast, der vielleicht Dein Lampenstativ hält oder einen Reflektor ausrichten kann, damit das Licht dahin kommt, wohin es soll. Vielleicht reicht dir aber auch das Licht der Umgebung, um gut beleuchtete Aufnahmen zu erstellen. Achte dabei unbedingt auf den Schattenwurf. Die Tageszeit ist ein wesentlicher Aspekt. Wenn das Licht beispielsweise nicht zu hoch steht, und es gleichzeitig etwas diffus ist, dann werden Konturen besser herausgestellt. Das ist für die Plastizität in deinem Fall wichtig. Es hängt wie gesagt von der Lichtsituation in der Location ab. Darüber solltest du dir vorher Gedanken machen.

Vorgedanken

Vorher ist es an der Zeit, dir ein paar grundsätzliche Vorgedanken zu machen, so z.B. über den Sinn und Zweck deines Vorhabens: Wie stellst du es an, einen Hintern möglichst vorteilhaft zu fotografieren? Zunächst einmal beantworte dir einige Fragen, die schon einleitend die Antworten implizieren:

▪ Sinn und Zweck der Aufnahme?
Warum möchtest du diese Aufnahmen anfertigen? Möchtest du deinen Partner mit schönen Aufnahmen begeistern? Möchte dein Partner einmal sehen, wie er von hinten aussieht? Möchte er viele verschiedene Möglichkeiten sehen, die darstellen, wie er von hinten aussehen könnte? Möchtest du für dich schöne Aufnahmen vom Po deines Partners haben? Oder ist es eine bunte Mischung aus den oben genannten Gründen? Ist es noch etwas gänzlich Anderes? Beschreibe es!

▪ Großer Po oder kleiner Po?
Diese Frage geht in Richtung der Wirkung der Bilder und richtet sich gleichzeitig an die Aufnahmetechniken. Dabei ist es sogar eher unwesentlich, welche Größe der Po deines Partners tatsächlich hat, und noch unabhängiger davon, was gefällt. Es gibt nämlich so viele Popos, wie es Menschen gibt, auch wenn sich viele Kategorien bilden lassen, in die der Po eines Partners einzuordnen wäre, des Menschen liebstes ist ja das Einordnen in Schubladen!
Ist es ein eher flacher Po oder ein ausgeformter Po? Ist es ein eher breites Becken oder ein schmales? Möchtest du den Po so fotografieren, wie er ist, dokumentarisch, oder durch verschiedene fotografische oder stilistische Mittel differenziert darstellen? Jeder Mensch möchte sich gerne vorteilhaft darstellen. Das ist auf Fotografien nicht anders. So ist es eine der ersten Aufgaben des Fotografierenden die schönste Ansicht deines (Foto-) Partners heraus zu finden. Als erster Hinweis mag hier die Dynamik in der Körperhaltung dienen. Eine gerade oder gebogene Linie trifft eine gänzlich andere Aussage. Probiere es aus! Du wirst sehen, wie unterschiedlich die Bilder werden, wenn dein Partner schon eine nur leicht gebogene Körperhaltung einnimmt. Dazu weiter unten mehr.

▪ Angezogen oder nackt?
Die Kleidung kann bei der Fotografie eines Hinterns eine kaschierende Wirkung haben. Sowohl ein kleiner Hintern kann größer dargestellt werden, wie auch ein größerer Popo kleiner. Ein breiterer Hintern kann durch einen veränderten Aufnahmewinkel schmaler wirken, ein schmalerer Hintern beispielsweise durch Wahl eines bestimmten Objektives sowie der Ausrichtung auf den Menschen breiter abgebildet werden. Nackt kann ein und derselbe Hintern ebenso durch Posing und Stellung der Kamera ganz unterschiedlich dargestellt werden. Eine Besonderheit der Aktfotografie ist es, dass man jede Muskelanspannung deutlich erkennen kann. Das wird durch die Pose erheblich beeinflusst. Du merkst es, wenn Du zur Probe nur schon mal unterschiedliche Arten des Stehens ausprobierst. Wenn ihr euch zum Aktshooting entscheiden solltet, dann achtet vorher auf evtl. Abdrücke der Kleidung auf der Haut. Diese könnten störend wirken. Dein Einfallsreichtum und dein Wissen um fotografische Verhältnisse kann dazu führen, dass man meinen könnte, es wäre nicht derselbe Hintern auf den Bildern, den du da von deinem Partner fotografiert hast.

▪ sexy, lasziv, oder lieber erotisch, mehr förmlich, vielleicht sportlich/athletisch oder elegant – modisch?
Die Aussage deines Bildes ist durch die Art und Weise der Fotografie unbedingt beeinflussbar. Nicht umsonst sprechen dich manche Abbildungen von Menschen direkt an, während dich andere umgehend abstoßen. Vergleiche, und versuche einmal herauszufinden, was der Auslöser dafür ist. Allein durch die Körperhaltung werden unterschiedliche Botschaften transportiert. Verdeutlicht ist das bei der Betrachtung von Menschen in Mode-Zeitschriften im Gegensatz zu Darstellungen in beispielsweise Männer-Magazinen oder Frauen-Magazinen, bzw. einschlägigen Internet-Seiten. Die gewünschte Aussage entscheidet dabei deine weitere Vorgehensweise.

▪ Farbe oder achromatisch

Geht es um die Darstellung von Formen, so wage ich zu behaupten, dass dies die Stunde des schwarz-weiß Fotografie ist. Ich meine, dass die Form eines Pos viel deutlicher in einer monochromen Aufnahme darzustellen ist. Doch auch hier gehen die Meinungen -wie überall- auseinander, also solltest du es für dich selbst entscheiden. Eine Farbaufnahme muss ja nicht farbig bleiben, experimentiere ruhig einmal damit und frage deinen Partner, was ihm an der ein oder anderen Variante besser gefällt.

▪ unscharf oder scharf

Ganz häufig, zumindest für mich, ist es die Ahnung, die ein vielfaches mehr an Anmut innehat, als die bloße Tatsache. Daher kann eine weichgezeichnete Bearbeitung oder ein weichgezeichnetes Szenario bei der Erstellung einer Fotografie manchmal viel mehr aussagen, eine viel ansprechendere Wirkung haben, als ein durchgezeichnetes und detailreiches Bild. Auch dazu kannst du Experimente versuchen. Es muss nicht gleich eine Nebelmaschine sein, manchmal reicht schon Wasserdampf. Gegenlicht in gerichteter Form ist auch ein Mittel, um einen diffusen Charakter auf einer Fotografie zu erzeugen. Die Freiheit der Gestaltung liegt bei euch!

 

Wie geht es weiter?

Ich gehe davon aus, dass es sich um vorteilhafte Aufnahmen handelt, die du erstellen möchtest. Du wirst den Hintern deines Partners nicht verändern können, aber ich meine, dass es darum gar nicht geht. Es geht darum, dass du schöne Fotos machst, mit all den Mitteln, die dir zur Verfügung stehen. Lichtsetzung beispielsweise kann bewirken, dass schöne Formen auf deinem Bild betont werden und Unvorteilhaftes im Schatten verschwinden kann. Dabei geht es um den Po deines Partners, und der ist so, wie er ist. Er gehört so zu deinem Partner, wie auch alles andere an ihm. Du liebst ihn dafür, wie er ist, und das kannst du in deine Aufnahmen transportieren. Beachten kannst du dabei folgendes, bzw. bevor ich zu den einzelnen Bereichen explizit etwas sagen werde, möchte ich einen Grundsatz postulieren: Alles auf deinem Körperbild steht und fällt mit der Körperspannung. Das vorweg und später dazu mehr. Jetzt zu den Möglichkeiten, die ich mit Beispielbildern zu bestimmten Posen unterlegt habe:

1. Die Stellung der Beine
Je nach Stellung der Beine senkt sich das Becken bei uns Menschen in eine seitliche Richtung. Ein Bein kann das Standbein sein, entscheidend ist dabei, welche die Schokoladenseite deines Partners ist, wenn es diese gibt. Probiere es aus. Wechsle die Seite mehrfach. Das Spielbein steht sozusagen zur „freien Verfügung“, und kann für jede Spielart genutzt werden. Eine Möglichkeit stellt ein Bein erhöht auf einem Absatz dar. Eine dynamische Hintern-Form wird durch die Anspannung des Standbeines gebildet. Der Stand auf den Zehenspitzen aktiviert ganz deutlich entscheidende Muskelpartien überall im Körper. Vergleiche die Unterschiede.

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2. Der Abstand zwischen den Beinen
Je nach Abstand der Füße öffnet sich auch der Winkel ab Beckenboden, was sich direkt auf die dreidimensionale Form des Pos auswirkt. Möchtest Du den Po deines Partners schmaler abbilden, so ist es vorteilhafter, stellt er die Beine etwas weiter auseinander. Dabei ist unter Umständen die sozial-gesellschaftliche Bedeutung für die Haltung der Körperglieder relevant. Bei geschlossenen Beininnenseiten wirkt das Foto distanziert, bei leicht geöffneten Beininnenseiten freier und offener, nicht aber zu weit öffnen, denn dann kann es schnell vulgär anmuten. Du kennst es aus der Situation, in der eine Frau mit weiter geöffneten Beinen dasitzt. Viele Zeitgenossen regt das auf. (Oder an, deshalb auf 😉 ) Überkreuzt dein Partner die Beine, so wird wieder eine andere Bildaussage erzeugt. Probiere es aus!

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3. Die Abwinklung der Knie
Gerade durchgedrückte Knie wirken oft unvorteilhaft, dem Körper fehlt dadurch entweder Spannung, oder er zeigt zu viel des Ganzen, er wirkt versteift. Einige wenige Posen werden dadurch jedoch unterstützt. Auch hier gibt es Ausnahmen von der Regel. Beispielsweise folgende Pose: die Beine leicht auseinander gestellt, die Arme in die Hüften gestützt, und dabei den Oberkörper etwas seitlich gedreht. Durchgedrückte Knie bewirken die Kontraktion der Oberschenkel- und Po – Muskulatur. Der Körper erhält eine sehr deutliche Dynamik. Führe es einmal durch.

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4. Die Haltung des Oberkörpers
Organische Formen sprechen uns Menschen intuitiv an, wirken positiv. Gerade Linien findest du in der Natur nur selten. So spricht uns ein natürlich gebogener Körper direkt an. Gleichzeitig wirkt eine zu steife Haltung des Rumpfes meist kontraproduktiv. Leicht gebogene Linien wirken da Wunder. Hinzu kommt die Bildung eines leichten Hohlkreuzes, welches die Form und Linie eines Pos fast immer positiv unterstützt, weil die Linien optisch verlängert werden. Hier ganz wichtig: Nicht übertreiben!

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5. Abstand von Kamera zum Objekt der Begierde
Je nach Abstand (Brennweite) kann ein Hintern gleichfalls größer oder kleiner wirken. Manchmal erwirkt eine deutlich nähere Distanz ein viel klareres Abbild, und in genau dieser Betrachtungsweise kommt eine Form (egal, welche Form) erst richtig zur Geltung, bzw. wird so erst deutlich erkannt. Ein größerer Abstand verursacht eine „flachere“ Sichtweise, die Formen wirken gedrungen. Nutze auch hier einmal verschiedene Brennweiten. Verändere dabei zusätzlich den Abstand zum Partner. Achte auf den Winkel, du kannst einmal von erhöhtem Standpunkt aus fotografieren oder auch mal von unten nach oben. Was in der Portraitfotografie als ungünstig angesehen wird, führt hier vielleicht zu besonderen Perspektiven. Trau dich.

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20mm

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24mm

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35mm

B50mmsq

50mm

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70mm

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100mm

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135mm

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


6. Fußstellung
Schon bei Helmut Newton, einem Meister der Fotografie, mussten alle Models hochhackige Schuhe tragen, ganz gleich, wieviel oder wie wenig Kleidung sie am Körper trugen. Durch das Anheben der Ferse(n) spannen sich bei fast allen Menschen die Gluteus-Muskeln, welche den Po anheben. Dadurch ist und erscheint der Po straffer, als bei flacher Fersenhaltung. Eine, wenn auch nicht natürlich anmutende Pose für die Füße, so doch eine sehr einfache und wirkungsvolle Unterstützung für die Form des Hinterns auf Fotografien. Was mir bei der Fotografie selbst erst auffiel ist die Veränderung der Breite im oberen Oberschenkelknochen: der große Rollhügel dreht sich je nach Höhe der Ferse nach außen. Auch ist für das Aussehen des Hinterns der Schenkelhalswinkel maßgeblich beteiligt. Der sich tatsächlich mit zunehmendem Alter schließende Winkel ist für den Po formgebend: bei jüngeren Menschen zeichnet der größere Winkel einen schmaleren Po, der allgemeinhin als attraktiver gilt. Fand ich spannend. Die Füße selbst erscheinen, wenn sie von der Außenseite aufgenommen werden, eleganter, hingegen von innen oder gar rechtwinklig projiziert, verursachen sie eine fast tollpatschige Wirkung, was keiner wünscht. Achte einmal darauf.

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Ferse 0cm

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Höhe Ferse 1cm

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Höhe Ferse 2cm

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Höhe Ferse 3cm

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Höhe Ferse 4cm

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Höhe Ferse 5cm

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Höhe Ferse 6cm

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Höhe Ferse 7cm

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Höhe Ferse 8cm

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Höhe Ferse 9cm

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Höhe Ferse 10cm

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


7. Körperstellung zur Kamera
Ein leicht bis mehr von der Kamera abgewandter Körper zeichnet fast immer ein gefälligeres Bild des Menschen. Direkt von vorn fotografiert wirkt der Mensch häufig steif, der Körper wirkt sogar oftmals breiter, als er ist, weil die Fläche größer erscheint. Den Kopf kann dein Partner, wenn er/sie seitlich steht, gefällig zur Kamera drehen, dabei entstehen wunderbare Posen und Blicke. Wichtig sind dabei grundsätzlich die Schultern. Niemals dürfen sie (durch-)hängen. Nebeneffekt ist dabei erneut ein gespannter Körper, der den Bauch strafft. Wieder: Körperspannung! Gib fleißig Tipps.  KniendStandortwechsel004sq KniendStandortwechsel005sq KniendStandortwechsel006sq KniendStandortwechsel007sq KniendStandortwechsel008sq KniendStandortwechsel009sq KniendStandortwechsel010sq

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Kamera oben diagonal

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Kamera unten diagonal

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Kamera Mitte diagonal

 

 

 

 

 

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Kamera Oben

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Kamera unten

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Kamera Mitte

 

 

 

 

 

 

8. Andere Posen als das Stehen
Je nach Wunsch kann eine andere Pose als das Stehen eine weitere Aussage der Fotografie treffen. Ob im Liegen (Seite, Rücken oder Bauch), im Knien, im Sitzen (weniger), oder in der Hocke, es ist, wie im richtigen Leben. Es gibt viele unterschiedliche, abgewandelte Möglichkeiten, den Po vorteilhaft aufzunehmen, bei der keine „besser“ ist, als die andere, nur anders. Es kommt darauf  an,  je nach Mensch und Vorstellung von Model, Fotograf oder Betrachter. Beim Liegen auf dem Bauch ist z.B. die Bildung eines Hohlkreuzes besonders effektiv, angewinkelte Beine verstärken die Wirkung. Stützt dein Partner den Kopf auf, ist auf die Schultern zu achten, weil diese dazu neigen, bequem durchzuhängen. Gegensteuern! Sitzt dein Partner auf den Wadenbeinen, kommt das leichte Hohlkreuz wieder in Betracht. Es beschreibt -ähnlich wie beim Liegen- so eine wunderbare Kurve des Körpers und erzeugt eine äußerst wohlgefällige Dynamik. Probiere fleißig aus.  liegendvomFussaushochsq liegendseitlichuntensq Liegendseitlichobensq liegendseitlichmittesq liegenbeinegeradesq liegenbeineangewinkeltsq hockersq fersensitzsq


9. Unterschiedliche Kleidung
Je nach Kleidung ist der Mensch mal mehr, mal weniger körperbetont abgebildet, so dass dadurch mal mehr, mal weniger von seiner Form zu sehen ist. Soll die Form erkennbar sein, hilft weite Kleidung meist nicht weiter. Die Farben spielen gleichfalls eine wesentliche Rolle, uni-farbene Hosen hinterlassen -auch je nach Sensor der Kamera- nicht immer zuverlässig die erforderlichen Strukturen, um die Form eines Pos erkennen zu können. Wilde Muster tun ein Gleiches, können aber als Stilmittel hervorragend genutzt werden. Geht mal zusammen die Möglichkeiten durch.
10. Gesichtsausdruck
Bei all der Körperspannung liegt es an dir als Fotografen darauf zu achten, dass der Gesichtsausdruck deines Partners bei den teils durchaus anstrengenden Posen nicht verkrampft aussieht. Besondere Aufmerksamkeit gegenüber der Gebiss-Muskulatur zahlt sich aus. Fordere deinen Partner zum locker lassen und zum Lächeln auf, wie beim Yoga in der Stellung der Krähe. 😉 Nach der Entspannung darf ein Lächeln aber auch gerne wieder verschwinden, je nach Intention der Bilder. Habt Spaß miteinander.
11. Hände
Auf deinen Bildern kann dein Partner in den verschiedenen Posen gut die Hände zur Hilfe nehmen. Ob als Element im Foto oder als Unterstützung für bestimmte Posen, die Hände und dein Partner freuen sich über Beschäftigung bei den Aufnahmen. Schon nur ein Accessoire kann zu spannenden Bildinhalten führen, sie führen vielleicht zum Motiv, untermalen es oder kontrastieren es.

11. Arme

Die Haltung der Arme möchte ich als letzten Punkt erwähnen, der aber auch einen großen Einfluss auf die Körperspannung hat. Anhand der Bilder lässt sich gut erkennen, wie der Körper mit dem anheben der Arme seine Spannung erhöht. Schon ein Abstützen der Hände in der Hüfte bewirkt eine leichte, aber sichtbare Spannung. Du kennst es vom Recken: strecke dich, um den Körper in Spannung zu bringen. Du wirst es erleben. Probiere es aus.

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Damit sind einige meiner Gedanken beschrieben, die bei der Fotografie eines Gesäßes eine Rolle spielen. Es ist hilfreich, wenn dieses Handwerkszeug, sowie das Wissen um die Auswirkung kleiner Veränderungen in deinem Sinn bleiben und du sie bei Bedarf abrufen kannst. Damit reagierst Du nicht nur, wenn sich eine Situation ändert, Du führst bestimmte Situationen gezielt herbei. Beides wird geschehen.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist deine Kommunikation. Dabei geht es nicht um irgendwelche Befehle, die du als Fotograf aussprichst. Kommunikation meint hier beide Richtungen, von dir zum Model und auch zurück. Die Antwort besteht nicht immer aus Worten, sondern um bestimmte Handlungen. Du siehst als Fotograf das Ergebnis vor dir durch den Sucher oder life, du bist es, der im positiven Sinne Verbesserungsvorschläge macht, wie etwas vorteilhafter zur Geltung kommen würde, was anders dargestellt vielleicht erst ausgedrückt wird. Dabei ist ein stets positiver Ton geboten. Auch Erklärungen sind hilfreich, und dein Partner ist nicht unfähig sich zu bewegen, zu posieren, es kommt auf deine Anweisungen an, die verständlich formuliert sein sollten. Und nutze alle Sinne: VORMACHEN!

Einen letzten, ganz besonderen Tipp von mir möchte ich zum Ende hin geben. Fotografieren in der Bewegung. Es ist vielleicht nicht immer einfach für deinen Partner, bestimmte Posen einzunehmen, besonders dann, wenn du bestimmte Ideen im Kopf hast, die du gerne umgesetzt hättest. Versuche dann einmal folgendes: Nutze gerichtetes Licht, teste es aus, während dein Partner einfach nur da steht. Wenn die Belichtung zu deiner Zufriedenheit stimmt, beginne mit eindeutigen Regieanweisungen:

☆ gehe bitte auf die Leiter und gib mir bitte das Buch von oben an.
☆ stelle dich bitte auf den Stuhl und drehe dich zu mir herum
☆ schließe deine Schnürsenkel und sieh mich bitte mal kurz an
☆ Gehe bitte zum Fenster und komme wieder
☆ Tanze für mich deinen liebsten Tanz
☆ Gehe doch mal ins Licht ( Gegenlicht?!)

Denke dir andere Geschichten aus und spiele Regisseur! Fotografiere deinen Partner in Bewegung!

Trotz aller fotografischen Finessen werden deine eigene Ideen, das Äußere deines Partners, der Zweck deiner Aufnahmen immer wesentlichen Einfluss auf dein Vorhaben ausüben. Das ist aber nicht dramatisch, denn mit der passenden Vorgabe und deinen eigenen, den Ideen deiner Partnerin, wie gemeinsam entwickelten Vorstellungen entsteht oft ein sehr produktives Miteinander, das ganz tolle Ergebnisse zu Tage bringt. Du musst es nur tun. Einfach anfangen. Heute!

 

P.S. Vielen Dank, liebe Mimi, für Deine Geduld und die vielen Posings in den Aufnahmen für diesen Beitrag 🙂

 

P.P.S. Die Anordnung der Bilder bitte ich zu entschuldigen, ich war nicht in der Lage die Bilder vernünftig anzuordnen, weil sich die Anordnung in der öffentlichen Ansicht mit jedem Speichern immer wieder willkürlich veränderte.

Ich bin, also spreche ich? (203)

jeans hintern mies-vandenbergh-fotografie.de

mies-vandenbergh-fotografie.de

Du kommunizierst mithilfe deines Körpers, nicht anders. Alle Ergebnisse, alle Entschlüsse verkündest du durch oder mit deinem Körper, sei es gesprochen, geschrieben oder gehandelt, in manchen Fällen vielleicht bekundet durch Nichthandeln.

Es folgen zunächst einige Prämissen für eine kleine, gedankliche Herleitung: Menschen leben. Leben bedeutet, dass sich etwas entwickelt. Entwicklung heißt Veränderung. Leben bedeutet Bewegung. Bewegung bedeutet Verschiebung von Masse. Dazu braucht es Raum, Raum der nicht unendlich verfügbar ist. Leben bedeutet Wahrnehmung. Lebewesen nehmen wahr und reagieren. Veränderungen von Positionen sind die Folge. Jede Aktion verändert etwas, Statik wird zu Dynamik. Manchmal verändert sogar eine Nichtreaktion, wenn sie konträr verläuft. Wenn eine Nichtreaktion im Gegensatz zu dem steht, was zu erwarten ist, wird sie umgehend zur Reaktion.

Veränderung ist für den Menschen stets materiell. Ort, Materie, Zeit. Immer. Es beginnt mit den drei grundlegenden Defizitbedürfnissen:

▪ Nahrung
▪ Atmen
▪ Schlafen

Der Mensch existiert, lebt aber erst durch den Ausdruck seines Körpers. Ohne die o.g. Defizite dauerhaft und fortlaufend zu beseitigen, kann der Mensch nicht leben, vielleicht existieren. Anschließend folgen weitere Bedürfnisse, die dem Menschen seine Existenz erst weiter ermöglichen:

▪ Wohnung
▪ Sicherheit

Vorerst möchte ich gedanklich nur bis hier her gehen. Ohne dabei zu bestätigen, dass es weitere Bedürfnisse gibt, die den Menschen ausmachen, wie z.B. soziale Bindungen oder Selbstverwirklichung. Dies wäre der nächste Schritt. Bleibe ich in diesem Beitrag beim ersten Schritt und dessen näherer Betrachtung.

Es geht also bei der Existenz des Menschen, der durch oder mit seinem Körper kommuniziert, immer um das Materielle. Gedankenübertragung? Noch Fehlanzeige! Das es ausschließlich körperlich effektiv ist möchte ich aus folgender Sichtweise herleiten: Jede Aktion und auch jede Reaktion bedeutet eindeutig, dass der Mensch eine Veränderung wahrgenommen hat. [Du schaust hin oder weg.] Dieses gelingt ihm nur unter Zuhilfenahme seiner Sinne [Augen]. Es sei dabei einerlei, ob die Veränderung von materieller oder energetischer Herkunft ist, letztendlich ist Energie nur eine andere Form der Materie und umgekehrt. Den physikalischen Nachweis dafür haben andere schön längst erbracht, das möchte ich hier nur übernehmen.

Dazu lege ich einige Beispiele zur Erläuterung dar. Jedwede Gedanken, alle Gefühle, die eine (Re-) Aktion im Menschen zur Folge haben, entstehen aufgrund einer Wahrnehmung. Diese Wahrnehmung ist nur dann möglich, wenn der Mensch seine Aufmerksamkeit dafür erübrigen kann. Sitzt du seit 6 Stunden bei -24°C auf einem zugigen Bahnhof, so wirst du die Schönheit einer schneebedeckten Landschaft anders empfinden, als aus dem wohltemperierten Foyer eines Berghotels.

So tritt dieser Reiz von außen auf den Menschen ein. Etwas berührt ihn, ein Signal beliebiger Art überschreitet seine Wahrnehmungsschwelle. Ist dieser Reiz erst einmal aufgenommen, so löst dieser irgend eine beliebige Reaktion aus. Die Reaktion kann ein Gedanke sein, ein Gefühl oder auch ein Reflex. Die Reaktion kann ferner in einer unmittelbaren Tat münden oder jemand ist nachtragend oder auch besonnen. 😉 Festzustellen ist es beim Anblick des Menschen. Du siehst, was du ausgelöst hast, manchmal mehr, manchmal weniger. Aber auch einer der anderen Sinne kann diese Reaktion deines Gegenüber wahrnehmen. Du kannst es hören, riechen, oder schmecken. Oder spüren. Hand drauf! Ich umarme dich.

Etwas Äußeres trifft unsere Wahrnehmung, ausgelöst wurde es von unserem Gegenüber, wenn es ums Zwischenmenschliche geht. In uns entstehen dadurch Gefühle, wie auch Gedanken, oder aber viele Zwischenabstufungen davon, wie Eindrücke, Ideen oder physische Reize. Die Dauer kann von Millisekunden bishin zu Stunden oder länger sein. Es sagt vorerst nichts über die Qualität aus.

Doch was immer auch in uns entsteht, solange keine Reaktion von uns darauf erfolgt, irgend ein wahrnehmbares Zeichen gegeben wird, solange gilt es als nicht existent, nicht angekommen {Sender}, nicht wahrgenommen {Empfänger} oder ignoriert. Nur durch Reaktion, die ausschließlich rein materieller Natur sein KANN, muss sie doch einen Empfänger haben, erfahren wir eine Wirkung unseres Daseins. Das kann in Form eines Lächelns sein, man kann schreien oder lachen, schweigen oder böse drein schauen, flüchten oder sich putzen, essen oder kämpfen.

Der Körper reagiert. Niemals geistig, immer durch seinen Körper, indem er handelt. Und denkt er tausend Gedanken und durchlebt Höllenqualen in seinem Herzen, ohne eine körperliche Reaktion sind sie nichts. Deine Liebe mag universell sein, ohne sie zu materialisieren in Form einer Handlung ist sie fiktiv und unsichtbar, nicht da, nicht vorhanden. Hast du sie nicht durch deinen Körper ausgedrückt, ist sie nichts! Willst du etwas erreichen, handle!

Körperwahrnehmung, Teil VI (201)

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„Mens sana in corpore sano.“
Ein gesunder Geist wohnt in einem gesunden Körper. Oder umgekehrt? „Ein gesunder Körper entsteht durch einen gesunden Geist.“ Ich sehe es als problematisch, eine solche These herzuleiten. Definiert sich der Mensch durch seinen Körper? Wird er durch seinen Körper definiert?

Es kommt auf den Standpunkt an. Wie näherst du dich einer Frage? Warum interessiert es dich? Die Perspektive erlaubt einen Überblick. Je weiter weg Du stehst, desto größer ist deine Übersicht. Alles ist [natürlich] begrenzt durch deinen persönlichen Horizont. Den hast du entdeckt, er hat sich weiter gebildet und du hast ihn [wahrscheinlich] irgendwann erweitert. Vielleicht bestehen Erfahrungen durch erfahren von Sichtweisen anderer. Entdecktest du die Einzelheiten am Horizont erst durch Hinweise eines weitsichtigen Vorbilds? Reihten sie sich ein in deinen Horizont? Andererseits entgehen dir vielleicht bei einer weiten Sichtweite Einzelheiten. Einzelheiten, die möglicherweise entscheidenden Einfluss auf das Ganze gehabt hätten. Folglich ist beides vonnöten.
Es folgt ein Versuch.

Du existierst. Du existierst als Körper. Du existierst als Geist. Diesen cartesischen Dualismus blende ich hier vorerst aus.
Im Gegenteil: Ich beschreibe einen weiteren Dualismus. Du existierst auf der einen Seite als Körper, und zwar als Körper, der handelt, kreativ ist, der erschafft und vernichtet, der auf seine Umwelt wirkt. Auf der anderen Seite existierst du gleichzeitig als Körper, der empfängt: Die Umwelt wirkt auf dich. Du fühlst, du hörst, du schmeckst. Du erfährst Einflüsse aller Art. Du empfindest Gefühle über deinen Körper, die durch Wahrnehmungen bei anderen Lebewesen, deren Handlungen, sowie deren Unterlassungen, deren Gesten und Ausstrahlung erzeugt werden.

Ein Wechselspiel der Kräfte kannst du beobachten: Dir widerfährt etwas, du reagierst, du handelst, eine Wirkung geschieht. Auf diese reagierst du wiederum. Leben. Wirken. Über deinen Körper wirkst du auf die Welt, schreibst jeden Tag Geschichte, die Geschichte deiner selbst, sowie die Geschichte der Menschen.

Bist du also für die Personen in deinem Umfeld neben deinem Körper als Körper das, was dein Körper verkörpert? Du wirkst nicht nur durch deine Taten, schon deine schiere Existenz wirkt auf deine Umgebung. So wie der Grashalm, auf dem du stehst, sich verbiegt, so wirkt deine Erscheinung auf andere Menschen. Siehe dich an. Überlege, welchen Einfluss das Äußere der Menschen, denen du tagtäglich begegnest, auf dich selber hat.

Bei der Begegnung mit Menschen in deinem sozialen Umfeld laufen all die Prozesse ab, auf die du im Laufe deiner Entwicklung konditioniert wurdest. Gesellschaftliche Konstruktionen des Miteinander regeln deine Erscheinung, weitestgehend uniform kommst du gegangen. Du armes, austauschbares Individuum, hervorgebracht durch gesellschaftliche Diskurse, nicht aus sich selbst heraus, vielmehr ein Produkt der Gesellschaft, sich im Wesen auflehnend, doch immer schön konform. Nonkonforme Störelemente bedrohen die Ordnung, die Vorhersagbarkeiten der intersozialen Abläufe laufen Gefahr ihres Zweckes enttarnt zu werden.

Dein Körper, angefüllt mit Wahrheit, Wissen, Macht und Trieb bringt diese Dinge über Aktion heraus, hervor, er wirkt ausschließlich über Aktion, selbst Verweigerung ist zuweilen Aktion, wenn nicht Verweigerung zum statischen Zustand geworden ist. Und aufgepasst: Wie weit entfernt bist du vom Zustand einer Statue? Meckerst du nur herum, fügst dich in ein Schicksal, das gerade so zufällig des Weges kam, heulst nur herum, kaum hörbar, gerne von der Couch aus, mit ein paar Snacks neben dir, das Pad auf dem Schoß, wild Buchstaben swypend, über deine ach so missliche Lage? Das ist ja so wunderbar bequem, unauffällig, statisch. Hauptsache, der Hecht im Karpfenteich, in Form eines notwendigen Broterwebs hält dich noch funktionell aufrecht für die ökonomische Liga. Herzlichen Glückwunsch.

Gemein – schaft (197)

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Lebst Du als Einsiedler? Nein? Dann in einer Gemeinschaft? Prägt Dich diese Gemeinschaft in irgend einer Art und Weise?  Oder prägst Du die Gemeinschaft? Vielleicht kommt Dir das Wort „Wechselwirkung“ in den Sinn.

Seit dem wir Menschen nicht mehr in kleinen Gruppen verstreut über den Globus dahinvegetieren, und uns mehr oder weniger dicht auf die Pelle rücken, haben wir uns Regeln ausgedacht. Regeln, die uns helfen [sollen], den Umgang untereinander vorhersagbar zu machen. Die Zeitspanne, in der sich diese Normen gebildet haben, beläuft sich auf eine Zeit von über 500 Jahren, und ist dabei keineswegs abgeschlossen, sondern befindet sich im stetigen Wandel. Was heute noch moralisch ethisch korrekt ist, könnte im Laufe der Entwicklung schon bald als überholt und nicht mehr zeitgemäß gelten.

Junge Erdenbürger werden in relativ kurzer Zeit so konditioniert, dass sie funktionieren. Sie müssen, wie du auch, diesen Entwicklungsprozesses, der sich im Laufe der Jahrhunderte etablierte, in nur wenigen Jahren verinnerlichen. Diese Normen und Regeln sollen so weit übernommen werden, dass sie nicht mehr von außen überwacht, gesteuert oder geregelt werden müssen, sondern sie sollen aus eigener Überzeugung befolgt werden.

Ob diese Übereinkünfte dabei dem eigenen Körperempfinden widersprechen oder nicht, das gilt aus Sicht der Norm als zunächst unerheblich. Den körperlichen Bedürfnissen wurde im Zuge der Reglementierungen zunehmend weniger Raum eingeräumt. Die Trennung von Geist und Körper im Laufe der „Zivilisierung“ des Menschen schuf gleichzeitig eine Verlagerung der Gewichtung. Der Geist wurde über den Körper gestellt.

Jeder von uns bedenkt sein Verhalten, bevor er es ausübt. Er geht im Geiste die möglichen Konsequenzen durch, die ihn durch sein Verhalten ereilen könnten, wenn nicht schon die aufkommende Idee über eine Handlung als nicht konform niedergeschlagen wird. Im bezug auf die körperlichen Belange funktionieren in uns Mechanismen, deren Ausdruck in Scham und Peinlichkeit gründet. Ein Verhaltenskodex ist in unserem Verständnis so weit etabliert, dass eine Zuwiderhandlung eine derart große Hemmschwelle zu überwinden hätte, die uns warnt: bis hier her und nicht weiter, sonst habe ich mit unvorteilhaften Konsequenzen zu rechnen.

Einzug gehalten haben die die körperlichen Umgangsformen beim Adel, wenn ich dem Soziologen Elias folge. Regelwerke über die Etikette wurden anschließend zunächst nur für die Bourgeoisie verfasst, sie sollten sich danach aber zunehmend auch unter dem einfachen Volk durchsetzen. Dieser Prozess kann bis heute und in vielen Regionen und Ländern beobachtet werden. Schon vor knapp 100 Jahren beobachteten aufmerksame Zeitzeugen gegenläufige Tendenzen. Aufweichungen der Benimmregeln wie das Reden über private, körperliche Erfahrungen im öffentlichen Fernsehen, die Akzeptanz von Nacktheit in der Öffentlichkeit, bishin zum Urinieren bei Theatervorstellungen mögen als Beispiele gelten. So lassen sich diese Verschiebungen als leicht pendelhaft bezeichnen.
Jeder einzelne Mensch findet sich im Gezeitenstrom der Moralitäten wieder, in dem er selbst entscheiden kann, ob er sich mittreiben lässt, stehen bleibt, oder gegen diesen Strom schwimmt. Je nach persönlichen Konsequenzen für Dich handelst Du täglich auf’s neue. Viel Erfolg!

Körperwahrnehmung, Teil V (194)

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Wie reagierst Du auf Ärger? Wie auf Freude? Kann man es dir ansehen? Wie siehst du aus, wenn du glücklich bist? Wie, wenn du traurig bist. Was sagt dein Körper, wenn dich jemand tröstend in den Arm nimmt. Oder liebevoll? Gut, oder!? Aber: wie oft passiert das dir noch? Statistisch gesehen: Ein Trauerspiel!

Im fünften Teil geht es um deine körperlichen Reaktionen, und das, was du daraus machst. Erkennst du die Sprache deines Körpers? Oder bügelst du ihn schon mal glattweg nieder? Triumphiert dein Geist oft über deinen Körper, deine Intuition, dein „Bauchgefühl“? Dann geht es dir, wie mir. Ich bin zu oft ein schrecklich verkopfter Mensch. Bauchschmerzen ja, aber nein, ist vollkommen unlogisch! 🙂

Wie hängen deine Empfindungen mit Berührungen zusammen? Eng. Aber warum? Hierzu möchte ich etwas ausholen. Ein kritischer Barde, dessen Name mir gerade nicht geläufig ist, vielleicht André Heller in seinem Wintergarten, besang schon vor 20 Jahren in einem seiner Lieder den Zustand des eklatant zunehmenden Materialismus: „Früher streichelten wir über Körper, heute über Waren.“ Niemals zuvor in der Menschheitsgeschichte litten die Menschen derart unter Berührungsarmut wie heute, so stellen es aktuelle Erhebungen sehr eindeutig heraus. Nicht nur in New York finden Kuschelparties statt, bei denen gänzlich ohne sexuelle Absichten nur eng miteinander gekuschelt wird, nie haben professionelle Berührer derartig Hochkonjunktur.

Wie ergeht es dir? Wie reagierst du auf die Reize deiner Umwelt, welche Reaktionen (er-) kennst du von deinem Körper? Stellen sich bei dir hin und wieder deine Nackenhaare auf und läuft dir ein Schauer über den Rücken? Steigt dir das Blut in den Kopf, errötest du, wenn du dir unangekündigter und bedeutsamer Dinge gewahr wirst? Viele Menschen unterdrücken zu oft diese Signale des Körpers. Forscher aus den USA haben bestätigt, dass die ausbleibenden Wahrnehmungen körperlicher Reaktionen zu psychosomatischen Erkrankungen führen können. Das beginnt bereits bei kleinen Anzeichen körperlicher Widerstände auf kleinste Reize, die wir so kaum noch wahrnehmen. Beispielsweise kleinste Widerstrebungen etwas bestimmtes zu berühren sind solche Zeichen, auch außerkulturelle Berührungen führen zu starken Irritationen. Letzteres wird als Phänomen in unseren westlichen Ländern bestätigt, in denen körperliche Berührungen nur in sehr engen Grenzen moralgesellschaftlich akzeptiert ist.

Gleiches gilt für die andere Richtung, die mehr noch das Thema dieses Beitrags ist: mangelnde Aktion, immer stärkere Zurückhaltung mit zunehmendem Entwicklungsstand entfremdet uns zunehmend von körperlichem Dasein. Was du als Kind zu Beginn deines Lebens gar nicht anders vermochtest wird derart stark reduziert, so dass es tatsächlich zu psychosomatischen Störungen kommen kann. Als Kind, besonders als Kleinkind musstest du alles begrapschen, viel mehr, als deinen Eltern lieb war, sogar in deinen Mund stecken. [Kinder aus unserer Nachbarschaft haben, weil sie keinen Kaugummi essen durften, diese von der Straße abgekratzt und mir viel knirschen versucht zu kauen.]
Du entdecktest als Kind die Welt um dich herum mit deinen Händen. Du fühltest, was unterschiedlicher Temperatur war, welche unendlich viele, haptische Variationen Dinge hervorbringen konnten. Samtig weich, glibberig feucht, scharfkantig spitz waren Objekte aller Art für dich äußerst spannend zu erforschen.

Auf der anderen Seite erfuhrst du über deinen Körper eine sensorische Vielfalt der Berührungen. Streicheleinheiten sowie Kuschelpartien waren an der Tagesordnung, nahezu jeder Elternteil weiß, wie wichtig diese körperlichen Aktionen für die seelische Entwicklung ihrer Kinder sind. Was mit der Zeit der Adoleszenz immer weiter weg verlagert wird, weg von den Eltern, hin zu Freund und Freundin, verliert sich heutzutage zunehmend mehr und mehr und mit zunehmendem Alter überdies.

Unser größtes Sinnesorgan verliert zunehmend an Stimmulierung, Wissenschaftler beschreiben es als dramatischen Akt: Statt der Berührungen geht der Mensch der westlichen Welt seiner liebsten Freizeitbeschäftigung nach, dem Fernsehen, und kompensiert den Mangel mit der tütenweisen Zufuhr von Salzgebäck. Stichwort „Ersatzbefriedigung“. Da bezieht sich nicht nur auf das Salzgebäck, auch Waren aller Art dienen dem gleichen Zweck. Berührst du deinen Partner so oft, wie dein Smartphone? 😉

Im Vergleich der Geschlechter kommen bei diesen Untersuchungen die männlichen Exemplare der Menschen noch viel schlechter weg, als die weiblichen. Der Mann, erfolgreich, hart, technikaffin, die Frau schön, zart fürsorglich. Körperliche Zuwendung gilt als weiblich, ob es in Berufen ist (Pflege, Fürsorge, Frisörin, Männer gelten in diesen Bereichen weniger als männlich, gerne als weichlich, auch homosexuell, sie sollen die „Macher“ sein, kernig, handwerklich, technisch versiert.) oder im Umgang mit anderen Menschen. Zwar ist auch bei Frauen die körperliche Auseinandersetzung offen rückläufig, doch die allgegenwärtige Beschäftigung mit der Schönheit erlaubt die Behandlung des Körpers in allen Bereichen, in jedem Alter, und in allen Regionen. Die Schönheit lässt sich, so der „gesellschaftliche Konsens“, so über den Körper ausdrücken. Dazu brauch dieser Behandlung. Dazu darf er berührt werden, lange berührt werden.

Hier möchte ich mit einem Einwand diesen Artikel beschließen. Wenn wir uns alle, also auch du, wieder mehr um unsere Empfindungen kümmern würden, so sehe ich einen guten Weg, das Leben wieder wärmer, zärtlicher, menschlicher zu gestalten, was sich definitiv auch in unserer Psyche ausdrücken würde. Zufriedenheit wäre dein Erfolg.

P.S. besonders herzliche Grüße möchte ich hier an „tigerfour“ richten, der aus luftigen Höhen unermüdlich daran erinnert: das „küssen nicht vergessen“! 🙂