Die Erschaffung eines Images (44)

bae jeans hintern Mies-Vandenbergh-Fotografie

Mies-Vandenbergh-Fotografie

   Mit einer Fotografie kann der Fotograf ein Image eines Menschen erschaffen. Abbilden wird der Fotograf mit seiner Kamera „nur“ das, was er sieht! Vordergründig betrachtet ist es richtig, doch es steckt hinter einer Aufnahme, die der Betrachter, also wir, zu sehen bekommen, bekanntlich viel mehr. Unter den vielen Gestaltungsmöglichkeiten einer Fotosession mit einem Menschen finden sich Mittel und Wege, die Person in den unterschiedlichsten Facetten wiederzugeben. Aus dem Modell lässt sich ein Engel machen oder ein Vamp.

  Wir als Betrachter der vielen Modell-Ikonen wie Christy Turlington, Laetitia Casta oder Milla Jovovic können allein unter ihren bereits veröffentlichten Fotografien viele verschiedene Gesichter und auch Charaktere ausmachen. Der Einfluss des Fotografen ist einfach wesentlich, gibt es doch unendlich viele Knipser und Hobbypaparazzi auf der einen und wirkliche Fotografen, deren Bilder in Ausstellungen und Büchern zu bestaunen sind, auf der anderen Seite. Nebenbei bemerkt habe ich weder Ausstellung noch Buch publiziert. 😉 Auch soll es keine Wertung eines Menschen sein nur des „Fotografen¨.

   Was ein Fotograf vom Format wie zum Beispiel Peter Lindbergh aus einem Menschenbildnis machen kann, das finde ich überaus bewundernswert. Es spielt dabei nur eine untergeordnete Rolle, mit welcher Kamera er das macht und welches Equipment ihm zur Verfügung steht. Wenn ein Fotograf oder eine Fotografin, gleichwohl ob Profi oder Amateur, sich Gedanken vor einem bestimmten Foto-Shooting mit einem Model macht, so kann er oder sie das Ziel der Aufnahmeserie genau definieren. Will man ein bestimmtes Ergebnis erreichen, sind im Umkehrschluss ganz bestimmte Vorbereitungen unabdingbar. Nicht nur die Ausrüstung meine ich, auch Location, Kleidung/Style, Licht oder Make-up bestimmt die Bildaussage.
Was will ich darstellen, welche Botschaft möchte ich mit einer Fotografie transportieren?

   Wenn ich mir die Schönheitsvorstellung verkörpernden Modelle der Mode- und Kosmetikindustrie so betrachte, dann kann die Botschaft derer Bilder für mich nur die folgende sein. „Sieh her, ich bin die personifizierte Schönheit, die Du auch erreichen kannst, wenn Du diese oder jene Produkte auch benutzt!“ Wir werden mit diesen Ikonen der Schönheit tagtäglich mit einer Intensität konfrontiert, dass man glauben könnte, so würde die Mehrheit der Menschen aussehen. Die Rolle der Medien ist dabei entscheidend, denn erst durch deren Einsatz ist eine so starke Verfügbarkeit erst möglich geworden.

   Wer macht nun diese Bilder. Wer bereitet die Models auf die Film und Fotosessions vor? Außer eines Visagisten oder Maskenbildners können viele andere Personen involviert sein. Selbst bei den in den 1990ern und 2000ern in Mode gekommenen Natürlichkeitslooks, auf denen die Modelle wie zufällig auf sehr natürliche Weise dargestellt wurden überließ man nichts dem Zufall und jede noch so zufällig daherfliegende Haarsträhne war auf´s genaueste geplant, wie mir ein befreundeter Modefotograf versicherte.

   Mit vielfältigen Mitteln kann der Fotograf den Look eines Menschen verändern. Bei bekannten Gesichtern ist dies besonders deutlich. Meist werden diese Personen des öffentlichen Rechts in sehr ähnlicher Weise abgebildet. Viele derer verkörpern ein bestimmtes Image, welches der Fotograf mit der Art seiner Aufnahmen gestaltet und auch aufrecht erhält. Manch einer von uns wäre regelrecht erschrocken, wenn er eines der Supermodels oder eine(n) Schauspieler(in) ohne vorhergehendes Styling ansehen könnte.

   Stellen Sie sich ihren Partner oder ihre Partnerin vor, wie sie einmal vollkommen geschminkt und mit modischster Kleidung und Frisur vor ihnen stünde oder – einfach so – im weiten Pyjama mit zerzausten Haaren. Beides ist der selbe Mensch und doch transportiert er eine vollkommen widersprüchliche Bildaussage. Was jetzt hier als krasser Gegensatz genannt wurde, kann im Einzelnen auch etwas sehr diffiziles sein, dass, oberflächlich betrachtet, kaum auffällig ist, aber durch ein Fehlen doch sehr starke Irritationen beim Betrachter erzeugt. Schon ein fehlender Kajalstrich könnte eine ganz bestimmte Härte oder Entschlossenheit im Gesichtsausdruck vermissen lassen. Das kann gewünscht sein, wenn eine natürliche, sanfte Ausstrahlung des Modelles beabsichtigt wird. So lassen sich manche Modelle nur sehr ausnahmsweise mal ohne eine bestimmtes Make-up ablichten.

   Der Fotograf kann die Aussage eines Images des Modelles weiter führen, indem er ein Modell in stets sehr ähnlicher Art und Weise fotografiert, bzw. die Bilder in genau dieser Art weiter bearbeitet, die der gewünschten Optik des Modells oder des Auftraggebers Rechnung trägt. Wenige Modelle haben – meiner Ansicht nach – eine besonders breitgefächerte Vielfalt der darzustellenden Charaktere oder Looks. Viele sind festgelegt auf wenige bestimmte Rollen. Selbst, wenn sie es versuchten, würden sie mehr von ihrem eigentlichen Image zerstören, als ein neues dazu gewinnen.

   Sehr gut zu beobachten ist das bei den Schauspielerinnen, die aus der Familienkomödie oder Vorabend-Krankenhausserie stammen und danach eine Tatortkomissarin darstellen sollen. Diese Veränderung gelingt nur sehr selten und wirkt meist unglaubwürdig. Diese Aussage stellt meine persönliche Ansicht dar.

   Viele Modelle haben aus vorgenannten Gründen gerne nur bestimmte Fotografen, weil es diese verstehen, die im Modell vorhandenen besonderen optischen Attribute auf dem Film hervor zu heben, bzw. auf den Chip. Jeder, der fotografiert, hat eine eigene „Sicht der Dinge“. So würde auch ein Mensch durch die Augen und schließlich durch die Linse eines jeden Fotografen immer wieder anders dargestellt werden, ohne den wechselnden Gemütszustand des Modells dazu zu bedenken.

   So wie die Menschen in jedem anderen Menschen etwas anderes sehen, so bringt auch jeder Fotograf bestimmte Eigenschaften seines Modells hervor und genau an dieser Stelle beginnt der Einfluss des Fotografen. Er kann sich für Eigenschaft A oder B oder C oder … auf seinen Bildern als Hauptbotschaft entscheiden. Genau danach wird er vermutlich sein Modell instruieren. Wenn auch die Auswahl der Bilder im persönlichen Bereich durch das Modell selber erfolgt, so kann es dennoch ausschließlich zwischen den geschossenen Images (=Bildern) auswählen. Andere gibt es nicht.

   Bis hier her bin ich noch nicht mal auf die Frage eingegangen, in wie weit die eigene Sichtweise des Models mit in die Bilder einfließt. Die abschließende Frage am Ende der Session bei der Betrachtung der Bilder ist dann, ob sich das Modell so wiedererkennt, wie es meint zu sein oder auszusehen! Stimmen da die Sichtweisen des Modells und des Fotografen überein oder nähern sich an? Oder soll es gar nicht so sein und der Fotograf soll viel mehr etwas im Modell hervorheben/ entdecken / erschaffen. Etwas, von dem das Modell meint, das er oder sie es vielleicht nicht verkörpere oder ausdrücke, der Fotograf solle es aber erschaffen und in die Bildaussage transferieren.

Möglicherweise kann es für ein Modell sehr spannend sein, den Fotograf in einem Teil des Foto-Shootings freie Hand zu lassen und Ansichten kreieren zu lassen, in denen sie oder er sich kaum wiedererkennt. Immer wird es dabei ein Abbild des Menschen sein, das jedoch stark verfremdet sein kann und ganz oft ist. Denn eines ist heutzutage ganz sicher: So gut wie keinem Bild ist mehr zu trauen, dass man nicht selber bearbeitet hat! ;-

Kate Moss – Ein schöner Popo ? ( 19 )

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Mies-Vandenbergh-Fotografie

Die Vorbildwirkung der in der Werbung gezeigten superschlanken Models hat nachgewiesenenermaßen einen erheblichen Einfluss auf das Körpergefühl der Betrachterinnen, besonders der jüngeren Mädchen.

   Als in den 1990er Jahren Fotos des Topmodels Kate Moss in die Medien kamen, da entstand – neben Empören – eine offene Disskussion über die Magersucht einiger Models und deren Wirkung auf die Menschen im Allgemeinen und auf die jungen Mädchen im Speziellen. Welchen Einfluss würden diese sehr schlanken und keineswegs beispielhaften Modells auf die Einstellung der Mädchen in ihrer körperlichen Entwicklung nehmen?

Würden jetzt alle mit Magersucht und Bullemie zu kämpfen haben? Es sollte sich zeigen, dass diese Gedanken und Befürchtungen sich zum Glück vorerst nicht bewahrheiteten. Die meisten Mädchen nahmen zunächst eine völlig „normale“ Ansicht zur Entwicklung ihres Körpers an. Erst im Laufe der Jahre etablierte sich in den Köpfen der zumeist jüngeren Betrachterinnen ein Schönheitsideal, das von Schlankheit gekennzeichnet war.

   Und Kate Moss? Sie wurde zu einem so genannten Supermodel. Überaus erfolgreich, so schrieb man mindestens ein Buch über sie, war sie stets begehrt, was nicht immer einfach für sie selbst war. Drogenprobleme schienen ihr zu schaffen zu machen, was sich zeitweise in ihrem Äußeren widerspiegelte. Doch sie schaffte es, diesen Kreislauf zu durchbrechen und ihre eigene „Marke“ zu etablieren. Weshalb ich darüber schreibe? Ich möchte ein paar Worte über ihren oft abgebildeten schlanken Körper, speziell auch über ihren Hintern anhand einer ganz speziellen Aufnahme schreiben. Das Foto fiel mir auf, weil auf ihm der Po -wie der gesamte unbekleidete Körper von Kate Moss (Verdeckter Akt)- zu sehen war. In einer Werbung eines Bekleidungsherstellers, bzw. in der Anzeuge für dessen Duftwasser for men, Namens „Obsession“, in einer Zeitschrift auf dem Bauch liegend sah ich sie und dachte „Sieht ja schön aus, ein wenig dünn, aber einen tollen Hintern hat sie.“ Wovon ich damals nichts ahnte war die Tatsache, dass sie erst knapp über 16 Jahre alt war. Ich dachte mir damals nichts dabei, ich nahm nur das Foto von Corinne Day als sehr gelungene Aufnahme wahr.

    Das besagte Bild ist hier zu sehen. Es ist in S/W gehalten und der Hintern mutet liegend auf einem Sofa in seinen Proportionen nahezu perfekt an. Trotz der schlanken, ja fast magersüchtig wirkenden Figur zeigt der Popo in seiner Form eine sehr harmonische Linie. Diese gibt der Symmetrie nach, die in der Kunst der Skulptur oft ähnlich angefertigt wurde. Es ist eine Momentaufnahme, von der ich nicht mal weiß, in wie fern sie in Photoshop nachgearbeitet wurde. Es soll nicht darstellen, wie ein Popo sein soll und immer bleiben wird, denn er sieht sich, wie unser gesamter Körper, vielen Veränderungen ausgesetzt, es geht mir um den Augenblick. Er ist es, den ich in meinen Fotos schön geformter Gesäße versuche festzuhalten. Ich stelle damit keine absolute Form im Sinne der beispiellosen Statur in Perfektion in den Raum, es ist nur genau dieser eine Augenblick, in welchem diese Kontur in für mich Ideal typischer Symmetrie vorhanden ist.

   Auf dem Foto von Corinne Day ist nicht unbedingt der Moment der Aufnahme, in dem sie gemacht wurde, für mich entscheidend, -sicher handelt es sich um ein Foto einer ganzen Serie- , es ist viel mehr der Blickwinkel der Kamera. Der Blick des Betrachters wird so auf den Hintern, wie auf den jugendlich knabenhaften Körper von Kate Moss geleitet.

Es spielt bei einem Foto eines (schönen) (nicht nur) Hinterns eine wesentliche Bedeutung, aus welcher Perspektive die Ansicht aufgenommen wird. Die Form variiert nämlich sehr stark je nach Betrachtungswinkel. Die eine Hinsicht kann eine tolle Linie darstellen, eine andere Ansicht des gleichen Pos kann plötzlich den Eindruck erwägen, die Linie würde etwas aus der Form laufen. Ich meine, bei besagtem Bild von Kate Moss ist die Ansicht des Profils sehr treffend gewählt, wenn ich die Symmetrie als positives Element vorraussetze. Da ich davon ausgehe, dass die Symmetrie die Attraktivität entscheidend erhöht, wie es in verschiedenen wissenschaftlichen Betrachtungen verifiziert wurde, ist gerade dieses Bild ein Beispiel par Excellence dafür. Wenn dieser Körper, der in der damaligen Zeit in den Medien als zu dünn und magersüchtig bewertet wurde, so kann der Popo auf diesem Bild mitnichten als zu dünn erachtet werden. Er kann als Beispiel für einen wohlproportionierten Hintern sehr gut hergenommen werden. Nicht außer Acht lassen sollte man unbedingt dabei, dass die Formen und Linien dieses Körpers den einer 16 jährigen beschreiben!

    Durch die Ansicht auf das Profil von Kate Moss spielt die Breite ihres Beckens und ihrer Hüfte nur eine untergeordnete Rolle, wie bei Profilaufnahmen allgemein. Meines Erachtens erwirkt ein vorhandenes oder dargestelltes Hohlkreuz eine verstärkende Betonung der Hinternform. Auch ein Bauchansatz wirkt sich auf die Linie aus. Am Beispiel von Kate Moss wirkt dieses Bild durch den konvex geformten Rücken und die Positionierung auf dem Sofa, sowie die Wahl der Ausleuchtung des Motivs in der Fotografie verstärkend auf die Form des Pos. Zusätzlich unterstützt durch die leicht erhöhte Wahl des Kamerastandpunktes wird die Linie des Bauches durch die Schattierung des eigenen Körpers leicht verschwommen dargestellt. Dadurch verstärkt sich die Betonung des Hinterns und des Rückens. Für mich eine sehr gezielt sinnliche Aufnahme des Pos, und auch, wenn der Po von Kate Moss in vielen anderen Aufnahmen eine andere Form beschreibt, halte ich dieses Bild für gelungen.