Natürlichkeit (126)

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Was sehe ich, wenn ich einen Menschen ansehe, wieviel von seiner natürlichen Schönheit und wieviel von seiner Verkleidung nach dem Diktat der Mode, danach frage ich in den folgenden Zeilen.

Wie häufig sehe ich Menschen in ihrer natürlichen Schönheit? Dazu stelle ich mir die Frage nach der Definition der natürlichen Schönheit. Was macht natürliche Schönheit aus? Die meisten Menschen erkennen dann eine gewisse Natürlichkeit, wenn ihr Gegenüber ungeschminkt, mit zerzausten Haaren und mit wenig ablenkender Mode verkleidet vor ihnen steht.

Schon an dieser Stelle findet sich die erste Hürde, denn es ist höchst umstritten, an welchem Punkt die Mode in das natürliche Aussehen eingreift. Einige Stimmen sprechen bereits dann von Verkleidung, wenn die Person nicht nackt ist. Für sie ist alles andere als nackt schon künstlich hervorgebrachte Veränderung am Menschen. Dabei ist es unerheblich, welche Kleidung es ist, ob es sich um ein Kleid von Versace oder einem Bärenfell handelt. Unstrittig ist und bleibt die Veränderung, denn nur nackt bleibt der Mensch ohne jede Möglichkeit, mit Kleidung eine klar definierte Aussage zu treffen. Für jeden von uns sind bestimmte Kleidungsstücke mit einer klar abgegrenzten Aussage verknüpft. Die Bilder im Kopf mag bei ihrer Nennung jeder für sich selbst überprüfen:

· Der Anzugträger!
· Die Dame im Abendkleid!
· Der Mann in Jeansjacke und Lederhose!
· Die Dame in Stilettos und Minirock!
· Der Mann im Ballonseide-Trainungsanzug!
· Die Dame im Ozelot-Mantel!

Mit jeder dieser Personen assoziieren wir bestimme Eigenschaften, sowohl auf beruflicher wie auf privater Ebene. Aber genau so, wie wir bestimmte „Vorurteile“ und vorgefasste Erwartungen an bestimmte Kleidungsstücke pflegen, so schnell geraten wir in Unsicherheit oder Verblüffung, wenn uns eine Person eines gewissen Standes in nicht adäquater Kleidung vorgestellt wird. Unsere gesellschaftliche Prägung übt dazu eine Menge Einfluss aus. Selbst wenn diese konträren Bilder in den Medien hin und wieder auftauchen, und uns damit ein wenig auf die möglichen Widersprüche vorbereiteten, so wird jeder selbst nachempfinden können, welchen Gedanken er erläge, würde ihm ein Bundesminister oder Vorstandsvorsitzender einer Bankenaufsicht in Lederkutte und Cowboystiefel vorgestellt werden! Wie wäre unsere Einschätzung der Glaubwürdigkeit in eine Ärztin während der Visite, begegnete uns diese Ärztin in Shorts, Tank-Top und offenem langen Haar? Wäre diese nicht in höchstem Maße gefährdet? Davon bin ich zutiefst überzeugt!

Zurück zur eingangs gestellten Frage nach dem Punkt, an dem von uns noch Natürlichkeit attestiert werden würde, bzw. an dem schon Verkleidung stattfände. Die erste Unterscheidung kann ich machen, indem figurbetonte Kleidung mit legerer Kleidung verglichen wird. Während bei ersterer die körperlichen Äußerlichkeiten deutlicher zu Tage treten, ist bei der zweiten Variante kaum etwas von den Proportionen des Körpers zu erkennen.

Einen Grad für Natürlichkeit allein daraus zu formulieren dürfte wiederum zu Diskussionen führen. Die figurbetonte Variante könnte ich zwar durchaus als natürlich bezeichnen, gibt sie doch die natürliche Form des Körpers wieder, doch bei dieser gaukelt die Stützfunktion eng anliegender Kleidung definitiv positive Eigenschaften vor. Viel besser mutet weite Kleidung auch nicht an. Versteckt diese doch die natürliche Form des Körpers meist gänzlich, die dem Betrachter wesentliches über die Attraktivität des gegenüber verriete. Vielleicht kommt der Träger etwas näher an die Eigenschaft Natürlichkeit heran, wenn er weder enge, noch zu weite Kleidung trägt. Auch Zurückhaltung bei der Wahl der Materialien ist geboten. Dies dürfte aber nicht allzu schwer fallen.

Komme ich zu einem weiteren Punkte. Bei der Bemalung des Gesichts herrscht unter den Menschen weitestgehend Einigkeit: sichtbar geschminkte Personen entbehren jeder Natürlichkeit! Doch genau darin liegt die Besonderheit der gekonnten Maske: Männer und mehr noch Frauen, die in sämtlichen Medien auftauchen, sind derartig dezent sichtbar geschminkt, dass ein fachfremder Betrachter oftmals keine Schminke erkennt. Wieviel Arbeit und Können, Zeit und Aufwand hinter einem solchen Bild steckt, das weiß nur einer, der es kann und derjenige, dem es zuteil wurde. Somit beweist Natürlichkeit in den allgegenwärtigen Medien fast immer ein Trugbild!

Auf der Straße verhält es sich ein wenig anders. Die wenigsten Menschen können sich einen Maskenbildner vorderster Güte leisten. Dort ist es meist sofort ersichtlich, ob die Person ungeschminkt oder in Kriegsbemalung daherkommt. Die Natürlichkeit erscheint in der realen Öffentlichkeit leichter erkennbar, meine ich.

Bei der Betrachtung der Frisur ist im Prinzip ähnliches zu konstatieren, wie bei der Schminke. Gezielt gestyltes „wildes“ Haar ist nur schwer auszumachen, ungepflegtes fast immer und natürliches Haar ist offensichtlich natürlich.

Damit bin ich der Beantwortung der eigentlichen Frage schon ein gutes Stück näher gekommen: natürliche Schönheit ist so leicht nicht zu definieren, doch Übereinkünfte der Gesellschaft hinterlassen deutliche Hinweise. Natürlichkeit finde ich umso häufiger, je jünger die Menschen sind. Gesichtszüge zu erkennen ist ein weiteres probates Mittel, den diese werden nur selten stark verändert oder entstellt. Nicht umsonst sprechen Forscher und Wissenschaftler von standardisierten Typenbezeichnungen: kaukasischer oder indogermanischer, asiatischer oder negroider Typus sind, zwar teils veraltete, aber gängige Termini. Bewegungsmuster ergeben ein untrügliches Bild, denn auch darin spiegelt sich eine Natürlichkeit wieder. Nur sehr wenige Menschen sind fähig, diese eingeübt vorspielen zu können.

Unter den weiteren verbleibenden Anzeichen für Natürlichkeit ist -mit an vorderster Stelle- der Blick zu nennen, der zwar durch vielfältige kosmetische Manipulationen an den Augen verstellt werden kann, doch meist nicht so, dass diese unentdeckt blieben. Künstliche Wimpern, ausgerupfte Augenbrauen durch einen Farbstift ersetzt, dunkle Augenlider und Kajal über die Augen hinaus geben dem Blick des Menschen eine völlig andere Kraft. Diese Manipulationen sind viel deutlicher sichtbar, als beispielsweise die Haut verändernden Puder. Natürlichkeit bleibt so verdeckt.

Stimme und Gestik sowie Mimik verrät uns eigentlich immer, wer es lesen kann, für den ist unser künstliches Schauspiel ein offenes Buch.

Das Fazit: Für wieviel Natürlichkeit ist der Mensch geschaffen? Sowohl der Betrachter wie auch der Betrachtete ist vermutlich noch gar nicht so weit, als dass er auf Maßnahmen zur Verschönerung seiner Erscheinung verzichten könnte. Im Moment scheint es so zu sein, als dass die Fähigkeit selbst, sich zu manipulieren, als Zeichen dafür gewertet wird, einen gewissen Wert in der Gesellschaft zu versprechen. Das halte ich jedoch für einen Trugschluss, der uns in die Irre führen wird!

ZUSATZGEDANKE:

Vielleicht ist der Mann mit dem Haus, dem Boot, dem Auto, dem Pferd und dem Motorrad doch nicht der Idealfall für die Gründung einer erfolgreichen Familie, weil er in seiner 68 Stunden Woche keine Zeit findet, seinen Nachwuchs mit groß zu ziehen? In einer Welt von Haben statt Sein mag dieses Modell zum Erfolg führen. Nur frage sich ein jeder, ob das die Welt sein wird, die wir uns für unsere Zukunft wünschen. Ich selbst lehne das ab! Ich selbst meine, wir sollten mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln versuchen, der Gesellschaft wieder einen Geist von Sein einzuhauchen.

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Der Preis der Schönheit (124)

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Wieviel Lebensenergie stecken wir in die Erreichung der Ziele, die vornehmlich der Schönheit und unseren Äußerlichkeiten dienen? Damit beschäftigt sich dieser Artikel, und dazu finden sich einige sehr spannende Statistiken!

I like beauty! Diesen Satz könnte wohl nahezu jeder unterschreiben. Ich mag das Schöne! In jeder erdenklichen Form bevorzugen wir das Schöne. In jedem Wesen, in jedem Ding suchen wir den Zauber, der unsere Augen strahlen lässt. Auch wenn wir selbst nur durchschnittlich erscheinen, so erfüllt uns das Schöne mit Freude. Wir lassen uns nur allzu gerne davon betören. Auch wenn wir selbst vielleicht nie zu solcher Grazie werden, so versuchen wir doch bis zu einem bestimmten Punkt dem nachzueifern. Doch um welchen Preis?

Was verursachen die vielen schönen Dinge um uns herum? Was bewirken unsere Anstrengungen, stets und ständig der Schönheit nachzuspüren und diese um uns herum anzusammeln? Der Mensch strebt seit je her nach dem Besseren. Das Gute reicht uns immer nur für den Moment, schon im nächsten Augenblick fragen wir uns, ob es nicht irgendwie besser ginge. Stets muss alles das Neueste, Innovative oder Exklusive sein, die Werbung teilt es uns mit und wir springen immer wieder darauf an. Ob es sich dabei um Dinge handelt, denen wir einen unvermeidlichen Nutzen zusprechen, und die damit eine wunderliche Notwendigkeit zu Anschaffung verliehen bekommen, oder um Wesen, die wir entweder in der Realität oder in der Fiktion um uns herum versammeln, es läuft immer auf dasselbe hinaus. Wir investieren einen Großteil unserer Lebensenergie in diesen Prozess, der Suche nach der Schönheit.

Wieviel Lebensenergie stecken wir in die Suche nach Schönheit? Welche Anstrengungen unternehmen wir, um unsere Wünsche diesbetreffend zu erfüllen? Und in wie weit reicht dieses Denken, dieser Trieb in unser Leben im zwischenmenschlichen Kontext hinein?

Um sich das vor Augen zu führen, möchte ich eine kleine Aufzählung machen:

· Wir kaufen uns wiederkehrend “schöne“ Kleidung.
· Wir kaufen uns ein “schönes“ Auto.
· Wir dekorieren unsere Wohnung, Haus und Garten“schön“.
· Wir schminken uns gerne “schön“.
· Wir lassen uns eine “schöne“ Frisur herrichten.
· Wir fahren in eine “schöne“ Landschaft in den Urlaub.
· Wir wählen uns einen “schönen“ Lebenspartner.
· Wir suchen uns “schöne“ Motive.
· Wir wandern in “schönen“ Gegenden.
· Wir schwimmen in “schönen“ Badeanzügen in “schönen“ Gewässern.

Diese Liste wäre mit nahezu jedem Verb zu erweitern, jeder Leser möge dies in Gedanken für sich selbst tun und danach überlegen, welche Investitionen zur Erreichung dieser Dinge getätigt werden müssen. In unserer Gesellschaft gilt ein monitäres Prinzip. Alles lässt sich in Geld umrechnen, so ist fast jedes dieser Dinge durch entsprechenden Einsatz von Mitteln zu ereichen.

Wieviel Geld gibt der Mensch für seine Suche nach Schönheit aus und wieviel Arbeitszeit und damit Lebenszeit investiert er? (ich beziehe mich hier in erster Linie auf die Menschen der westlich geprägten Gesellschaft) Am Beispiel Deutschlands möchte ich das einmal aufzeigen, und ich möchte annehmen, dass sich die Zahlen auf die meisten Industrienationen übertragen lassen. Das Durchschnittseinkommen in D liegt aktuell (2011-2013) bei ca. 3700,- Euro Brutto, ca. 2800,- € Netto, die durchschnittlichen Konsumausgaben liegen bei ca. 2400,- Euro. Die durchschnittliche Arbeitszeit in Deutschland liegt aktuell bei ca. 125 Std./Mon.

1. Kleidung
Die durchschnittliche Ausgabe für Kleidung liegt bei ca. 100 €
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Bezogen auf die durchschnittliche Arbeitszeit in D von 1500 Stunden pro Jahr, 125 Stunden/Monat und den Verdienst von 2800€ ergibt sich eine durchschnittliche Investition von 125:2800×100= ca. viereinhalb Stunden Arbeitszeit pro Monat für Kleidung. (3,6%)

Durchschnittliche Arbeitszeit pro Woche
Mehr Statistiken finden Sie bei Statista

2. Auto

Die durchschnittliche Ausgabe der Deutschen für ein Auto liegt statistisch bei 400€ /Monat, wobei diese Ausgabe zum einen den Kraftstoffverbrauch (s.u.) beinhaltet und natürlich das Auto nicht unbedingt zu der Suche nach den schönen Dingen gehört, weil es für die meisten (berufstätigen) Menschen notwendig ist. Dennoch ist an dieser Stelle interessant, dass wir ca. 18 Stunden monatlich für unser Auto arbeiten. (14,4%)

Die Ausgaben für Kraftstoffe pro Haushalt in D lagen bei ca. 100 €/Monat.
Kraftstoff - Monatliche Ausgaben privater Haushalte bis 2012
Mehr Statistiken finden Sie bei Statista

3. Wohnung, Haus und Garten

Bei den Ausgaben für Wohnen sind in punkto Schönheit natürlich nur die Kosten für Deko zu benennen, die aber laut Statistik in einem moderaten Rahmen von ca. 50,-€ /Monat liegen und uns damit nur ca. Zwei bis zweieinhalb Stunden Arbeitszeit pro Monat in Anspruch nehmen.

4. Kosmetik

Die monatlichen Ausgaben für Kosmetika lagen in D bei 60 € pro Monat und Haushalt. Damit arbeiten wir im Durchschnitt 3 Stunden monatlich für Kosmetika.(2,4%)

Ein Artikel der Zeitung “Die Welt“, erschienen am 08.10.2011, lautete:

„Frauen geben jährlich im Schnitt rund 540 Euro für Kosmetik aus. Das geht aus einer Untersuchung des Kosmetikverbands VKE in Berlin hervor. Dabei investieren sie am meisten Geld in Düfte – auf Parfüm entfallen rund 200 Euro. Pflegende Kosmetik lassen sie sich 181 Euro kosten, für dekorative Kosmetik wie Lippenstift und Make-up geben die Käuferinnen 156 Euro aus. Befragt wurden 1072 Frauen.Außerdem geht aus der Studie hervor, dass die meisten Frauen Schminke fast immer sehr dezent einsetzen. Vor allem Jüngere greifen häufig zu Lippenstift und Make-up – für den täglichen Bedarf schminken sich Frauen aber überwiegend natürlich, heißt es. „Ausgefallen“ oder „überdurchschnittlich sexy“ kommt Kosmetik nur zu besonderen Anlässen zum Einsatz. Und mit zunehmendem Alter schminken sich Frauen immer weniger.Grundsätzlich ist die tägliche Pflege aber für die Mehrzahl der Frauen ein wichtiges Ritual: Mehr als 70 Prozent legen Wert auf ein gepflegtes Aussehen. Sie verwenden im Schnitt zwischen 15 und 30 Minuten für das Cremen und Schminken. Unter 30-Jährige verbringen den Angaben nach sogar oft mehr als 60 Minuten vor dem Spiegel.“

Zähle ich jetzt zu diesen täglichen 30 Minuten noch die Lebenszeit hinzu, die wir durchschnittlich für den Erwerb (Arbeitszeit zum Verdienst des Geldes für die Kosmetik, plus Zeit für den Erwerb derselben) der verwendeten Kosmetik einsetzen, so komme ich auf eine Gesamtzeit von ca. 20 Stunden pro Monat. 20 Stunden Zeit pro Monat für die Verwendung von Kosmetik.

Die anderen Punkte betrachtet ergibt sich eine weitere Anzahl von Stunden der Lebenszeit, die wir zur Erreichung unserer Wünsche erbringen. Wir tun somit viel für die schönen Dinge im Leben. Die Antwort auf die Frage, meine Einschätzung, ob es zu viel ist, bin ich bisher noch schuldig geblieben. Dazu möchte ich abschließend vermerken :

Fazit:
Ich meine, wir werden zunehmend eitler. Auch bin ich der Überzeugung, dass wir immer gesteigerteren Wert auf schöne Dinge legen. Unbestritten ist, das unser Streben nach Innovation DER Motor für die Entwicklung unserer Gesellschaft ist. Doch ich meine auch, dass ein Zuviel des Ganzen, wie die westlich geprägten Gesellschaften es leben, in eine Sackgasse der Unzufriedenheit führt.

Deutliche Anzeichen dafür finden sich meiner Ansicht nach zu Hauf. Zur Begründung: Der Lebenszyklus von Produkten aus vielen Warengruppen wird immer kürzer. Dabei steckt nicht immer eine technische Neuerung dahinter, sondern allzu oft ein bloßer Designwechsel. Damit wird uns suggeriert, dass wir just in den Moment nur noch „Altes Zeug“ besitzen. Damit können die meisten Konsumenten nur sehr schwer Leben und schon schnappt die Konsumfalle zu. Beispiel: Mein Galaxy Note, auf dem ich gerade diesen Text swype, ist gerade 2 Jahre alt. Mittlerweile ist Version 3 auf dem Markt, die sicher manches besser kann, aber weit davon entfernt scheint, gerechtfertigt jeden Produktwechsel mit zu machen.

Weiterhin stellen die Konsumforscher fest, dass wir unser Habitat mit immer mehr, aber auch immer hochwertigerem Jedöhns bestücken. Es reicht nicht mehr die French-Press, um einen schmackhaften Kaffee zu bereiten, es sollte schon der Kaffeevollautomat sein, der einem eine wunderbaren Latte Macchiato kredenzt, ganz ungeachtet der Tatsache, dass die Firmen das Schimmelproblem der Automaten keinesfalls in den Griff bekommen haben, wie unlängst eine Untersuchung der Verbrauchersendung „markt“ bestätigte. LECKER!

Ohne jetzt in eine volkswirtschaftliche Betrachtung abzuschweifen, nach der es letztendlich vollkommen egal ist, wofür wir unser Geld ausgeben, Hauptsache, dass wir es ausgeben, und es in den Geldkreislauf wieder hinein strömt, gehen meine Bedenken in jene Richtung, die sich mit der Überlegung beschäftigt, ob wir nicht mehr Lebensenergie in Zwischenmenschliches investieren sollten, als in den bloßen Konsum. Davon wäre auch das Streben nach Schönheit betroffen: Es würde eine Strömung entstehen, die sich wieder mehr den Prinzip MEHR SEIN ALS SCHEIN anschließen könnte. Ein leiser Hauch davon ist zu vernehmen, wenn Gesellschaftsforscher berichten, es gäbe in der nächsten Generation erste Anzeichen von Konsumverzicht, und einem Teil der jungen Erwachsenen wäre Besitz nicht mehr so wichtig wie den Generationen davor. Diese teilen sich lieber ein Fahrzeug, als eines zu besitzen…Licht am Ende des Tunnels? JA! – meine ich.

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Gesicht und Körper (102)

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Differenzen entstehen bei einer Dissonanz in der Schönheit, wenn zwischen dem Körper und dem Gesicht sehr unterschiedliche Attraktivitäten zu finden sind. Zwangsläufig wählt der Mensch aus – zwischen einem schöneren Gesicht oder einem schönerem Körper, wenn nicht sowieso beides ansprechend auf ihn wirkt. Auf der einen Seite gibt es Menschen, denen ist der Ausdruck des Gesichts wichtiger, als die Form des Körpers. Auf der anderen Seite finden wir Menschen, für die der Körper des Partners die wichtigere Rolle spielt.

Sieht man sich die Paare an, die – Hand in Hand -über das Trottoir am Cafe La Point Saint Eustaches vorüber stolzieren, vielleicht über ein paar Stunden hinweg, so begegnet man mal den einen, mal den anderen Liebhabern. Wie verhält es sich bei den Menschen, wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass wir „lieber“ in ein ausdrucksstarkes Gesicht blicken, als einen wohlgeformten Körper zu erfassen. Gibt es dafür Erkenntnisse der Verhaltensforschung, speziell der Attraktivitätsforschung?

Im Zuge dessen sei die Frage gestellt, ob wir Menschen, wenn wir mit einem (Ehe-) Partner zusammen leben, und wir uns vorher zu irgendeinem Zeitpunkt genau diesen Menschen ausgesucht, erwählt haben, uns explizit bewusst war, was uns an diesem Menschen zuerst gefiel. Unbeachtet dessen, dass viel mehr als nur Aussehen bei der Auswahl eines Partners entscheidet, und Gesicht und Körper als eine Einheit betrachtet werden können, so blende ich das dennoch bei der Betrachtung hier kurz aus. Uns dürfte allen bewusst sein, dass unser Aussehen zu Beginn nur ein erster Reiz ist. Was in der Folge noch alles für Eigenschaften des Menschen von Bedeutung sind, das weiß jedermann. Allein unser Aussehen, nachdem es als Schlüsselreiz Wirkung zeigte, spielt im weiteren Verlauf unseres Kennenlernens immer wieder eine begleitende Rolle. Darüber habe ich bereits vorher geschrieben.

Hier im Beitrag möchte ich also der Frage nachgehen, ob es allgemeine Präferenzen gibt, für den Körper eines Partners oder für sein Gesicht. Wie sind wir Menschen entwickelt, was bedeutet uns mehr?

Hier eine beispielhafte Studie:

„Eine Untersuchung der University of Texas in Austin hat sich erstmals mit der Priorisierung zwischen Körper und Gesicht beschäftigt.
Für die Studie erhielten 375 Studenten Fotos eines potenziellen Geschlechtspartners. Gesicht und Körper waren vorerst abgedeckt. Der Abgebildete war entweder als Kandidat für eine längerfristige Beziehung oder für ein kurzes Verhältnis deklariert. Die Probanden mussten sich dann entscheiden, ob sie entweder die Figur oder das Gesicht sehen wollten. Nur 25 Prozent der Männer, die erfahren hatten, dass das Foto eine mögliche langfristige Partnerin zeigte, sahen sich die Figur an. Von denjenigen, die auf eine Affäre aus waren, interessierten sich dagegen 51 Prozent für den Körperbau. Figur signalisiert Fruchtbarkeit.

Die US-Wissenschaftler interpretieren das Ergebnis folgendermaßen: Männer, die nach einer kurzfristigen Beziehung Ausschau halten, interessieren sich mehr für den Körper einer Frau. Sucht ein Mann nach etwas Dauerhaftem, dann interessiert ihn das Gesicht mehr. Die Figur einer Frau liefert Anhaltspunkte über ihre aktuelle Fruchtbarkeit. Ihr Gesicht dagegen informiert über ihre langfristige Fähigkeit, Kinder zu empfangen und aufzuziehen. Entsprechend lassen die neuen Erkenntnisse vermuten, dass Männer auf der Suche nach einem sexuellen Abenteuer psychologische Gründe haben, einen Partner zu suchen, der aktuell fruchtbar ist und schnell Nachkommen produzieren kann. Frauen zeigten bei der Wahl von Kurzzeit- oder Langzeitpartnern keine auffälligen Prioritäten in Bezug auf Körper oder Gesicht. Die Studie ist im Fachmagazin „Evolution and Human Behaviour“ veröffentlicht.“

Danach scheint das Gesicht den meisten Menschen wichtiger zu sein, als der Körper. In Umfragen unter Studenten wurde ebenso viel häufiger das Gesicht als das entscheidende Merkmal in Hinsicht auf die Attraktivität genannt, als der Körper, allerdings wurde sehr häufig in der freien Befragung der Nachtrag laut -wenn der andere nicht gerade „sehr dick“ wäre.

Dieser Hinweis kann durchaus als Indiz dafür gewertet werden, dass dem Körper primär doch eine wichtigere Bedeutung beigemessen wird. Diese drückt sich dergestalt aus, als der Partner beim ersten Treffen schon von weiterer Entfernung aus die Gestalt, also den Körper seines Gegenüber erkennen kann, oft weit vorher, bevor er das Gesicht wahrnimmt. Daraus kann man zumindest herleiten, dass ein bestimmter Grad an Attraktivität für den Körper vorhanden sein muss, damit es zu Schritt zwei kommt, nämlich das Gesicht zu „begutachten“.

Ich finde keine einfache, pauschale Antwort auf diese Frage. Ich bin davon überzeugt, dass sich der Mensch im Laufe einer bestimmten Zeitspanne an ein Gesicht gewöhnt. Ich möchte nicht damit gleichzeitig sagen, dass es egal wäre, wie das Gesicht aussieht, doch ich tendiere zu der Erkenntnis, dass sich der Mensch eher an ein Gesicht gewöhnt, als an einen Körper. Untersuchungen dazu wären spannend!

Vielleicht kommt es daher, dass das Gesicht verbunden mit unserem Wesen in der Lage ist, in jeder tausendstel Sekunde Emotionen aller Art zu kommunizieren, dass unser Gesicht Dreh und Angelpunkt unseres zwischenmenschlichen Austausches ist. Neben den Worten ist unsere Gestik und Mimik zusätzlich eine Sprache, die unsere Augen, unsere Gefühle, unser Instinkt in Bruchteilen von Sekunden schon verstanden hat, bevor unser -im Verhältnis dazu träger- Geist von einer Nachricht überhaupt Wind bekommen hat.

In diesem Zusammenhang ist auch die Körpersprache zu beachten, die in Verbindung mit unserem Gesichtsausdruck zu einer überaus deutlichen Aussage fähig wäre, wenn unser gegenüber diese Sprache denn noch bewusster verstehen könnte. Das ist nur selten der Fall, meist erreichen uns diese Signale nur unbewusst. Wir reagieren nur deswegen folgerichtig darauf, weil wir die eigene Empfindung darüber viel eher verstehen und so  -zum Teil wieder unbewusst- reflektieren können.

Ist also das Tor zu unserer Seele, wie unsere Augen auch genannt werden, der entscheidende Faktor, wenn es um die Beurteilung der Attraktivität geht? Ist der Körper -oder seine Form- dabei nur eine Zugabe, dessen Qualität zwar die Gesamtheit der Person stark beeinflusst, nicht jedoch über die Wirkung des Gesichts zu stellen ist? Ich bin da nicht so sicher, denn die grundlegend stimmigen Formen des Körpers sollten gegeben sein, wenn es eine Zukunft in der Beziehung zwischen zwei Menschen geben soll. Das lässt sich bei aller Wichtigkeit des Gesichtes im Zuge der Erhebungen ermitteln.