Kommunikation, oder „Wie meinst Du?“ (204)

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Du verstehst die Menschen recht gut, oder? Du sprichst die Sprache der Menschen, mit denen du zusammen lebst, du hast ähnliche Gedanken, Meinungen und Gefühle, wie sie. Du siehst ihnen meist an, wenn sie dich nicht verstehen, oder? Du bist nicht immer einer Meinung mit ihnen, aber deshalb kannst du mit ihnen diskutieren, nicht wahr?

Kommunikation kann ein weites, spannendes Feld sein. Beinahe täglich erleben wir, welche Blüten diese Pflanze hervorbringt. Zum einen als Zuschauer, zum anderen als Involvierte suchen wir in unserem Repertoire nach einer Übersetzung eines Verhaltens, gleichen ab, ordnen ein, schließen aus, berichtigen wieder, und irren uns doch ständig. „Wie hat er das gemeint?“ „Was will sie mir damit sagen?“ „Hä?“

Es kommt vor, dass wir weiter fragen. Vielleicht noch öfter kommt es aber vor, dass wir nicht weiter fragen! Wie geben uns damit zufrieden, einen Gedanken gebildet zu haben, der da sagt: „Ja, so wird es wohl gemeint sein, der Kontext lässt es höchstwahrscheinlich zu. Es wird sich zeigen, ob es so gemeint war, irgendwann.“ Außerdem haben wir schließlich gar nicht die Zeit, es eingehend zu klären, viel zu umfassend sind unsere Aussagen, beziehungsweise stehen noch so viele andere Sätze in der Warteschleife, die wir unbedingt anbringen möchten, da können wir uns unmöglich länger bei diesem einem Thema aufhalten.

Was vielleicht zusätzlich zu bedenken ist, ist die Tatsache, dass eine Aussage, die am Ende tatsächlich geklärt wurde, bedenklicherweise etwas bedrohlich verbindliches innehat. Dabei lässt sich doch unverbindlich so bequem leben. Wie gut kann man sich immer noch herausreden: „D A S habe ich so aber nicht gemeint!!!“ Klingt schon ganz vertraut, oder? Die unverbindliche Aussage lässt uns so viele Fluchtwege offen, warum sollten wir uns diese verbauen. Es könnte nachher noch jemand auf die Idee kommen, wir seien authentisch. Noch schlimmer, es könnte der Eindruck entstehen, wir verträten einen Standpunkt und hätten gar eine eigene Meinung.

Klar, in großen Fragen haben wir eine Bewertung, wissen, wozu wir stehen, was wir erwarten und was unterstützen. Allein in unserem täglichen Kontakt mit den Menschen lieben wir es doch eher vage. Wie sind schließlich frei. Doch, glauben wir wirklich. Wir sind so frei, dass wir uns die Freiheit nehmen, selbst zu entscheiden, wie viel wir zugeben, was wir kundtun, wozu wir beitragen und vor allem, wie weit wir gehen. Lieber einen kleinen Schritt hi und da, als einen anstrengenden Weg. Der könnte schnell zu mühsam werden, wir müssten möglicherweise Flagge zeigen und unsere Richtung offenlegen. Schrecklich verbindliche Sache! Und das, wo uns doch so viele Möglichkeiten offen stehen.

Zurück zur Kommunikation. Weißt du, wie viel Kommunikation täglich über dich herein bricht? Vielleicht sind es viel weniger die persönlichen, zwischenmenschliche Worte, sondern viel mehr Worte, Taten, Handlungen und Aufrufe durch Figuren auf Bildschirmen und Plakatwänden, Zeitungsseiten und Monitoren. Gehört Heidi Klum und Dieter Bohlen auch schon zu deinem nächsten Freundeskreis, der mehrmals in der Woche in Deinem Wohnzimmer zu Gast ist. Oder ist es Dieter Nuhr und Abdelkarim, der des Abends dir die Welt erklärt? Vielleicht guckst du aber lieber YouTube Videos von Katzen, die sich vor Gurken erschrecken?

In wie weit halten wir es für bare Münze, diese Possen, die uns -mehr oder weniger- frei Haus geliefert, oftmals so schön über den Dingen stehen lassen, als Beispiele der menschlicher Kommunikation zu werten? Abgesehen von dieser zwischenmenschlichen Einbahnstraße bestimmter Medien und den aufbereiteten Wortlauten finden sich bei diesem Konsum erste Anzeichen von Realitätsverlust bei uns Individuen. Verlernen wir das Sprechen. Bestechend ist die mediale Welt besonders für junge Menschen, die statt langer, persönlicher Gespräche gern die kurze WhatsApp-Message nutzen. Wie soll es werden, wenn irgendwann tatsächlich persönliche Gespräche erforderlich sind, und nicht nur Worte fehlen, sondern auch die Empathie, den anderen zu sehen und zu erkennen, zu spüren, was der andere meint.

Die Masse der Menschen um uns herum entbehrt zunehmend der Fähigkeit der zwischenmenschlichen Kommunikation, nicht nur, weil es immer mehr Individuen sind, von denen jedes eine neue Sichtweise und Ausdrucksweise mitbringt, auf die wir uns einstellen können, sondern weil die persönliche Kommunikation immer weniger gesucht wird, so haben es verschiedene Studien bestätigt.(2008)

Vielleicht sollten wir alle wachsam sein und uns Gedanken machen. Doch dabei sollen wir es nicht bewenden lassen. Der nächste Schritt ist noch wichtiger, wir werden etwas tun. Suchen wir das Gespräch. Nicht die Floskel. Ob mit dem Partner, dem Freund, dem Feind, diskutiere. Wohl denen, die es tun. Führen wir wieder Gesprächsabende innerhalb unserer Gemeinschaft ein, fördern wir Gesprächsbereitschaft und vor allem die Fähigkeit dazu. Es lohnt sich. MEINE ICH!

„Eros“, oder Erotik stellt keine Aufforderung dar (202)

GateErotisches entsteht per Definition: Bedeutet Nacktheit an sich schon Erotik? Gibt es Nacktheit nicht an verschiedensten Orten? Ändert sich Nacktheit im Kontext, entsteht folglich zwangsläufig Erotik? Gibt es Abstufungen je nach Mensch, Gegebenheit und Zeit (-alter)? Ein kleiner Ausflug.

Beginne ich mit einer Definition, weil es so schön einfach ist, mit der von Wikipedia:

„Als Erotik – von Eros (Mythologie) – bezeichnet man die sinnliche Anziehung zweier oder mehrerer Menschen. Die Stärke der „erotischen Ausstrahlung“ und der „erotischen Signale“, die andere Menschen „senden“, wird keineswegs nur durch den bloßen Anblick eines möglichst hohen Grads von Nacktheit eines menschlichen Körpers bestimmt, vielmehr können auch bestimmte Kleidungsstücke und Gegenstände (s. Fetisch), die Mimik und Gestik einer Person, Sprachmelodie und -färbung, Körperhaltungen und Handlungen von Menschen oder deren Abbilder Erotik erzeugen.“

“ Als allgemeines Ideal galt und gilt in der Regel die harmonische Verbindung von Liebe, Erotik und Sexualität, also die Vereinigung von emotionaler, geistiger und körperlicher Liebe. Schon die Philosophie im alten Griechenland postulierte die Notwendigkeit einer Einheit von Körper, Geist und Seele, damit der Mensch mit sich selbst im Einklang sei.“

“ Zur Geschichte der erotischen Darstellung gehören Elemente aus Malerei, Bildhauerei, Literatur, Fotografie und Film, die sexuelle Szenen zeigen. Diese wurden von fast allen Zivilisationen, in der Antike wie in der Moderne, angefertigt. Frühe Kulturen hielten den Akt für einen Ausdruck übernatürlicher Einwirkung und verbanden ihre Religion mit solchen Darstellungen. In asiatischen Ländern wie Indien, Nepal, Sri Lanka, Japan oder China hat sexuelle und erotische Kunst besondere spirituelle Bedeutungen innerhalb der einheimischen Religionen des Hinduismus, Buddhismus, Shintō und Daoismus. Die Griechen und Römer produzierten zahlreiche Kunstwerke und Dekorationen erotischer Natur, die vielfach in religiösen Ansichten und kulturelle Praktiken eingebunden waren.“

„Während der Zeitgeist bestimmter Epochen die Erotik mehr oder weniger zu unterdrücken suchte (beispielsweise im viktorianischen Zeitalter), hatte die Erotik zu anderen Zeiten Hochkonjunktur, etwa in der Epoche des Rokoko.“

Damit ist schon einiges Grundsätzliche über Erotik gesagt. Offen bleiben viele Nuancen unter noch mehr Menschen. Irrtümer und Versehen sind im Verständnis ebenso vorprogrammiert, wie absichtlich herbeigeführte Überschreitungen von Regelungen und Übereinkünften.

Nacktheit ist, wie in Wikipedia oben beschrieben, noch nicht erotisch. Das ist nichts neues, wir wissen darüber Bescheid. (Wobei Wissen und Umsetzen zwei sehr unterschiedliche Dinge sein können) Es kommt darauf an, wann Nacktheit beginnt, erotische Züge zu gewinnen. Es kommt auf den Ort an (I), es kommt auf die Epoche an (II) und es kommt auf die Art und Weise der Nacktheit an (III).

I. Der Ort
Es hängt beispielsweise vom Platz des Geschehens ab. Dort entscheidet sich, ob Nacktheit in Richtung erotische Nacktheit verstanden werden könnte. Stelle dir verschiedene Möglichkeiten vor: Beim Arzt, unter der Dusche, im Aufzug, am Strand, in der Striptease-Bar, in der Kirche, …! Du merkst schon anhand dieser wenigen Beispiele, welche Auswirkung wieviel unbedeckte Haut an verschiedenen Plätzen symbolisiert. Im San Marco Dom zu Venedig war mit unbedeckten Armen kein Einlass. Am Rügener FKK-Strand war bedeckt der Einlass verwehrt. Ein bauchfreies Top würde in einer Geschäftsbesprechung unter führenden Wirtschaftsberatern dazu führen, den Gesprächspartner vermutlich nicht ganz ernst zu nehmen.

Alle diese Orte haben eines gemeinsam: Es existiert eine verbindliche Ordnung, eine Regel, die darüber Auskunft gibt, wie sich die Menschen in bestimmten Bereichen zu verhalten haben. Die Toleranzgrenze ist da sehr eingeschränkt. Das funktioniert unter anderem dadurch, dass bei Zuwiderhandlungen Sanktionen erwartet und unter Umständen auch vollzogen werden. Du selbst gucktest bestimmt auch verwirrt, wenn Dir des Nachts um 2 Uhr bei der Heimfahrt aus der Düsseldorfer Altstadt auf der Mecumstraße (eine der am stärksten befahrenen Straßen Deutschlands) in Höhe der Feuerbachstraße bis auf festes Schuhwerk 4 sonst völlig nackte junge Männer erblickt hättest, die so die Straße überquert hätten. (Das hättest du 1982 durchaus erleben können 😉 )

II. Die Epoche
Was heute en Vogue ist, kann morgen zu peinlichen Situationen führen. Wenn Erotik, wie oben zu lesen ist, in einer Epoche verpönt war, etwas später aber als chic galt, wir nur die Zeiten der letzten Jahrzehnte betrachten, so stellen wir fest, dass sich nicht nur die Moral der Gesellschaft verändert hat, sondern auch der Umgang mit ihr durch die Individuen dieser Gemeinschaft. Eine Tendenz zum Werteverfall wird allerorten attestiert, allein die Werte selbst sind dabei nur diffus bestimmt, meine ich. Werte werden nicht unbedingt von der Gemeinschaft festgelegt, die damit lebt, oftmals verselbständigen sich Reglementierungen, um mehr dem System selbst zu dienen, als dem Menschen. Schön ist es, einen Überblick zu erhalten. Man reflektiert, was zu welchen Zeiten möglich, nötig oder bedeutend war, um in diesem Zusammenhang festzustellen, dass man selbst gerade zufällig in dieser bestimmten Epoche zugegen sein darf, welche gerade diese und nicht andere Werte hochhält.

III. Die Art und Weise
Ohne sich ganz eindeutig von den ersten beiden Punkten abzusetzen spielt die Art und Weise der Nacktheit eine entscheidende Rolle bei der Bewertung. Hierbei scheiden sich die Geister, finden die meisten Missverständnisse dort statt. Nacktheit an sich stellt noch keine erotische Situation dar, erst die Gedanken und Gefühle eines Betrachters lässt Erotik entstehen. Von freizügig bis bedeckt kann die Haut des Menschen dargestellt werden, mal mit weniger abzeichnenden Stoff, mal [nahezu] vollkommen verdeckt. Jede Bedeutung in jeder beliebigen Kultur kann abweichend sein, abweichend von deiner Idee von Erotik. Aber nicht nur interkulturell sind Diskrepanzen alltäglich. Schon deine Nachbarin kann ein gänzlich abweichendes Verständnis haben von der Bedeutung der „stoff – freien“ Stelle an ihrem oder auch an deinem Körper. Nicht nur die Vermischung der Kulturen oder die Begegnung der Generationen zeichnet verantwortlich dafür. Je nach Grad der Bildung und Erziehung, der Lebensumstände und Erfahrungen findet ein Abgleich der Werte statt, der dazu noch in ständigem Wandel befindlich ist.

Nun komme ich zum Umgang mit der Erotik. Erotik entsteht demnach nicht zwangsläufig aus Nacktheit. Sicher, manchmal kann sie animieren, doch allzu oft ist es nur plump und obszön. Abgesehen von der allseits ausgelebten Doppelmoral bezüglich aller Erotik, schon das Wort hat öffentlich einen ruchlosen, faden Beigeschmack, und der Tatsache, dass die Erotik eigentlich im Sinne des Betrachters entsteht, findet im öffentlichen Leben kaum erotische Aktionen statt. Fotografien sind eine Ausnahme, auch in entsprechenden Gegenden wie dem Achterburgwall in Amsterdam oder der Reperbahn auf St.Pauli sehen wir hin und wieder deutlich erotisch anmutende Menschen. Der Kleidungsstil mancher Zeitgenossen(-innen) regt bei wenigen Betrachtern auch schon mal erotische Gedanken an, allein der Umgang damit ist eindeutig geregelt: Diese Personen möchten (Auf-)sehen erregen, zwar nicht von jedem, das jedoch liegt bei der Begegnung nicht mehr in deren ermessen. Doch es beschränkt sich auf die Betrachtung. Nichts weiter liegt in der Absicht, von wem auch immer.

Nicht so ist es mit den Gedanken. Sie entstehen immer wieder bei uns Menschen, oft zu den „unmöglichsten“ Zeiten und von beiden Geschlechtern gleichsam. Hierbei gilt: die Gedanken sind frei! und es ist schön, diesen Gedanken einen kleinen freien Raum zu lassen, hier könnte ich nur aus Gesprächen mit vielen Freunden und Freundinnen aus vergangenen Zeiten zitieren, doch als Summe und Fazit möchte ich nur kurz skizzieren: schöne Gedanken bereichern das Leben ungemein. Wir alle sollten weniger verbissen mit unserer eigenen Moral umgehen, was die schönen Seiten des zwischen-menschlichen Lebens angeht. Der Phantasie einen Raum lassen, ihr einen bauen und mit dem Partner Leben einhauchen, versuche es mal.

P.S. (Das Foto ist unbearbeitet und mit der X-T1 und dem 32er Zeiss aufgenommen worden)

Kleidung als Wertsteigerung der persönlichen Erscheinung (179 )

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Kleidung als Wertsteigerung der persönlichen Erscheinung wird als Wertmassstab in der globalen Gesellschaft verstanden.

Wir Menschen laufen schon etwas länger nicht mehr nackt durch die Gegend. Es begann zu Zeiten, in denen sich der Mensch an mehreren Standorten gleichzeitig überlegte, seinen Gang aufzurichten. Das war vor ungefähr 40.000 – 75.000 Jahren. Damals, vergeblich die Suche nach dem nächstgelegenen Jeans-Store, begnügte man sich mit dem, was man vorfand: Felle und Pflanzenfasern. Warum? Ursprünglich als Schutz vor Witterungseinflüssen und zum Schutz vor Verletzungen durch beispielsweise Sträuchern mit Dornen und Stacheln. Und, man wird’s kaum erwarten, zur Erkennung von Stamm und Stand! Häuptling oder Briefbote, die Kleidung der Neandertaler zeigt es. 😉

Anthropologen gehen davon aus, dass der Zeitraum der Einführung von Kleidung weniger genau eingegrenzt werden kann. Funde datiert man auf eine Zeit von 25.000 v. Chr., doch es könnte schon vor 350.000 Jahren Kleidung gegeben haben. Was aber erforscht werden konnte ist die Tatsache, dass schon in frühester Zeit die Kleidung mehr bedeutete, als nur Funktion. Warum sonst, so die Forscher, begnügte man sich nicht mit natürlichen Farben? Es wurde nämlich schon vor 20.000 Jahren gefärbt.

Sollte es also schöner werden?! Erst mal nicht. Die Bedeutung war die Erkennbarkeit der Stammeszugehörigkeit. Fortuna Düsseldorf gegen Schalke 04. Rot gegen Blau. Neandertaler gegen Cro Magnon. Bärenpelz gegen jene mit dem Wolfsfell, später dann die mit dem Henna-gefärbtem Flachs gegen die mit dem Indigo-gefärbten. Und die Sieger wurden geachtet. „Boah Ey, kumma der mit dem blauen Baströckchen, das is einer von den Starken!“ Kennt man, nicht war? Der mit dem Armani(R)-Anzug muss einer von den Erfolgreichen sein, der hat sicher schon viele Euro erlegt.

So begann es, dass Kleidung mehr als nur Schutzfunktion hatte. Körperschmuck wird seit Jahrtausenden getragen, hat seitdem eine immer gleich bleibende Bedeutung beibehalten: er soll den Träger abheben, vom Allgemeinbild, vom Standard, vom Durchschnitt, vom Normalen. Er zeichnet sich aus, im wahrsten Sinne des Wortes.

Sinngemäß zum Schmuck schreibt Georg Simmel: “ Denn dieser Sinn ist, die Persönlichkeit hervorzuheben, sie als eine irgendwie ausgezeichnete zu betonen, aber nicht durch eine unmittelbare Machtäußerung durch etwas, was den Andern von außen her zwingt, sondern nur durch das Gefallen, das in ihm erregt wird und darum doch irgendein Element von Freiwilligkeit enthält.“ (Danke nataliebella! 🙂 )

So rücke ich die Kleidung bestimmter Art sehr freizügig in die Nähe des Schmucks. Durch die Kleidung senden wir vielfache Botschaften aus. Abgewandt von Mao Tse Tung mit der Vorgabe seiner grauen Kittel für das gesamte Volk definieren wir uns heutzutage ein Stück weit durch die Art der Kleidung. Apropos Uniform: Wenn auch die Jeans oberflächlich als uniform angesehen werden könnte, ( was trägt er/sie, Jeans, ach so!) so ist die Form, Marke, Stoff und Style unter Insidern sehr genau diffenziert. Jeans ist noch lange nicht gleich Jeans!

Wieder kommt es zur Devise: Zeige mir deine Kleidung, und ich sage dir, wer du bist! Über die Botschaften, die ich durch das Tragen der Kleidung aussende, habe ich zuvor hier geschrieben. Expressive Darstellungen von Kleidung führt aber nicht zwingend zur Ausschmückung des Trägers, denn beim Akt der Identifikation mit einer Modegruppe uniformieren sich die Träger erneut und heben sich so nur außerhalb dieser Gruppe ab. Tendenziell findet hier oftmals eine Ausgrenzung derer statt, die, aus welchen Gründen auch immer, sich nicht dieser Mode unterwerfen (können).

Der Anteil der Schmückung an der Art der Kleidung ist damit ein weiterer Schwerpunkt, der den Wert unseres Aussehens maßgeblich beeinflusst. Ein famoses, weil anschauliches Beispiel dafür sind ausgerechnet die Paparazzi, denen es manchmal gelingt, ein Star zu fotografieren, der sonst nur „zurechtgemacht“ abgebildet wird. Meist ist es zwar auch den Paparazzi erlaubt, nur solche Aufnahmen zu veröffentlichen, die vom Motiv oder dessen Agentur freigegeben wurden, dennoch finden sich immer wieder Beiträge, die dem nicht nachkommen. So zum Beispiel auf dieser Website, auf der z.B. Jessica Biel, Beyoncé, Madonna oder Angelina Jolie geschminkt und ungeschminkt gezeigt werden. Diese Gegenüberstellung bezieht sich zwar auf die Farben im Gesicht der Menschen, es ist in ähnlicher Form durchaus auch auf die Kleidung zu übertragen, meine ich.

Wieder ist es das visuelle Wesen Mensch, dass sich allzu gerne und allzu oft blenden lässt. Und wenn hier in WordPress eine Autorin nach dem Verbleib der warmherzigen (Worte) zwischen den Menschen fragt, so konstatierten andere traurig: In der anonymen Oberflächlichkeit von Internet und Smartphone! Dazu rege ich an, dies zu bedenken.

Durchsichtige Schönheit (178)

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Aufmerksamkeit und Beachtung zieht eine Form dann auf sich, wenn sie erkennbar ist. Sichtbar ist sie dann, wenn sie nicht versteckt ist. Erkennbar ist sie dann, wenn sie nicht „verformt“ oder verdreht ist. Menschen haben neben ihrer Kleidung auch eine Haltung, die ihre Form im Wesentlichen bestimmt.

Zuerst die Frage: Will ich erkannt werden? Soll meine Form, dieser wandelbare Teil meiner Persönlichkeit, sofort, später, teilweise, garnicht, ständig, manchmal, jedem, wenigen vorgestellt werden? Diese Frage steht ziemlich weit oben auf der Liste der grundlegenden/alltäglichen Überlegungen. Beeinflusst durch das soziale Umfeld und unserer eigenen Idee handeln wir.

In der Öffentlichkeit, genauso wie in unserer Vorstellung, geben wir ein Bild eines Individuums ab. Wir wirken – und wir glauben zu wirken. Wir sind Sender und wirken auf Empfänger. Wechselwirkungen sind noch nicht einmal weiter berücksichtigt. Der Stellenwert der Körperform war vielleicht noch nie zuvor so hoch, wie heute. Mit diesem Kult umzugehen ist für viele Menschen schwer. Dennoch entscheiden wir gemäß unserer Herkunft, unsres Glaubens, unserer Gemeinschaft und unseres Wesens.

Ein Körper kann aus vielerlei Gründen durch Kleidungsstücke verhüllt sein. Keine Form ist erkennbar. Gleichwohl kann ein Körper eng anliegende Kleidung tragen, sodass seine Form teilweise bis ganz erkennbar ist. Hier soll nicht beachtet werden, in wie weit die natürliche Form des Körpers durch bestimmt Funktionen der eng anliegenden Kleidung manipuliert und so sein Aussehen verändert wurde.

Zwischenruf: Wieviel von meinem Wesen meine ich verstecken zu können, wenn ich meinen Körper verstecke, sagte der Vogel Strauß? 😉

Für sein Handeln hat der Mensch üblicherweise einen Grund. Wodurch auch immer diese Gründe entstanden sind, sie sind und bleiben im Moment der Entscheidung für oder wider eine Handlung eigenverantwortlich. „Ich habe so gehandelt oder nicht gehandelt, weil eine Absicht dahinter steht.“ Ob mit dieser getroffenen Aussage bei der Vielzahl der möglichen Empfänger die Botschaft vermittelt wird, sei dahingestellt. Der Sender der Botschaft ist konsequenterweise DAS Zentrum des Universums. Im Augenblick der Sendung strahlt sie ab in alle Welt. Niemand sonst steht dahinter als der Absender.

Ankommen wird die Botschaft in unendlich vielen Zentren des Universums. Jedes einzelne ist für sich genommen das einzige Zentrum. Bestenfalls entsteht im Nachhinein die Auseinandersetzung mit der Botschaft, erst aber einmal trifft sie ein und wird interpretiert. Eine Analyse bleibt meist aus, bei der Vielzahl der Botschaften ist es auch nicht immer notwendig, die Frage bleibt, wann ist es und wann nicht. Doch das ist hier vorerst nicht wichtig.

Wann immer er möchte, darf, kann, will zeigt der Mensch die Form seines Körpers. Eine Skinny Jeans zeigt die Beine und den Po, bei der High-Waist den Körperbereich bis zur Taille. Die im Moment in Mode gekommenen Leggins oder Yoga-Pant zeichnet den Körper je nach Farbmuster deutlichst ab. Weniger deutlich zeichnen den Körper weiter ausfallende Hosen, Röcke oder Kleider ab. Viele Zwischenstufen kann man nennen, bis schließlich die Dschilbab, Hijab oder Niqab, Gesichtsschleier wie auch der Tunica oder Habit, die Kleidung meist katholischer Nonnen erwähnt werden kann.

Doch nicht um die Art der Kleidung geht es, sondern um die Aussage, die Botschaft dahinter. Was will derjenige oder diejenige sagen, wenn sie körperbetonte Kleidung tragen, was, wenn sie sich lieber verhüllen? Diese Entscheidung trifft der Einzelne, ganz gleich, ob er sich einer Gruppe anschließt oder nicht.

Beziehung zum Foto: Ich persönlich favorisiere eine Aufnahme eines „Interessant-aussehenden“ Menschen, auf der dessen Körperform (zumindest) erahnbar ist. Schönheit im Sinne von Körpern (aller Art) ist (für mich) dann sichbar, wenn deren Proportionen auf dem Bild sichtbar/erkennbar gemacht werden konnten. So, wie auch ein Gesicht eine „Form“ hat, ist eine Aufnahme gelungen, wenn es in dieser seiner Form auf der Fotografie nachgezeichnet worden ist. Klingt theoretisch, ist aber auf vielen Fotos mancher bekannter Fotografen, wie Peter Lindbergh, John Rankin Waddell, Ellen von Unwerth, Herb Ritts oder Richard Avedon eindrucksvoll zu sehen. Es ist ein Arm, ein Bein, eine Taille, ein Bauch oder eine Hand, die ein Portrait, Körperbild oder eine Modefotografie zur Ikone machen kann. Meine ich. 🙂

Werden wir immer schöner? (173)

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Unterschiedliche Schönheiten finden unterschiedliche Liebhaber. Es bilden sich nahezu unendlich viele Teilmengen aus. Innerhalb dieser Teilmengen sind stärker durchgezeichnete Bereiche genau so vorhanden, wie weniger stark hervor gehobene Bereiche. Was bedeutet das?

Der Ausspruch „… für jeden Topf gibt es einen Deckel!“, aus Zeiten der Großeltern, dessen Ursprung sehr wahrscheinlich schon so alt ist, wie die Geschichte der Menschheit selbst, übermittelt etwas vom oben genannten Vergleich aus der Geometrie. Tatsächlich scheint es stets jemanden zu geben, der einen ganz bestimmten anderen Menschen in irgend einer Art und Weise anziehend findet. Unter ihnen befinden sich selbstverständlich Menschen, deren äußere Attraktivität im allgemeinen Ansehen weniger hoch ist, genau so, wie -im Ansehen der jeweils aktuellen Sicht auf die Attraktivität- solche, die als attraktiv zu bezeichnen sind.

Was führt dazu, dass es größere Teilmengen gibt, so, wie es kleinere gibt, möglicherweise sogar nur Teilmengen bestehend aus 1.

Hergeleitet aus der Tatsache, dass im Menschen ein grundsätzliches Streben nach Entwicklung fest verankert ist, gilt mein Ansatz diesem daraus resultierendem, selektiven Verfahren. Wir „möchten gerne“ einen in unserem Auge attraktiven Menschen finden, um uns mit diesem zu liieren. Dabei gibt es sehr differenziert erfasste Ursachen für wahrgenommene Attraktivität, hinzu kommt das unterschiedliche Verständnis von Attraktivität, gekennzeichnet unter anderem durch weibliche und männliche Präferenzen. Wer die Wahl hat, würde sich grundsätzlich eher für einen attraktiven Menschen als Partner entscheiden, als für einen minder attraktiven. Wie gesagt, was im einzelnen die Attraktivität ausmacht, sei vorerst dahingestellt.

Beobachtungen und statistische Erhebungen verzeichnen eine Tendenz zur steigenden Symmetrie des menschlichen Körpers. (Außen vorgelassen bleibt eine andere Tendenz zur zunehmenden Fettleibigkeit der Menschen.) Das heißt, wir Menschen werden immer schöner, weil symmetrischer. Ich wage daraus die Schlussfolgerung, dass es eine Folge der Selektion ist. Der Einfluss der Ernährung, Lebensweise und körperliche Fitness in diesem Zusammenhang ist natürlich sekundär genauso relevant und halte ich einen fortführenden Artikel darüber nach entsprechenden Recherchen für aufschlussreich, nichtsdestotrotz sind die Wahl der Gene und die Verbindung daraus entstehenden Lebens vorentscheidend. Was nun die Bedeutung des Aussehens betrifft, der ich in diesem Blog auf die Spur zu kommen plane, ergibt sich aus der Selektion eine stetige Entwicklung im Aussehen der Menschen, tendenziell zum schlanken, aber durchtrainierten Körper.

Besonders ersichtlich ist das bei der Beobachtung von jungen und sehr jungen Menschen, bei denen die Umwelteinflüsse noch nicht in entsprechendem Maße wirken konnten. Vorgeburtliche Maßnahmen verstärken diesen Trend erheblich, folgt man den Wissenschaftlern, deren Veröffentlichungen sehr interessante Hinweise beschreiben. So ist zum Beispiel die gezielt gesunde Ernährung der werdenden Eltern und deren medizinische Begleitung ein wesentlicher Grund für eine optimale Versorgung des werdenden Lebens und die Schaffung der damit verbundenen gesundheitlichen Voraussetzungen der bestmöglichen Entwicklung des Körpers und Geistes. Damit sind leider vorerst noch Industrienationen beschrieben, denn von gesundheitlicher Prävention kann in den Entwicklungsländern noch keine Rede sein, bzw, in Ländern, in denen chronische Unterversorgung nicht nur mit Nahrung und Trinkwasser herrscht.

Was nun der einzelne Mensch aus diesen positiven Fundamenten macht, sein dahingestellt, wenn in der Schule Kinder zu beobachten sind, deren Frühstückspaket tagein tagaus aus einer koffeinhaltigen Brause und einem Schokoladenriegel besteht, so sollte einem das zu denken geben. Aber nicht nur Kinder sind davon betroffen, auch für mich sind die ölig-kross gerösteten Kartoffelsticks aus der Tüte oftmals verlockender, als ein paar frisch geschnittene Kohlrabi-Stäbchen…  und: auf die Dosis kommt es an, schon länger bekannt 😉

Zurück jedoch zur oberflächlichen Äußerlichkeit: Wie sich die Richtungsänderungen in der Gesellschaft durch unterschiedliche Strömungen im Wert der Attraktivitäten auswirken, ist für mich noch nicht ersichtlich. Wenn in einer Zeit X ein schlanker Körperbau bevorzugt wird und in der darauf folgenden Epoche Y ein stärkerer Körperbau im Trend liegt, so werden sich frei nach den Evolutionstheorien die Durchschnittsmenschen mal schlanker, mal kräftiger entwickeln. Speziell in die Tiefe gehende evolutionstheoretische Fakten, wie die generationsüberspringende Vererbung bestimmter Gene möchte ich hier nur erwähnen, nicht jedoch vertiefen. Dazu gibt es Fachliteratur, für den interessierten Leser kommt man im www schon zu verständlichen Ergebnissen. Was jedoch an den Tendenzen und Vorlieben der jeweiligen Zeit entscheidenden Einfluss hat ist die Tatsache, dass die Zyklen in immer kleiner werdenden Intervallen wechseln. Da stellt sich die Frage, inwieweit unsere Körper dann noch in der Lage ist, darauf zu reagieren und die Evolution damit egalisiert erscheinen wird. Findet die Mode zwischen schlank und vollschlank einen Wechsel innerhalb einer oder zweier Generationen statt, so befindet sich dies außerhalb der Evolution. Dann kommen andere Eigenschaften zum Tragen. Braucht der Mensch noch Füße oder Beine? Oder Zehen? Oder reicht die Hand zur Bedienung eines Mediengerätes?

Weniger ironisch-sarkastisch fortfahrend komme ich auf die Frage nach dem Wert der Attraktivität. Ein Topf findet einen Deckel, wenn z.B. eine Liebenswürdigkeit im Menschen vorhanden ist, die weit über jedweden Äußerlichkeiten steht. Doch in der Gesellschaft wird es zunehmend erschwert, diese Liebenswürdigkeit zu zeigen, dazu müsste man mit dem Menschen näheren Kontakt haben. Der wird reduziert, durch selbst genutzte Medien und einem weichenden Verständnis für Geduld, Verzeihen und anderen kleinen, aber dann doch geradewegs liebenswerten Unzulänglichkeiten. Der Schein rockt on Stage. Erkennen wir das, können wir darüber nachdenken, in wie weit das zu dem führt, wonach der Mensch im Grunde genommen strebt: Menschlichkeit!

Schönheit – Eine Frage des Wertes? Teil I (169)

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Bemisst sich Schönheit in einem absoluten Wert?  Stellt eine Art Gegenwert das Maß der Schönheit in Relation? Wieviel wert ist meine Schönheit auf dem Markt?

Eine weitere spannende Herangehensweise an die Erkundung der Bedeutung von Schönheit in unserer Gesellschaft, finde ich, ist die Frage nach deren Wert. Und zwar deshalb, weil ich, wenn ich diesen Wert bestimmt habe, einen Schritt weiter gehen kann, als über schön oder unschön nachzudenken, und folgerichtig in den Bereich von Ursache und Wirkung gelange. Warum? Weil jenseits von irgendwelchen Maßen und Vorgaben, jenseits von aufgelegten Trends und Moden, jenseits von medialen Idealvorstellungen die Tatsache der Schönheit an sich als Nenner fungiert, und ein Wert derselben in unserer Gesellschaft den Zähler darstellen könnte.

Wie ich das meine? Nun, betrachte ich die Schönheit als absolut, noch nicht philosophisch, eher mathematisch, so bin ich jenseits von jedweder Ausprägung der Schönheit. Ein Mensch, eine Sache, eine Landschaft, irgendetwas kann als schön empfunden oder definiert werden! Dazu bedarf es eines Subjekts. Das sind wir Menschen. Temporär und geografisch gibt es bei dieser Definition keine Abweichung: hier die möglichen Zähler:

1. Temporär
Die ebenmäßige Ägypterin ist schön, die Rubensfrau ist schön, Twiggy ist schön, Gina Lollobrigida ist schön, Kate Moss ist schön, Brad Pitt ist schön, und für jeden Menschen ist gerade ein ganz bestimmter Mensch schön.

2. Geografisch
Die Frau mit Giraffenhals ist schön, der Mann mit Tellerlippen ist schön, Yu Wenxia ist schön, Cara Delevingne ist schön, Beyoncé Knowles ist schön, Ben Dahlhaus ist schön.

Schön = Der Nenner. Absolut gesehen gibt es keinen Unterschied. Tatsächlich! Schön ist schön. In allen erdenklichen Ausprägungen. Basta!

Nach Festlegung dieser Prämisse kann ich mich ganz entspannt dem Zähler widmen. Was ist Schönheit wert? Kulturübergreifend bringt die Schönheit eine Reihe von Wirkungen mit sich. Sie hat maßgeblichen Einfluss auf die Empfänger, die Subjekte, welche mit unterschiedlichsten Rezeptoren versehen, sich ihr nicht entziehen können, ganz im Gegenteil, die sie aus inneren Antrieben heraus sogar geradezu suchen.

Der Wert der Schönheit ist unermesslich. Weiter in Teil 2.

Vorbild-lich (168)

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Vorbildlich! Keine Frage, Menschen haben zumeist Vorbilder, die zwar nicht ständig im Bewusstsein aktiv sind, doch regelmäßig auftauchen. Sie erinnern uns daran, wie wir gerne sein würden. Einerlei, ob sie erreichbar sind, oder nicht. Von Bedeutung ist hier der Einsatz, den wir erbringen, uns diesem Vorbild zu nähern. Und der ist erheblich.

Barbie ist ein Vorbild. Von ihren Proportionen her übertragen auf den Menschen nicht überlebensfähig, streben dennoch eine nicht unbeträchtliche Zahl von Frauen und Mädchen nach einer ähnlichen Figur. Doch nicht nur Barbie gilt als Vorbild, Schauspieler(innen), Models, Stars und Sternchen werden bei Schönheitschirurgen weltweit genannt: „So will ich aussehen!“ Vor Jahren noch Brad Pitt, Nicole Kidman, Pamela Andersson und George Clooney sind es heute Cara Delevingne, Beyoncé Knowles, Ryan Reynolds und – immer noch Brad Pitt!

Was treibt uns an so sein zu wollen, wie unsere Vorbilder, auszusehen wie Kate Middelton oder Clive Owen? Und wenn es auch nur ein bisschen so ist. Ist es der Wert von Erfolg, Anerkennung und Reichtum, wonach wir ein Leben lang streben? Glauben wir ernsthaft daran, mit den entsprechenden äußeren Werten würden unsere inneren Werte adäquat wachsen?

Schönheitschirurgen bejahen dies gerne, wie ich nachlesen konnte. Menschen sind demnach überzeugter von sich, nachdem sie ihr Äußeres an eine Vorstellung von allgemein anerkannter Attraktivität angleichen ließen. Und Menschen mit gesteigertem Selbstbewusstsein erfahren durch diese Selbstsicherheit intuitiv mehr Achtung. So funktioniert unsere Gesellschaft tatsächlich? Ist es also tatsächlich so, dass durch gesteigerte Attraktivität der Mensch mehr wert ist?

Mitnichten. Wie ich schon in diversen Beiträgen beschrieben habe, konnten Wissenschaftler nachweisen, dass attraktive Menschen beständig bedeutende Vorschusslorbeeren aufgrund ihres Äußeres erhalten. Das ist tatsächlich schon nach der Geburt so, geht im Kindergarten weiter, auch die Schule bildet da keine Ausnahme, ganz im Gegenteil, erst recht nicht im Berufsleben, denn dieser Hauptabschnitt unseres Lebens nimmt den größten Zeitraum unseres Lebens ein und darin verfestigt sich unsere Idee vom Sinn des Lebens.

Doch in Bereichen, in denen es nicht vordergründig auf das Äußere ankommt, wird zumeist schnell deutlich, wie weit es mit der Ableitung von „Schön=Gut“ her ist. Praktisch im prozentual größten Teil unserer gesellschaftlichen Verknüpfungen relativiert sich Aussehen sehr schnell, auch wenn das von jenem kleineren Teil gerne verschwiegen wird. Und darin liegt die Krux.

Dieser eigentlich kleine Teil unserer eigenen Gesellschaft in Form der Medien und Werbung, der bildgestaltenden Bereiche, bläht sich durch unseren zeitlich und Lebensresourcen auffressenden, uferlosen Konsum dieser Medien
in einer Art und Weise auf, dass wir als höchst anfälliges Wesen für optische Reize uns diesem kaum entziehen können. Dadurch scheint diesem eine nie dagewesene (Über-) Macht auf unsere Vorstellung von Schönheit eingeräumt zu sein, deren wir uns nur schwer widersetzen können.

Daher ist es an uns, dieses alltäglich zu entlarven, diesen Hype in die Schranken zu weisen, indem der Fokus nach und nach wieder auf die tatsächlich wichtigen Werte im Leben des Menschen gerichtet werden kann. Selbst wenn man glaubt auf der Spielwiese der Eitelkeiten sei Hopfen und Malz verloren, bei uns Erwachsenen, so liegt es an uns die Wertevermittlung an unsere Kinder und Jugendlichen zu überdenken.

Um welche Werte es geht, weiß bestimmt jeder denkende und insbesondere fühlende Mensch selbst am besten. Ob es das Aussehen bei einem von der Natur aus sich ständig veränderndem Wesen „Mensch“ – einem tatsächlich alterndem Wesen- sein kann, das nur in der Jugend als schön gilt und in dieser Phase des Lebens dies kaum zu schätzen weiß, sollte vielleicht neu überdacht werden.

Schönheit – Sinn und Zweck (156)

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Welchen Sinn und Zweck hat ein schöner Schein als zu scheinen? Welchen Sinn und Zweck hat ein schöner Schein als eine Wirkung zu erzielen? Auf wen soll sie wirken und und warum wirkt sie in dieser Weise?

Schönheit bei Menschen, ein schönes Gesicht und ein schöner Körper, Ausstrahlung wäre wirkungslos, wenn nicht ein Adressat existieren würde. Schönheit ist eine Ursache. Schönheit existiert in unserem Dasein. Schönheit erzielt eine Wirkung. Menschen sehen Schönheit, und sie fühlen sich intuitiv zu ihr hingezogen, in den meisten Fällen jedenfalls.

Auch durch die Kunst wird im Menschen ein Gefühl der Schönheit erzeugt. Der Neurowissenschaftler Zeki hat Probanden in einer Magnetresonanzröhre verschiedene Gemälde gezeigt und gleichzeitig deren Gehirnaktivität aufgezeichnet. „Je mehr die Kunst gefiel, desto stärker aktivierte sie den medialen orbitofrontalen Cortex,…“, so Zeki. Er sieht eine Parallele: „Der orbitofrontale Cortex ist auch stark aktiviert, wenn wir jemanden lieben, der uns gefällt.“ Weiter schreibt er: „Schönheit ist zu einem großen Teil eine Qualität des Körpers, die mit einer Aktivität im medialen orbitofrontalen Cortex einhergeht und die Sinne einbezieht.“

Alleiniger Adressat der Schönheit ist der Mensch selbst. Ein Löwe frisst einen schönen Menschen genauso gerne, wie einen hässlichen Menschen. Ein Hund freut sich über eine Delikatesse, gleich ob sie von einem furchigen Narbengesicht überreicht wird oder von einer zarten, bildhübschen Prinzessin.

Die Schönheit setzt im Menschen bestimmte Hormone frei, Emotionen (Reizreaktionen) in uns sind die Folge, die oftmals Reaktionen zur Folge haben. Beispielsweise lächeln wir bei einem schönen Kinde viel ehr, als bei einem wenigen schönen Kind, so haben es Wissenschaftler festgestellt. Andere Wissenschaftler sehen in der Wirkungsweise neurolophysiologische Reaktionen. Komplexe Verhaltensmuster entwickelten sich in unterschiedlichen Kulturen.

  Erkannte menschliche Schönheit besitzt einen großen Anteil an evolutinärem und sozial entwickeltem Potential. Wir als westlich orientierte Menschen würden geografisch oder ethnisch entstandene Formen der Schönheiten nicht als solche bezeichnen, würden nicht die Reaktionen erfahren, die wir bei Schönheiten unseres Wirkungskreises erfahren. Ob es nun der Fettsteiß mancher afrikanischer Völker ist oder die Tellerlippen der Äthiopier erzeugen in uns nicht die Reaktionen eines bildhübschen jungen Kindes wie Ronja Räubertochter Hanna Zetterberg.

Wissenschaftliche Versuche, bei denen in Gesichtern von Probanden Sensoren angebracht wurden, um Muskelkontraktionen aufzuzeichnen, die nach der Ansicht bestimmter Bilder erfolgten, bewiesen dieses Zusammenspiel von Emotionen und körperlichen Reaktionen. Nur die wenigsten davon nehmen wir deutlich wahr, (Angst-die Haare stellen sich auf, Liebe-Schmetterlinge im Bauch) die Mehrzahl passiert völlig unbewusst.

So hat Schönheit den Zweck, Reaktionen zu erzeugen, Schönheit ist zielgerichtet, und wir alle versuchen tagein, tagaus den Wert dieser Schönheit zu erhalten, zu steigern oder erzeugen. Wir wissen, unabhängig von ethnischer Zugehörigkeit und über die Jahrhunderte hinweg, dass gesteigerte Attraktivität uns bei der Erreichung unserer Lebensziele dienlich ist, und wir im Gegensatz bei ihrem Mangel dieses durch differente Investitionen ausgleichen müssen.

Können wir uns wehren gegen diese Automatismen? Neurowissenschaftliche Forschungen verneinen diese Frage eindeutig. Doch im zweiten Schritt haben die Menschen Handlungsspielraum. Nachdem die evolutionär-soziale Sensorik auf die Schönheit mit körperlichen Reaktionen antwortete, liegt es an uns, diese in unserem Bewusstsein als das zu erkennen, was sie tatsächlich ist. Schöner Schein, der vorerst nur den Sinn des Schönen Scheins besitzt, sonst nichts.

Für wen machst Du Dich schön? Teil 2 (148)

dan2 jeans hintern   Mies-Vandenbergh-Fotografie

Mies-Vandenbergh-Fotografie

Wie viel bleibt übrig von einem „Ich möchte schöner sein, weil ich mich dann besser fühle!“, wenn man auf Hintergründe und Beweggründe einen forschenden, kritischen Blick wirft?

Hier die Fortsetzung von Teil 1. Lege ich Berichte aus Rundfunk, Fernsehen und der Presse sowie aus der Fachliteratur zu Grunde, um mir einen Überblick zu verschaffen über die Gründe, weshalb Menschen ihr Äußeres verbessern möchten, so zeichnet sich folgendes Bild: Als häufigster Antrieb wird die Wirkung auf das eigene Gefallen, das eigene Selbstwertgefühl genannt. Dabei spielt es keine Rolle, über welche Maßnahme gesprochen wird, ob es das einfache Make-up ist oder die Unterspritzung der Haut mit Botox. Die Unterschiede zwischen den Geschlechtern -noch unternehmen Frauen mehr als Männer- scheinen sich dabei nach und nach aufzulösen. „ICH MACHE DAS HAUPTSÄCHLICH FÜR MICH SELBST, NICHT FÜR DIE ANDEREN, EINFACH, DAMIT ICH MICH BESSER FÜHLE, DAMIT ICH SICHERER WERDE!“, so die Aussage einer Frau vor der Anhebung ihrer Augenbrauen während einer Sendung des NDR.

Dieses Beispiel möchte ich stellvertretend hernehmen, um einen ersten, kurzen Überblick zu geben über die möglichen Hintergründe dieser Aussage. Ich frage mich, wie sie gedeutet werden kann, gebe Beispiele dazu aus der Literatur und den Medien. Zusätzlich möchte ich meine eigene Einschätzung hinzufügen.

Kulturübergreifend hat es den Anschein, als würde der Schönheit der Menschen zunehmend stärkere Bedeutung beigemessen. Ob eine Dokumentation über eine Misswahl in einem indischen Bundesstaat im Sender „br-alpha“, oder die vermehrte Anzahl von Sendungen über Schönheitsideale und Schönheitschirurgie allgemein rückt das Thema gerade heutzutage verstärkt in den Fokus der Gesellschaft. Ist es als Indiz dafür zu werten, dass eine vermehrte Nachfrage besteht, oder wird eine vermehrte Nachfrage dadurch erzeugt? Oder lässt sich die Sache aus einem ganz anderen Blickwinkel betrachten, nämlich jenem, dass nur die allgegenwärtige Information uns beständig erreicht, wir alles wissen können.

Aus einem wie auch immer beeinflussten Bewusstsein heraus streben die Menschen seit je her nach Verschönerung ihres Äußeren. Was für uns westlich geprägte (Klein-) Geister skurril oder auch befremdlich wirkende Ausschmückungen diverser Naturvölker sind, z.B. Hautritzungen oder Tellerlippen, stellt allerdings eine andere Richtung der Erschaffung von Schönheit dar.

Die uns geläufigsten Maßnahmen der Verschönerung zielen mehrheitlich auf eine gesellschaftlich institutionelle Form von Idealbild. Sie führen damitallesamt zu einer Konformität, die durch das Streben nach eben jener Erscheinungsform erfolgt. Wir verändern unser Aussehen, um diesem bestimmten Abbild der Attraktivität möglichst nahe zu kommen. Dass dieses viel mit Jugendlichkeit zu tun hat, ist allgemein bekannt.

Kann es ein Grund sein, dass wir uns verändern wollen, um vielleicht weniger (negativ, nicht positiv, nicht schön) aufzufallen? „ICH MACHE DAS NUR FÜR MICH!“, so der Tenor der Handelnden. Was sich aus dieser Aussage zusätzlich schließen lässt, ist die Tatsache, dass wenn wir nach Konformität streben, bald Besonderheiten, Einzigartigkeiten, ja die individuellen Markenzeichen eines jedes Menschen wahrscheinlicherweise als abnormal gelten werden. Nur noch dem schönen Äußeren wird ein erstrebenswerter Sinn zuerkannt werden.

Wie wirken die Handlungen, die uns zu mehr Schönheit verhelfen? Klar erscheinen wir -verschönert- einer definierte Gruppe irgendwann schöner als zuvor. Auch fühlen wir uns wahrscheinlich etwas sicherer, wenn wir genügend Selbstbewusstsein entwickeln konnten, weil unser Aussehen sich im Marktwert um einige Plätze verbessern konnte.

Doch was hält die Verpackung? Mehr Sicherheit führt zu mehr Gelassenheit, ja! Daraus -und aus ein paar anderen wesentlichen Zutaten- entsteht eine Eigenschaft, die jeden Menschen von der Larve zum Schmetterling macht: Souveränität. Doch zum einen droht diese zu bröckeln, sobald sich unser Aussehen wieder einem niedrigeren Level nähert, oder zum anderen, wenn wir trotz erklommenen persönlichen Zenit feststellen, dass es möglicherweise nicht genug war. Mündet dies in einer endlosen Spirale? Ein Spruch, den ich kürzlich hier bei einem anderen Blogger las, lautete: Das Dilemma der schönen Menschen ist, das es irgendwo jemanden gibt, der noch schöner ist.

Daraus resultierend entsteht die heimlich ins Abseits gestellte Frage nach dem tatsächlichen Wert des Aussehens. Die wirklichen Werte wie Charisma, Persönlichkeit, Empathie und Gefühl, um nur wenige zu nennen, scheinen in der Defensive zu sein auf den Markt der schönen jugendlich anmutenden Wesen jeglichen Alters. Dieses möchte ich in einem neuen Artikel näher untersuchen.

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