Schönheit für immer?   Teil 1 (220)

Du veränderst dich, jeden Tag. Prinzipiell bist du an jedem neuen Tag ein neuer Mensch. Sicher, mit einer gewissen Ähnlichkeit zu jener Person von gestern – nur, in der Summe der Jahre? Was sagst Du dazu? Was denkst Du? Wie fühlst Du Dich?

Der Mensch durchläuft eine Entwicklung. Noch ist Zeit kein relativer Faktor. Nicht im alltäglichen Leben. Auch dann nicht, wenn der Mensch die Zeit als äußerst relativ empfindet. Ich blicke auf mittlerweile über 45 Jahre zurück, plus die Jahre vor der Zeit meiner Erinnerungsfähigkeit. Diese ist bei jedem Menschen wohl unterschiedlich. Meine Erinnerung beginnt im Kindergartenalter. 

Im Laufe dieser Entwicklung eines Menschen verändert sich jeder individuell, innerlich, sowie äußerlich. Währenddessen bilden sich immer wieder Teilmengen. Diese Teilmengen möchte ich zunächst skizzieren. Diese Skizze schafft eine Grundlage für die darauf folgenden Herleitungen. 

Der Mensch, als ein Teil der Gemeinschaft, in der er lebt, ist ständigen Wechselwirkungen ausgesetzt. Er existiert niemals unbeeinflusst von Umgebung und eigener Wahrnehmung. Somit bildet er zu jeder Zeit mindestens einen Dualismus (Er und die Außerwelt), mindestens deswegen, weil sowohl die Außenwelt wie auch er als Individuum aus mehr als einer geschlossenen Dualität bestehen kann. 

Dieses Verhältnis möchte ich beschreiben als beständig wechselnde Teilmengen. Zur Erläuterung ein paar Beispiele:

  • Du bist Kind. Im Kindergarten bist Du ein Teilnehmer einer willkürlich gebildeten Gruppe, vielleicht nach Alter gewählt, oder nach Geschlecht, bestenfalls nach Interessen oder schlechtestenfalls nach Verhalten. Die Gruppe der „Löwen“, alles Rüpelchen! Damit bestehen beispielsweise die Mengen „Kinder“, „Jungs“, „Mädchen“, „Abenteurer“, „Maler“, „Sänger“, „Architekten für Bauklötzchen“, … Das Individuum kann Teilmenge einer oder mehrerer Mengen sein. 
  • Du bist junger Erwachsener. Du kannst gleichzeitig vielen anderen Gruppen (Teilmengen) zugehören: Sportler, Teetrinker, Langschläfer, Morgenmuffel, Autofahrer, Elternteil, usf. Dabei schließen sich einzelne Teilmengen keineswegs aus, sie können sich zwar temporär ausschließen, genausogut können sie sich bedingen: Schwimmerin/Badeanzugträgerin/Bikiniträgerin/Nacktschwimmerin. 

Damit sollte verständlich sein, wovon ich bei der Bezeichnung „Teilmenge“ ausgehe. Und damit auch wieder zurück zur Schönheit. Ein Mensch bildet im Laufe seines Lebens unzählige Teilmengen. Im Sinne der Attraktivität sind wir Teilmenge einer Schönheit entsprechend unseres Alters. Aber sogar über die Grenzen des Alters hinweg kann ein Mensch durchaus zur Teilmenge der Schönen gehören. Nur vielleicht nicht immer. 

Ein Verlauf könnte sich derart gestalten, dass ein Mensch als Baby schön ist (hier ist immer das aktuell geltende Schönheitsideal zu Grunde gelegt, dass im Laufe der Epochen immer wieder mal wechselte!) als Kleinkind weniger dem Ideal entspricht, als Kind dann wieder als außerordentlich schön empfunden wird, in der Pubertät durch die Hormonumstellung sehr unter Hautirritationen zu leiden hat, und somit als nicht sehr ansehnlich gilt, nach der Pubertät durch wenig Manipulation der Haut während der Pubertät wieder die Schönheit herausbrechend, mit der Erwachsenwerdung wieder sehr markante Gesichtszüge entwickelnd nicht ganz dem Schönheitsideal entsprechend, mit abgeschlossenem Wachstum aber wieder wunderbare Ausstrahlung, Charisma und Erscheinung herausbildend, dann mit vielleicht 30 Jahren die ersten Anzeichen der Alterung erkennend, das Ideal der Schönheit der Jugend beginnt sich zu lösen, anstelle dessen tritt in Erscheinung eine Schönheit des Ausgewachsenen, oder aber die Durchschnittlichkeit umgibt langsam das Individuum, um dann in der Mitte der Jahre der Jugendlichkeit gänzlich verlustig einer reiferen Schönheit entgegen gehend den Zeichen der Zeit Einlass in sein Äußeres zu gewähren um dann mit Beginn des fortgeschrittenen Alters eine ganz eigene Schönheit zu entwickeln…  

Zu jedem dieser Zeitpunkte, in jeder dieser Phasen bildet der Mensch eine Teilmenge mit unterschiedlichen anderen Mengen, oftmals einer oder auch mehreren. Beispielsweise mit der Menge der Durchschnittlichen, der Naturschönheiten, der „Modepüppchen“, der „Adonisse“, der „Schluffies“ oder der Unsichtbaren…  

Daraus ergibt sich für mich eine Antwort auf die Frage aus der Einleitung: (Schönheit für immer?)  Jeder Mensch hat seine Phase! Diese wechselt, was die Schönheit und Attraktivität betrifft (natürlich keineswegs ausschließlich!) mehrere Male hin und her, ganz dem Individuum angepasst. Und spannend wird es erst richtig, wenn man zu dieser Sichtweise den Betrachter des Individuums hinzu nimmt. Ein wahres El Dorado für die Bildung unterschiedlichster Teilmengen, deren Wechselwirkung zu einem schier unendlichen Pool an Teilmengen heranzuwachsen scheint. Absolut spannend. In welcher Phase befindest du dich gerade, meinst du zu wissen? 

Seit wann suchst Du das Bild Deiner Bilder? (66)

raico jeans hintern Mies Vandenbergh Fotografie

Mies-Vandenbergh-Fotografie

Was bleibt Dir aus den Jahren Deiner Fotografie? Du hast in Deinem Leben, mit Deinem Wirken während Deinem Besuch hier auf diesem Planeten diesen mit – gestaltet, -geformt, -verändert, -verbessert, -zerstört, -gerettet …!

Die Fotografie als eine Deiner Passionen hat Dich einen Teil Deines Lebens beschäftigt. Welcher Ergebnisse kannst Du Dich bewußt erinnern? Welches Maß aus Deinem Handeln – sowohl innerhalb und wie auch außerhalb Deines direkten Wirkungskreises – erreichte Deine Intuition für’s Erstellen deiner Bilder?

Gibt es ein fotografisches Werk, auf das Du zurück blicken darfst, oder existiert eine wilde Sammlung von Fotografien? Welches Gefühl erzeugt dieser Rückblick in Dir? Gleichgültig, ob hochgelobt oder geflissentlich ignoriert durch die (fehlenden) Betrachter aller Couleur blickst Du unverhohlen auf Deine Arbeit. Was bleibt?

Wann begann Deine Karriere in der Fotografie?

Meine begann vermutlich schon zu einer Zeit, in der ich selbst außer einer Linse vor mir noch nicht viel erkennen konnte. Mein Vater fotografierte schon weit vor meiner Geburt und erst recht nachher. Ich mutmaße daraufhin einfach mal, weil Kinder schon weit vor ihrem Verständnis von den Zusammenhängen des Lebens durch bestimmte Verhaltensweisen geprägt werden, dass ich schon früh infiziert wurde mit dem Virus der Lichtbilder-Begeisterung. Wurde ich bestimmt!

Bilder aller Art spielen in unserem Leben bekanntlich eine vordergründig und mehr noch hintergründig wichtige Rolle. Ob als Lernhilfe für Kinder oder als Erklärung zur Worthülse für Erwachsene. Wie viel schneller erfassen wir alle einen Bildinhalt, als den Sinninhalt eines geschriebenen Satzes. Als visuelles Wesen mit unseren Augen, unserem einflussreichsten Sinnesorgan, üben Bilder eine starke Wirkung auf unser Leben aus, denn sie erzeugen fast immer sogar eine direkte körperliche Reaktion.

Mich vereinnahmte das Malen mit Licht schon im Jahre 1978, in dem ich meine erste eigene Kamera erhielt. Ich fotografierte meine Freundin und die Ausflüge unseres Vereines, dabei vornehmlich meine Vereinskollegen und Freunde.

Als ich etwas später eine Spiegelreflexkamera mein eigen nennen durfte, fotografierte ich bei vielen Gelegenheiten, wie zum Beispiel Klassenfahrten, Tiere (liebend gerne Enten) oder einfach in der Schule. Viele Fototouren mit Freunden in umliegende Städte von Düsseldorf schlossen sich an und wir lernten viel von unseren Versuchen. Da früher jeder Film und jedes Foto mit Folgekosten belegt war und ich als Schüler nicht die üppigen Gelder zur Verfügung hatte, mussten wir unsere Motive immer gut auswählen. Ob es besser oder schlechter fürs Erlernen der Fähigkeit zum fotografischen Sehen war, sei dahingestellt.

Doch die Menschen als Motiv haben es mir schon immer angetan, das habe ich schon häufiger erwähnt, denn früher habe ich gerne als junger Mensch – neben anderen Motiven – immer wieder Mädchen fotografiert.

Von der Anzahl der Negative, deren Digitalisierung auf sich wartet, ist der Großteil ehrlich mit den Worten „unter ferner liefen“ zu betiteln. Einer möglichen Veröffentlichung sehen nur die allerwenigsten entgegen. Was aber die Essenz der langjährigen Fotografie angeht, so meine ich, dass wir Fotobegeisterte am meisten durch die Ausübung unserer Passion selbst gelernt haben. Das fotografische Sehen für sich hat sich durch die digitalen Aufnahmetechniken nicht erleichtert. Auch die zwangsläufig entstandene Bilderflut auf unserer steigenden Anzahl externer Festplatten vereinfacht die Kunst des Sehens beileibe nicht. Vielleicht die direkte Bildkontrolle lässt uns die Chance auf eine zweite Auslösung, nämlich bei misslungener Erstauslösung, und nur dann, wenn die Situation nicht schon längst vorbei ist. An eine grundsätzliche Verbesserung der Qualität der eigenen Fotos rein durch die Digitalisierung glaube ich persönlich nicht.

Mit der Innovation der Aufnahmetechniken (Digital) wurde ich erst einmal ein Stück weit ausgebremst. So kam ich mir zumindest vor, als ich durch die neue Technik viel Lehrgeld bezahlen musste. Irgendwann wurde es dann besser. Was durch meine individuellen, analogen Erfahrungen entstanden ist, das konnte ich mit entscheidenden, kleinen Differenzierungen uneingeschränkt weiter verwenden. Die Technik macht uns immer noch nicht sehender, es bleibt uns weiterhin nur unser Auge. 😉

Und dennoch! Nicht allein Erfahrungen ermöglichen ein gelungenes Foto, zwar oft schneller oder auch wahrscheinlicher aber nicht immer. Manchmal kommt es vor, dass diese Erfahrungen einem einen wertvollen Hinweis und damit Vorteil gegenüber einem weniger erfahrenen Fotografen in einer brenzligen Situation verschaffen. Andererseits beweisen die Blogger auch hier auf dieser Plattform, dass hervorragende Aufnahmen nicht ausschließlich von Profi-Fotografen stammen. Für mich ist es manchmal ein sehr beruhigendes Gefühl auf meine Erfahrungen zurück greifen zu können.

Und die anfänglich gestellte Frage? Hast Du Dein Foto der Fotos gemacht, oder geht es Dir so wie mir, dass immer das nächste Foto das wichtigste ist. Mit dem Gruß vom Volk der Jäger und Sammler. Ich blicke meinen Ansprüchen nach auf ein beständiges Portfolio, meine aber, dass entsprechend obigem Satz noch viele ungesehene Motive zu entdecken und zu dokumentieren sind. Die unerschöpfliche Schönheit. Wunderbar und faszinierendes Motiv!