Entwicklung [73]

Schon Jahre, nein, Jahrzehnte lang nehme ich Teil am Spiel der Eitelkeiten, oder auch: am Spiel ‚mit‘ den Eitelkeiten‘. Wie viele Worte über Aussehen und Wirkung, über Schönheit und Ideale, über Unzulänglichkeiten und Makel, über Anerkennung und Unsicherheit wechselte ich mit vielen, vielen Menschen. Und dennoch, es gibt (vielleicht noch) kein Fazit von mir. So wenig, wie es einen Konsens über die Schönheit der Äußerlichkeiten an sich gibt. Narziss lässt grüßen.

Jedem einzelnen dieser schönen Menschen widmete ich einen Teil meiner Zeit und meiner Aufmerksamkeit. Diese Aufmerksamkeit widmete ich ihnen nicht nur während der gemeinsam verbrachten Zeit, sondern auch darüber hinaus. Zeiten, in denen ich über Worte und Taten, über Wünsche und Ängste, über Träume und Ziele und deren Verwirklichung bei diesen Menschen nachdachte, die wir zuvor in unseren Gesprächen zum Thema machten. Auch deshalb beschäftige ich mich gerne mit diesen Eindrücken, um bei unserer nächsten Zusammenkunft vielleicht in der Lage sein zu können, die richtigen Fragen zu stellen.

Interessante Sichtweisen erfuhr ich immer wieder, wurde oftmals überrascht von den tatsächlichen Gefühlen dieser Menschen, die so schier unendlich weite Welten in sich bargen, in ihren Gedanken zwischen Wahrnehmungen und Wirklichkeiten. Und Letzteres steht hier ganz bewusst im Plural. Auch, wenn bei einem ersten Treffen für ein Fotoshooting noch nicht alle Gedanken über Außenwirkung frei geteilt werden, so geschieht doch im Laufe der Stunden durch die ständige Beschäftigung mit dem Aussehen und der Wirkung dessen genau das. Es ist schließlich nicht verwerflich, denn was sonst als die positive und gerichtete Ausstrahlung eines Menschenkindes wird auf einem Foto gezeichnet.

Jede einzelne dieser Begegnungen trug ihren Teil zur Bildung meiner Erfahrungen bei, jede einzelne sorgte beständig für Veränderungen und Revisionen in meinen Ansichten. Andere Treffen erzeugten in mir ein verblüffendes Erstaunen, wieder andere mauerten viel zu schnell ein Dogma, das wir nur langsam durch intensive Begegnungen widerlegen konnten. „Nichts ist, wie es scheint.“ mochte ich wiederholt ausrufen und dennoch zeigte sich mit der Zeit immer deutlicher: Viel mehr ist, wie es scheint, wenn man nur genauer hinsieht.

Es gibt für mich keine Prototypen eines menschlichen Wesens. Vom Verhalten der Menschen her werde ich zwar immer wieder dazu verführt, dies zu glauben, tappe immer wieder in die Falle etwas Bestimmtes zu erkennen, doch erst einen Moment später gelingt mir die Wahrung der nötigen Distanz, um nicht einen Menschen in eine bestimmte Schublade zu manövrieren. Sicher sind wir uns alle ähnlich in unseren Reaktionen und Gedanken, Gefühlen und Ängsten, Wünschen und Neigungen, doch sie sind bei jedem von uns individuell. Auch dann, wenn Eitelkeiten und der Wunsch nach Akzeptanz tief in uns verwurzelt ist, wir so oft so viel häufiger instinktiv reagieren, als uns lieb ist, so sind wir doch denkende Individuen, die wir unser Verhalten kognitiv steuern können, wir durch Vernunft unsere archaischen Gefühle so lenken können, dass wir andere Menschen nicht bedrängen.

Was möchte ich eigentlich mit dieser Einleitung sagen? Es geht mir darum zu beschreiben, dass jeder von uns eine höchst eigene Wahrnehmung seiner Persönlichkeit besitzt, und diese nicht durch Außenstehende einer Reduzierung auf die aktuell geläufigen Schemata und Schablonen beschränkt werden sollten. Auch dann nicht, wenn scheinbar bekannte und immer wieder sich wiederholende Verhaltensweisen ein Muster implizieren. Es steht immer eine dem Menschen eigene Entstehungsgeschichte dahinter. Es bildete sich eine eigene Kombination von Gefühlen und Wahrnehmungen, die vielleicht in ein beliebiges und bekanntes Verhaltensmuster mündet, aber in ihrer Bedeutung nicht dem uns bekannten Inhalt entsprechen muss. Daher gebietet es unsere, meine Art der Betrachtung eines Menschen die eventuell vorhandenen Muster zwar zu erkennen, aber dann zu durchbrechen und sich ohne Vorurteile selbst bekannten Verhaltensweisen zu nähern. Nicht immer leicht, suche ich als menschliches Wesen seit Jahrtausenden doch schon immer und überall nach Mustern, um mir die Welt zu vereinfachen, zu verstehen, mir Sicherheit zu verschaffen.

Das nur zur (zu meiner eigenen) Erinnerung! Sei offen und freigeistig!

Die Suche nach der Schönheit, Teil IV (214)

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Weiter auf der Suche nach der Schönheit, oder das, was man dafür halten könnte.
 
Du stehst vor etwas Schönem. Wer sagt dir, dass es schön ist? Niemand! Du empfindest es einfach als schön. Ohne jede Wertung entsteht in dir dieses Gefühl, etwas zu erfahren, was in dir eine Sehnsucht erweckt, vielleicht eine Sehnsucht nach etwas Vollkommenem, nach einem Gefühl selbst, in dir etwas zu spüren, dass dich auffängt, dort, wo nichts widersprüchiges dich befremdet.

Wieder kann es sich dabei um ein Objekt handeln, welches (be-)greifbar ist, ein Bild in der Natur, das so gewachsen ist, wie es sich unserem Auge präsentiert. Welches wir so erfahren, wie wir es gelernt haben zu erfahren, denn die Naturschönheit weiß nichts davon, uns zu gefallen, weil sie einfach nur ist. Oder Du hörst ein Musikstück. Dieses Stück versetzt dich in Verzückung. Du bist wie gefangen in den Weiten der eindringlichen Klänge, kannst Dich kaum lösen, nur schwer entziehen, schon allein deshalb, weil du es gar nicht möchtest.

Möglicherweise verweilst du gerade vor einem Kunstwerk, einst von Menschenhand geschaffen aus einer Idee heraus, die der Künstler in seinem Werke verewigt in dir widerklingen lässt, kannst dich der Ausstrahlung nicht entziehen, das Kunstwerk hat dich scheinbar in seinen Bann gezogen und du gibst dich seiner lebendigen Wirkung auf dich hin. Manche Kunstwerke lösen solch eine Faszination in dir immer wieder aus, andere nur manchmal und wieder andere gar nicht. Sollte zum Widerklang dieser einen Schönheit genau diese Saite in dir vorhanden sein müssen, um Anklang zu finden?

Die Frage, ob jedes Kunstwerk „schön“ sein soll, wurde erst seit dem 19. Jahrhunderts intensiver gestellt, zuvor komponierte ein Künstler sein Werk in naher Anlehnung an die Natur, die lange Zeit als Vorbild des Schönen galt. Mit Einzug der Romantik idealisierten die Künstler die Idee der Schönheit, versuchten selbst die Natur zu übertreffen, idealisierten sie, bevor zur Zeit von Friedrich Nietzsche (1870) das Nicht-Schöne zunehmend an Beachtung gewann.(sehr stark vereinfacht gesagt)

Betrachte ich stellvertretend ein beliebiges Kunstwerk, eine Skulptur beispielsweise: Denke dir eine aus! David
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der Denker
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die Venus
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oder ein anderes, welches dich begeistert.

Es wird Menschen geben, die diese Skulptur als schön bezeichnen. Andere würden sie vielleicht als mittelmäßig schön bezeichnen, nicht direkt als hässlich, aber auch nicht als schön. Wahrscheinlicherweise gibt es Menschen, die dieses Werk auch als unansehnlich titulieren würden, denen dieses Werk sogar Unbehagen bereiten könnte. Vielleicht sind es auch nur Teile dieser Skulptur, die Missfallen erregen? Interessant ist dabei die Frage, ob es eine Möglichkeit gäbe, die eine Art Level schlüssig darstellt, welches im Auge des Betrachters erreicht werden kann, um den Anmut einer Darstellung, die Ästhetik einer Skulptur erkennen zu können?

Nehme ich die Extreme: Eine Person hat niemals zuvor im Leben eine Plastik, eine Skulptur gesehen. Was kann in ihm vorgehen? Die Person trifft auf das Kunstwerk! Und nun? Daneben steht eine Person, die schon unzählige Skulpturen gesehen hat, die schon etliche Ausstellungen über Skulpturen veranstaltet und einige Fachbücher über die Bedeutung und Herkunft sowohl der Skulpturen als auch der Künstler verfasst hat. Worin liegen die Unterschiede?

Der Schönheit ist es einerlei, wer vor ihr steht. Zunächst beide Wesen betrachten das Werk. In beiden Wesen löst das Werk die verschiedensten Empfindungen, Gedanken oder Ideen aus. Ordnet der Kenner das Kunstwerk ein, so wird es der jenige ohne Vorerfahrungen nicht einordnen. Doch im Laufe der Betrachtung kommen und gehen in beiden Personen die unterschiedlichsten Regungen, das Werk des Künstlers erweckt eine Reihe von Dimensionen ganz unabhängig vom Stand des Betrachters. Kann es dafür eine Wertung geben. Philosophen aller Epochen versuchten sich an der Beantwortung dieser Frage und kamen zu widersprüchlichsten Thesen.

Was denkst Du? Eine Metapher: ein Kunstwerk lässt eine Saite in dir anklingen. Ist es von Wichtigkeit, wie viele Saiten ein Mensch in sich trägt? Ist es wichtig, wie oft diese Saiten angespielt werden? Ist es von Bedeutung, ob diese Saiten gestimmt wurden? Ist es entscheidend, wie stark diese Saiten angespielt werden? Ist es eine Frage der Zugänglichkeit der Saiten, ob sie erklingen? Was denkst Du?
 

 

 

Die Suche nach der Schönheit, Teil I (210)

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Wo findet sich Schönheit? Woran wird die Schönheit erkannt? Gibt es einerseits unterschiedliche Grade der Schönheit und gibt es andererseits unterschiedliche Grade der Befähigung diese zu erkennen? Einige Gedanken und Schlüsse daraus.

Schönheit, das Thema über Jahrtausende, wurde wahrscheinlich schon immer hinterfragt, zumindest aber immer wieder seit der Zeit, da es Überlieferungen belegen. Erst als Objekt wurde es untersucht. Es wurde versucht, die Schönheit in eine Formel zu bringen. Es wurde versucht, sie in bestimmter Form und Erscheinungsweise zu manifestieren. Danach wurde die Schönheit vom Objekt gelöst. Nur ein Subjekt sollte in der Lage sein, sie überhaupt zu erkennen, denn ohne Betrachter sollte es keine Schönheit geben. Es gab nur das Sein. Es wurde fortwährend versucht, die Schönheit von jeglicher Zweckgebundenheit zu befreien. Sie sollte ihre Wirkung nur durch sich selbst entfalten, ohne sich durch eine Zweckgerichtetheit legitimieren zu müssen. So sollte die Wahrnehmung verlaufen.

An dieser Stelle möchte ich hier gerne ansetzen und eine Betrachtung wagen. Wurde die Schönheit beispielsweise von David Hume und Edmund Burke vom Objekt losgelöst? Musste ein Subjekt beschrieben werden, dessen Existenz gegeben sein muss, um eine Schönheit überhaupt erst wahrzunehmen? Im Zuge dessen finde ich eine sehr interessante Relevanz wieder:

Wenn ein Subjekt -in unserem Falle ein Mensch, der (in was auch immer) eine Schönheit erkennt- diese Schönheit wahrnimmt, dann stelle ich die Frage: Gibt es dahingehend tatsächlich unterschiedliche Grade der Befähigung, Schönheit zu erkennen? Ferner sei die Frage gestellt, welche Variablen und Bedingungen auftreten könnten, die diese Erkenntnis erstens beeinflussen, zweitens ermöglichen oder drittens verhindern!

Schönheit erkennen wir in vielen Dingen. Eine Pflanze kann einem Menschen schön erscheinen, eine Landschaft, ein Wetterphänomen kann beeindruckend schön erscheinen. Ein Tier oder ein Mensch erweckt den Anschein der Schönheit in uns. Auch ein Gedicht bezeichnen wir mitunter als schön, oder noch mehr ein Musikstück? Gefühle können es sein, die wir als schön empfinden, oder ist es vielleicht auch der Auslöser dieser Gefühle. Selbst Schauder bezeichnen wir hin und wieder gerne als schön, sei es, weil wir auf diese Weise das ursprüngliche Leben in uns spüren, ganz gleich dabei, ob in der Form von Angst und des Erschreckens oder der Gewissheit des Schauspiels und unserer distanzierten Sicherheit dazu.

Bleibe ich zunächst bei dem Subjekt, in dessen Vorstellung -Schönheit ist ja nichts Faktisches, sie ist stets nur angenommen- Schönheit entstanden ist. Sie ist erkannt worden. Es gibt nun theoretisch unendlich viele Subjekte, die sich zum einen im Wesen unterscheiden -es sind einfach unterschiedliche Wesen- und zum anderen solche, die sich in der zeitlichen Phase differenzieren -sie befinden sich an einem bestimmten Punkt ihrer Entwicklung, als Kind, Jugendlicher, Erwachsener oder reifer Mensch. Selbst innerhalb dieser Phasen zählt jeder Augenblick als einzigartige Situation.

Zu jedem Zeitpunkt begegnet Schönheit einem x-beliebigen Subjekt. Ein Subjekt begegnet irgend einer Schönheit. Wahrnehmung findet statt. Wie verhält es sich mit der Erkenntnis? Ganz gleich, was der Mensch als schön erkennt, es gibt bei manchen Dingen eine große Übereinstimmung in der Beurteilung, in manchen aber nicht. Nun greife ich die Fragen von oben auf und frage erneut:

1. Gibt es eine universelle Schönheit, deren Wert erst erkannt, begriffen oder erlernt werden kann oder gar muss?
2. Ergibt sich, und das ist eine Frage, die sich sehr nah an der ersten Frage orientiert, eine größere Befähigung, bestimmte Schönheiten erst dann zu erkennen, wenn man sich mit diesen Verhältnissen über einen größeren Zeitraum hinweg auseinandergesetzt hat?
3. Gibt es Parallelen bei der Erkenntnis oder Wahrnehmung unterschiedlicher Formen der Schönheit?
4. Entstehen Irrungen durch bestimmte Einflüsse oder defizitäre Befähigungen, vielleicht schon durch Wahrnehmungsstörungen?

Stelle sich jeder Interessierte diese Fragen, um zu prüfen, inwiefern sich die Erkenntnis von Schönheit in ihm manifestiert. Weiter mit der Beantwortung der Fragen meinerseits geht es im nächsten Artikel.

Feuerwerk der Schönheit (171)

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Frei nach Schopenhauer gilt, dass sich die körperliche Schönheit der weiblichen Menschen auf die Zeit der Periode der Gebährfähigkeit konzentriert.

Zu Zeiten von Schopenhauer galt es für das Alter von 19 bis 35 Jahren, wie er sich ausdrückte. Heutzutage wäre die Spanne etwas größer zu wählen, denn die Gebährfähigkeit setzt schon 3-5 Jahre früher ein und endet deutlich später, mindestens 8-10 Jahre. Folgt man der Argumentation Schopenhauers nur ein Stück weit, so ergibt sich in heutiger Zeit ein ähnliches Szenario. Menschen, (noch!) vornehmlich weiblichen Geschlechts, unternehmen ungemeine Anstrengungen, ihr Antlitz von jugendlicher Schönheit so früh wie möglich zu erlangen und so lange wie möglich zu erhalten.

Damit wird auf dem Jahrmarkt der Eitelkeiten ein Wert vorgespielt, dessen Wirkung dem der unmanipulierten Wesen der Menschengattung in nur wenig nachsteht. Allein bei näherer Betrachtung, oft erst nach nächster Betrachtung, kommen Unterschiede zu Tage. Doch dann ist es zu spät! Zu spät? Nun, bis dahin konnte der Mensch bereits einen Eindruck jenseits von Schein und Aussehen platzieren. Er konnte von seinen eigentlichen Werten genügend zum besten geben. Damit beschränkte sich der erste Eindruck nicht mehr nur auf die äußere Erscheinung, die vorerst nur Fassade zu sein schien.

Heißt der Gedanke Schopenhauers im Umkehrschluss, dass Menschen, deren Alter jenseits der Gebährfähigkeit oder Zeugungsfähigkeit liegt, kaum mehr einen relevanten Marktwert besitzen, was die körperliche Schönheit betrifft? Vor einem bestimmten Alter und ab einem bestimmten Alter verändert sich die Relevanz des Aussehens tatsächlich erheblich. Dabei sicher mehr noch nach Verlust der arterhaltenden Fähigkeiten, als vor Eintritt der körperlichen Reife. Insgesamt hat sich durch eine massive Werteverschiebung der optischen Attribute die Bedeutung des Aussehens gelöst von archaischen Grundgedanken der Arterhaltung. Daher relativiert sich gleichwohl der Gedanke Schopenhauers, dessen Gedanken von einer wissenschaftlich fundierten Lehre der Evolution beflügelt waren.

Damit ist eine Werteverschiebung sonder gleichen zu attestieren, dessen Auswirkungen uns aktuell jeden Tag in Medien und Gesellschaft begegnen und letztendlich durch unser Verhalten höchst selbst initiiert wurde.

Gehe ich noch einen Schritt weiter, bleibe weiterhin bei Schopenhauers Gedanken, welche von der größten Attraktivität der Frau ausgehen, solange sie im gebährfähigem Alter ist, so wird durch die Erhaltung dieser Jugendlichkeit eine Verlängerung dieser Zeitspanne vorgespielt. Folglich werden alle weiteren Werte, die heutzutage über das (positive) Aussehen assoziiert werden, gleichfalls angeglichen (erhöht). Je größer die Werte sind und je länger diese erhalten bleiben, desto höher bleibt unser Ansehen ( Wert!?) in der Gesellschaft.

Unser Körper, nur noch ein formbarer Gegenstand? (155)

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In den verschiedenen zeitlichen Epochen wurde immer wieder an unserem menschlichen Körper herumgewerkelt. Ist es heute also anders, als zu vorangegangenen Zeiten?

Für den modernen (westlichen) Menschen stehen jederzeit alle möglichen Experten bereit, um bei der Ausformung unseres gewöhnlichen Körpers zu unterstützen. Die allseits präsenten Medien suggerieren die Notwendigkeit eines perfekten Körpers. Sie weisen auf die unerschöpflichen Möglichkeiten hin, die zur Verfügung stehen, um einen energetisch wertvollen und der aktuellen Mode entsprechend ansehnlichen Körper zu formen.

Fitnessstudios an jeder Straßenecke haben bis spät in die Nacht hinein geöffnet, um uns die Ausflucht des Zeitmangels gleich im Keim zu ersticken. Ratgeber und Artikel erinnern in immer kürzeren Intervallen an die Verpflichtung, unser Outfit entsprechend zu gestalten, Ärzte stellen verantwortungsbewusst einen Verweis wegen adipöser Anzeichen aus oder klären zumindest freundlich auf über die gesundheitlichen Risiken des Specks auf unseren Rippen. Unsere Arbeitswelt honoriert deutlich jene Anstrengungen, einen ansehnlichen Körper vorzuweisen und bestraft geradezu diejenigen, die diesen nicht vorzuweisen in der Lage sind, ganz gleich, ob monetär oder hierarchisch.

Und früher? Köche, die geadelt wurden, da sie in der Lage waren, Mahlzeiten zuzubereiten, die einen derart kalorienreichen Inhalt besaßen, mit denen die Herrschaften ihr Übergewicht ohne Probleme halten oder besser noch, ausbauen konnten. Es fand (und findet!) bekanntlich im Laufe der Jahrhunderte ein stetiger Wechsel in Bezug auf den Körper und seine Form statt. In den Zeiten der Renaissance beispielsweise konnte in der adligen Gesellschaft um Louis XVI. ein Körper gar nicht füllig genug sein. Zeitzeugnisse berichten mit größter Inbrunst von der Schönheit des Doppelkinns, und distanzierten sich angewidert von der kränklichen Erscheinung der Mageren und Schlanken.

Auch die Ärzteschaft, wozu in manchen Zeiten die Hexen zählten, wusste allerlei Tinkturen, Salben, Auszüge oder Essenzen zu verschreiben, deren Anwendung versprach, an Gewicht zuzulegen oder gegenteilig an Gewicht zu verlieren, je nach dem, was gerade nachgefragt wurde. Übungen, um die Spannkraft des Körpers möglichst lange aufrecht zu erhalten, machten immer wieder die Runde. Aderlässe und Einläufe sollten helfen, sich die Körperform zu modellieren, die gerade en Vogue war.

Und heute? Hat sich irgend etwas verändert? Laufen wie nicht wieder nur einer bestimmten (von wem eigentlich) Mode hinterher? Verwenden wir nicht einen immensen Teil unserer Lebensenergie darauf, unser Aussehen zu verändern? Wollen wir es nur deswegen verändern, weil unser Äußeres vielleicht nicht unbedingt der angesagten Mode entspricht?

Wieviel Zeit investieren wir in das Kostüm für unseren Auftritt auf dieser Bühne „Welt“? Wir geben Unsummen aus, um unseren Body zu shapen! Nicht nur die Zeit im Fitnessstudio und beim Walking, beim Laufen oder auf dem heimischen Ergometer zählt, auch die Arbeitszeit, die zum erwirtschaften der finanziellen Mittel notwendig ist, mit denen wir uns die Manipulationen an unserem Körper bezahlen. Jeder Mensch entscheidet selbst, welchen Einsatz er bringt, um auf dem Parkett der sozialen Beziehungen Erfolge zu erreichen. Wie letztendlich dieser Einsatz aussieht, dessen sollte sich jeder Einzelne gewahr werden. Meine ich!

Menschheitsgeschichte – wer waren die ersten schlanken Menschen? ((151))

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Schlank   –  wer ist schuld?  Die Ägypter warn´s!? (Vermutlich 😉 )

Während ich Literatur über die Geschichte der Entwicklung der Schönheit lese, mir die ein oder andere Lektüre über die Psychologie der Attraktivität zu Gemüte führe staune ich oft nicht schlecht. Immer wieder erfahre ich für mich überraschende, spannende Fakten, die mir in der Form vorher nicht unbedingt in den Sinn kamen und so meine Phantasie und meinen kleinen Forscherdrang immer wieder anregen. 

So erging es mir mit der folgenden, spannenden These: diese besagt, dass bei den Ägyptern als einem der ersten Völker der Erde (über die schriftliche Überlieferungen bis heute erhalten sind) im Punkte Äußerlichkeiten die Schlankheit als erstrebenswerten Zustand des Körpers entstand. 

Diese Erkenntnis wurde, so die These, in der Anthropologie und der Archäologie durch vielschichtige Forschungen und Funde zu Tage gebracht. Während in Ausgrabungsstätten und auf Schrifttafeln Zeugnisse für den Stellenwert des wohlgeformten „schlanken“ Körpers nachgewiesen werden konnten, gelten offensichtlich die Zeichnungen von Personen auf Gefäßen und Tafeln der Zeitspanne von vor 4000 Jahren als ein für jeden sichtbarer Beweis. Kritiker sehen dabei die Möglichkeit der Idealisierung, die Frage eines möglichen Ideals jedoch bestärkt laut Wissenschaftlern die These jedoch eher noch. 

Wenn auch die Griechen gerne den wohlgeformten, athletischen Körper als eine Errungenschaft ihrer Epoche, ihrer Ästhetik und ihrer Ethik ansehen, so ist dennoch zu konstatieren, dass diese es prinzipiell von den Ägyptern in verschiedener Form übernahmen. Dafür finden sich zahlreiche Beispiele in der uns überliefertern Literatur, ob es von Homer (Ilias) oder Ovid (Geschichte von Venus und Adonis) ist. Aus der Zeit des mittleren bis neuen Reiches der ägyptischen Hochkultur sind Rezepte und Empfehlungen überliefert, wie der Körper möglichst schlank und muskulös zu erhalten wäre. Es ist von Kräutern die Rede und auch von Ernährungstipps, als auch von körperlicher Ertüchtigung, um den athletischen Körper zu erlangen und möglichst lange zu erhalten.

Der Stellenwert des schlanken Menschen ist also erstmals ( durch vorhandene Überlieferungen jedweder Art) in der ägyptischen Hochkultur beschrieben worden. Durch Funde von Figuren und Malereien respektive deren zeitliche Einordnung, die vor der ägyptischen Kultur lag, konnte stets der üppigere Körper als Zeichen der Gesundheit, des Wohlstandes und der Zeugungsfähigkeit beschrieben werden und damit wurde er als erstrebenswert eingeordnet. 

Figuren aus Kulturen der Zeiten vor der der Pharaonen und teilweise danach fanden die Archäologen also stets wohlbeleibt vor. Kontinente übergreifend zeichnete sich ein Bild ähnlich der Venus von Willendorf. Erst Zeugnisse aus nachfolgender Zeit, beispielsweise auf den Bildern des „Grab des Nacht“ sind die Körper schlank dargestellt worden. Was zu diesem Wandel geführt hat, ist bis heute nicht genügend erforscht. Da die Zeitrechnung der Ägyptologie einen Zeitraum von über 3000 Jahren beschreibt, dabei diese Grabtafeln aus der sogenannten Epoche des Mittelreiches stammen, geht man davon aus, dass schon weit vorher, nämlich bis zu 1000 Jahren zuvor der schlanke Körper zum Selbstverständnis von Schönheit, Gesundheit und Bedeutung avancierte.

Die nachfolgenden Kulturen in Hellas trieben den Körperkult weiter voran, bzw. hielten ihn aufrecht. Aus diesen Zeiten sind Zeugnisse in guterhaltener Form und Zustand vorhanden, die Zahl der Statuen von Adonis, Aphrodite oder ….. zum Beispiel ist überwältigend.(Interessant für Dich ist vielleicht das Akademische Kunstmuseum in Bonn, wo über 300 Nachbildungen von Antiken Statuen ausgestellt sind.)

Was mich an der Erkenntnis oder These sehr beschäftigt ist die Tatsache, dass es vielleicht nur die von den Ägyptern überlieferten Hinweise bis in unsere Zeit geschaft haben, und dass an anderen Orten der menschlichen Niederlassungen ebenfalls die Menschen sich dem Schlankheitsgedanken verschrieben haben, nur dass es dafür keine Zeugnisse mehr gibt, die es in unsere Zeit geschafft hätten. Wie weit führt die anthropologische Forschung über die hochgewachsenen, schlanken Massai aus der Gegend der Ostafrikanischen Steppen zurück? Wie verlief die Entwicklung in der  Kinderstube der Menschheit? Eine sehr spannende Frage, meine ich. 

 

 

 

 

 

 

 

Paparazzi, der. (107)

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Abfällig bezeichnete unlängst ein Passant einen Fotografierenden mit einem lichtstarken Teleobjektiv als Paparazzi. Er drehte sich zu mir um, und fügte seiner in den luftleeren Raum angegebenen Bemerkung noch hinzu, dass “Sowas“ ja nur gebraucht würde, um den Hintern von irgend welchen Prominenten abzuschießen. Im Anschluss aber an diesem Satz hängte er ein fragendes „oder?“ an, und blickte mich dazu noch an. Ich gebe zu, ich war sehr verdutzt, und ich bejahte seine Bemerkung zu allererst, doch schon während meiner völlig verfehlten, daher geschwafelten Entgegnung wurde mir deren unsinniger Inhalt bewusst, und ich konnte noch eine Gegenfrage anschließen: „Müssen Paparazzi nicht eher unauffällig agieren, anstatt solch auffällige Objektive zu gebrauchen?“

Doch diese Frage schien dann doch zu viel für den Menschen zu sein. Er sah mich entsetzt an, wohl mit dem Gedanken, ob ich ihn in eine Diskussion verwickeln wollte, drehte sich dann doch lieber herum und schlich von dannen.

Was hat es mit dieser Momentaufnahme auf sich? Spiegelt diese Ansicht dieses einzelnen Herrn die Meinung einer ganzen Gruppe von Menschen wieder, die jene Fotografen als Paparazzi betrachten, die ein größer dimensioniertes Objektiv verwenden? Im Zoo oder auf der Safari würde wohl niemand auf derartige Gedanken kommen. Da wäre das anerkannte Motiv wohl für jeden erkennbar in einem Tier zu vermuten.

Anders aber in den Bereichen, in denen Ottonormalbürger einem Fotografen begegnen könnte. In Bereichen wie der Straße, dem Strand, der Stadt und anderen öffentlichen oder halb-öffentlichen Plätzen. Was könnte der Fotograf dort mit einem 500er f1:4,0 fotografieren? Was würde er oder sie denn mit diesem Objektiv in dieser Umgebung erfassen?

Auf der anderen Seite ist die Frage zu stellen, was denn das Ergebnis der „Paparazzi-Arbeit“ ist! Fotos von mehr oder weniger Prominenten, mal mehr mal weniger erwünscht. So gaben doch manche „Prominente“ an, dass sich ihr „Marktwert“, ihre Beliebtheit durchaus in der Frequenz der geschossenen Paparazzi-Fotos berechnete.

Wenn es für die nicht für Fotos von Menschen im urbanen Raum (Streetfotografie) bezahlten Fotografierenden darum geht, authentische Fotografien zu erstellen, so haben sie die Möglichkeit entweder mit einem Normalobjektiv direkt in die Szenerie hinein zu fotografieren, eventuell dies vorher zu erfragen, oder mit einem Teleobjektiv von etwas weiter weg zu dokumentieren. Über die Vorzüge und Nachteile der ein oder anderen Methode habe ich HIER bereits geschrieben.

Kommen wir zurück auf das 500er f1:4. Mal abgesehen von dem Anschaffungspreis, der durchaus im Bereich eines Kleinwagens liegt, stelle ich die Frage, wie oft wir einen Menschen mit diesem Tele auf offener Straße sehen, oder mit einem bauähnlichen Objektiv? Weder in meiner Zeit in Berlin, noch Düsseldorf, noch hier in Koblenz habe ich öfter als 2-3 mal überhaupt einen Fotografierenden mit einem solchen Objektiv gesehen. Ganz anders im Fußballstadion! Massen dieser Linsen mit Fotografen daran laufen um das Spielfeld. Aber auf der Hohestraße in Köln? Fehlanzeige! Am Dom? Fehlanzeige! Da sind dann eher einige 70-300er zu sehen. Doch dieses Objektiv hätte niemals den Ausspruch des Herrn vom Anfang ausgelöst. Dafür kannte er sich wohl zu wenig aus, und dass damit genauso gut der ein oder andere Hintern eines nicht so prominenten Mitmenschen abzulichten wäre, das würde ihm sicher entgehen.

Damit bin ich bei der Krux des kurzen Erlebnisses. Es geht weniger um die Werkzeuge bei der Verrichtung eines Werkes, es geht um das Ergebnis! Dass es mit besseren Werkzeugen leichter, sicherer, oftmals besser geht, das ist schon lange kein Geheimnis mehr. Welche Aussenwirkung ein baulich großes Teleobjektiv hat, ist einerlei, werden doch die damit geschossenen Bilder, gleich ob es Paparazzi-Aufnahmen von Prominenten, die millionenfach in hunderten von Magazinen erscheinen, und exorbitante Auflagen erzielen, oder spannende Detailaufnahmen eines Zebras sind, von der Mehrzahl der Menschen in Massen konsumiert. Auch der Herr vom Anfang wird vermutlich genau wissen, wovon er spricht, wenn er Zuhause die neueste Auflage der „Bunte“, des „Stern“ oder auch der „Gala“ seiner Frau „liest“!

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Verfall der Schönheiten, Teil 1 (87)

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Vergänglichkeit der Körper

   Was geschieht mit unserer Schönheit im Laufe der Zeit? Ein schönes Kind wird zu einem schönen Jugendlichen? Ein schöner Jugendlicher wird zu einem schönen Twen? Ein schöner Twen wird zu einem schönen Erwachsenen? Ein schöner Erwachsener wird zu einem schönen Midager? Ein schöner Midager wird zu einem schönen Oldie?

Ist das der Weg, den unsere Schönheit beschreitet?

  So ist es vermutlich nicht. Ein schönes Kind entwickelt sich nicht immer zu einem schönen Jugendlichen. Es ist im Gegenteil oft so, dass gerade schöne Kinder nicht automatisch zu einem attraktiven Jugendlichen heranwachsen. Im Zuge der körperlichen Entwicklung kommt es in den unterschiedlichen Stadien zu Wachstumsschüben, die zur Folge haben, dass sich die Proportionen des Körpers immer wieder verschieben. Da die Attraktivität in entscheidendem Maße von diesen Proportionen abhängig ist, verändert sich das Maß der Attraktivität entsprechend.

   Dieses Wechselspiel hält so lange an, bis der Mensch seine Wachstumsphase beendet hat. Diese dauert ungefähr bis zum 21. Lebensjahr, bei Frauen endet sie etwas früher, etwa beim 19. Lebensjahr. Während der Entwicklung des Menschen spielen viele Faktoren eine Rolle. Die Versorgung mit gesunder Nahrung, mit ausreichend Getränken, ein seelisch und geistig gesundes Umfeld sind weithin bekannte Faktoren.

   In der Biometrie werden fortlaufend Daten gesammelt, welche vornehmlich der Modeindustrie zur Ermittlung der Konfektionsgrößen zur Verfügung gestellt wird, da Kleidung heutzutage nicht mehr maßgeschneidert, sondern von der Stange verkauft wird. Ab dem Stadium des jungen Erwachsenen werden die biometrischen Zahlen also stetiger und verlässlicher.

   Ein besonders interessantes Maß ist die Veränderung der Durchschnittsgröße der Menschen seit dem Zeitalter der Renaissance. Während die Größe sich in den Jahrhunderten zuvor kaum änderte (ca. 160-165cm beim Manne, 150-152cm bei der Frau), so stieg der Durchschnittswert in den letzten 250 Jahren auffallend deutlich um mehr als 15 cm! (Männer 178cm, Frauen 165cm)

   Nach dem Ende des Wachstums bleiben dem Menschen für zirka 20 Jahre seine größten Kräfte erhalten, er ist auf seinem Leistungszenith. Ab dem 40. Lebensjahr beginnt die körperliche Leistungsfähigkeit abzunehmen. Dabei ist tatsächlich nur der biologische Verfall gemeint, denn die geistigen Kräfte können weit länger Beständigkeit haben.

   Da es hier in erster Linie um die Bedeutung der Erscheinung geht, sind die Entwicklungen des Körpers im Zusammenhang mit den Veränderungen der Attraktivität für die nähere Betrachtung von Interesse. Eingangs erwähnte ich die Tatsache, dass nicht unbedingt schöne Kinder zu schönen Jugendlichen heranwachsen. Wenn aus den jugendlichen Menschen Erwachsene werden, und damit die Entwicklung des Körpers nahezu abgeschlossen ist, und gleichzeitig der Mensch als attraktiv gilt, so besteht diese Attraktivität gewöhnlich über viele Jahre hinweg.

   Irgendwann aber kommt der Zeitpunkt, zu dem der Körper beginnt sich erneut zu verändern. Da sich der Mensch in seiner Entwicklung einem unaufhaltsamen Alterungsprozess entgegensieht, zeichnen sich diese Veränderungen nach außen hin am Körper und im Gesicht ab. Im Körper finden viele Prozesse statt, beispielsweise wandelt sich Muskelgewebe in Fettgewebe um, Haut verliert zunehmend Muskelgewebe und einhergehend Spannkraft und unsere Knochen binden weniger Kalzium, wodurch sie poröser, und dadurch brüchiger werden. Nicht alle Veränderungen zeigen sich in offensichtlichen Merkmalen, doch gerade dort zeigen sich für den Betrachter die Anzeichen der Alterung.

   Wie gehen wir damit um, wie geht der Mensch damit um, der ein Leben lang die Schönheit, Attraktivität und das Gefallen durch die anderen Menschen erfahren hat. Gibt es Differenzen zwischen Menschen unterschiedlicher Attraktivität im Umgang mit dem Verlust der jugendlichen Figur oder des attraktiven Erscheinungsbildes. Ausgehend von der Unterstellung, dass sich attraktivere Menschen dessen bewusst sind, und auch die durchschnittlich attraktiven Menschen sich dessen bewusst sind, sowie die weniger attraktiven Menschen sich ihrer Erscheinung ebenso bewusst sind, stellt sich die Frage, ob unterschiedliche Verhaltensweisen infolge dieser Attraktivitätsunterschiede zu beobachten sind.

Körperformen in der Kunst(geschichte) (48)

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Syssiphus lässt grüßen

Die Schönheit lässt mich mal wieder zum Stifte greifen. Ja Stifte, denn einen Teil der Texte kann ich mit meinem „Pen“ ins „Note“ eingeben. Geht ganz gut. Doch zum Eigentlichen: Schönheit war in meinen letzten Schriften ein wesentliches Thema. Über den Inhalt der Bücher, die ich darüber gelesen habe und lese, habe ich mit einigen Menschen eine rege Diskussion beginnen können. Deren Verlauf möchte ich hier gerne in Teilen wiedergeben. Der Sinn und Zweck dahinter liegt in meinem grundsätzlichen „Hinterfangen“, die ehrenwerte Gesellschaft heimlich immer wieder in Frage zu stellen und Unruhe in Form von Gedankenspielen zu stiften. Der gesellschaftskritische Leser mag also gespannt weiterlesen, der interessierte Leser kann sich aufrütteln lassen.

„Schönheit ist relativ“. Sagt wer? „Man“! (mit einem „m“) Die Gesellschaft ist „man“. Also wir alle? NEIN! Dazu komme ich gleich. Welche Kräfte sind es denn, die feststellen, dass Schönheit relativ ist? Du? Ich? Die Medien? Die Trendsetter der Zeitschriften und Magazine, die Anbieter der Konsumgüter oder die Kunden der Werbeargenturen, die sich nur nach ihrer Zielgruppe, also uns, richten. Spielen die (nicht mehr ganz so) neuen Medien eine Rolle bei der Festlegung des Schönheitsmaßstabes?

Über den Einfluss der Bilderflut von manipulierten Fotos in allen Medien habe ich schon vorher spekuliert, wie diese uns selber manipulieren ebenfalls. Worum geht es also jetzt? Ich stelle die Frage nach den Trendsettern! Wer genau diktiert zum Beispiel, dass nahe der Magersucht stehende, knapp über 14 Jahre alte Modelle das Ideal der Schönheit verkörpern? Was erzeugt ein Gesicht mit deutlichem Kindchenschema im Betrachter, bei der nach jugendlich-schlanker Schönheit suchenden Masse der visuellen Wesen? Bei Männern als Zielgruppe leuchtet es vielleicht jedem ein. Männer sehen gerne „schöne“ kompatible Wesen vor sich, um dem Sinn der Menschheit Rechnung zu tragen, nämlich deren Erhaltung mit möglichst idealem Erbgut fortzuführen. So trivial mag es einerseits sein, doch ich frage andererseits, warum es temporal (im Laufe der Menschheitsgeschichte), regional (gebietsbezogen) und ethnisch (je nach Glaubensauslegung) bei den vielen Vorlieben der Menschen mal in die eine Richtung (schlank) und mal in die andere Richtung (füllig) schwenkt. Kann es nur eine Modeerscheinung sein? Ist gerade schlank in, und wechselt das, sobald wir uns daran satt gesehen haben? Dazu ist es für mich wichtig zu beleuchten, wie die Entwicklung und Veränderung in der Vergangenheit von statten ging. Um es vorweg zu nehmen, es könnte in der Tat eine Modeerscheinung sein.

Beginnen werde ich mit der Darstellung und Veränderung des Ideals in den Epochen der letzten Jahrhunderte. Ich orientiere mich anhand der bildenden Kunst und der niedergeschriebenen Erkenntnisse verschiedener Autoren. Der Tenor dieser Betrachtung widmet sich erneut dem weiblichen Geschlecht. Die Gründe dafür habe ich im Vorfeld schon hinreichend benannt.

Welche Epochen haben mir auf meiner Reise besonders viele Beispiele für die Beschreibung eines Ideals beschert? Auf das (1.) Altertum konnte ich hier schon eingehen. Dort beginnend folge ich den Epochen mit bedeutenden Malern, von denen ich eine Darstellung des Körpers fand.

313 frühchristliche Kunst

450 750 Merowingische Zeit   Beginn der Buchmalerei

750 950 Karolinger Sakramentar Karls des Kahlen

950 1050 Ottonik Fresken der Kirche St. Georg in Oberzell (Reichenau)

1050 1200  Romanik  Gemälde an Kirchenwänden und Plastiken an 

                     Kirchenfassaden

1140 – 1200 Frühgotik  Glas- und Altarmalerei

1200 – 1300 Hochgotik

1300 – 1400 Gotik, beginnender Naturalismus, Siennensischer Einfluss

( Giotto – Das letzte Gericht)

1400 – 1500 Realismus Spätgotik Bürgertum

 

Hubert van Eyck 035

(Hubert) Jan van Eyck – Kathedrale St. Bavo (vor 1426-1432)

Retable de l'Agneau mystique

Jan Van Eyck s.o.

GardenED

Hieronymus Bosch – Der Garten der Lüste (zwischen 1480 und 1505)

1400 – 1510 Frührenaissance 

File:Study for the Kneeling Leda.jpg

Leonardo da Vinci – Kniende Leda (1505-1507)

1500 – 1530 Hochrenaissance

Durer Adam and Eve
Dürer – Adam und Eva (1507)
Jan Gossaert 008

Jan Gossaert (1516)

 Galatea Raphael

Raffael – Galatea (1512)

Lucas Cranach d.Ä. - Das Urteil des Paris

Lucas Cranach d.Ä. – Das Urteil des Paris (1528)

1530 – 1550 Manierismus

Hans Baldung - The Seven Ages of Woman - WGA01191

Hans Baldung Grien – Die sieben Lebensalter des Weibes (1544)

Hans Baldung 026

Hans Baldung Grien – Zwei Hexen (1523)

 

1530 – 1560 Subjektivismus

Venus and Adonis by Titian

Tizian – Venus und Adonis (1553)

1520 – 1600 Spätrenaissance

Michelangelo (Buonarroti) – Leda (1530)

 

1520 – 1580 Spätrennaissance Tragik

Tintoretto - Penitent Magdalene - Google Art Project

Tintoretto – Büßende Magdalena (1598 – 1602)

File:Jacopo Tintoretto - Women Playing Music - WGA22668.jpg

Tintoretto – musizierende Frauen (1550-1582)

1580 – 1630 Frühbarock

El Greco 042

El Greco – Hochzeit zu Kana (um1610)

Michelangelo Merisi da Caravaggio, Saint John the Baptist (Youth with a Ram) (c. 1602, Yorck Project)

Michelangelo Merisi da Caravaggio – Hl. Johannes der Täufer (1602)

1630 – 1730 Barock Klassizissmus

Rembrandt Harmensz. van Rijn 151

Rembrandt Harmensz. van Rijn – Susanna (1636)

RokebyVenus

Diego Velázquez – Venus vor dem Spiegel (1647-1651)

The Three Graces, by Peter Paul Rubens, from Prado in Google Earth

Peter Paul Rubens – Die Drei Grazien (um 1635)

1680 – 1720 Barock

Antonio Bellucci - Danaë - WGA1846

Antonio Bellucci – Danaë (1700-1705)

1730 – 1780 Rokkoko

Boucher Diane sortant du bain Louvre 2712

Francoise Bucher – Diana nach dem Bade 1742

1730 – 1820 Spätbarock

Odysseus und Penelope (Tischbein)

Johann Heinrich Wilhelm Tischbein – Odysseus und Penelope (1802)

1770 – 1850 Romantik (C.D.Friedrich, W.Turner)

Francesco Hayez 004

Francesco Hayez – Badende (1832)

Carl Spitzweg 004

Carl Spitzweg – Badende Nymphe (1855)

1830 – 1880 Realismus (Max Liebermann)

Gustave Courbet - Lot and His Daughters - WGA5455

Gustave Courbet – Lot und seine Töchter (1844)

1850 – 1900 Impressionismus (Monet Kandinski Nolde)

File:Jules LeFebvre - Jeune peintre des masque Grec, 1865.jpg

Jules LeFebvre – Jeune peintre des masque Grec, (1865)

Henri Rousseau 004

Henri Rousseau – Der Krieg (1894)

Renoir Nude c.1872

Pierre-Auguste Renoir – Nackte (1872)

Paul Cézanne - Baigneuses (Metropolitan Museum of Art)

Paul Cézanne – Badende (1875)

1890 – 1910 Jugendstil Pointilismus (Klimt Seurat Van Gogh)

File:Georges Seurat - Les Poseuses.jpg

Georges Seurat – Les Poseuses (1888)

1907 – 1915 Kubismus (Picasso Braque)

1900 – 1930 Expressionismus (Van Goch Gogin Nolde)

1922 – 1930 Surrealismus (Dali Magritte)

1920 – 1940 Art Deco

1920 – 1970 Moderne (Warhol Lichtenstein Hundertwasser)

1950 – 2000 Postmoderne

1990 – 2013 Gegenwart

Anhand der Malereien lässt sich eine Tendenz der jeweiligen Zeit ablesen. Ich habe diese Bilder stellvertretend für mehrere Bilder der Epoche ausgewählt, es lassen sich viele Hundert mehr Bilder finden, die sich als Zeitzeugnis für die Richtung, das Verständnis von Schönheit heranziehen lassen.  Über die Körperform könnte man folgende Entwicklung in einem Diagramm darstellen:

Diagramm Körpervoumen

Wie es weiter geht, das werden unsere Kinder gestalten. Klären wir sie auf!

PS. Alle Bilder von Gemälden sind gemeinfrei!

Moralia 3 {Ursachenforschung} (47)

asba jeans hintern Mies-Vandenbergh-Fotografie

Mies-Vandenbergh-Fotografie

  Weiter geht´s mit Teil 3 von Moralia 2:    Geschrei, Zeter und Mordio! Wer fabriziert die Bilder in unserer Umgebung und unseren Köpfen?

Die bösen Medien verderben unser grundlegendes (gesundes) Verständnis von natürlicher Körperlichkeit. Ein Verständnis, das sich im Laufe unserer Prägung entwickelte. Mit all den Einflüssen unserer Vergangenheit und unserer sozialen Kontakte. Es werden überall und immerdar (nur) schöne und schlanke Körper präsentiert. In der Werbung, in den Filmen und in den Anzeigen, in den Serien und in den Shows werden ausschließlich glückliche Menschen gezeigt. In den Katalogen und Zeitschriften werden nur schöne Menschen mit Zufriedenheitslächeln und der Optik des erfolgreichen Berufstätigen abgebildet. Frauen werden sogar oft nur als hübsches Beiwerk, begleitend als Ausstattung zum Erreichen des eigentlichen Zieles hinzu addiert, oft zum männlichen Helden, der die Welt in Händen hält oder dieselbige gerade rettet. Klischees an allen Enden und Ecken lauern auf uns mündige Konsumenten, von Kindesalter an aufwärts.

Besonders beim weiblichen Geschlecht dürfen auch hier nur junge, schlanke und glücklich schauende Models „benutzt“ werden. Menschen werden reduziert auf ein künstliches Abbild eines nie da gewesenen Idealmenschen, dessen Omnipräsenz unseren Geist irgendwann schon infiltriert haben wird, wenn man den Verwendern Glauben schenken wollte. Frauen unterliegen besonders diesem Diktat, welches von Männern geschaffen worden sein soll und stets präsent gehalten werden soll, doch der Mann ist auf dem Wege, diesem Bilde nachzukommen.

Die böse Welt, in der wir leben, in der wir all das oben genannte ertragen müssen, könnte so viel besser sein, wenn wir nur davon wüssten. Oder? So könnte man vermuten. Doch ich möchte die Frage bewusst an uns stellen und einen Versuch der Antwort wagen. Enden werde ich dabei wiedereinmal bei unserer Moral. Mir wird wieder die Scheinheiligkeit unserer Gemeinschaft bewusst, die mich antreibt und nicht müde werden lässt, sie (und mich) an den Pranger zu stellen, und wenn es nur mein eigener, persönlicher sein wird.

Beginne ich also mit den unangenehmen Fragen und den fiesen Antworten:

· Wer ist der Konsument, genannt die Zielgruppe dieser Schönmenschenabbilder?

Antwort: WIR!

· Wer sorgt für die hohen Einschaltquoten von Filmen mit durchweg attraktiven Menschen und die unterdurchschnittlichen Quoten bei Filmen mit durchschnittlich attraktiven Menschen?

Antwort: WIR!

· Wer kauft die an Tieren erprobten Schönheitscremes und Haargeeltuben im Supermarkt?

Antwort: WIR!

· Wer verschlingt die neuen Klatsch und Tratsch – Kolumnen in den TV, Netz und Print Medien?

Antwort: WIR!

· Wer klickt im Netz millionenfach auf die Bilder der reichen und besonders die Bilder der schönen Männer und Frauen?

Antwort: WIR!

So ist die Reihe fortzuschreiben, jeder von uns weiß es selbst am besten. Warum ist es so?

Wieder ein paar Fragen dazu:

· Willst Du durchschnittlich schöne Menschen im Fernsehen sehen?
· Kaufst Du Produkte, die mit unterdurchschnittlich attraktiven Gesichtern beworben werden?
· Wenn Du es Dir aussuchen könntest, wärest Du lieber überdurchschnittlich schön oder weniger schön?
· Was unternimmst Du alles, um Deine Attraktivität zu erhalten oder zu steigern?
· Wie viel von Deinem mit Deiner Lebensenergie erwirtschafteten Geld bist Du bereit, für Deine Schönheit, also deren Erschaffung, Erhaltung oder Verbesserung zu opfern?

Und nun zum Eingemachten!
Erneut ein paar Fragen!

· Hast Du einen attraktiven Menschen zum Partner?
· Hast Du Dich „schön“ gemacht vor Euren ersten Treffen?
· Kleidest Du Dich vorteilhaft, wenn Du ausgehst?
· Um einen Menschen zu beeindrucken, zeigst Du Dich von Deiner alltägliches Seite, nämlich so, wie Du bist, oder spielst Du eine Rolle?

Auch hier könnte ich viele weitere Fragen stellen. Es würden vermutlich immer die gleichen Antworten folgen, nämlich der Mensch steht in Konkurrenz zu seinen Mitmenschen, meint es zumindest. Daher stellt er sich in einem Licht dar, das „anders“ scheint, als das Licht der anderen. Nicht gänzlich versteht sich dabei, denn mit der Mode geht der Mensch sehr wohl, es kann nur keine ältere Mode sein, denn wenn der Mode alle nachgekommen sind, so ist es keine Mode mehr. Dann muss schon etwas Neues her, das den Menschen erneut aus der Masse abhebt. Die kleinen Zeichen, die den eingeweihten als Erkennungszeichen für ihr Modelabel dient, sind von höchster Wichtigkeit bei der alltäglichen Modeschau der Straße. Was früher(und noch heute) ein kleines (riesiges)Reptil war, ist heute ein ausgestorbener Dickhäuter oder ein schlaues Waldtier, wer nicht so reich betucht oder auf vermutlich nicht so hohe Qualität bedacht ist, greift auf eine Tierspur zurück, um etwas auszusagen.

Um all das auf den Punkt zu bringen:

Der aktive Mensch entwickelt sich ständig weiter. Er unterliegt Veränderungen, die er selbst hervorbringt. Er strebt immerfort nach “ M E H R “ !  Mehr Haben, mehr sein! Zufriedenheit wird in dieser Gesellschaft immer mehr zu einem „knappen Gut“, weil gleichgesetzt mit Stillstand. Der Mensch entwickelt sich also. Er möchte schöner sein. Er möchte reicher sein, mächtiger, beliebter, glücklicher, …  . Er möchte sich besser fühlen! Möchte sich ernsthaft jemand schlechter fühlen? Nein. Was tue ich, um mich mein Leben lang immer ein bisschen besser zu fühlen?  Ich unternehme Dinge, von denen ich denke, dass sie dazu führen, mich besser zu fühlen. Mich glücklicher zu fühlen.

Was das ist, das erkennt jeder selbst, oder es wird ihm vorgelebt, jedem in seinem Habitat auf eine bestimmte Art und Weise und er kann es kopieren. Er kann natürlich versuchen, es selbst herauszufinden, doch dafür müsste der Mensch die ausgetretenen Pfade verlassen. Der ignorante, bequeme, dekadente Durchschnittsbürger der westlichen Zivilisation steht dabei vor einem Dilemma. Er muss sich bewegen! Körperlich und vor allem geistig und seelisch! Das ist anstrengend. Sehr anstrengend. Sich im Strom treiben zu lassen, als Fähnchen im Wind ist doch so bequem, hatten wir schon des Öfteren, mit einer Tüte Chips auf dem Sofa ist schon verdientes chillen, oder. „Ach, ja, geht doch auch so…!“ Ja, mich mich, mich. Von den anderen ganz zu schweigen. Ich möchte an dieser Stelle nicht noch darauf eingehen, was der Zwischenmenschlichkeit und Empathie geschuldet hinzu kommt, das werde ich gerne in einem weiteren Beitrag tun.

Der Mensch möchte das positive Erlebnis, die positive Erkenntnis, die positive Veränderung seiner Bilanz auf dem Konto der Gefühle, des Aussehens, des Habens, der Zufriedenheit. Erreichen wir diese positive Bilanzierung mit negativen Erlebnissen oder mit guten, schönen, erfolgreichen Inhalten? Ich bin in einem Zustand, in dem ich denke, es werden die positiven sein!

Das gestaltet sich beispielsweise so:

Ich sehe im Fernsehen viel lieber schöne Menschen. Ich habe lieber eine schöne Frau zu meiner Ehefrau. Ich habe viel lieber einen schönen Ehemann zum Mann. Ich habe lieber gutaussehende Freunde. Ich habe lieber schöne Kinder. Ich sehe mir lieber schöne Bilder an. Ich gehe lieber gutes Essen zu mir nehmen. Ich fahre lieber schöne Autos. Ich ziehe lieber schöne Kleidung an. Ich sehe lieber schöne Tiere im Zoo an. Ich sehe lieber schöne Menschen auf der Straße. Ich gehe lieber ins Kino, wenn dort schöne Menschen eine Rolle haben. Ich sehe mir lieber schöne Pflanzen in der Natur an. Ich gehe lieber durch schöne Wälder. Ich laufe gerne in schönen Schuhen. Ich trage gerne eine schöne Armbanduhr. Ich sehe lieber schöne Zähne beim Gegenüber. – Wie lang kann die Liste werden?

Ist das alles wahr? Manches ja, manches weniger, manches nicht. Jeder kann für sich selbst überdenken, was er oder sie bejahen würde und was nicht. Und was ist die Folge davon?

Friedrich Schiller schreibt im übertragenen Sinne in seiner „Kalias“ dazu: Schönheit hat zwei Gesichter, nur eines ist die wirkliche Schönheit, die nämlich der Natur: Eines ist diese Schönheit der Natur, die da wirkt aus ihrem Naturell und frei ist von jedem Zweck! Eine andere ist die Schönheit des Zweckes, die nur deshalb entstand, weil sie den Zweck einer Sache hervorhebt („Ein Werk (Gebäude) kann deswegen nie ein ganz freies Kunstwerk sein und nie ein Ideal der Schönheit erreichen, weil es schlechterdings unmöglich ist, an einm Gebäude, das Treppen, Türen, Kamine, Fenster und Öfen braucht, ohne Hilfe eines Begriffs auszureichen und also Heteronomie zu verbergen.“, Kalias oder über die Schönheit, Friedrich Schiller, 1793). Der Mensch als Naturwesen, so verstehe ich Schiller, ist ein Wesen beider Schönheiten, denn ihm obliegt die Schönheit der Natur und des gerichteten Zwecks des Fortbestandes, mehr jedoch entspricht er der Natur. Dabei kann das nur im unbekleideten Zustand der Fall sein, denn Kleidung ist bereits zweckgerichtet, wobei die Art der Kleidung mal mehr, mal weniger von der Natur des Menschen erkennen lässt. (natürlicher = schöner im Sinne der Natur???  –  Oh, ich meine: hat was!  🙂 )

Möchte ich (an)gesehen werden/sein, so muss ich mich entsprechend verhalten! Jeder Mensch möchte wahrgenommen werden, es ist existentiell! Warum reicht nicht die Kutte der Mönche? Naja, Jeans und Pulli? 😉 Nun, dann müssten wir uns über unseren Geist und über unser Herz definieren. Wahrlich nicht einfach! Und vernichtend? Wer weiß? Wir lieben die Schönheit in allen Belangen und unsere Moral ist so zweigleisig, man könnte glatt von Doppelmoral sprechen. Nicht? Sein und Haben in reinster Form leiten uns in die Irre, wenn wir nicht unser Gehirn und unsere Gefühle (be)achten. Richtiger wäre es sogar, wenn wir von leiten lassen sprechen, denn der Mensch war ja ein grundlegend dekadentes Wesen, nicht wahr? 😉 Jeder hat seine eigene Moral und sucht sich im Falle eines Falles die für ihn bequemste heraus. Wo das hin führt, beschreibt schon wieder einen neuen Bereich, der einen neuen Artikel nach sich ziehen wird 🙂

(Epilog 😉  Ich sehe gerne hin und wieder einen wohlgeformten Hintern an und freue mich, dass es viele Frauen gibt, die diese Schönheit hin und wieder gerne zeigen.