Ich bin, also spreche ich? (203)

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Du kommunizierst mithilfe deines Körpers, nicht anders. Alle Ergebnisse, alle Entschlüsse verkündest du durch oder mit deinem Körper, sei es gesprochen, geschrieben oder gehandelt, in manchen Fällen vielleicht bekundet durch Nichthandeln.

Es folgen zunächst einige Prämissen für eine kleine, gedankliche Herleitung: Menschen leben. Leben bedeutet, dass sich etwas entwickelt. Entwicklung heißt Veränderung. Leben bedeutet Bewegung. Bewegung bedeutet Verschiebung von Masse. Dazu braucht es Raum, Raum der nicht unendlich verfügbar ist. Leben bedeutet Wahrnehmung. Lebewesen nehmen wahr und reagieren. Veränderungen von Positionen sind die Folge. Jede Aktion verändert etwas, Statik wird zu Dynamik. Manchmal verändert sogar eine Nichtreaktion, wenn sie konträr verläuft. Wenn eine Nichtreaktion im Gegensatz zu dem steht, was zu erwarten ist, wird sie umgehend zur Reaktion.

Veränderung ist für den Menschen stets materiell. Ort, Materie, Zeit. Immer. Es beginnt mit den drei grundlegenden Defizitbedürfnissen:

▪ Nahrung
▪ Atmen
▪ Schlafen

Der Mensch existiert, lebt aber erst durch den Ausdruck seines Körpers. Ohne die o.g. Defizite dauerhaft und fortlaufend zu beseitigen, kann der Mensch nicht leben, vielleicht existieren. Anschließend folgen weitere Bedürfnisse, die dem Menschen seine Existenz erst weiter ermöglichen:

▪ Wohnung
▪ Sicherheit

Vorerst möchte ich gedanklich nur bis hier her gehen. Ohne dabei zu bestätigen, dass es weitere Bedürfnisse gibt, die den Menschen ausmachen, wie z.B. soziale Bindungen oder Selbstverwirklichung. Dies wäre der nächste Schritt. Bleibe ich in diesem Beitrag beim ersten Schritt und dessen näherer Betrachtung.

Es geht also bei der Existenz des Menschen, der durch oder mit seinem Körper kommuniziert, immer um das Materielle. Gedankenübertragung? Noch Fehlanzeige! Das es ausschließlich körperlich effektiv ist möchte ich aus folgender Sichtweise herleiten: Jede Aktion und auch jede Reaktion bedeutet eindeutig, dass der Mensch eine Veränderung wahrgenommen hat. [Du schaust hin oder weg.] Dieses gelingt ihm nur unter Zuhilfenahme seiner Sinne [Augen]. Es sei dabei einerlei, ob die Veränderung von materieller oder energetischer Herkunft ist, letztendlich ist Energie nur eine andere Form der Materie und umgekehrt. Den physikalischen Nachweis dafür haben andere schön längst erbracht, das möchte ich hier nur übernehmen.

Dazu lege ich einige Beispiele zur Erläuterung dar. Jedwede Gedanken, alle Gefühle, die eine (Re-) Aktion im Menschen zur Folge haben, entstehen aufgrund einer Wahrnehmung. Diese Wahrnehmung ist nur dann möglich, wenn der Mensch seine Aufmerksamkeit dafür erübrigen kann. Sitzt du seit 6 Stunden bei -24°C auf einem zugigen Bahnhof, so wirst du die Schönheit einer schneebedeckten Landschaft anders empfinden, als aus dem wohltemperierten Foyer eines Berghotels.

So tritt dieser Reiz von außen auf den Menschen ein. Etwas berührt ihn, ein Signal beliebiger Art überschreitet seine Wahrnehmungsschwelle. Ist dieser Reiz erst einmal aufgenommen, so löst dieser irgend eine beliebige Reaktion aus. Die Reaktion kann ein Gedanke sein, ein Gefühl oder auch ein Reflex. Die Reaktion kann ferner in einer unmittelbaren Tat münden oder jemand ist nachtragend oder auch besonnen. 😉 Festzustellen ist es beim Anblick des Menschen. Du siehst, was du ausgelöst hast, manchmal mehr, manchmal weniger. Aber auch einer der anderen Sinne kann diese Reaktion deines Gegenüber wahrnehmen. Du kannst es hören, riechen, oder schmecken. Oder spüren. Hand drauf! Ich umarme dich.

Etwas Äußeres trifft unsere Wahrnehmung, ausgelöst wurde es von unserem Gegenüber, wenn es ums Zwischenmenschliche geht. In uns entstehen dadurch Gefühle, wie auch Gedanken, oder aber viele Zwischenabstufungen davon, wie Eindrücke, Ideen oder physische Reize. Die Dauer kann von Millisekunden bishin zu Stunden oder länger sein. Es sagt vorerst nichts über die Qualität aus.

Doch was immer auch in uns entsteht, solange keine Reaktion von uns darauf erfolgt, irgend ein wahrnehmbares Zeichen gegeben wird, solange gilt es als nicht existent, nicht angekommen {Sender}, nicht wahrgenommen {Empfänger} oder ignoriert. Nur durch Reaktion, die ausschließlich rein materieller Natur sein KANN, muss sie doch einen Empfänger haben, erfahren wir eine Wirkung unseres Daseins. Das kann in Form eines Lächelns sein, man kann schreien oder lachen, schweigen oder böse drein schauen, flüchten oder sich putzen, essen oder kämpfen.

Der Körper reagiert. Niemals geistig, immer durch seinen Körper, indem er handelt. Und denkt er tausend Gedanken und durchlebt Höllenqualen in seinem Herzen, ohne eine körperliche Reaktion sind sie nichts. Deine Liebe mag universell sein, ohne sie zu materialisieren in Form einer Handlung ist sie fiktiv und unsichtbar, nicht da, nicht vorhanden. Hast du sie nicht durch deinen Körper ausgedrückt, ist sie nichts! Willst du etwas erreichen, handle!

Körperwahrnehmung, Teil V (194)

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Wie reagierst Du auf Ärger? Wie auf Freude? Kann man es dir ansehen? Wie siehst du aus, wenn du glücklich bist? Wie, wenn du traurig bist. Was sagt dein Körper, wenn dich jemand tröstend in den Arm nimmt. Oder liebevoll? Gut, oder!? Aber: wie oft passiert das dir noch? Statistisch gesehen: Ein Trauerspiel!

Im fünften Teil geht es um deine körperlichen Reaktionen, und das, was du daraus machst. Erkennst du die Sprache deines Körpers? Oder bügelst du ihn schon mal glattweg nieder? Triumphiert dein Geist oft über deinen Körper, deine Intuition, dein „Bauchgefühl“? Dann geht es dir, wie mir. Ich bin zu oft ein schrecklich verkopfter Mensch. Bauchschmerzen ja, aber nein, ist vollkommen unlogisch! 🙂

Wie hängen deine Empfindungen mit Berührungen zusammen? Eng. Aber warum? Hierzu möchte ich etwas ausholen. Ein kritischer Barde, dessen Name mir gerade nicht geläufig ist, vielleicht André Heller in seinem Wintergarten, besang schon vor 20 Jahren in einem seiner Lieder den Zustand des eklatant zunehmenden Materialismus: „Früher streichelten wir über Körper, heute über Waren.“ Niemals zuvor in der Menschheitsgeschichte litten die Menschen derart unter Berührungsarmut wie heute, so stellen es aktuelle Erhebungen sehr eindeutig heraus. Nicht nur in New York finden Kuschelparties statt, bei denen gänzlich ohne sexuelle Absichten nur eng miteinander gekuschelt wird, nie haben professionelle Berührer derartig Hochkonjunktur.

Wie ergeht es dir? Wie reagierst du auf die Reize deiner Umwelt, welche Reaktionen (er-) kennst du von deinem Körper? Stellen sich bei dir hin und wieder deine Nackenhaare auf und läuft dir ein Schauer über den Rücken? Steigt dir das Blut in den Kopf, errötest du, wenn du dir unangekündigter und bedeutsamer Dinge gewahr wirst? Viele Menschen unterdrücken zu oft diese Signale des Körpers. Forscher aus den USA haben bestätigt, dass die ausbleibenden Wahrnehmungen körperlicher Reaktionen zu psychosomatischen Erkrankungen führen können. Das beginnt bereits bei kleinen Anzeichen körperlicher Widerstände auf kleinste Reize, die wir so kaum noch wahrnehmen. Beispielsweise kleinste Widerstrebungen etwas bestimmtes zu berühren sind solche Zeichen, auch außerkulturelle Berührungen führen zu starken Irritationen. Letzteres wird als Phänomen in unseren westlichen Ländern bestätigt, in denen körperliche Berührungen nur in sehr engen Grenzen moralgesellschaftlich akzeptiert ist.

Gleiches gilt für die andere Richtung, die mehr noch das Thema dieses Beitrags ist: mangelnde Aktion, immer stärkere Zurückhaltung mit zunehmendem Entwicklungsstand entfremdet uns zunehmend von körperlichem Dasein. Was du als Kind zu Beginn deines Lebens gar nicht anders vermochtest wird derart stark reduziert, so dass es tatsächlich zu psychosomatischen Störungen kommen kann. Als Kind, besonders als Kleinkind musstest du alles begrapschen, viel mehr, als deinen Eltern lieb war, sogar in deinen Mund stecken. [Kinder aus unserer Nachbarschaft haben, weil sie keinen Kaugummi essen durften, diese von der Straße abgekratzt und mir viel knirschen versucht zu kauen.]
Du entdecktest als Kind die Welt um dich herum mit deinen Händen. Du fühltest, was unterschiedlicher Temperatur war, welche unendlich viele, haptische Variationen Dinge hervorbringen konnten. Samtig weich, glibberig feucht, scharfkantig spitz waren Objekte aller Art für dich äußerst spannend zu erforschen.

Auf der anderen Seite erfuhrst du über deinen Körper eine sensorische Vielfalt der Berührungen. Streicheleinheiten sowie Kuschelpartien waren an der Tagesordnung, nahezu jeder Elternteil weiß, wie wichtig diese körperlichen Aktionen für die seelische Entwicklung ihrer Kinder sind. Was mit der Zeit der Adoleszenz immer weiter weg verlagert wird, weg von den Eltern, hin zu Freund und Freundin, verliert sich heutzutage zunehmend mehr und mehr und mit zunehmendem Alter überdies.

Unser größtes Sinnesorgan verliert zunehmend an Stimmulierung, Wissenschaftler beschreiben es als dramatischen Akt: Statt der Berührungen geht der Mensch der westlichen Welt seiner liebsten Freizeitbeschäftigung nach, dem Fernsehen, und kompensiert den Mangel mit der tütenweisen Zufuhr von Salzgebäck. Stichwort „Ersatzbefriedigung“. Da bezieht sich nicht nur auf das Salzgebäck, auch Waren aller Art dienen dem gleichen Zweck. Berührst du deinen Partner so oft, wie dein Smartphone? 😉

Im Vergleich der Geschlechter kommen bei diesen Untersuchungen die männlichen Exemplare der Menschen noch viel schlechter weg, als die weiblichen. Der Mann, erfolgreich, hart, technikaffin, die Frau schön, zart fürsorglich. Körperliche Zuwendung gilt als weiblich, ob es in Berufen ist (Pflege, Fürsorge, Frisörin, Männer gelten in diesen Bereichen weniger als männlich, gerne als weichlich, auch homosexuell, sie sollen die „Macher“ sein, kernig, handwerklich, technisch versiert.) oder im Umgang mit anderen Menschen. Zwar ist auch bei Frauen die körperliche Auseinandersetzung offen rückläufig, doch die allgegenwärtige Beschäftigung mit der Schönheit erlaubt die Behandlung des Körpers in allen Bereichen, in jedem Alter, und in allen Regionen. Die Schönheit lässt sich, so der „gesellschaftliche Konsens“, so über den Körper ausdrücken. Dazu brauch dieser Behandlung. Dazu darf er berührt werden, lange berührt werden.

Hier möchte ich mit einem Einwand diesen Artikel beschließen. Wenn wir uns alle, also auch du, wieder mehr um unsere Empfindungen kümmern würden, so sehe ich einen guten Weg, das Leben wieder wärmer, zärtlicher, menschlicher zu gestalten, was sich definitiv auch in unserer Psyche ausdrücken würde. Zufriedenheit wäre dein Erfolg.

P.S. besonders herzliche Grüße möchte ich hier an „tigerfour“ richten, der aus luftigen Höhen unermüdlich daran erinnert: das „küssen nicht vergessen“! 🙂

Körperwahrnehmung, Teil I (190)

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Körper – ein spannendes Feld. Was fühlst du, wenn du an deinen Körper denkst. Liebst du ihn, hasst Du ihn? Wie gehst du mit ihm um? Oder ist er dir egal. Ist er nur Transportbehälter für deine Seele? Oder Formungsobjekt aus deinem Anspruch an einen sozial funktionierenden Mechanismus?

Wie siehst du deinen Körper? Wie erfährst du deinen Körper im Laufe deiner Menschwerdung? Wie empfindest du die Unterschiede zwischen dem öffentlichen Bild von Körpern zu deinem eigenen Körper? Akzeptierst du deinen Körper? Siehst du ihn als deinen Körper an und in wie weit lässt du ihn Anschauungsobjekt und Spielobjekt für andere Menschen sein.

Zunächst eine Festlegung von mir: ich spreche im folgenden vom Körper des Menschen, und meine dabei sowohl den der Frau wie den des Mannes. Obwohl es in der Körperwahrnehmung kulturell und gesellschaftlich nachgewiesenermaßen Unterschiede zwischen den Geschlechtern gibt, werde ich diese nur dort explizit differenzieren, wo es mir unumgänglich erscheint. Sonst folge ich zuverlässig der Devise, dass wir in erster Linie Menschen sind. 🙂

Wie ergeht es dir mit deinem Körper? Ich hoffe und wünsche dir, du fühlst dich, und nimmst dich als das wahr, was du bist! Dein Körper ist in erster Linie Schnittstelle! Schnittstelle zwischen Geist und Wesen, zwischen innen und außen, zwischen dir und allen anderen Menschen, zwischen deiner Idee und der Erde, die du bereicherst, formst, gestaltest und erhältst mit deiner Existenz. Schnittstelle zwischen dem Materiellen und der Idee von Menschlichkeit. Prinzipiell bist du der Mittelpunkt des Universums. Es kann nur so sein. Es geht gar nicht anders, denn ohne dich gäbe es das Universum nicht! Logisch, oder?

Dein Geist sagt dir sicherlich andere Wahrheiten, du hast gelernt, dass die Welt, das Universum, alle anderen Menschen auch dann noch existieren werden, wenn du nicht mehr da sein solltest. Schließlich bist du auch noch da, obwohl andere Menschen ihren Körper bereits verlassen haben. Ja, das bestätige ich dir. Doch wenn du überlegst, was die Seele, die ihren Körper verlassen hat, wohl dazu sagt, so wird es ein spannendes Unterfangen.

Was ich damit sagen möchte, ist folgendes: Es geht hier um deinen Körper, um dich, und es geht um die Wahrnehmung der Umwelt durch deinen Körper. [Zwischenbemerkung: das oder ob es noch andere, körperlose Wahrnehmungen gibt, sei dahingestellt. Auch, wenn ich davon überzeugt bin, endet auch diese Wahrnehmung in unseren Gedanken, Gefühlen, Intuitionen.] Wenn dein Körper nicht mehr da ist, kommunizierst du nicht weiter. Wenn dein Körper eingeschränkt ist, findet auch Kommunikation eingeschränkt statt. (Dazu später mehr) So ist dein Körper ein Medium, du kommunizierst passiv, so z.B. über unbewusste Gestik, Mimik, Körperhaltung, Kleidung und Statur und auch aktiv über Worte, Blicke, Bewegung, Berührungen, Handeln oder Nichthandeln. Es geht mir darum, dies im einzelnen zu beleuchten, eine Verbindung von Körper und Psyche zu entdecken.

In weiteren Beiträgen werde ich die Fragen von oben aufgreifen, deren Beantwortung unter Einbeziehung einschlägiger Literatur und diversen Forschungsergebnissen eine spannende und interessante Materie ist. Demnächst 🙂