Die Brücke [121]

Manchmal geschieht so etwas einfach so, ohne, dass eine Absicht dahinter steht. Man fühlt eine tiefe Verbundenheit, und diese erblüht in mannigfaltiger Weise. Der Intellekt tritt dabei zurück. Die entstandenen Gefühle können dabei ausschließlich in Worte gefasst werden, weil ein Blick, eine Berührung, ein Lächeln, das Tauschen des größeren Eises für das kleinere Eis als Intuition besteht. Die entstandenen Gefühle, die keineswegs fiktiv sind, fließen durch Worte als direkten Kontakt der Seelen. Dieser Teil des Herzens fühlt, er denkt nicht. Zumindest nicht in diesen Momenten, da es präsent ist. Wenn dann wieder der Kopf, der Geist – nicht als Gegenpart, eher als Ergänzung – Einzug hält in die Gedanken, dann spürt man diese Größe und wird durch das, was gerade geschieht oder eben nicht, erinnert, an die Realität, den Tag, die Zeit, das Leben im Alltag, wovon das Herz nichts weiß. (Was richtig und gut ist) So gibt es ein Auf und Ab. Das Herz schlägt bis zum Hals, es kann nur fühlen, der Verstand wägt ab und relativiert, bringt die Lebenserfahrung mit ins Spiel und so ist er wieder da, der alte und von Shakespeare so tief und ergreifend beschriebene Abgrund unter der Brücke der Herzen.

Intermezzo (Reisen formt den Charakter, Teil 4) Panamá

Foto Reisebericht Reisefotograf Abenteuer

Mein Fußweg nach Portobelo

Panama, die Tage der Begegnung.

Dies hier soll ja kein Reisebericht in Tagebuchform werden, mehr eine Erzählung von Erlebnissen. Erlebnisse, die ich während meines Aufenthaltes in Panama erleben durfte, die für mich ganz besonders waren, weil sie sehr viel mit Menschlichkeit zu tun haben. Also kein Reisetagebuch, Auch, wenn einige Szenen einem solchen ähnlich sein können. Schon mein letzter Beitrag wies viele Elemente eines Tagebuchs auf. 🙈

Fotograf Reisebericht Reisefotograf Kokosnuss

Leben erwecken (Kokosnuss)

Meine allmorgentlichen Fußwege von meinem Wohnort zum Veranstaltungsort verdienen eine besondere Erwähnung. Das meine ich deshalb, da die Menschen auf den vielleicht insgesamt fünf Kilometern fast jeden Morgen zugegen waren und sehr freudig grüßten. Als ich eines Morgens direkt zu einer Familie hin ging, um ein Foto zu erfragen, waren sie ganz stolz und posierten sogleich dafür. Ich bedankte mich und sprach sie noch auf die wunderschönen Blüten vor ihrem Hause an, doch sie bedeuteten mir, dass es nichts besonderes wäre, mehr so als Unkraut gesehen wird, es sei denn, man könne es essen. 😊 Ein großer Marañon Baum

stand im Vorgarten, dessen Früchte sehr schmackhaft waren. Sie pflückten mir eine Frucht, die ich, in der Kirche angekommen, mit meinem Freund und anderen teilte. Mein Freund stellte eine gewisse Ähnlichkeit zum Geschmack einer Birne fest. „Etwas herber, dennoch süß und mit Kern“, sagte er. Wenn ich es richtig verstanden habe, hat die Marañon etwas mit Cashews zu tun. Werde ich noch nachgucken.

Bevor ich meinen Fußweg fortsetzte dankte ich ihnen herzlich für die Freundlichkeit und für die Frucht, begab mich wieder auf die Straße nach Portobelo.

Fotografie Haus Panama Portobelo

Haus in Portobelo

Von dieser Straße aus konnte ich manchmal in eine Art Dickicht blicken. Es sind Grundstücke, die brach liegen, auf diesen erobert der Djungel langsam wieder seinen Raum zurück. Viele unsere Zimmerpflanzen sind zu erkennen, beispielsweise Philodendron und Croton, diese alle nur viel größer und prächtiger. Mich beschleicht eine vage Ahnung, was mit hoher Luftfeuchtigkeit gemeint ist, wenn in der Pflegeanleitung oder in Büchern das Wort zu lesen ist. Derart feucht haben es die Pflanzen wohl nur in der Natur wie hier oder in botanischen Gärten. Sie gedeihen hier wahrlich wunderbar.

Angekommen in der Kirche von Portobelo, San Felipe, setze ich mich auf eine Bank in den Durchzug, alle Türen sind weit geöffnet, Hunde steifen durch die Gänge, wenige Menschen sind hier. Ich sitze mit ausgebreiteten Armen, genieße außerordentlich den atlantischen Seewind, der in den ganzen Tagen stets eine leichte Brise durch das Kirchenschiff schickte. Für die Gottesdienste haben die Bewohner noch groß – dimensionierte Ventilatoren über den Reihen der Kirchenbänke angebracht, gegen die der Pfarrer während des Gottesdienstes jedes Mal erst ankommen musste, denn sie waren wirklich nicht leise.

Der erste Tag stand ganz im Zeichen eines herzlichen Willkommens, unsre Volontarios widmeten sich ganz unserer Ankunft und dem Kennenlernen der Stadt und den Menschen. Es waren zumeist junge Menschen zwischen 15 und 25 Jahren. Sie bereiteten viele Programmpunkte für uns vor und ließen in uns ein sehr warmes Gefühl der Willkommens – Kultur des Landes Panama entstehen.

Wir besuchten wieder die Festungsanlage, ein Museum für die Figur des „Jesus Negro“, des schwarzen Jesus, dessen Geschichte in Portobelo eine große Bedeutung hat. Mittagessen und laufend genug Getränke wurden gereicht, anschließend gewährte man uns freie Zeit zur Erkundung des Ortes. Diese nutzten wir, um ein wenig die Beine im karibischen Meer baumeln zu lassen.

Sprachlich begegnete uns es eine Mischung aus Spanisch und Englisch, Dolmetscher waren aber fast immer zugegen. Es verlief alles sehr ruhig und wir begriffen, dass in Panama die Geschwindigkeit eine andere zu sein schien. Sehr ansteckend, hoch infektiös! 😊 Nur manche unserer Menschen mit sehr strukturiertem Wesen kamen mit der Zeit zunehmend der totalen Verzweiflung nahe, dazu aber später mehr. Nur so viel: „Wir sind hier, leben, haben keinen Durst und Hunger, es ist nicht kalt – also alles bestens! 😉

Niemals so ganz [94]

Fotoshooting Koblenz Portrait tfpShooting

mies-vandenbergh-fotografie.de

Ein Ausschnitt des Lebens, ein Moment, der zwar im Augenblick des Erlebens real, aber schon wenig Zeit danach nur noch Erinnerung ist. Gepaart mit all unseren Erfahrungen und Erinnerungen, unseren Filtern und vor allem den gerade neuen, aktuellen Gedanken wird er relativiert, in einem fort, wird verfärbt, verblasst, erblüht wieder, wird vergessen und erneut erinnert man sich. Nach und nach verebbt er, versiegt im Sande wie die Welle am Strand, um irgendwann verschwunden zu sein. Spätestens mit uns, wenn wir nicht mehr sind.

Doch jetzt ist jetzt, in diesem Augenblick leben wir. Wir erleben unser Leben, nehmen wahr, was geschieht, sind umtriebig, reagieren und agieren so, wie wir sind. Wir leben das Leben und planen es, genießen die Zeit und schlagen sie dennoch manchmal tot. Wir blicken zurück, erinnern uns und lassen diese Erinnerungen einfließen in unser Heute! Es sind gute und schlechte Erinnerungen, einige würden wir am liebsten verdrängen, andere bleiben präsent, als wären sie gerade geschehen. Viel mehr, als wir denken, prägen uns diese Ideen, jene, die wir von Beginn an im Leben erfuhren, andere begleiten uns klammheimlich und subtil, bis wir sie ent-decken, verstehen dabei oftmals, warum manches so geschah und nicht anders geschehen konnte.

Zusammenspiel (Ein Joint-Venture) [91]

Fotoshooting, Koblenz, Portrait, tfp, Fotograf, Model,

mies-vandenbergh-fotografie.de

Unisono. Es war schön. Wir verstanden uns. Fotograf und Model. Dieses Zusammenspiel schlug sich nieder in unseren Bildern, Fotografien, die den Eindruck vermitteln, es wäre überhaupt kein Fotograf anwesend gewesen.

Wie es dazu kam ist recht kurz zu fassen: Wir kennen uns seit 2 Jahren. Haben schon zusammen gekocht nach unseren Shootings und blödeln schon mal durch die Gegend. Vielleicht entsteht solch eine Vertrauensbasis, wenn man weiß, was „dahinter“ steckt. Ganz selten funktioniert es schon bei der ersten Zusammenkunft, beim 2. Male wird es meist besser. Doch auch weniger gut kann es werden, wenn einer schlecht drauf ist. Es pendelt sich ein, meistens. In besagtem Falle funktionieren wir, reibungslos und inspirierend geht uns die Arbeit von der Hand. Die Zeit vergeht rasend schnell, es gibt relativ wenige Pausen, nur der Fotograf nervt dauernd mit Trinkaufforderungen. 😊

Andere Teilnehmer am Shooting, darunter MUA und Stylistin, sowie Helfer lassen sich da gerne anstecken, sie sind aber lange nicht immer dabei. Ich denke hin und wieder an unseren Erstkontakt zurück und schmunzle dabei. Sie ist einer derer Models, die ich auf der Straße angesprochen hatte, ihr gab ich meine Karte und alles andere fügte sich: Rückruf, erstes Treffen, erste Shootings und Familie kennenlernen, alles Standard. Nur die Art der Zusammenarbeit entwickelte sich derart leicht, was lange nicht immer so ist. Manchmal aber passt es, wie hier. Kreativität und Ausdauer, Ideen und deren Vorbereitung gehen Hand in Hand, es macht Spaß und das ist bekanntlich einer der Motoren solcher Shootings. Was will ich damit eigentlich sagen?

Dieses Beispiel dient mir als ein möglicher Maßstab für gelungene Zusammenarbeit. Langjährige Erfahrungen führen schneller zu einer solchen Arbeitsweise, aber nicht jeder hat diese Erfahrung und ich erinnere mich an meine eigenen Anfänge. Dabei ist allerdings eines sehr interessant zu beobachten: Es ist altersunabhängig, wie die Zusammenarbeit von statten geht, wie das erste Treffen verläuft, wie die Kommunikation funktioniert und wie zuverlässig ein Mensch agiert! Ich wünschte mir oftmals, dass dies alles etwas stetiger wäre. Es ist wie im richtigen Leben, auch da sind viele Kontakte von Unverbindlichkeit geprägt, Dinge laufen anders, als besprochen, Ernsthaftigkeit ist Mangelware. Warum sollte es bei den Shootings anders sein? Dass es bei manchen Menschen anders geht, freut mich ungemein. Dafür bin ich gerne bereit, mehr zu tun, in welcher Form auch immer.

Die andere Seite ist mir immer etwas unverständlich. Ich gehe davon aus, dass es sich bei einem Shooting, der Erstellung von schönen Bildern, um eine Sache handelt, die man gerne macht, die nichts mit Zwang oder Pflicht zu tun hat, die freiwillig und unter den besten Voraussetzungen stattfinden wird. Sicher ist es eine Frage von Stellenwert und Zielen für sich selbst, das ist aber bei der Erschaffung von Kunst immer die große Frage. Eine Unsicherheit ist nicht tragisch, besonders zu Beginn, doch die Frage ist, wie damit umzugehen ist.

Kommunikation! Das Hauptmerkmal der zwischenmenschlichen Beziehung. Warum liegt hier so viel im Argen? Oder kommt es mir nur so vor? Menschen schreiben etwas, sagen etwas und vergessen es scheinbar. Überall. Gibt es zu viel Ablenkung, sind wir in einer Phase der starken Wandlung, beeinflusst von einer recht neuartigen Mediennutzung, unfähig es so schnell umzusetzen, wie nötig, aus einer tatsächlichen Überforderung heraus?

Seltenst unterstelle ich Absicht, manche Exemplare nutzen es sicherlich, um zu manipulieren, leiten Dinge ganz gezielt in eine Sackgasse um sich keiner Auseinandersetzung zu stellen! Ist ja auch viel einfacher und wird schon nichts kommen, nicht wahr! Lieber leicht und oberflächlich, bloß nicht zu kompliziert, alles nicht so wichtig, just for fun, alles cool! In einer Gesellschaft des Überflusses eine scheinbar folgerichtige Situation, kommt mir eines zu nahe, habe ich tausend andere Möglichkeiten – und Menschen. (Upps, bin ich doch gerade leicht abgedriftet, das also nur am Rande 😉…)

Zurück zum Thema. Es ist spannend, wenn man sich bei einem Shooting auf den Inhalt konzentrieren kann. Fernab von Konventionen und Ressentiments, von irgendwelchen Beschränkungen, wenn die Idee im Vordergrund stehen kann und die Ausarbeitung gemeinsam angegangen werden kann. Wunderbar. Man spricht miteinander, als kenne man sich schon immer, sieht den anderen als seinen Partner für die Erschaffung von künstlerischen Aufnahmen, begibt sich in eine unbedingte Atmosphäre, in der alles frei abläuft, alles gesagt werden kann und alles besprochen werden kann. Jeder Zweifel kann kommuniziert werden, jedes Bedenken konkretisiert und beseitigt werden, damit einer freien und Umsetzung nichts im Wege steht. Damit erreicht man eine vertrauensvolle Grundlage, auf der erst das entstehen kann, was ich oben beschrieben habe: Kunst in Form und Ausdruck!

Frauen und Männer, eine unterschiedliche Sichtweise in der Fotografie? [90]

Fotoshooting, Koblenz, Portrait, tfp, Fotograf, Model,

mies-vandenbergh-fotografie.de

Sieht man Unterschiede im Bild, wenn ein Motiv von einem Mann oder einer Frau in Szene gesetzt wurde? Gibt es unterschiedliche Arten der Arbeit je nach Geschlecht? Sind womöglich erkannte Unterschiede vom jeweiligen Motiv abhängig? Eine kurze Überlegung.

Ich bin ein Mann. Keine Frau. Fotografieren kann ich ein männliches Model oder ein weibliches. Wie viele Menschen fotografiere ich aus vielfältigen Gründen lieber Frauen als Männer. Aber auch Männer fotografiere ich gerne. Damit beschränke ich es ersteinmal auf die Geschlechterverteilung, unabhängig von den Fähigkeiten der Models. Es entstehen bei einem Fotoshooting Bilder, die im besten Falle eine Geschichte erzählen. Die Bilder weisen (hoffentlich) eine Spannung auf, erwecken Gefühle, geben wieder, was empfunden wurde und erreichen den Betrachter dort, wo er es tief in sich resoniert.

Mein Weg, diese Gefühle zu erreichen, im Bild eine ganz besondere und definierte Stimmung zu erzeugen, unterscheidet sich sowieso von dem Stil anderer Fotografen, was auch gut und sinnvoll erscheint, möchte ich doch niemanden kopieren. (Wenn ich auch von den guten Fotografen (z.B.Peter Lindbergh) und Fotografinnen (z.B. Lindsay Adler) stets zu lernen begierig bin. Dies ist aber eine andere Story.) Anhand meiner Bilder erkennt man also meine Art der Fotografie und Bearbeitung, die ich natürlich im Kontext der Fotografie allgemein betrachten kann. Dabei vergleiche ich ganz unbewusst und primär ohne Suche die Stile anderer Bilder auf den unterschiedlichsten Plattformen vorzugsweise im Internet, und es zeigt sich wie beim Betrachten der Bücher und Zeitschriften zu analogen Zeiten: Ich meine einen Unterschied zu erkennen zwischen einem männlichen und einem weiblichen Fotografen.

„Klar!“, mag der ein oder andere einräumen, „Unsinn!“ ein Nächster. „Ich lege Dir eine Fotografie, ein Bild vor, und Du kannst mir sagen, ob der Fotograf weiblich oder männlich ist?“ So war die Antwort einer befreundeten Fotografin. Ich konnte es am Rechner nicht zuverlässig erkennen, als wir es durchspielten. Vielleicht ist es mehr intuitiv und es gibt Menschen, die es bestimmt sicherer können. Bei mir ist es ein mehr vages Gefühl. Wodurch aber entsteht dieser Eindruck?

Eine Frau, so sagten mir einige Models, kann bei einer Frau hinter der Kamera mehr sie selbst sein, weil es keine (wenige) sexuell definierten Belange in der Zusammenarbeit gäbe. Das wäre bei einem männlichen Fotografen anders, denn es wäre immer eine Beziehung Mann/Frau, die zwar überhaupt nicht von Handlungen derart geprägt, aber unterschwellig latent vorhanden sei. Damit sei jedoch keine Wertung verbunden, es sei nicht mal schlecht, so die Models, ist doch ein Spiel mit der Koketterie für viele Aufnahmen eine unterstützende Komponente.

Viele Unterschiede bei Arbeiten mit Männern und Frauen als Model könnte ich aus meiner Erfahrung heraus aufzählen, auch Unterschiede bei der Arbeit mit heterosexuellen oder homosexuellen Models, doch es sind stets Einzelfälle und Momentaufnahmen, individuelle Verbindungen, die in einer einzigartigen Atmosphäre stattfand, weil wir alle in diesem Moment so waren, wie wir waren und bei einem nächsten Treffen schon wieder anders uns verhielten. Parallelen bei den Zusammenkünften zu sehen fällt mir nicht schwer, obwohl ich kein Freund von Verallgemeinerungen bin, manche aber drängen sich geradezu auf.

Eine wesentliche Verbindung ist für mich die Liebe zu dem, was ich mache. Das schließt bestenfalls das Model mit ein, denn vielleicht muss ein Fotograf sein Model in einer bestimmten Art und Weise „lieben“, damit er die Empfindungen und Verhaltensweisen des Menschen vor der Kamera erspüren kann und in der Lage ist, dies in eine Aufnahme zu übertragen, damit aus der Aufnahme ein Bild werden wird. Ohne dies funktioniert zwar die technische Seite der Aufnahme, die Ausstrahlung aber bleibt auf der Strecke.

Vor kurzem las ich in einem Online-Beitrag einen Kommentar. Sinngemäß hieß es über jene Fotografen, die nur dann ein Model gut ablichten können, wenn es bei einer Größe von 175 cm eine Kleidergröße von 34 besitzt und möglichst unter 17 Jahre alt sein darf. Im Übrigen würden diese Fotografen nichts zu Stande bringen, so der Autor. Aus vielerlei Sicht finde ich diesen Kommentar zu kurz bedacht, ich möchte aber nur einen Aspekt hier aufgreifen, da er zielführend ist: Ein Fotograf, egal ob Profi oder nicht Profi, ob Anfänger oder erfahrener Amateur oder langjähriger Berufsfotograf, wird kein „gutes“ Bild bewerkstelligen, wenn eine bestimmte Beziehung zum Model nicht gelingt, der fotografierende Mensch keinen Zugang zum Wesen des Portraitierten finden kann, aus welchen Gründen auch immer. In dem Falle wird eine Aufnahme in den allerseltensten Fällen zu einem Bild. Davon quillt das Internet über, ganz extrem bei Instagram zu beobachten, und bei zu starkem Genuss dieser Plattform verdirbt man sich seinen Blick (Notiz an mich selbst: weniger dort schmökern!!😉) Augenscheinig scheint es besonders bei jenen Models zu sein, die zweifelsohne eine Reputation besitzen, die jedoch Aufnahmen in ihrem Profil zeigen, die sie mehr entstellen, als ihnen zum Geleit zu werden. Dabei meine ich nicht die mehr lustigen oder familiären Bildchen, die gerne gezeigt werden, sondern die scheinbar kunstvoll-modischen Aufnahmen, die ihre Proportionen oder Gesichtszüge erheblich verstellen. Ich denke, jeder Interessierte kann das leicht nachvollziehen.

Zurück zu Thema. Für mich hat die Herangehensweise der Fotografinnen an eine Fotografie eine größere „Leichtigkeit“, wenn ich dieses Wort dazu hernehmen kann; Das Spiel mit den Gefühlen im Bild wirkt auf mich harmonischer, die Bilder wirken auf mich tiefer. Dabei kann es durchaus laut und schrill sein (z.B. Ellen von Unwerth) aber auch leise und vertraut (Annie Leibovitz). Vielleicht ist es das Prinzip des Jägers und Sammlers im Manne, der damit eine faktische Art in sich trägt, und es mutet eine mehr vereinende und dennoch losgelöste Idee bei der Arbeit der Frauen zu finden an. Meine Worte finde ich hier nicht so recht, der aufmerksame Leser wird es vielleicht selbst besser nachempfinden können bei der vergleichenden Betrachtung, wenn ihm danach ist.

Gründe in der Art der Kommunikation zu finden ist da wesentlich leichter, reden doch Frau und Mann anders miteinander, als Frau und Frau oder Mann und Mann – immer vorausgesetzt, es geht um konstruktive Zusammenarbeit. Jeder weiß um die Unterschiede, und es soll und kann hier keine Wertung einfließen, denn dazu ist nur die Bewertung einer einzelnen Fotografie geeignet, und diese ist erst einmal neutral. Die Sichtweise scheint zwischen Frau und Mann zu differieren, es ist nicht unbedingt so, dass das durch beispielsweise die Lichtsetzung oder einen bestimmten Blickwinkel oder auch die unterschiedlichen Regieanweisungen beim Posing allein erreicht wird, es ist die daraus und aus noch Anderem resultierende Gesamtkomposition, die wiederum einzelne Elemente hervorbringen, welche mehr feminin anmuten. Was nicht heißen soll, ein Mann könne das nicht oder auch umgekeht, eine Frau könne nicht, was ein Mann kann. Eine spannende Geschlechterfrage aus dem Bereich der künstlerischen Fotografie, meine ich. Siehst Du, was ich meine?

Zeitlos [89]

Fotoshooting, Koblenz, Portrait, tfp, Fotograf, Model,

mies-vandenbergh-fotografie.de

Dein Antlitz wurde oftmals als zeitlos beschrieben. Ein Portrait von zeitloser Ausstrahlung. Dein Blick besticht ohne Einschränkung, frei, unbeugsam und entrückt. Das Bildnis mutet an, als handele es sich nicht um eine Fotografie des 21. Jahrhunderts, viel mehr um ein Gemälde aus den Zeiten weit zuvor. Nichts lässt erahnen, welche Mode gerade die angesagte oder was der letzte Schrei war und was gestern, aber nur noch gestern „in“ war.

Dein Blick fesselt mich und lässt doch los, er sagt alles, was mir, dem Betrachter, einfällt, jede betrachtende Seele scheint den Anspruch zu erfüllen. Eine Verbindung entsteht augenblicklich, fesselt mich, den Besucher. Er erweckt dieses unbeschreibliche Gefühl von Verstehen, deine bedingungslose Sprache im Bild befreit mich von jeglichen Konventionen, wie jeder Erwartung. Derart frei, dass nichts zwischen Abbildung und Verinnerlichung steht, deine Präsenz verbindet Medium und Umgebung, Betrachter und Zeit, um sich in letzterer zu verlieren.

Immer wiederkehren, in Gedanken und Gefühl, es scheint sich in einem zu manifestieren, zeitlos kommt das Bild auf mich zu, und ich erkenne wieder, was ich noch nie zuvor gesehen. Deine Fülle scheint allumfassend, so dass ich alles erkennen kann, so weit, dass ein Universum an Ideen einen Platz zum Verweilen finden. Aufgehoben mit jedem Zweifel, bestätigt in jenem Gedanken, der auf der Suche nach sich selbst fast verloren ging. Gefühle und Gedanken vereint, die Distanz überwunden, die, wenn alles stimmt, sich als inexistent erweisen wird.

Ein Bildnis ist ein Bildnis, das dem Lauf der Zeit entnommen scheint, das in sich ruht als die Erinnerung jenes Augenblickes, der beschreibt, wie es war, oder mehr noch, wie ich meine, dass es gewesen war oder wie es hätte gewesen sein können. Diese Freiheit der Interpretation entfacht die Phantasie der Seele in uns und lässt uns wachsen zu dem, was in uns verborgen liegt. Ein Schlüssel, der passt, der uns erschließt, was ungeöffnet hinter einer Wand aus Alltäglichkeiten wartet. Ein Bild ist ein Bild immer auch von uns selbst.

Im Traum begegnest Du …

… Dir selbst, Du siehst Dich, hörst Dich selbst reden, kannst Deine Handlungen beobachten und Deine Gefühle fühlen und gleichzeitig einen Standort außerhalb Deiner selbst einnehmen.
In a dream you are able to meet yourself, to watch yourself, see yourself handle and feel your feelings, and at the same time to take place outside yourself.