Filter sei Dank! Selfie-Bilder als Vorbild

Schönheits-OPs – Junge Frauen wollen so aussehen wie ihr Selfie

Deutsche Schönheitschirurgen warnen vor einem Selfieboom, der zu einer steigenden Zahl von Schönheits-Operationen führt.

http://www.deutschlandfunk.de/schoenheits-ops-junge-frauen-wollen-so-aussehen-wie-ihr.1939.de.html?drn:news_id=1008196

Intermezzo (Reisen formt den Charakter, Teil 3) Panamá

Der erste Abend in Portobelo, Panama. Señora Cristina, meine persönliche Gastmutter, empfing mich äußerst herzlich in ihrem Hause.

Fotograf Koblenz Mayen Panama

Der Weg zur Straße

Zuvor fuhren wir die fünf Kilometer von Portobelo bis zu ihrem Haus mit einem Freund von ihr. Es war schon lange dunkel, so konnte ich nicht viel sehen. Es gibt in Portobelo so gut wie keine Straßenbeleuchtung und ihr Haus, schon etwas außerhalb gelegen, hatte lediglich eine kleine Birne über dem Eingang. 30 Meter steil bergan, dann konnten wir das Haus betreten. Sie hatte für mich ein Abendessen zubereitet, eingedeckt konnte ich einen Tisch erblicken. Ich platzierte meinen Koffer an der Treppe zum Obergeschoss, nachdem mir Señora Cristina bedeutete, ich würde oben wohnen, aber könnte erst, wenn ich wollte, zu Abend essen, um mich dann einzurichten. In Anbetracht der fortgeschrittenen Zeit dachte ich ihr Angebot anzunehmen, entschloss mich aber anders, um mich vorher ein wenig frisch zu machen.

Oben angekommen hat mir Cristina das Zimmer gezeigt, mein Bad und was sonst noch oben war, zum Beispiel einen großen Balkon, von dem aus in nicht ganz so rabenschwarzer Nacht bestimmt ein sehr schöner Blick in den tropischen Garten zu erhaschen wäre. Am Morgen danach holte ich dies sofort nach.

Gartenfotografie Garten Panama Fotograf

Gardenview (The Jungle)

Noch Abend. Mein Freund rief an. Er war ebenfalls in seiner Familie angekommen und fühlte sich etwas überfordert. Seine Familie begrüßte ihn sehr freundlich und auch sie machten ihm ein Abendmahl. Allein die Umstände konnte er im ersten Moment nicht erfassen: 11 (Elf) Personen, 5 Erwachsene und 6 Kinder begrüßten ihn und wollten ihn sehen, den jungen Mann aus Deutschland, der bei ihnen die nächsten 8 Tage leben würde. Sie alle sprachen in spanisch auf ihn ein, er aber versteht nur ganz wenig von dieser Sprache. In seinem Zimmer waren die Kinder zugegen, als er sich einrichten wollte, beim Essen waren alle dabei und wollten ihn sehr freundlich befragen und kennenlernen. Da rief er mich an und fragte, was er machen solle. Er wusste sich nicht recht zu verhalten, wollte höflich und freundlich sein, wie er ist, aber es war einfach zu viel. So führten wir einige Telefonate und nach einigem Zuhören und Zureden entspannte sich die Lage, seine Gastgeber machten allmählich etwas langsamer, wie er später berichtete und es kam der Bruder des Gastgebers, der gut englisch sprach, damit wurde alles gut.

Das Haus der Gastgeber meines Freundes war denkbar einfach gehalten, es gab einige Räume, alle ohne Fensterglas, offen, manche mit Moskitonetzen, andere frei. Auch die Möbel waren sehr funktional, aber alles sehr sauber. In seinem Zimmer war sogar eine Klimaanlage installiert, die die Temperatur tatsächlich reduziert hatte.

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Houses in Portobelo

Als ich mit den Telefonaten fertig war (während des Essens gingen sie ebenfalls ein, Señora Cristina hatte vollstes Verständnis), war auch mein Freund glücklich, alsbald begann ich mich mit meiner Gastgeberin zu unterhalten, soweit es möglich war. Sie sprach ein ganz kleines bisschen Englisch ich ganz wenig Spanisch, so kamen wir über hundert Umwege und reinstes Kauderwelsch zusammen. Über den Inhalt möchte ich später gesondert erzählen, es sind viele spannende Geschichten.

Ihre Wohnung unten im Erdgeschoss war mit Moskitoschutz regelrecht „abgesichert“. Alle Spalten an den Hausöffnungen waren mit Tesafilm geschlossen worden. Zum Glück war es keine Jahreszeit für die kleinen Plagegeister, sie erzählte, in der Regenzeit aber und danach wären es sehr, sehr viele. Doch jetzt, im Januar, sind sie sehr wenige. Ich hatte Glück, andere Menschen weniger. Ich habe durchgehend bis auf einer Übernachtung in einer Polizeischule in Colon stets ein Moskitonetz verwendet, außerdem unterstützte mich ein relativ wirksames Mückenschutz-Pumpspray recht zuverlässig. (Wen es interessiert: nur 2 Stiche in den Wochen 😉)

Am nächsten Morgen hatte Señora Cristina ein Frühstück bereitet und als ich während des gemeinsamen Frühstücks fragte, wie ich am besten nach Portobelo käme, sagte sie, dass entweder einer ihrer Freund mich fahren würde, ich ein Taxi rufen könne (1$), den Bus nehmen könne (20 Cent) (der kommt irgendwann zwischen 9 und 10 Uhr) oder zu Fuß gehen könne, das würde so 50 Minuten dauern. Ich entschied mich sogleich für den Fußweg, und in den nächsten Tagen würde ich jeden Morgen bis auf den Abreisetag zu Fuß nach Portobelo gehen. So tat ich es und es war toll, trotz der hohen Temperaturen und hohen Luftfeuchtigkeit. Angekommen nach 45 Minuten und unzähligen Fotos konnte ich mich in der Kirche etwas ausruhen und abkühlen.

Die Wege in den Tagen waren jedesmal spannend, denn die Anwohner der Straße saßen ab dem zweiten Tag meines allmorgentlichen Weges immer schon in Reihe und Glied vor ihren Häusern, und grüßten alle und immer superfreundlich zurück, mit einem Lächeln und leichtem Unverständnis im Blick, und ganz oft einem Winken! Ich hob zum Gruße fast immer meinen Hut und nach ein paar Tagen ging ich einige Male zu manchen Menschen hin.

Fotograf Koblenz Fotoshooting Picture

Friendly People in Panama

Dazu später mehr.

Und mehr zur Reise im nächsten Artikel, die Vorbereitungen des Weltjugendtages, die Tage der Begegnung sollten langsam beginnen, nach und nach trafen die Jugenlichen und jungen Erwachsenen in Portobelo ein. Es sollten zwei Welten entstehen, eine die des WJT und die andere jene des Lebens in der Familie, die sich hin und wieder überschneiden sollten.

Zeitlos [89]

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Dein Antlitz wurde oftmals als zeitlos beschrieben. Ein Portrait von zeitloser Ausstrahlung. Dein Blick besticht ohne Einschränkung, frei, unbeugsam und entrückt. Das Bildnis mutet an, als handele es sich nicht um eine Fotografie des 21. Jahrhunderts, viel mehr um ein Gemälde aus den Zeiten weit zuvor. Nichts lässt erahnen, welche Mode gerade die angesagte oder was der letzte Schrei war und was gestern, aber nur noch gestern „in“ war.

Dein Blick fesselt mich und lässt doch los, er sagt alles, was mir, dem Betrachter, einfällt, jede betrachtende Seele scheint den Anspruch zu erfüllen. Eine Verbindung entsteht augenblicklich, fesselt mich, den Besucher. Er erweckt dieses unbeschreibliche Gefühl von Verstehen, deine bedingungslose Sprache im Bild befreit mich von jeglichen Konventionen, wie jeder Erwartung. Derart frei, dass nichts zwischen Abbildung und Verinnerlichung steht, deine Präsenz verbindet Medium und Umgebung, Betrachter und Zeit, um sich in letzterer zu verlieren.

Immer wiederkehren, in Gedanken und Gefühl, es scheint sich in einem zu manifestieren, zeitlos kommt das Bild auf mich zu, und ich erkenne wieder, was ich noch nie zuvor gesehen. Deine Fülle scheint allumfassend, so dass ich alles erkennen kann, so weit, dass ein Universum an Ideen einen Platz zum Verweilen finden. Aufgehoben mit jedem Zweifel, bestätigt in jenem Gedanken, der auf der Suche nach sich selbst fast verloren ging. Gefühle und Gedanken vereint, die Distanz überwunden, die, wenn alles stimmt, sich als inexistent erweisen wird.

Ein Bildnis ist ein Bildnis, das dem Lauf der Zeit entnommen scheint, das in sich ruht als die Erinnerung jenes Augenblickes, der beschreibt, wie es war, oder mehr noch, wie ich meine, dass es gewesen war oder wie es hätte gewesen sein können. Diese Freiheit der Interpretation entfacht die Phantasie der Seele in uns und lässt uns wachsen zu dem, was in uns verborgen liegt. Ein Schlüssel, der passt, der uns erschließt, was ungeöffnet hinter einer Wand aus Alltäglichkeiten wartet. Ein Bild ist ein Bild immer auch von uns selbst.

Menschsein [87]

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Menschsein. Ein einfaches wie schweres Wort.

„Willst Du mich seh’n, so schließ‘ die Augen.“ sang die Gruppe „Schandmaul“ in einem ihrer Lieder. Inspiriert durch diesen Satz, der mir sehr gefällt, komme ich auf die Frage, was das „Menschsein“ für mich ausmacht.

Einige Blogs hier gehen dieser Frage nach, und die Menschen hinter diesen Blogs stellen dabei in Frage, welches System sich bisher in ihrer Gesellschaft etabliert hat. Insbesondere gehen sie der Frage nach, wie dieses System mit der Bedeutung von „Menschsein“ umgeht. Viele junge Menschen, mutmaßlich um und über zwanzig, entdecken (gerade) die Frage nach dem Sinn ihres Daseins und ihren Platz in der Gesellschaft. Sie sind dabei diesen Platz in der Gesellschaft zu bestimmen, beginnen dabei ganz folgerichtig sich selbst zu finden, denn nur so kann man sich verorten.

Jedoch nicht nur junge Menschen sind es, auch ältere Menschen, die den Mittelpunkt ihres Lebens schon erreicht und überschritten haben, gehen diesem Gedanken nach. Tendenziell kommt das einer Art Fazit gleich. Dabei erscheint eine durchaus gleiche Fragestellung, wie sie bei jüngeren Menschen entwickelt wird, – nur die Perspektive ist eine andere – nämlich, was war der Sinn bisher und welcher soll noch folgen.

Als Mensch der zweiten Kategorie angehörig, als Mensch, der im Prinzip alles Materielle schon erreicht hat, der die Bedeutung – oder besser- relative Unbedeutsamkeit materieller Güter begriffen hat, resümiere ich ganz anders, als vor vielen Jahren noch. Dazu weiter unten mehr. Aktuell lese ich hin und wieder sehr neugierig und doch etwas amüsiert die Worte der jungen Menschen hier, und es fallen mir viele Dinge sehr intensiv auf.

Zunächst freue ich mich unheimlich, dass es immer wieder Exemplare gibt, die weiter denken, als bis zum Tellerrand oder bis zur Dorfgrenze (ganz einerlei, ob ein Dorf in der schwäbischen Alb oder das Dorf an der Düssel), die infragestellen, sich selbst, aber auch die Gesellschaft hinterfragen, in der wir leben, die Dinge beleuchten, die scheinbar unumstritten und geradezu unumstößlich daher kommen, sowie jene Sitten, Bräuche und Regeln, die sich im Wandel befinden. Ich finde in ihren Texten die gleichen Gedankengänge wieder, die mir vor 30 Jahren in den Sinn kamen. Dabei möchte ich ihnen zurufen, dass es richtig ist, Fragen zu stellen, und Antworten kommen mir in den Sinn, die ich herausbrüllen könnte, doch genauso, wie ich es damals nicht hören wollte oder konnte, wäre es heute ebenso vergeblich, dessen bin ich mir bewusst. Denn das Leben ist es, dass es einen lehrt, es nutzen keine Worte, die man hört, es sind die Gefühle, die man fühlen muss.

Wie alt muss man werden, damit der Satz „Was interessiert mich das Geschwätz der Anderen?“ verinnerlicht ist? Es ist beileibe keine Zahl, soviel ist sicher, denn mir begegneten Menschen, die waren (und sind) jung und konnten schon sehr klar unterscheiden zwischen Geschwätz und wertvollen Worten der Kritik und es gibt Menschen scheinbar reich an Jahren, die dieser Sicht entbehren!

Ein Vorteil der Erfahrungen, die man erfährt, wenn man selbstkritisch und reflektiert lebt, ist die Sicht auf die eigene Entwicklung. Erkenntnisse kommen nicht mehr nur noch geistig-theoretisch daher sondern sind erfahrungsgetränkt. Während ich in jungen Jahren beseelt von Ideen und Idealen war, arm an tatsächlichen Erfahrungen aufgrund der noch kurzen Lebenszeit, habe ich nun die Möglichkeit zu vergleichen, denn es existieren viele Texte aus meiner Jugend, Briefe, Essays, Tagebücher, die mich neben einem Schmunzeln und definitiv unglaublich simplen Peinlichkeiten doch recht klar und deutlich hinterfragen lassen, was aus diesen Idealen geworden ist. Dabei entdecke ich Parallelen in heutigen Gedanken und Gefühlen, Bestätigungen, Widersprüche und total Absurdes. Als junger Mensch, so kommt es mir heute vor, dachte ich: „Ah, eine Welle, joh, jetzt kenne ich den Ozean!“ 😂

Doch ja, was soll es?! So soll es sein, und ich meine, wie sonst soll man sich in seinen Einbaum setzen und lospaddeln! Das ist der Weg, bildlich gesprochen. Früher wie auch heute, wie es nun die jungen Menschen in ihren Texten beschreiben, steht man vor einem Berg. Man sieht ein wahres Massiv, das es zu besteigen, zu überwinden gilt, das scheinbar gefährliche Steilhänge aufweist, die unüberwindbar erscheinen, die man am liebsten umgehen würde. Es birgt enge Schluchten in sich, die so tief, wie die menschliche Seele sind, wo weit und breit keine Brücke in Sicht ist, Schluchten, die man entweder hinab und wieder hinauf steigen oder erst eine Brücke über sie schlagen muss. (Wobei zu erörtern wäre, ob ein Abstieg samt Aufstieg für die Erkenntnis nicht wertvoller sei.) Reißende Flüsse gilt es zu durchqueren, an manchen Stellen stärker, an anderen weniger stark sieht die Strömung aus, die Tiefe ist uns gänzlich unbekannt. Doch wie kommen wir hindurch oder herüber, oder gar die Frage ist zu beantworten: Müssen wir überhaupt dort hinüber?

Und heute? Ist der Berg, das Massiv mit seinen Schluchten und Wildwassern zu einer Bodenwelle geworden, die wir mit einem Schritt überschreiten können? Definitiv! Bedeutet das „Leben“? Ja! Ahnt man nun, dass die aktuellen Bergmassive und großen, reißenden Ströme morgen schon ein Hubbel und ein Rinsal sein können? Es hat den Anschein. Als Mensch in höherem Alter später wird es vielleicht zur Gewissheit.

Der eigentliche Fokus aber hier in diesem Texte liegt auf dem Wort „Menschsein“. Dazu möchte ich jetzt die Verknüpfung erstellen. Es geht mir um die Erkenntnis, dass das Wesentliche für die Augen unsichtbar ist. Dies wusste schon der kleine Prinz (Antoine de Saint-Exupéry) und Erich Fromm beschrieb es in seinem Werk sehr einfach und verständlich (Vom Haben zum Sein, Die Kunst des Liebens, u.a.), als Story existierte es gefühlt schon immer, in Romeo und Julia (Shakespeare), Tristan und Isolde (u.a. Gottfried von Straßburg) oder vom Werther (Goethe) bis hin zur West Side Story. Gehen wir noch einen Schritt weiter zurück, so finden wir einen der meistzitierten Verse der Bibel: 1. Korinther 13: Das Hohelied der Liebe!

„1 Wenn ich mit Menschen- und mit Engelzungen redete und hätte die Liebe nicht, so wäre ich ein tönendes Erz oder eine klingende Schelle. 2 Und wenn ich prophetisch reden könnte und wüsste alle Geheimnisse und alle Erkenntnis und hätte allen Glauben, sodass ich Berge versetzen könnte, und hätte die Liebe nicht, so wäre ich nichts. 3 Und wenn ich alle meine Habe den Armen gäbe und ließe meinen Leib verbrennen und hätte die Liebe nicht, so wäre mir’s nichts nütze.
4 Die Liebe ist langmütig und freundlich, die Liebe eifert nicht, die Liebe treibt nicht Mutwillen, sie bläht sich nicht auf, 5 sie verhält sich nicht ungehörig, sie sucht nicht das Ihre, sie lässt sich nicht erbittern, sie rechnet das Böse nicht zu, 6 sie freut sich nicht über die Ungerechtigkeit, sie freut sich aber an der Wahrheit; 7 sie erträgt alles, sie glaubt alles, sie hofft alles, sie duldet alles.
8 Die Liebe hört niemals auf, wo doch das prophetische Reden aufhören wird und das Zungenreden aufhören wird und die Erkenntnis aufhören wird. 9 Denn unser Wissen ist Stückwerk und unser prophetisches Reden ist Stückwerk. 10 Wenn aber kommen wird das Vollkommene, so wird das Stückwerk aufhören.
11 Als ich ein Kind war, da redete ich wie ein Kind und dachte wie ein Kind und war klug wie ein Kind; als ich aber ein Mann wurde, tat ich ab, was kindlich war. 12 Wir sehen jetzt durch einen Spiegel ein dunkles Bild; dann aber von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich stückweise; dann aber werde ich erkennen, wie ich erkannt bin.
13 Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen.“

Das Leben hat mehr mit Menschsein zu tun, als wir oftmals ahnen. Oder wissentlich unterlassen. Oder uns berauschen lassen. Ich sollte mal aufhören hier am Rechner zu sitzen und zu schreiben……

Du [61]

Ich sah dich so, wie du nie warst. Ich spürte dich so, wie du dich nie fühltest. Ich hörte Worte, die du nie sagtest. Sprachest du Worte, so verstand ich sie nicht.

Ich sah dich so, wie du nie warst. Ich fühlte dich nie, wenn du mich brauchtest. Ich hörte dich dich nie, wenn du schweigtest. Riefst du mich an, so vernahm ich nur Laute.

Ich sah dich so, wie du nie warst. Ich umarmte dich, wenn du fliegen wolltest. Ich ließ dich schweben, wenn du Halt suchtest. Wenn du dich anlehntest, war ich der Fels.

Ich sah dich so, wie du nie warst. Ich machte dir ein Geschenk, wenn du geben wolltest. Ich baute dir ein Haus, wo du ein Himmelszelt suchtest. Du zeigtest dich bloß, ich suchte für dich Kleider.

Ich sah dich so, wie du nie warst. Wenn ich mein Leben nach mir ausrichtete, so fändest du einen Pol. In uns hätte jenes erblühen können, dessen Same wir in uns trügen. Doch du sahst mich so, wie ich nie war.

(Text 1981, Foto 2018)

Eine Erläuterung des DSGVO für Fotografie aus der fc und Antwortmail des Innenministeriums (Link und Text)

http://www.fotocommunity.de/blog/fotografisches/informationen/dsgvo-fuer-fotografen?sc_src=email_2092425&sc_llid=456904&sc_lid=61546632&sc_uid=48dbSCNb7u&utm_source=Datenschutz-NL&utm_medium=Email&utm_campaign=180516

Zitat (Quelle: s.o.)

„People- & Street-Photography – Und sie lebt doch noch!
Sie lebt, die People- und insbesondere die Street-Photography. Und sie wird es auch nach Inkrafttreten der DSGVO tun. Dass nämlich die Datenschutzgrundverordnung das Fotografieren an sich, von Menschen und insbesondere die Street-Photography verbietet, dürfte zumindest für Deutschland im journalistischen und künstlerischen Bereich nicht stimmen.

Das Kunsturhebergesetz (KUG), welches die Befugnis zur Veröffentlichung von Personenbildnissen bereits seit über 100 Jahren regelt, wird weiterhin Anwendung finden und damit ändern sich – Stand heute – die Rahmenbedingungen für People-Fotografie in Deutschland im Wesentlichen nicht.

Das bedeutet im Klartext:
Darf ich weiterhin Street-Photography betreiben? – Ja
Darf ich weiterhin Stadtansichten und/oder Fotos machen, wenn Menschen als Gruppe oder Beiwerk auf dem Foto sind (Stichwort Volksfeste oder Architektur in belebten Städten): – Ja
Muss ich meine alten Fotos löschen? – Nein

Und jetzt zur Langfassung:
Ich bin schon Anfang Mai von der fotocommunity gebeten worden, zu dem Gerücht Stellung zu beziehen, dass das Fotografieren von Fotos, auf denen Menschen abgebildet sind und insbesondere die Street-Photography durch die Datenschutzgrundverordnung verboten werde.
Ehrlich gesagt war mir diese kühne Behauptung bis zu diesem Zeitpunkt unbekannt. (Dafür aber viele, viele andere, denen ich im Rahmen meiner Referententätigkeit zur Datenschutzgrundverordnung begegnet bin.) Aber ich verstand schon nach kurzer Internetrecherche die Sorgenfalten der Fotografen: Es gibt wirklich viele Veröffentlichungen im Internet dazu und die wenigsten hören sich gut an. Wenn man diese allerdings genauer abklopft, so stellt sich ein ganz anderes Bild dar.

Während ich an diesem Text saß, hat übrigens ein Mitglied der fc beim Bundesinnenminister angefragt. Und der antwortete. Und zwar genau so, wie ich die Sache sehe: Kein Problem. Die Antwort des BMI ist hinten angefügt, da um Verbreitung gebeten wurde.

1. Das Problem
Je näher die Wirkung der europäischen Datenschutzverordnung kommt, desto größer wird die Sorge vor der Veränderung. In der fotocommunity ist dabei das Thema aufgekommen, ob das Fotografieren von Stadtansichten, People- und Street-Photography künftig noch möglich sein werden. Das Problem liegt dabei darin, dass Fotos von Personen häufig genug personenbezogene Daten darstellen. Das ergibt sich schon daraus, dass die Personen erkennbar sind und ganz sicher, wenn man bedenkt, dass typischerweise der Person auch noch Datum und Uhrzeit zugeordnet werden können, vielleicht ein Aufenthaltsort, usw. Das ruft natürlich sofort Fragen des Datenschutzes auf den Plan.

Nun fällt sofort auf, dass dies ja auch bisher schon der Fall war, es offenbar aber kein Problem darstellte. Das hatte den Grund darin, dass § 1 Absatz 3 BDSG-alt eine Ausnahme enthielt: Soweit andere Rechtsvorschriften des Bundes auf personenbezogene Daten einschließlich deren Veröffentlichung anzuwenden sind, gehen sie den Vorschriften dieses Gesetzes vor.

Wie der versierte Fotograf weiß, gab es da schon immer das Kunsturhebergesetz (KUG), welches die Befugnis zur Veröffentlichung von Personenbildnissen regelte. Dieses trat dann also in den Vordergrund. Wir wendeten fröhlich das Kunsturhebergesetz an und kümmerten uns nicht mehr um das allgemeine Datenschutzrecht nach Bundesdatenschutzgesetz. Das war auch gut so, da das Kunsturhebergesetz ein seit 1907 gut abgehängtes Stück Gesetz darstellt und es tonnenweise Rechtsprechung im Spannungsfeld zwischen Persönlichkeitsrecht des Abgebildeten und Interesse des Bildnisnutzers gibt. Man weiß was man hat und das was man hat, funktioniert seit Ewigkeiten gut.

In der Datenschutzgrundverordnung findet sich auf den ersten Blick keine entsprechende Generalklausel. Das findet unter anderem seinen Grund darin, dass sich das Datenschutzrecht antizipiert: Es will sich nicht mehr vor jeder anderen Regelung wegducken. Aber natürlich kann eine europäische Verordnung auch nicht Rücksicht auf jedes nationale Gesetz nehmen.

Daraus wird dann häufig gefolgert:
1. Das Kunsturhebergesetz findet keine Anwendung mehr.
2. Die Datenschutzgrundverordnung selbst verbietet Street-Photography.

Ergo: Street-Photography ist verboten.

Beide Glieder dieser Argumentationskette sind aber zumindest stark angreifbar.

2. Zulässigkeit nach dem Kunsturhebergesetz
So einfach ist es nämlich dann doch nicht. Durchaus kennt auch die Datenschutzgrundverordnung Öffnungen für nationales Recht. Teilweise erfolgt dies, indem von Rechten oder Pflichten nach nationalem Recht gesprochen wird, die dann also auch datenschutzrechtlich relevant sind. Teilweise erfolgt dies auch dadurch, dass die Datenschutzgrundverordnung explizit zulässt, dass in nationalem Recht von ihr abgewichen wird.

Und dann gibt es da noch einen sonderbaren Fall: Artikel 85 DSGVO. Man hat nämlich in Brüssel durchaus erkannt, dass Datenschutz in Konflikt mit anderen wichtigen Freiheiten steht, namentlich unter anderem der Meinungsfreiheit einschließlich des Journalismus und der Kunstfreiheit. Nun sah man sich aber offenbar außerstande, das für Europa einheitlich zu regeln. Das mag mit vielerlei Interessen und nationalen Traditionen zu tun haben.
Jedenfalls sagt die Datenschutzgrundverordnung nichts darüber, wie diese Freiheiten mit dem Datenschutzrecht in Ausgleich zu bringen sind. Vielmehr enthält Art. 85 DSGVO den Auftrag an die Mitgliedsstaaten, also etwa die Bundesrepublik Deutschland, einen Ausgleich zu schaffen. Man liest nun immer wieder, dass dies zumindest nicht vollständig geschehen sei. Insbesondere sei das Kunsturhebergesetz kein solches Gesetz. Es wird dann ein Gesetz gefordert, welches die Fortgeltung des Kunsturhebergesetzes festlege – sozusagen ein Kusturhebergesetzweitergeltungsgesetz. Das ist aber schon eigenartig: Es soll also ein Gesetz geben, dass ein Gesetz gilt. Wieso? Das sagt keiner. Immerhin gelten Gesetze ja einfach so, also auch ohne dass ein Gesetz sagt, dass ein Gesetz gilt.

Vielleicht mache ich es mir hier etwas einfach. Denn immerhin kann man argumentieren, dass ein jüngeres Gesetz ein älteres verdrängt. „Lex posterior derogat legi priori“ (Das spätere Gesetz hebt das vorhergehende auf), wie der Jurist sagt. In diesem Falle würde also die Datenschutzgrundverordnung das Kunsturhebergesetz verdrängen, es außer Kraft treten lassen: Nur stimmt das hier nicht, da Art. 85 DSGVO ja ausdrücklich seine Nachgiebigkeit statuiert. Die Datenschutzgrundverordnung will ja, dass in diesem Bereich anderweitiges, nationales Recht gilt.

Übrigens: Das Kunsturhebergesetz ist auch deutlich älter als das alte Bundesdatenschutzgesetz. Wieso wurde es also nicht schon vor Jahren von diesem verdrängt? Genau: Weil das Bundesdatenschutzgesetz eben gerade sagt, dass es selbst nachrangig gilt. Lange Rede kurzer Sinn: Das Kunsturhebergesetz ist eine Regelung im Sinne des Art. 85 DSGVO. Damit kann es nicht verdrängt sein. Die Datenschutzgrundverordnung selbst bestimmt die vorrangige Geltung des Kunsturhebergesetzes und dazu bedarf es keines Fortgeltungsgesetzes.

Zwischenfazit:
Das Kunsturhebergesetz geht jedenfalls im journalistisch-künstlerischen Bereich der Datenschutzgrundverordnung vor und findet daher weiterhin Anwendung.

3. Zulässigkeit nach der DSGVO selbst
Ich will hier aber noch nicht aufhören. Denn könnte es ja sein, dass ein Gericht das einmal anders sieht und Kunsturhebergesetz nicht anwenden will. Dann ist es gut, eine zweite Patrone im Revolver zu haben.
Zunächst einmal möchte ich etwas in Erinnerung rufen – und aus meiner Referententätigkeit weiß ich, dass man das immer und immer wieder tun muss: Dass eine Handlung unter die Datenschutzgrundverordnung fällt, heißt noch lange nicht, dass sie verboten ist. Sogar Handlungen, die unter die Datenschutzgrundverordnung fallen und ohne Einwilligung vorgenommen werden, können erlaubt sein.
Sogar Handlungen, die unter die Datenschutzgrundverordnung fallen und gegen den ausdrücklichen Wunsch des Betroffenen vorgenommen werden, können erlaubt sein. Es ist ja nun nicht so, dass jemand nur laut „Stopp, Datenschutz!“ rufen muss und dann bleibt die Welt stehen.

Die Datenschutzgrundverordnung folgt einem im Prinzip gar nicht neuen Gedanken: Datenverarbeitung ist verboten, es sei denn, sie ist erlaubt. Das steht in Art. 6 Abs. 1 DSGVO. Dann zählt sie verschiedene Gründe für die Rechtmäßigkeit auf. Darunter befindet sich in Art. 6 Absatz 1 Buchstabe f) DSGVO auch das berechtigte Interesse. Datenverarbeitung ist also vereinfacht ausgedrückt unter anderem dann erlaubt, wenn es einem berechtigtem Interesse des Verantwortlichen (hier des Bildnisnutzers) folgt und dieses dem Datenschutzrecht des Betroffenen überwiegt.

Jetzt liest man in Veröffentlichungen, die kühn die Unzulässigkeit der Street-Photography behaupten, dass ein solches Interesse nicht rechtssicher sei. Nicht rechtssicher ist schon einmal etwas anderes als verboten. Und dann wird auch noch argumentiert, dass „anders als Journalismus oder Kunst […] etwa PR im Zweifel als Werbung einzuordnen“ sei und damit ein nachrangiges Interesse bestehe
[Horvarth – Das Ende der freien Veröffentlichung von Personenbildnissen – für die meisten von uns].

Aus „Street-Photography ist verboten“ wird also in nur wenigen Sätzen eines Absatzes „Street-Photography für PR-Zecke ist nicht rechtssicher.“ Klingt doch schon viel besser. Aber machen wir uns eigene Gedanken.
Erwägungsgrund 47 – das ist so etwas wie eine Gesetzeserläuterung – nennt Anhaltspunkte, die bei der Abwägung der beiderseitigen Interessen zu berücksichtigen sind. Da wird zum einen von der Nähe des Verantwortlichen zum Betroffenen gesprochen. Das haben wir leider in der Street-Photography nicht, was gegen deren Zulässigkeit spricht. Dann ist aber auch die Vorhersehbarkeit relevant. Schließlich wird festgestellt, dass sogar Direktwerbung von einem berechtigte Interesse getragen sein kann. Hier gibt es allerdings die Möglichkeit eines Widerspruches.

Wie ist es also in der Street-Photography? Immerhin macht der Fotograf etwas, was seit 100 Jahren zulässig ist und ständig geschieht. Das ist schon einmal ziemlich vorhersehbar. In diesen 100 Jahren war jedenfalls der bundesdeutsche Gesetzgeber immer der Meinung, dass im Rahmen das Kunsturhebergesetzes eben in bestimmten Situationen das Recht des Fotografen (oder Fotoverwerters) überwiegt.

Auch wenn das Kunsturhebergesetz nicht Anwendung finden sollte, ändert das ja nichts am Bestehen dieser Interessen. Sie sind ja genau so da, wie vorher. Es spricht also sehr viel dafür, diese seit Jahren bestehende und in Gesetz gegossene Interessenabwägung genau so weiter anzuwenden. Man könnte also dieses Interesse nur dann auf einmal zurücktreten lassen, wenn die Datenschutzgrundverordnung diesen Sachverhalt anders regeln wollte, also entgegen der bestehenden Rechtslage eine neue einführen möchte. Das kann freilich theoretisch auch sein. Nur sagt Art. 85 DSGVO aber genau etwas anderes: „Ich will mich da nicht einmischen.“ Das klingt gar nicht so, als ob die Datenschutzgrundverordnung den bestehenden Interessenausgleich abändern wollte.

Zwischenfazit:
Die im Kunsturhebergesetz vorgenommene Interessenabwägung ist auch im Rahmen des Art. 6 Absatz 1 Buchstabe f) DSGVO zu berücksichtigen und dürfte daher zu analogen Ergebnissen führen.

4. Das Anfertigen von Fotografien
Wer genau aufgepasst hat, bemerkt, dass ich eigentlich nur von der Veröffentlichung der Fotografie gesprochen habe. Davor steht aber die Anfertigung, also das Fotografieren selbst. Dieses ist im Kunsturhebergesetz gar nicht geregelt. (Und war es bisher auch nicht.)

Wenn aber die Veröffentlichung der Fotografie zulässig sein sollte – sei es, weil das Kunsturhebergesetz weiter gilt (siehe oben 2), sei es weil es ohne formelle Geltung Eingang in die Interessenabwägung der Datenschutzgrundverordnung findet (siehe oben 3.) – so gilt das erst recht für das reine Fotografieren. Denn dieses stellt einen geringeren Eingriff in die Rechte des Abgebildeten dar, muss dann also erst recht zulässig sein, weil es einem berechtigten Interesse entspricht: Wenn das Stärkere erlaubt ist, ist es das Schwächere ganz sicher. „Argumentum a maiore ad minus.“ (Vom Größeren lässt sich auf das Kleinere schließen.)

5. Fazit
Natürlich muss jetzt hier der Haftungsausschluss des beratenden Juristen herein: Wie die Gerichte einmal entscheiden werden, steht in den Sternen. Es gibt da einen schönen Witz, der das verdeutlicht:

Ein Mann fragt einen Mathematiker, einen Physiker und einen Juristen, was denn 1 plus 1 ergäbe. Der Mathematiker kommt nach Ewigkeiten der Überlegungen aus seinem Elfenbeinturm und ruft in freudiger Erregung: „Heureka, es gibt eine und genau eine Lösung!“ Der Physiker wirft seinen Teilchenbeschleuniger an, misst und misst und misst, um dann eine Theorie aufzustellen: „1,9999999873 bei zu vernachlässigender Ungenauigkeit.“ Der Jurist gibt eigentlich recht schnell eine brauchbare Antwort: „Natürlich 2.“ Dann fährt er jedoch fort: „Ich habe aber keine Ahnung, ob wir damit bei Gericht durchkommen.“

Aber was wir bis hierher wissen, spricht deutlich mehr dafür, dass Street-Photography zulässig ist, jedenfalls im künstlerisch-journalistischen Bereich.

Was mir aber wichtiger erscheint:
Den befürchteten Massenabmahnungen steht die Auskunft des BMI entgegen.
Ein Massenabmahner möchte sich nämlich nicht mit feingeistigen juristischen Auseinandersetzungen beschäftigen. Er möchte schnell bei einer großen Anzahl von Personen absahnen. Ich muss ihn also ins Nachdenken, ins Argumentieren bringen. Dann verliert er die Lust an mir. Das dürfte mir aber mit Hinweis auf die Auskunft des BMI gelingen. Also bitte Zugriff auf dieses Schreiben sicherstellen.

Aber wieso gibt es so viele negative Artikel im Internet? Dass Gesetzesänderungen Auguren auf den Plan rufen, die den Untergang des Abendlandes prophezeien, ist mir als Jurist bekannt. Das liegt zum einen daran, dass es natürlich für einen Berater einträglich sein kann, ein Problem zu benennen, das man nur selbst beseitigen kann.

Außerdem neigen Juristen zu einem gewissen Konservatismus:
Wenn sich etwas ändert, muss das schlimm sein.
Bisher haben wir es ganz gut überlebt …

Auskunft des BMI:
Sehr geehrter Herr …,
vielen Dank für Ihre Anfragen vom 30. April und 03. Mai 2018.

Eine Verbreitung dieser Antwort ist wünschenswert, sofern die Antwort vollständig wiedergeben und nicht einzelne Passagen aus dem Zusammenhang gerissen werden.

Gerne nehme ich vertiefend zu Ihren Fragen Stellung. Um Wiederholungen zu vermeiden, möchte ich jedoch eingangs erneut betonen, dass sich aus der Datenschutz-Grundverordnung (DS-GVO) und den diese ergänzenden nationalen Gesetzen keine wesentlichen Änderungen der Rechtslage bei der Anfertigung und Verbreitung von Fotografien ergeben.

Das Anfertigen von Fotografien wird sich auch zukünftig auf eine – wie bislang schon – jederzeit widerrufbare Einwilligung oder alternative Erlaubnistatbestände wie die Ausübung berechtigter Interessen (Art. 6 Abs. 1 lit. f) DS-GVO) stützen können. Diese Erlaubnistatbestände (nach geltender Rechtslage Art. 7 der geltenden EU-Datenschutz-Richtlinie 95/46/EG i.V.m. den nationalen Umsetzungsgesetzen) decken seit vielen Jahren datenschutzrechtlich die Tätigkeit von Fotografen ab und werden in Art. 6 DS-GVO fortgeführt. Die Annahme, dass die DS-GVO dem Anfertigen von Fotografien entgegen stehe, ist daher unzutreffend.

Für die Veröffentlichung von Fotografien bleibt das Kunsturhebergesetz auch unter der ab dem 25. Mai 2018 anwendbaren Datenschutz-Grundverordnung erhalten. Es sind, wie ich bereits in meiner Antwort ausgeführt habe, keine Änderungen oder gar eine Aufhebung mit Blick auf die Datenschutz-Grundverordnung vorgesehen.

Die Ansicht, das Kunsturhebergesetz werde durch die DS-GVO ab dem 25. Mai 2018 verdrängt, ist falsch. Das Kunsturhebergesetz stützt sich auf Artikel 85 Abs. 1 DS-GVO, der den Mitgliedstaaten nationale Gestaltungsspielräume bei dem Ausgleich zwischen Datenschutz und der Meinungs- und Informationsfreiheit eröffnet.
Das Kunsturhebergesetz steht daher nicht im Widerspruch zur DS-GVO, sondern fügt sich als Teil der deutschen Anpassungsgesetzgebung in das System der DSGVO ein. Eine gesetzliche Regelung zur Fortgeltung des Kunsturhebergesetzes ist nicht erforderlich. Ebenso führen die Ansätze anderer Mitgliedstaaten, die sich in allgemeiner Form zum Verhältnis von Datenschutz und Meinungs- und Informationsfreiheit verhalten, in der praktischen Umsetzung nicht weiter und führen nicht zu mehr Rechtssicherheit.
Die grundrechtlich geschützte Meinungs- und Informationsfreiheit fließt zudem unmittelbar in die Auslegung und Anwendung der DS-GVO ein, insbesondere stellen sie berechtigte Interessen der verantwortlichen Stellen nach Art. 6 Abs. 1 lit. f) DS-GVO dar. Die DS-GVO betont, dass der Schutz personenbezogener Daten kein uneingeschränktes Recht ist , sondern im Hinblick auf seine gesellschaftliche Funktion und unter Wahrung des Verhältnismäßigkeitsprinzips gegen andere Grundrechte abgewogen werden (Erwägungsgrund 4). Zu den von der DS-GVO in diesem Zusammenhang genannten Grundrechten zählt ausdrücklich auch die Freiheit der Meinungsäußerung und Informationsfreiheit.

Ich würde mich freuen, wenn die vorstehenden Ausführungen dazu beitragen, Ihnen Ihre Befürchtungen zu nehmen.

Mit freundlichen Grüßen
Im Auftrag

Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat
– Bürgerservice –“