Ich bin, also spreche ich? (203)

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Du kommunizierst mithilfe deines Körpers, nicht anders. Alle Ergebnisse, alle Entschlüsse verkündest du durch oder mit deinem Körper, sei es gesprochen, geschrieben oder gehandelt, in manchen Fällen vielleicht bekundet durch Nichthandeln.

Es folgen zunächst einige Prämissen für eine kleine, gedankliche Herleitung: Menschen leben. Leben bedeutet, dass sich etwas entwickelt. Entwicklung heißt Veränderung. Leben bedeutet Bewegung. Bewegung bedeutet Verschiebung von Masse. Dazu braucht es Raum, Raum der nicht unendlich verfügbar ist. Leben bedeutet Wahrnehmung. Lebewesen nehmen wahr und reagieren. Veränderungen von Positionen sind die Folge. Jede Aktion verändert etwas, Statik wird zu Dynamik. Manchmal verändert sogar eine Nichtreaktion, wenn sie konträr verläuft. Wenn eine Nichtreaktion im Gegensatz zu dem steht, was zu erwarten ist, wird sie umgehend zur Reaktion.

Veränderung ist für den Menschen stets materiell. Ort, Materie, Zeit. Immer. Es beginnt mit den drei grundlegenden Defizitbedürfnissen:

▪ Nahrung
▪ Atmen
▪ Schlafen

Der Mensch existiert, lebt aber erst durch den Ausdruck seines Körpers. Ohne die o.g. Defizite dauerhaft und fortlaufend zu beseitigen, kann der Mensch nicht leben, vielleicht existieren. Anschließend folgen weitere Bedürfnisse, die dem Menschen seine Existenz erst weiter ermöglichen:

▪ Wohnung
▪ Sicherheit

Vorerst möchte ich gedanklich nur bis hier her gehen. Ohne dabei zu bestätigen, dass es weitere Bedürfnisse gibt, die den Menschen ausmachen, wie z.B. soziale Bindungen oder Selbstverwirklichung. Dies wäre der nächste Schritt. Bleibe ich in diesem Beitrag beim ersten Schritt und dessen näherer Betrachtung.

Es geht also bei der Existenz des Menschen, der durch oder mit seinem Körper kommuniziert, immer um das Materielle. Gedankenübertragung? Noch Fehlanzeige! Das es ausschließlich körperlich effektiv ist möchte ich aus folgender Sichtweise herleiten: Jede Aktion und auch jede Reaktion bedeutet eindeutig, dass der Mensch eine Veränderung wahrgenommen hat. [Du schaust hin oder weg.] Dieses gelingt ihm nur unter Zuhilfenahme seiner Sinne [Augen]. Es sei dabei einerlei, ob die Veränderung von materieller oder energetischer Herkunft ist, letztendlich ist Energie nur eine andere Form der Materie und umgekehrt. Den physikalischen Nachweis dafür haben andere schön längst erbracht, das möchte ich hier nur übernehmen.

Dazu lege ich einige Beispiele zur Erläuterung dar. Jedwede Gedanken, alle Gefühle, die eine (Re-) Aktion im Menschen zur Folge haben, entstehen aufgrund einer Wahrnehmung. Diese Wahrnehmung ist nur dann möglich, wenn der Mensch seine Aufmerksamkeit dafür erübrigen kann. Sitzt du seit 6 Stunden bei -24°C auf einem zugigen Bahnhof, so wirst du die Schönheit einer schneebedeckten Landschaft anders empfinden, als aus dem wohltemperierten Foyer eines Berghotels.

So tritt dieser Reiz von außen auf den Menschen ein. Etwas berührt ihn, ein Signal beliebiger Art überschreitet seine Wahrnehmungsschwelle. Ist dieser Reiz erst einmal aufgenommen, so löst dieser irgend eine beliebige Reaktion aus. Die Reaktion kann ein Gedanke sein, ein Gefühl oder auch ein Reflex. Die Reaktion kann ferner in einer unmittelbaren Tat münden oder jemand ist nachtragend oder auch besonnen. 😉 Festzustellen ist es beim Anblick des Menschen. Du siehst, was du ausgelöst hast, manchmal mehr, manchmal weniger. Aber auch einer der anderen Sinne kann diese Reaktion deines Gegenüber wahrnehmen. Du kannst es hören, riechen, oder schmecken. Oder spüren. Hand drauf! Ich umarme dich.

Etwas Äußeres trifft unsere Wahrnehmung, ausgelöst wurde es von unserem Gegenüber, wenn es ums Zwischenmenschliche geht. In uns entstehen dadurch Gefühle, wie auch Gedanken, oder aber viele Zwischenabstufungen davon, wie Eindrücke, Ideen oder physische Reize. Die Dauer kann von Millisekunden bishin zu Stunden oder länger sein. Es sagt vorerst nichts über die Qualität aus.

Doch was immer auch in uns entsteht, solange keine Reaktion von uns darauf erfolgt, irgend ein wahrnehmbares Zeichen gegeben wird, solange gilt es als nicht existent, nicht angekommen {Sender}, nicht wahrgenommen {Empfänger} oder ignoriert. Nur durch Reaktion, die ausschließlich rein materieller Natur sein KANN, muss sie doch einen Empfänger haben, erfahren wir eine Wirkung unseres Daseins. Das kann in Form eines Lächelns sein, man kann schreien oder lachen, schweigen oder böse drein schauen, flüchten oder sich putzen, essen oder kämpfen.

Der Körper reagiert. Niemals geistig, immer durch seinen Körper, indem er handelt. Und denkt er tausend Gedanken und durchlebt Höllenqualen in seinem Herzen, ohne eine körperliche Reaktion sind sie nichts. Deine Liebe mag universell sein, ohne sie zu materialisieren in Form einer Handlung ist sie fiktiv und unsichtbar, nicht da, nicht vorhanden. Hast du sie nicht durch deinen Körper ausgedrückt, ist sie nichts! Willst du etwas erreichen, handle!

Zensur des schönen Hässlichen, Teil 2 (195)

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Hier im zweiten Teil von „Zensur des schönen Hässlichen“ gehe ich weiterhin der Frage nach dem Umgang mit physischen Erscheinungen nach. Was sehen wir (an), wie bewerten wir das gesehene und warum?

Zunächst ein inhaltlicher Auszug aus Plutarchs (ca. 46-120 n.Chr.) Dichtungen über die Spartaner:
„Lykurg hat auch die Lebensführung der Frauen sorgfältig geregelt. Er sorgte dafür, dass die Körper der Mädchen durch Laufen, Ringen und Speerwerfen gekräftigt wurden. Denn er sagte sich, dass Frauen mit kräftigen Körpern auch kräftige Kinder gebären würden. Und auch bei der Geburt selbst hätten sie keine Schwierigkeiten. Weichlichkeit, Verzärtelung und alles, was er abfällig „weibisch“ nannte, verbannte er. Er gewöhnte die Mädchen daran, wie die Knaben nackt ihre Aufzüge zu halten und bei bestimmten Festen zu tanzen und zu singen und das vor dem Augen der jungen Männer. Dass die Mädchen sich entblößten, hatte übrigens nichts peinliches an sich. Denn es war Scham dabei und keine ungehörige Schaulust. So gewöhnten sie sich an Einfachheit und strebten nach wohl gestalteter Körperbeschaffenheit. Auch gab das der Frau Sinn und Geschmack für das stolze Selbstgefühl, dass auch sie nicht weniger als der Mann Anteil haben sollte am Streben nach Tapferkeit und Ruhm. …“

Auch wenn schriftliche Überlieferungen aus der Zeit Spartas meist nicht von Spartanern selbst verfasst und überliefert wurden, diese stammen nämlich mehr von ihren Feinden oder von Nachfahren, und dadurch deren Integrität grundsätzlich bezweifelt werden darf, so lässt sich aus pragmatischer Vorstellung heraus doch ein wahrer Kern annehmen, zumal ausreichend andere Kulturen existieren, die einen vergleichbaren Umgang mit der Körperkultur pflegen. Anhand des obigen Beispiels sieht man, wie sich die damals aktuellen Richtlinien und vorgegebenen Verhaltensweisen im Punkto Körperlichkeit über die Zeiten hinweg verändern. Die Sozialisation körperlicher Belange mündete in der modernen westlich-geprägten Gesellschaft gemeinhin in eine Tabuisierung, was unter anderem an der Sprache, dem genutzten Wortschatz zu erkennen ist.

Die vermutlich etwas verklärte Sicht Plutarchs auf die Gebräuche der Spartaner soll hier als Gedankenanstoß gelten. Im ersten Teil stellte ich die Frage nach der Bedeutung der sichtbaren Formen aller Dinge im Umfeld des Menschen. Durch welche Überlieferungen bedeuten unserer Gesellschaft bestimmte Dinge mehr als anderes, warum verändert eine optische Abweichung die Bedeutung, wie entsteht die unterschiedliche Wertigkeit?

Nicht nur Formen beeinflussen unser Verständnis der Dinge, auch Oberflächen und Material erwirken seltsame Gebärden. Irgendwann entdeckte der Mensch das Gold. Woher und warum entstand seine Wertigkeit, warum brachten die Conquistadores viele tausend Ureinwohner für das Metall ums Leben? Weil es glänzt? Weil es rein ist? Weil es ein knappes Gut ist? Weil ein relativ hoher (Gegen-) Wert festgelegt worden ist? Warum? Vielleicht ahnen wir es.

Zurück zur eigentlichen Fragestellung. Im Zuge der Sozialisation der Gesellschaft entstanden vielfältige Übereinkünfte, die einer ganz wesentlichen, fundamentale Ambivalenz entsprang: Sie ist von einem Subjekt erschaffen und weiterentwickelt worden, und zwar für ein Objekt, das gleichzeitig Subjekt ist. Dabei ist besonders in unserem Kulturkreis die rationalistische Denkweise bezeichnend für den Umgang mit der Vielfalt der Möglichkeiten. Stark zweckdienliches Denken besitzt den höchsten gesellschaftlichen Stellenwert. Ob die zweckgerichtete Lebensart bei uns Menschen zum Selbstzweck mutiert ist, kann jeder für doch selbst entscheiden, wenn er nur reflektiert.

So ist ein wesentlicher Faktor in diesem Zusammenhang der Akt der Infragestellung von Sinnhaftigkeit jedweder sittlichen, moralischen und emotionalen Übereinkünfte durch jedes Individuum einer Gemeinschaft, um diese Gemeinschaft dem Menschen dienlich zu gestalten und nicht umgekehrt. Perfide Mechaniken wie die versteckt-offene Etablierung einer grenzenlosen Konsumsucht, angefeuert durch den Anschein von fiktiven Innovationen entfremden den Menschen zu einem zunehmend entsozialisiertem und was viel bedeutender ist, entmenschlichtem Wesen.

So lässt sich ein „Ist-Zustand“ beschreiben, wie er vielfach attestiert und auch empfunden wird. Über die Herkunft, die Entstehung sagt es nur wenig aus. Verfolgt man allerdings die Entwicklungsgeschichte von Sitten und Gebräuchen, so wird einem gewahr, dass es in den Kulturen, Epochen und Gesellschaften in ihren unterschiedlichen Umgangsweisen nahezu alle erdenklichen Formen gelebt wurden. Auch ergibt sich daraus, dass unsere aktuelle Lebensart nur einen Ausschnitt aus den Möglichkeiten beschreibt, der in ferner oder naher Zukunft schon nicht mehr gesellschaftsfähig sein kann.

Nichtsdestotrotz sind wir hier und jetzt sozialisiert worden. Umgangsformen beherrschen wir notwendigerweise und da der Mensch an sich ein zutiefst bequemes Wesen ist, Veränderungen im Grunde genommen nicht wirklich anstrebt und mag, ist jede Auseinandersetzung mit Normen anstrengend und wird erst dann in Angriff genommen, wenn diese Normen die menschliche Existenz über einen gewissen Punkt hinaus gefährden.

Dieser Punkt findet sich bei jedem Individuum am anderer Stelle, auch die Auffassungsgabe gegenüber den eigenen Lebensbedingungen gestaltet sich absolut heterogen, und das schon in jedem einzelnen von uns, geschweige denn zwischenmenschlich. Auch dabei kommt uns wieder unsere Bequemlichkeit entgegen, wenn es darum geht, Denkmodelle zu hinterfragen, oder, vollkommen utopisch, selbst solche zu entwerfen.

Gemeinhin wird gerne konsumiert, was schon da ist, was bequem übernommenen werden kann. Es wird ein wenig zurecht gebogen, und gerade so passend gemacht. Querulanten, die unbequeme Fragen aufwerfen, sind nicht gern gesehen. Nur wenn es mehr werden, wenn mehr und mehr Menschen dazu übergehen, Sichtweisen in Frage zu stellen, es sich selbst unbequem zu machen, weil man sich nicht weiter auf sich selbst ausruht, dann ist es möglich, etwas zu verändern. Dazu bedarf es, wie uns die Vergangenheit gelehrt hat, Vorreiter.

Das sind jedoch solche Wesen, die nicht unaufhörlich die zwar bequemen, aber prinzipiell unhaltbaren Zustände nur beschreien. Es braucht Menschen, die folgerichtige Lösungsansätze vorschlagen können, die menengerechte Ideen postulieren. Es braucht Denker und „Empfinder“, die durch Beschreibungen Fakten darlegen UND Wege aus dem unbekannten Dilemma weisen oder aufzeigen, wie diese zu finden sind. Wir brauchen dringend Menschen, die einfach ethische Lebens – Thesen aufstellen. Diese kann man auch durchaus mal an eine Türe nageln.

Körperwahrnehmung, Teil V (194)

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Wie reagierst Du auf Ärger? Wie auf Freude? Kann man es dir ansehen? Wie siehst du aus, wenn du glücklich bist? Wie, wenn du traurig bist. Was sagt dein Körper, wenn dich jemand tröstend in den Arm nimmt. Oder liebevoll? Gut, oder!? Aber: wie oft passiert das dir noch? Statistisch gesehen: Ein Trauerspiel!

Im fünften Teil geht es um deine körperlichen Reaktionen, und das, was du daraus machst. Erkennst du die Sprache deines Körpers? Oder bügelst du ihn schon mal glattweg nieder? Triumphiert dein Geist oft über deinen Körper, deine Intuition, dein „Bauchgefühl“? Dann geht es dir, wie mir. Ich bin zu oft ein schrecklich verkopfter Mensch. Bauchschmerzen ja, aber nein, ist vollkommen unlogisch! 🙂

Wie hängen deine Empfindungen mit Berührungen zusammen? Eng. Aber warum? Hierzu möchte ich etwas ausholen. Ein kritischer Barde, dessen Name mir gerade nicht geläufig ist, vielleicht André Heller in seinem Wintergarten, besang schon vor 20 Jahren in einem seiner Lieder den Zustand des eklatant zunehmenden Materialismus: „Früher streichelten wir über Körper, heute über Waren.“ Niemals zuvor in der Menschheitsgeschichte litten die Menschen derart unter Berührungsarmut wie heute, so stellen es aktuelle Erhebungen sehr eindeutig heraus. Nicht nur in New York finden Kuschelparties statt, bei denen gänzlich ohne sexuelle Absichten nur eng miteinander gekuschelt wird, nie haben professionelle Berührer derartig Hochkonjunktur.

Wie ergeht es dir? Wie reagierst du auf die Reize deiner Umwelt, welche Reaktionen (er-) kennst du von deinem Körper? Stellen sich bei dir hin und wieder deine Nackenhaare auf und läuft dir ein Schauer über den Rücken? Steigt dir das Blut in den Kopf, errötest du, wenn du dir unangekündigter und bedeutsamer Dinge gewahr wirst? Viele Menschen unterdrücken zu oft diese Signale des Körpers. Forscher aus den USA haben bestätigt, dass die ausbleibenden Wahrnehmungen körperlicher Reaktionen zu psychosomatischen Erkrankungen führen können. Das beginnt bereits bei kleinen Anzeichen körperlicher Widerstände auf kleinste Reize, die wir so kaum noch wahrnehmen. Beispielsweise kleinste Widerstrebungen etwas bestimmtes zu berühren sind solche Zeichen, auch außerkulturelle Berührungen führen zu starken Irritationen. Letzteres wird als Phänomen in unseren westlichen Ländern bestätigt, in denen körperliche Berührungen nur in sehr engen Grenzen moralgesellschaftlich akzeptiert ist.

Gleiches gilt für die andere Richtung, die mehr noch das Thema dieses Beitrags ist: mangelnde Aktion, immer stärkere Zurückhaltung mit zunehmendem Entwicklungsstand entfremdet uns zunehmend von körperlichem Dasein. Was du als Kind zu Beginn deines Lebens gar nicht anders vermochtest wird derart stark reduziert, so dass es tatsächlich zu psychosomatischen Störungen kommen kann. Als Kind, besonders als Kleinkind musstest du alles begrapschen, viel mehr, als deinen Eltern lieb war, sogar in deinen Mund stecken. [Kinder aus unserer Nachbarschaft haben, weil sie keinen Kaugummi essen durften, diese von der Straße abgekratzt und mir viel knirschen versucht zu kauen.]
Du entdecktest als Kind die Welt um dich herum mit deinen Händen. Du fühltest, was unterschiedlicher Temperatur war, welche unendlich viele, haptische Variationen Dinge hervorbringen konnten. Samtig weich, glibberig feucht, scharfkantig spitz waren Objekte aller Art für dich äußerst spannend zu erforschen.

Auf der anderen Seite erfuhrst du über deinen Körper eine sensorische Vielfalt der Berührungen. Streicheleinheiten sowie Kuschelpartien waren an der Tagesordnung, nahezu jeder Elternteil weiß, wie wichtig diese körperlichen Aktionen für die seelische Entwicklung ihrer Kinder sind. Was mit der Zeit der Adoleszenz immer weiter weg verlagert wird, weg von den Eltern, hin zu Freund und Freundin, verliert sich heutzutage zunehmend mehr und mehr und mit zunehmendem Alter überdies.

Unser größtes Sinnesorgan verliert zunehmend an Stimmulierung, Wissenschaftler beschreiben es als dramatischen Akt: Statt der Berührungen geht der Mensch der westlichen Welt seiner liebsten Freizeitbeschäftigung nach, dem Fernsehen, und kompensiert den Mangel mit der tütenweisen Zufuhr von Salzgebäck. Stichwort „Ersatzbefriedigung“. Da bezieht sich nicht nur auf das Salzgebäck, auch Waren aller Art dienen dem gleichen Zweck. Berührst du deinen Partner so oft, wie dein Smartphone? 😉

Im Vergleich der Geschlechter kommen bei diesen Untersuchungen die männlichen Exemplare der Menschen noch viel schlechter weg, als die weiblichen. Der Mann, erfolgreich, hart, technikaffin, die Frau schön, zart fürsorglich. Körperliche Zuwendung gilt als weiblich, ob es in Berufen ist (Pflege, Fürsorge, Frisörin, Männer gelten in diesen Bereichen weniger als männlich, gerne als weichlich, auch homosexuell, sie sollen die „Macher“ sein, kernig, handwerklich, technisch versiert.) oder im Umgang mit anderen Menschen. Zwar ist auch bei Frauen die körperliche Auseinandersetzung offen rückläufig, doch die allgegenwärtige Beschäftigung mit der Schönheit erlaubt die Behandlung des Körpers in allen Bereichen, in jedem Alter, und in allen Regionen. Die Schönheit lässt sich, so der „gesellschaftliche Konsens“, so über den Körper ausdrücken. Dazu brauch dieser Behandlung. Dazu darf er berührt werden, lange berührt werden.

Hier möchte ich mit einem Einwand diesen Artikel beschließen. Wenn wir uns alle, also auch du, wieder mehr um unsere Empfindungen kümmern würden, so sehe ich einen guten Weg, das Leben wieder wärmer, zärtlicher, menschlicher zu gestalten, was sich definitiv auch in unserer Psyche ausdrücken würde. Zufriedenheit wäre dein Erfolg.

P.S. besonders herzliche Grüße möchte ich hier an „tigerfour“ richten, der aus luftigen Höhen unermüdlich daran erinnert: das „küssen nicht vergessen“! 🙂

Körperwahrnehmung, Teil IV (193)

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Wie fühlst du dich? Was fühlst du gerade? Wenn du diese Frage beantwortest, sagst du etwas über Wärme oder Kälte, über Sehnsucht oder Melancholie oder über eine zärtliche Umarmung?

Hier im vierten Teil von Körperwahrnehmung möchte ich zunächst über das Entstehen deiner Möglichkeiten schreiben, deinen Körper über Berührungen zu empfinden. Diese sind so mannigfaltig, dass du oftmals vergisst, was dir dein Körper über dich verrät. Die Anfänge findest Du bereits in deiner frühesten Kindheit. Das reiße ich hier kurz an.

Wie elementar deine Empfindung ist, das begreifst du sehr eingehend, wenn du dir klarmachst, wie alles bei dir begann: Dein Wissen um die Zeit vor deinen ersten Erinnerungen hält sich in Grenzen. Manches erahnst du, falls du in der glücklichen Lage bist, Fotografien aus dieser Zeit dein eigen nennen zu können. Aber wie es damals war, weiß vielleicht dein Verstand, sicher nicht dein Gedächtnis. Du warst im Bauch deiner Mutter. Alles war warm. Nichts war eckig, alles weich und zart. Um nichts musstest du dich kümmern, Nahrung stand immer zur Verfügung. Und Nähe! Du warst nicht allein.

Damit sind deine ersten Empfindungen im Grunde benannt. Deine Haut, der größte Sensor deiner Sinne vermittelt dir in der Wärme deiner Mutter Geborgenheit. Der Bauch bietet Schutz vor Dingen, von denen du noch nicht einmal ansatzweise eine Vorahnung hattest. Du spürtest die Schwingungen deiner Mutter, wenn sie sprach, lachte, weinte oder nur atmete. Du spürtest ihr Herz schlagen, all das noch ohne dein Bewusstsein, aber: schon in dieser Zeit wurden Weichen gestellt für dein gesamtes weiteres Leben. Dazu weiter unten mehr.

Irgendwann war es dann soweit. Du erblickst das Licht der Welt durch deine eigenen Augen. Naja, erst mal hattest Du sie noch eine Weile geschlossen. Deine Geburt bedeutete die Trennung von deiner Mutter, die „Einkörperlichkeit“ wurde aufgegeben, du begannst, dein eigener Mensch zu werden. Was spürstest du? Was empfandest du? Losgelöst aus deiner bisherigen einzigen Welt betratst du diese neue Welt.

Diese heißt in erster Linie „Kälte“! Auch, wenn der Moment nur sehr kurz sein sollte, bis du im Idealfall noch vor dem Wiegen und Vermessen sofort nackt auf die nackte Haut deiner Mutter gelegt wirst, bedeutet es den Moment der Trennung, des Verlassens der warmen Umgebung des Bauches deiner Mutter. Du musst selbst atmen, die kühlende Luft strömt in deine Lungen, und du spürst den Luftzug.

Schwedische Forscher fanden in den 1980 er Jahren heraus, dass Kinder, die umgehend, also in den nächsten 30 Minuten nach ihrer Geburt direkten Hautkontakt zu ihrer Mutter erhielten, als Menschen ein grundsätzlich größeres „Urvertrauen“ besaßen, als solche Kinder, die erst nach diesen ersten dreißig Minuten diesen Kontakt erfuhren. Höchst interessant war auch der Umkehrschluss, dass Mütter mit dem direkten Kontakt zu ihren Kindern ein gleichfalls innigeres Verhältnis hatten, als solche ohne diesen frühen Kontakt.

So war von Anfang an deine Haut das erste Organ, welches in Beziehung zu deiner Umwelt trat, noch bevor du sehen konntest, hören oder schmecken, riechen konntest! Was kam danach? Atmen konntest du schon bald, Sauerstoff für deine Atmung gab es in der Luft, damit konntest du versorgt werden. Doch auch die Nahrungsversorgung wurde mit dem Betreten dieser Erde gekappt. Folglich hattest du irgendwann Hunger. Wieder bestenfalls konntest du an der Brust deiner Mutter saugen, dich dort mit Nährstoffen versorgen.

Doch nicht nur um die Nahrungsversorgung geht es dabei, wie Forscher nachweisen konnten. Der Moment der Nahrungsaufnahme hat zusätzliche elementare Funktionen: Durch die Berührung der Brust mit dem Mund und durch die Körpernähe werden im Körper des Kindes notwendige Botenstoffe ausgeschüttet, die eine beruhigende Wirkung auf das gesamte Nervensystem haben. Beim Saugreflex wird der Mund, die Lippen des Kindes mehr nach vorn geschoben, so dass die Kontaktfläche der Lippeninnenseite bei Berührung der Brustwarzen besonders groß ist, und durch die Schleimhäute in deinem Mund konntest du die in den ersten 2 Tagen des Stillens besonders inhaltsreiche Muttermilch besser aufnehmen.

Ein trauriges Kapitel der Menschheitsgeschichte umfasst die sogenannten Kinderhäuser, Anstalten, in die Mütter ihre Kinder geben konnten, wenn sie sie nicht behalten konnten/wollten und in denen sog. Findelkinder untergebracht wurden. Die Sterblichkeitsrate betrug um die 99%. Ursache war das hohe Infektionsrisiko durch Mangel an Muttermilch, sowie das fehlen von taktiler Stimmulierung und fehlendem intensiven Hautkontakt.

So wichtig war dein Hautkontakt in deiner Kindheit, und es geht noch weiter. Dazu hat Anke Herold (Psychologin, Bremen) einen sehr spannenden und interessanten Aufsatz verfasst, aus dem ich hier gerne einen kleinen Abschnitt zitieren, diesen Artikel beschließen, und darauf hinweisen möchte, wie es im 5. Teil weiter geht, nämlich mit deinen körperlichen Empfindungen:

„Zum anderen ist die Haut das Kontaktorgan, über das die Wahrnehmung von Streicheln oder auch Schlägen mit der Erlebnissituation verschmilzt und zu individueller und sozialer Erfahrung führt. Sie ist das Organ, über das wir zeitlebens, kaum beeinflussbar, mit anderen kommunizieren, ob wie beispielsweise erröten oder mit Gesichtsfalten mimisch unsere Worte unterstreichen. Über die Haut des Menschen drücken sich akute Gefühlsbewegungen, typische Verhaltensweisen, langwährende seelische Belastungen und Krankheiten aus …“

Körperwahrnehmung, Teil III (192)

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„Aber bitte finde deinen Körper nicht zu gut!“ Erste Restriktionen in Bezug auf dein Verhältnis zu deinem Körper durch gesellschaftliche Prägung erfährst du als Inhalt der Erziehung. Wie lebst du damit?

Nachdem du im Kindesalter viele Regeln auferlegt bekommen hast, dich vermutlich an die meisten hieltest, erfuhrst du in deiner Pubertät viel neues, spannendes über deinen Körper. Hormonumstellungen ließen dich fröhlich und betrübt zugleich sein, du konntest lachen und weinen im gleichen Atemzug und fühltest dich vermutlich ziemlich allein gelassen mit deinem innersten Gefühlen. Spricht man gemeinhin von der Ablösung der Kindheitsgefühle hin zum Erwachsenwerden, gleichwohl Loslösung von den Eltern, und stelltest du zunehmend fest, dass deine Freunde auch nicht oft sehr hilfreich sein konnten, weil sie sich in einem ähnlichen Gefühlsumbruch befanden, so konnte es, wie bei vielen Generationen vor dir, sehr raumumgreifend sein.

Was machst du zu diesem Zeitpunkt mit deinen vielen Fragen? Wunderbar ist es vielleicht, wenn du deine Eltern fragen konntest. Oder lieber doch nicht? Ist es dir lieber gewesen, das mit dir selber auszumachen? Konntest du viele deiner Erfahrungen mit denen deiner Freunde vergleichen, mit ihnen Vermutungen austauschen und Thesen aufstellen, gefolgt von Antithesen und wieder neuen Thesen? Die starken Stimmungsschwankungen machten wahrscheinlich den Umgang mit dir nicht leichter, nicht nur für andere, auch für dich selbst.

Alles entscheidend ist aber die Frage, ob du die Veränderungen deines Körpers, die Umstellungen und neuen Gefühle in dir (er-) leben konntest! Hattest du genug Raum und Zeit, allumfassende Dimensionen – und dies meine ich wortwörtlich – um dich auf deine Empfindungen einzulassen? Dimensionen deshalb, weil es einerseits um das materielle, körperliche Dasein geht, andererseits um das psychisch – geistige Verständnis.

Das körperliche Dasein beschreibt den Umgang mit deinem sich zunehmend stärker veränderndem Körper, in vielen Regionen, noch mehr körperlichen Reaktionen. Mochtest du, was du berühren konntest, gefiel dir, was du sahest, konntest du es annehmen?

Das psychisch-geistige Verständnis bezieht sich auf deinen geistigen Freiraum. Hattest du deinen Kopf frei genug, um dich mit deinen Gefühlen zu beschäftigen. Hattest du die ganz alltägliche Zeit für dich, jenseits von bildungspolitisch vorgesehenen Leistungsvorgaben, jenseits der alltäglichen Erwartungen der Menschen, die dich auf dem Weg der Menschwerdung anleiten?

Doch mit nur „Zeit“ ist die einzige Freiheit nicht maßgeblich benannt. Hattest du überhaupt die moralisch-ethische Freiheit nachzudenken und zu fühlen über deine körperlichen Signale? Konntest du dich ihnen frei von schlechtem Gewissen und Beschränkungen durch Sitte und gesellschaftlicher Verklemmtheit nähern. Warst du in der Lage, sie zu betrachten und unvoreingenommen zu „bewerten“?

Mit bewerten meine ich nicht ein absolutes Urteil abzugeben über gut und böse, sondern einen Grad der Akzeptanz im Hinblick auf empathische, freidenkerische und individuelle Wertschätzung. [Anmerkung: in unserem Bildungssystem halte ich die massive Überbetonung von purem Faktenauswendiglernen humanistisch für mehr als fragwürdig! Eine sehr viel mehr auf ethische Inhalte gerichtete Bildung würde sicher, global gesehen, wieder zu einer menschlicheren Welt führen!]

Nicht viele Menschen hatten und haben überhaupt die Freiheit, sich selbst im Hinblick auf ihren Körper frei zu entfalten! Nicht verwechseln sollte man diesen Entwicklungsspielraum jedoch mit Orientierungslosigkeit, denn die Zeit der Adoleszenz sollte immer wieder Leuchttürme und Häfen bieten, die für jedes Menschenkind unerlässlich sind. Dabei ist es nicht leicht, den Grad zwischen moralisch-ethischen Vorgaben und deren Überschreitung durch allzu körperfeindliche Vermeidungstendenzen zu wahren.

Im nächsten Teil von Körperwahrnehmung mache ich mir Gedanken über die Bedeutung von Berührungen in all ihren Facetten.

Körperwahrnehmung, Teil I (190)

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Körper – ein spannendes Feld. Was fühlst du, wenn du an deinen Körper denkst. Liebst du ihn, hasst Du ihn? Wie gehst du mit ihm um? Oder ist er dir egal. Ist er nur Transportbehälter für deine Seele? Oder Formungsobjekt aus deinem Anspruch an einen sozial funktionierenden Mechanismus?

Wie siehst du deinen Körper? Wie erfährst du deinen Körper im Laufe deiner Menschwerdung? Wie empfindest du die Unterschiede zwischen dem öffentlichen Bild von Körpern zu deinem eigenen Körper? Akzeptierst du deinen Körper? Siehst du ihn als deinen Körper an und in wie weit lässt du ihn Anschauungsobjekt und Spielobjekt für andere Menschen sein.

Zunächst eine Festlegung von mir: ich spreche im folgenden vom Körper des Menschen, und meine dabei sowohl den der Frau wie den des Mannes. Obwohl es in der Körperwahrnehmung kulturell und gesellschaftlich nachgewiesenermaßen Unterschiede zwischen den Geschlechtern gibt, werde ich diese nur dort explizit differenzieren, wo es mir unumgänglich erscheint. Sonst folge ich zuverlässig der Devise, dass wir in erster Linie Menschen sind. 🙂

Wie ergeht es dir mit deinem Körper? Ich hoffe und wünsche dir, du fühlst dich, und nimmst dich als das wahr, was du bist! Dein Körper ist in erster Linie Schnittstelle! Schnittstelle zwischen Geist und Wesen, zwischen innen und außen, zwischen dir und allen anderen Menschen, zwischen deiner Idee und der Erde, die du bereicherst, formst, gestaltest und erhältst mit deiner Existenz. Schnittstelle zwischen dem Materiellen und der Idee von Menschlichkeit. Prinzipiell bist du der Mittelpunkt des Universums. Es kann nur so sein. Es geht gar nicht anders, denn ohne dich gäbe es das Universum nicht! Logisch, oder?

Dein Geist sagt dir sicherlich andere Wahrheiten, du hast gelernt, dass die Welt, das Universum, alle anderen Menschen auch dann noch existieren werden, wenn du nicht mehr da sein solltest. Schließlich bist du auch noch da, obwohl andere Menschen ihren Körper bereits verlassen haben. Ja, das bestätige ich dir. Doch wenn du überlegst, was die Seele, die ihren Körper verlassen hat, wohl dazu sagt, so wird es ein spannendes Unterfangen.

Was ich damit sagen möchte, ist folgendes: Es geht hier um deinen Körper, um dich, und es geht um die Wahrnehmung der Umwelt durch deinen Körper. [Zwischenbemerkung: das oder ob es noch andere, körperlose Wahrnehmungen gibt, sei dahingestellt. Auch, wenn ich davon überzeugt bin, endet auch diese Wahrnehmung in unseren Gedanken, Gefühlen, Intuitionen.] Wenn dein Körper nicht mehr da ist, kommunizierst du nicht weiter. Wenn dein Körper eingeschränkt ist, findet auch Kommunikation eingeschränkt statt. (Dazu später mehr) So ist dein Körper ein Medium, du kommunizierst passiv, so z.B. über unbewusste Gestik, Mimik, Körperhaltung, Kleidung und Statur und auch aktiv über Worte, Blicke, Bewegung, Berührungen, Handeln oder Nichthandeln. Es geht mir darum, dies im einzelnen zu beleuchten, eine Verbindung von Körper und Psyche zu entdecken.

In weiteren Beiträgen werde ich die Fragen von oben aufgreifen, deren Beantwortung unter Einbeziehung einschlägiger Literatur und diversen Forschungsergebnissen eine spannende und interessante Materie ist. Demnächst 🙂

Time’s up, you’ve been wishing your life away…

Errungenschaft: 3. Jahrestag
Glückwunsch zum Jahrestag mit WordPress.com!
Du hast dich vor 3 Jahren auf WordPress.com registriert!
Danke für dein Vertrauen in uns!

Kinder, wie die Zeit vergeht …. :-)))

Ich wünsche Dir, lieber unbekannter Leser alles Gute, und bleib dabei, folge Deinen Ideen!!!!!!!! Deinem Herzen!!!!!!!!!! Deinem Ideal!!!!!!!!!!!!

Schönheit, eine Frage des Wertes Teil III ( 189 )

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Im 3. und letzten Teil von „Schönheit, eine Frage des Wertes“ möchte ich über das Aussehen in seiner Verbindung zum sozialwissenschaftlichen Faktor Macht schreiben. Welchen Einfluss übt Schönheit auf die Fülle der Macht aus, die ihrerseits zum Aspekt der Einflussnahme abgegrenzt werden kann? Gibt es eine Äquivalenz und wenn ja, bricht sie an einem bestimmten Grade der Macht ab?

Die Mächtigen sind nicht unbedingt schön. Nicht schön im Sinne eines wie auch immer gearteten Schönheitsideals. Wenige, aber meist unbedeutende Ausnahmen finden sich dennoch. Um eine Verknüpfung von Macht und Schönheit zu entdecken ist es nötig, die Facetten der Macht kurz zu skizzierten. Was bedeutet Macht? Woraus entsteht Macht? Was bewirkt sie und was nicht. Was beobachten wir bei drohendem oder tatsächlichem Verlust von Macht? Und auch: Warum ist Macht nach Reichtum der begehrteste „Zustand“ auf der Liste der Wünsche des Menschen? Warum wird Macht und Reichtum oft eng miteinander verknüpft? Der Leitspruch „Wissen ist Macht“ beschreibt eine weitere, wichtige Verknüpfung, charakterisiert sich die Macht doch auch durch Wissen, respektive dessen Verfügbarkeit.

Macht geht einher mit Einfluß. Um Macht auszuüben braucht der Mächtige hörige Menschen, die ihm huldigen, freiwillig oder unfreiwillig. Somit bedeutet „Macht haben“ nichts losgelöstes, eigenständiges, sondern stets einen Zustand der Dualität. Ohne Volk kein König, ohne Angestellte kein Chef, ohne Wähler kein Politiker! Damit ist die Macht ohne Pendant nicht existent. Macht wird auf etwas oder über etwas unter Zuhilfenahme einer Kraft ausgeübt. Unterschieden wird zwischen positiver und negativer Macht: positive Macht beschreibt einen Zustand, der stets freiwillig und zum Nutzen beider Seiten, der ausübenden und empfangenden Seite eintritt. Negative Macht wird beschrieben als eine für die ausübende durchaus positiv wirkende Kraft, jedoch für die empfangende Seite nicht positive und nur unter Zwang vermittelbare Kraft, die oft mit seelisch-moralischer Erpressung oder Gewalt einher geht. In letzterem Zustand ist eine käufliche Seite gleichsam häufig zu attestieren.

Macht -in all seinen Ausprägungen- versammelt Instrumente der Einflussnahme. Sie kann von einer Einzelperson ausgehen, wie auch von einer mehr oder minder großen Gruppe ausgeübt werden. Sie entsteht nicht aus sich selbst heraus, sondern wird übertragen. So lassen sich Machtverhältnisse zwischen Einzelpersonen untereinander beschreiben, zwischen Einzelpersonen und Gruppen auf der anderen Seite wie auch zwischen zwei oder mehreren Gruppen. Während die Beziehung zweier Einzelpersonen klar definiert wird, spielt bei der Interaktion intra- oder intergruppal die Gruppengröße eine fundamentale Rolle. Beispielsweise innerhalb einer Familie, eines Vereins, einer Partei oder einer Volksgruppe findet differenzierte Einflussnahme statt. Je größer der Verband ist, desto häufiger stuft sich Macht ab, das heißt, Macht wird nicht polarisiert, sondern verteilt sich auf mehrere Stufen.

Ausgehend von der Wertigkeit des Aussehens in unserer Gesellschaft ist gutes Aussehen gleichbedeutend mit Zuwachs an möglicher Einflussnahme. Durch eine erhöhte Wahrnehmung von schönen Menschen, und wir alle wissen, dass schöne Menschen viel eher herausstechen, als durchschnittliche Menschen, stehen sie zunächst deutlicher im Mittelpunkt. Doch bei der Macht kommt ein entscheidender Faktor hinzu: Zeit! Die Zeit entpuppt sich in jeder Hinsicht als Gegner des schönen Scheins, und zwar aus folgendem Grunde:

Der Mensch gewöhnt sich allzu schnell an etwas, das er kennt, das ihm bekannt vorkommt oder an das, wovon er annimmt, das er es kenne. Die Schönheit definiert sich jedoch durch eine Besonderheit: Diese Besonderheit ist nicht zuletzt besonders, weil sie ausnehmend ist, und Ausnahme verliert sie dann, wenn ihre Aussergewöhnlichkeit das „Ausser“ verliert, und Gewöhnung an eine Schönheit diese relativiert. Dann folgt, was bei jeder Beziehung zwischen einem oder mehreren Menschen eintritt: Ja doch du bist schön, das sehe ich, jedoch was kommt jetzt, was ist das Innere deiner „Verpackung“?

An dieser Stelle möchte ich als Fazit folgend meine Meinung darstellen: Schönheit besitzt durchaus Macht. Diese beschränkt sich aber definitiv auf eine kurze Phase, sie funktioniert im Sinne von Einflussnahme nur für einen sehr schnelllebigen Moment. Alles, was Macht im sozialwissenschaftlichen Sinne ausmacht, ist von längerer Dauer, daher sticht Schönheit hier nicht. Nur da, wo es auf den kurzen, vergänglichen Augenblick ankommt, z.B. im Film, der Werbung, im Fernsehen, kurz gesagt, in den uns allumgebenden Medien wirkt Schönheit mit Macht. In allen anderen Bereichen, besonders auch in denen der zwischenmenschlichen Interaktionen kommt es auf das an, was nach der Schönheit kommt: Das Sein!

Jugendwahn Teil 3 (187)

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In diesem 3. und letzten Teil von Jugendwahn befasse ich mich mit den Auswirkungen des Jugendkultes auf unser Verhalten und unserem Verständnis von Aussehen als Folge davon.

„Nur wer jugendlich erscheint, ist dynamisch.“ Einerlei, ob Mann oder Frau, in der Gesellschaft zählt derjenige besonders viel, der sein Aussehen einer einzigen Direktive unterzieht: Sehe frisch aus, wirke agil, unverbraucht und möglichst makellos. Makel sind Fehler. Fehler bedeuten Unvollkommenheit. So möchte keiner wirken. Sei gutaussehend. Dann sieht man dir deine Fähigkeiten an, die Kraft zu haben, etwas zu bewegen, zu erschaffen.

Anders ist es, wenn man dir ansieht, dass du nicht mehr ganz jung bist. Dann hast du die beste Zeit deines Lebens schon hinter dir. Du hast nicht mehr die Kraft und Energie, das zu leisten, was die Leistungsgesellschaft von jedem erwartet. Sicher gibt es noch etwas für dich zu tun, aber die wichtigen, großen und bedeutenden Dinge werden durch frische Kräfte viel effizienter abgearbeitet.

Das sollte jedem Menschen bewusst sein. Wem es nicht bewusst ist, dem wird es in jeder erdenklichen Situation vermittelt. Ob durch die Volksdroge Fernsehen, oder durch andere Kommunikationsmedien wird jugendliche Frische propagiert. Eine milliardenschwere Industrie beispielsweise bombardiert uns mit der scheinbaren Notwendigkeit der permanenten Aufhübschung. Sie nutzt die im Menschen programmierten Urinstinkte und genetisch bedingten Abläufe für ihre Zwecke.

Und der Mensch? Der fällt darauf rein. Der läuft hinterher. Der verliert zunehmend die Fähigkeit zu agieren. Der reagiert nur noch. Menschen jenseits des jugendlichen Alters setzen alles daran, diese Phase des Lebens zu verlängern. Dass sie bei diesem Unterfangen wesentliche Inhalte ihres aktuellen Daseins unwiederbringlich zerstören, entzieht sich ihrem Bewusstsein. Lebensgüte entsprechend des Alters erleidet unter dem schier alles entscheidenden Einfluss des Äußeren immer wieder Schiffbruch. Kleine, knapp unter der Wasseroberfläche liegende Felsenriffe lassen uns genau so kentern, wie weit offensichtliche Klippen, an denen der Mensch nicht in der Lage ist, vorüber zu fahren.

Wie sehen diese Hindernisse aus? Die Klippen sind die permanent sichtbaren, relativ künstlichen Vorbilder, Lieblinge aller Medien. Der Mensch neigt dazu, sich beständig zu verbessern, in allen Belangen. Im Grunde genommen ist es nicht falsch, folgend dem Sinne der Evolution. Sonst gäbe es Stillstand. (Was in manchen Belangen durchaus wünschenswert wäre, das gehört jetzt aber nicht hierhin.) Jedoch zu Stillstand ist der Mensch nicht programmiert. Anstatt aber seine Energie in andere Bahnen zu leiten, als der der Optimierung der Äußerlichkeiten einträchtig zu folgen, verfällt der Mensch allzu bereitwillig immerzu dieser Richtung. Er steckt bekanntermaßen unendlich viel Energie und Substanz in diesen Bereich.

Weitere Hindernisse auf dem Kurs des Menschen -in Form von Felsen unter der Wasseroberfläche- sind die eigenen Wertvorstellungen. Diese schuf sich der Mensch im Laufe seiner Entwicklung selbst. Gedanken kreisten seit je her um das eigene Wesen. Sie stellten damals wie heute Parallelen auf von der eigenen Interaktion bis zu der anderer Individuen. Ob das in aktiver oder passiver Form geschieht, ist einerlei und ist in jeder Hinsicht ambivalent. Aktiv ist der Mensch, indem er kommuniziert, passiv, indem er als (optisches) Wesen einfach anwesend ist. Und zwar genau so, wie er erscheint. Manipulieren und bestimmen kann er weitestgehend beides, das Aussehen sowie seine Handlungen. Solange es darum geht, Werte zu erschaffen, einem Wachstumskurs zu folgen, wird der Mensch immer BEWERTET werden. Wie hoch ist sein Beitrag zum allgemeinen Wachstum?

Und genau darin liegt die Crux. Leistet ein Mensch weniger, als von allen erwartet, ist er weniger wert. Spätestens da beißt sich die Katze in den Schwanz. Schönen Menschen billigen wir alle viel mehr positive Werte und Eigenschaften zu, als weniger schönen Menschen. Das wurde zur genüge nachgewiesen. Um diesem Urteil nicht tatenlos ausgesetzt zu sein, reagiert der Mensch. Er manipuliert sein Aussehen unter der Vorgabe, möglichst „wertvoll“ gesehen zu werden. Denn, sieht er „besser“ aus, ist er wertvoller. Zumindest vom Äußeren her und zu Beginn, mit dem Doping der Attraktivität. Nicht nur Fehler werden attraktiveren Menschen eher verziehen, selbst gleiche Leistungen werden erwiesenermaßen höher bewertet. Das beginnt schon in der Schule oder früher.

Damit bleibt als Fazit das Verständnis von Wertigkeiten in unserer Gemeinschaft in Frage zu stellen. Ist das Nonplusultra die Jugendlichkeit mit ihrer Erscheinung und ihren Attributen. Bemisst sich der Wert eines Menschen an der Ausbildung jugendlicher Merkmale, respektive jugendlichem Aussehens in jedem Alter? Diese Frage kann sich jeder stellen, ob er sie aber beantworten möchte, und ob er die Antwort kund tut, sich sogar nach seiner Erkenntnis richtet, das zeigt sich im Wandel der Werte in unserer Gemeinschaft.

Selbsterfüllende Prophezeiung ( 185 )

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Wenn es nur oft genug gesagt wird, dann glaubt man es. Spätestens dann verhält sich der Mensch entsprechend. So bestätigen es Forschungsergebnisse. Was ist gemeint, dazu mehr im Folgenden.

Denkt ein Mensch, es geht nicht gut, dann geht es oft nicht gut. Denkt der Mensch hingegen, dass es schon gut gehen werde, so geht es oft gut. So viel hat schon jeder von uns einmal erfahren. Ich selbst verhalte mich zwar noch lange nicht dementsprechend, aber ich arbeite daran. Positive Energie!

Was hat es mit dem Aussehen zu tun? Eine ganze Menge, so haben es Forscher in den USA heraus gefunden. Sie haben mit einer Anzahl von über 1000 Kindern eine Langzeitstudie durchgeführt, in der erforscht werden sollte, was es mit Bestätigung und Widerspruch zum Aussehen der Kinder auf sich hat, und sie kamen zu einem (leider) ernüchterndem Ergebnis, welches sich wie folgt beschreiben lässt : Die Kinder, denen ihr soziales Umfeld beständig ihr gutes Aussehen bestätigte, entwickelten sich im Laufe der Jahre zu Menschen, die in vielen Dingen eine sehr viel positivere Entwicklung erfuhren, als solche Kinder, die diese Bestätigung weniger oder nicht erfuhren.

Was bedeutet das? Wenn einem Kinde nur oft genug gesagt wird, wie hüsch, stark, schlau, …  es ist, entwickelt es ein positiveres Selbstbild von sich. Dieses positivere Selbstbild trägt in erheblichem Maße dazu bei, mehr Selbstbewusstsein auszubilden, was wiederum dazu führt, dass dieser (junge) Mensch noch positiver wahrgenommen wird, und demnach wieder mehr positve Rückmeldung zu sich bekommt. Diesen Effekt, der nicht ohne Probleme von statten geht, wozu ich weiter unten noch etwas bemerken möchte, konnte in o.g. Studie nachgewiesen werden.

Bei den weniger positiv veranlagten Kindern trat dieser Effekt im Negativen auf. In ihrem Selbstbewusstsein schwebten Phrasen wie : “ Ich kann das sowieso nicht“, „ich bin nicht schön“, ich bin zu dick/klein/langsam/dumm/… die dazu beitrugen, dieses zu verinnerlichen und nach außen auszustrahlen. Damit ging dieser Kreislauf in die negative Richtung und konnte nur schwer bis gar nicht durchbrochen werden.

Dieses Verhalten endet keineswegs mit dem Eintritt ins Erwachsenenalter. Nicht umsonst werden immer wieder Führungsseminare durchgeführt, in denen die leitenden Mitarbeiter erlernen, wie sie Ihre Untergebenen anleiten sollen, um ein möglichst hohes Potential freizusetzen. Das dient freilich ausschließlich der Gewinnoptimierung, weniger der Menschenfreundlichkeit. Aber, auch wenn es erhebliche Fehlleistungen auf diesem Gebiet in Form unfähig leitender Angestellter gibt, so wirkt es an den Stellen, wo es klappt, deutlich messbar. (Gewinnsteigerung durch deutlich größeren Einsatz der MA) Dies konnte ich während meiner Zeit als Personalreferent zudem gut beobachten.

Ein häufig aufgetretenes Phänomen war bei dieser Untersuchung, dass einige der oft gelobten Kinder regelmäßig zur Selbstüberschätzung tendierten. Problematisch war dabei, dass bei einem Hinweis auf diese Selbstüberschätzung diese Kinder diesen Hinweis selbst als nur unwesentlich übergehen konnten. Es tat ihrem Ego keinen Abbruch. Alles kleine Narzissten?  So extrem war es dann doch nicht, denn junge Menschen machen in ihrer Entwicklung logischerweise Fehler, aus denen sie lernen, lernen, dass auch sie nicht perfekt sind. Nur steckten diese Kinder die Fehler viel leichter weg, als ihre „minderwertigen“ Pendants. „Minderwertig“ ist in diesem Zusammenhang ein starkes Kraftwort, dass natürlich nicht wirklich auf die jungen Menschen zutrifft! Nur in dem Sinne, wie sie sich selbst erfuhren, nämlich als viel weniger wert, als die schöne Freundin oder weniger wert, als der schlaue Freund, trifft es die Sache genau: Kinder sind sehr gute Beobachter, und es entging ihnen nicht die Ungleichbehandlung der unterschiedlichen Menschen. „Wie ungerecht es doch ist!“ Auch das ist ein Punkt, der hinzukommend an ihrem ohnehin nicht besonders starken Selbstbewusstsein nagt.

Meine Gedanken dazu: In einer Gesellschaft, in der das Aussehen einen derart hohen Stellenwert innehat, leiden die Vielzahl der Kinder unter diesem Aspekt, eine Vielzahl der Kinder, die in ihrer Mehrzahl nicht den Entsprechungen genügen (können). Wir Erwachsenen selbst sind es, die diese Werte immer wieder neu vermitteln, seit Generationen immer das Gleiche! Eine allumfassende Antwort darauf muss auch ich leider schuldig bleiben, dazu sind schon sehr viele kluge Bücher und Artikel veröffentlicht worden, die man leicht findet ( Kinder suchen Orientierung, Lasst Kinder wieder Kinder sein, …) Ich möchte dazu nur eingehend aufrufen, die Werteveteilung zu überarbeiten. Ohne die Stigmatisierung fortzuführen zu wollen und Medien eine Alleinschuld zuweisen zu wollen, möchte ich jeden einzelnen dazu auffordern, seine Werte zu überdenken, und vor allem danach zu handeln. Beklagen ist einer unserer Lieblingsmodi, doch zu verändern ist scheinbar nahezu unmöglich. Die Studie ist für mich ein weiter Anlass dazu, andere Menschen in ihrer „Wertigkeit“ zu bestärken. Wo es geht.

Auch meine Worte, wenn von unserem Sohn mal wieder die Frage kommt, ob wir nicht ein transatlantisches Schnellrestaurant aufsuchen wollen, zu antworten, ob er irgendwann so aussehen wolle, wie jener oder dieser „dicke Mops“ impliziert schon die Wertigkeit von Körpergewicht. ( Wobei ich hier anführen möchte, dass sich die Zahl der Besuche in erwähntem Etablissement schon halbiert hat: 2014 = 2; 2015 = 1 !!!!! )  So, wie meine Eltern es schon taten, wenn ich nach Schokolade fragte! In allen noch so kleinen Bemerkungen gebe ich Werte weiter. Wie soll unser Sohn da „normal“ auf nicht dünne Menschen reagieren. Wie werden wohl seine Wertemassstäbe sich  entwickeln, wenn wir solche Worte verwenden. Bei seiner letzten Geburtstagsfeier lud er mit 13! auch Mädchen! ein. Als einziger in seiner Klasse. Auch ein nicht schlankes Mädchen war darunter, und im Umgang mit ihr stellte ich keine Diskrimierung fest, von keiner der anwesenden Personen und trotz Aufenthalt im Kletterpark. Das war selbst in der Grundschule anders zu beobachten, wenn auch dort von Mädchen untereinander viel häufiger. Mal sehen, wohin das führt. Ich werde berichten …