Von Konsum, Produktivität und Bildern [35]

Ich sitze oder stehe da und schaue mir Bilder an. Es sind Bilder, die ich über ein Medium betrachte. Mal handelt es sich bei diesem Medium um ein Buch, dann ist es ein Handy, öfter mal eine Zeitung, viel öfter noch der Monitor; oder ich besuche eine Ausstellung.

Ich schaue die Fotografien an, entscheide dabei, meist in sekundenschnelle, ob mich das Bild berührt oder nicht. Die meisten Bilder sehe ich zwar an, doch die Wahrnehmung ist stets eine differenzierte. Denn sehr viel mehr dieser Bilder werden durch diese meine Wahrnehmung unbewusst ausgeblendet. Zusätzlich beschränkt das Medium durch die ihm eigene Art und Weise der Darstellung diese Wahrnehmung.

Je nach Art der Darstellung haben die Bilder, und mögen sie von noch so hoher Qualität sein, eine stark vom Medium abhängige Wirkung. Dabei spielen Fülle, Größe und Anzeige- beziehungsweise Ansichtsdauer eine in diesem Moment medienabhängige Rolle: Sind es viele Bilder, gehen die einzelnen unter, sind sie klein, werden sie wahrscheinlich in ihrer Aussage beschränkt, werden sie nur kurz angezeigt, haben sie kaum die Chance, eine Aussage zu vermitteln.

Kombiniere ich nun diese Voraussetzungen, ergibt sich eine noch differenziertere Situation: in extremo: viele kleine Bilder werden schnell durchgescrollt! Was, so frage ich mich, kann dabei die Aufmerksamkeit erregen? Immer geübter werden unsere Blicke, filtern in Sekundenschnelle die für uns interessanten Aufnahmen heraus, betrachten sie für einen Moment lang etwas aufmerksamer. Durch die Fülle der präsentierten Lichtbilder bleibt dem medienaffinen Wesen kaum eine andere Herangehensweise, könnte man meinen.

Wird ein Bild in einer Ausstellung gezeigt, so findet es, durch die Verweildauer des Besuchers in der Ausstellung gemeinhin, eine wesentlich höhere Aufmerksamkeit. Davon ausgänglich kann die Bildaussage deutlich stärker kommuniziert werden und auch im Nachgang behält das Bild eine stärkere Bedeutung. Sicher wurde eine gewisse Güte eines Werkes durch die Vorauswahl implementiert, denn allein der Fakt der Anwesenheit in einer Ausstellung oder Galerie impliziert eine besondere Wertigkeit. Ob sie es tatsächlich innehat, steht auf einem anderen Blatt.

In abgeschwächter Form folgt die oben getroffene Aussage ebenso dem Printmedium. Zeitung, Zeitschrift oder Buch, Poster oder Druck im öffentlichen Handel kommt einer solchen Qualitätsaussage nahe, auch, wenn es sich in unserer Gesellschaft mehr um eine durch ökonomische Richtlinien bestimmte Intentionen handelt, als dieser Tatsache einen künstlerischen Gesichtspunkt unterstellen zu können.

Was bleibt, sind die digitalen Medien. Trotz der Tatsache, dass sie allenthalben genutzt werden, ihnen eine schier unendliche Reichweite beschieden werden könnte und ihre Verfügbarkeit -insofern ein Netz vorhanden ist- stets gewährleistet zu sein scheint, ahnen wir, dass Wolken entstehen können, sich jedoch genauso gut sehr schnell wieder auflösen können. Wenige Services bereichern die Kreativität der Nutzer. Da, wo ein Kontakt zwischen Schaffenskraft und Kreativen, zwischen Künstlern und Liebhabern, zwischen Neugierigen und Mutigen, sowie ernsthaft Interessierten und authentischen Menschen entsteht, da ist ein Prozess jenseits von Konsum, Gier, Geltungssucht und Überfluss möglich.

Manche digitale Plattform hat das Zeug dazu, die Kreativität der Nutzer zu fördern, ein Stück weit den Konsum zurück zu führen, und die Menschen wieder näher zusammen zu bringen um dem Sein größeren Raum zu geben, eine Möglichkeit zu bieten, zu produzieren, zu erschaffen, anstatt immer weiter zu konsumieren.

Ob eine Plattform dazu werden kann, entscheidet der Nutzer. Ist für Dich eine solche in Sicht? Siehst Du diesen Prozess in der Gesellschaft?

Vom Wert des fotografischen Bildes im Zeitalter der digitalen Welt [33]

Was bedeutet dir ein Bild von dir selbst? Spielt es eine Rolle, auf welchem Medium es vorliegt?

Überall und jederzeit werden Menschen fotografiert. Nochmehr aber fotografieren sie sich vermutlich selbst. Vor allem jüngere Menschen tun dies mehrmals täglich. Die entstandene Aufnahme wird zumeist sofort in ein beliebiges Netzwerk gestellt. Rein digital führen die Menschen ihre bildliche Identität mit sich herum, auf ihrem Handy, oder besser gesagt in der weltweiten Cloud der Social Networks, deren Schlüssel und Verbindung das Handy darstellt.

Nie so viel, wie zuvor entstehen fotografische Aufnahmen, nie zuvor war es so bequem möglich, sie autonom vor einem mehr oder weniger differenziertem Publikum zu veröffentlichen. Jedermann ist es so möglich, seine Werke zu präsentieren. Sein Konterfei mag in jeder erdenklichen Art und Weise, mehr oder weniger häufig, die Datenspeicher und Foren der Netzwerke füllen. Dem optischen Wesen Mensch wurde ein Spielzeug an die Hand gegeben, dem er kaum widerstehen kann. Mit welchen Folgen geschieht das?

Ist eine Fotografie, weil in einfachster Weise, jederzeit und überall zu bewerkstelligen, nicht mehr wert, als die wenige Sekunden dauernde Aufmerksamkeit im www bei ihrer Veröffentlichung, um danach vom Betrachter und Ersteller vergessen im digitalen Nirvana aufzugehen? Ändert die Form der Darstellung den Wert der Aufnahme? Macht heute noch jemand Abzüge von digitalen Bildern außer denen, deren Hobby mit der Fotografie zu tun hat? Die berufliche Seite spielt hier keine Rolle.

Was geschieht mit der Fotografie als solches? Verfolgen wir ihr Dasein ein wenig weiter, und fragen, welche Möglichkeiten der Präsentation genutzt werden? Ein digitales Fotoalbum ist noch kein haptisches Gut. Du kannst es nicht be-greifen. Erst im Abzug gelänge es dir. Ein Fotoabzug wäre ein erster Versuch. Was geschieht nach dem Ausdruck mit dem Foto? Ein Fotobuch, früher Fotoalbum genannt, wäre ein mögliches Archiv. Bedeutet Archiv eine Ablage, deren Halbwertszeit nur geringfügig größer ist, als die der digitalen Variante? Steht im Schrank. Neben den anderen Alben und Büchern. Nimmt man sich hin und wieder zur Hand. Ein erhebendes Gefühl, in den Erinnerungen zu schwelgen. Oder? Vielleicht gehst du einen Schritt weiter und lässt das Bild von einem der vielen Dienstleister als Acrylglas- oder Aludibond-Bild, vielleicht auch als Leinwand abziehen, um es in deiner Wohnung aufzuhängen? Wie lange würde es an seinen Platz passen?

Das ist das, was du persönlich machen kannst. Eine Kollage, ein Kissen, eine Tasse oder einer der vielen anderen Motivträger kommen noch in Frage. Als Präsent kannst Du es jemand anderen überreichen, der es in seinem Bereich präsentiert oder verwahrt. Und was ist noch möglich, wenn du an eine anderen Art der Verwendung deiner Fotografien interessiert bist? Veröffentlichung als Beitrag eines Wettbewerbs ist eine Möglichkeit, die heutzutage fast ausschließlich digital verläuft. Es wäre eine Option. Wiederum digital, bestenfalls in einem Printmedium würde dein Bild gezeigt, um damit seinen Sinn erfüllt zu haben? Gibt es ein „danach“, oder ist der Sinn und Zweck der Aufnahme nur ein Zeitzeugnis der kurzweiligen Bedeutung?

Gehe ich ein Stück weit in die Vergangenheit zurück und frage, welche Bedeutung die Fotografie von ihren Anfängen aus, über die Zeit des Erwachsenwerdens hinaus, als Eastman Kodak den Rollfilm erfand, bis kurz vor der Digitalisierung innehatte, so gilt für jedes Genre ein eigener Maßstab. Davon ausklammern möchte ich die Werbefotografie, die zwar oft als Motor verschiedener Strömungen diente, deren Zweck aber stets gebunden an das Produkt war. Auch die Dokumentar- oder Reportagefotografie ist ein ein eigenständiges Genre. Bei ihr kommt es weniger auf den Stil an, viel mehr auf die zu transportierende Botschaft eines Themas, die außer informativ zu sein stets zweckgerichtet ist. Was bleibt als Genre oder Richtung der Fotografie übrig? Welche Menschen bleiben außer den Werbe- und Dokumentarfotografen?

Reisefotografie ist eines der frühesten Genres, die zusammen mit den ersten Zeitschriften, die in erster Linie aus abgedruckten Fotografien mit etwas Text bestanden. Und all die anderen Themen? Dazu demnächst mehr.

Und Fotografie? Was bedeutet dir ein Bild von dir selbst?

Von der Beliebigkeit der Schönen [32]

Einen schönen Menschen nicht schön zu sehen, ist nicht möglich, oder? Ein hässliches Foto eines schönen Menschen zu machen, ist nicht leicht, oder?

Schöne Menschen laufen durch die Straßen. Hin und wieder sehe ich sie. Ich sitze in einem Café. Ein schöner Mensch sitzt einige Stühle weiter und trinkt einen Espresso, ließt Zeitung, sieht in sein Handy, blickt selten mal auf in die Weltgeschichte, widmet sich schnell wieder seinen Medien. Ich nehme ihn wahr. Ich blicke ihn an und denke, dass er attraktiv wirkt. Er entspricht dem, was in unserer Gesellschaft als schön gilt, er vereint das, was quer durch alle Kulturen und über alle Zeiten hinweg als Maßgabe für Schönheit gilt: makellose Haut, ebenmäßige Formen, symmetrische Proportionen. Der Blick dieses Menschen ist nahezu frei von Aussage und Bedeutung, entspannt blickt er in die Umgebung.

Da ich mich zeitlebens mit Bildern von Menschen beschäftige, setze ich den Menschen ganz bewusst in einen fiktiven Rahmen. Was würde ein Foto von ihm aussagen? Ein Zeugnis von Schönheit, sicherlich, würde entstehen, fast jeder Betrachter würde der Person Schönheit attestieren, augenblicklich und intuitiv. Schlüsselreize würden wirken, so sie denn über das Bild transportiert werden. Ich blicke den Menschen immer wieder mal an. Nein, ich starre ihn nicht an. Mein virtueller Rahmen nimmt verschiedene Formen und Perspektiven auf. Manche davon wirken vorteilhaft, andere nachteilig, wieder andere beliebig.

Ein Foto würde eines von vielen werden, das einen von vielen schönen Menschen zeigt. Es beschreibt eine Szene aus dem Leben, einer alltäglichen Geschichte, die sich so seit Jahrhunderten wiederholt und vermutlich auch über weitere Jahrhunderte wiederholen mag, wenn wir unsere Welt nicht vorher vergiftet und zerstört haben werden. Über Generationen werden schöne Menschen geboren werden, die auf uns Betrachter ihre Wirkung nicht verfehlen werden. Zeugnisse in Form von Bildern wurde früher weniger gefertigt, heute milliardenfach, zugänglich waren sie früher einem sehr kleinen Kreis, heute über alle Grenzen hinaus, jedem in zigfacher Weise zu hauf.

Waren früher die Schönheiten der Gesellschaft etwas besonderes, weil sie seltener zu sehen waren? Im Kreise seiner Familie, seiner Dorfgemeinschaft, seines sozialen Umfelds waren sie so rar, wie sie es heute auch wären, allein die Bevölkerungsdichte bietet eine größere Anzahl, relativ betrachtet. Hinzu kommt aber die Darstellung von schönen Menschen in Form des Bildes. Begonnen mit Skulpturen und Zeichnungen der Bronzezeit, fortgeführt durch die Malerei ab dem frühen Mittelalter bis zur heutigen Präsentation über Film und Foto gewinnt die Darstellung eine Dimension, die schon über den menschlichen Geist lange hinaus gewachsen ist.

Da sitzt er nun, der schöne Mensch, einige Stühle weiter im Café, und tut nichts, als schön zu sein. So meine ganz eigene, persönliche Wahrnehmung. Ob sich der Mensch selbst überhaupt als schön empfindet, steht auf einem anderen Blatt. Welche Rolle sein Aussehen überhaupt in seinem Leben spielt, ist keine Frage für einen Außenstehenden. Meine Beziehung zu ihm beschränkt sich auf die rein visuelle Situation. Das Wissen um diesen Sachverhalt verhindert nicht die optische Wertung, die automatisch in jedem von uns jederzeit stattfindet. In der zunehmend kommunikationsärmer werdenden Gesellschaft findet ein visueller und darstellerischer Ausgleich statt.

Die Präsentation des eigenen Aussehen scheint die Wahrhaftigkeit des Handelns, des zwischenmenschlichen Kontakts zu verdrängen. Früher drückt man es mit den Worten: „Mehr Schein, als sein“ aus. Es bezeichnete Menschen, die mehr Wert auf ihr Äußeres gelegt haben, als auf ihr Handeln. Heutzutage wäre das Aussehen zu ersetzen durch die Präsentation.

Ich sitze noch eine Zeit lang im Café, sehe immer noch hin und wieder zu diesem schönen Menschen hinüber und frage mich, ob nicht erst ein gewisser Grad der Abweichung von schönheitsideellen Maßen zu Interesse an einem Menschen führt. Dieser Gedanke führt aber schon wieder zu einer mit Gedanken und Gefühlen durchsetzten Betrachtungsweise, und die ist ja nicht mehr zeitgemäß. So genieße ich vorsichtshalber nur die schlichte, austauschbare Schönheit des Menschen einige Stühle weiter …

Von der Handlung im Bilde [31]

Soll ein Portrait eine Handlung des Portraitierten suggerieren oder nicht? Künstler aller Zeiten beschäftigen sich mit dieser Thematik. Fotografen tun dies gleichso, seit über Kunst in fotografischen Portraits diskutiert wird.

Dazu einige Zitate:

„Wie eitel ist die Malerei, wo man die Ähnlichkeit mit Dingen bewundert, die man im Original keineswegs bewundert.“

Blaise Pascal (1623 – 1662), französischer Philosoph

„Malerei, Skulptur, Literatur, Musik stehen einander viel näher, als man im Allgemeinen glaubt. Sie drücken alle Gefühle der menschlichen Seele der Natur gegenüber aus.“

Auguste Rodin (1840 – 1917), französischer Bildhauer

„Malerei ist die Kunst, die Seele zu bewegen durch Vermittlung der Augen. Wenn der Maler nur bis zu den Augen kommt, hat er nur den halben Weg zurückgelegt.“

Denis Diderot (1713 – 1784), franzöšsischer Philosoph

„Jedes Portrait, das mit Gefühl gemalt wurde, ist ein Porträt des Künstlers, nicht dessen, der ihm dafür gesessen hat.“

Oscar Wilde (1854 – 1900) irischer Dramatiker und Dichter

Ein Portrait kann so oder anders sein: es zeigt ein Stückwerk aus dem Leben, dem Alltag, ein Ausschnitt aus einer Handlung, ein Spiegel eines Gefühls oder einer Stimmung. Dabei scheint der Fotograf als der Künstler nur stiller Beobachter zu sein. Auf der anderen Seite gibt es ein Portrait, welches aus der Zwiesprache zwischen Portraitiertem und Fotograf entsteht. Der Blick des Models steht bei letzterem in direktem Kontakt mit dem Fotografen, beziehungsweise mit seiner Kamera. Damit entsteht auch eine scheinbare Beziehung zum späteren Betrachter des Bildes.

Das Bild gibt beim direkten Blick in die Kamera nicht nur das Gesicht der Person wieder, sondern viel mehr. Es ist eine Komposition aus vielen Komponenten, die jede für sich genommen von entscheidendem Einfluss auf die Bildaussage ist. Es ist zunächst die Form des Gesichts, dabei die Proportionen von Augen, Nase und Mund, einzeln, sowie zueinander, dann von Farben, Licht und Schatten, welche einige Teile des Gesichts ausblenden, überzeichnen oder schlicht dokumentieren können.

In dieser Form des Portraits spiegelt sich der Ausdruck des Menschen, seine Verfassung, seine Gefühle und Gedanken, seine Ängste und Stärken, seine Ideen und Vorstellungen, seinen Mut und seine Verbindung zum Menschen gegenüber wieder. Es zeigt ein Stück weit die Realität, gleichzeitig ein Schauspiel, ein Theater der Emotionen im Ausdruck des Portraitierten. Und erheblich mehr von der Sichtweise des Fotografen, als vielen Menschen bewusst ist.

Wie weit sich der Mensch vor der Kamera loslassen oder festhalten, er selbst sein kann oder etwas vorspielen kann, auf der Aufnahme befreit und unabhängig, oder befangen fremd wirkt, liegt wesentlich am Verhältnis von Fotograf und Model zueinander. Es liegt zudem an der Fähigkeit des Models, die Ausdrücke zu spielen oder zu fühlen. Es ist ein Zusammenspiel von Model und Fotograf, bei dem die Wesensart des Fotografen entscheidet, in wie weit die Fertigkeiten des Models sich entfalten können. Sie zuzulassen, zu fördern, sie zu unterstützen in Form seines Auftretens und im Umgang mit Menschen speziell in diesem relativ intensiven Moment ist gleichermaßen bildbestimmend.

Beim Bild der stillen Betrachtung hingegen findet meist keine direkte Verbindung durch Blickkontakt zwischen Model und Betrachter (Kamera) statt. Entweder etwas abgewendet von der Kamera, oder mit geschlossenen Augen, verdeckt oder unbestimmt kennzeichnet diese Art Portrait. Zeitweilig kann aber auch ein abwesender, in sich gekehrter Blick in die Kamera, oder vielmehr durch Kamera und Betrachter hindurch diese Art eines solchen Portraits beschreiben.

Eine Handlung, ob aus ganz Alltäglichem oder einer besonderen Aktion, dient als Grundlage für die Geschichte, die ein solches Bild erzählen soll. Der Betrachter nimmt so die Rolle ein, als der stille Beobachter einer definierten Szenerie. Sie könnte sich jederzeit so oder so ähnlich überall abspielen. Sie enthält einen oder mehrere Aspekte, die sie spannend und unterhaltsam, interessant und sehenswert, vielleicht geheimnisvoll und ergreifend macht.

Etwas nicht (mehr) alltäglich Öffentliches könnte diese Szene darstellen. Hier wird dem Betrachtenden ein Einblick gewährt. Eine öffentliche Handlung, die im Rahmen des Bildes eine wertvolle Betonung erfährt, die damit wiederum ein spannendes und eindringliches Gefühl erzeugt, erzählt das die Geschichte des Bildes? Vielleicht eine Geschichte von Leichtigkeit und Freiheit, von Schönheit und Natur, von Unbefangenheit und Unvoreingenommenheit, durch lichtdurchflutete, helle Tönung unterstützt, nimmt es den Betrachter mit, und ermöglicht so diese Empfindung auf wunderbare Weise.

Oder ein Bild schreibt eine düstere Metapher, melancholisch und schwermütig, durch dunkle Töne mitreißend faszinierend, den Betrachter die dunkle Seite seiner Seele wiederfindend in das Bild hinein ziehend. So sähe eine fotografische Wegbeschreibung aus.

Anders ist die Dreiecksbeziehung beim direkten Portrait. Dabei besteht ein persönlicher Blickkontakt zwischen Model und Fotograf, mehr noch zwischen Model und Kamera, letztendlich aber bildlich zwischen Model und Bildbetrachter. Wesentliches begründet sich in der Stimmung, dem Gefühl, dem Ausdruck, der in einem Bild übermittelt wird. Ein Gefühl, entstanden im Blick und der Mimik des Models, erfasst durch den Fotografen, in seinem für richtig und passend empfundenen Moment und von ihm bestimmten Blickwinkel und Licht der Aufnahme. Letztendlich ist es die Empfindung, die das Bild im Besucher erzeugt, die über Inhalt und Geschichte eine Güte findet, oder eben nicht.

Von der Kunst des Weglassens, Teil 3 [30]

Du nimmst ein Bild in Augenschein. Es ist eine Fotografie eines beliebigen Menschen. Was erkennst du? Siehst du etwas von der Statur des Körpers? Was von diesem Menschen ist abgebildet? Nur das Gesicht, zusätzlich noch die Haare, oder sind sie unter einer Kapuze verborgen? Siehst du die Kleidung oder ist der Mensch unverhüllt? Wenn du Kleidung siehst, bedeckt sie den ganzen Körper? Oder beschränkt sich das Bild auf die Darstellung des Oberkörpers? Wenn du Kleidung siehst, zeichnet sich die Statur des Körpers dennoch darunter ab oder verwischt sie jegliche Kontur?

Was erblickst du noch, außer dem Portraitierten? Ein Setting, das in Bezug zur Person steht oder eine Umgebung, die dir willkürlich erscheint, deren Verbindung zum Motiv, zum Menschen dir Rätsel aufgibt? Was empfindest du beim Studium der Aufnahme? Welche Gedanken und Gefühle löst sie in dir aus? Erzeugt sie Zustimmung oder Ablehnung, wendest du dich schnell ab, blätterst verstört weiter oder nimmst du sie deutlicher wahr? Erzeugt sie dadurch eine positive Wirkung? Wirkt sie auf eines deiner archaischen Zentren, löst ein Gefühl von Belohnung aus, lässt dich dieses Gefühl genießen, weidest dich daran und lässt es gerne zu?

Was macht das Bild aus? Ein Portrait bedeutet ein Bild eines Menschen. Erkennst du darauf das Gesicht des Menschen oder ist es mit dem Halbdunkel verwoben? Zeigt es die Person im Profil oder entzieht sich das Gesicht deinem Blick, bleibt anonym und führt damit das Portrait an den Rand der Bedeutung. Gibt es überhaupt eine übergreifende Bewertung, eine allgemeingültige Bestimmung von Kriterien, die aussagekräftig ein Bild einordnen? Kunstwerke werden seit je her kritisiert. Altbekanntes immer wieder neu zu präsentieren scheint ein ewiger Kreislauf zu sein. Mal ist etwas modern, danach nicht mehr, irgendwann erneut.

Ein Portrait bleibt ein Portrait. Von einer puren Gesichtsmaske bis hin zur opulenten Komposition, eine Person bildet das Motiv. Tritt ein Hintergrund in Konkurrenz zum Motiv, so bekommt der Betrachtende eine anstrengende Aufgabe, die er möglicherweise nicht in der Lage ist zu bewältigen. Das Bild hat verloren. Bietet es zu wenig Spannung, fällt es durch das Aufmerksamkeitsraster des Betrachters. Es verliert ebenso. Gilt es also eine Balance zu finden, auszuloten, bis wohin es in welcher Weise auf wen wirkt. Doch der Künstler, das beschrieb ich bereits hier, fertigt sein Werk aus sich heraus, nicht als Auftragsarbeit. Will er aber sein Publikum erreichen, gilt es eine Zwiesprache zu halten.

Ein Portrait bleibt ein Portrait. Ein Blick eines Portraitierten kann unendlich viele Gefühle erzeugen. Auf einige Ausdrücke reagieren wir Menschen automatisch, ohne uns dies bewusst zu sein, andere analysieren wir genauer. Wie ein Portrait wirkt, hängt vom Ausdruck des Menschen ab, ist er interessant, so entstehen viele Eindrücke. Spricht uns, das heißt, sprechen die Bilder unsere momentane Verfassung und Gefühlslage an, findet eine Begegnung statt. Viele Bilder übersehen wir, ob der Flut der Fotos oder der stetig sinkenden Güte derselben, aber einige erreichen unsere Aufmerksamkeit. Das, weil wir in diesem Moment die Botschaft ins Bild legen, die wir suchen. Ob sie so gemeint war, spielt keine Rolle. Da wir stets auf der Suche nach einer Erfüllung unserer Wünsche und Bedürfnisse sind, finden wir, wonach wir suchen. Für den einen ist es das Portrait der Kindfrau, für den nächsten das Gesicht des alten Bergbauern, für wieder andere der Körper(teil) des Models. Schönheit ist zwar nicht Ansichtssache, aber eine definierte Wirkung wird auf jeden Menschen individuell ausgeübt.

Gibt es ein Fazit? Weniger kann mehr sein, aber auch zu wenig, wenn Aufmerksamkeit in mehrere Richtungen erzeugt werden soll. Von der Wirkung einer Kunst reicht tatsächlich ein einziges Auge als Portrait eines Menschen, das unter einer Kapuze, einer Decke hervor blickt, das so viel Spannung erzeugt, um den Betrachter in seinen Bann zu ziehen. Manchmal sind es zwei Augen, manchmal Augen und Nase oder Teile des Gesichts, die so erfüllt sind von Kraft und Ausdruck, dass kaum ein Betrachter sich der Wirkung entziehen kann. Geht man nach der Beachtung, die bisherigen Kunstwerken geschenkt wird, so liegt der Anteil der reinen Gesichtsportraits weit vorn in der Gunst der Besucher. Das Tagwesen Mensch, als zutiefst visuelles Wesen, der seine Hauptimpressionen über sein Auge erfasst, tritt auch mit diesem in erster Linie in Kontakt. Spannende Betrachtung, finde ich.

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Ein großes Danke an das Feedback von Dir, dass Du liest und ansiehst, schreibst und kommentierst, folgst und kritisierst, lobst und antwortest, …

30.000 Besucher in  1.540 Tagen, die dieser Blog nun online ist mit seinen rund 11.000 Worten und knapp 300 Bildern. 🙂  Auf eine gute Zeit für uns alle und seid aufmerksam. 

Fotoshooting

Kap Arkona, Rügen, Deutschland, Europa, Erde

Zwischenruf: Vorsicht Politisch-satirisch!

fotoshooting mies-vandenbergh-fotografie.de

mies-vandenbergh-fotografie.de

Dieser Blog beschäftigt sich mit politisch belanglosen Dingen der Muse und der Gedanken sowie Gefühlen, ist es nun wieder mal an der Zeit, sich mit vermeintlich wichtigeren Dingen vermehrt auseinanderzusetzen? Mehr mal „nachgoogeln“? Google? Amerika?

Sind wir in einem Handelskrieg mit den USA? Apple/Deutsche Bank, VW/Amazon,  BMW Importzoll, wenn BMW es wagen sollte, ein Werk in Mexiko zu errichten, also selbst bestimmen sollte, welche unternehmerischen Entscheidungen BMW treffen „dürfen“? Importzölle der USA gegen alle Staaten mit Mwst.?

Hm, müssen wir uns jetzt damit (viel mehr) auseinandersetzen? Mein Sohn (14) fragt nach Dingen, die auch ihn angehen: Papa, sag mal, …

• nein, wir kaufen uns jetzt keinen Ford F150 Platinum!

• nein, wir werden nichts mehr über Amazon bestellen!

• nein, ebay fällt ab jetzt komplett flach!

• ja, auch zu McDonalds gehen wir nicht mehr! (Anmerkung des Vaters: letzter McD. Besuch fand 2012 statt!)

• Nein, auch kein BurgerKing! (Erneute Anmerkung: letzter Besuch 2014)

• Papa, kein Kaffee mehr bei Starbucks! (W A S ? )

• ja, mein Sohn, auch kein Shake dort mehr!

• Mama, kein iPad mehr. (Mama: WIE JETZT!!!)

• Urlaub zum Grand Canyon in 2018? Nein, mein Sohn, Elbsandsteingebirge ist auch schön! (Ist wirklich toll dort!)

• PAPA, auf welcher Plattform blogst Du da eigentlich? Upps … 😉

• und meine Schwester mit ihren Levis-Jeans? Nur noch Mustang-Jeans!

• darf Oma noch ihre Oreo-Kekse essen. Nee, fallen weg, sag ihr bescheid!

• und Cola etwa auch nicht mehr, keine CocaCola, keine Pepsi? (Papa: Junge, du bist 14, du durftest es bis jetzt nicht, damit brauchen wir also gar nicht anfangen!)(Psst: Afri-Cola und Fritz-Cola schmecken auch)(WAS? Heimlich??? Freunde???)

• tja, Papa, und du kein Heinz-Ketchup und kein Häagen-Dazs Eis mehr, oder? (Papa: jetzt hat er aufgepasst, verdammt!)

• Twittert Mama eigentlich noch? (Mama: och nöö!!!)

• Und, Papa, deine Harley Davidson, das wird dann doch die Moto Guzzi California? Trotz Namen `California´? Papa? PAPA?? (jetzt werd‘ mal nicht frech, Kind!)

Diese Liste könnte noch um vieles erweitert werden,  aber soll es wirklich für uns Endverbraucher so kommen? Och, nö, hab ich nicht so geplant! Was denkst Du, der das ließt, darüber? Alles wegen Trumpismus? Oder schon lange vorher, nur nicht so sichtbar für den, der nur fern sieht oder sich über fake nein, facebook informiert? (man, gut dass letztere nicht auch noch amerikanisch sind! – PAAAPAAAA!!!! – Sohn, hast du schon Latein gelernt? – Stille, endlich …

 

Was kommt im Wahljahr  2017  ?

Alles Gute! (Politikmodus und Satiremodus off, ähm aus! 🙂