Was ich besser machen könnte… Teil 4 von 12 [Intermezzo]

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4. Konzentration auf das Wesentliche 👀

Konzentration auf das, was gerade geschieht. Kennst Du folgendes? Ich bin dabei, mich einer Sache zu widmen, gedanklich jedoch bei tausend anderen Dingen. Zeit meines Lebens erwehre ich mich des Eindrucks, dass ich nicht wahrhaftig anwesend bin. Immer mal wieder beschleicht mich ein Gefühl, dass mir vermitteln möchte, ich bin zwar da, im hier und jetzt, aber nur Zehntel Sekunden später schon wieder ganz woanders. Dort aber nicht beständig, sondern in gefühlten Millisekunden schon wieder weg und als Resümee mit der Gewissheit, ich war an 1000 Orten in meinen Gedanken.

Das muss besser werden. Wenn ich spüle, dann spüle ich. Wenn ich gehe, dann gehe ich. Wenn ich blicke, dann blicke ich. Solche und andere Affirmationen helfen. Doch der Geist ist schier übermächtig. Er liebt es, abzuschweifen. Gedankenschlösser finde ich eine fantastische Sache. Sie helfen mir bei der gedanklichen Ordnung und Konzentration.

Im Alltag lasse ich mich allzu gerne treiben. In Gedanken versunken, so könnte man es beschreiben. Wenn Arbeit ansteht, egal, ob beruflich oder privat, dann läuft sie gut, fast immer. Ich kann nicht klagen, meine Kunden auch nicht, es sind in meiner beruflichen Praxis schon einige ansehnliche Gärten entstanden. Auch sonst kann ich auf einige gelungene Werke zurück blicken. Aber: Ich werde das Gefühl nicht los, dass ich immer nur auf Dreiviertelkraft laufe, dass es reicht, und lauter kleine Abschweifungen mich ständig verlocken, sind Teil meiner selbst.

Wie viel ist Leben davon, wo beginnt das Chaos, wie viel dieser kreativen Ausflüge sind noch normal? Meine Menschen fragen manchmal nach, ob es ankam, was getan werden soll. Natürlich, ich kann jedes Wort wiederholen, schließe Ideen an und mögliche Vorgehensweisen, stelle Fragen dazu, alles gut. Aber ich fühle, dass ich all das manchmal wie im Traum erlebe. Tatsächlich finde ich diese Nachfrage meiner Menschen gerechtfertigt, denn ich war wahrhaftig zwischenzeitlich auch bei anderen Gedankenkonstrukten, pendelte in Millisekunden umher und finde nichts besonderes dabei. Aber, ich vermute, mehr Konzentration auf die gerade anstehende Situation wäre effizienter. Vielleicht komme ich damit noch weitaus ökonomischer zu noch schnelleren und vor allem besseren Ergebnissen. Denke ich des öfteren.

Wie ist es für Dich? Bist Du immer voll bei der Sache, die Du gerade machst? Ich habe mich lange Zeit mit Zen beschäftigt, und dabei habe ich verstanden, einen Hof zu fegen. Das kann ich. Wenn ich mich konzentriere. Und nur das. Fegen. Wieder und wieder, bis ich verstanden habe, das fegen fegen bedeutet.

Wie hilfst Du Dir dabei, eine Sache konzentriert anzugehen? Schweifst Du auch ab? Oft oder selten. Würde mich sehr interessieren. Nein, interessiert mich!

Danke Dir!

Was ich besser machen könnte… Teil 2 von 12 [Intermezzo]

Schatzi, Mausi, und die Koseformen von Namen

Meine Nackenhaare sträuben sich leicht, sobald ich Verniedlichungen von Namen höre. Das sollte ich in den Griff bekommen. Mein Freund Andreas heißt nicht Andi. Meine Freundin Valerie heißt nicht Liri. Der Name Olaf bietet nur wenig Möglichkeiten der Verniedlichung. Warum mag ich es nicht? Ist mir ein Rätsel, es hat nur wieder mit Sprache zu tun, wie im ersten Beitrag. Ich meine, Namen sind toll, und auch Alexander ziehe ich Alex vor, es ist eine Freude für mich diesen auszusprechen. Ich habe es in der Sprache nicht eilig. Ich mag die leichten Ausschmückungen in der Sprache, was der aufmerksame Leser sicherlich schon hin und wieder feststellen konnte. So gefallen mir die Namen, wie sie sind, ohne eine Verkürzung oder ein „i“ dazugedichtet. Auch Basti, (hier zickt nicht mal die Autorechtschreibkorrektur, wie bei vielen anderen Worten, die allesamt zum erweiterten Wortschatz gehören, aber auf den Tastaturen der Smartphones wohl nicht erwünscht sind. 😉)

Namen sind bekanntlich Schall und Rauch, doch woher stammt die Neigung zur Verniedlichung? Es ist nichts verwerfliches daran, einen Menschen in einer liebevollen Art und Weise anzusprechen, dies womöglich auch mit einem Tiernamen zu verbinden, und es mögen scheinbar einige Personen mehr, als man denkt. Worte wie „Schatz“ nutze ich übrigens auch. Aber mit Schatzi (wird auch nicht unterstrichen von der Korrektur 😂) verbinde ich eine leichte Herabsetzung. Wird ein Mensch, der so gerufen wird, ins Lächerliche gerückt? Wie empfindest Du die Sache mit den Verniedlichungen? Bärchen, Schnecki, wie heißt Du sonst noch außer Deinem Klarnamen? (Keine Sorge, ich verrate nix… 🙊)

Der Fotograf ist nur der Regisseur [93]

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Der Mensch hinter der Kamera ist eine Art Regisseur, wenn es um die Wirkung und Aussage einer Aufnahme geht. Er sollte erkennen, was wie wirkt und hinweisen, was eventuell dafür zu verändern wäre. Wenn er es erkennt!

Eine Aufgabe eines Trainers oder Coachs ist eigentlich ganz klar: Er sollte seine Protagonisten fordern und fördern, damit sie ihre Leistung stets verbessern und sich weiter entwickeln können. Dazu ist ein gewisser Grad an Wissen und Erfahrung, aber auch Einfühlungsvermögen und Gespür für eine Situation nötig. Manche haben es, andere weniger. Bei einem Fotografen ist in mehrerer Hinsicht ganz gut zu erkennen, ob diese Fähigkeiten vorhanden sind oder nicht. Es gibt Beweisbilder! 😉 Bestenfalls sollte der Fotograf jene Aufnahmen nicht publizieren, die eine unzureichende Komposition einer Aufnahme zeigen und eine Ergänzung von Model und Fotograf vermissen lassen.

Dabei spielen mehrere Faktoren eine entscheidende Rolle.

  • Erkennt der Fotograf das Potential einer Aufnahme?
  • Erkennt er die Unzulänglichkeiten im Bild?
  • Hat der Fotograf die Fertigkeiten eine Idee umzusetzen?
  • Passen Fotograf und Model zueinander, damit die notwendigen Synergien entstehen können?
  • Stimmt die Tagesform der Arbeitsgemeinschaft?
  • Sind alle äußeren Faktoren wie Zeit, Ort, Tageszeit, Lichtstimmung, Terminabstimmung, Befinden der Teilnehmer stimmig?

Manche Aufnahmen werden trotz der Tatsache, dass nicht alles passte, gezeigt, gerade weil Elemente zu erkennen sind, die besonders stimmig und außergewöhnlich scheinen. Bei der abschließenden Betrachtung kommt zum Tragen, in wie weit das Auge des Betrachters geschult ist, diese Besonderheit zu erfassen. Bei der Erstellung einer Aufnahme gilt es die möglichen Parameter zu beachten und all das, was nicht stimmig erscheint, zu verändern, bis es funktioniert. Oftmals entgeht einem das ein oder andere, wieder anderes erscheint beim Betrachten der Aufnahme – zufällig – absolut vorteilhaft. Diese Unwägbarkeiten machen ein Shooting mitunter spannend, denn auch, wenn ich noch so gut plane und steuere, so kommt es immer wieder zu außergewöhnlichen Konstellationen.

Einstellungen und Reaktionen verändern sich vielfach innerhalb von Bruchteilen von Sekunden. Manches davon ist wiederholbar, anderes und das weitaus häufiger, bleibt einzigartig. Wurde das Bild gemacht, hat man Glück, sah man gerade nicht rechtzeitig hin, ist es verloren. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Besonderheit eine Licht-Konstellation oder ein Blick des Models war, ein Windstoß durchs Haar oder eine Stimmung in der Mimik des Menschen vor der Kamera.

Wenn aber die Möglichkeit besteht zu steuern, die Gabe der Beobachtung und des Erkennens vorhanden ist, dann sind die kreativen Ideen sehr viel wahrscheinlicher in ein Bild zu transportieren. Voraussetzung ist immer ein Dirigent, der die Ideen verwirklichen kann. Es wäre fabelhaft, er empfände die Sprache und Wirkung eines Bildes, und könnte das formulieren und begleiten. Wenn er das alles dergestalt in Szene setzen könnte, mit alledem, was dazu gehört: Körpergefühl und Mimik des Models, eine Beweglichkeit und Reaktion, Vorstellungskraft und schauspielerisches Talent des Models so begleiten und hervorbringen, damit es passt. Doch dies entfaltet nur dann eine Wirkung, wenn eine Basis gefunden wurde, auf der die Kommunikation und Beschreibung der Kreativität einen Widerhall in allen Beteiligten findet.

Eine Muse zu finden wird nur wenigen Künstlern zu teil. In der heutigen schnelllebigen Zeit ist es schier noch schwieriger, als früher. Dabei ist es (für mich) ein schöner Gedanke, wie ein Bildhauer all das in einem Menschen zu erkennen, was einzigartig wirkt, dabei all das vom Rohdiamanten oder Felsen jenes wegzuhauen, was nicht dazu gehört und damit die Grazie und den Anmut, das Wesen und die Seele des Models herauszustellen. Wie der Maler in jenem Lichte und Schatten, sowie unter Zuhilfenahme der rechten Farben das Bildnis des Menschen zu vervollkommnen im Stande sein würde.

Next Generation [80]

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New Kids on the block, so nannte sich einst eine Pop-Band in den 80er Jahren. Nicht, dass es mir hier um die Musik der Combo oder eine Bewertung derselben gehen würde, das überlasse ich lieber den Kritikern. Nur der Name kam mir gestern in den Sinn, als mich wieder einmal eine 17-jährige junge Dame zwecks Erstellung fotografischer Aufnahmen kontaktierte.

Dabei ertappte ich mich bei einem amüsanten Gedanken: Als ich mit der Fotografie vor über dreißig Jahren begann, waren es noch die Mütter jener jungen Menschen, die vor meiner Kamera standen. Vor ein paar Jahren waren die jungen Erwachsenen noch kleine Kinder, ganz gleich, ob jene aus dem Familienkreis, Freundeskreis, Bekanntenkreis kamen (eher selten) oder es Fremde waren (meistens). Heute sind es Erwachsene, die zum Teil noch ihren Schulabschluss vor sich haben, studieren, eine Ausbildung machen oder schon beruflich Fuß gefasst haben. Meist Menschen, die noch nicht auf einen großen Erfahrungsschatz in Sachen Leben zurückgreifen können, die aber gerade ihr Äußeres entdecken und daraus Vorstellungen und Ideen entwickeln, sich vor der Kamera ausprobieren möchten.

Immer neue Generationen wachsen heran. Manchmal schweifen meine Gedanken in der Vergangenheit umher, ich denke an Brigitte Bardot und Sophie Marceau, an Marilyn Monroe und Claudia Schiffer, um nur mal ein paar Namen der Menschen zu nennen, die einst als schön bezeichnet wurden (und noch werden), von denen es unzählige Fotos gibt, in Büchern, im Netz oder Zeitschriften. Anschließend sehe dann Bilder jüngerer Menschen, die heute als schön empfunden werden. Da wären zum Beispiel Lauren de Graaf, Kristina Pimenova und wie sie heißen mögen, deren Stern noch nicht aufgegangen ist …

Ob ein junges Mädchen jemals ein Supermodel oder überhaupt den Weg zu einem Model-Dasein finden wird, diese Frage steht manches Mal im Raum, wenn ein junger Mensch ein Shooting erfragt. Auch die bekannten Supermodels haben einst nicht anders begonnen. Einmal angesprochen, vielleicht auf der Straße, im Café oder am Arbeitsplatz, oder durch eine Bewerbung kann daraus entstehen, was als Model-Karriere bezeichnet wird. Die Wege sind vielfältig, auch ein passender Web-Auftritt kann zu einer Entdeckung führen, wenn er entsprechend gut gemacht ist. Scouts durchforsten regelmäßig die einschlägigen Social Media Plattformen.

Ein Shooting oder ein Beginn mit Shootings muss jedoch nicht zwangsläufig dazu führen, Fotomodel oder sogar Mannequin zu werden. Es kann auch ein Hobby bleiben, bei dem man sich der Kunst der Darstellung hingibt und immer wieder besondere Bilder mit unterschiedlichen Fotografen kreiert.

Doch es kann, wie immer, wenn man es nur ernsthaft versucht, man Zeit investiert, dazu führen, dass man eine Zeit lang beruflich modelt, den Einstieg wagt in die Welt der Modedarstellung, dass man mehr oder weniger oft gebucht wird für die Erstellung von Modeaufnahmen einschlägiger Marken und Designer. Model für einen Katalog beliebter Marken oder auch Auftritte als Laufsteg-Model sind möglich und häufig ein Ziel junger Menschen. Ob es funktioniert oder nicht, das ergibt sich nach ersten Schritten und ob es letztlich den eigenen Vorstellungen entspricht oder ganz anders empfunden wird, zeigt sich recht bald. Innerhalb von sieben Stunden in sechzehn Outfits zu springen und jedes Mal ein anderes Outfit und eine andere Visagistik zu erhalten kann sehr anstrengend sein, von den unterschiedlichen Posen und deren Beherrschung ganz zu schweigen. Harte Arbeit ist es allemal, das sollte man nicht verkennen.

Auch ist es nicht nur die Arbeit bei einer Buchung, auch im Leben sonst sind einige Maßgaben nicht ohne Bedeutung: Wie ernähre ich mich (seltenst Fastfood, wenige Softdrinks, viel Wasser,…), wie halte ich mich fit und wie trainiere ich meinen Körper! Das sind nur zwei Aspekte von mehreren. Wer sich interessiert kann gerne in entsprechender Literatur weiterlesen.

Aber hat man sich erst dazu entschlossen, diesen Weg zu versuchen, dann sollte man es mit ganzem Herzen tun. Wenn, dann richtig. Man sollte den Willen haben, es zu versuchen und ich habe Menschen kennengelernt, die es wollen und solche, die zwar den Wunsch verspüren, jedoch sich nicht entscheiden können, es tatsächlich zu wagen. Damit gebe ich keine Wertung ab, denn es bleibt nicht für jeden Menschen, der es versucht, ein Ziel, es kann auch das Gegenteil als Erkenntnis herauskommen. Das finde ich genau so richtig! Und man hat es versucht.

Im Moment darf ich zwei junge Menschen dahin begleiten, die es wollen. Sie planen, setzen sich ein, investieren in sich, stellen viele Fragen und entwickeln Ideen. Unterstützung gebe ich sehr gerne, wenn solch eine Initiative zu erkennen ist, es macht mir viel Spaß. Auch die Ergebnisse sind so, dass es eine wahre Freude ist die Ergebnisse anzusehen. Das aber nur nebenbei.

Die Frage hinter diesem Beitrag ist eine ganz andere. Wie entwickelt sich die Menschheit in einer Zeitpanne über Generationen hinweg, wenn es um die Darstellung und die Begeisterung von schönen Menschen geht? Ein Gespräch mit einem ehemaligen Model, das nach ihrem Modelberuf einen anderen Weg eingeschlagen hat, erzählte von ihrem Werdegang, der Entwicklung der Modelbranche aus ihrer Sicht und den Umgang mit den Menschen von außen her, sowie untereinander. Sie war kein Supermodel, sie spricht von sich als ein Model mit gutem Einkommen und regelmäßiger Buchung für viele unterschiedliche Bereiche. Ihr hat es unheimlich Spaß gemacht. Eine Sache, die mich im Nachhinein immer wieder mal beschäftigt hat, ist ihre Ansicht über ihren und den Werdegang ihrer Kolleginnen, was das Alter betrifft: Modeln, so sagte sie, kannst Du ab ca. 16 und maximal bis 26 oder 28.

Das wäre ein Zeitfenster von ca. 12 Jahren. Alle 12 Jahre fände demnach ein Wechsel statt, bei dem junge unbekannte Menschen die Plätze derer übernehmen, die „schon“ 26 Jahre alt sind. Spielt diese Überlegung eine Rolle bei dem Wunsch, für eine Zeit ein Model zu sein? Bisher entstanden auf diese Aussicht hin keine Zweifel bei meinen Models. Im Gegenteil, es war bisher meist so, dass dieses Zeitfenster gerne als Phase des Lebens gesehen wird und die Zukunft zeigen würde, was weiter geschieht. Im Vordergrund steht der Wunsch, sich auszuprobieren. Kann ich das erreichen? Wie weit komme ich? Ist ein Traum meiner Kindheit eine Option für mich oder eine vollkommen andere Realität? Auch der monetäre Aspekt spielt eine Rolle, steht zwar nicht im Vordergrund, aber schwingt oft mit. Was daraus wird, steht ganz und gar im Ungewissen, denn man kann dazu nur das Verhältnis betrachten von Models und (den relativ wenigen) Supermodels. Wie eingangs erwähnt, auch die sogenannten Supermodels haben einst (meistens) ganz unten begonnen.

Soviel zu diesem Gedanken. Als Fazit lässt sich für mich erkennen, dass in jeder Generation immer wieder viele sehr hübsche, fotogene Menschen heranwachsen, von denen nicht jeder in dieses Business hinein schnuppern wird und will, dass es jedoch immer wieder atemberaubende Erscheinungen unter den Menschenkindern gibt, die dafür prädestiniert sind und damit ein Bild der Schönheit prägen und verändern, bestätigen oder kreieren können, das Begeisterung hervorruft und wie schon vor Jahrhunderten (vermutlich noch viel länger) eine Muse der Menschheit sein werden.

Agnus Dei – Wörterbuch zu „Nein!“ [64]

Zeit nehmen. Zeit opfern. Zeit haben. Zeit schenken. Wie hältst Du es mit Deiner Zeit? Für andere oder auch dich selbst!

„Ich kann nicht, denn ich habe keine Zeit!“ (Nääh, Du, isch kann nisch!)

Kreuze an: ❎ 😉

□ „Ich kann nicht!“ heißt: „Ich möchte mir (dafür) keine Zeit nehmen!“

□ „Ich kann nicht!“ heißt: „Dafür möchte ich meine Zeit nicht opfern!“

□ „Ich kann nicht!“ heißt: „Dafür möchte ich meine Zeit nicht verlieren!“

□ „Ich kann nicht!“ heißt: „Ich habe jetzt etwas zu tun, das meine Zeit mehr erfordert!“

□ „Ich kann nicht!“ heißt: „Mir ist ein anderer Mensch zu diesem Zeitpunkt wichtiger!“

□ „Ich kann nicht!“ heißt: „Ich habe Dinge zu vervollständigen, deren Entwicklung einen großen Rückschritt machten, oder gänzlich zu nichte gemacht würden, käme ich ihnen nicht nach!“

□ „Ich kann nicht!“ heißt: „Ich meine, dass es einen passenderen Zeitpunkt in der Zukunft gibt.“

□ „Ich kann nicht!“ heißt: „Ich benötige Zeit zur Regeneration!“

□ „Ich kann nicht!“ heißt: „Ich musste feststellen, dass ich dafür meine Zeit zuvor vergeblich geopfert hatte!“

□ „Ich kann nicht!“ heißt: „Ich habe für mich bereits alles erreicht, ich möchte nun neue Wege beschreiten!“

□ „Ich kann nicht!“ heißt: „Ich möchte (doch)… nicht (mehr), denn ich habe meine Ausrichtung verändert (oder beibehalten)!“

□ „Ich kann nicht!“ heißt: „Ich will nicht (mehr), habe jedoch nicht den Mut, es (Dir) zu sagen!

□ „Ich kann nicht!“ heißt: „Ich kann mich so gar nicht entscheiden!“

□ „Ich kann nicht!“ heißt: „Ich… vervollständige hier doch mal selbst und schreibe es gern‘ in einen Kommentar…

Wie hältst Du es mit der Authentizität?

Von der Tiefe [Intermezzo] [39]

Ich beschäftige mich. Ein Leben lang. Mit den unterschiedlichsten Dingen. [Lass‘ mich das alles zunächst „Dinge“ nennen.]

Manche Dinge begegnen mir früher, andere später. Mit manchen beschäftige ich mich aus freien Stücken, mit manchen nur, um zu überleben. Manche Dinge lasse ich gerne in mein Leben, andere nicht so gerne. Manche davon verweilen eine längere Zeit bei mir, wieder andere nur sehr kurzfristig, einige dieser Dinge aber scheinen mich ein Leben lang zu begleiten. Von gänzlich anderen Dingen höre ich, aber sie scheinen sich mir zu entziehen. Wiederum andere entspringen meiner Vorstellung und ich darf glücklich darüber sein, dass sie nicht teilhaben an meinem Leben.

Wie gehe ich mit all diesen Dingen um? Mein Gefühl ist oft diffus. Der Verstand vielleicht nicht, aber sind wir mal ehrlich: was schon entscheiden wir tatsächlich mit dem Verstand? Wenn dem so wäre, die Wirtschaft bräche sang- und klanglos zusammen. Bildlich ausgedrückt sieht es so aus, als ob ich vieles nur peripher wahrnehmen kann, dass heißt, ich sehe Verschiedenes, auch über einen längeren Zeitraum hinweg, aber ich überfliege es nur, wie der Adler über den Wäldern fliegt, über die Bäume hinweg gleitet, unendlich Kreise um sie zieht, niemals aber auf ihnen landet, geschweige denn von ihren Früchten oder gar Wurzeln nur eine Ahnung erfährt.

Ich sehe Dinge, kann über sie sprechen, weiß, dass sie existieren. Es scheint mir, als könne ich mir ausmalen, wie sie sind, aber nähere mich ihnen nicht wirklich. So, als fasste ich ein Stück Holz an, vielleicht ein Werkzeug, ohne es gebrauchen zu können, obwohl ich genau weiß, wozu es dient, weiß, was damit erschaffen werden könnte. Es ist, als greife ich mit Händen in einen Nebel, um ihm habhaft zu werden.

Manche Dinge berühre ich, ohne sie wirklich zu begreifen. Manche Gedanken denke ich ohne sie wirklich zu begreifen. Von manchen Dingen scheine ich zu wissen ohne eine wirkliche Vorstellung davon zu haben. Tatsächlich berühre ich Dinge ohne sie wirklich zu fassen. In einem Moment sind sie präsent, im nächsten Augenblick scheinbar niemals dagewesen.

In der Meditation kann ich gut aus dem mir eigenen Körper treten, es gelingt mir leicht. Vielleicht, weil ich es seit frühester Jugend praktiziere. Immer öfter aber scheinen mir Dinge, die ich klar vor mir sehe, zu entgleiten, während sie noch da sind. Sie scheinen sich zu entmaterialisieren, während ich sie noch betrachte, wahrnehme, nutze, fühle.

Auch mit Gedanken, Gefühlen, Begegnungen geschieht es immer wieder. Unwirklich beschreibt es, was nachher bleibt. Zwischen Traum und Wirklichkeit verschwimmen die Erinnerungen, Grenzen lösen sich auf. Mit aller Macht stemme ich mich gegen diesen Zustand, meist gelingt es, aber ich nehme die Transzendierung deutlich wahr. Auch die tatsächliche Präsenz anderer Menschen empfinde ich in dem Grad, wie sie mir entgegen treten. Da oder nicht da, als ein Spiegelbild meiner eigenen Präsenz?

Wie kann ein Mensch mit mir in Kontakt treten, wenn nur der Körper da zu sein scheint? So frage ich hin und wieder, wenn ich bemerke, dass es in aller Oberflächlichkeit um Belange der Banalität geht, die als notwendiges Übel in unserem Leben uns beschränken. Aber auch diese Dinge sind vorhanden, machen uns als Menschen aus, lassen uns als Wesen wirken. Wir können dabei eine Wirkung nur dann erreichen, wenn wir verändern und gestalten. Kraft unseres Körpers erreichen wir eine Entwicklung der Seele, denn mit ihm denken, fühlen und vor allem handeln wir. Wir bewegen Dinge, indem wir ihren Zustand verändern, ihre Lage verändern oder ihre Existenz in Energie verwandeln. Vielleicht schaffen wir irgendwann den umgekehrten Weg, nämlich aus Energie etwas Materielles zu transferieren.

Wahrhaftigkeit ist ein kostbares Gut bei uns Menschen, und wie mir scheint, ein rares. Was passiert mit uns Menschen, dass es immer weiter zu weichen scheint, Platz macht für den Spaß, das Vergnügen, den Konsum in der vielerorts zunehmenden Wohlstandsgesellschaft der Erde, wo die Gier alle Kreativität und Mitmenschlichkeit ersetzt?

Von der Handlung im Foto, Teil 1 [38]

Sollte ein fotografisches Bildnis eines Menschen stets eine Handlung des Portraitierten darstellen? Auch, wenn ein Bild inszeniert ist, was es fast immer ist außer in der dokumentarischen oder Streetfotografie, sollte es trotz dieses gestellten Szenarios vermitteln, als handle der Mensch auf dem Bild in irgend einer Art und Weise?

Die Darstellung auf einem Foto könnte von einer expliziten Handlung ausgehen. Oder sie kann eine intuitive Reaktion zeigen, die das Bild suggeriert. Die anschließende Grenze zur Nicht-Handlung ist zwar nicht undurchlässig, jedoch beginnt sie häufig deutlich an der Stelle, wo der fotografierte Mensch in scheinbaren Kontakt mit dem Betrachter tritt, indem er in die Kamera blickt.

Ein Portrait kann auf die eine oder andere Weise wirken. Über die Güte sagt es vorerst noch nichts aus. Es hängt zum Beispiel davon ab, welche Mimik der Portraitierte zeigt, welcher Kontext existiert und letztlich sogar, in welchem Rahmen ein Bild präsentiert wird. Wird eine Handlung im Bilde erkannt, erfasst der Betrachter den Inhalt dadurch schneller? Wird durch diese Erkenntnis diesem Bild schneller eine Sinnhaftigkeit attestiert? Hat es zur Folge, dass eine Fotografie dem Betrachter einen schnelleren und einfacheren Zugang gewährt?

Eine Person auf einem Foto vollzieht zum Beispiel eine alltägliche Handlung. Sie geht einige Schritte, sie bewegt sich im Stand, oder sitzt und zeigt so eine Bewegung, die sich dem Betrachter des Bildes leicht erschließt, weil er sie kennt, sie ihm vertraut ist. Vielleicht liegt die portraitierte Person an einem beliebigen Platz, oder lehnt stehend an einer Wand, seitlich oder mit dem Rücken, möglicherweise an einem bestimmten Objekt.

Was tut die Person dort? Warum wurde sie fotografiert? Vielleicht harrt sie auch nur, in sich gekehrt, an einem bestimmten Ort, einem Platz, der -vielleicht erkennbar- in einer Beziehung zur fotografierten Person steht, eine optische Verbindung beschreibt, durch die Haltung und Mimik unterstützt? Ein Sinn scheint vorhanden. Das Bild scheint logisch zu sein, erst einmal nichts verstörendes erschreckt den Blick. (Zu den Möglichkeiten des Skurrilen und Phantastischen als Reiz des Besonderen komme ich später zu sprechen)

Wird eine Handlung nicht direkt erkennbar, so kommt es auf die Mimik des Portraitierten an. Strahlt die Person auf dem Bild möglicherweise eine innere Ruhe aus, Kontemplation oder auch Melancholie, wird auch der Blick des Portraitierten dies bestätigen, so findet der Betrachter wiederum einen Sinn im Bilde. Es geht danach explizit um die Stimmung, ein Gefühl, welches im Bild besteht, das aus ihm heraus quillt und den hinblickenden Menschen erfassen kann.

Dabei wird erstmals eine Grenze erreicht, an der der Portraitierte und der Betrachtende sich im Bilde fiktiv begegnen. Es werden Gefühle erzeugt, Stimmungen ausgelöst. Der Sinn, die Aussage eines Bildes verschiebt sich von einer Handlung zu einer Stimmung. Genau an dieser Stelle besteht die große Gefahr, an der Belanglosigkeit zu scheitern, der Redundanz zu verfallen, und sein Bild damit einer Beliebigkeit zu opfern.

Von der Philosophie der Fotografie [37]

Gibt es eine Philosophie der Fotografie? Natürlich, mag man ausrufen! Wenn es eine Philosophie für das Leben gibt und die Fotografie zum Leben zählt, dann wäre es nur folgerichtig.

Wenn du für dein Leben und in Beziehung zur Gesamtheit der Menschen eine eigene Philosophie etabliert hast, so kannst du diese Philosophie sicher auf die Fotografie als einem Teil deines Lebens, so du dich mit ihr beschäftigst, determinieren.

Jenen Teil deines Lebens, den du -auf welcher Ebene und Seite auch immer- in die künstlerische Fotografie investierst, in die Erschaffung von Bildern, vielleicht auf der Suche nach dem einen Bild bist oder dabei bist, dein Werk zu vollbringen, diesem Teil gebührt über die pure Aufmerksamkeit hinaus die Beschäftigung mit dem Sinn dahinter, vielleicht dem Sinn, einen eigenen Weg zu beschreiten, auf dem du das auszudrücken vermagst, was du gerne verkünden möchtest, was in dir ist und dem du eine Gestalt geben kannst, nämlich in Form der künstlerischen fotografischen Aufnahme als ein Teil dessen, was von dir bleibt.

Vom Ausdruck im Portrait [36]

Ein fotografisches Portrait. Der Blick auf dem Bild sagt etwas aus. Deine Augen suchen im Blick auf diesem Bild vielleicht etwas. Einmal suchst du Informationen, ein anderes Mal kommunizierst du mit anderen oder zum letzten erfasst dein Blick etwas. Auf dem Portrait wäre die Kommunikation recht einseitig, vermutlich!

Betrachte ich ein Portrait eines Menschen, auf dem der Blick des Portraitierten in die Kamera gerichtet ist, so begegne ich dem Blick, nehme ihn wahr. Der Blick auf dem Bildnis erzeugt in nur Bruchteilen von Sekunden eine Stimmung in mir, fast immer. Was kann dieser Blick aussagen? Unendlich viele Stimmungen sind es, die er transportieren vermag. Er kann mich führen, anleiten, in eine ganz bestimmte Gefühlslage zu kommen. Zustimmung oder Ablehnung, positive und negative Reaktionen, Interesse oder Desinteresse werden erzeugt. Wieder sind bei der Erstellung eines Portraits die drei Seiten der Kreativität beteiligt, nämlich der Portraitierte, der Fotografierende und der Betrachtende.

Wie gehe ich selbst, als einer der Beteiligten, nämlich als der Fotografierende, an die Erstellung eines Portrait-Projektes heran? Als einen Teil aus der kreativen Idee heraus kann ich mehr oder weniger Raum im Geschehen einnehmen. Ich kann mich zurück halten oder deutlich und oft intervenieren. Ich kann, wie es Richard Avedon in Shootings machte, über eine Stunde lang in einem absoluten Schweigen verbringen, während dieser Stunde die Kamera auf einem Stativ fernausgelöst steuern und immer wieder eine Aufnahme des Portraitierten machen. Kommunikation findet dabei ausschließlich über gelegentliche Blicke statt. Jede noch so kleine Veränderung sehe ich dabei, löse aus und dokumentiere. Kein Mensch konnte und kann während dieser Stunde durchgehend eine Maske aufrecht erhalten, wieder und wieder fällt sie für Augenblicke nieder. Das können die Momente sein, in welchen ein Portrait ungemein an Authentizität gewinnt. Die Ersteller würden sich natürlich beide darauf einlassen.

Oder rege ich als Fotografierender gezielt Stimmungen an, erzeuge durch Geschichten und Erzählungen Gefühle, provoziere durch eigene Mimik beim Gegenüber ähnliche oder konträre Regungen, um diese in die Bildaussage zu transportieren? Was will das Portrait? Worin liegt der Sinn und Zweck der Aufnahme, welche Idee steckt dahinter und möchte kommuniziert werden?

Bei weitem bin ich in meinen Fotografien noch nicht so weit, dass ich es explizit darstellen kann, auch nach 30 Jahren nicht. Vielleicht soll diese Suche auch der Ansporn sein, der Weg, sich seiner eigenen Veränderung der Identität immer wieder zu nähern. Wie lange es geht? Solange die Kreativität lebt und Sehnsucht nach der Verwirklichung, dem Ausdruck eines Lebensgefühls in einer beliebigen Form der Kunst existiert und etwas erschaffen werden möchte, das diesem in irgendeiner Form Ausdruck verleihen kann.