Du bist schön, weil ich Dich kenne! (177)

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Menschen, die uns an jemanden erinnern, den wir kennen, bzw. dessen Aussehen uns bekannt vorkommt, diese Menschen haben in der Wahrnehmung einen „Heimvorteil“. Warum ist das so?

Studien, die in England durchgeführt wurden, ergaben, dass Sympathiegrade sich stark an bekannten Gesichtern orientieren. Probanden wurden auf dem Bildschirm eine Reihe von Gesichtern gezeigt, die sie auf einer Skala benoten sollten. Es sollte, so wurde ihnen vorher mitgeteilt, eine Erhebung über die Attraktivität natürlich geschminkter Gesichter im Verhältnis zu überzogen geschminkter Gesichter durchgeführt werden.

Wovon die Probanden jedoch nichts wussten, war folgende Konstellation. Ihnen wurden gezielt ausgewählte Gesichter gezeigt, die so ausgesucht wurden, dass ein Teil der Gesichter bestimmten Personen aus ihrem persönlichen Umfeld ähnelten, zusätzlich einige Gesichter von mehr oder weniger bekannten Models und Stars, sowie willkürlich ausgewählte Gesichter. Einer Kontrollgruppe wurden die gleichen Gesichter gezeigt. Hauptsächliche Beachtung fanden bei der späteren Auswertung jedoch nur die Gesichter, die den Vertrauten-Bonus bei den Probanden der ersten Gruppe besaßen und die dazu erfolgte Bewertung der Kontrollgruppe.

Das Ergebnis war eindeutig: die erste Gruppe bewertete Gesichter, welche unwissentlich Personen aus ihrem eigenem Umfeld glichen, durchweg höher in der Attraktivität, als die Kontrollgruppe dies tat.

So scheint der Mensch, als Gewohnheitstier, dem Vertrauten ehr zugeneigt zu sein. Eine Vermutung könnte man daraus schließen: dass auf diesem Wege Menschen, die vielleicht in den Augen der Masse keinen der vorderen Plätze bei einem Schönheitswettbewerb erreichen würden, so diesen ungeahnten Vorteil für sich verbuchen können.

Und tatsächlich gibt es Studien, nach denen eine nicht unerhebliche Zahl von Ehemännern dem Äußeren der Väter der Ehefrauen in auffälliger Weise ähneln. Umgekehrt, also bei den Ehegatten konnte dies jedoch nicht festgestellt werden, hier sind Erkenntnisse herausgearbeitet worden, die das Gegenteil untermauern: Die Ehefrauen sehen den Müttern der Ehemänner auffallend wenig ähnlich. Eine Erklärung dazu wäre noch interessant heraus zu finden.

Zuletzt möchte ich noch einen Bogen schlagen zur Globalisierung der Sehgewohnheiten durch die Medien. Die zunehmende Präsenz aller menschlichen Rassen in den verschiedenen Medien, besonders aber des immer stärker genutzten Internets, wird dazu führen, dass wir unseren Horizont deutlich erweitern. Eine persönliche Verbundenheit Bekanntem gegenüber wird einen immer größeren Kreis bilden, was ich in diesem Zusammenhang sogar für durchweg positiv halte. Die Wahrnehmung und Gewöhnung an die tatsächliche Existenz der unterschiedlichsten Menschen auf unserer Erde wird diese latente Zurückhaltung andersartigen Menschen gegenüber zunehmend verblassen lassen. Ist zu hoffen.

So gefällt uns der lächelnde Südamerikaner genauso gut, wie der lächelnde Schwede, die traurig schauende Japanerin so wie die betrübt blickende Stuttgarterin. 🙂

Nervige Schönheit (165)

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Zwei Faktoren bestimmen die Verhaltensweisen des Menschen: Erstens Prägung und zweitens angeborene, vererbte Strukturen. Dies nicht nur in Bezug auf die Wahrnehmung und die Reaktion auf Schönheit. Soweit die Ergebnisse der Forschung bisher. Nun geht es bei genauerer Betrachtung darum, den Anteil der Prägung und somit die Folgen des Einflusses von Erziehung, Anleitung, Fürsorge und Empathie genauer zu bestimmen.

In der neurobiologischen Wissenschaft konnten bis in die 1990er Jahre durch Versuche und Forschung keine gesicherten, übereinstimmenden Ergebnisse heraus gearbeitet werden, die das Maß, den Einflussbereich von Erziehung, Bildung und sozialem Umfeld auf die Entwicklung des Individuums bestimmen konnten. [1] Oftmals wurden die vererbten Gene für prägender, mit stärkerem Einfluss versehen, gehalten. Andere Forscher kamen zum Ergebnis, das es das soziale Umfeld, in dem der Mensch aufwächst, sein Schicksal unabänderlich vorausbestimmten sollte. Erst seit dem letzten Jahrzehnt des vergangenen Jahrhunderts verdichten sich die Anzeichen für eine deutliche Tendenz. Untermauert von unterschiedlichsten Studien in verschiedensten Ländern beweist sich der Einfluss der Gene sich als viel geringer, die Persönlichkeit, das Wesen des Menschen zu gestalten, als die sozialen Vernetzungen.

Damit geht folglich einher, dass die Reaktionen auf unsere soziokulturelle Umwelt mehr erlernt scheinen als angeboren. Interessant an dieser Stelle wäre die wissenschaftliche Beantwortung der Frage, wieviel angeboren verursachtes Reaktionspotential in Ausübung der erlernten Verhaltensregeln des Menschen steckt.

In der Literatur finden sich einige Dokumentationen aus Forschung und Feldstudien, die zwar nicht direkt dieser Frage nachgegangen sind, die jedoch ganz ähnliche Bereiche der menschlichen Verhaltensweisen in Frage stellten.

Stelle ich hier die Frage, in wie weit mein Umgang mit den optischen Reizen der eigenen Spezies anerzogen ist, oder wieviel archaisches Instinktverhalten unbewusst in mein ach so intellektuelles Gehabe einfließt oder gar eine grundsätzliche Tendenz aufzwingt, so habe ich bereits in früheren Artikeln mit entsprechenden Forschungsergebnissen darauf antworten können. Treten Schlüsselreize auf, so reagiere ich in Millisekunden instinktiv, noch bevor mein Intellekt auch nur die Spur einer Chance hätte, mit dem Ausstoß von Neurotransmittern, die in Form von Enzymen wie beispielsweise Dopamin, aber auch Noradrenalin, β-Endorphin und Serotonin das Nervensystem anleiten. Diese Stoffe sind maßgeblich an unserem (Wohl-) befinden beteiligt, welches unser vermeintlich bewusst gesteuertes Verhalten unbewusst bestimmt.

Wird ein Cocktail aus diesen Substanzen in unserem Nervensystem erzeugt, durch welchen Schlüsselreiz auch immer, steigt unser Wohlbefinden in merklichem Ausmaß und damit ist die Tendenz unsres Verhaltens schon vorbestimmt. Mentale Autonomie, intellektuelle Selbstbestimmung scheint diesen Ergebnissen zufolge eine komplette Sinnestäuschung zu sein.

Und doch ist es so, dass wir nicht durch die Ausschüttung von Dopamin in Euphorie verfallen und alles stehen und liegen lassen. Wir sehen etwas Schönes und sind hin und weg? Nein, da ist schließlich noch das Serotonin. Dieser Stoff wirkt als Dämpfer. Es ist also nicht unser bewusster Verstand, der allzu erwachsen reagiert. Es ist der Botenstoff, der uns zu Gelassenheit, Ausgeglichenheit, inneren Ruhe und Zufriedenheit bringt. Er sorgt dafür, dass Besonnenheit als Grundlage für unser Denken geschaffen wird.

Zurück zur eigentlichen Fragestellung. Heißt die Antwort auf die Frage, wie wir mit der Schönheit umgehen, je nach Möglichkeit unseres Körpers den ein oder anderen Neurotransmitter ausschütten zu können bestimmte die Reaktion? Was würde der Lerneffekt des Lebens dazu beisteuern, wenn es so wäre? Nun, dass liegt sozusagen eine Ebene höher. Im Laufe des Lebens bilden sich die individuellen Nervengeflechte eines jeden einzelnen Menschen. Nahezu abgeschlossen ist diese Entwicklung im Alter von 16 bis 20 Jahren. [ebnd] Die Nervenautobahnen sind etabliert, nur Nebenstraßen werden noch gebildet. Und das immer langsamer. Und genau bei dieser Entwicklung zeigt sich der Einfluss der Gene und der Einfluss der Bildung: Multiple Sinnesreizungen, höchst abwechslungsreiche Inputs im Laufe der Menschwerdung bilden mannigfaltige Vernetzungen in den verschiedensten Bereichen des Gehirns aus, (musisch, kognitiv, haptisch) die dafür sorgen, dass der Mensch in vielfältiger, unterschiedlich reflektierender Art und Weise auf seine Umwelt reagierten kann und darüber hinaus diese mit formen kann!

Fazit: Mit dem Einfluss auf die Entwicklung eines Individuums bestimmen wir dessen Möglichkeiten im Umgang mit all den Einflüssen, die im Laufe seines Lebens auf ihn warten.

.[1]: Prof. Manfred Spitzer, Medizin für die Bildung, Spektrum-Verlag, Heidelberg 2010

Der Pfau oder die Begegnung mit Circe (159)

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Je nachdem, wie wir einen Gegenüber empfinden, benehmen wir uns, geben wir uns, verhalten wie uns, ob wir wollen oder nicht!

In einem Experiment ließen Forscher die Probanden telefonieren. Die Angerufenen waren jeweils anderen Geschlechts. Einem Teil der Anrufer wurde ein Foto des Angerufenen beigelegt, auf dem jeweils ein eher attraktiverer oder unattraktiverer Mensch abgebildet wurde, einer Kontrollgruppe wurde kein Bild vorgelegt. Während des Telefonats wurden nicht nur die Gespräche mitgeschnitten, es wurde auch die Mimik und Gestik aufgezeichnet. Soweit der Versuchsaufbau.

Es wurde bei dem Versuch beobachtet, dass die Anrufer, die ein Foto eines attraktiven Menschen vor sich liegen hatten, nicht nur eine viel offenere Sprechweise an den tag legten sondern sich im Hinblick auf die eigenen Verhaltensweisen und Ausdruck um ein vielfaches freier, freundlicher, offener, lustiger und eloquenter gaben. Nicht nur die Themen waren freier, auch die Körperhaltung drückte sich entspannter aus.

Die Personen mit den scheinbar unattraktiveren Gesprächspartnerinnen sprachen sehr viel mehr ernste Themen an, lachten weniger und auch ihre Körperhaltung war weniger entspannt.

Bei der Kontrollgruppe war dann auch zu beobachten, was erwartet wurde: der Gesprächsverlauf entwickelte sich frei nach den thematischen Inhalten und nach Sympathiegrad der Stimme.

Was kann ich daraus schließen? Wie lautete das Fazit der Forscher aus ihrem Experiment?

Die vermeintliche Wirkung des Äußeren ist hingehen der landläufigen Meinung von großem Einfluss auf unser Verhalten. Es wurde deutlich beobachtet, dass die nicht vom Probanden steuerbaren Verhaltensweisen, seine Mimik und Gestik bei einem Gespräch mit einem scheinbar attraktiven Gesprächspartner weitaus offener, freundlicher oder freier waren. Woher kommt dieses Verhalten? Warum findet bewusst und unbewusst solch eine Gewichtung statt, und zwar bei Frauen und Männern gleichermaßen?

Die Forscher legten eine äußerst archaische Ursache zugrunde: sprechen wir mit einem für uns attraktiven Menschen, so rücken wir uns in ein besonders vorteilhaftes Licht, bewusst wie unbewusst, um eine möglichst kongruente Situation zu erzeugen. Obwohl wir oberflächlich nichts weiter, als ein Telefonat führen, gebärden wie uns in einem für uns vorteilhaften Lichte, weil es ja sein könnte, dass wir dem Gesprächspartner möglicherweise einmal näher kommen, und zwar in der Tat -nach genetisch bedingten Abläufen- bis hin zur erfolgreichen Arterhaltung. Wenn wir auch als scheinbar aufgeklärte Menschen in der Welt kommunizieren, so funktioniert unser Unterbewusstsein noch nach diesem archaischen Prinzip.

In dem Moment, in dem wir unsere Attraktivität steigern durch jedwede Maßnahmen, erhöhen wir, gewollt oder ungewollt, unsere positive Wirkung und Bedeutung im Sinne der ureigensten Bedürfnisse der Menschen. Interessant finde ich die Möglichkeit, diese Erkenntnis auf ein direktes Gespräch zu übertragen. Auch dabei zeigt sich in vielen Versuchen das gleiche Bild: Sich sympathische Menschen zeigen ein deutlich werbenderes Verhalten, als dies sich eher unterschiedliche Personen zeigen.

Eine große Veränderung in diesem Verhalten konnten die Forscher im Übrigen dadurch erzielen, indem sie den Anrufern im Vorfeld des Telefonats mitteilten, ob der Angerufene den Anrufer attraktiv fand oder eher unattraktiv. Wenn auch der Effekt jeweils verstärkend wirkte, so konnte beobachtet werden, dass bei vermeintlich attraktiven Gesprächspartnern dennoch ein entsprechendes Verhalten gezeigt wurde, nur in viel abgeschwächterer Form. Wussten die Probanden von einer negativen Meinung des Angerufenen über sie selbst, so konnte eine mehr unbehagliche Körpersprache beobachtet werden. Diese ist zu vergleichen mit der inneren Abwehrhaltung, die wir in anstehenden unangenehmen Gesprächen einnehmen.

Fazit: Die Äußerlichkeiten beeinflussen unser Verhalten trotz Aufklärung in hohen Maße. Nicht mal unser Wissen darum verhindert das. Vielleicht ist es ja gut so, so finden wir doch intuitiv das richtige Gefühl für den anderen und sollten diesem Gefühl öfter vertrauen.

Jugendwahn Teil 2 (136)

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Fragte ich im ersten Teil von Jugendwahn nach der Begründung für das Streben nach jugendlichem Aussehen, so möchte ich hier über den Erfolg oder Misserfolg dieses Strebens schreiben.

Die Jugend oder das jugendliche Aussehen besticht im Laufe eines Menschenlebens nur eine ganz bestimmte Phase über. Dabei richtet sich der Fokus der Gesellschaft, in der wir uns bewegen, anscheinend in besonders hohem Maße auf diese Zeitspanne. Die Präsenz erscheint überbordend. Jegliche Belange der äußeren Erscheinung, die außerhalb davon liegen, laufen Gefahr, ein Nischendasein zu fristen. Zählt der Mensch tatsächlich weniger, wenn er nicht dem Hype der Verjugendlichung fröhnt?

Wir Menschen konsumieren mit großer Vorliebe genau jene Produkte, welche sich diesem Zustand als Maßgabe verpflichten. Gleich, ob wir uns medialer Natur, stofflicher Natur oder zwischenmenschlicher stellen, wir lassen sämtliche Inhalte, die fernab jugendlicher Erscheinung sind, links liegen. Da führte es doch in glatten wirtschaftlichen Selbstmord, entzüge man sich diesem Kult, dieser Strömung.

Somit bestimmen wir selbst mit unserer Nachfrage das Angebot an Jugendlichkeit. Diese Nachfrage wird angeleitet von unserem Wunsch nach Wohlbefinden, Glück, Zufriedenheit, Anerkennung, Liebe, Schönheit u.s.w., die Jugendlichkeit scheint folglich eine der Säulen zu sein, auf der sich die Erfüllung dieser Bestrebungen gründet.

Nun nimmt die Jugend nur diesen sehr begrenzten Teil unseres Lebens ein. Wie ärgerlich, oder? Wie groß dieser ist, oder wie eng wir ihn stecken, liegt im Wesen jedes Einzelnen. Fakt ist in der heutigen Zeit, dass wir mit allen Manipulationen, die wir an unserem Äußeren vornehmen, scheinbar nur das eine Ziel verfolgen, nämlich diese Zeitspanne des „guten“ Aussehens – was sich, wie wir gesehen haben, durch Jugendlichkeit definiert – zu verlängern, auszudehnen! Die Zutaten für Jugendliche aussehen kennen wir bereits:

· glattere Haut
· volleres Haar
· straffere Beine
· festeres Gewebe
· weißere Zähne
· vollere Lippen
· …

Diese Attribute, allesamt Attribute der Jugendlichkeit, verheißen bestimmte Eigenschaften, die wir mehr unbewusst als bewusst mit klar definierten Eigenschaften des Menschen assoziieren. Und nur dann, wenn wir mit diesem Äußeren aufwarten können, zählen wir in der Gesellschaft zu den Menschen, deren Erfolg in all den Angelegenheiten eingetreten ist, von dem wir es vermuten, von dem wir es glauben (möchten).

Das es nicht so ist, weil immer und überall der Mensch nach noch mehr, noch Schönerem, noch Weiterem, noch Besserem giert, ist dem Geist der Mehrheit verborgen und verschleiert. Nicht nur die Hässlichen wollen nicht mehr hässlich sein, sondern schöner, die Schöneren möchten noch etwas schöner sein, und sogar die Schönsten wollen ebenfalls noch schöner sein. (Belegt wurde dies durch etliche Studien!) Dieser Hang zum Superlativ kann auf alle Bereiche des Menschen angewendet werden: Erfolg, Geld, Bekanntheitsgrad, Berühmtheit, Macht, Besitztümer, … .

Wir glauben im Augenblick noch, dass der Erfolg uns recht gibt. IM AUGENBLICK? Dieser Kult läuft schon etwas länger, so etwa 40.000 Jahre, seit die Menschen begannen, sich zu schmücken, wie es auf Wandmalereien dokumentiert wurde. Sei’s drum. Ob sich unsere Gesellschaft in der nächsten Zeit dahingehend verändert, dass wieder das Sein höher erachtet wird, als der Schein, darf leider bezweifelt werden. Die Anzeichen dafür in all der Literatur, die ich bisher gelesen habe, aus all den Studien, über die ich gestolpert bin, all die Beiträge, die im Netz, Zeitschriften und Zeitungen zum Thema veröffentlich wurden, all den Zahlen, die unser Verhalten deutlichst dokumentieren und erfassen, sind zu widersprüchlich und vage, als dass ich mich zu dieser Prognose hinreißen ließe. Jeder einzelne kann jedoch in seinem Umfeld dafür stehen, eine Veränderung anzustoßen.

Weiter geht’s im dritten Teil von Jugendwahn mit den Auswirkungen des Jugendkultes auf unser Verhalten und unser Verständnis von Aussehen, der folgt demnächst hier im Blog…

Grundbedürfnis des Menschen: Partnerschaft Teil 1 (133)

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Sexualität und Partnerschaft stellen Grundbedürfnisse des Menschen dar. Was unternimmt der Mensch, um diesem Bedürfnis nachzukommen?

Von je her stellt sich die Frage nach der Organisation des Gemeinschaftslebens. Gleichzeitig stellt sich die Frage nach den konkreten Ausprägungen und Verhaltensweisen, die zur Befriedigung dieses elementaren Grundbedürfnisses eingesetzt werden. Hierbei gilt der erforschende Blick nicht allein dem Einfluss von Aussehen und Attraktivität, hat doch das Verständnis von Liebe, diesem universalen Gefühl, jenen bedeutsamen, noch entscheidenderen Einfluss auf unsere zwischenmenschlichen Beziehungen. Doch dies stelle ich an dieser Stelle bewusst zurück.

Meine Betrachtung gilt den Unternehmungen, die der Mensch vollzieht, um diesem essentiellen Grundbedürfnis nachzukommen. Wie schon in meinen Artikeln zuvor lasse ich verschiedene Ergebnisse aus der Verhaltensforschung mit einfließen. Für mich als Neuling auf diesem Gebiet ist es spannend zu erkennen, mit welch profanen Mitteln der Mensch in größtem Maße selber beeinflusst und genau so beeinflussbar ist.

Was wollen wir? Die wenigsten Menschen wollen ein Leben in Einsamkeit. Zur Einsiedelei scheint der Mensch nicht geschaffen, ist er doch ein höchst kommunikatives, soziales Wesen. Mit größter Aufmerksamkeit nehmen wir mit allen uns zur Verfügung stehenden Sinnen den gegenwärtigen Vertreter unserer Spezies wahr. Millionen von Synapsen veranstalten ein Feuerwerk von Reizübertragungen in den Moment, an dem wir den Menschen gegenüber auch nur ansatzweise wahrgenommen haben.

Sofort läuft in uns ein Programm zur Vergleichsanalyse ab. Kenn ich mein Gegenüber? Freund oder Feind? Kind oder Erwachsener? Frau oder Mann? Auf der Flucht oder Flaneur? Mich wahrnehmend oder abwesend? Wie riecht er? Wie hört er sich an? Diese und viele andere Fragen werden in diesem Augenblick beantwortet. Allein durch unseren wahrnehmenden Blick und die Verarbeitung in unseren Gehirnregionen erschaffen wir uns schneller ein Bild des Menschen, als er sich uns gegenüber positionieren könnte. Es ist folglich nicht sein Bild, das wir empfangen, es ist nicht so, wie er ist, sondern wir erfahren unser eigenes Bild von ihm. Wir versuchen diesem Menschen ein Wesen zuzuordnen, damit wir ihn einschätzen, vor allem aber ihm in für uns sicherer Weise begegnen zu können. Wir ordnen ihn ein in ein Schema, denn der Mensch strukturiert und ordnet unentwegt, unser Gehirn versucht in jeder Sekunde unseres Daseins alle Reize, die wir empfangen, die nicht aussortiert werden, in einen bekannten Zusammenhang einzuordnen. Das tun wir deshalb, damit wir der Flut der Reize standhalten können.

Sind wir offen für neue Kontakte, aus welchem Grunde auch immer, so senden unsere Antennen (Gestik, Mimik, Blicke und Verhalten…) dies beständig aus. Dabei empfängt unser Gegenüber dann diese Signale, wenn er selbst seine Empfangseinrichtung bereit stellt, sozusagen online ist.

Es gilt auch hier das Prinzip der Reizintensität. Erfolgt eine Reizüberflutung in Form von Menschenmassen, so sind wir selten in der Lage, darauf in angemessen individueller Art und individuellem Umfange zu reagieren. Es kann -im Gegensatz dazu- sogar dazu führen, dass eine Gruppe von drei Menschen schon eine schier übermächtig große Menschenmasse darstellt!

Im Punkte Partnerschaft, um darauf zurück zu kommen, geht es um die Verbindung zweier Menschen zu einer Zweierbeziehung. Gruppenkontakte stehen auf einem anderen Blatt. Ist ein Mensch nicht in einer festen oder losen Partnerschaft liiert, so begibt er sich früher oder später, manchmal bewusst, manchmal auch unbewusst auf die Suche nach einem passenden Partner. Er sendet Signale aus, die auf einen ebenfalls suchenden Menschen wirken. Dabei ist es oft nicht von Bedeutung, ob der Mensch in einer Beziehung lebt oder nicht. Auch in einer Lebensgemeinschaft können die beteiligten Personen einsam sein und auf der Suche nach einem anderen Menschen sein. Die Suche findet in diesem Falle zunächst eher unbewusst statt.

Bei all den Signalen, die wir empfangen, unterliegen Veränderungen einer bestimmten Intention, die kulturübergreifend so profan wie einleuchtend ist: die Signale sind dazu da, Möglichkeiten und Gelegenheiten zu schaffen, einen passenden Partner für sich zu finden und zu gewinnen. Abkömmlinge der Veränderungen haben Namen wie „Macht“, „Geltungsbedürfnis“ oder „Gier“, um nur einige zu benennen. Diese werden auch dazu eingesetzt, um eine gerichtete Aussenwirkung zu erzielen.

Ein Fazit liegt damit nahe. Der Mensch startet eine Reihe von Aktionen, um einen Partner zu finden. Diese Aktionen können einfacher Natur sein, wie zum Beispiel das kämmen der Haare, oder da tragen bestimmter Kleidung. Doch auch aufwändigste Dinge gestalten wir, um einen seinem Anspruch gerecht werdenden Partner zu finden, das kann die eigene Karriere sein, die Definition über seinen Besitz in Form von Haus, Auto, Schmuckstück oder Schiff sowie die Gestaltung seines Körpers mit allen möglichen Mitteln. In wie weit der Erfolg uns recht gibt, das möchte ich in Teil II beschreiben.

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Ein durchschnittlich schöner Mensch (120)

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Im folgenden Artikel möchte ich von der Vorliebe der Menschen für die Durchschnittlichkeit berichten, die darin ihre Bestätigung findet, als dass der Mensch den durchschnittlichsten Partner für den attraktivsten hält.

Darüber, dass in vielen Untersuchungen der Attraktivitätsforschung sog. gemorphte Gesichter, d.h. künstlich durch Überlagerung mehrer realer Gesichter erschaffene Fotografien, einen größeren Zuspruch erhielten, als deren zu Grunde gelegte Originale, habe ich bereits geschrieben. Beispiele dafür sind gleichfalls im Tierreich zu beobachten. Solche Tiere mit außergewöhnlich ausgeprägten Merkmalen, die weit entfernt vom Durchschnitt der Art in ihren Äußerlichkeiten auffallen, haben bei der Partnerwahl auffallend schlechte Chancen. So wurde z.B. Vögeln mit prächtigem Gefieder im Zuge der Balz ein paar noch „schönere“ Federn angeheftet, was zur Folge hatte, dass das Männchen bei den Weibchen glatt durchfiel und mit keinem Auge bemustert wurde. Gesucht wird also der optimale Vertreter der Art! Und wer ist das? Meist derjenige, der all die Attribute in sich vereint, welche die Art ausmachen.

Bei uns Menschen ist es ähnlich, wie anhand des oben genannten Beispiels belegt werden kann. Wir finden jene Menschen im Normalfall eher attraktiver, die nicht zu groß sind, nicht zu klein; nicht zu dünn sind, nicht zu dick; nicht zu breit sind, nicht zu schmal; nicht zu lange Beine haben, nicht zu kurze; nicht zu dicht zusammen stehende Augen haben, aber auch nicht zu weit auseinander stehende, usf.

Das Wort „makellos“ trifft die Sache ungemein gut. Die Menschen streben in allen Kulturen, zu allen Zeiten, aus denen uns Überlieferungen vorliegen, immerzu nach einer idealen Erscheinung. Es ist zwar so, dass diese Ideale -je nach Kultur- variieren, doch eines ist allen Kulturen gleich: Das Streben nach Jugendhaftigkeit! Exakt dieses Erscheinungsbild manifestiert sich in genau definierten Standards. Es sind in unserer Gesellschaft z.B. bei der Frau eine Haut ohne Makel, einem festem Gewebe an Bauch, Beinen, Po, eine straffe Gesichtsform, eine schlanke aber nicht dünne Erscheinung, ein makelloses, weißes Gebiss, ebenmäßig geformte Beine, ein wohlgeformter, nicht zu großer Hintern, ein stammer, größerer, aber nicht zu großer Busen und glänzendes, volles Haar. Vorwiegend sind dies klar erkennbar die Attribute der Jugendlichkeit.

So ist es denn auch nicht verwunderlich, dass die Bemühungen der Frau genau auf die Optimierung in diesen Bereichen abzielt. Von den unendlich wirkenden Regalen gefüllt mit Cremes und Peelings aller Art, den vielen Fitnesskursen bishin zu den Eingriffen durch plastische Chirurgie in Form von Fettabsaugungen, Brustvergrößerungen, Einsetzen eines vollständigen, neuen, künstlichen Gebisses, Einspritzungen unter die Haut oder Begradigung des Nasenbeins sind das die Mittel und Wege zur Erreichung der Ziele. Der Mann, einst ein Kosmetikmuffel, gehört zunehmend erfolgreicher zum Klientel der Kosmetikindustrie.

Nicht in allen Zeiten war die Frau die stärker künstlich hergerichtete Person in der Gesellschaft. Zur Zeit des Barock, mit dem Höhepunkt im Rokkoko, schminkten sich die Herren der Schöpfung in Form bleiweiß gekalkter Gesichter bis zur völligen Vergiftung der Haut. Rote Lippen hoben den Mund des Herren an. Überdimensionale Perücken zierten sein Haupt, und enge Strumpfhosen, zu neudeutsch „Leggings“ genannt betonten seine nicht immer muskulösen Wadenbeine und Oberschenkel. Was vornehmlich den besser betuchten Herrschaften vorbehalten war, fand im gemeinen Volk kaum Anwendung. Auch heutzutage ist es ähnlich. Je größer der eigene Geldbeutel, desto ausgeprägter und mannigfaltiger finden wir die körperlichen Manipulationen vor.

Die Menschen versuchen während all dieser Strömungen und Modewellen möglichst im Mainstream mit zu schwimmen. Die Mode wird von einigen Trendsettern geprägt, um anschließend von der Masse übernommen zu werden. Übertreibe ich es, werde ich wie das Männchen mit der zusätzlichen Feder aus o.g. Beispiel als „bunter Hund“ allenfalls betrachtet oder begafft, nicht aber als ernsthafter Partner in Betracht gezogen. Dazu wäre ich nicht durchschnittlich genug.

Bekanntlich findet dieser Hang zum Mittelmaß einen weiteren Ausdruck in der starken Bevorzugung von Symmetrie bei der Bewertung von Gesichtern und Körpern. Denn die Symmetrie gilt als ein Indiz für die Gesundheit und die Jugendlichkeit des Betrachteten. Ein unsymmetrischer Körper deutet scheinbar darauf hin, dass bestimmte Umwelteinflüsse beim Menschen selbst oder bei seinen Vorfahren nicht ohne Folgen blieben. Damit kann die Eignung für die Erhaltung der Art zumindest teilweise in Frage gestellt werden. Dabei handelt es sich um genetisch fest geschriebenen Vorgänge. Entziehen können wir uns nur schwer, weil sie im Hintergrund, aus dem Unterbewusstsein heraus wirken. Sie sorgen also dafür, dass wir möglichst gesunde Partner bevorzugen, und das nicht nur für die Arterhaltung.

Es zielt in alle Lebenslagen hinein, denn wir umgeben uns, wo wir die Wahl haben, stets bevorzugt mit schöneren Menschen. Doch kurios in unserer Gemeinschaft ist das Phänomen, dass zu schöne Menschen tatsächlich einem Problem gegenüber stehen: sehr attraktive Personen werden oft genau auf diese Äußerlichkeiten reduziert, was dazu führt, dass es nicht leicht für sie ist, objektiv und mit „normaler“ Neugier vom Gegenüber erkannt zu werden.

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Verfall der Schönheiten, Teil 2 (113)

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In diesem Artikel schreibe ich über die körperlichen Veränderungen bei uns Menschen, und wie wir gedenken damit umgehen zu müssen.

Was wäre unser Leben ohne Vergänglichkeit? Dafür, dass etwas Neues entstehen kann, muss etwas Altes vergehen.

Wäre die Vergänglichkeit nicht, so wären wir noch was?: befruchtete Eizelle? – nein, diese vergeht und wird zum Fötus. Baby? – nein, wir werden zum Kind. Jugendlicher? – nein, wir werden zum jungen Erwachsenen. Erwachsener? – nein, wir werden zum älteren Menschen. Greis? – nein, wir werden sterben.

Somit vergehen wir -wie unser Aussehen vergeht und entsteht- mehrere Male im Leben. Unser Dasein als Baby vergeht. Wir sind irgendwann nicht mehr Baby, sondern Kind. Genau so, wie sich unser Menschsein immerfort entwickelt, so unterliegt unser Aussehen einer immerwährenden Entwicklung. Was wäre, wenn wir auf einer beliebigen Stufe der Entwicklung stehen blieben? Der Traum vieler Menschen, ja ganzer Völker, ist der Stillstand des Alterns. Dieser aber bitte nicht auf der Stufe des Kleinkindes.

Unser Leben, unsere körperliche Verfassung, unser Aussehen verläuft üblicherweise in der Form einer Parabel. So empfinden und erkennen wir es auch. Ursächlich dient das Aussehen unter den Menschen, wie bei vielen Tieren, als Katalysator zur Durchführung von Aktionen, welche zur Erhaltung der Art dienen. Damit ist gemeint, dass die größte Attraktivität genau in der Zeitspanne von uns Menschen empfunden wird, in der wir die höchste Fertilität besitzen. Diese biologische Kausalität wird durch mannigfaltige, geistige, oft unbewusste Mechanismen unterstützt.

Die Menschen sind im Allgemeinen daran interessiert, diese Zeitspanne der größtmöglichen Attraktivität so lange, wie nur irgend möglich zu erhalten. Die große Mehrzahl der Frauen unternehmen größtmögliche Anstrengungen, um ihrem Aussehen möglichst lang ein jugendliches Antlitz zu erhalten. Unzählige Mittel sollen z.B. den Alterungsprozess der Haut verzögern. Begonnen bei ganzen Regalen voller Cremes über Peelingbehandlungen bishin zu Botoxspritzen ins Gesicht. Und die Männer sind auf der gleichen Fährte, wenn auch bei weitem nicht so fortgeschritten.

Der Grad dieser Eingriffe in den Zyklus der Alterung wird in erster Linie nicht vom Individuum selbst bestimmt. Hier ist vielmehr der Gruppenzwang von großem Einfluss, der durch den allgemeinen Wertebegriff initiiert wurde. Jugendlich – frisches Aussehen steht in der heutigen Zeit mit an ganz oberster Stelle auf unserer Werteskala. Verbunden mit der immensen Bedeutung des Aussehens überhaupt sind die Menschen tendenziell auf dem Wege hin zu mehr Schein als Sein. Auch, wenn es vermehrt kritische Stimmen dazu gibt, so gehen diese unter in den vielen Auswüchsen in Form von Suchen nach einem next Supermodell oder Superkinde. Fluten von Bildern von schönen und schlanken Menschen (wie meine Bilder hier im Blog) suggerieren uns die Allgegenwart der Schönheit. Vergänglichkeit wird weitestgehend verdrängt.

Dabei hat sie eine enorm wichtige Funktion. Wie eingangs beschrieben ist es für die Zeit unseres Aufenthaltes hier in dieser Welt eine Notwendigkeit zu vergehen. Wenn es bei Faust heißt : „… und das mit Recht, denn alles, was entsteht, ist wert, das es zugrunde geht,…“ so gibt das wieder, wie der wissenschaftliche Zusammenhang gemeint sein könnte: (Hier einen kleinen Ausflug ins Metaphysische) Unsere Seele findet einen Körper auf der Erde. Der Körper bedient sich bestimmter Moleküle, die im Laufe seines Lebens kontinuierlich ausgetauscht werden, bis sie eines Tages wieder in den Elementen verschwunden sein werden. Unter den Gläubigen spricht man von Erde, aus der man entstanden und zu der man wieder wird.

In Verbindung mit unserer Haut würde es nach oben erwähnter Manier bedeuten, dass wir zur Blütezeit unserer Konstitution besonders viel Spannkraft in der Haut haben, die, mittlerweile gut erforscht, durch bestimmte chemische Substanzen wie z.B. Collagen und Elastin erreicht wird. „ Nach und nach nehmen die Kollagenfasern und die elastischen Fasern der Haut ab, was zur Folge hat, dass sie nicht mehr so viel Feuchtigkeit speichern kann und schrumpft. Dieser Prozess lässt die Haut altern. Sie
verliert an Feuchtigkeit und Spannkraft.“ *
Beginnt unser Körper mit dem Abbau dieser Substanzen, so fehlt der Haut mit jedem Jahr etwas mehr dieser jugendlich anmutenden glatten Haut. Abgesehen vom biologischen Signal, dass wir mit dieser Haut das Zeichen setzen, dass wir nicht mehr uneingeschränkt zur Erhaltung unserer Art taugen, so spielt sich das eigentliche Drama nur in der Bedeutung genau dieses Wertes durch unsere Gesellschaft ab. Um es auf den Punkt zu bringen: Der Wert des Menschenalters wird einzig und allein durch unseren Umgang damit manifestiert. Ob nun auf der Werteskala eines jeden einzelnen oder innerhalb seiner Gesellschaft makellose Haut weit über der Weisheit der Menschen rangiert, das mag gerne jeder selbst entdecken.

* http://www.planet-wissen.de/natur_technik/anatomie_mensch/kosmetik/wie_altert_die_haut.jsp

Der Größere ist der Schönere! (112)

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In diesem Artikel stelle ich die Frage, ob die Größe etwas mit der Attraktivität zu tun oder die Attraktivität etwas mit der Größe zu tun hat? Um es vorweg zu nehmen – JA, hat sie!

Will eine Frau oder ein Mann als Modell arbeiten, so gibt es genau bestimmte Körpergrößen, die nicht unterschritten werden dürfen. Kleinere Menschen haben es erwiesenermaßen schwerer einen Partner zu finden, als größere. Das gilt in einem bestimmten Rahmen, denn über eine gewisse Größe hinaus tendiert das Maß der Attraktivität wieder in die entgegengesetzte Richtung.

Dass die Körpergröße ein gefragtes Attribut ist, kann man beispielsweise an den Wunschangaben in den weitverbreiteten Singleseiten im Internet erkennen. Bei den Wünschen der Frauen für einen Partner wird in fast allen Fällen eine größere Körperstatur gewünscht. Bei den Wunschangaben der Männer für eine Partnerin verhält es sich anders. Dabei spielt die Größe der Kandidatin eine weit weniger wichtige Rolle, da ist mehr die Nachfrage nach jünger als der Mann und schlank und hübsch.

Es ist damit weithin bekannt, dass die Körpergröße ein wesentlicher Faktor auf dem Feld der Attraktivität ist. Bei meiner Suche nach der Begründung für diesen Zustand wurde ich sofort fündig. Häufig wird das archaische Bild vom starken Mann bemüht, der in der Lage ist, mich vor dem Säbelzahntiger zu beschützen und auch für mich und meine Brut sorgen kann, indem er groß(stark) genug ist, ausreichend Wild für unsere Familie zu erlegen.

Übertragen in die heutige Zeit trifft die Sache mit dem beschützen gleichwohl zu, denn ein größerer Mann kann die Frau vermeintlich eher beschützen, als ein nicht so groß gewachsener. Schon Größe allein flößt den meisten Menschen Respekt ein. Beispielsweise bei den Türstehern gilt eine gewisse Größe schon als halbe Eintrittskarte für den Job, wenn der Bewerber nicht gerade einen furchteinflößenden Habitus oder Gesichtsausdruck besitzt.

Größe impliziert häufig Autorität. Wo der kleinere Mann durch Stimme oder Gestik, sowie Äußerlichkeiten, wie z.B. der Kleidung, seine Autorität behauptet, da fliegt es dem größeren Mann oftmals fast ohne Zutun zu. Der umgangssprachliche Ausdruck „Giftzwerg“ gibt den Zusammenhang recht anschaulich wieder: Er oder sie ist klein, hat aber Durchsetzungsvermögen, ist auffällig durch eine -häufig unangenehm penetrante- aufdringliche Art, dabei -häufig unangenehm- laut in Stimme, Schuhwerk und dem Umgang mit Utensilien. Solange diese kleineren Vertreter der Menschheit nicht als genauso wertvolle Menschen erkannt sind, fallen sie durch das oben genannte, nicht immer angenehme Verhalten auf. Kennt man ihn oder sie dann näher, schätzt den Menschen mehr oder minder, wie jeden größeren auch, so löst sich das auffallende Verhalten fast gänzlich auf. Doch bis dahin kommt es vermehrt zu diesen „Hallo, hier bin ich, überseht mich nicht!“ – Verhaltensweisen. Im Beruf finden wir dieses Verhalten weit häufiger, als im privaten Leben, Stichwort „Konkurrenzkampf“. Ein weiterer Unterschied wird bei der Partnerwahl deutlich. Hier ist die Frau in Vergleich zum Mann dergestalt im Vorteil, als dass sie als kleinerer Mensch mit den Attributen süß, niedlich, schnuckelig, usf. belegt ist, und u a. durch die Wirkung des Kindchenschemas besonders stark den Beschützerinstinkt des Mannes auslöst.

Bei den Frauen kann es im Bezug auf die Attraktivität genausogut zu umgekehrten Vorzeichen kommen. In Befragungen bei Forschungen zum Marktwert von Partnern erhielten die Wissenschaftler ein eindeutiges Ergebnis. Männer gaben an, dass Frauen, die eine ähnliche oder größere Körpergröße besäßen, als sie selbst, den Mann zu einer größeren Zurückhaltung veranlassten. Unsicherheit war eines der am häufigst genannten Schlagworte. Im weiteren Verlauf der Untersuchungen konnten die Forscher auch etwas über die Gründe dieses Verhaltens ermitteln. Viele der männlichen Probanden setzten die Körpergröße gleich mit geistiger und mentaler Stärke! Damit implizierten sie beim Anblick der körperlich größeren Frauen mehr unbewusst das Attribut „stark“. Und dass viele Männer ein Problem mit „starken Frauen“ haben, das ist trotz häufigen, offenkundigen, gegenteiligen Beteuerungen der Herren in vielen wissenschaftlichen Untersuchungen als Fakt erwiesen worden.

Doch genausowenig die Körpergröße ein Beweis für mentale Stärke beim Mann ist, so ist es einer bei der Frau. Nur archaische Überbleibsel von Gefühlsregungen aus geraumer Vorzeit lassen in uns auch heute noch Empfindungen entstehen, die uns in dieses Klischee tappen lassen. Erst beim Bewusstwerden dieser Tatsache überwinden wir dieses Vorurteil.