Gratwanderung  [6]

 

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„Du warst so schön, allein vergaß ich Dein Gesicht.“  (Zitat, Quelle mir leider unbekannt)

Ein „schönes“ Erscheinungsbild ist ein Beginn, ideelle Maße eine Grundlage für  Gefallen. Aber erst ein gewisser Grad an Abweichung von diesem Ideal führt zu Interesse und erhöhter Aufmerksamkeit. Weicht nur der Grad der Abweichung zunehmend vom zeitgemäßen Ideal der Schönheit ab, so führt die Empfindung vom Ungewöhnlichen über das Auffällige bis hin zum Hässlichen.

A ’nice‘ appearance is a beginning, ideal mass a basis for liking. But only a certain degree in divergence of this ideal leads to interest and raised attention. If only the degree of the divergence deviates increasingly from the contemporary ideal of the beauty, the sensation of the unusual about the remarkable up to the ugly leads.

Kleidung als Wertsteigerung der persönlichen Erscheinung (179 )

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Kleidung als Wertsteigerung der persönlichen Erscheinung wird als Wertmassstab in der globalen Gesellschaft verstanden.

Wir Menschen laufen schon etwas länger nicht mehr nackt durch die Gegend. Es begann zu Zeiten, in denen sich der Mensch an mehreren Standorten gleichzeitig überlegte, seinen Gang aufzurichten. Das war vor ungefähr 40.000 – 75.000 Jahren. Damals, vergeblich die Suche nach dem nächstgelegenen Jeans-Store, begnügte man sich mit dem, was man vorfand: Felle und Pflanzenfasern. Warum? Ursprünglich als Schutz vor Witterungseinflüssen und zum Schutz vor Verletzungen durch beispielsweise Sträuchern mit Dornen und Stacheln. Und, man wird’s kaum erwarten, zur Erkennung von Stamm und Stand! Häuptling oder Briefbote, die Kleidung der Neandertaler zeigt es. 😉

Anthropologen gehen davon aus, dass der Zeitraum der Einführung von Kleidung weniger genau eingegrenzt werden kann. Funde datiert man auf eine Zeit von 25.000 v. Chr., doch es könnte schon vor 350.000 Jahren Kleidung gegeben haben. Was aber erforscht werden konnte ist die Tatsache, dass schon in frühester Zeit die Kleidung mehr bedeutete, als nur Funktion. Warum sonst, so die Forscher, begnügte man sich nicht mit natürlichen Farben? Es wurde nämlich schon vor 20.000 Jahren gefärbt.

Sollte es also schöner werden?! Erst mal nicht. Die Bedeutung war die Erkennbarkeit der Stammeszugehörigkeit. Fortuna Düsseldorf gegen Schalke 04. Rot gegen Blau. Neandertaler gegen Cro Magnon. Bärenpelz gegen jene mit dem Wolfsfell, später dann die mit dem Henna-gefärbtem Flachs gegen die mit dem Indigo-gefärbten. Und die Sieger wurden geachtet. „Boah Ey, kumma der mit dem blauen Baströckchen, das is einer von den Starken!“ Kennt man, nicht war? Der mit dem Armani(R)-Anzug muss einer von den Erfolgreichen sein, der hat sicher schon viele Euro erlegt.

So begann es, dass Kleidung mehr als nur Schutzfunktion hatte. Körperschmuck wird seit Jahrtausenden getragen, hat seitdem eine immer gleich bleibende Bedeutung beibehalten: er soll den Träger abheben, vom Allgemeinbild, vom Standard, vom Durchschnitt, vom Normalen. Er zeichnet sich aus, im wahrsten Sinne des Wortes.

Sinngemäß zum Schmuck schreibt Georg Simmel: “ Denn dieser Sinn ist, die Persönlichkeit hervorzuheben, sie als eine irgendwie ausgezeichnete zu betonen, aber nicht durch eine unmittelbare Machtäußerung durch etwas, was den Andern von außen her zwingt, sondern nur durch das Gefallen, das in ihm erregt wird und darum doch irgendein Element von Freiwilligkeit enthält.“ (Danke nataliebella! 🙂 )

So rücke ich die Kleidung bestimmter Art sehr freizügig in die Nähe des Schmucks. Durch die Kleidung senden wir vielfache Botschaften aus. Abgewandt von Mao Tse Tung mit der Vorgabe seiner grauen Kittel für das gesamte Volk definieren wir uns heutzutage ein Stück weit durch die Art der Kleidung. Apropos Uniform: Wenn auch die Jeans oberflächlich als uniform angesehen werden könnte, ( was trägt er/sie, Jeans, ach so!) so ist die Form, Marke, Stoff und Style unter Insidern sehr genau diffenziert. Jeans ist noch lange nicht gleich Jeans!

Wieder kommt es zur Devise: Zeige mir deine Kleidung, und ich sage dir, wer du bist! Über die Botschaften, die ich durch das Tragen der Kleidung aussende, habe ich zuvor hier geschrieben. Expressive Darstellungen von Kleidung führt aber nicht zwingend zur Ausschmückung des Trägers, denn beim Akt der Identifikation mit einer Modegruppe uniformieren sich die Träger erneut und heben sich so nur außerhalb dieser Gruppe ab. Tendenziell findet hier oftmals eine Ausgrenzung derer statt, die, aus welchen Gründen auch immer, sich nicht dieser Mode unterwerfen (können).

Der Anteil der Schmückung an der Art der Kleidung ist damit ein weiterer Schwerpunkt, der den Wert unseres Aussehens maßgeblich beeinflusst. Ein famoses, weil anschauliches Beispiel dafür sind ausgerechnet die Paparazzi, denen es manchmal gelingt, ein Star zu fotografieren, der sonst nur „zurechtgemacht“ abgebildet wird. Meist ist es zwar auch den Paparazzi erlaubt, nur solche Aufnahmen zu veröffentlichen, die vom Motiv oder dessen Agentur freigegeben wurden, dennoch finden sich immer wieder Beiträge, die dem nicht nachkommen. So zum Beispiel auf dieser Website, auf der z.B. Jessica Biel, Beyoncé, Madonna oder Angelina Jolie geschminkt und ungeschminkt gezeigt werden. Diese Gegenüberstellung bezieht sich zwar auf die Farben im Gesicht der Menschen, es ist in ähnlicher Form durchaus auch auf die Kleidung zu übertragen, meine ich.

Wieder ist es das visuelle Wesen Mensch, dass sich allzu gerne und allzu oft blenden lässt. Und wenn hier in WordPress eine Autorin nach dem Verbleib der warmherzigen (Worte) zwischen den Menschen fragt, so konstatierten andere traurig: In der anonymen Oberflächlichkeit von Internet und Smartphone! Dazu rege ich an, dies zu bedenken.

Jeans – Passformen für den Hintern, Teil 1 (84)

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   Jeans passen sich der Figur ihrer Trägerin oder seines Trägers an oder sie formen die Figur durch ihren Schnitt. Neuartige „Push-up Jeans“ heben den Popo etwas an, und geben ihm eine straffere Form. Vielleicht gaukeln sie uns eine Jugendhaftigkeit vor, die die Träger gerne hätten. Wenn Mann oder Frau eine Jeans trägt, so kann diese Hose vielfältige modische Formen haben. Nicht jede dieser Passformen unterstreicht die Körperform. Das wird zum einen nicht immer gewünscht und zum andern auch nicht immer gerne getragen. Nicht gewünscht, wenn der Körper nicht modisch -oder figurbetont und aufreizend- unterstrichen werden soll. Nicht gerne besagt, dass nicht jeder eng anliegende Stoffe auf seiner Haut mag.

   Die exorbitanten Gewinne der Modekonzerne beweisen, dass viele Menschen erhöhte Aufmerksamkeit auf ihr Äußeres richten, was in der westlich zivilisierten Welt durch Kleidung ihren hauptsächlichen Ausdruck findet. Auch Schmuck dient der Steigerung der Attraktivität, das aber in fast allen Kulturen der Menschheitsgeschichte. Statussymbole möchte ich auch zum Schmuck zählen, den sie erhöhen scheinbar ebenso den vermeintlichen Wert ihres Besitzers. Frei nach der Redewendung: „Haste was, biste was.“ Nicht zu vergessen im weiten Feld der Verschönerung oder vermeintlichen Aufwertung des menschlichen Körpers ist sicher auch die Bemalung zu nennen. Allerlei Tinkturen und Wässerchen, Farben und Hautverbesserungs-Emulsionen werden angepriesen als Wunderwaffe gegen die Durchschnittlichkeit und Gewöhnlichkeit. In unserer Gesellschaft fühlen sich einige Menschen geradezu nackt ohne ihre „Kriegsbemalung“. Wird also die Besonderheit zur Regel? Zählt der natürliche Körper ohne diese Verschönerungen schon zur Ausnahmeerscheinung?

   An modischen Strömungen wird hierzulande begeistert teilgenommen. Was „inn“ ist, findet besondere Beachtung, denn der Mensch möchte gut aussehen und das erreicht man, wenn man -unter anderem- chic gekleidet ist. Was genau den Chic einer Zeit ausmacht, das wird durch Trendsetter und auch durch die Aktivitäten der Modekonzerne beeinflusst, gelebt wird es dann von den Heerscharen begeisterter Käufer.

   Für die Jeans gibt es enorm viele begeisterte Anhänger. Sie ist das meistverkaufte Beinkleid weltweit. In sehr unterschiedlichen Passformen wird sie angeboten. Um anzudeuten, welche Formen in den Shops zu kaufen sind, hier eine Auswahl:

· ANTI FIT lässig weit
· BAGGY extrem weit
· BELL BOTTOM niedrige Leibhöhe, Schlag
· BOOT CUT niedrigen Leibhöhe, ausgestelltes Bein
· BOOT LEG großzügiger Bein- und Fußweite
· COMFORT FIT bequem, lässig
· HIPSTER niedriger Bund
· KAROTTE weiter Gesäßbereich, keilförmig zulaufend
· LOOSE FIT großzügig geschnitten
· RÖHRE sehr enganliegend, körperbetont
· SLIM FIT eng figurbetont
· STRAIGHT FIT gerader Beinverlauf
· TIGHT FIT eng und straff
· DESTROYED große, viele Risse
· HALF DESTROYED einige Risse
· STONEWASHED teilentfärbt
· HIGH WAIST hoher Schnitt, hüfteng, lockere Beine
· USED gebrauchte Optik

   Das ist nur ein Teil der Passformen. Unter diesen Formen sind manche, die die Figur des Trägers mehr betont, oder sie nur erahnen lässt. So viele Formen in den Läden auch zu kaufen sind, im Augenblick geht der Trend beim Blick auf der Straße in Richtung figurbetonte Jeans. In der Gunst der Frauen ganz weit vorn liegt die Form Slim Fit.

   Auch im Punkte Farben werden viele verschiedene angeboten. Die Mehrzahl der verkauften Jeans sind laut Statistik die Bluejeans, doch eine Vielfalt an andersfarbigen wird zunehmend gern getragen. Nach blau folgt die Farbe schwarz, danach mit Abstand die Farben grün, weiß, ocker, rot, braun. Für die Fotografie eines schönen Hinterns eignen sich die helleren Farben besser, wenn die Figur des Trägers oder der Trägerin erkannt werden soll. Möchte ein Mensch figürlich gerne etwas kaschieren, so wurde ihm schon immer die Farbe Schwarz empfohlen. Bei der Jeans, wenn sie überhaupt figurbetont getragen werden soll, ist es ebenfalls die Farbe Schwarz, die von der Figur des Trägers mehr erahnen lässt, als es zu sehen. Aber auch das hat seinen Reiz, denn nicht immer ist alles Offensichtliche das Attraktivste.

   Das ich für die Betonung der Form des Po’s die Straight fit Jeans als die geeignetste Jeans ansehe, das habe ich schon geschrieben. Durch die Betonung des Gesäßes und der Oberschenkel wird die Figur sehr schön hervorgehoben, und der lockere Verlauf übergehend zu den Waden unterstreicht die vorhandene Symmetrie einer wohlproportionierten Figur. Gerade diese Symmetrie zeichnet in besonderer Weise für die von uns hoch bewertete Attraktivität verantwortlich. Dass weitestgehend Konsens über ein Maß an Attraktivität bei Betrachtern besteht, habe ich an anderer Stelle hinlänglich beschrieben.

   Somit kann mit Auswahl der Jeans bewusst der Grad seiner eigenen Attraktivität beeinflusst werden. Mit der eng anliegenden Jeans stelle ich gewissermaßen meine figürlichen Formen zur Schau. Obwohl es nicht immer ästhetisch zu sein scheint, wenn diese eng anliegende Form getragen wird, so obliegt es doch immer dem Träger und der Trägerin seine Körperformen so zu betonen, wir er oder sie es möchte, wie sie sich wohl fühlen und wie sie gesehen werden wollen.

   Schön wäre es im Zuge dieser Überlegung, wenn eine Person zur Beratung stünde, die die richtigen Hinweise auf die Passform gäbe, und auch in Sachen Wunsch nach Attraktivität auf sein gegenüber eingestellt sein würde. Viele Menschen entbehren leider einen solch ehrlichen und vor allem erfahrenen Berater. Warum sonst tragen viele Menschen Kleidung, die ihnen unvorteilhaft zu Gesicht steht, obwohl sie es sich anders wünschen, wie die Mehrzahl aller Menschen es sich wünschen.

Sie her, wie hässlich ich bin! (82)

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Wie verhalte ich mich bei einem Kontakt zu einem Menschen, wenn ich glaube, ich bin mit einem Makel, welcher Art auch immer, gezeichnet?

   Inbegriff dafür kann mangelndes Selbstbewusstsein sein, fehlendes Selbstvertrauen oder nicht erlangte Selbstsicherheit. Die äussere Art eines Mangels kann ein offensichtliches Merkmal wie eine Narbe im Gesicht sein, ein zu hohes Körpergewicht oder abweichende Körperproportionen. Während die Narbe ein explizites Merkmal darstellt, so sind die Abweichungen beim Körpergewicht oder in der Körperform abhängig von einer Norm, die im Vorfeld von einer Instanz (Gesellschaft, Mode, Medien) relativ willkürlich festgelegt worden sein muss.

   In einer Erhebung aus den 1990er Jahren bewies ein interessantes Experiment den Einfluss eines offensichtlichen Mangels auf unser Sozialverhalten. Probanden wurde eine deutlich sichtbare Narbe in das Gesicht geschminkt. Mit dieser Narbe sollten sie sich in ein Gespräch mit einer unbekannten Person begeben, und im nachhinein bewerten, in wie fern dieser ihr Makel beachten würde. (verbal oder nonverbal) Die Versuchsperson sollte die Narbe vor dem Gespräch noch mal im Spiegel kontrollieren, und danach wurde sie mit der fadenscheinigen Begründung der Feuchtigkeits-Haltbarmachung tatsächlich aber entfernt.

Als Ergebnis kam heraus, dass über 70% der Probanden eindeutige Reaktionen auf die Narbe feststellten, die ja gar nicht vorhanden war. Eine Kontrollgruppe sollte in den Aufzeichnungen dieser Gespräche nach Hinweisen auf einen Makel bei einer der Gesprächsteilnehmer suchen. Diese fanden erwartungsgemäß keine!

   Als Fazit daraus stelle ich folgenden Gedanken auf. Wenn wir Menschen glauben mit irgend einem Makel behaftet zu sein, und mit dem Wissen über diesen Zustand in eine Phase des Kennenlernens kommen, gegen welche Gefühle und Befürchtungen müssen wir uns behaupten, noch bevor wir überhaupt die Freiheit nutzen können uns so zu zeigen wie wir wirklich sind und nicht zu sein befürchten.

   Da wir alle mit einem mehr oder minder sichtbaren Makel ausgestattet sind, wäre es doch an der Zeit, die Aufklärung dahingehend zu treiben, diesen nicht über Gebühr in den gedanklichen Vordergrund zu rücken, sondern uns freigeistig zu entfalten.

Der Weg zum Ziel (63)

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Um Deine Ziele zu erreichen brauchst Du natürlich erstmal welche. Die Formulierung macht einem schon manchmal einige Schwierigkeiten. Was will ich erreichen?

   Meine Ziele habe ich hier benannt. Was kann ich tun, um sie zu erreichen? Dazu habe ich meinen Weg kurz beschrieben, und zwar hier.
Um seine fotografischen Ziele zu erreichen, sollten wir für’s erste handeln. Haben wir das Ziel vor Augen, so können wir dem nachgehen, indem wir das fotografieren, wonach uns ist. Nur durch das Fotografieren lernen wir fotografieren. Was wir noch brauchen an Voraussetzungen ist natürlich eine passende Ausrüstung. Welche das ist kann für jedes Thema der Fotografie ein anderes sein und bedarf einer gesonderten Betrachtung.

   Was wir noch brauchen zum Erreichen unserer Ziele ist eine Anleitung, einen Fahrplan für unseren Weg. Ohne Anleitung werden wir uns oft verlaufen. Das muß nichts schlechtes sein, es kann uns von ausgetretenen Wegen hin zu Neuem, zu interessanten Pfaden bringen. Doch wenn wir davon ausgehen, dass uns zuerst daran gelegen ist, unser Ziel zu erreichen, sollten wir genau daran arbeiten. Für anderes ist später noch genügend Zeit. Lernen wir also von denen, die sich schon mit der Sache beschäftigt haben. Kopieren wir zuerst mal einige Aufgaben in Form von eigens dafür gestalteten Workshops. Dadurch lernen wir viel über unsere mehr oder weniger umfangreiche Ausrüstung und deren Handhabung.

   Sehen wir uns die bewunderten Ergebnisse bekannter Fotografen an, und versuchen zu verstehen, was sie unternahmen und wie sie vorgegangen sind, um ihr Werk zu verrichten. Was können wir davon umsetzen, worin unterscheidet sich unsere Idee. Um seinen Weg zu meistern brauchen wir das Handwerkszeug der Lehrlinge, um zu verinnerlichen, worauf sich diese Kunst begründet. Oberflächliches Wissen entschließt uns nicht die Tiefen der Motive, und wir kommen nicht weiter vorwärts, sondern versumpfen auf halbem Wege.

   Was jeder in seinem Handwerk benötigt ist Durchhaltevermögen, das uns dazu bringt, auch dann nicht den Mut zu verlieren, wenn es nicht so erfolgreich vorwärts geht, wie wir es gerne hätten. Die Durststrecken des schöpferischen Handelns erreichen uns mit absoluter Gewissheit, aber mit genauso großer Gewissenhaftigkeit können wir erfolgreich durch sie hindurch manövrieren.

   Unterstützung in Form von ehrlicher Kritik an unserem Schaffen hilft uns unsere Sichtweise sowie unsere Arbeitsweise zu überprüfen. Nicht die Kritik des breiten Publikums sehe ich an erster Stelle, wenn ich von konstruktiver Kritik spreche, diese ist unserer Arbeit frühestens in zweiter Linie zuträglich. Effektiver wirkt die Kritik anerkannter Fotografen, die uns vielmehr in einem geeigneten Seminar oder Lehrgang zu teil werden würde, in dem wir mit vielleicht zwei, höchstens drei Lernwilligen versuchen mit dem Geiste und den Augen zu stehlen.

   In einer Ausstellung in kleinstem Rahmen werden wir wahrscheinlicherweise durch Worte und Einschätzung ambitionierter Betrachter mit eigener Fotografieerfahrung unserer Zielerreichung ebenso einen kleinen Schritt vorankommen, wie durch impulsive Äußerungen unvorbelasteter Laien in Sachen Hyperfokaldistanz und Nodalpunkt.

   Worauf es ankommt: Folge dem Ruf Deiner inneren Stimme und fotografiere. Nicht abhalten lassen vom Wetter, von Zeitmangel oder einem tollen Filmchen im TV. Wenn wir immer wieder mal zurückblicken, und sehen zurück auf unsere geleistete Arbeit, so hilft uns dieser Blick zu erkennen, wo wir stehen.

Ausweg Schönheit? (59)

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„Another Day – Another Way“ oder wie es Konrad Adenauer mal sagte: „Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern…“
„Auf die inneren Werte kommt es an!“ Soooo So.

   Nur die Schönheit wird gerne gesehen. Wer sieht gerne in Durchschnittsgesichter? Was sind „Durchschnittsgesichter? Bei einem Partner-Findungs-Versuch eines Forscherteams unter Mitwirkung von 1200 Studenten blieb kein(e) einzige(r) ohne ein „Kennenlernen-Wollen-Kärtchen“ nach Sichtung von je nur zwei Fotos jedes möglichen Date-Partners. Im Volksmund hieß es früher so: „Jedem Topf sein Deckelchen.“ Doch ein anderer Versuch zeigte ein Ergebnis mit anderer Aussage.

   Identische Bewerbungen wurden zugrunde gelegt. Mit dem selben Gesicht wurde einmal mit jeweils hübscher wirkenden Manipulationen und eher unterdurchschnittlich wirkenden Manipulationen Schindluder getrieben. Diese Unterlagen wurden an eine hohe Zahl von Personalentscheidern zur Bewertung ausgegeben. Das Ergebnis war wie erwartet. Den scheinbar attraktiveren Bewerbern wurden durchweg bessere Qualifikationen attestiert. Wohlgemerkt, es waren identische Unterlagen mit nur anderen Fotos!

   Nix mit inneren Werten. Und wir? Wir sind alle ganz anders! Ich fürchte, dass dem nicht so ist. Beispiele? Gerne.

♡ Wir Männer gehen gerne in die Bäckerei mit der Backereifachverkauferin, die jeden Morgen ein so liebreizendes Lächeln an den Tag legt.
♡ Wir Männer sind viel lieber im Bistro am Brunnen, in dem die Bedienung mit der tollen Figur uns unseren Latte Macchiato serviert.
♡ Wir Männer sehen uns im Fernsehen doch nur deshalb das Beachvolleyball – Spiel an, weil die Sportlerinnen dazu genötigt werden, äußerst figurbetonte Kleidung zu tragen.
♡ Frauen sehen viel lieber den gut gebauten Bademeister, als einen, der gerne mal ein Bierchen seinem Bauche zuführt.
♡ Frauen gehen lieber in die Bar, in der der adonishafte Schönling die Cocktails mixt.(aus Gastronomie heute)
♡ …

   Diese Liste ist noch viel weiter zu vervollständigen, wir können jeder ein paar weitere Beispiele finden. Aussehen, besonders gutes Aussehen wird weiterhin offensichtlich unter Wert gehandelt, inoffizieller Tenor ist mit der heimlichen Verpflichtung zur stetig zu steigernden Attraktivität das genaue Gegenteil. Ich selbst gehe, wie vorher schon mehrfach erwähnt, ebenso lieber dahin, wo es nicht nur schöner ist, sondern auch lieber dahin, wo die schöneren Menschen sind. So wie ich attraktive Menschen lieber sehe. Ich meine, dass es bei der Mehrzahl der Menschen ähnlich ist. Daher die Erfolge der schönen Schauspieler(innen) und Sänger(innen).

   Somit ist die Diagnose eindeutig. Und die Therapie? Sollen die Männer auch in diesen Schönheitskult geführt werden. Die Kosmetikindustrie mit ihrem zweistelligen Milliarden-Gewinn sähe dies gewiss gerne. Mit Haarfärbemitteln extra für den Mann, bei dem außer der Verpackung die Handschuhgröße der einzige Unterschied zum Frauenhaarcolorant ist. Wäre es nicht sinnvoller, man führte eine Kampagne der Aufklärung, um der Frau durch Einsicht und vor allem männliche Unterstützung den Rücken dahingehend zu stärken, das das Leben für die moderne Frau im 21. Jahrhundert nicht mehr zu einem Spießrutenlauf durch Schönheitsparcours mannigfaltiger Ausartungen führen muss. Ich finde ja.

   Wer jetzt moniert, ich trüge mit meiner Art der hier ausgestellten Fotografie eher zum Gegenteil bei, dem sei folgendes gesagt: Meine Modelle sind ganz sicher nicht dick oder gar fett. Darauf kommt es auch gar nicht an, meine ich. Sie sind eher normalgewichtig, damit meine ich, weit weg von den gültigen Bodymaß-Indizes der Modelbranche. Natürlich sind es in meinen Augen wohlgeformte Körper mit harmonischer Linienführung. Doch derer gibt es viel mehr, als manchmal angenommen wird, dabei schließe ich nicht nur vom Aussehen des Gesichtes auf die Herkunft des wohlgeformten Körpers, der oft NICHT durch endlos wiederholte Fitnesstorturen oder schlimmeres erarbeitet wurde. Das versicherten mir die Modelle glaubhaft.

   Wenn jetzt der neueste Trend beim Manne schon das operative Einpflanzen von Barthaaren ist, so sehe ich das mit Sorge um die Menschen.

Vergänglichkeit der Hintern (51)

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Das Foto eines wohlgeformten Hinterns. Es befindet sich vor mir, ich sehe es an und denke:

Ein schöner Hintern! Ein gelungenes Foto! Im rechten Augenblick hat jemand auf den Auslöser gedrückt, nachdem er das Motiv entdeckt hatte. Die Technik ließ ihn nicht im Stich, das Licht war richtig und die Einstellungen an der Kamera, für die – sie oder er – sich weit vor diesem Augenblick entschied, waren richtig gewählt. Der Fokus hatte das Motiv ebenso korrekt erfasst, wie die Blende genau die richtige Menge Licht durch ließ. Da ist es also, das Bild. Das Bild eines schönen Popos. Der ist also auch da gewesen. Dieser Hintern wurde für das Bild ( und zwar das auf dem Sensor genau so, wie jenes, das in den Köpfen der Betrachterin oder des Betrachters entsteht) in eine ihn gut in Szene setzende Kleidung gesteckt. Er soll schön aussehen, was ja ob des Fotos auch hinlänglich gelungen ist.

Da ist es also, das Bild eines wohlgeformten Hinterns. Und der Hintern selbst – mit einem Rest von Mensch daran. So meint der Hintern. Doch er, der für die Aufnahme so toll hergerichtet, der in eine für den Rest des Menschen besonders unbequeme, weil enge Jeans gezwängt wurde, der sogar vollendet in der Form seiner Pobacken noch den String, wenn überhaupt, darunter trägt, was meint er zu sein, zu sein während des Restes der Stunden, in denen er immer wieder gerne angeschaut wird?

Mehr noch, welche Bedeutung hat er im Verlauf der Zeit, in der Spanne seiner Existenz? Ist der Rest des Körpers noch jung, so ist auch er jung, altert der Rest des Körpers, so macht er was? Schön aussehen, straff bleiben und immer schön knackig und fest? Mitnichten! Auch er kriecht zu Kreuze dem Diktat der Schwerkraft, so, wie der an ihm hängende Rest ebenfalls nicht entkommt. Irgendwann sogar wird er zu Staube und von Form kann wahrlich nicht mehr die Rede sein.

Also wird es kommen, und die Zeit wird ihre Botschaften überbringen, ob wir sie verstehen wollen oder nicht. Die Sache ist entstanden, irgendwann, und demgemäß wird sie vergehen. Was bleibt, das ist die Idee, und nur dann mehr als eine Idee der Schönheit wie jener der Mona Lisa, deren Züge sicher schon vergessen, wäre nicht damals ein Hinseher gewesen, der die Zauberhaftigkeit des Wesens allein für sich dazu brachte, ein Bildnis von ihr zu kreieren. So können wir uns heute noch darüber streiten, ob sie denn Schönheit ausdrückt oder nicht, ihr Bildnis jedenfalls sorgt für mehr als nur Idee, ihr Antlitz sorgt für jeden Menschen in seinem ganz persönlichen Licht, zu sagen, ob wir einstimmen in die Begeisterung des Leonardo.

So ist denn Abbildung ein Zeugnis des Augenblickes. Wie schon nur wenige Wochen später sich die Linien verändern können, das weiß jeder selbst zu bezeugen. Nicht, dass es so ist, beschreibe ich mit Bildern, nur entgegen der Vergänglichkeit ist mir an dem Bild des Augenblicks gelegen, welches ich festhalte als Zeugnis dafür, dass der Abgelichtete wirklich einst so aussah. In der Erbaulichkeit über das Aussehen, welches uns Menschen stets so beeindruckt, zeige ich, bevor sich auflöst in das Meer der Überformen die vollendete Linie.

Mit der definitiv unwichtigen, belanglosen und bedeutungslosen Darstellung von Hintern setze ich ein Zeichen der Schönheit der Gesäße und jeder mag hinsehen, dem es gefällt. Bevor diese ihre Form des Augenblickes für immer verändern – was dem Menschen als solchen nie abträglich ist, weder dem Charakter noch dem Herzen – nur den Augen des Gerneansehers der Gesäße trägt es zu, zu sehen und sich daran zu erfreuen, so wie es immer schon dem Schöngeiste daran gelegen war, Schönes anzusehen. Gleich dabei, ob es die Moleküle zu einem Tier, zu einer Blüte, zu einem Sonnenuntergang oder zu einem Gesicht gebracht haben. Für den Fotografen ist sein Motiv der ultimative Moment der Dokumentation, es abzulichten, bevor es abgetaucht ist in den Blättern des Eisenholzbaumes oder sonstwo hin. Bevor es seine Gestalt verändert soll es abgebildet sein, dem Lauf der Zeit entnommen für das Foto des Augenblickes.

Wie die Vergänglichkeit des Augenblickes wird zwar auch das Bild vergehen, so ist es nur eine kleine Verlängerung dieses Augenblicks, den der Fotograf für sich entdeckt und anderen Besuchern seiner Bilder vorstellen kann. Der Besucher dieser Ausstellung sieht hin, zu dem, was so in dieser Weise nicht alltäglich zu sein scheint und doch ist. Werden Bilder nicht entfremdet durch die unendlichen Möglichkeiten der Bildbearbeitungssoftware, so zeigen sie die Realität, welche vielleicht nur aus einem nicht alltäglichen Blickwinkel betrachtet ist, doch letztendlich nichts anderes, als was schon da ist!

Durchsicht – Schöne Beine machen einen schönen Popo (22)

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In diesem Artikel geht es um die Form des Hinterns und den Einfluss der Beckenbreite auf die Figur der Frau.

   Die Breite des Beckens in Verbindung mit dem Umfang des Verlaufes von Oberschenkel zum Po bestimmt im Wesentlichen die Symmetrie des Körpers im unteren Bereich. Die Veränderung eines dieser Attribute nimmt direkt Einfluss auf das Gesamtbild der Körperproportionen und in dessen Kontext zur Erscheinung des Körpers in seiner Kleidung.

   Nimmt man beispielsweise den Umfang der Oberschenkel, so kann man ab einer bestimmten Weite bei der vor- und rückwärtigen Ansicht nicht mehr die Grenze des einen zum anderen Oberschenkel respektive Beines erkennen. Bei einer größeren Breite des Beckenknochens relativiert sich der Umfang der Oberschenkel im Hinblick auf die proportionalen Gemeinwerte bis zu einen bestimmten Maße. Darüber hinaus greift auch diese Breite nicht mehr. Relevant bei der Betrachtung der Figur des vollständigen Menschen ist also nicht nur den Bereich von der Hüfte bis zu den Oberschenkeln, sondern die Länge der Beine auf der einen und die Ausdehnung des Oberkörpers auf der anderen Seite. Im Umgangssprachlichen als „unförmig“ wird ein Körper dann bezeichnet, wenn die Beine proportional zu kurz sind. Dies aber mehr noch, als bei proportional zu langen Beinen. Wohlgemerkt beschreibe ich hier ausschließlich das Aussehen des Menschen, die Betrachtung des Wesens erfolgt an dieser Stelle nicht.

   Die Breite des Beckenknochens als Hinweis auf die Geschlechtlichkeit wurde an anderer Stelle schon beschrieben. Aktuell betrachte ich die Figur des weiblichen Körpers in Hinblick auf das Hauptthema „Der wohlgeformte Hintern“. Bei einer größeren Breite des Beckenknochens und einer größeren Länge der Beine divergiert das Aussehen zur Attraktivität. Dabei ist im Rahmen der Attraktivitätforschung wieder die Tendenz zur Mittelmäßigkeit zu beobachten, wenngleich ein breiterer Beckenknochen weniger Zuspruch findet, als ein schmaler Beckenknochen. Beispiel Werbeindustrie: Dort ist zu erkennen, dass die eingesetzten Frauenkörper schon eine weibliche Form haben. In der Mehrzahl haben die Modelle jedoch ein schmaleres Becken. Nichtsdestotrotz wird für uns hier ein Bild erzeugt, welches mehr einer Idealform nahekommt, als der Realität. Die Frage zu stellen, ob wir mit dieser Form verführt werden wollen, oder ob wir durch diese Darstellungen ein Stück weit der Realität entfremdet werden, halte ich für durchaus legitim. Die wenigsten von uns sehen aus wie die Modelle, die wir erblicken. Ich meine, dass wir gerne eine tendenziell modellhafte Figur haben möchten. Wenn wir eine Modelfigur auch nicht haben, so möchten wir in jedem Falle solche aber lieber sehen, als die Realität des gemeinen Durchschnitts.

   Vergleiche ich bei der Betrachtung der Frauen ihr Aussehen mit dem Idealbild aus meiner eigenen Vorstellung, dann finde ich immer wieder mehr ein Teilbild aus dieser Idealvorstellung und Phantasie wieder. Selten finde ich Menschen auf der Straße, die meinem Idealbild entsprechen. Ich möchte behaupten, dass jeder von uns ein Bild eines Idealmenschen in seiner Vorstellung hat. (unabhängig davon, in wie weit dieses Bild einen Bezug zur Realität hat oder nicht hat oder haben soll)

   Beim Menschen ist es nun so, dass er die Bilder, die seine Augen in sein Gehirn weiterleitet, nur zum aller kleinsten Teil als „Neues Bild“ erfasst. Der weitaus größere Teil besteht aus schon gespeicherten Informationen, also schon existierenden Bildern unseres Gedächtnisses. Daher täuschen wir uns meist beim ersten reinen Anschauen des Gegenüber. Erst beim bewußten nochmaligem Hinsehen bemerken wir Einzelheiten. Wir sehen also hin, denken oder stellen für uns fest: „Hübsch!“ oder „Schöner Mensch“, nehmen aber deshalb noch nicht die Einzelheiten wahr, die uns zu solch einer Aussage führten. Diese sehen wir oft erst auf den zweiten Blick, wobei sich das alles in einer Zeit von unter einer Sekunde abspielt. Das sei nur am Rande erwähnt.

   Ein sehr schönes Bild einer Frauenfigur habe ich dann vor mir, wenn bei der Ansicht des Hinterns oder auch bei der Ansicht von vorne die Oberschenkel am Übergang zum Becken ein Spalt erkennen lassen, also etwas Raum zwischen den Oberschenkelansätzen zu sehen ist. Dadurch entdecke ich eine symmetrische Form des Popos, der durch den Verlauf in die Beine übergehend noch eine wunderschöne Betonung der Pobacken erhält!

   Dadurch ergibt sich für mein Schönheitsempfinden eine viel größere Bedeutung der Beine in Sachen „schöne Popos“, als die Breite und Form der Taille. Im selben Kontext steht die Form der Beine, die -erneut- ein Mittelmaß zwischen O- und X- Beinen verlangen. Sie sollten gerade gewachsen sein. Denn auch das trägt ganz erheblich zu der vorher beschriebenen Symmetrie bei, die unsere Attraktivität -den erwähnten Forschungsergebnissen nach- in hohem Maße steigert.
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