Durchsichtige Schönheit (178)

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Aufmerksamkeit und Beachtung zieht eine Form dann auf sich, wenn sie erkennbar ist. Sichtbar ist sie dann, wenn sie nicht versteckt ist. Erkennbar ist sie dann, wenn sie nicht „verformt“ oder verdreht ist. Menschen haben neben ihrer Kleidung auch eine Haltung, die ihre Form im Wesentlichen bestimmt.

Zuerst die Frage: Will ich erkannt werden? Soll meine Form, dieser wandelbare Teil meiner Persönlichkeit, sofort, später, teilweise, garnicht, ständig, manchmal, jedem, wenigen vorgestellt werden? Diese Frage steht ziemlich weit oben auf der Liste der grundlegenden/alltäglichen Überlegungen. Beeinflusst durch das soziale Umfeld und unserer eigenen Idee handeln wir.

In der Öffentlichkeit, genauso wie in unserer Vorstellung, geben wir ein Bild eines Individuums ab. Wir wirken – und wir glauben zu wirken. Wir sind Sender und wirken auf Empfänger. Wechselwirkungen sind noch nicht einmal weiter berücksichtigt. Der Stellenwert der Körperform war vielleicht noch nie zuvor so hoch, wie heute. Mit diesem Kult umzugehen ist für viele Menschen schwer. Dennoch entscheiden wir gemäß unserer Herkunft, unsres Glaubens, unserer Gemeinschaft und unseres Wesens.

Ein Körper kann aus vielerlei Gründen durch Kleidungsstücke verhüllt sein. Keine Form ist erkennbar. Gleichwohl kann ein Körper eng anliegende Kleidung tragen, sodass seine Form teilweise bis ganz erkennbar ist. Hier soll nicht beachtet werden, in wie weit die natürliche Form des Körpers durch bestimmt Funktionen der eng anliegenden Kleidung manipuliert und so sein Aussehen verändert wurde.

Zwischenruf: Wieviel von meinem Wesen meine ich verstecken zu können, wenn ich meinen Körper verstecke, sagte der Vogel Strauß? 😉

Für sein Handeln hat der Mensch üblicherweise einen Grund. Wodurch auch immer diese Gründe entstanden sind, sie sind und bleiben im Moment der Entscheidung für oder wider eine Handlung eigenverantwortlich. „Ich habe so gehandelt oder nicht gehandelt, weil eine Absicht dahinter steht.“ Ob mit dieser getroffenen Aussage bei der Vielzahl der möglichen Empfänger die Botschaft vermittelt wird, sei dahingestellt. Der Sender der Botschaft ist konsequenterweise DAS Zentrum des Universums. Im Augenblick der Sendung strahlt sie ab in alle Welt. Niemand sonst steht dahinter als der Absender.

Ankommen wird die Botschaft in unendlich vielen Zentren des Universums. Jedes einzelne ist für sich genommen das einzige Zentrum. Bestenfalls entsteht im Nachhinein die Auseinandersetzung mit der Botschaft, erst aber einmal trifft sie ein und wird interpretiert. Eine Analyse bleibt meist aus, bei der Vielzahl der Botschaften ist es auch nicht immer notwendig, die Frage bleibt, wann ist es und wann nicht. Doch das ist hier vorerst nicht wichtig.

Wann immer er möchte, darf, kann, will zeigt der Mensch die Form seines Körpers. Eine Skinny Jeans zeigt die Beine und den Po, bei der High-Waist den Körperbereich bis zur Taille. Die im Moment in Mode gekommenen Leggins oder Yoga-Pant zeichnet den Körper je nach Farbmuster deutlichst ab. Weniger deutlich zeichnen den Körper weiter ausfallende Hosen, Röcke oder Kleider ab. Viele Zwischenstufen kann man nennen, bis schließlich die Dschilbab, Hijab oder Niqab, Gesichtsschleier wie auch der Tunica oder Habit, die Kleidung meist katholischer Nonnen erwähnt werden kann.

Doch nicht um die Art der Kleidung geht es, sondern um die Aussage, die Botschaft dahinter. Was will derjenige oder diejenige sagen, wenn sie körperbetonte Kleidung tragen, was, wenn sie sich lieber verhüllen? Diese Entscheidung trifft der Einzelne, ganz gleich, ob er sich einer Gruppe anschließt oder nicht.

Beziehung zum Foto: Ich persönlich favorisiere eine Aufnahme eines „Interessant-aussehenden“ Menschen, auf der dessen Körperform (zumindest) erahnbar ist. Schönheit im Sinne von Körpern (aller Art) ist (für mich) dann sichbar, wenn deren Proportionen auf dem Bild sichtbar/erkennbar gemacht werden konnten. So, wie auch ein Gesicht eine „Form“ hat, ist eine Aufnahme gelungen, wenn es in dieser seiner Form auf der Fotografie nachgezeichnet worden ist. Klingt theoretisch, ist aber auf vielen Fotos mancher bekannter Fotografen, wie Peter Lindbergh, John Rankin Waddell, Ellen von Unwerth, Herb Ritts oder Richard Avedon eindrucksvoll zu sehen. Es ist ein Arm, ein Bein, eine Taille, ein Bauch oder eine Hand, die ein Portrait, Körperbild oder eine Modefotografie zur Ikone machen kann. Meine ich. 🙂

Für wen machst Du Dich schön? Teil 2 (148)

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Wie viel bleibt übrig von einem „Ich möchte schöner sein, weil ich mich dann besser fühle!“, wenn man auf Hintergründe und Beweggründe einen forschenden, kritischen Blick wirft?

Hier die Fortsetzung von Teil 1. Lege ich Berichte aus Rundfunk, Fernsehen und der Presse sowie aus der Fachliteratur zu Grunde, um mir einen Überblick zu verschaffen über die Gründe, weshalb Menschen ihr Äußeres verbessern möchten, so zeichnet sich folgendes Bild: Als häufigster Antrieb wird die Wirkung auf das eigene Gefallen, das eigene Selbstwertgefühl genannt. Dabei spielt es keine Rolle, über welche Maßnahme gesprochen wird, ob es das einfache Make-up ist oder die Unterspritzung der Haut mit Botox. Die Unterschiede zwischen den Geschlechtern -noch unternehmen Frauen mehr als Männer- scheinen sich dabei nach und nach aufzulösen. „ICH MACHE DAS HAUPTSÄCHLICH FÜR MICH SELBST, NICHT FÜR DIE ANDEREN, EINFACH, DAMIT ICH MICH BESSER FÜHLE, DAMIT ICH SICHERER WERDE!“, so die Aussage einer Frau vor der Anhebung ihrer Augenbrauen während einer Sendung des NDR.

Dieses Beispiel möchte ich stellvertretend hernehmen, um einen ersten, kurzen Überblick zu geben über die möglichen Hintergründe dieser Aussage. Ich frage mich, wie sie gedeutet werden kann, gebe Beispiele dazu aus der Literatur und den Medien. Zusätzlich möchte ich meine eigene Einschätzung hinzufügen.

Kulturübergreifend hat es den Anschein, als würde der Schönheit der Menschen zunehmend stärkere Bedeutung beigemessen. Ob eine Dokumentation über eine Misswahl in einem indischen Bundesstaat im Sender „br-alpha“, oder die vermehrte Anzahl von Sendungen über Schönheitsideale und Schönheitschirurgie allgemein rückt das Thema gerade heutzutage verstärkt in den Fokus der Gesellschaft. Ist es als Indiz dafür zu werten, dass eine vermehrte Nachfrage besteht, oder wird eine vermehrte Nachfrage dadurch erzeugt? Oder lässt sich die Sache aus einem ganz anderen Blickwinkel betrachten, nämlich jenem, dass nur die allgegenwärtige Information uns beständig erreicht, wir alles wissen können.

Aus einem wie auch immer beeinflussten Bewusstsein heraus streben die Menschen seit je her nach Verschönerung ihres Äußeren. Was für uns westlich geprägte (Klein-) Geister skurril oder auch befremdlich wirkende Ausschmückungen diverser Naturvölker sind, z.B. Hautritzungen oder Tellerlippen, stellt allerdings eine andere Richtung der Erschaffung von Schönheit dar.

Die uns geläufigsten Maßnahmen der Verschönerung zielen mehrheitlich auf eine gesellschaftlich institutionelle Form von Idealbild. Sie führen damitallesamt zu einer Konformität, die durch das Streben nach eben jener Erscheinungsform erfolgt. Wir verändern unser Aussehen, um diesem bestimmten Abbild der Attraktivität möglichst nahe zu kommen. Dass dieses viel mit Jugendlichkeit zu tun hat, ist allgemein bekannt.

Kann es ein Grund sein, dass wir uns verändern wollen, um vielleicht weniger (negativ, nicht positiv, nicht schön) aufzufallen? „ICH MACHE DAS NUR FÜR MICH!“, so der Tenor der Handelnden. Was sich aus dieser Aussage zusätzlich schließen lässt, ist die Tatsache, dass wenn wir nach Konformität streben, bald Besonderheiten, Einzigartigkeiten, ja die individuellen Markenzeichen eines jedes Menschen wahrscheinlicherweise als abnormal gelten werden. Nur noch dem schönen Äußeren wird ein erstrebenswerter Sinn zuerkannt werden.

Wie wirken die Handlungen, die uns zu mehr Schönheit verhelfen? Klar erscheinen wir -verschönert- einer definierte Gruppe irgendwann schöner als zuvor. Auch fühlen wir uns wahrscheinlich etwas sicherer, wenn wir genügend Selbstbewusstsein entwickeln konnten, weil unser Aussehen sich im Marktwert um einige Plätze verbessern konnte.

Doch was hält die Verpackung? Mehr Sicherheit führt zu mehr Gelassenheit, ja! Daraus -und aus ein paar anderen wesentlichen Zutaten- entsteht eine Eigenschaft, die jeden Menschen von der Larve zum Schmetterling macht: Souveränität. Doch zum einen droht diese zu bröckeln, sobald sich unser Aussehen wieder einem niedrigeren Level nähert, oder zum anderen, wenn wir trotz erklommenen persönlichen Zenit feststellen, dass es möglicherweise nicht genug war. Mündet dies in einer endlosen Spirale? Ein Spruch, den ich kürzlich hier bei einem anderen Blogger las, lautete: Das Dilemma der schönen Menschen ist, das es irgendwo jemanden gibt, der noch schöner ist.

Daraus resultierend entsteht die heimlich ins Abseits gestellte Frage nach dem tatsächlichen Wert des Aussehens. Die wirklichen Werte wie Charisma, Persönlichkeit, Empathie und Gefühl, um nur wenige zu nennen, scheinen in der Defensive zu sein auf den Markt der schönen jugendlich anmutenden Wesen jeglichen Alters. Dieses möchte ich in einem neuen Artikel näher untersuchen.

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Die Vergänglichkeit der Jeans ( 57 )

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Fotografie als Zeitvertreib, von Motiven, die sich im Laufe der Zeit aufreiben. Vergängliche Lebenszeit für vergängliche Motive. Was bleibt ist das Nichts. Weder Motiv bleibt noch Betrachter. Und dennoch: für die Zeit der Wahrnehmung bleibt die Erinnerung auf Zelluloid oder Bits und Bytes, Papier oder Alu-Dibond als geistige Krücke für vergessliche Geister. Wunderbar.

Sinn und Zweck unseres Daseins scheint vordergründig die Arterhaltung der Gattung Mensch zu sein. Läuft alles darauf hinaus, könnte man meinen. Schon immer hat mich die Frage nach dem „Warum?“ nicht nur beschäftigt, sie hat mich viele Minuten meiner Stunden, Stunden meiner Tage, Tage meiner Jahre gekostet. Dramatisch ausgedrückt hat mich diese Frage einen Teil meines Lebens so sehr beschäftigt, dass ich in dieser Zeit fast abgemeldet von der Realität nicht am regelmäßigen Leben teilnahm.

„Warum wurden diese Worte gesagt, jene Tat vollbracht oder manche Dinge unterlassen? Geschah dies aus freiem Willen? Ereignete es sich unter vollem Bewusstsein oder war Gedankenlosigkeit im Spiel, gar Absichtslosigkeit?“, so lauteten die Fragen in mir, die ich stets versuchte zu lösen. Zu lösen oftmals im Kreise meiner Freundinnen und Freunde, mehr aber noch in diffusen Gedanken, scharfen Thesen und noch schärferen Antithesen, ausgedrückt in Texten, die ich vornehmlich mit Hand verfasste. Mann dachte nach, bevor der Text zu Papier gebracht wurde. Das war schon im 5. Schuljahr so, und sollte bis heute bleiben. Nur die Handschrift ist dem Tippen gewi(s)chen.

So gibt es im Leben des denkenden, fühlenden Menschen mehr als die pure Arterhaltung. Folglich stellt sich die Frage, was den Mehrwert in unserem Leben ausmacht? Welchen Stellenwert nimmt beispielsweise die Beschäftigung mit dem Hobby Fotografie allgemein und die Ablichtung schöner Vergänglichkeit im Besonderen ein? Bezogen aufs Besondere frage ich weiter: Halte ich verzweifelt fest, was unabdingbar dem Wandel und letztlich sogar dem Untergang geweiht ist?
Da du nur eine begrenzte Anzahl von Tagen hier auf diesem Sonnentrabanten verweilst, sich dies einer so zumindest ausgedacht hat, ist die Überlegung anzustellen, wie du die Tage verbringen möchtest. „Jede Zeit hat ihre Dinge!“ So heißt es irgendwo.

Ich persönlich widme mich in meiner Freizeit unter anderem der Fotografie der schönen Vergänglichkeiten. Bei genauerer Betrachtung ist natürlich jedes Phänomen vergänglich, allein bei der Halbwertszeit finden sich Unterschiede. So, wie eine Blüte und ein Baum vergänglich ist, so ist es unser Körper ebenso. Allein die Geschwindigkeit der Veränderungen ist (nicht nur) von außen betrachtet unterschiedlich. Unter den Wesen dieser Erde denken wir uns die verschiedensten Zeitspannen. Schneller dahin geht unsere eigene Anmut im Auge der Schildkröte, wie unendlich langsam in den Augen des Schmetterlings. Diese Kreaturen wissen vermutlich nichts davon. Wir selbst hingegen besitzen dieses vermeintliche Wissen darüber, doch erleben uns letztlich nur durch unsere höchst subjektive Wahrnehmung.

Neben vielfältigsten weiteren Inhalten meines Daseins beansprucht das Hobby Fotografie für mich (inklusive einem Anspruch einer -irgendwie gearteten- Selbstverwirklichung) einen relativ weiten Raum. Das führt bisweilen dazu, dass andere Elemente des Lebens kürzer treten. In wie weit das zu bewerten ist, kann jeder mit seinen „Mitmenschen“ beschließen.

Nebenbei: Genauso viel Zeit beansprucht diese momentan ausgeführte Teilnahme an unserer Blogcommunity. Lesen und schreiben wir nicht eine Menge unserer Zeit hier? Besser als Television? Vermutlich!

Verfahren wir also in unserem Dasein allesamt mehr oder weniger gleich auf der Leiter der Evolution? Halte ich mich einmal nicht mit solchen Kleinigkeiten und Haarspaltereien wie unterschiedlichen Motiven auf, so ist für mich die Fotografie die spannende Dokumentation des Menschlichen und ja, auch hin und wieder des menschlich Möglichen. Dabei ist ganz wichtig, dass Absender und Adressat gleichermaßen gewichtet sind. Ich gehe sogar noch einen Schritt weiter und behaupte, die Fotografie ist ausschließlich Dokumentation des menschlich Möglichen. Schließlich kann jeder Mensch, wenn sich ihm die Möglichkeit bietet, und er die technischen Voraussetzungen hat, alles, was ihm vor Augen schwebt, sehen, dabei ablichten und letztlich öffentlich machen. Selbst Ideen und Phantasien kann er „fotografieren“, wenn er die Kunst des „GIMPENS“ beherrscht.

Eine Bewertung dessen kann hier nicht erfolgen, denn es wäre nur ein Abklatsch der gesellschaftlichen Konventionen, gepaart mit persönlichen Präferenzen und gesetzlichen Vorgaben.

Wie bei anderen Sujets, so auch bei der Fotografie, dieser einen Variation der vielen menschlichen Betätigungsfelder, finden sich unendliche Facetten der stets subjektiven Darstellung von Lebensinhalten. Scheinbar befreit bleibt diese Richtung der Kunst von jedem Diktat der Arterhaltung. Die nach der Ausübung allzeit notwendige Kommunizierung der Ergebnisse, die für fast alle Hobbys der Menschheit fundamentaler Bestandteil ist, erfolgt über einfache mediale Wege, die niemals so leicht zu beschreiten waren, wie heute im Netz.

Was du auch tust, wenn du einem Sinn auf der Spur bist, es wird immerzu ein Teil deiner Aufgabe sein, die du dir selbst auferlegst, deren Ziel dir dabei jedoch nicht immer vor Augen liegt. Du verwendest dazu dein Leben und sogar einen Teil des Lebens deiner Mitmenschen. Die Schleife dazu finde ich genau in der Form der Kommunikation der Ergebnisse, die letztendlich dem Wunsch nach Gemeinsamkeit, Anerkennung und Sozialisation Rechnung trägt. Der Mensch, ein sozialer Egoist.