Unschärfe oder „Der scharfe Hintern“ (35)

fliedb jeans hintern Mies-Vandenbergh-Fotografie

Mies-Vandenbergh-Fotografie

Wie der Titel schon sagt, schreibe ich hier etwas über unscharfe Bilder. Ich meine damit Bilder, die in der 200% Auflösung des Monitors leichte Unschärfen aufweisen. Dazu stelle ich in Relation die Aufnahmen der alten Meister, die in Mannheim im Reiss-Engelhorn-Museum 2012 ( Die Geburtsstunde der Fotografie )zu bewundern waren.
Wie in vielen Büchern namhafter Fotografen nachzulesen ist, kann die Auflösung der (digitalen) Kamera nur ein zweit- oder drittrangiges Kriterium für die Herstellung einer aussagekräftigen und eindrucksvollen Aufnahme sein. Um das zu begreifen, habe ich trotz jahrelanger analoger Fotografie erst wieder viele digitale „Versuche“ starten müssen. Meine Auseinandersetzung mit der Hardware hat mich viele Fachgespräche mit Berufsfotografen und ebenso viele Recherchen im Internet gekostet. Hin von der Vielfalt aller angebotenen Technik bis zum eigentlichen Zubehör war es ein weiter Weg.

Ich wollte im Rahmen des Themas „Schönheit“ Hintern in Jeans fotografieren. Das war ein Punkt unter vielen. Ebenso unsere Familie für die fotografischen Jahrbücher, Bäume, Gärten, Landschaften und Portrait; auf den geliebten Städtetouren auch Architektur, dort gleichfalls Streetfotografie.

Dies war die Idee hinter meiner Planung. Bis ich jedoch verstand, auf welche Voraussetzungen es besonders ankommt, oder wie ich welche Ausrüstungsgegenstände dafür zusammenbringen sollte, hat es deutlich mehr Praxiserfahrung gebraucht, als ich anfangs zugegeben hätte. Ich dachte, es kann gar nicht so schwer sein, eine passable Ausrüstung in geraumer Zeit zustande zu bringen. Schließlich fotografierte ich doch schon seit 1978. Doch weit gefehlt. Nach der bisherigen Erfahrung hat sich für mich die Schärfeleistung der am Markt befindlichen Fotoapparate schnell relativiert. Die Bildaussage wird durch mehr Megapixel nicht griffiger. Die entscheidende Frage war am Ende für mich die allgemeingültig bekannte Hauptfrage: Was werde ich mit den Aufnahmen tun?

Ich kann sie sicher immer wieder bei einer 200% Vergrößerung an meinem 2550×1440 Monitor akribisch ansehen, dabei werde ich ebenso sicher viele Unschärfen, Moires oder chromatische Aberrationen entdecken, doch ist das der Sinn und Zweck? Meiner ist es nicht. Ich möchte bald meine Bilder in einer Ausstellung präsentieren, und dazu sind vielleicht gerade noch folgende Überlegungen für meine Ansprüche an die Auflösung zu bedenken:

1. Wie groß soll das größte Format sein, in dem ich eine Aufnahme präsentiere? – DinA3 oder DinA2 oder größer?

2. In wie weit bin ich zu Ausschnittvergrößerungen gezwungen, um ein Bild als Gesamtkomposition auszustellen? 80%, 50% oder weniger?

3. Welche Körnung ist gerade noch akzeptabel, damit sich die Kanten meines Motives vom Hintergrund abheben?

4. Mit welcher Objektiv-Lichtstärke und welcher ASA-Einstellung kann ich fotografieren, ohne dass ein Motiv dem Bildrauschen zum Opfer fällt?

Diese Fragen bringen mich aber keineswegs zu der Nachfrage nach den Megapixeln einer Kamera, sondern zur Frage nach der Sensorgröße. Da ich kein Berufsfotograf bin, fällt Mittelformat wie z.B. PhaseOne oder Hasselblad für mich aufgrund des Anschaffungspreises aus. Das nächstkleinere Sensorformat ist das Kleinbildformat. Das ist das für meine Zwecke mehr als ausreichende Format.

Über die Marke der Kamera kann jeder eine eigene Entscheidung finden. Ich meine, dass schon 12MP für die DinA2 Vergrößerung ausreichend sind. Ich fotografiere momentan mit Kleinbildformat, APS-C Format und hinunter bis MFT. Einen Ausdruck von DinA2 mit MFT scheint die Grenze zu sein, weil noch gut betrachtbar. Ich bin dennoch neugierig auf weitere Entwicklungen.

Ist also die Frage nach dem Body entschieden, folgt die nächste Frage nach dem Objektiv. Bei dieser Beantwortung bin ich schlussendlich zu der Erkenntnis gelangt, dass die Lichtstärke in der Streetfotografie viel mehr Spielraum bei der Bildgestaltung bietet, wenn ich einige Reserven habe. Eine f 1:1,8 / f 1:1,7 oder gar f 1:1,4 bietet diese notwendigen Reserven bei abnehmendem Licht, was ich auf der Straße immer wieder erlebt habe. Von da her ist für mich in der Streetfotografie die f1:2.8 zur Grenzlichtstärke geworden. In den anderen Bereichen der Fotografie hat sich auch die f1:4,0er Lichtstärke bewährt, selten die f1:5,6er als größte Blende.

Die Brennweite ist hier für mich von zweitrangigem Belang, ich muß mich nur mehr bewegen oder ein Zoomobjektiv benutzen. Auch das mag jeder für sich selbst entscheiden. Ich selbst benutze gerne das 35er f1:1.8er für die APS-C (in KB 52,5mm) sowie das 20er f1:1,7 für MFT (in KB 40mm) und das 85er G für Kleinbild. Da nun alle diese Fragen grob angeschnitten wurden, kann ich mich wieder der Beschreibung der Beziehung der Schärfe zum Bildinhalt widmen. Wie ich anfangs schon beschrieben habe, war mein Eindruck und meine Bewunderung der o.g. Ausstellung enorm. Die Bilder wurden in verschiedenen Größen ausgestellt, die Grundlagen waren sehr verschieden, es wurden unterschiedliche Negativgrößen benutzt und Vergrößerungen davon hergestellt, die in ihrer Einzigartigkeit für mich von besonderem Wert und außerordentlicher Lehrkraft waren und sind.

Ich habe -für mich- festgestellt, dass ein bestimmter Grad der Körnung, der in der Sprache der digitalen Fotografie „Rauschen“ genannt wird, der Bildaussage bis zu einem gewissen Maße nicht entgegensteht. Diese Erkenntnis lege ich für meine Vorstellung von Schärfe zugrunde. Dadurch verschieben sich die Prioritäten besonders bei der Bildbetrachtung, denn es kommt mir auf die Gesamtaussage des Bildes an. Es geht in diesem Blog, was die Bilder betrifft, natürlich um die Fotos wohlgeformter Hintern. So kann ich mit einem leisen Schmunzeln über meine vielen vergeblichen Anstrengungen zur Findung der Kameraausrüstung mit der noch besseren Schärfeleistung und Abbildungsleistung sinnieren. Da es jedoch müßig wäre, meine Irrfahrten nachzuzeichnen, kann ich besser nur mein persönliches Fazit zur Schärfe stellen:

Ich habe es überbewertet. Es lassen sich mit einer 12MP APS-C Kamera beeindruckende Vergrößerungen herstellen, deren Bildaussage ohne Abstriche, also ausdrucksvoll zu kommunizieren ist. Es kommt für mich auf das Motiv und auf die Gesamtkomposition an. Stelle ich mir die Frage, was ich mit dem Bild sagen möchte, und sehe mir daraufhin das Bild an – und kann ich die Antwort, also meine Intention finden, so ist es für mich gelungen. Der Betrachter findet ohnehin seine eigene Interpretation der Bildaussage, wenn er sich die Zeit nehmen möchte, zu sehen.

Frauen und Männer Teil 1 (21)

mies-vandenbergh-fotografie.de ceb jeans hintern

mies-vandenbergh-fotografie.de

   Der Mensch sieht mit seinem Auge einen anderen Menschen. Das Licht trifft auf die Netzhaut und wird über Nervenbahnen zum Gehirn geleitet. Das Bild, das Foto, welches Gemälde aus Licht genannt wird, kommt zum Teil in unseren Gehirn an. ZUM TEIL? Ja, zum Teil, denn im Gehirn wird das Foto durch eine Instanz geschickt, die aus vielen vorgefertigten Schablonen bestehend unser Bild filtert, mit bekanntem vergleicht und (aus-)sortiert. Welche Schablonen es in unserer westlichen Welt sind, das möchte ich hier kurz darstellen.

Vielleicht fallen Dir noch weitere ein und Du hast Lust mir weiter zu helfen!

   Ich „sehe“ ein Foto eines Menschen und ich sehe was?

  •  Das Geschlecht
  •  Das Alter
  •  Die Hautfarbe
  •  Die Haarlänge
  •  Die Größe
  •  Den Körperumfang
  •  Die Hautstruktur
  •  Die Kleidung
  •  Das Umfeld
  •  Die Figur
  •  Die Proportionen
  •  Die Augen
  •  Die Lippen
  •  Das Gesicht
  •  …

   Diese Sequenz könnte jeder von uns weiter fortführen. Ich möchte näher darauf eingehen und frage danach, was von den wenigen Attributen des Bildnisses bei uns im Gehirn ankommt und was wir davon bewußt wahrnehmen. Ich stelle mir den im wahrsten Sinne kurzen Augenblick der Wahrnehmung vor. Was sehe ich als Erstes? Ist es die Größe, wenn ein Mensch sehr groß ist? Ist es die Hautfarbe, wenn diese nicht wie die eines Mitteleuropäers ist? Oder sind es die Augen, wenn Dir ein stolzer Japaner gegenüber steht? Bei mir ist es so, dass ich meist als erstes auch den ersten Punkt auf meiner kleinen Aufzählung feststelle. Ist es eine Frau oder ein Mann, die/der da erkannt werden will? Und schon ergibt sich die erste Einschränkung, denn noch zuvor nehme ich die Größe des Menschen wahr, und ich stelle fest, ob es ein Erwachsener oder ein Kind ist, dessen Antlitz ich „erblicke“. Aber das blende ich an dieser Stelle bewußt aus. 

   Ich sehe einen Erwachsenen und möchte feststellen, ob es ein Weibchen oder Männchen ist. Ich suche also mehr oder weniger unbewußt nach Hinweisen, die mich auf die richtige Fährte locken. Da alles in Bruchteilen von Sekunden geschieht, findet es nicht bei „vollem Bewußtsein“ statt. Ich suche also so oder so nach Anhaltspunkten, die mich nicht auf den Leim kriechen lassen. Da wir alle nicht nackt umhergehen, kann ich nicht immer nach den primären Geschlechtsmerkmalen suchen. Sicher gibt es Menschen, die diese hervorgehoben zur Schau tragen, doch diese nicht so häufige Ausnahme setze ich hier nicht an. Bei der Frau ist es sicher der Busen, der als augenscheinliches Merkmal in ausgeprägter Weise auf die Frau hindeutet, doch auch dann ist es manchmal nicht eindeutig zu erkennen, man denke nur an weite Kleidung. Was aber ist es, dass uns so gleiche Menschen unterscheidet?

    Ich sehe also auf die Kleidung. Diese Wahrnehmung, die uns in unserer Kultur meist eindeutig zur Geschlechterdifferenzierung anerzogen wurde, sorgt für die Wiedererkennung. Schon als kleines Kind wurden uns die Klamotten als weiblich und männlich anerzogen. Rosa und Hellblau waren irgendwie belegt. Das sei nur als Beispiel genannt. 

   Ich sehe auf die Bekleidung und da ich bei einem Foto nicht auf die so wichtigen Bewegungsmuster des Menschen achten kann, sehe ich mir das Gesamtbild an, besonders dabei die Augen, die Figur, die Größe, die Proportionen (Stichworte Beckenbreite und Schulterbreite). Das alles geschieht, wie gesagt in nur einem Bruchteil einer Sekunde und teilweise unterbewusst, in dem sich nach erfolgter Zuordnung des Geschlechtes alles weitere ergibt. Manchmal dauert es länger, bis wir ein Geschlecht erkannt haben, dann sehen wir auch länger hin, und unser Verständnis von weiblich und männlich wird in allen Rastern bemüht. Ein besonders interessanter Vorgang bei -oftmals Kindern- androgyn aussehenden Menschen. Da werden wir gefordert und sehen noch etwas länger hin, weil unsere Erkennungssoftware nicht so richtig funktioniert.

    Nach diesem Muster verfährt der Mensch auch bei den anderen Schablonen, sicher mit vielen Differenzierungen, die es im Einzelnen zu betrachten sehr spannend wird. Dazu an anderer Stelle mehr. Jetzt kommt die Intention der Betrachtung dazu und es wird richtig spannend! Warum sehe ich hin? Warum meine ich hinzusehen? Was meint unser Unterbewußtsein? Wieviel dieser Intention kann ich steuern und wieviel ist vorgegeben automatisiert? 

Der Mann sieht die Frau. Glaubt man dem vielfach beschriebenen Urtrieb des Mannes, so checkt er gleich, ob die Frau als potentielle Partnerin und Gründerin einer Familie zur Erhaltung des gemeinsamen Erbgutes in Frage käme. Wenn das der automatisierte Teil der Intention sein sollte, was wäre der bewußte? Ich denke mir beim Hinsehen bewußt die folgenden Gedanken: „Oh, eine hübsche Erscheinung.“ Ich sehe hin und der Blick wandert. Wenn ich dann die Figur betrachte, was bei mir schon wieder automatisch geschieht, sehe ich die Linien und Proportionen sehr schnell, stelle ich dann weiter – zum Teil unterbewusst – fest, dass es für mich eine besonders anziehende äußere Erscheinung ist, so sehe ich ein wenig länger hin. Bei dieser Verlängerung des Augenscheines wandern meine Augen über die Formen und Proportionen und schließlich enden die Blicke auf der Form des Pos. Dort angekommen nehme ich auch diese Form wahr. Ist sie für mich „schön“, so denke ich – mit Kamera ausgerüstet – über ein Foto nach. Manchmal fotografiere ich, manchmal nicht. Wenn es die Situation ergibt, frage ich nach einer Erlaubnis für ein Bild. Alles weitere ergibt sich dann.

Der Weg bis hier hin dauert meist nur Sekunden. Dauert er länger, ist die Voraussetzung eine längere Begegnung, wenn z.B. der Mensch in einer Situation mit sich selbst beschäftigt ist, oder aber in Kontakt steht mit einem Mitmenschen.Habe ich die Zeit, so kann ich einen Augenblick länger über den Sinn und Unsinn einer Aufnahme nachsinnen. Ich darf einen kleinen Moment länger in der Phase der Betrachtung bleiben, was den Fotos sehr zu Gute kommt, wenn ich mich denn zu einer Aufnahme entscheide. Und was sehe ich? Was ist es, dass mich zu einer Aufnahme und vorher zum Hinsehen verleitet? Für mich ist es schlussendlich die Erscheinung eines Menschen, die in mir eine Reaktion auslöst,welche ich mit einem Gefühl begründen würde, hervorgerufen von der grundsätzlichen Sehnsucht nach der für mich vollkommenen Form.
Darüber zu schreiben und auch Bilder zu fotografieren möchte ich wagen. Das Thema Po ist für mich spannend und ich möchte darüber Material sammeln und weiter zum Thema machen. Wer interessiert ist, mitzulesen, sie oder er sei herzlich eingeladen, mich zu begleiten. Weiterhin viel Vergnügen beim Stöbern über die wohlgeformten, schönen Hintern.