Das wilde Portrait (158)

 

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Natürlichkeit  –  Ursprünglichkeit  –  wilde Verwegenheit  – hier möchte ich einen Einblick gewähren in meine Absichten, meine Idee bei der Portraitierung eines Menschen mit meinem Fotoapparat. 😉

Immer wieder mal betrachte ich meine Fotografien. Solche, die ich in früher oder in späterer Vergangenheit machte. Während ich darin nach Veränderungen in meinem Stil, im Ausdruck meiner Bilder suche, so fällt mir etwas auf. Bei all den Veränderungen bin ich einer Sache weitgehend treu geblieben: meiner Begeisterung für die wilde Verwegenheit ursprünglicher Portraits, die den Betrachter mitnehmen in ein Bildnis, das wie rein zufällig den natürlichen Charakter des Menschen dokumentiert. Möglichst weit entfernt von jeglicher künstlichen Anmutung, fast kommt es so herüber, als würde die Situation wie unsichtbar aus dem Leben gegriffen.

Stets steht eine Ambivalenz zwischen rein dokumentarischen Ansprüchen einerseits, die einen Menschen zeigen sollen, wie er gesehen wird und andererseits dem künstlerischen Blick des Fotografen. Mit diesem Blick wählt der Fotograf -subjektiv- einen Augenblick aus unzähligen Augenblicken aus, löst genau dann aus, bearbeitet dieses Ergebnis möglicherweise, gestaltet oder verfremdet zusätzlich, um ihm damit einen künstl(er)i(s)chen Ausdruck zu verleihen. Manchmal erschließt sich dieses Portrait nicht zwingend dem Betrachter, oft nichtmals dem, der dem Porträtierten im täglichen Leben am häufigsten gegenüber steht.

Meine Bilder suchen eine Distanz, die durch Nähe ihren Ausdruck findet.

Plakativ dominant gestellte Portraits, wenn auch vielfach gewünscht und für gut erachtet, finde ich in meinem Arbeiten nur wenige. Viele der grundlegendsten Regeln der Portraitfotografie, wie sie in der Fachliteratur gelehrt werden, ebnen den Weg zu erfolgversprechenden Arbeiten. Charakterportraits, wie ich sie für meine Arbeiten gerne bevorzuge, wenn sich mir die Möglichkeit dazu bietet, zeigen nicht immer dieses offene Lächeln der Marke “Cheese“. Vielmehr dokumentiere ich die Persönlichkeit meines Gegenüber auf gefühlt subtile Weise. Das erreiche ich meiner persönlichen Ansicht nach besser, wenn der oder dem Portraitierten ein anderer Gesichtsausdruck als dieses „Lächeln“ seinen Zügen zu entnehmen ist. Nachdenklich bis verträumt, manchmal böse bis fragend beschreiben ein wenig, wie ich Denjenigen gerne bitte zu schauen, der vor meiner Kamera posiert. Dem Wesen nur einen Hauch von Realität entraubt, belichte ich immer wieder gerne einzelne Facetten des portraitierten Menschen.

Dabei stelle ich gerne und häufig vom Fotografierten selbst bisher scheinbar Unbekanntes in seinem Äußeren dar. Diese neuen Sichtweisen werden meist spannend aufgesogen: „So kann ich also auch aussehen“, „Kaum zu glauben, dass ich das bin!“?!“, sind öfter ausgerufene Worte bei der gemeinsamen Verabredung zur Betrachtung der Fotografien. Zu beschreiben, wie letztendlich wandelbar ein Mensch sein kann, das halte ich für eine wesentliche Botschaft meiner Portraits.

Natürlichkeit (126)

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Was sehe ich, wenn ich einen Menschen ansehe, wieviel von seiner natürlichen Schönheit und wieviel von seiner Verkleidung nach dem Diktat der Mode, danach frage ich in den folgenden Zeilen.

Wie häufig sehe ich Menschen in ihrer natürlichen Schönheit? Dazu stelle ich mir die Frage nach der Definition der natürlichen Schönheit. Was macht natürliche Schönheit aus? Die meisten Menschen erkennen dann eine gewisse Natürlichkeit, wenn ihr Gegenüber ungeschminkt, mit zerzausten Haaren und mit wenig ablenkender Mode verkleidet vor ihnen steht.

Schon an dieser Stelle findet sich die erste Hürde, denn es ist höchst umstritten, an welchem Punkt die Mode in das natürliche Aussehen eingreift. Einige Stimmen sprechen bereits dann von Verkleidung, wenn die Person nicht nackt ist. Für sie ist alles andere als nackt schon künstlich hervorgebrachte Veränderung am Menschen. Dabei ist es unerheblich, welche Kleidung es ist, ob es sich um ein Kleid von Versace oder einem Bärenfell handelt. Unstrittig ist und bleibt die Veränderung, denn nur nackt bleibt der Mensch ohne jede Möglichkeit, mit Kleidung eine klar definierte Aussage zu treffen. Für jeden von uns sind bestimmte Kleidungsstücke mit einer klar abgegrenzten Aussage verknüpft. Die Bilder im Kopf mag bei ihrer Nennung jeder für sich selbst überprüfen:

· Der Anzugträger!
· Die Dame im Abendkleid!
· Der Mann in Jeansjacke und Lederhose!
· Die Dame in Stilettos und Minirock!
· Der Mann im Ballonseide-Trainungsanzug!
· Die Dame im Ozelot-Mantel!

Mit jeder dieser Personen assoziieren wir bestimme Eigenschaften, sowohl auf beruflicher wie auf privater Ebene. Aber genau so, wie wir bestimmte „Vorurteile“ und vorgefasste Erwartungen an bestimmte Kleidungsstücke pflegen, so schnell geraten wir in Unsicherheit oder Verblüffung, wenn uns eine Person eines gewissen Standes in nicht adäquater Kleidung vorgestellt wird. Unsere gesellschaftliche Prägung übt dazu eine Menge Einfluss aus. Selbst wenn diese konträren Bilder in den Medien hin und wieder auftauchen, und uns damit ein wenig auf die möglichen Widersprüche vorbereiteten, so wird jeder selbst nachempfinden können, welchen Gedanken er erläge, würde ihm ein Bundesminister oder Vorstandsvorsitzender einer Bankenaufsicht in Lederkutte und Cowboystiefel vorgestellt werden! Wie wäre unsere Einschätzung der Glaubwürdigkeit in eine Ärztin während der Visite, begegnete uns diese Ärztin in Shorts, Tank-Top und offenem langen Haar? Wäre diese nicht in höchstem Maße gefährdet? Davon bin ich zutiefst überzeugt!

Zurück zur eingangs gestellten Frage nach dem Punkt, an dem von uns noch Natürlichkeit attestiert werden würde, bzw. an dem schon Verkleidung stattfände. Die erste Unterscheidung kann ich machen, indem figurbetonte Kleidung mit legerer Kleidung verglichen wird. Während bei ersterer die körperlichen Äußerlichkeiten deutlicher zu Tage treten, ist bei der zweiten Variante kaum etwas von den Proportionen des Körpers zu erkennen.

Einen Grad für Natürlichkeit allein daraus zu formulieren dürfte wiederum zu Diskussionen führen. Die figurbetonte Variante könnte ich zwar durchaus als natürlich bezeichnen, gibt sie doch die natürliche Form des Körpers wieder, doch bei dieser gaukelt die Stützfunktion eng anliegender Kleidung definitiv positive Eigenschaften vor. Viel besser mutet weite Kleidung auch nicht an. Versteckt diese doch die natürliche Form des Körpers meist gänzlich, die dem Betrachter wesentliches über die Attraktivität des gegenüber verriete. Vielleicht kommt der Träger etwas näher an die Eigenschaft Natürlichkeit heran, wenn er weder enge, noch zu weite Kleidung trägt. Auch Zurückhaltung bei der Wahl der Materialien ist geboten. Dies dürfte aber nicht allzu schwer fallen.

Komme ich zu einem weiteren Punkte. Bei der Bemalung des Gesichts herrscht unter den Menschen weitestgehend Einigkeit: sichtbar geschminkte Personen entbehren jeder Natürlichkeit! Doch genau darin liegt die Besonderheit der gekonnten Maske: Männer und mehr noch Frauen, die in sämtlichen Medien auftauchen, sind derartig dezent sichtbar geschminkt, dass ein fachfremder Betrachter oftmals keine Schminke erkennt. Wieviel Arbeit und Können, Zeit und Aufwand hinter einem solchen Bild steckt, das weiß nur einer, der es kann und derjenige, dem es zuteil wurde. Somit beweist Natürlichkeit in den allgegenwärtigen Medien fast immer ein Trugbild!

Auf der Straße verhält es sich ein wenig anders. Die wenigsten Menschen können sich einen Maskenbildner vorderster Güte leisten. Dort ist es meist sofort ersichtlich, ob die Person ungeschminkt oder in Kriegsbemalung daherkommt. Die Natürlichkeit erscheint in der realen Öffentlichkeit leichter erkennbar, meine ich.

Bei der Betrachtung der Frisur ist im Prinzip ähnliches zu konstatieren, wie bei der Schminke. Gezielt gestyltes „wildes“ Haar ist nur schwer auszumachen, ungepflegtes fast immer und natürliches Haar ist offensichtlich natürlich.

Damit bin ich der Beantwortung der eigentlichen Frage schon ein gutes Stück näher gekommen: natürliche Schönheit ist so leicht nicht zu definieren, doch Übereinkünfte der Gesellschaft hinterlassen deutliche Hinweise. Natürlichkeit finde ich umso häufiger, je jünger die Menschen sind. Gesichtszüge zu erkennen ist ein weiteres probates Mittel, den diese werden nur selten stark verändert oder entstellt. Nicht umsonst sprechen Forscher und Wissenschaftler von standardisierten Typenbezeichnungen: kaukasischer oder indogermanischer, asiatischer oder negroider Typus sind, zwar teils veraltete, aber gängige Termini. Bewegungsmuster ergeben ein untrügliches Bild, denn auch darin spiegelt sich eine Natürlichkeit wieder. Nur sehr wenige Menschen sind fähig, diese eingeübt vorspielen zu können.

Unter den weiteren verbleibenden Anzeichen für Natürlichkeit ist -mit an vorderster Stelle- der Blick zu nennen, der zwar durch vielfältige kosmetische Manipulationen an den Augen verstellt werden kann, doch meist nicht so, dass diese unentdeckt blieben. Künstliche Wimpern, ausgerupfte Augenbrauen durch einen Farbstift ersetzt, dunkle Augenlider und Kajal über die Augen hinaus geben dem Blick des Menschen eine völlig andere Kraft. Diese Manipulationen sind viel deutlicher sichtbar, als beispielsweise die Haut verändernden Puder. Natürlichkeit bleibt so verdeckt.

Stimme und Gestik sowie Mimik verrät uns eigentlich immer, wer es lesen kann, für den ist unser künstliches Schauspiel ein offenes Buch.

Das Fazit: Für wieviel Natürlichkeit ist der Mensch geschaffen? Sowohl der Betrachter wie auch der Betrachtete ist vermutlich noch gar nicht so weit, als dass er auf Maßnahmen zur Verschönerung seiner Erscheinung verzichten könnte. Im Moment scheint es so zu sein, als dass die Fähigkeit selbst, sich zu manipulieren, als Zeichen dafür gewertet wird, einen gewissen Wert in der Gesellschaft zu versprechen. Das halte ich jedoch für einen Trugschluss, der uns in die Irre führen wird!

ZUSATZGEDANKE:

Vielleicht ist der Mann mit dem Haus, dem Boot, dem Auto, dem Pferd und dem Motorrad doch nicht der Idealfall für die Gründung einer erfolgreichen Familie, weil er in seiner 68 Stunden Woche keine Zeit findet, seinen Nachwuchs mit groß zu ziehen? In einer Welt von Haben statt Sein mag dieses Modell zum Erfolg führen. Nur frage sich ein jeder, ob das die Welt sein wird, die wir uns für unsere Zukunft wünschen. Ich selbst lehne das ab! Ich selbst meine, wir sollten mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln versuchen, der Gesellschaft wieder einen Geist von Sein einzuhauchen.

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Aussenwerbung des Körpers (125)

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In diesem Abschnitt geht es darum, mit welchen Mitteln und warum wir Menschen beständig um die Aufmerksamkeit unserer Zeitgenossen buhlen.

Man sagt, kleine Frauen trügen gerne lautes Schuhwerk. Während meiner Jugend war es gang und gäbe sich unter seine Schuhe, es waren gerne Stiefel, Metallplättchen zu nageln. Mit dem daraus resultierenden metallisch klingendem Klackern während seiner Schritte fiel man stets auf, wenn man kam oder ging.

Schrille Kleidung ist ein weiteres, probates Mittel, um sich Aufmerksamkeit zu erhaschen. Zwar nicht jeder letzte Schrei mutiert zum Trendsetter, doch eine Extravaganz in der Kleidung führt fast immer zum Erfolg bei uns visuellen Wesen, wenn man auffallen will.

Wer sich großzügig behängt, mit was auch immer, der sticht aus der Masse der Menschen heraus. Ob sich der Mensch mit allerley Tändel umgibt, einem Haus, einem Auto, einer Yacht, einem Pferd, so wird er nicht lange ohne die aus dem Werbespot der Sparkasse mir in Erinnerung gebliebene Pferdepflegerin bleiben. Kaum ein Mensch will im Mainstream, der „wabernden Masse“ mitlaufen, wie einst die Rockgruppe Bap in „Kristallnacht“ verkündete, oder wie es Hermann Hesse mit den Worten „…dummes Schaf in der Herde der Vielen.“ in seinem Klassiker Siddharta bezeichnete.

Dabei ist es keineswegs so, dass sich nur die weniger Schönen oder wenig Schönen aufzupäppeln gedenken, nein, selbst die Schönen stehen dem in nichts nach, auch sie wollen noch schöner dastehen.

Worauf das alles hinausläuft? Nur ein Ziel ist vordergründig zu belegen, glaubt man den vielen Forschern: Der Mensch strebt danach, bestmögliche Ausgangssituationen zu schaffen, um sich erfolgreich zu vermehren. Je mehr er in der Gesellschaft darstellt, desto größer ist die Chance, die Auswahl, einen wertvollen Partner – im Sinne der guten Gene- zu gewinnen. Dabei sind die Rollen, wenn auch im Wandel begriffen, klar zwischen Männchen und Weibchen differenziert! Mann = Status, Haben und Kraft, Frau = Zierde, Schmuck und Gebärfähigkeit. Heute wie gestern, denn in der Jugend und unter den jungen Erwachsenen heute ist es nicht anders als bei den Generationen davor!

Nicht die vielen anderslautenden Lippenbekenntnisse von den inneren Werten, wieder und wieder in die Runde geworfen, und mit penetranter Vehemenz wiederholt, können darüber hinwegtäuschen, dass der Mensch in seiner Eitelkeit kein Stück weiter ist, als ein siamesisches Kampffischmännchen! Und wie die Kampffischweibchen dem Balzen der Männchen nicht widerstehen können, so ist es bei uns Menschen – nur mit umgedrehten Kennzeichen: Die Männchen sind seltenst in der Lage, den Reizen der Weibchen zu widerstehen! Das wissen die Weibchen par Excellence einzusetzen. Wir alle plustern uns auf wie der Kugelfisch! Wir brüllen laut, wie der Löwe, besonders die kleineren Vertreter unserer Spezies.

Der Schein in unserer Gesellschaft, in der heutigen Zeit ist von enormer Bedeutung, wie das dazugehörige Schauspiel der Menschen ebenso. Fast ausnahmslos nehmen die Menschen im Augenblick der Verkleidung, der Aufhübschung, der Tarnung eine einstudierte Rolle an, die durch gesellschaftliche Normen, Regeln und Konventionen strikt vorgeschrieben ist. Der Mensch funktioniert ganz passabel, Überschreitungen oder gar Ausbrüche sind selten zu beobachten.

Um aus dieser Arena auszubrechen bedarf es einer ganzen Menge Selbstbewusstsein und Selbstsicherheit. Warum die wenigsten Menschen damit in ausreichendem Maße gesegnet sind, ist ein Rätsel. Warum nur schwimmen so viele mit in diesem Strom? Warum wagen nicht mehr denkende Wesen einmal den Ausstieg ans Ufer, um zu sichten, wohin die Reise geht, und zu überdenken, ob das Ziel des Stroms mit dem eigenen Ziel einhergeht? Wollen die Mehrheit der Menschen vielleicht doch lieber in der Anonymität der Masse treiben? Ist es dort vielleicht bequemer und man wird nicht mit wiederkehrenden Entscheidungen belästigt, die man treffen muss und für die man anschließend auch noch die Verantwortung übernehmen muss?

Wie ist diese Ambivalenz zu erklären? Falle ich dann nicht auf, wenn ich auffalle? Falle ich nur auf, wenn ich nicht auffalle, mich nicht an diesem Schönheits-Wettbewerb, an dieser ständigen Aufhübschung beteilige? Nein, das wäre zu weit gedacht. Viele Beispiele lassen sich finden, die belegen, dass auch mit bedacht geführte Manipulationen -wobei es immer noch Manipulationen bleiben- kaum erkennbar scheinen, und damit der Natürlichkeit zu neuem alten Wirken verhelfen. Vielleicht ist dann ein Weg zu erkennen, der sich geradezu anbietet, der uns nach und nach in eine Abkehr vom SCHEIN hin zu mehr SEIN begleitet. Was aber nicht vergessen werden kann ist die Tatsache, dass schöne Bilder, egal, ob in Form eines attraktiven Menschen oder in Form eines bezaubernden Naturschauspiels immer wieder unsere Seele berühren werden, und unseren Begehr stets auf’s Neue erwecken wird. Dazu sind wir Mensch. Es kommt nur auf das Maß an! Wie in fast allen Belangen, um die es in unserem Leben geht.

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Bilder junger Menschen (123)

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Eine neue Idee oder eine altbekannte Diskussion? In der Wochenzeitung „Die Zeit“ vom 05.12.2013 wurde ein interessanter Artikel mit der Überschrift „Die Bilder des Begehrens“ vom Autor Hanno Rauterberg veröffentlicht, der einen Fund von Polaroid-Bildern des berühmten Malers Balthus (eigentl. Balthasar Klossowski de Rola) zum Anlass nimmt, um die Frage nach der Zulässigkeit von Bildern junger Menschen in der Kunst zu erörtern, Stichwort „Pädophiliedebatte“.

Der Maler hatte angesichts seines hohen Alters auf die Skizzierung besonders eines seiner Modelle, Anna Wahli, verzichtet und stattdessen Polaroid-Fotos angefertigt. Derer wurden es mehr als 2400, was den Autor die Frage aufgreifen lässt, ob es sich angesichts der Menge der Fotos tatsächlich um skizzenhafte Vorarbeiten handelt oder um klassischen Voyeurismus. Abgesehen von dieser Debatte, die in der Kunstszene wieder mal auf die Tagesordnung geraten zu sein scheint, werden Teile dieser Sammlung sowohl durch die Galerie Gagosian für 20.000.- Dollar pro Stück verkauft, als auch ein Teil der Sammlung im Frühjahr 2014 im Essener Folkwang-Museum ausgestellt werden.

Im weiteren Verlauf des Artikels zählt der Autor weitere Künstler auf, die ihrerseits bei näherer Betrachtung in die Reichweite der Debatte um die Pädophilie gelangen könnten. Beispielsweise Lewis Carrol wird genannt, der junge Mädchen mit der Kamera abgelichtet haben soll, wodurch „Alice im Wunderland“ in ein etwas anderes Licht gerückt werden könne. Sittenwächter aller Länder und Coleur haben sich wieder einmal aufgemacht, Kunst zu durchleuchten, um sie anschließend in der Gesellschaft einer Diskussion zu unterziehen, oder sie stellen gleich die Forderung, diese Bilder wegzuschließen.

Im letzten Teil des Artikels wagt der Autor eine vorsichtige Bewertung dieser Debatte, in der er vor der Kriminalisierung jeglicher Kunst mit nach heutigem Verständnis pädophil anrüchiger Kunstwerke warnt. Zugleich stellt er jedoch die Legitimität der Veröffentlichung von derlei Bildmaterial zumindest in Frage. Ein leichtes Hin und Her in seinem Artikel über das Recht und die moralisch-ethische Verantwortung bei der Publikation der Balthus-Polaroids weist auf die Schwierigkeiten bei dieser Bewertung hin, zumal in dieser Wochenzeitung. Zum Schluss des Artikels gibt der Autor dem Leser noch eine Aufgabe mit auf den Weg. Die Frage nach der Veröffentlichung der Polaroids legt er in die Hände, in die Gedanken und Meinung der Betrachter von Kunst. Ob diese Ausstellung im Museum Folkwang ein Erfolg wird, das wird einzig und allein von Besucher abhängen. Ob es einen Wunsch nach Profit durch Voyeurismus beim Verleger des Kataloges zur Ausstellung gibt kann dahin gestellt werden, denn der Besucher oder der Fernbleibende werden es belegen.

Was kann ich als Fazit aus diesem Artikel für das Thema dieses Blogs herausstellen? Der Bezug ist auf der Ebene der Bilder klar erkennbar; meine Fotografien würden, einer breiten Öffentlichkeit dargeboten, sicher zu einer ähnlichen Debatte führen können, wie die um die Fotos von David Hamilton entstand, wenngleich ich mich nicht in die Nähe dieses Künstlers rücken kann und möchte. Wenn ich bei Wikipedia den Begriff des Voyeurs nach schlage, so hat ein Autor u.a. folgenden Abschnitt verfasst:

„Seit der Einführung der Digitalkameras nimmt die Straßen-Voyeur-Fotografie einen wesentlichen Stellenwert ein. Fast ausschließliches Motiv dabei sind Rückansichten (mit Ausnahme des Cameltoe) von jungen Frauen und Mädchen in bevorzugt engen Hosen (Jeans, Leder, Leggins) oder es wird unter den Rock fotografiert. Die Opfer werden in Fußgängerzonen, am Strand, beim Shoppen oder öffentlichen Veranstaltungen ohne ihr Wissen abgelichtet oder gefilmt. Der Voyeur legt dabei meist keinen gesteigerten Wert auf Gesichtsaufnahmen bzw. vermeidet diese absichtlich, um sein moralisches Schuldbewusstsein zu unterdrücken.“

Schon dieser Ausschnitt zeigt deutlich, welche Betrachtungsweise und Meinung in der Debatte um das Motiv „Schönheit“ in der „Kunst“ eingenommen werden kann. Der Autor oder die Autorin dieser Worte schreibt von moralischem Schuldbewusstsein und von Opfern. Diese Art der Straßenfotografie wird damit eindeutig in einen voyeuristischen, vielleicht krankhaften, in jedem Falle aber gesetzlich-moralisch zweifelhaften Kontext gestellt. Dabei werden die Grenzen zwischen „normalem Schauen und genauen Hinsehen“ moralisch bewertet, zumal der Begriff Voyeurismus durch unsere Sittenwächter eindeutig negativ belegt ist. Auch meine Bilder passen teilweise in die oben genannten Beispiele von Rückansichten. Teilweise, weil ich eine Vielzahl der Fotos erfragt habe und ebenso Profilansichten und Frontalfotofrafien anfertige. Die Frage aber, die ich daran anschließen möchte, ist die gleiche, die ich bereits in meinem Artikel „Moralia“ stellte: Ich fotografiere, was ich sehe, was mir gezeigt wird, was ich schön finde, was etwas natürliches ist und auch die Masse der Menschheit gerne betrachtet.

Fast alle Menschen sehen Menschen gerne an, ob im Gesamten oder auch einzelne Körperpartien. Und die Frage? Wie wollen wir in unserer Gesellschaft leben, welche Übereinkünfte und Grundlagen wollen wir treffen und schaffen, die den Umgang mit unserem ureigensten Verlangen bestimmen, dem Wunsch nach Erhaltung der Art, in all seinen Teilbereichen, wozu auch der Wunsch nach der Schönheit der Menschen gehört, und dies nicht nur beim Gegenüber, sondern auch bei sich selbst. Stellen wir es, wie in o.g. Abschnitt als „Straßen-Voyeur-Fotografie“ unnatürlich dar, wo es Täter und Opfer gibt, oder können wir es als Abbildung von schönen Körpern sehen, die gerne betrachtet werden? Und wenn ja, wo ist die Grenze zu ziehen? Gibt es eine Grenze, und wann ist sie überschritten. Haben wir eine gesunde Urteilskraft, wenn es um die Bewertung eines Fotos von einem schönen Mund mit wunderschönen Lippen geht, oder einer Nahaufnahme einer Vagina mit wunderschönen Schamlippen, oder um die Großaufnahme eines erigierten, rasierten Penis? Manche Körperteile sind mit Tabus belegt worden, scheinbar willkürlich, doch im allgemeinen Verständnis verankert. Wo ziehen wir die Grenze? Beim entblößten Busen einer 87-jährigen oder bei einer Polaroidaufnahme eines „Busens“ einer 12-jährigen? Wo überschreiten wir eine fiktive Grenze, wenn wir jemanden fragen oder bezahlen für ein Foto seines Hinterns oder wenn wir es einfach so auf offener Straße ungefragt machen?

Beantworten diese Fragen auch die Betrachter, die auch bekannt sind unter den Bezeichnungen Gaffer-in, Voyeur-in, Spanner-in, Frauennachgucker, Gast im Cafe mit der attraktiven Bedienung, Besucher-in der Show der Chippendales, Besucher-in von Striptease-Bars, Fans der Sendungen wie Dark Angel (Jessica Alba) oder Knightrider (David Hasselhof), Besucher-innen von Konzerten des Justin Biber, Ballettbesucher, und und und ?

Die Besucher einer Ausstellung oder die Besucher von entsprechenden Seiten im Netz, deren Besucherzahlen die eindeutigste Sprache der Welt sprechen: 0=ja, 1=nein. KLICK!

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Feel Good (122)

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Dieser Artikel zeigt auf, welche Zusammenhänge zwischen unseren Empfindungen über unsere Schönheit und unserer tatsächlichen Schönheit bestehen. => „Fühle ich mich gut, bin ich schöner!“

Die gerade genannte Feststellung über die guten Gefühle und deren Auswirkung auf unser Aussehen ist schon beinahe selbsterklärend. Ein altes Sprichwort lautet wie folgt: Mit dem Hute in der Hand kommst du durch’s ganze Land. Ein weiteres lautet: Ein Lächeln am Morgen vertreibt Kummer und Sorgen. Derer Sprichworte existieren noch viele mehr. Allen gemeinsam ist jedoch unter anderen der Sinn der Aussage, dass ein Mensch mit einem höflichen, freundlichem Auftreten gewisse Vorteile gegenüber einem nicht derartig dreinblickendem Menschen hat.

Diese Vorteile halte ich für betrachtendswert, denn in ihnen spiegelt sich die Wirkung unseres Aussehens, unserer Attraktivität wieder. Warum ist es so? Weil ein glücklicher, zufriedener Mensch genau diese Gefühle nach außen ausstrahlt, und das macht ihn begehrenswert. Menschen suchen und finden gerne die Nähe von Personen, die eine innere Ruhe gefunden haben, die in sich ausgeglichen sind. Das nicht zuletzt deswegen, weil sie ihre innere Bestätigung in ihrem Äußeren gefunden haben. Wenn Menschen glauben, dass ihr Äußeres o.k. ist, strahlen sie genau diese Überzeugung aus. Sie sind nicht getrieben von der Suche nach Bestätigung und Anerkennung. Damit wird der Kreis zumindest in dieser Hinsicht geschlossen, denn diese Zufriedenheit macht nach außen hin noch wiederum schöner!

Schlägt das Pendel dabei zu sehr in Richtung Selbstbestätigung aus, so besteht freilich die Gefahr der Eitelkeit. Das führt jedoch sofort zum Verlust der positiven Wirkung auf die Menschen. Jenes übersteigerte Selbstbewusstsein ist weit entfernt von dem bloßen Wissen um sein Aussehen. Die Erkenntnis, dass man mit sich und seinem Äußeren zufrieden sein kann, vielleicht auch noch ein Stück weit dem allgemeinen Verständnis von Attraktivität entspricht, ist sicher gesund. Wichtig ist, dass man aber deshalb nicht dem Glauben verfällt, man sei dadurch mehr wert als andere Menschen. Ob dieser Trugschluss doch mehrerer hübscher Menschen durch die Hoffierung vieler oberflächlicher Zeitgenossen mitverursacht wird, wäre interessant in einem weiteren Beitrag zu beleuchten.

Ausgehend von der These, dass glückliche Menschen auch schöner erscheinen, wurden einige wissenschaftliche Untersuchungen angestellt. Danach wirken glücklichere Menschen auf andere gleichfalls attraktiver. Das mag daran liegen, dass der Gesichtsausdruck eines glücklichen Menschen viel weniger Sorgenfältchen produziert, als dies bei einem Menschen mit Sorgen geschieht. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Sorgen begründet sind oder nicht! Ob sie dadurch zustande kommen, dass die Person sich nicht schön genug findet oder tatsächlich ist, ist zweitrangig. Ein magersüchtiges Mädchen ist vielleicht absolut schlank und gutaussehend für die meisten Menschen, doch sie selbst empfindet sich als zu dick und gerade dieses Gefühl transportiert sie nach außen. Das spiegelt sich in ihrem Ausdruck wieder, was zu Folge hat, dass ihre Erscheinung darunter leidet.

Damit wirken wir auf andere Menschen je nach Grad der Zufriedenheit mehr oder weniger attraktiv. Das Gesicht ist dabei der größte Faktor. In ihm spiegelt sich unsere Gemütslage am deutlichsten wieder. Und wir reagieren darauf ebenso deutlich. Spricht jemand von Leid und Schmerzen, so verziehen wir unser Gesicht mit entsprechend zusammengezogen Augenbrauen und hochgezogenen Lippen und Wangen. Wir empfinden nach. Und was hier im intensiven Gefühl für jeden leicht nachzuvollziehen ist, funktioniert auch im extensiven, unterschwelligen Bereich. Ist jemand unzufrieden oder unsicher, so empfangen dies unsere Antennen augenblicklich. Wer schon einmal Bücher von Samy Molcho in den Händen hatte, der hat eine Idee von der Aussenwirkung unserer Körpersprache in Form von Gestik und Mimik. Auch bei Babys kann man es schon erkennen. Lächeln wir ein Baby an, so lacht es zurück, und umgekehrt. Gucken wir fies drein, fängt das Baby oft zu weinen an.

Auf der Straße ist es nicht viel anders. Lachen wir jemanden an, so lächelt er oder sie häufiger zurück, als nicht. Das geschieht dadurch, dass wir mit unserem Lächeln tatsächlich diese Gefühle auslösen.
Durch diese Beschreibung wird die Beziehung von Sender und Empfänger deutlich und der Leser kann sich einen eigenen Reim daraus machen. Wie wirkst Du auf andere?

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Bilderflut (119)

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In diesem Beitrag möchte ich aufzeigen, welchen Einfluss die Vielzahl der weltweit veröffentlichten Fotos auf uns hat, und ich möchte einen kleinen Ausblick darauf geben, welche Auswirkungen das auf uns hat.

Millionen von Menschen sehen ihre eigene Welt. Sie sehen das, was vor ihnen und um sie herum erscheint. Sie sehen etwas, dessen Erscheinung so massiv ist, dass es ihr Bewusstsein vordringt. Sehr viele dieser Menschen sehen es nicht nur. Sie fotografieren diese Welt aus verschiedensten Beweggründen. Alle Arten von Werkzeug werden dazu genutzt. Abgelichtet wurde mit der einfachsten Digicam für deutlich unter hundert Euro, genau so, wie über die mehr als hunderte Millionen zählenden fotografierenden Mobiltelefone, weiterhin mit vielen DSLR’s bishin zu den wenigen edlen Mittelformat-Kameras.

Viele dieser fotografierten Bilder werden im World-Wide-Web veröffentlicht. Schlägt man die entsprechenden Seiten des Internets auf, so überrollt eine schier unendlich große Welle der Aufnahmen von Millionen von Fotografierenden den Betrachter. Während zu Zeiten der analogen Fotografie die Veröffentlichung von Fotos eher die Ausnahme war, so ist es heutzutage schon fast usus. Vor der Digitalisierung konnte man seine Bilder vielleicht im Fotoclub präsentieren, manchmal aushängen in Vereinen oder teilnehmen bei Wettbewerben, aber die eigentlichen Veröffentlichungen blieben dem Berufsfotografen vorbehalten. So waren die Bilder in den Medien der damaligen Zeit nur begrenzt auf den Print.

Fotografien ließen sich ausschließlich in Zeitschriften oder Bildbänden, sehr selten im Fernsehen bestaunen. Eine Ausstellung gelang nur verhältnismäßig wenigen Künstlern, geschweige denn eine Präsentation der Fotos in Katalogen, aus denen sich der Interessent eine Fotografie zur Dekoration seiner Wohnung oder seines Arbeitsplatzes aussuchen konnte. Wie man sie auch heute noch findet, gab es früher Postershops, in denen man sich unter vielen Standardmotiven wie Sonnenuntergängen oder Tierportraits, ansehnlichen Menschen oder Rockstars auch dekorative und tiefgründig aussagekräftige Fotografien als Poster kaufen konnte.

Heutzutage reichen 2 Klicks! Schon haben wir eine riesige Auswahl von Motiven vor uns. Je nach Verwendungszweck können wir ein Bild sofort herunterladen (downloaden) oder wir kaufen es in entsprechender Auflösung zum späteren ausdrucken, wie gesagt, je nach Verwendungszweck. Ein Bild auf Leinwand oder Alu-dibond ist auch schnell ausgesucht und schnell geliefert.

An dieser Stelle stellen sich bei mir erste Zweifel ein. Welche Qualität finden wir im Netz? Wie viel Zeit müssen wir opfern, bis wir entsprechende Bilder mit der gesuchten Aussage gefunden haben? In der vordigitalen Zeit war es mit Mühen verbunden, ein entsprechendes Motiv zu finden. Ich meine, durch die scheinbare Leichtigkeit der Motivsuche im Internet wird es nicht unbedingt einfacher. Wie oft verlieren wir uns in der Flut der Bilder, und surfen plötzlich in ganz anderen Gefilden?

Jedermann ist es grundsätzlich möglich seine Bilder ins Netz zu stellen. Und so geschieht es. Da wird wenig nach Qualität gefragt, besonders auf den einschlägigen Social Media Plattformen. Sicher sind auch dort Ausnahmen zu finden, doch die befinden sich viel eher auf den Seiten sog. fotografischer Communities und in Fotoblogs. Auf den Homepages von Fotografen kann man schließlich die qualitativ hochwertigen Bilder finden, die man früher in Bildbänden und Zeitschriften suchen musste.

Was bedeutet es nun, das man sich dieser Masse von Fotografien gegenüber sieht. Welchen Einfluss haben die Mengen der Bilder auf unsere eigenen Bilder, auf unsere eigene Motivauswahl, auf unser eigenes fotografisches Verhalten? Lässt sich ein Fotografierender heutzutage mehr von den vorhandenen Fotografien beeinflussen, als zu analogen Zeiten von den wenigen aus Zeitschriften, Büchern. Werbung und TV? Vielleicht ist beides zu beobachten. Vielleicht dienen die vielen Beispiele als Ansporn, um sein eigenes Projekt endlich in die Tat umzusetzen. Oder ein anderer wird mutlos ob des Vorhandenseins aller erdenkbaren Themen in Form der Fotos aus aller Welt.

Als Fazit für mich möchte ich feststellen, dass die vielen Vorbilder und Beispiele viel mehr als Ansporn zu verstehen sein sollten als ein Hemmnis. Obwohl es scheinbar jedes Motiv bereits in die Öffentlichkeit geschafft hat, so ist doch die Welt voller derartig wunderbarer Motive, die zusätzlich jeder Mensch durch seine eigenen Augen betrachtet in sein besonderes persönliches Licht rücken kann. Dieser Besonderheit folgend kann er den Menschen diese Betrachtungsweise nahebringen! So findet er möglicherweise Personen, die in ähnlichen Bahnen denken oder Personen, die konstruktiv konträr dazu stehen, und somit mit einem sinnvollen Austausch von Vorstellungen und Ideen zum Katalysator werden können.

Als Inspiration sollten wir die Bilder ansehen. Weg vom reinen Konsum der vorhandenen Ware sollen wir uns bewegen, hin zum eigenen Schaffensprozess aufbrechen, jeden Tag von Neuem. Dies muss nicht automatisch bedeuten, dass wir die Werke unserer Mitfotografen ignorieren. Wenn wir uns einige Zeit mit der Problematik auseinandergesetzt haben, so werden wir immer treffsicherer die Fotografien und die Menschen dahinter entdecken, die unsere Kreativität fördern. Dazu kann das www durchaus eine geeignete Plattform sein. Noch sinnstiftender ist es jedoch den Weg zu Mitmenschen zu suchen, die eine gleiche oder ähnliche Passion in sich ausmachen, um so eine persönliche Einschätzung und ein persönliches Feedback in Form von Gesprächen, Diskussionen, Ausstellungen und dergleichen zu finden. Diese sollte uns selbst wie auch den Gesprächspartner gleichermaßen immer wieder ein Stück weit voran bringen. Wenn wir es möchten.:-)

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Die Frau macht den ersten Schritt! (117)

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In diesem Artikel möchte ich über die Rollenverteilung zwischen Mann und Frau während der Anbahnung eines Flirts und den damit verbundenen Handlungsmustern mutmaßen.

Mit der Schönheit fängt alles an. Eine Frau betritt die Bühne. Männer nehmen sie wahr. Frauen bemerken sie vielleicht noch etwas eher. Die Männer sehen sie an. Was sie zu sehen bekommen, bestimmt allein die Frau. Die Männer sehen, was ihnen gefällt.

Beim Einen ist es der Mund. Die Lippen sind evtl. mit Lipp-Gloss oder Lippenstift hervorgehoben, seine Kontur wurde vielleicht umrandet. Die Lippen wirken bestimmt größer. Er sieht ein bisschen wie ein Schmollmund. Mann kann nur hoffen, dass er nicht aufgespritzt wurde. Wirklich? Für wen tun die Frauen so etwas? Nicht auch für die Männer?

Beim Nächsten ist es der Busen. Ein BH gibt dem Busen die „richtige“ Form. Es könnte ein Push-Up sein. Die Bluse oder das Shirt hat exakt den Ausschnitt, den die Dame zur Ansicht freigegeben hat. Selbst der Busen wurde vielleicht in seiner Größe „angepasst“.

Die Haare haben es dem Dritten angetan. Auch sie werden ungestylt niemandem zur Schau gestellt. Geschnitten, geföhnt, gefärbt, verlängert, mit Strähnchen versehen, durch Spülungen auf Hochglanz gebracht werden sie drapiert. Manchmal auf Welle und Locke, oder im Gegensatz geglättet mit Eisen, gebändigt im Zopf bishin zum Dutt auf dem Kopf. Ob mit Pony oder streng nach hinten gekämmt sind sie eine durch und geplante und immer wieder überprüfte Zier. Selbst dann, wenn sie wie wild durcheinander gewirbelt aussehen, so ist das noch lange nicht ohne eine langwierige, aufwändige Prozedur dazu gekommen.

Kajal und angeklebte Wimpern unterstreichen vielleicht die Augen der weiblichen Schönheit, denen ein Vierter erlegen ist. Hervorgehoben durch Lidschatten und Eyeliner, Glitzer und Schatten erscheinen sie viel intensiver und größer, als sie es in ungeschminktem Zustand wären. Kontrastreiche Farben zaubern ein Glitzern und Leuchten in sie.

Das Gesicht bildet den vermeintlich stärksten optischen Reiz. Ein Reiz, dem wohl alle Männer erliegen. Ganz besonders aber Mann Nummer fünf, der nichts davon ahnt, dass seine Angebetete vielleicht die Haut ihres Gesichts mit vielfältigen Pudern und Cremes bedeckt hat. Von Farbe zu Glanz oder wichtiger noch Mattierungen der Haut sind da nur der Standard. Unter Zuhilfenahme von Schattierungen kann sogar die Form des Gesichts scheinbar modelliert werden. Etliche Masken und Tinkturen später kommt noch das Entspannungspeeling dazu. Manchmal wird auch zum äußersten gegriffen, und die Spritze mit Botox soll dauerhaft gegen Falten wirken.

Der sechste Mann ist fasziniert von ihren grazilen Bewegungen. Frau lernt schon sehr früh im Leben, wie sie sich zu bewegen hat. Von Kindesalter bis zum Oldie lernt die Frau von heute ihre Bewegungen zu kontrollieren. Schon die Anweisungen der Mutter oder Großmutter besagen, dass es sich nicht schickt, mit festem Schritt zu stampfen, sondern nur elfengleich zu schweben, oder bestenfalls zu trippeln. Einen Fuß vor den anderen und bloß nicht breitbeinig zu schreiten, dass ist das erklärte Ziel der Übungen. Und der Mann? Der ist wirklich fasziniert von der katzengleichen Kür, die ihm die Weiblichkeit mit diesem Bilde offeriert.

Nummer sieben lebt die Hände. Er mag gerade Finger und ebenmäßige Handflächen. Nichtsahnend, was die Frau vor ihm mit ihren Fingern während der Maniküre hat anstellen lassen. Nagelbett-Behandlung, gefolgt von Glätten der Nageloberfläche, schneiden und feilen der Fingernägel, lackieren derselben, zupfen von Häärchen, falls vorhanden, abschleifen evtl. Hornhaut an den Innenseiten der Fingerkuppen sind nur wenige Schritte.

Rückansichten sind das Faible Nummer Achtens. Er liebt die Rundungen des Po. Wieviel Stunden „Bauch-Beine-Po-Training pro Woche zur Erhaltung seiner Form für die Frau nötig sind, das kann der Mann nur erahnen. Höchstwahrscheinlich liegt er daneben. Dem neuesten Schrei folgend könnte die Schöne auch eine Push-Up-Jeans tragen. Er würde es nicht bemerken. Hochhackige Schuhe sehrwohl. Sie geben dem Hinter immer eine straffere, und damit jüngere Erscheinungsform. Unterstützung erhält die Form durch den entsprechenden Gang der Lady. Dadurch ist der Mann mit allergrößter Wahrscheinlichkeit hin und weg.

Kein schöner Po ohne schöne Beine.Auf die Beine legt Nummer neun größten Wert. Wieviel Kilometer Jogging die Frau jeden Morgen für den Erhalt der schlanken Beine zurücklegt, davon erfährt der Mann höchstens dann, wenn er mit ihr eine Wohnung teilt. Die vielen Besuche in diversen Fitnessstudios mit Kursen in Pilates, Aerobic, Stretching oder BBP-Training sind die Voraussetzung für die schönen, schlanken Beine.

Nimmt man die Summe der Aufwendungen, die die Frau aufbringt, um zu gefallen, so könnte man zu dem Schluss gelangen, dass die Frau einen Großteil ihrer Zeit, ihrer Energie und ihres Kapitals aufbringt, um einem Schönheitsideal näher zu kommen. Dies macht sie nicht mal in erster Linie der Männern wegen, sondern für sich selbst. Und in der Tat investiert die Frau sehr viel Lebensenergie in ihr Aussehen. Warum es so ist, das soll Thema eines der nächsten Artikel sein. Der durchschnittliche Mann weiß sehr wenig davon. Er betrachtet gerne das gelungene Ergebnis. Er freut sich über die Schönheit der Weibsbilder, die es in großer Mehrheit genießen, wenn sie gefallen. Schließlich ist es eine Bestätigung für ihre vielen Mühen, die sie Tag ein, Tag aus auf sich nehmen. Sie tun dies nicht zuletzt, weil die Wertevorstellung in der heutigen Zeit, der westlich orientierten Welt genau in diese Richtung unterwegs ist. Attraktivität, Aussehen und der schöne Schein ist ein entscheidender Faktor, gesellschaftlich und ökonomisch gleichermaßen.

Als Fazit:
Der Mensch ist scheinbar zu sehr optisches Wesen, ist doch die Sehkraft des Menschen stärkster Rezeptor. Damit kann die Frau, wenn sie es gelernt hat, das Verhalten der Männer sehr bewusst lenken. Die Männer lassen sich vorzüglich lenken. Zumindest dann, wenn es um Belange der Optik und des damit verknüpften Verhaltens, sowie die Erwartungen der Männer geht. Und Männer setzen Himmel und Hölle in Bewegung, wenn es ihnen um die Schönheit der Frauen geht. Fast immer.

Schönheiten, soweit das Auge reicht. Wie weit reicht es denn? (115)

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In diesem Artikel möchte ich der Frage nachgehen, warum dem einen Menschen die schöne Frau oder der interessante Mann auffällt und einem anderen Menschen das Aussehen der Personen in seinem Umfeld einerlei zu sein scheint.

Tausend schöne Menschen um ihn herum, und er sieht sie nicht! Der Superstar neben ihm in der Warteschlange am Flughafen, und er bemerkt ihn nicht! Die schöne Frau sitzt ihm gegenüber im Abteil, und er sieht sie nicht! Der gutaussehende, charismatisch-interessante Gentleman sitzt neben ihr im Bistro, und sie nimmt ihn nicht wahr! Situationen aus dem Alltag.

Warum könnte es so sein? Weil er und sie mit anderen Dingen beschäftigt sind? Weil ihre Wahrnehmung auf andere Dinge gerichtet ist oder weil die Wahrnehmung nach innen gerichtet ist?

Auf der anderen Seite gehen Personen durch die Stadt, denen die schönen Menschen, die ihnen begegnen, nicht entgehen. Sie sehen sie alle, nehmen sie wahr, erfassen sie mit ihrem Blick, kontaktieren sie mit ihren Augen, manchmal mit einem Lächeln in den Augen, einer Sympathiebekundung ähnlich. Sie betreten das Café, sehen die Menschen an, die dort ebenfalls zu Gast sind und werden der Attraktivität der Personen sofort gewahr.

Was unterscheidet diese Personengruppen im Hinblick auf die Wahrnehmung von Schönheit und Attraktivität voneinander? Die Reaktion auf das Äußere der Menschen könnte unterschiedlicher nicht sein. Woraus resultiert diese Differenz?

Menschen nehmen ihr Umfeld in unterschiedlicher Weise wahr. Von sehr introvertiert daher kommenden, ja fast abwesend wirkenden Menschen reicht die Spannbreite bishin zu äußerst offenen, aufmerksamen Personen, die hellwach wirken. Doch nicht nur innerhalb dieser Grenzen bewegt sich die Wahrnehmung von Schönheit und Attraktivität. Ein zweiter Aspekt ist die Unterscheidung der Menschen im Hinblick auf ihr soziales Umfeld. Damit meine ich zuerst die Quantität der informellen und formellen Kontakte des Einzelnen. Als zweites kann ich die Unterschiede in der Qualität beschreiben.

Zunächst einmal zur Quantität. Wie wirkt es sich aus, wenn eine Person in regem Kontakt mit einer großen Anzahl von Menschen steht?

Dabei kann es die Masse der Großstadt sein. Entweder der Ort, an dem man wohnt oder an dem man arbeitet. Es kann gleichwohl der Arbeitsplatz sein, an dem man -dem Berufsbild entsprechend- in ständigem Kontakt zu vielen z.B. Kunden, Gästen oder Patienten steht. Erwartungsgemäß könnte eine solch hohe Frequenz der zwischenmenschlichen Kontakte zu anderen Reaktionen auf das Aussehen der Menschen führen, als bei einer Person, die in suburbanen oder dörflich geprägten Gegenden lebt. Dort begegnen einem nur sporadisch Menschen, häufig bekannte Gesichter, selten Fremde.

Erneut der Vergleich im Bereich des Broterwerbs, der Zeitspanne, der wir einen Großteil unserer iLebenszeit opfern. Der Mensch trifft während dieser Arbeitszeit -wiederum dem Berufsbild entsprechend- auf nur wenige oder gar kein Publikum, wie vielleicht im Beruf des Laboranten, Baggerfahrers oder Lageristen.

An dieser Stelle noch eine Zwischenbemerkung. Gerade im weniger frequentierten Lebensraum, aber auch in Ballungszentren findet meiner Ansicht nach eine schleichende Ent-Sozialisierung statt. Als Ursache führe ich die zunehmende Nutzung aller verfügbaren Medien an. Ein Beispiel aus dem Umfeld meiner Eltern ist das folgende: am Nachmittag finden sich die Senioren nicht mehr zum Kaffeeklatsch ein, sondern sie verpassen kaum eine Folge ihrer Sendung „Kaffee oder Tee“ im Fernsehen. Die Berührungspunkte zu fremden oder auch bekannten Gesichtern spielen sich im Supermarkt, in der Arztpraxis oder beim Bäcker ab.

Als zweites werfe ich einen kurzen Blick auf die Qualität unserer sozialen Kontakte . Sie könnte sich auf unsere Wahrnehmung in Sachen Attraktivität dann auswirken, wenn wir einen nach unserer Vorstellung attraktiven Partner haben. Durch seine Anwesenheit erfahren wir wahrscheinlich eine Art Sättigung an Schönheit, die eine größere Gelassenheit dem anderen (oder gleichen) Geschlecht gegenüber zur Folge hat. Als Einwand könnte man hier einbringen, dass alle Menschen tendenziell immer nach Neuem streben. Das hätte in letzter Konsequenz die Tatsache zur Folge, dass uns nichts und niemand auf Dauer „reichen“ könnte. Umtriebig wären wir irgendwann doch wieder auf der Suche nach anderer, neuer Schönheit.

Neben diesen Faktoren spielen natürlich die Vorlieben jedes Einzelnen die Hauptrolle. Als Ästhet betrachtet der Mensch vielleicht viel häufiger die Formen und Farben der Umgebung. Dabei beschränkt er sich nicht auf die Körperformen des Menschen. Gleichfalls sind es die Formen von Pflanzen, Tieren, Landschaften genau so gut, wie die von Menschenhand erschaffenen Formen, derer ein Ästhet sofort gewahr wird. Dabei kann es sich um ein Kunstobjekt in Form einer Plastik oder eines Gemäldes, wie auch der Form eines Segelbootrumpfes oder Autokarosserie handeln. Für den Liebhaber dieser Formen geht es dabei ganz und gar nicht darum, diese Kunst zu besitzen. Allein die erkennende Betrachtung führt zur Freude über die Schönheit der Welt.

Neben den ästhetischen Gesichtspunkten bei der Betrachtung des wohlgeformten Menschen finden wir bei uns Menschen weitere Vorlieben des Einzelnen. Ein wesentlicher, wenn auch bei vordergründiger Beachtung nicht sehr vorteilhafter, Beweggrund ist die Sensationslust. Gemeint ist die Gafferin und der Gaffer.
Dabei ist es nicht mit dem Hintergrund der sexuellen Begierde abgetan. Dieser ist zwar ursächlich in der Mehrzahl der Fälle als archaischer Trieb latent in uns vorhanden, doch ins offene Bewusstsein dringt er so nicht vor. Es spielt sich viel mehr auf der Ebene der Verbundenheit zwischen Menschen ab. Grundsätzlich mögen sich Menschen, wenn nicht etwas Destruktives dieses Urgefühl getrübt hat. Dieses Gefühl der Verbundenheit kann sich in vielen Facetten im Verhalten des Einzelnen manifestieren. Eine davon ist gerade das Ansehen von Menschen, die einen in irgend einer Weise ansprechen. Das ist nicht nur „live“ möglich, auch in Form von Fotografien und bewegten Bildern. Dieses kann er sogar unbeobachtet tun.

Was kann ich als erstes Fazit bekunden? Wir alle sehen gerne schöne Menschen, nur sind wir dazu nicht jederzeit gleichsam aufnahmefähig. Es liegt bei jedem selbst zu hinterfragen, warum einem manchmal viel mehr schöne Menschen begegnen. Es liegt im Betrachter.

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Verfall der Schönheiten, Teil 2 (113)

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In diesem Artikel schreibe ich über die körperlichen Veränderungen bei uns Menschen, und wie wir gedenken damit umgehen zu müssen.

Was wäre unser Leben ohne Vergänglichkeit? Dafür, dass etwas Neues entstehen kann, muss etwas Altes vergehen.

Wäre die Vergänglichkeit nicht, so wären wir noch was?: befruchtete Eizelle? – nein, diese vergeht und wird zum Fötus. Baby? – nein, wir werden zum Kind. Jugendlicher? – nein, wir werden zum jungen Erwachsenen. Erwachsener? – nein, wir werden zum älteren Menschen. Greis? – nein, wir werden sterben.

Somit vergehen wir -wie unser Aussehen vergeht und entsteht- mehrere Male im Leben. Unser Dasein als Baby vergeht. Wir sind irgendwann nicht mehr Baby, sondern Kind. Genau so, wie sich unser Menschsein immerfort entwickelt, so unterliegt unser Aussehen einer immerwährenden Entwicklung. Was wäre, wenn wir auf einer beliebigen Stufe der Entwicklung stehen blieben? Der Traum vieler Menschen, ja ganzer Völker, ist der Stillstand des Alterns. Dieser aber bitte nicht auf der Stufe des Kleinkindes.

Unser Leben, unsere körperliche Verfassung, unser Aussehen verläuft üblicherweise in der Form einer Parabel. So empfinden und erkennen wir es auch. Ursächlich dient das Aussehen unter den Menschen, wie bei vielen Tieren, als Katalysator zur Durchführung von Aktionen, welche zur Erhaltung der Art dienen. Damit ist gemeint, dass die größte Attraktivität genau in der Zeitspanne von uns Menschen empfunden wird, in der wir die höchste Fertilität besitzen. Diese biologische Kausalität wird durch mannigfaltige, geistige, oft unbewusste Mechanismen unterstützt.

Die Menschen sind im Allgemeinen daran interessiert, diese Zeitspanne der größtmöglichen Attraktivität so lange, wie nur irgend möglich zu erhalten. Die große Mehrzahl der Frauen unternehmen größtmögliche Anstrengungen, um ihrem Aussehen möglichst lang ein jugendliches Antlitz zu erhalten. Unzählige Mittel sollen z.B. den Alterungsprozess der Haut verzögern. Begonnen bei ganzen Regalen voller Cremes über Peelingbehandlungen bishin zu Botoxspritzen ins Gesicht. Und die Männer sind auf der gleichen Fährte, wenn auch bei weitem nicht so fortgeschritten.

Der Grad dieser Eingriffe in den Zyklus der Alterung wird in erster Linie nicht vom Individuum selbst bestimmt. Hier ist vielmehr der Gruppenzwang von großem Einfluss, der durch den allgemeinen Wertebegriff initiiert wurde. Jugendlich – frisches Aussehen steht in der heutigen Zeit mit an ganz oberster Stelle auf unserer Werteskala. Verbunden mit der immensen Bedeutung des Aussehens überhaupt sind die Menschen tendenziell auf dem Wege hin zu mehr Schein als Sein. Auch, wenn es vermehrt kritische Stimmen dazu gibt, so gehen diese unter in den vielen Auswüchsen in Form von Suchen nach einem next Supermodell oder Superkinde. Fluten von Bildern von schönen und schlanken Menschen (wie meine Bilder hier im Blog) suggerieren uns die Allgegenwart der Schönheit. Vergänglichkeit wird weitestgehend verdrängt.

Dabei hat sie eine enorm wichtige Funktion. Wie eingangs beschrieben ist es für die Zeit unseres Aufenthaltes hier in dieser Welt eine Notwendigkeit zu vergehen. Wenn es bei Faust heißt : „… und das mit Recht, denn alles, was entsteht, ist wert, das es zugrunde geht,…“ so gibt das wieder, wie der wissenschaftliche Zusammenhang gemeint sein könnte: (Hier einen kleinen Ausflug ins Metaphysische) Unsere Seele findet einen Körper auf der Erde. Der Körper bedient sich bestimmter Moleküle, die im Laufe seines Lebens kontinuierlich ausgetauscht werden, bis sie eines Tages wieder in den Elementen verschwunden sein werden. Unter den Gläubigen spricht man von Erde, aus der man entstanden und zu der man wieder wird.

In Verbindung mit unserer Haut würde es nach oben erwähnter Manier bedeuten, dass wir zur Blütezeit unserer Konstitution besonders viel Spannkraft in der Haut haben, die, mittlerweile gut erforscht, durch bestimmte chemische Substanzen wie z.B. Collagen und Elastin erreicht wird. „ Nach und nach nehmen die Kollagenfasern und die elastischen Fasern der Haut ab, was zur Folge hat, dass sie nicht mehr so viel Feuchtigkeit speichern kann und schrumpft. Dieser Prozess lässt die Haut altern. Sie
verliert an Feuchtigkeit und Spannkraft.“ *
Beginnt unser Körper mit dem Abbau dieser Substanzen, so fehlt der Haut mit jedem Jahr etwas mehr dieser jugendlich anmutenden glatten Haut. Abgesehen vom biologischen Signal, dass wir mit dieser Haut das Zeichen setzen, dass wir nicht mehr uneingeschränkt zur Erhaltung unserer Art taugen, so spielt sich das eigentliche Drama nur in der Bedeutung genau dieses Wertes durch unsere Gesellschaft ab. Um es auf den Punkt zu bringen: Der Wert des Menschenalters wird einzig und allein durch unseren Umgang damit manifestiert. Ob nun auf der Werteskala eines jeden einzelnen oder innerhalb seiner Gesellschaft makellose Haut weit über der Weisheit der Menschen rangiert, das mag gerne jeder selbst entdecken.

* http://www.planet-wissen.de/natur_technik/anatomie_mensch/kosmetik/wie_altert_die_haut.jsp