Körperlichkeiten ( 180 )

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Wie steht der Mensch zu seiner Körperlichkeit? Wie nimmt er/sie den eigenen Körper wahr. In wie weit hat der Mensch eine Beziehung zu seinem Körper und wenn er eine hat, welcher Art ist sie, eher liebevoll und annehmend oder gleichgültig hinnehmend?

Ich wachse mit meinem Körper auf, lerne ihn nach und nach kennen, akzeptiere ihn aber noch lange nicht. Kleine Eroberer und Entdecker werden ab der ersten Phase der „Erziehung“ darauf hingewiesen, dass noch lange nicht jeder Bereich des eigenen Körpers seine ungeteilte Aufmerksamkeit verdient. Und die Götter, die uns da erziehen, die haben Allmacht. Für Kinder ist das so.

Was diese Götter ihrerseits, in ihrer Kindheit über ihren Körper erfahren haben, steht auf einem ganz anderen Blatt. Diese Götter also führen ein junges Menschenkind über die Landkarte des eigenen Körpers, weisen Zonen aus, die verbotenes Terrain sind, andere Bereiche, denen nicht zu viel Aufmerksamkeit geschenkt werden sollte, andere, die immerzu gereinigt werden müssen und solche, die einfach da sind, die wir begrapschen dürfen, wann immer uns danach ist.

Irgendwann aber ist die Zeit vorüber, in der wir uns was sagen lassen. Nachts unter der Bettdecke wird erstmal kontrolliert, ob die verbotenen Zonen tatsächlich so tabu sein können. Was hat es damit auf sich? Das geschieht freilich stets mit dem Wissen von Moral und Sitte, von Regelbruch und Anarchie. In wie weit das zuträglich für die gesunde Entwicklung der Menschenkinder ist, darf hier offiziell in Frage gestellt werden.

Wie gehe ich mit dem um, was mich körperlich ausmacht? Habe ich gelernt, jeden Teil meines Körpers anzunehmen, oder gibt es Bereiche, deren Existenz mir bewusst ist, die ich aber hervorragend ausblenden kann: „Nun ja, ich nutze sie zwar, aber nur im Verborgenen.“ Degradiert zur Funktionalität?

Spätestens in der Pubertät stellen sich dem jungen Menschen viele Fragen, für die er nicht immer einen Adressaten findet. Worüber kann ich reden? Auch über das, was mir peinlich ist? Und was ist mir peinlich? Warum ist es mir überhaupt peinlich? Peinlich heißt doch, dass ich etwas denke, fühle, von dem ich meine, dass es vor dem Augen anderer moralisch fragwürdig ist. Und fragwürdig ist dabei, ob es nicht bei jedem Menschen so ist, und wir uns nicht viel ähnlicher sind, als wir vermuten. Wo ist dabei die Grenze zu natürlicher Scham? Gibt es, soweit es unseren Körper betrifft, soetwas wie natürliche Scham tatsächlich?

Kann ich darüber frei sprechen, von dem ich seit der Kindheit hörte, dass es bloß tabu bleiben soll? Viele kleine Entwicklungen fordern die Aufmerksamkeit des jungen Pubertierenden. Die Regel setzt ein, der erste Samenerguss geschieht und die Frage ist, mit wem kann ich darüber sprechen.

Die Eltern waren und sind da nicht immer die erste Wahl. Freunde, die sich vermutlich in der gleichen Situation befinden sind einem nahe, aber nicht zu nahe, als dass man sich nicht an das ein oder andere Thema behutsam herantasten könnte.

Nur, welche Erziehung genossen diese Freunde, wie gehen sie selbst mit dem Thema um. Und, auf der anderen Seite steht im Raume, was aus der Gesellschaft zurück hallt. Diese Gesellschaft in Form der Stimme von Medien (elektron. und Print), Familie und Verwandtschaft sowie dem Bekanntenkreis. Multiple Einflüsse sind bei der Formung meines Körperbildes wirksam. Wie groß ihr jeweiliger Einfluss tatsächlich ist, bleibt die entscheidende Frage. Ist mein Charakter, mein Geist in der Lage diese Strömungen zu integrieren, zu umschiffen, überhaupt erst mal zu analysieren.

Wie ich mit meinem Körper umgehe ist also das Resultat dessen, welche Entwicklung ich durchlaufen habe, ganz besonders, welchen Einflüssen ich ausgesetzt war und wie ich diese verarbeitet habe. Dennoch sollte ich mir bewusst sein, dass die Menschwerdung nie ein abgeschlossener Prozess ist, und dass ich mich immer wieder neu entschließen kann, auch meinen Körper wieder anders verstehen, erkennen und lieben zu lernen.

Der Preis der Schönheit (124)

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Wieviel Lebensenergie stecken wir in die Erreichung der Ziele, die vornehmlich der Schönheit und unseren Äußerlichkeiten dienen? Damit beschäftigt sich dieser Artikel, und dazu finden sich einige sehr spannende Statistiken!

I like beauty! Diesen Satz könnte wohl nahezu jeder unterschreiben. Ich mag das Schöne! In jeder erdenklichen Form bevorzugen wir das Schöne. In jedem Wesen, in jedem Ding suchen wir den Zauber, der unsere Augen strahlen lässt. Auch wenn wir selbst nur durchschnittlich erscheinen, so erfüllt uns das Schöne mit Freude. Wir lassen uns nur allzu gerne davon betören. Auch wenn wir selbst vielleicht nie zu solcher Grazie werden, so versuchen wir doch bis zu einem bestimmten Punkt dem nachzueifern. Doch um welchen Preis?

Was verursachen die vielen schönen Dinge um uns herum? Was bewirken unsere Anstrengungen, stets und ständig der Schönheit nachzuspüren und diese um uns herum anzusammeln? Der Mensch strebt seit je her nach dem Besseren. Das Gute reicht uns immer nur für den Moment, schon im nächsten Augenblick fragen wir uns, ob es nicht irgendwie besser ginge. Stets muss alles das Neueste, Innovative oder Exklusive sein, die Werbung teilt es uns mit und wir springen immer wieder darauf an. Ob es sich dabei um Dinge handelt, denen wir einen unvermeidlichen Nutzen zusprechen, und die damit eine wunderliche Notwendigkeit zu Anschaffung verliehen bekommen, oder um Wesen, die wir entweder in der Realität oder in der Fiktion um uns herum versammeln, es läuft immer auf dasselbe hinaus. Wir investieren einen Großteil unserer Lebensenergie in diesen Prozess, der Suche nach der Schönheit.

Wieviel Lebensenergie stecken wir in die Suche nach Schönheit? Welche Anstrengungen unternehmen wir, um unsere Wünsche diesbetreffend zu erfüllen? Und in wie weit reicht dieses Denken, dieser Trieb in unser Leben im zwischenmenschlichen Kontext hinein?

Um sich das vor Augen zu führen, möchte ich eine kleine Aufzählung machen:

· Wir kaufen uns wiederkehrend “schöne“ Kleidung.
· Wir kaufen uns ein “schönes“ Auto.
· Wir dekorieren unsere Wohnung, Haus und Garten“schön“.
· Wir schminken uns gerne “schön“.
· Wir lassen uns eine “schöne“ Frisur herrichten.
· Wir fahren in eine “schöne“ Landschaft in den Urlaub.
· Wir wählen uns einen “schönen“ Lebenspartner.
· Wir suchen uns “schöne“ Motive.
· Wir wandern in “schönen“ Gegenden.
· Wir schwimmen in “schönen“ Badeanzügen in “schönen“ Gewässern.

Diese Liste wäre mit nahezu jedem Verb zu erweitern, jeder Leser möge dies in Gedanken für sich selbst tun und danach überlegen, welche Investitionen zur Erreichung dieser Dinge getätigt werden müssen. In unserer Gesellschaft gilt ein monitäres Prinzip. Alles lässt sich in Geld umrechnen, so ist fast jedes dieser Dinge durch entsprechenden Einsatz von Mitteln zu ereichen.

Wieviel Geld gibt der Mensch für seine Suche nach Schönheit aus und wieviel Arbeitszeit und damit Lebenszeit investiert er? (ich beziehe mich hier in erster Linie auf die Menschen der westlich geprägten Gesellschaft) Am Beispiel Deutschlands möchte ich das einmal aufzeigen, und ich möchte annehmen, dass sich die Zahlen auf die meisten Industrienationen übertragen lassen. Das Durchschnittseinkommen in D liegt aktuell (2011-2013) bei ca. 3700,- Euro Brutto, ca. 2800,- € Netto, die durchschnittlichen Konsumausgaben liegen bei ca. 2400,- Euro. Die durchschnittliche Arbeitszeit in Deutschland liegt aktuell bei ca. 125 Std./Mon.

1. Kleidung
Die durchschnittliche Ausgabe für Kleidung liegt bei ca. 100 €
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Bezogen auf die durchschnittliche Arbeitszeit in D von 1500 Stunden pro Jahr, 125 Stunden/Monat und den Verdienst von 2800€ ergibt sich eine durchschnittliche Investition von 125:2800×100= ca. viereinhalb Stunden Arbeitszeit pro Monat für Kleidung. (3,6%)

Durchschnittliche Arbeitszeit pro Woche
Mehr Statistiken finden Sie bei Statista

2. Auto

Die durchschnittliche Ausgabe der Deutschen für ein Auto liegt statistisch bei 400€ /Monat, wobei diese Ausgabe zum einen den Kraftstoffverbrauch (s.u.) beinhaltet und natürlich das Auto nicht unbedingt zu der Suche nach den schönen Dingen gehört, weil es für die meisten (berufstätigen) Menschen notwendig ist. Dennoch ist an dieser Stelle interessant, dass wir ca. 18 Stunden monatlich für unser Auto arbeiten. (14,4%)

Die Ausgaben für Kraftstoffe pro Haushalt in D lagen bei ca. 100 €/Monat.
Kraftstoff - Monatliche Ausgaben privater Haushalte bis 2012
Mehr Statistiken finden Sie bei Statista

3. Wohnung, Haus und Garten

Bei den Ausgaben für Wohnen sind in punkto Schönheit natürlich nur die Kosten für Deko zu benennen, die aber laut Statistik in einem moderaten Rahmen von ca. 50,-€ /Monat liegen und uns damit nur ca. Zwei bis zweieinhalb Stunden Arbeitszeit pro Monat in Anspruch nehmen.

4. Kosmetik

Die monatlichen Ausgaben für Kosmetika lagen in D bei 60 € pro Monat und Haushalt. Damit arbeiten wir im Durchschnitt 3 Stunden monatlich für Kosmetika.(2,4%)

Ein Artikel der Zeitung “Die Welt“, erschienen am 08.10.2011, lautete:

„Frauen geben jährlich im Schnitt rund 540 Euro für Kosmetik aus. Das geht aus einer Untersuchung des Kosmetikverbands VKE in Berlin hervor. Dabei investieren sie am meisten Geld in Düfte – auf Parfüm entfallen rund 200 Euro. Pflegende Kosmetik lassen sie sich 181 Euro kosten, für dekorative Kosmetik wie Lippenstift und Make-up geben die Käuferinnen 156 Euro aus. Befragt wurden 1072 Frauen.Außerdem geht aus der Studie hervor, dass die meisten Frauen Schminke fast immer sehr dezent einsetzen. Vor allem Jüngere greifen häufig zu Lippenstift und Make-up – für den täglichen Bedarf schminken sich Frauen aber überwiegend natürlich, heißt es. „Ausgefallen“ oder „überdurchschnittlich sexy“ kommt Kosmetik nur zu besonderen Anlässen zum Einsatz. Und mit zunehmendem Alter schminken sich Frauen immer weniger.Grundsätzlich ist die tägliche Pflege aber für die Mehrzahl der Frauen ein wichtiges Ritual: Mehr als 70 Prozent legen Wert auf ein gepflegtes Aussehen. Sie verwenden im Schnitt zwischen 15 und 30 Minuten für das Cremen und Schminken. Unter 30-Jährige verbringen den Angaben nach sogar oft mehr als 60 Minuten vor dem Spiegel.“

Zähle ich jetzt zu diesen täglichen 30 Minuten noch die Lebenszeit hinzu, die wir durchschnittlich für den Erwerb (Arbeitszeit zum Verdienst des Geldes für die Kosmetik, plus Zeit für den Erwerb derselben) der verwendeten Kosmetik einsetzen, so komme ich auf eine Gesamtzeit von ca. 20 Stunden pro Monat. 20 Stunden Zeit pro Monat für die Verwendung von Kosmetik.

Die anderen Punkte betrachtet ergibt sich eine weitere Anzahl von Stunden der Lebenszeit, die wir zur Erreichung unserer Wünsche erbringen. Wir tun somit viel für die schönen Dinge im Leben. Die Antwort auf die Frage, meine Einschätzung, ob es zu viel ist, bin ich bisher noch schuldig geblieben. Dazu möchte ich abschließend vermerken :

Fazit:
Ich meine, wir werden zunehmend eitler. Auch bin ich der Überzeugung, dass wir immer gesteigerteren Wert auf schöne Dinge legen. Unbestritten ist, das unser Streben nach Innovation DER Motor für die Entwicklung unserer Gesellschaft ist. Doch ich meine auch, dass ein Zuviel des Ganzen, wie die westlich geprägten Gesellschaften es leben, in eine Sackgasse der Unzufriedenheit führt.

Deutliche Anzeichen dafür finden sich meiner Ansicht nach zu Hauf. Zur Begründung: Der Lebenszyklus von Produkten aus vielen Warengruppen wird immer kürzer. Dabei steckt nicht immer eine technische Neuerung dahinter, sondern allzu oft ein bloßer Designwechsel. Damit wird uns suggeriert, dass wir just in den Moment nur noch „Altes Zeug“ besitzen. Damit können die meisten Konsumenten nur sehr schwer Leben und schon schnappt die Konsumfalle zu. Beispiel: Mein Galaxy Note, auf dem ich gerade diesen Text swype, ist gerade 2 Jahre alt. Mittlerweile ist Version 3 auf dem Markt, die sicher manches besser kann, aber weit davon entfernt scheint, gerechtfertigt jeden Produktwechsel mit zu machen.

Weiterhin stellen die Konsumforscher fest, dass wir unser Habitat mit immer mehr, aber auch immer hochwertigerem Jedöhns bestücken. Es reicht nicht mehr die French-Press, um einen schmackhaften Kaffee zu bereiten, es sollte schon der Kaffeevollautomat sein, der einem eine wunderbaren Latte Macchiato kredenzt, ganz ungeachtet der Tatsache, dass die Firmen das Schimmelproblem der Automaten keinesfalls in den Griff bekommen haben, wie unlängst eine Untersuchung der Verbrauchersendung „markt“ bestätigte. LECKER!

Ohne jetzt in eine volkswirtschaftliche Betrachtung abzuschweifen, nach der es letztendlich vollkommen egal ist, wofür wir unser Geld ausgeben, Hauptsache, dass wir es ausgeben, und es in den Geldkreislauf wieder hinein strömt, gehen meine Bedenken in jene Richtung, die sich mit der Überlegung beschäftigt, ob wir nicht mehr Lebensenergie in Zwischenmenschliches investieren sollten, als in den bloßen Konsum. Davon wäre auch das Streben nach Schönheit betroffen: Es würde eine Strömung entstehen, die sich wieder mehr den Prinzip MEHR SEIN ALS SCHEIN anschließen könnte. Ein leiser Hauch davon ist zu vernehmen, wenn Gesellschaftsforscher berichten, es gäbe in der nächsten Generation erste Anzeichen von Konsumverzicht, und einem Teil der jungen Erwachsenen wäre Besitz nicht mehr so wichtig wie den Generationen davor. Diese teilen sich lieber ein Fahrzeug, als eines zu besitzen…Licht am Ende des Tunnels? JA! – meine ich.

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Die nackte Wahrheit – Warum sind wir nackt und doch nicht nackt (108)

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Wann sind wir nackt? Warum sind wir nackt? Was bedeutet nackt für uns und für andere?

In Wikipedia heißt es:
„Als Nacktheit bezeichnet man die Kleidungslosigkeit von Menschen oder die Haar- oder Federlosigkeit von Tieren.Psychologisch bezeichnet man beim Menschen auch die mit der Nacktheit verbundene subjektive Empfindung selbst als Nacktheit oder Blöße; die Empfindung kann je nach Erziehung bzw. nach den Umständen unangenehm sein (Scham) oder angenehm sein (Gefühl der Freiheit oder Befreiung).Das subjektive Empfinden von Nacktheit kann neben dem Fehlen von Kleidung auch aus dem Fehlen von Haaren oder gewohnheitsmäßig am Körper getragenen Gegenständen wie Waffen, Schmuckstücken, Perücken oder Schminke entstehen.“

Schon die darin enthaltenen Begriffe Blöße und Scham lassen auf ein sehr komplexes Gebilde von Konventionen und Regeln, Tabus und Gesetzen schließen.

Weiter heißt es:
„Nackt bedeutet zunächst das vollständige Fehlen von Kleidung, Schmuck und Gegenständen am menschlichen Körper. Es kann sich aber auch nur auf das Fehlen der Kleidung beziehen.

Nacktheit bezeichnet ein sehr weites Spektrum an Emotionen und Befindlichkeiten. und der Sichtbarkeit von Bereichen des Körpers, die üblicherweise aus normativen, hygienischen oder klimatischen o.ä. Ursachen, von Kleidung bedeckt sind. Nacktheit wird also sowohl definiert durch die Abwesenheit als auch die Anwesenheit von Kleidung, Schmuck und Gegenständen. Man kann demnach zunächst zwischen vollständiger Nacktheit (splitter(faser)nackt) und teilweiser Nacktheit (halbnackt) unterscheiden.

Nacktheit kann einen nackten Fuß meinen, dessen Sichtbarkeit keinen kulturellen Tabus unterliegt oder das Entblößen des nackten Hinterns (blank ziehen) in der Öffentlichkeit. Auch ein Kiltträger kann, wenn er auf Unterwäsche verzichtet, trotz oberflächlicher Bekleidung, als unter dem Schottenrock nackt bezeichnet werden.Nacktheit hat neben dem reinen Fehlen üblicher Bekleidung auch semiologische und psychologische Dimensionen.

-Psychologisch bedeutet Nacktheit vor allem die Empfindung des Fehlens der schützenden, wärmenden Kleidung. Das Fehlen zum Beispiel einer Waffe, eines Fingerrings, eines Hutes, oder eines kulturell vorgeprägten Statussymbols, können das Gefühl fehlenden Schutzes und damit von Nacktheit auslösen.“

Eine gute Freundin hatte die Angewohnheit niemals ungeschminkt die Wohnung zu verlassen. Sie hatte das Gefühl, dass sie ohne ihre Maskerade völlig nackig da stehen würde. Ferner hatte ich während des Studiums einen Kommilitonen, der trug eine Brille mit Fensterglas, weil er das Gefühl hatte, ohne sie entblößt dazustehen. Diese beiden Fälle von Verkleidung – zur Vermeidung eines Gefühls der Blöße, sicher keine Einzelfälle, geben einen interessanten Hinweis auf die Denkweise unserer Gesellschaft.

„-Semiologisch meint, dass die Sichtbarkeit von Körperteilen, die üblicherweise von Kleidung bedeckt sind, abhängig von Situation und Ort eine kulturelle Bedeutung haben, also wie ein sprachliches Zeichen funktionieren. Es ist dazu nicht notwendig, dass die Bedeutung der Zeichen bewusst reflektiert wird. Beispiele dafür sind der nackte Protest, der nach Aufmerksamkeit sucht und in der Überwindung der Tabus auf die Wichtigkeit des Anliegens weist; der Flitzer beim Fußballmatch, der Mut und Männlichkeit demonstriert; die Frauen, die in frühislamischer Zeit neben dem Schlachtfeld stehen und ihre Brüste zeigen, um ihren Männern zu erklären, dass sie so nackt und ausgeliefert wie die Skavinnen sein werden, wenn sie verlören; das Zeigen von Hintern oder Genital beim Anasyrma; der Exhibitionist, der andere Menschen mit seiner Nacktheit verletzten möchte; der Verzicht auf ein Kopftuch als politisches Statement; das tiefe Decolleté, ein freier Bauch oder ein Minirock als sexuelle Provokation; und auch FKK kann als Befreiung von äußeren Zwängen verstanden werden.

Die Bedeutung der Zeichen ist künstlich, unterscheidet sich also von Kultur zu Kultur und unterliegt auch einer zeitlichen Entwicklung. So würde ein Nacktportrait eines italienischen Präsidenten anders interpretiert werden müssen als das Nacktportrait eines römischen Kaisers.“

Nackt! Der Mensch ist unter den Primaten der einzige ohne Fell. Vermutlich vor ca. 1 Million Jahren hat sich der Homo sapiens sapiens des Fells entledigt. Doch Homo sapiens ist der Mensch erst seit ca. 200 000 Jahren. Zuvor war er Homo erectus.

Wann sind wir nackt? Es gibt also eine sehr individuelle Einstellung zu diesem Thema, denn die Schwelle zum Gefühl des Nacktseins liegt für jeden Menschen an unterschiedlicher Stelle. Manche Menschen sind nackt, wenn sie sich ohne Kleidung an einem bestimmten Ort befinden. An einem Ort kann für jeden einzelnen von uns eine eigene Bedeutung entstehen. Für manchen bedeutet es schon eine Entblößung nackt im engsten Kreise seiner Familie zu verweilen. Für andere ist es normal sich der Familie gegenüber nackt zu zeigen. Wenn ich die Familie, respektive den Partner als den engsten persönlichen sozialen Kontakt unterstelle, so dürfte es außer dem Alleinsein keine intimere Beziehung zum persönlichen Umfeld geben. Alle anderen Kontakte sind damit im Sinne der Intimität weiter entfernt und dürften im Falle der Nacktheit umso größere Zurückhaltung verursachen.

Neben dem Nacktsein im Kreise der Familie gibt es weitete Situationen, weitere Gelegenheiten, in denen die Nacktheit nicht als ungewöhnlich angesehen wird. Da ist beispielsweise der Besuch in der Sauna oder der Besuch eines FKK-Strandes. Schon diese Aktivitäten sind ein Stück weit öffentlicher als das Unbekleidetsein zu Hause, und für einen Großteil der westlich orientierten Bevölkerung nur schwer denkbar. Ich möchte mich an dieser Stelle auf die westlich orientierte Gesellschaft beschränken, denn die Naturvölker nähmen mindestens ein komplettes Posting ein.

Weitergehendes Auftreten ohne Kleidung gibt es in unserer Gesellschaft nur wenig, es seien als Beispiel die neuerdings in Mode gekommenen Nacktwanderer zu nennen. Dabei wandern Gruppen von Menschen nur mit festem Schuhwerk bekleidet, sonst aber nackig, über bestimmte Wanderwege.

Alle anderen Situationen,alle sonstigen Handlungen, in denen von Nacktheit die Rede ist, spielen sich im Verborgenen ab. So sehr die Menschen dem Nacktsein auch widerstreben, so groß ist das Interesse, das Verlangen nach Nackheit – nur nicht bei sich selbst, sondern bei anderen Individuen. Über diesen Widerspruch habe ich jedoch schon vorher geschrieben, das möchte ich hier nicht wiederholen.

Was könnte man über das Nacktsein resümieren? Wir haben uns weit entfernt von jeglicher Urspünglichkeit. Normen und Regeln des täglichen Miteinanders regulieren unsere Verhaltensweisen. Gebote vermeiden eine Natürlichkeit, die, egal ob hilfreich oder nicht, unsere Gefühle und Wünsche von Anfang an gehörig unter Druck setzen. Schon in frühester Kindheit werden wir konditioniert zur Nackheit ein bestimmtes, gesellschaftskonformes Verhältnis aufzubauen. Welche Folgen das hat, wie wir diesem widernatürlichen Verständnis begegnen ist in der Gesellschaft von jedem -auch an der schleichenden Entfremdung zur Körperlichkeit – leicht zu erkennen.

HEIMLICH, STILL UND LEISE …

Finden wir im Alter (mehr) Menschen attraktiver? (105)

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Beachten wir die anderen Menschen um uns herum mit zunehmendem Alter in unterschiedlicher Weise? Ist es so, dass wir in jüngeren Jahren die Attraktivität der Anderen kritischer sehen, als in fortgeschrittenem Alter?

Bei mir und meinen Freunden und Freundinnen, die wir definitiv nicht mehr zu der jüngeren Generation zählen, weil wir allesamt in den 40ern sind, und die 13-14-jährigen sagen: „Wow, soo alt seid ihr schon, waaahnsinn…!“, kam es vor kurzem zu dieser Debatte. Es wurde in den Raum geworfen, dass einem in der heutigen Zeit die Menschen doch attraktiver vorkommen, als in den Jahrzehnten zuvor. Nach der überraschenden Feststellung, dass es mehreren von uns so vorkam, versuchen wir sogleich zu ergründen, was uns zu dieser Annahme führte.

· Sind die Menschen wirklich attraktiver?
· Ist es deswegen, weil wir älter geworden sind, und es relativ mehr jüngere Menschen gibt, deren Jugendlichkeit vermeintlich als Attraktivitätsbonus gilt?
· Liegt es an der Kleidung, die durch ihre deutliche Körperbetonung die Attraktivität steigert?
· Tragen die gerade Jüngeren durch ihre hohe Identifikation über das Äußerliche zu diesem Eindruck bei?
· Führte die gestiegene Aufgeschlossenheit und Offenheit anderen Menschen gegenüber, die eine scheinbar größere soziale Nähe suggeriert, zu dieser Wahrnehmung?

Diese und andere Fragestellungen erörterten wir gemeinsam. Verständlicherweise kamen wir an diesem Tag nicht zu einem abschließenden Ergebnis, dafür waren die Variablen einfach zu vielfältig. Doch ich selbst beschäftige mich weiter mit diesem Thema, und ich fand zumindest einen Hinweis, der die Erkenntnis unterstützt, dass uns in fortgeschrittenem Alter relativ mehr Menschen attraktiv erscheinen:

„… , dass die älteren Versuchspersonen die Stimuluspersonen insgesamt attraktiver fanden als die jüngeren Urteiler… , wobei auch hier die Älteren die positiveren Bewertungen abgaben. …Insgesamt lässt sich feststellen, dass die älteren Versuchspersonen generell positivere Attraktivitätseinschätzungen abgaben als die jüngeren. Wenn man aber bedenkt, dass die Skalenmittel bei 5 liegt, dann sollte man vielleicht besser sagen: Junge Urteiler finden ältere Stimuluspersonen ziemlich unattraktiv – und dies umso mehr, je älter diese sind.“ aus Ronald Henss, Spieglein Spieglein an der Wand, Beltz Verlag, 1992

Hier finden sich also empirische Untersuchungen, die belegen, dass die Attraktivität von jüngeren Menschen differenzierter gesehen wird. Warum es so ist, dazu werde ich noch weiter suchen.

Im Freundeskreis spekulierten wir heißblütig. Wir kamen unter anderen zu der Meinung, dass das Aussehen im Laufe der Jahre an Bedeutung verliert, weil die Menschen im Laufe der Jahre erfahren, wie sich die Schönheit verändern kann, ja wie flüchtig sie letztenendes wirklich ist. Weiterhin hat sich unserer Auffassung nach die Anzahl der Jüngeren in Relation zu unserem eigenen Alter im Laufe der Zeit drastisch erhöht. Gegensätzlich nahmen wir auch an, dass die Erfahrung im Leben uns zu einer anderen Einstellung zur Attraktivität schlechthin gebracht.

Damit meine ich, dass in unserem zarten Alter zwischen 40 und 50 auch jene Menschen attraktiv werden, deren ein oder andere Falte im Gesicht erst einen Charakter entstanden ließ. Ein Mensch steht damit vor uns, der durch die unterstellte Lebensweisheit nicht nur körperlich attraktiv anmutet, sondern zudem diese geistig-emotionale Intelligenz ins Feld führt und damit so manche babyhaft behautete Schönheit in den Schatten stellt.

Wie dem auch sei, es findet sich bei jedem Menschen in jeder Altersgruppe sowohl in der eigenen Auffassung wie auch in der eigenen Aussenwirkung bestimmte Vorzüge und Vorlieben. Wenn auch jeder Einzelne seine persönlichen Eigenheiten weitestgehend lebt, so kann man aus der Summe der Bekundungen doch Tendenzen resümieren. Dazu ein Beispiel: Bei den Männern finden sich im Laufe des Alters Steigerungen der Attraktivität, während bei den Frauen dieser Prozess nicht ermittelt werden konnte. Dazu jedoch in einem der nächsten Beiträge mehr.

Poform und Körpergewicht ( 73 )

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Körpergewicht beeinflusst die Proportionen. Ab einem bestimmten Maß. Denn bei zunehmender Größe verteilen sich die Massen proportional, bis zu einem ungefähren Verhältnis. Das bedeutet, ein Mensch mit 80 kg und einer Körpergröße von 1,85 m kann wesentlich attraktiver sein als ein Mensch mit 1,56 m Höhe und einem Körpergewicht von 46 kg. Auch an der Untergrenze zur Magersucht gilt dies.

Im Rahmen von Erhebungen über das Thema „Entwicklung des Körpergewichtes im Vergleich der Jahre“ wurde festgestellt, dass die Menschen in Deutschland im Vergleich der Zeiträume zunehmend dicker werden und die Anzahl der normalgewichtigen Menschen immer weiter abnimmt. Diese Ergebnisse betreffen durchweg alle Altersgruppen. In Deutschland ist es noch weniger ausgeprägt, als beispielsweise in den USA, doch die Zahlen deuten darauf hin, dass wir auf dem besten Wege dahin sind.

Dass es so ist, daran zweifelt niemand, doch warum es so ist, das versuchen Wissenschaftler zu eruieren. Bei der Ursachenforschung ist die Rede von Nahrungsmitteln und Genussmitteln mit einem enormen Zuckergehalt; ebenso von Menschen, die zunehmend mehr und mehr Zeit vor den Medien in sitzender Haltung verbringen, anstatt sich zu bewegen. Elektrische und elektronische Geräte nehmen uns die Bewegungen ab.

Was bedeutet das für die Fotografie von Menschen? Was ändert sich an den Motiven. Ein interessantes Thema, dessen Antwort aber im Grunde genommen schon in der Fragestellung enthalten ist.

Der Fotograf sucht nach Models mit passendem Äußeren, je nach Auftragsanforderungen oder Vorliebe. Auf der Straße begegnen dem Streetphotographer zunehmend weniger Menschen mit normalem Gewicht, noch dazu fotografiert er sowieso nicht nach Gewicht. Der Schönheitssuchende hat es etwas schwieriger, wohlproportionierte Menschen zu fotografieren, doch mit etwas Geduld ist es ohne weiteres weiter zu fabrizieren.

Was an diesen Forschungsergebnissen wesentlich wichtiger ist, meine ich, das ist die Notwendigkeit und Forcierung von Aufklärungsarbeit bei uns Menschen über die Bedeutung von Nahrungsmitteln und deren Wirkung. Die Entwicklung hin zur zunehmenden Fettleibigkeit scheint widernatürliche und konträre Tendenzen aufzuzeigen, denn die evolutionären Veränderungen der Menschen in den letzten Jahrhunderten führten zu einem größeren und tatsächlich schlankeren Menschen. In erster Linie jedoch geht es bei der Aufklärung um den Faktor Gesundheit des Körpers UND des Geistes, das Aussehen kann in diesem Zusammenhang nur marginal sein.

Einen Fingerzeig auf die Körperformen gibt der gemeinhin bekannte Ausspruch: „Ein gesunder Geist wohnt in einem gesunden Körper“. Jeder kann sich selbst beantworten, wie viel Wahrheit in diesen Worten steckt. Ich selbst fühle mich im gesunderen Körper, damit meine ich im weniger schweren Körper besser, was sich auf mein Gemüt positiv auswirkt. Ich möchte an dieser Stelle sogar noch eine ganz andere These in den Raum stellen: EIN GESUNDER GEIST HAT EINEN GESUNDEN KÖRPER ZUR FOLGE!

Etwas gewagt, ja, das ist es schon, zumal dabei einige Ausnahmen schon allein in meinem kleinen Biotop aufzuzeigen sind. Mit dem gesunden Geist allein ist eine Stoffwechselkrankheit nicht zu besiegen. Doch für uns „Nichtkranke“, bequeme, dekadente und faule, ignorante und besserwisserische (dazu wider besseres Wissens handelnde) Zeitgenossen könnte ein bis dahin nicht gekanntes beständiges Körperbewusstsein zu einem wahrhaft gesünderen Körper führen. Sind wir so stark, die uns bekannten körperfeindlichen Nahrungsergänzungsmittel, wie z.B. Zucker oder gehärtetes Fett aus unserem Speiseplan nahezu zu streichen, so würde der größte Teil der industriellen Gesellschaft weniger schweren Krankheiten ihre Lebensenergie opfern müssen.

Und der Bezug zur Fotografie? Ich kann den Po eines zierlichen Wesens durchaus mit dem eines athletischen oder wohlgenährten Menschen vergleichen, denn dieser unterscheidet sich nur in seiner Dimension. Als Anschauungsmaterial dienen hier die beiden Fotografien, die von je einer der beiden oben genannten Körperformen stammen.

Damit bleibt es umso mehr eine Sache der menschlichen Vorlieben, wenn die Frage nach der Körpergröße gestellt und jene nach der körperlichen Proportionen ausgeklammert werden kann, vorausgesetzt die Formen treffen den Geschmack des Betrachters.

Als Fazit möchte ich feststellen, dass das Körpergewicht bis zu einem bestimmten Maß nur indirekten Einfluss auf das Aussehen der Menschen hat. Wird dieses Maß, wie in verschiedenen Erhebungen festgestellt worden ist, überschritten oder unterschritten, dann verändern sich die gesund wirkenden Proportionen. Der Ausspruch: „Das ist ja nicht mehr schön.“ beschreibt diese Diskrepanz.

Uns gefällt das Äußere eines Menschen im vorliegenden Fall vielleicht nicht. Statistisch gesehen gefällt anderen Menschen ein übergewichtiger und untergewichtiger Mensch – rein optisch betrachtet – weit weniger, als ein normalgewichtiger Mensch. In unserer Wirklichkeit kommt es natürlich nicht nur auf die Äußerlichkeiten an! Dadurch treffen alle Menschen auf Menschen, denen sie gefallen. Ich gehe hier zu Vereinfachung vom Durchschnitt aus. Vielleicht kommen Wissenschaftler irgendwann zu einer evolutionsbiologischen These, die die stetige Verbesserung der Gattung Mensch durch die Auswahl der „schöneren“ und dadurch vermeintlich gesünderen Exemplare darlegt.

Wie dem auch sei, mir liegt schon einiges mehr am wohlproportionierten Hintern, solange es sich um das Aussehen und das Gefallen dreht.

Sieh‘ her, wie schön ich bin! ( 72 )

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Eitelkeiten zieren den Menschen. Ziehen wir durch unser Aussehen nicht gerne andere Menschen in unseren Bann? Wer will schon gerne hässlich sein?

Modelposing. Was erleben Fotografierende bei ihrer Tätigkeit? Was erfahren Fotografinnen während ihrer Touren durch die Straßen der Stadt, wenn sie ihre Kamera auf die interessantesten Personen richten? Von Zustimmung über Unschlüssigkeit bis Ablehnung ist alles dabei. Wir erfahren -je nach Land und Urbanität- die unterschiedlichsten Reaktionen.

Ich finde es immer wieder erfrischend, wenn ich auf Menschen treffe, die für ein Foto gerne posieren. Hier in Deutschland ist es mit der Streetfotografie scheinbar schwieriger, sie scheint sich schwieriger zu etablieren. Viele Menschen haben vermutlich eine negative Belegung in ihrem Kopf über die Möglichkeit dessen, was mit einem Foto, auf dem sie zu sehen sind, angestellt werden könnte. In unserem Nachbarland Holland beispielsweise gehen die Menschen viel entspannter mit dem Thema um. Dort finde ich signifikant häufiger eine Zustimmung durch schlüssiges Handeln, etwa einem Lächeln oder einem leichten Nicken, wenn ich meine Kamera für ein Foto erhebe. Auch in Katalonien und Ligurien beispielsweise habe ich es oft so erlebt und bin richtig begeistert davon.

Als weiteres Merkmal -auch im Zusammenhang mit der Streetfotografie- spielt die Größe der Stadt eine entsprechende Rolle. In größeren Städten finde ich viel eher Zustimmung zu einem Bild oder Portrait, als in kleineren. Vielleicht ist das mit Weltoffenheit und größerer Aufgeschlossenheit zu begründen. In kleineren Ortschaften überwiegt die Skepsis gegenüber Fremdem und seltsam anmutendem Verhalten (irgendwelcher Fotografen).

Gerade deshalb ist für den ambitionierten Fotografen die Großstadt das geeignetere Terrain, wenn es um das Fotografieren von fremden, interessanten Menschen geht. Dort findet man immer wieder Menschen, denen es geradezu recht erscheint, wenn man sie in ihrer Urbanität, in ihrem Dasein ablichtet. So kann die Dokumentation des Lebendigen auf anspruchsvolle und authentische Weise gelingen. Manchmal sogar posieren Passanten direkt für ein Foto, was dann zwar die Aufnahme im Sinne einer ungekünstelten Darstellung des urbanen Lebens zunichte macht, aber als Portrait durchaus hervorragende Ergebnisse zu Tage fördert.

Was mich in meiner Vergangenheit als Fotograf von Menschen schon immer interessiert hat, das ist die Antwort auf folgende Frage: Lassen sich eher attraktivere Personen zu einem Bildnis hinreißen, oder spielt die Attraktivität in diesem Zusammenhang keine entscheidende Rolle? Im Rückblick möchte ich die Behauptung aufstellen, dass sich Menschen mit größerer Attraktivität eher zu einem Portrait bereit erklären, als solche mit unterdurchschnittlicher Präsenz, so meine Erfahrungen. Diese Frage ist zwar mehr aus psychologischer Sicht von Interesse, als aus fotografischer, nichtsdestotrotz interessiert mich die Antwort sehr. Wie sind Deine Erfahrungen, wenn Du Dir darüber Gedanken gemacht hast? Ein Kommentar wäre interessant. 🙂

Es folgt ein erster Versuch der Deutung für diese Erfahrung: Kann die Eitelkeit der schönen Menschen als Erklärung dafür herhalten, dass sie tatsächlich lieber fotografiert werden? Wenn dies tatsächlich so sein sollte, wie ist dann die Eitelkeit als „Untugend“ in unserer Gesellschaft zu bewerten? Eitelkeit bedeutet laut Duden: “viel Wert auf die eigene äußere Erscheinung legend; bestrebt, als schön (und klug) zu gelten“. Legen wir alle nicht in irgend einer Weise viel Wert auf unser Äußeres? Sind wir alle eitel? Folgt man dieser Definition, so sind wir es woh. Sehen wir uns also alle gerne auf Fotografien? Diese Frage darf auch jeder gerne selbst beantworten.

Ein zweiter Ansatz ist der Aspekt des Selbstbewusstseins: Was kann schon mit einem Bild von mir geschehen, was soll passieren. Ich werde irgendwo abgebildet und höchstwahrscheinlich nicht mal erkannt werden. Diese Selbstsicherheit und Größe eines Menschen führt gleichfalls zu wunderbaren Aufnahmen von Passanten.

Ausweg Schönheit? (59)

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„Another Day – Another Way“ oder wie es Konrad Adenauer mal sagte: „Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern…“
„Auf die inneren Werte kommt es an!“ Soooo So.

   Nur die Schönheit wird gerne gesehen. Wer sieht gerne in Durchschnittsgesichter? Was sind „Durchschnittsgesichter? Bei einem Partner-Findungs-Versuch eines Forscherteams unter Mitwirkung von 1200 Studenten blieb kein(e) einzige(r) ohne ein „Kennenlernen-Wollen-Kärtchen“ nach Sichtung von je nur zwei Fotos jedes möglichen Date-Partners. Im Volksmund hieß es früher so: „Jedem Topf sein Deckelchen.“ Doch ein anderer Versuch zeigte ein Ergebnis mit anderer Aussage.

   Identische Bewerbungen wurden zugrunde gelegt. Mit dem selben Gesicht wurde einmal mit jeweils hübscher wirkenden Manipulationen und eher unterdurchschnittlich wirkenden Manipulationen Schindluder getrieben. Diese Unterlagen wurden an eine hohe Zahl von Personalentscheidern zur Bewertung ausgegeben. Das Ergebnis war wie erwartet. Den scheinbar attraktiveren Bewerbern wurden durchweg bessere Qualifikationen attestiert. Wohlgemerkt, es waren identische Unterlagen mit nur anderen Fotos!

   Nix mit inneren Werten. Und wir? Wir sind alle ganz anders! Ich fürchte, dass dem nicht so ist. Beispiele? Gerne.

♡ Wir Männer gehen gerne in die Bäckerei mit der Backereifachverkauferin, die jeden Morgen ein so liebreizendes Lächeln an den Tag legt.
♡ Wir Männer sind viel lieber im Bistro am Brunnen, in dem die Bedienung mit der tollen Figur uns unseren Latte Macchiato serviert.
♡ Wir Männer sehen uns im Fernsehen doch nur deshalb das Beachvolleyball – Spiel an, weil die Sportlerinnen dazu genötigt werden, äußerst figurbetonte Kleidung zu tragen.
♡ Frauen sehen viel lieber den gut gebauten Bademeister, als einen, der gerne mal ein Bierchen seinem Bauche zuführt.
♡ Frauen gehen lieber in die Bar, in der der adonishafte Schönling die Cocktails mixt.(aus Gastronomie heute)
♡ …

   Diese Liste ist noch viel weiter zu vervollständigen, wir können jeder ein paar weitere Beispiele finden. Aussehen, besonders gutes Aussehen wird weiterhin offensichtlich unter Wert gehandelt, inoffizieller Tenor ist mit der heimlichen Verpflichtung zur stetig zu steigernden Attraktivität das genaue Gegenteil. Ich selbst gehe, wie vorher schon mehrfach erwähnt, ebenso lieber dahin, wo es nicht nur schöner ist, sondern auch lieber dahin, wo die schöneren Menschen sind. So wie ich attraktive Menschen lieber sehe. Ich meine, dass es bei der Mehrzahl der Menschen ähnlich ist. Daher die Erfolge der schönen Schauspieler(innen) und Sänger(innen).

   Somit ist die Diagnose eindeutig. Und die Therapie? Sollen die Männer auch in diesen Schönheitskult geführt werden. Die Kosmetikindustrie mit ihrem zweistelligen Milliarden-Gewinn sähe dies gewiss gerne. Mit Haarfärbemitteln extra für den Mann, bei dem außer der Verpackung die Handschuhgröße der einzige Unterschied zum Frauenhaarcolorant ist. Wäre es nicht sinnvoller, man führte eine Kampagne der Aufklärung, um der Frau durch Einsicht und vor allem männliche Unterstützung den Rücken dahingehend zu stärken, das das Leben für die moderne Frau im 21. Jahrhundert nicht mehr zu einem Spießrutenlauf durch Schönheitsparcours mannigfaltiger Ausartungen führen muss. Ich finde ja.

   Wer jetzt moniert, ich trüge mit meiner Art der hier ausgestellten Fotografie eher zum Gegenteil bei, dem sei folgendes gesagt: Meine Modelle sind ganz sicher nicht dick oder gar fett. Darauf kommt es auch gar nicht an, meine ich. Sie sind eher normalgewichtig, damit meine ich, weit weg von den gültigen Bodymaß-Indizes der Modelbranche. Natürlich sind es in meinen Augen wohlgeformte Körper mit harmonischer Linienführung. Doch derer gibt es viel mehr, als manchmal angenommen wird, dabei schließe ich nicht nur vom Aussehen des Gesichtes auf die Herkunft des wohlgeformten Körpers, der oft NICHT durch endlos wiederholte Fitnesstorturen oder schlimmeres erarbeitet wurde. Das versicherten mir die Modelle glaubhaft.

   Wenn jetzt der neueste Trend beim Manne schon das operative Einpflanzen von Barthaaren ist, so sehe ich das mit Sorge um die Menschen.

Vergänglichkeit der Hintern (51)

kio jeans hintern Mies Vandenbergh Fotografie

Mies-Vandenbergh-Fotografie

Das Foto eines wohlgeformten Hinterns. Es befindet sich vor mir, ich sehe es an und denke:

Ein schöner Hintern! Ein gelungenes Foto! Im rechten Augenblick hat jemand auf den Auslöser gedrückt, nachdem er das Motiv entdeckt hatte. Die Technik ließ ihn nicht im Stich, das Licht war richtig und die Einstellungen an der Kamera, für die – sie oder er – sich weit vor diesem Augenblick entschied, waren richtig gewählt. Der Fokus hatte das Motiv ebenso korrekt erfasst, wie die Blende genau die richtige Menge Licht durch ließ. Da ist es also, das Bild. Das Bild eines schönen Popos. Der ist also auch da gewesen. Dieser Hintern wurde für das Bild ( und zwar das auf dem Sensor genau so, wie jenes, das in den Köpfen der Betrachterin oder des Betrachters entsteht) in eine ihn gut in Szene setzende Kleidung gesteckt. Er soll schön aussehen, was ja ob des Fotos auch hinlänglich gelungen ist.

Da ist es also, das Bild eines wohlgeformten Hinterns. Und der Hintern selbst – mit einem Rest von Mensch daran. So meint der Hintern. Doch er, der für die Aufnahme so toll hergerichtet, der in eine für den Rest des Menschen besonders unbequeme, weil enge Jeans gezwängt wurde, der sogar vollendet in der Form seiner Pobacken noch den String, wenn überhaupt, darunter trägt, was meint er zu sein, zu sein während des Restes der Stunden, in denen er immer wieder gerne angeschaut wird?

Mehr noch, welche Bedeutung hat er im Verlauf der Zeit, in der Spanne seiner Existenz? Ist der Rest des Körpers noch jung, so ist auch er jung, altert der Rest des Körpers, so macht er was? Schön aussehen, straff bleiben und immer schön knackig und fest? Mitnichten! Auch er kriecht zu Kreuze dem Diktat der Schwerkraft, so, wie der an ihm hängende Rest ebenfalls nicht entkommt. Irgendwann sogar wird er zu Staube und von Form kann wahrlich nicht mehr die Rede sein.

Also wird es kommen, und die Zeit wird ihre Botschaften überbringen, ob wir sie verstehen wollen oder nicht. Die Sache ist entstanden, irgendwann, und demgemäß wird sie vergehen. Was bleibt, das ist die Idee, und nur dann mehr als eine Idee der Schönheit wie jener der Mona Lisa, deren Züge sicher schon vergessen, wäre nicht damals ein Hinseher gewesen, der die Zauberhaftigkeit des Wesens allein für sich dazu brachte, ein Bildnis von ihr zu kreieren. So können wir uns heute noch darüber streiten, ob sie denn Schönheit ausdrückt oder nicht, ihr Bildnis jedenfalls sorgt für mehr als nur Idee, ihr Antlitz sorgt für jeden Menschen in seinem ganz persönlichen Licht, zu sagen, ob wir einstimmen in die Begeisterung des Leonardo.

So ist denn Abbildung ein Zeugnis des Augenblickes. Wie schon nur wenige Wochen später sich die Linien verändern können, das weiß jeder selbst zu bezeugen. Nicht, dass es so ist, beschreibe ich mit Bildern, nur entgegen der Vergänglichkeit ist mir an dem Bild des Augenblicks gelegen, welches ich festhalte als Zeugnis dafür, dass der Abgelichtete wirklich einst so aussah. In der Erbaulichkeit über das Aussehen, welches uns Menschen stets so beeindruckt, zeige ich, bevor sich auflöst in das Meer der Überformen die vollendete Linie.

Mit der definitiv unwichtigen, belanglosen und bedeutungslosen Darstellung von Hintern setze ich ein Zeichen der Schönheit der Gesäße und jeder mag hinsehen, dem es gefällt. Bevor diese ihre Form des Augenblickes für immer verändern – was dem Menschen als solchen nie abträglich ist, weder dem Charakter noch dem Herzen – nur den Augen des Gerneansehers der Gesäße trägt es zu, zu sehen und sich daran zu erfreuen, so wie es immer schon dem Schöngeiste daran gelegen war, Schönes anzusehen. Gleich dabei, ob es die Moleküle zu einem Tier, zu einer Blüte, zu einem Sonnenuntergang oder zu einem Gesicht gebracht haben. Für den Fotografen ist sein Motiv der ultimative Moment der Dokumentation, es abzulichten, bevor es abgetaucht ist in den Blättern des Eisenholzbaumes oder sonstwo hin. Bevor es seine Gestalt verändert soll es abgebildet sein, dem Lauf der Zeit entnommen für das Foto des Augenblickes.

Wie die Vergänglichkeit des Augenblickes wird zwar auch das Bild vergehen, so ist es nur eine kleine Verlängerung dieses Augenblicks, den der Fotograf für sich entdeckt und anderen Besuchern seiner Bilder vorstellen kann. Der Besucher dieser Ausstellung sieht hin, zu dem, was so in dieser Weise nicht alltäglich zu sein scheint und doch ist. Werden Bilder nicht entfremdet durch die unendlichen Möglichkeiten der Bildbearbeitungssoftware, so zeigen sie die Realität, welche vielleicht nur aus einem nicht alltäglichen Blickwinkel betrachtet ist, doch letztendlich nichts anderes, als was schon da ist!