Kannst Du Deinen Augen trauen? [27]

Richtest du einen kurzen Blick auf das Bild, was erkennst Du? Nicht schwer, oder? Oder doch?

Was ein Betrachter auf einer Fotografie erkennt, ist ersichtlich, oder? Er sieht, was abgebildet ist. Er erkennt, was er sieht und sein Geist ordnet ein, trennt Motiv vom Hintergrund -hoffentlich hat es der Fotograf verstanden, die Prioritäten zu setzen- und der Betrachter blendet all das aus, was nicht von Bedeutung für ihn ist. Er erkennt Punkte und wenn vorhanden, möglicherweise Linien, welche horizontal beruhigend, vertikal energetisch oder diagonal aufwühlend sein können. Er erkennt Farben und Komplementärfarben, blau-beruhigendes, rot-belebendes oder grün-vertrauensvolles. Er differenziert nach Vordergrund, Mittelgrund und Hintergrund, wenn diese Ebenen auf der Fläche des Fotos sich überhaupt voneinander abheben. Vielleicht erkennt er Dynamik und Statik, es ist vielleicht eine Bewegung im Bilde wahrzunehmen. Manchmal trennte der Fotograf sein Motiv vom Hintergrund durch eine Unschärfe, dann kann der Betrachter Unscharfes von einem klarem Motiv unterscheiden.

Ist der Betrachter als Adressat für ein Kunstwerke eine vollkommen vom Künstler losgelöste Person? Ein Kunstwerk, auch in Form einer Fotografie, ist zunächst losgelöst vom Erschaffer zu sehen. Es spricht seine ganz eigene Sprache. Auch wenn der Künstler in seinem Werk seine Handschrift noch so genau verewigt hat, im Moment der Entdeckung durch den Betrachter nimmt dieser nur jenes wahr. Was er sieht, was er versteht, dessen Sprache er mächtig ist, kann er aufnehmen. Die Töne spürend, die durch die Schwingungen des Kunstwerkes in ihm seine Saiten berührt, diese vernimmt er.

Nicht immer korrespondieren Botschaft und Nachricht, Aussage und Statement, Gefühl und Idee zwischen Urheber und Konsument mittels Werk. Wozu aber fertigt der Künstler sein Werk? Wozu betrachtet der Besucher ein Werk? Zwischen zufälligem Blick und gezielter Suche, zwischen öffentlicher Publikation und ausgestelltem Werkstück, zwischen Massenware und ausgesuchter Präsenz sucht ein Werk die Betrachter anzusprechen. Es strebt nach Aufmerksamkeit, einen Weg in das Bewusstsein desjenigen sich bahnend, der hinsieht. Wie weit reichend es verstanden wird, letztendlich akzeptiert wird oder nicht, kann tatsächlich davon abhängen, in wie weit ein Werk allgemeingültigen Wertvorstellungen entspricht oder nicht.

Ist wahre Kunst ausgenommen vom potentiellen Adressaten? Interessiert den wahren Künstler nicht im Geringsten, wie ein Werk wahrgenommen wird? Ist es ausschließlich ein Abbild seiner inneren Idee, ohne einen Bezug auf einen möglichen Betrachter zu nehmen, beziehungsweise an einen möglichen Adressaten auch nur zu denken? Oder fertigt der Künstler seine Kunst nur für ein gezieltes Publikum an? Ist es dann noch Kunst? Eine immer wiederkehrende Frage, ungelöst und vielfach beantwortet.

Eine Fotografie dokumentiert, bildet Vorhandenes ab. Sie gibt einen Ausschnitt aus Sichtbarem wieder. Was sie aber wie präsentiert, ist nicht immer gleich erkennbar und bedarf des Öfteren einen zweiten Blick. Die Fotografie hier im Beitrag zeigt ein Spiegelbild einer jungen Frau. Eine Wasserstelle mit Herbstlaub, welches wie zu schweben scheint, diente als Spiegelfläche. Dadurch wird das Fotomodel spiegelverkehrt abgebildet, auch der Baum im Hintergrund, dessen Ast die Form des Menschen so schön umschließt, ist eine Spiegelung. Verkehrt herum, und doch einer klarer Aussage fähig: Ein Model sitzt angelehnt an einer Stufe, schützt die Augen vor der Sonne und schaut herüber. Entspannt an einem Herbsttag in der urbanen Natur im noch wärmenden Sonnenschein relaxen, genießen, einfach sein, nichts Spektakuläres erfährt der Betrachter hier. Das Bild ist nahezu unbearbeitet außer einem Beschnitt, sowie die Schatten wurden etwas aufgehellt.

Damit trennen sich Realität und Fiktion, Wirklichkeit und Erlebtes (zusammen und im Prinzip) nicht. Es existiert kein Unterschied in der Bildaussage, denn es ist zunächst nicht von Bedeutung, ob es ein Spiegelbild ist, oder nicht. „Mensch draußen in der Natur im Herbst“. Nur die an der Wasseroberfläche schwimmenden Blätter geben einen vagen Hinweis auf eine besondere Situation, die dem aufmerksamen Betrachter etwas mehr zeigt und vielleicht einen Denkprozess anregt und Neugier erweckt. Wenn ein Bild etwas aussagen soll, etwas über das Alltägliche hinaus, etwas, was es Wert wäre, zu zeigen, zu sagen, „Schau mal hier, ist es nicht eine ganz leicht andere Art und Weise die Dinge zu sehen?“, erweitert es auf diese Weise den eigenen Horizont? Bleibe lieber ungewöhnlich!

Posing 8: Teilweise körperlich [16]

Wie viel von nackter Haut ist nötig, um eine Bildaussage zu erhalten? Wie viel Erkennbares vom Körper des Menschen vor der Kamera führt zu Interesse und erhöhter Aufmerksamkeit gegenüber einer Aufnahme? Was tragen sogenannte Aufnahmearten wie zum Beispiel Teilakt oder verdeckter Akt, Vollakt oder künstlerischer Akt, Aktportrait oder sinnlicher Akt, „open Legs“ oder Boudoire-Fotografie zur Idee einer Komposition, einer Geschichte im Bilde bei?

„Die Schöpfung erschuf den Körper, der Mensch die Kleidung.“ „Natürlichkeit kann nur durch den Körper dargestellt werden, nicht durch Kleidung.“ Wie sehr beeinflusst uns die Idee hinter diesen Zitaten? Wird Zivilisation durch das Tragen von Kleidung definiert und was genau beschreibt danach Zivilisation?

In wie fern verändert sich eine Pose, wenn einmal mehr, einmal weniger Haut des Models zu erkennen ist? In wie weit verschiebt sich eine Bildaussage, wenn die unterschiedlichen Bereiche des menschlichen Körpers mal mehr, mal weniger mit Kleidung oder von Schatten verdeckt sind?

Sind bestimmte Körperproportionen zwangsläufig erkennbar zu halten, um überhaupt eine bestimmte Aussage treffen, abbilden zu können? Ginge es überhaupt ohne diese Körperdarstellung? Wie viele Tatsachen sind notwendig, wie viel Phantasie kann erwartet werden? Sind Andeutungen ein Mittel, um Ideen zu transportieren oder zählen nur nackte Tatsachen? Sind es die alltäglich offensichtlichen Körperpartien, die schon zur Erfüllung einer Vorgabe ausreichen oder bedarf es einer tieferen Einsicht? Erkennst du die Proportionen anhand eines Beins oder ist ein kleiner Part des Pos als Verlängerung des Beins genau der Blickpunkt, der das Bild vervollständigt? Macht dieser Ausschnitt aus einem durchschnittlich großen Körper einen hochgewachsenen in entsprechender Pose?

Wie unterstützt der Typ Mensch die Bildidee? Ist es möglich, dass ein ernsthafter Typ Mensch mit harten Gesichtszügen ein verträumt-sensibles Romantikportrait darzustellen vermag? Oder das zartbesaitete, grazile junge Mädchen eine verwegene Kämpferin? Letzteres eher?

Die fotografische Umsetzung einer Idee fordert einen passenden Menschen, nicht anders, als einen bestimmten Schauspieler für einen bestimmten Film, der seine Fähigkeiten abrufen kann, um erforderliche Emotionen mimisch und körperlich umsetzen zu können. Und wer kennt sie nicht, die (ersten) Produktionen der Privatsender, die nur allzu gut bezeugen, dass ohne schauspielerische Fähigkeiten eine Aussage im Verborgenen erstickt.

Zurück zum Thema Fotografie: Jede zweihundertfünfzigstel Sekunde der Auslösung hält den Moment fest, der jede Mimik und Körperhaltung einfriert und danach zur Betrachtung gereicht wird, um zu fragen: Was ist es, dass du siehst und was empfindest du bei diesem Anblick, was erzählt dir dieses Bild – oder bleibt es eine Fotografie? 🙈

Posing 7: Dramatik und Überdrehung [15]

Artistische Haltungen eines Models in der Fotografie können eine spannende Bildwirkung erzielen. Doch was passiert, wenn man die natürlich anmutenden Körperproportionen des Models dadurch bildlich verformt abbildet? Entstünde dann für den Betrachter eine Irritation? Bestünde nicht allzu schnell die Gefahr der Überzeichnung? Die Empfindung des Betrachters wird dadurch also gestört, was sich auf zweierlei Weise auswirken kann: Der Betrachter wendet sich ab oder er erforscht die Ursache.

Wieder steht die Bildaussage im Zentrum. Was möchte ich darstellen?

Ob es einer Bildidee entspricht, einen muskulösen Körper zartbesaitet darzustellen oder einen schlanken, grazilen Body in einem runden, kugelförmig anmutenden Oval wiederzugeben liegt in eben dieser Idee. Es spielt dabei keine Rolle, ob eine Wertung darin integriert sein soll oder nicht, oder ob dabei das Adjektiv „schön“ einen Einfluss behalten darf, die Verletzung einer Proportion bleibt dem menschlichen Auge niemals verborgen, nur das Motiv im Zusammenspiel mit dem Kontext zeichnet für die Unterscheidung von Kunst und Fehldarstellung.

Für mich liegt es in der Natur der Sache, was Variationen in der Darstellung von Proportionen beim menschlichen Körper betrifft. Das Streben nach der perfekten Form, die Darstellung von Proportionen, die den Geist des Betrachters schlichtweg fesseln, ob in einem Ausschnitt oder als ganzes, darin liegt für mich eine wesentliche Grundlage zu einer Bildidee.

Wie das erreicht werden kann, ist eine spannende Sache. Ob dabei der Umweg über Dissonanzen in der Erfahrung einer Körperform führt oder man sich dem kleinen Ausschnitt über die Form des gesamten widmet, es ist eine fantastische Reise mit manchmal atemberaubenden Werken. Der Mensch, sein Körper und die unendlichen Möglichkeiten seines Ausdrucks stellen für mich momentan eine schier unerschöpfliche Quelle von fotografischen Aussagen dar, in denen ich in allen Bereichen der Fotografie den Ausdruck des Lebens, der Schöpfung des Anmuts und der Leichtigkeit im Bild erreichen möchte.

Natürlichkeit als Orientierung dient mir momentan viel mehr zur Entdeckung der vorhandenen Proportionen als eine (künstlerische) Verfremdung. Eine möglichst (für mich) symmetrische Form zu beschreiben, manchmal angelehnt an der klassizistischen Körperwahrnehmung von Schönheit und Anmut führt für mich zu kreativen Bildern. Dabei sind es nicht immer die aktuell gängigen Schönheitsideale, die zu einer solchen Darstellung führen, aber aus einem kurzen Bein wird auch durch fotografische Perspektivenwechsel kein proportional langes Bein. Dass man auch ein proportional langes Bein in einem ungünstigen Winkel unproportional verstört darstellen kann, beweist die Presse und das Internet jeden Tag 😼.

Bei der Umsetzung einer Bildidee lohnt es sich meiner Meinung nach viel zu experimentieren, nicht plan- und ziellos, aber durchaus auch mal gewagt. Bekannte oder gewohnte Praktiken zurück zu stellen, zu erfahren, wie ändert sich die Bildaussage, wenn die Pose so oder anders variiert wird. Welches Adjektiv erzielt welche Aktion des Models und wie wird die Geschichte des Bildes dadurch verändert?

So ergeben sich neue Sichtweisen, die mit einem spannenden Blick des Betrachters auf eine kreative fotografische Arbeit belohnen.

Posing 3: Erwartung und Abbild [11]

Eine Körperhaltung auf einem Bild kann dir vertraut sein oder es gibt etwas in der Pose, das deine Erwartung als Betrachters irritiert.

Es kommt vor, dass beispielsweise die Pose nicht zum Ort passt, oder dass die Pose nicht mit der Mimik des Models zu verbinden ist, oder dass die Pose die Geschichte des Bildes (Vorausgesetzt, es besitzt eine und hat nicht ausschließlich dokumentarischen Charakter) nicht schlüssig wiedergibt. Verschiedene Faktoren beeinflussen das Bild zusätzlich, etwa Kleidung und Makeup, Accessoires und Lichtgebung, denn damit wird letztlich die Bildkomposition gebildet, doch die Körperhaltung ist für den Betrachter ein wesentlicher Schlüsselaspekt. Störungen, ganz gleich welcher Art, ob es auffällige sind oder nur vermeintlich unscheinbare entziehen einem Bild manchmal das gewisse Etwas, etwas, dass es zu einem herausragenden Werk machte.

Über Hände im sichtbaren Bereich eines Portraits ist schon viel gesagt worden. Es wird die Ansicht vertreten, dass diese nichts im Portrait verloren hätten oder jene, dass sie unbedingt zu sehen sein sollten, um das Portrait vollständig zu machen. Daraus ergibt sich die fortführende Überlegung, ob die Hände derart im Bilde integriert werden sollen, dass ihnen eine vermeintliche Aufgabe suggeriert wurde oder sie nur künstlich/künstlerisch vorhanden sein sollten.

Gibt es also eine Grenze für ein stimmiges Posing und wenn ja, wo ist sie auszumachen? Existieren dafür allgemeingültige Regeln oder liegt es individuell bei jedem Betrachter? Kann es der Kunst zugeschrieben werden, wenn verstörende Posen in Szene gesetzt werden? Oder bedarf es, wie im Leben und seinem immer waghalsigeren Unternehmungen immer einer Steigerung bis ins Skurrile? Gibt es vielleicht im Gegensatz dazu eine leichte Rückbesinnung auf das Wesentliche und seine Reduzierung auf „weniger ist mehr“?

Es kommt darauf an, was die Beteiligten mit einer Aufnahme beabsichtigen. Soll der Betrachter in die Aufnahme geführt werden oder ist augenblicklich alles plakativ zu erkennen? Schnell hinsehen, alles sehen, im Stile des Durchwischens a la Instagram? Wo nur Bruchteile von Sekunden gerade im Augenwinkel erspäht ein Bild gerade noch eine kleine Chance hat beachtet zu werden, um dann wieder vergessen zu sein und aberhunderten neuen Bildern im Gedächtnis zu weichen, die ihrerseits nur ein Scheindasein fristen…

Weiter in Teil 4 …

Holiday

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Mies-Vandenbergh-Fotografie

 

 

https://i2.wp.com/www.nationalflaggen.de/media/flags/animierte-flagge-deutschland.gif

Eine besondere Zeit wünsche ich Euch allen, liebe Follower, Gäste, Besucher meines Blogs, ich werde mit meiner Familie Urlaub bis Anfang September in Nordspanien machen, wo ich schon einmal erleben durfte, dass die Farbe grün in der Natur eine ganz besondere Ausdruckskraft besitzen kann. 🙂

 

 

Vereinigte Staaten von Amerika (USA) Flagge   Großbritannien Flagge

A wonderful time to all followers, guest and visitors of my blog, I will take a time to relax in northern Spain an join the nature, a place, a time where I Recognized before, That the color of green can own a fantastic luminescens. ..:-) Be happy and take care of you …..

 

 

Frankreich Flagge

Un merveilleux moment à tous les fidèles, les clients et les visiteurs de mon blog, je vais prendre un moment de détente au nord de l’Espagne un joindre à la nature, un lieu, un temps où je reconnus avant que la couleur verte peut posséder un fantastique luminescens. ..:) Soyez heureux et prendre soin de vous …..

 

 

Spanien Flagge

Un tiempo maravilloso para todos los seguidores, invitados y visitantes de mi blog, voy a tomar un tiempo en el norte de España para relajarse un unirse a la naturaleza, un lugar, donde reconocí un tiempo antes, que el color de verde puede ser dueño de una fantástica luminescens. ..:) feliz y cuidar de ti …..

 

 

Portugal Flagge  Brasilien Flagge

UM tempo maravilhoso para todos os seguidores, os hóspedes e visitantes do meu blog, vou tirar um tempo para relaxar no norte da Espanha, um unir-se à natureza, um lugar, um momento em que reconheci antes, que a cor de verde pode possuir uma fantástica Photorhabdus luminescens. .. : -) ser feliz e cuidar de você …..

 

Niederlande Flagge

EEN heerlijke tijd om alle aanhangers, gasten en bezoekers van mijn blog, ik neem de tijd om te relaxen in noord Spanje een toetreden tot de natuur, een plek, een tijd waar IK erkende dat de kleur groen kan een fantastische luminescens. .. : -) gelukkig zijn en voor je zorgen …..

 

 

Italien Flagge

UN tempo meraviglioso per tutti i seguaci, ospiti e visitatori del mio blog, si può passare un momento di relax nel nord della Spagna di entrare a far parte della natura, un luogo, un momento in cui ho riconosciuto prima, che il colore verde è proprio un fantastico luminescens. .. : -) essere felice e prendersi cura di voi…..

Zwecklose Schönheit? ( 138 )

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Mies Vandenbergh Fotografie

 

Kürzlich las ich in „Kallias“ von Friedrich Schiller über die Befreiung vom Zweck der Schönheit, damit die Schönheit durch das Fehlen jeglicher Zielgerichtetheit überhaupt erst zum Tragen käme.Das greife ich mit großer Begeisterung auf und führe diesen Gedanken gerne weiter.

Was bedeutet es, wenn Schönheit zielgerichtet ist? Dazu bedarf es einiger Vorüberlegungen. Nehmen wir an, ein Ding, ein Wesen ist existent. Woher auch immer, was auch immer, das soll bei dieser Betrachtung unerheblich sein. Dieses Wesen oder dieses Ding besitzt Schönheit. Zunächst soll es unabhängig nur bestimmt sein, einmal, für wen diese Schönheit existiert, und zum andern, was genau Schönheit beschreibt. Als Adverb könnte genauso hässlich hergenommen werden, oder eine für uns Menschen nicht wertende Beschreibung wie zum Beispiel „groß“ sein. Etwas besäße Größe! Es soll auch nicht näher bestimmt werden, worin sie zu erkennen wäre. Davon gehe ich zunächst als Prämisse aus. Folglich kann Schönheit –oder eine beliebige Eigenschaft– eine Wirkung nur dann haben, wenn ein Empfänger zugegen ist, dem diese Wirkung zu Teil wird. Das Kausalitätsprinzip wirkt entsprechend. Genau zu diesem Zeitpunkt greift die eingangs erwähnte Fragestellung, nur mit dem Unterschied, dass diese Wirkung einem Zweck dienen kann oder eben nicht.

Ich stelle die Frage, ob die angenommene Schönheit einem bestimmten Rezipienten als Schlüsselreiz dient oder ob die Schönheit da ist und keinerlei Wirkung auf den Empfänger ausübt (außer ihrer Erscheinung und Erkenntnis selbst). Angenommen, die Schönheit tut dies nicht, ist in keinster Weise zielgerichtet, wie würde es der Schönheit gerecht werden, und sie überhaupt erkannt werden? Gibt es Schönheit, wo sie nicht wirkt, kein direkter Sinn erkennbar ist? Wer nähme sie wahr, wenn sie doch frei von einem direkten Bezug sind?

Dass es wahr ist, wir in der Tat Schönheit erkennen, obwohl sie nicht direkt mit einem Zweck für unsere Existenz verknüpft ist, das ist jedem Menschen geläufig. In wie weit es dabei zu Parallelen kommt, zu Abläufen, die durch bestimmte Reize -durch unsere Sinne aufgenommen- in unserem Gehirn umgemünzt werden, und bestimmte Belohnungszentren heimlich doch bedient werden, das liegt auf dem Gebiet der Neurowissenschaft. Wir erkennen Schönheit wieder, Muster aus unserem Gedächtnis passen auf das Erkannte, wir erfreuen uns daran. Der entsprechende Bereich unseres Gehirns produziert Hormone, die in uns ein Gefühl erzeugen, das oberflächlich als erhaben, warm oder begeisternd beschrieben werden könnte.

Durch den Menschen erkannte Schönheit, die frei von Zweck ist, hat nach Schiller, wie ich ihn verstanden habe, erst die eigentliche, wahrhafte Bedeutung des Begriffs. Vielmehr ist er eigentlich frei von jeder Begrifflichkeit, denn in dem Moment, in dem ein bestimmter Begriff, der sich stets durch einen Sinn erklärt, zum Tragen kommt, hat das Ding oder Wesen die wahre Schönheit bereits verloren.

Am ehesten lässt sich dieser Zustand mit dem Szenario beschreiben, wenn uns vor Schönheit der Atem stockt, uns die Worte fehlen, wir sprachlos sind. In diesem Moment stellt sich die Frage nach einem Sinn und Zweck des Erkannten nicht. Eine Erläuterung erfolgt frühestens dann, wenn sich der erste Eindruck der Schönheit relativiert hat, unser Geist die sinnlichen Informationen von unseren Gefühlen übernimmt.

Als Beispiel mag eine Sequenz aus der „Carmina Burana“ von Orff oder die „Morgendämmerung“ von Sibelius hergenommen werden, diese Musik, die frei von Zweckdienlichkeiten uns eine Gänsehaut über den Nacken aufkommen lässt. Die Schönheit manifestiert sich in einer Abfolge von Tönen, im Prinzip willkürlich zusammengestellter Instrumente, die willkürlich aus mehr oder weniger natürlichen Materialien zusammen geschustert wurden, Materialien, die in ihrem Rohzustand, wie auch prinzipiell in ihrem vollendeten Zustand im Bezug zur Musik jeder Schönheit entbehren. Nicht dass ein Cello oder eine Oboe nicht auch schön sein könnte, davon soll hier nicht die Rede sein, doch für die Musik ist es erst einmal Faktum. Geht es aber um den Klang, dann ist es von absoluter Bedeutung, nämlich die Schönheit der Töne hervorzubringen, nur darauf kommt es an. Hier sei nur der Vergleich eines orchestralen Werkes zu einem Stück eines Digery Doo gestattet, welches gleichsam in der Lage sein kann, durch den virtuosen Könner bespielt, beseelte Töne von wunderbarer Schönheit hervorzubringen. Und wie viele Menschen aus unserem westlich geprägten Kulturkreis würden ein ausgehöhltes, geschmücktes Stück Eukalyptusholz als schön bezeichnen?In jedem Falle ist der Zuhörer ergriffen von einer Schönheit der Töne, die vordergründig frei von Sinn und Zweck für seine Existenz zu sein scheint.

Ähnliche Gedanken könnte man spinnen, wenn man einem Gemälde von Caspar David Friedrich oder William Turner gegenüber steht. Vielleicht wäre es ein ähnliches Gefühl der überwältigenden Schönheit, stünde man an den Orten, die den Künstlern als Motiv dienten. So erging es mir zumindest, als ich ähnliche Bilder bei meinem Besuch der Insel Rügen vorfand, ohne näher darauf einzugehen, in wie weit Friedrich die Natur idealisierte. Ist diese Schönheit nicht frei von Sinn und Zweck, so wie der Blick auf die Wasserfälle von Iguaçu oder die fallenden Seen von Plitvice?

Wie aber ist die Schönheit zu betrachten bei einem surrealistischen Gemälde von Dali oder (für mich) noch abstrakter bei einem Gemälde von Kandinski oder Klee? Gehe ich noch weiter ins (für mich) ganz Abstruse, zu einem Fettfleck von Joseph Beuys in der Düsseldorfer Kunstsammlung! Für eine Reinigungskraft war sicher keine Schönheit zu erkennen, sonst hätte sie sich sicher nicht an die Beseitigung des „Kunstwerkes“ gemacht. Finden wir darin -sicher befreit von jeglichem Sinn und Zweck- eine Schönheit wieder, die uns in einer bestimmten Form anspricht, erhebt oder erstaunen lässt? Die Antwort liegt in diesem Falle beim  Betrachter.

Die Frage, ob es stimmt, dass die vom Zweck befreite Schönheit als die eigentliche Schönheit angesehen werden sollte, oder ob ein Sinn eines Wesens oder einer Sache seine Schönheit nur vermindern oder gar noch verstärken kann, diese Frage kann jeder für sich selbst beantworten, wenn er sich die Zeit dazu nehmen mag. Ich bin da noch zwiegespalten, sehe ich doch für mich eindeutig eine wunderbare Schönheit im Körper (wie im Geist) eines Menschen, eine Schönheit, welche in keinster Weise frei von Sinn und Zweck (für mich) ist!

 

Schönheit: Wirkung und Auswirkung, ein Essay ( 137 )

Mies-Vandenbergh-Fotografie

Mies-Vandenbergh-Fotografie

 

 

 

 

Für wen putzt du dich eigentlich so heraus? Für wen schlägt der Pfau sein Rad? Für wen setzt du -über dein ganzes Leben hinweg- all die Ressourcen ein und wendest diese Unmengen von Energie auf, um einem, vielleicht deinem, oder fremdbestimmten Bild der Schönheit möglichst nahe zu kommen? Wie konnte dieser Vorgang in Gang gebracht werden? Um diese Frage geht es in diesem Essay.

Du möchtest gut aussehen! Besser als du es jetzt tust? Du strebst nach einem Bild der Schönheit. Das Bild von dieser Schönheit – oder ist es nur eine Idee derselben – ist in deinem Kopf tief verankert. Seit Jahrhunderten oder länger suchen wir alle danach. Vielleicht nicht ein Leben lang, aber den Großteil doch.

Über die Dauer deines bisherigen Daseins auf diesem Planeten hat sich ein Geist, ein Wesen, eine Instanz gebildet, oder anders ausgedrückt, du selbst hast dich dahin entwickelt, wo du jetzt bist. Vieles hast du zugelassen, manches hast du abgelehnt, oft so gehandelt, wie es für dich am bequemsten war. Einige Kämpfe hast du gefochten, weil es trotz vermeintlicher Bequemlichkeit nicht mit deiner Idee vom „richtigen“ Leben vereinbar war. Manchen Sieg hast du errungen, manche Niederlage erlitten, aber, vielleicht öfter, als dir lieb ist, einfach nur kapituliert. So wurdest du im Laufe deiner Erfahrungen und Erlebnisse zu dem, was du heute bist. Dich zeichnet aus, unter vielen, vielen anderen Gesichtspunkten, was du mit deinem Äußeren heute darstellst. Dein Körper ist das sichtbare Ergebnis deiner Metamorphose.

Bevor ich zu einem späteren Zeitpunkt im geplanten zweiten Teil dieses Artikels auf die Entstehung von der Idee der Schönheit -in Bezug auf das menschliche Aussehen- eingehen werde, möchte ich den Zustand erfassen, in dem wir uns gerade befinden. Mittels konventionalisierter Körpersprache agieren wir schon mit dem bloßen Akt unseres Auftretens. Warum das so ist, folgt hiernach.

Wie erfährst du dich selbst und wie nimmst du deine Mitmenschen wahr? Du hast eine Wertvorstellung entwickelt von dem, was Schönheit ausmacht, nicht wahr? Deine subversiven Überzeugungen, was dein Urteil über dich selbst, wie auch über andere Menschen hervorbringt, lässt dich ständig bewerten. In jedem Moment, wenn du einem Menschen begegnest, wird in Bruchteilen von Sekunden das Urteil gefällt, ob du willst oder nicht! Du kannst nicht anders. Ebenso wenig, wie dein Gegenüber. Sicher, du kannst bei einer Begegnung schweigen, nichts sagen, dich heraus halten, still beobachten aus dem Hintergrund, am liebsten aus sicherer Entfernung, aber dein Körper kann es nicht. Geht nicht, weil du da bist. Du blickst, du wirkst unweigerlich mit Gestik und Mimik, mit Haltung und Motorik, selbst dann, wenn du meinst, du machst gar nichts! Sei dir gewiss!

Und du, du beurteilst, du bewertest, du schätzt ab und ein, ordnest ein und vergleichst. Ob da einer steht, schweigt, redet, lacht, melancholisch drein blickt, ganz egal. Deine Intuitionen und Instinkte laufen zuerst ab, ohne dass dein Bewusstsein davon Wind bekäme. Dein Hirnstamm hat bereits längst alles analysiert. Danach geht es nur mühsam weiter. Nach und nach wird eine Jury aus genau definierten Mitgliedern gehört. Deren Empfehlung folgt deine Erkenntnis deshalb immer, weil sie es gar nicht anders vermag. Normatives Verhalten, entstanden aus einer Aktionsordnung, die unser Verhalten erwartbar machen, prägen unsere Entscheidungen.

Wer aber ist diese Jury? Nun, jeder kennt seine eigene Jury genau. Ausführungen, wie etwa „Ich möchte es so nicht!“, oder „Ich meine, dass es sich so verhält und nicht anders“, oder „Ich empfinde es in dieser oder jener Weise und nicht anders!“ geben einen Hinweis auf deine Jury. Im Einzelnen besteht diese Jury aus folgenden Mitgliedern:

Erfahrung:
Da wäre dieser erste Teil der Jury, deren Gruppe unter dem Begriff „Erfahrung“ bekannt ist. Jede Erfahrung, die du im Laufe deines Lebens machst, wird deinem „Konto“ gutgeschrieben, das kann auf der Haben-Seite stattfinden oder auf der Soll-Seite geschehen. Jede einzelne dieser Erkenntnisse wird ihren ganz speziellen Teil zur Bildung eines Urteils beisteuern. Leider fließen die Erfahrungen jedes Mal ohne die Möglichkeit einer vorherigen Erhebung über ihren Wahrheitsgehalt mit ein. Die Aussage: „Das kenn‘ ich, dass weiß ich, das habe ich schon erlebt, das ist so und kann gar nicht anders sein!“ beschreibt es treffend. Existenzsicherung hat etwas mit zuverlässiger Einordnung unbekannter Materie zu tun. Wie suchen geradezu Anhaltspunkte, aus denen wir -oftmals/meistens allzu schnell- erschließen können. Da wieder heraus zu kommen ist vergleichsweise mühsam, unbequem und mit Aufwand verbunden, dem wir möglichst ausweichen möchten.

Moral:
Eine weitere Gruppe der Jury lässt sich unter dem Pseudonym „Moral“ zusammenfassen. Deren Mitglieder wurden dir ursprünglich mit auf den Weg gegeben. Verschiedene Instanzen prägten deinen Charakter. Du trägst die Moral solange mit dir herum, bis du sie kritisch hinterfragst und auf ihre Kompatibilität zu deiner Lebenseinstellung, zu deinen [sich immer wieder variierenden] Zielen und deinen gesellschaftlichen Verknüpfungen hin überprüfst. Manche Überzeugung entfällt infolgedessen sogleich, einzelne später, etliche bleiben erhalten. Deren Aussage lautet: „Wie sieht das denn aus, das geht ja gar nicht, wie kann der nur, weiß der nicht, dass es so gar nicht sein kann, sein darf, wo soll das hinführen!“

Sitte:
Eine zusätzliche Gruppe besteht aus Mitgliedern der gesellschaftlich-sozialen Komponente der Jury, die ich unter dem Begriff „Sitte“ einordnen möchte. Sie agiert in starker Konkurrenz zur vorgenannten Gruppe. Diese setzt sich zusammen aus den Vorbildern unserer Gesellschaft, aus den vermittelten Werten der Gemeinschaft, der Einwirkung durch aktuelle Umstände, zusammengefasst aus dem daraus entspringenden Handeln. Sie lässt ihr Urteil subtil, mit einem faden Beigeschmack verlesen, nämlich unter dem Joch des Dazugehörigkeitsgefühls. Die wenigsten unter uns sind Trendsetter oder Menschen mit ausgeprägtem Selbstvertrauen, die ihren eigenen Stil leben können. Anpassung, Unauffälligkeit, Mitmachen und immer schön unterdrücken hält ihren Geist und ihre Seele allzu oft gefangen. Ihre Aussage: „Was sollen denn die Nachbarn sagen, was sollen denn die Kolleginnen denken, was soll denn mein Freundeskreis machen, wenn ich das täte? Nein, wie sollte ich das denn erklären, und überhaupt, nein, nein!“

Nun haben wir einen Teil der Jury kennengelernt. Aber, wenn wir ehrlich sind, müssen wir nicht zugeben: „Wir kennen sie alle schon!“ Oder?
Du weißt, ein Zusammenleben erfordert Übereinkünfte. Du bist nicht allein. Es fängt sehr früh an, z.B. bei einem unserer 4 Grundbedürfnisse: Nahrung. Es gibt einen Apfel. Bist Du allein, isst du ihn. Bist du nicht mehr allein, und gibt es noch immer nur einen Apfel: Teilen. Aber wie? Da gibt es viele verschiedene Faktoren: Wer unter euch ist wie groß? Wer arbeitet wie viel? Wer ist wie gesund? Wer hat schon vorher wann und wie viele Äpfel vertilgt? Du merkst es? Und dabei handelt es sich noch um ein recht einfaches Beispiel. Übereinkünfte regeln manches, sie sind notwendig, aber sie bedürfen der ständigen Überwachung auf Sinnhaftigkeit im Sinne derer, die sie maßregeln.

Wenn du jetzt wieder zu deinem Urteil zurückkehrst, welches du (-oder deine Intuition, dein Instinkt, deine Gefühle) über die Schönheit, das Aussehen und die Erscheinung eines Menschen abgibst, so erkennst du, dass es zunächst nur ein zutiefst oberflächliches Ansinnen ist. Trotzdem gilt, die Bedeutung dieses ersten Urteils, dieses ersten Eindrucks ist in allen Fällen gegenwärtig einer extremen Überbewertung ausgeliefert.

Die Erkenntnis, dass es sich bei dem ersten Eindruck nur um ein oberflächliches Bild eines Menschen handelt ist zwar in den meisten Menschen latent vorhanden, aber sie fristet leider bisher nur ein bescheidenes Dasein. Sobald dein Fokus aber stärker darauf gerichtet werden würde, entkämst du vermutlich immer häufiger diesem Diktat. Du könntest lernen -und es beherrschen- hinter die Fassade eines jeden Menschen zu blicken, der es dir Wert ist. Und -in diesem Zusammenhang- vielleicht sollten wir die Wertigkeit der Menschen ebenso überdenken, gehen wir doch allzu oft zu leichtfertig mit dem Wert der Menschen um!

Wie oben schon angedeutet ergänze ich nun, dass der erste Eindruck, welchen wir von einem Menschen gewinnen, gerne von unserem Ego vehement verteidigt wird. Oft sogar noch wider alle neuen Erkenntnisse versuchen wir alles, um eine Person in der von uns zugewiesenen Schublade zu halten. Dazu finden sich etliche grundlegende Studien. Wie gern hören wir von uns doch die Worte: „Siehste, hab‘ ich’s doch gewusst, hatte ich nicht recht!“ Das bedarf kaum einer Bestätigung, was meinst du?

Wie schwer es ist, den Schein der Person, die gerade vor mir steht, genau als das, nämlich einen Schein, ein Bild sein zu lassen, und dem Wesen hinter der Erscheinung meine Aufmerksamkeit zu schenken, weiß ich nur zu gut, habe ich doch selbst noch einigen Bedarf der Aufklärung. Aber ich bemühe mich, versuche wach zu bleiben, mit jedem noch so kleinem Schritt voran zu kommen, und mein vorschnelles Urteil bald zu hinterfragen. Ich hoffe, für DICH ist auch eine Perspektive, und es wird für Dich selbst erkennbar, das wäre wundervoll.

 

 

Jugendwahn Teil 2 (136)

Mies-Vandenbergh-Fotografie  trar jeans hintern

Mies-Vandenbergh-Fotografie

Fragte ich im ersten Teil von Jugendwahn nach der Begründung für das Streben nach jugendlichem Aussehen, so möchte ich hier über den Erfolg oder Misserfolg dieses Strebens schreiben.

Die Jugend oder das jugendliche Aussehen besticht im Laufe eines Menschenlebens nur eine ganz bestimmte Phase über. Dabei richtet sich der Fokus der Gesellschaft, in der wir uns bewegen, anscheinend in besonders hohem Maße auf diese Zeitspanne. Die Präsenz erscheint überbordend. Jegliche Belange der äußeren Erscheinung, die außerhalb davon liegen, laufen Gefahr, ein Nischendasein zu fristen. Zählt der Mensch tatsächlich weniger, wenn er nicht dem Hype der Verjugendlichung fröhnt?

Wir Menschen konsumieren mit großer Vorliebe genau jene Produkte, welche sich diesem Zustand als Maßgabe verpflichten. Gleich, ob wir uns medialer Natur, stofflicher Natur oder zwischenmenschlicher stellen, wir lassen sämtliche Inhalte, die fernab jugendlicher Erscheinung sind, links liegen. Da führte es doch in glatten wirtschaftlichen Selbstmord, entzüge man sich diesem Kult, dieser Strömung.

Somit bestimmen wir selbst mit unserer Nachfrage das Angebot an Jugendlichkeit. Diese Nachfrage wird angeleitet von unserem Wunsch nach Wohlbefinden, Glück, Zufriedenheit, Anerkennung, Liebe, Schönheit u.s.w., die Jugendlichkeit scheint folglich eine der Säulen zu sein, auf der sich die Erfüllung dieser Bestrebungen gründet.

Nun nimmt die Jugend nur diesen sehr begrenzten Teil unseres Lebens ein. Wie ärgerlich, oder? Wie groß dieser ist, oder wie eng wir ihn stecken, liegt im Wesen jedes Einzelnen. Fakt ist in der heutigen Zeit, dass wir mit allen Manipulationen, die wir an unserem Äußeren vornehmen, scheinbar nur das eine Ziel verfolgen, nämlich diese Zeitspanne des „guten“ Aussehens – was sich, wie wir gesehen haben, durch Jugendlichkeit definiert – zu verlängern, auszudehnen! Die Zutaten für Jugendliche aussehen kennen wir bereits:

· glattere Haut
· volleres Haar
· straffere Beine
· festeres Gewebe
· weißere Zähne
· vollere Lippen
· …

Diese Attribute, allesamt Attribute der Jugendlichkeit, verheißen bestimmte Eigenschaften, die wir mehr unbewusst als bewusst mit klar definierten Eigenschaften des Menschen assoziieren. Und nur dann, wenn wir mit diesem Äußeren aufwarten können, zählen wir in der Gesellschaft zu den Menschen, deren Erfolg in all den Angelegenheiten eingetreten ist, von dem wir es vermuten, von dem wir es glauben (möchten).

Das es nicht so ist, weil immer und überall der Mensch nach noch mehr, noch Schönerem, noch Weiterem, noch Besserem giert, ist dem Geist der Mehrheit verborgen und verschleiert. Nicht nur die Hässlichen wollen nicht mehr hässlich sein, sondern schöner, die Schöneren möchten noch etwas schöner sein, und sogar die Schönsten wollen ebenfalls noch schöner sein. (Belegt wurde dies durch etliche Studien!) Dieser Hang zum Superlativ kann auf alle Bereiche des Menschen angewendet werden: Erfolg, Geld, Bekanntheitsgrad, Berühmtheit, Macht, Besitztümer, … .

Wir glauben im Augenblick noch, dass der Erfolg uns recht gibt. IM AUGENBLICK? Dieser Kult läuft schon etwas länger, so etwa 40.000 Jahre, seit die Menschen begannen, sich zu schmücken, wie es auf Wandmalereien dokumentiert wurde. Sei’s drum. Ob sich unsere Gesellschaft in der nächsten Zeit dahingehend verändert, dass wieder das Sein höher erachtet wird, als der Schein, darf leider bezweifelt werden. Die Anzeichen dafür in all der Literatur, die ich bisher gelesen habe, aus all den Studien, über die ich gestolpert bin, all die Beiträge, die im Netz, Zeitschriften und Zeitungen zum Thema veröffentlich wurden, all den Zahlen, die unser Verhalten deutlichst dokumentieren und erfassen, sind zu widersprüchlich und vage, als dass ich mich zu dieser Prognose hinreißen ließe. Jeder einzelne kann jedoch in seinem Umfeld dafür stehen, eine Veränderung anzustoßen.

Weiter geht’s im dritten Teil von Jugendwahn mit den Auswirkungen des Jugendkultes auf unser Verhalten und unser Verständnis von Aussehen, der folgt demnächst hier im Blog…

Warum bist du nur so schön? (135)

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Mies-Vandenbergh-Fotografie

Verfolgt Schönheit stets einen Zweck? Ist Schönheit immer nur zielgerichtet? Dieser Frage widme ich mich in diesem Artikel.

Welches Ziel verfolgt die Schönheit? Wenn wir wissen, was sie bedeutet, wodurch sie definiert wird, können wir ihre Absicht vielleicht entlarven. Mit Hilfe der Schönheit, der Attraktivität macht ein Wesen auf sich aufmerksam. Sieh her, hier bin ich, ich bin in der Masse etwas, das heraussticht. Wir haben schon erfahren, das es im Tierreich um prächtiges Gefieder geht(Ara), um besonders leuchtende Farben(Malawi-Cichlide), besonders wuchtige Zähne(Elefant), auffallend vielendiges Geweih(Hirsch), aufwändiges Zuhause(Nester bestimmter Vögel, Mensch), knackiger Po(Mensch), tolle Haare(Löwenmähne, Mensch), usf.

Welches Ziel könnte ich formulieren, betrachte ich die Zeichen der Attraktivität? Warum schenkst du deinen Haaren eine solch große Aufmerksamkeit, wäscht sie, fönst sie, formst sie mit Hilfe von Festiger, Gel, Spray, oder Heißluft? Vielleicht zelebrierst du es jeden Tag von neuem. Warum?

Warum fächert der Eisvogel seinen Schwanz auf, landet ein Weibchen in der Nähe? Warum zieht das Männchen des Homo Sapiens den Bauch ein und steckt die Brust heraus, wenn sich ein Weibchen der Gattung nähert? Warum heult der Motor des tiefer gelegten 3er BMWs vor dem Straßencafé am Winterfeldtplatz besonders laut auf?

All diese Unternehmungen dienen letztlich nur einem einzigen Zweck: das Wesen möchte auffallen in der Masse seiner Art. Schönheit besticht immer, davon können sich weder die Weibchen der Buntbarsche, die Weibchen der Kraniche noch die Männchen der Menschen befreien. Zumindest solange, wie sie Wesen im paarungsfähigen Alter sind. Bei den Menschen beobachten wir es (leider oft) auch über diese Periode hinaus, bei ihnen kommt noch soetwas wie Status, Ansehen, gesellschaftliche Konventionen hinzu. Das soll aber in diesem Artikel nicht weiter beachtet werden.

Exakt an diesem Punkte verrät sich die Schönheit ein Stück weit! Wenn sich das Augenmerk der Schönheit hauptsächlich auf die Zeit der höchsten Fertilität richtet, so lässt sich daraus eindeutig ein Zusammenhang erschließen. Es muss im weitesten Sinne etwas mit der Partnerwahl zu tun haben, dass sich die Wesen verschönern. Bei der zweigeschlechtlichen Fortpflanzung gilt es einerseits das andere Geschlecht zu beeindrucken und andererseits das gleiche Geschlecht auszustechen.

Hier sind wir wieder an einem neuralgischen Punkte angelangt. Während sich bei den meisten Tieren der Fokus auf die Arterhaltung richtet, kommt beim Menschen etwas Entscheidendes hinzu. Durch unser Dasein in einer sozialen Gemeinschaft, verbunden mit dem Wunsch nach Eigentum gilt unser Streben nicht nur der Arterhaltung, sondern in individuellem Maße dem Wunsch nach Bedeutung in dieser Gemeinschaft, sowie dem Anhäufen von Besitztümern jedweder Art. Zur Erreichung dieser Ziele wird durch die zur Zeit in höchsten Maße beeinflussende Wirkung von Schönheit dieser mit jedem erdenklichen Mittel versucht zu entsprechen. Mehr noch, die Schönheit ist scheinbar auf dem besten Wege zum Selbstzweck zu werden.

Damit sind, neben der rudimentären Bedeutung bei der Fortpflanzung, weitere Ziele in den Fokus gerückt, welche ich wie folgt formulieren möchte: Die Schönheit dient erstens dazu, unseren Status in Sachen gesellschaftlicher Bedeutung zu erhalten, besser noch zu erhöhen und zweitens als Mittel zur Erreichung monetärer Ziele. Beides funktioniert ausgezeichnet! Jede Forschung, ganz gleich, ob sie sich statistischer Erhebungen zur Auswertung bedient hat oder ob sie eigene Fallstudien durchgeführt hat, kommt zum gleichen Ergebnis: Schönheit besticht immer und überall.

FAZIT: Wenn wir die Intention unserer Handlung vor Augen haben, wenn wir sehen, mit welchen Mitteln wir Menschen bestimmte Ziele erreichen möchten und wir die Bedeutung dieser Ziele hinterfragen, lernen wir vielleicht, diesen Sinn und Zweck unserer Handlungen zu hinterfragen. Ich meine, es gibt noch vieles, was ich hinterfragen möchte!

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