Sinnlichkeit (186)

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Sinnlichkeit. Nicht (nur) ein schwebender Zustand, viel mehr ein Gefühl, das uns, durch Reize erzeugt, in gänzliche Aufruhr geleitet. Unsere Leidenschaft wird durch sie entfacht. Die auslösenden Reize, dir wir mit menscheneigenen Sinnen tief erfassen, schalten manches Mal unseren Intellekt einfach ab. Meine ich.

Menschen und deren Verhalten werden immer wieder als sinnlich wahrgenommen. Ihr Aussehen, ihre Wirkung strahlt es aus. Manchmal sind es unspektakulär kleine Aspekte, die uns zu dieser Erfahrung bringen. Gefühle eines Menschen können sinnlich daher kommen. Ausgelöst wird dieses Empfinden durch bestimmte Schlüsselreize. Diese erreichen uns stets von außen (optische, haptische, akustische, olfaktorische).

Sinnlichkeit, in ihrer Wirkung , von „Innen“ heraus, ist bisher in diesem Zusammenhang jedoch eine weitgehend unerforschte Richtung. Weitergehende Verknüpfungen zwischen innen und außen konnten gleichfalls nicht abschließend erforscht werden, denn vordergründig beschäftigten sich die Forscher auf die Ausschüttung von Hormonen in Form der Reizreaktionen. Innere Reize oder Reizreaktionen werden erst in neuester Zeit gründlicher erforscht, wie z.B. die Wirkung von Gehirnströmen, die sowohl zielgerichtet (Gedankenströme) als auch diffus auftreten können. Bislang hatten wir einfach nicht die Möglichkeit, dies näher zu erforschen, da unsere Messmethoden noch unzureichend funktionierten.

Zwei Beispiele aus dem Leben sollen Dir eine Vorstellung vermitteln: Stelle Dir folgende Situation vor: ein Mensch betritt einen Raum, in dem Du Dich aufhältst. Das kannst Du aber nicht sehen, weil es in Deinem Rücken geschieht. Du bemerkst es aber. Warum?
Stelle Dir eine Menschenmenge vor. Du hältst Dich dort auf, und darin erblickst Du einen anderen Menschen, unwillkürlich, bemerkst, wie dieser Dich gleichzeitig anblickt. Wie nur konntest Du es bemerken? Zufall? Mitnichten.

Das klingt tatsächlich etwas esoterisch? Wäre aber nicht schlimm, denn nur weil etwas bisher physikalisch noch nicht nachweisbar, respektive messbar war, und zeitgleich kein Gegenbeweis erbracht werden konnte, heißt es nicht, dass es das nicht gäbe. Das erfuhren wir bereits häufiger. Und nun konnten neue Erkenntnisse gewonnen werden: erstmals wurden Wellen, Energieströme, erzeugt durch Konzentration im Gedächtnis messtechnisch nachgewiesen. Sind Gedanken (oder sogar Gefühle, was dann noch eine andere Stufe bedeuten könnte) energetisch relevant? Haben wir Menschen sogar Rezeptoren dafür? Es scheint sich abzuzeichnen. Das wird (nicht nur) für mich sehr spannend werden.

Zurück zur Sinnlichkeit. Sie wird von uns als positives Gefühl erlebt. Wir können uns, beeinflusst durch unsere beständige Aufmerksamkeit, diesem Moment kaum entziehen. Sinnlichkeit ist zunächst etwas Körperbezogenes, wird getrennt vom Geistigen unterschieden. Sie wird durch unsere Sinne empfangen. Jedoch im Moment der Empfängnis, im Moment, in dem wie sie zulassen, wirkt sie psychisch viel weitergehend.

Fast magnetisch reagieren unsere inneren Rezeptoren, Hormone werden unvermittelt ausgeschüttet. Doch nicht nur durch die vordergründigen Reize reagieren wir so, wie Forscher jetzt herausfanden. Es scheint mehr zu geben, als unsere Sinne, um diese körperliche Reaktion zu erfahren. Höchstwahrscheinlich gibt es zielgerichtete (Aus-) Strahlung in Form einer gerade erst nachgewiesenen Energie, die zwischenmenschliche Interaktion auslöst. Ist Instinkt am Ende messbar?

Unsere Bedürfnisse nach Erfüllung körperlicher Triebe reagieren auf die Sinneswahrnehmung mit durchweg positivem Gefühl, wir fühlen uns gut. (Die Hormonausschüttung ist einer der wissenschaftlich nachgewiesenen Ursachen für unser Wohlbefinden) Durch die nun entdeckten Energien mit der Möglichkeit von feinfühliger zwischenmenschlicher Kommunikation bekommt die Sinnlichkeit noch mal einen ganz anderen Anstrich. So „spüren“ wir uns gegenseitig doch viel deutlicher, als uns immer bestätigt wurde, wir aber doch schon immer ahnten.

Da der Mensch nach diesen Gefühlen trachtet, ist er -bewusst oder unbewusst- immer auch auf der Suche danach. (Nicht nur) Fotografien fungieren dazu als geistige Krücke, die, wenn sie die Sinnlichkeit erfasst haben, diese auf künstlerische Weise transportierten können. Das sind -nach meiner persönlichen Einschätzung- jedoch nur wenige Fotografien, denn ein lasziver Blick eines mehr oder weniger bekleideten Menschen genügt dem noch nicht. Abgesehen von dieser kleinen Diskussion um das Foto: Live bleibt dabei natürlich unberührt und erhaben!

„Der Sinnlichkeit im letzteren Sinn entgegengesetzt ist die reine Intellektualität sowie die Spiritualität (Vergeistigung).“ (Wikipedia)

Anmut ( 181 )

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Schönheit und Anmut: Zwei völlig verschiedene Dinge. Und dennoch: in unserer Vorstellung sind sie an sich ganz ähnliche, vielleicht sich ergänzende Attribute.

Ähnlich, weil beide eine Wirkung eines Menschen auf andere Menschen beschreiben, und doch: grundlegend unterschiedlich sind ihnen die Werte in ihrer Bedeutung. Die Schönheit ihrerseits zielt auf das Aussehen. Schön sein bedeutet, dass dem Menschen eine Eigenschaft zugesprochen wird, die relativ objektiv ersichtlich erscheint. Schönheit ist ein Fakt, sie gilt je nach gesellschaftlicher Prämisse als messbar, als bestimmbar.

Die Anmut hingehen erklärt sich weitgehend anders. Anmut bedeutet eine weit über die schiere Schönheit hinaus gehende Eigenschaft (nicht nur) des Menschen. Sie wird wesentlich differenzierter erkannt. Während das Schöne als anzeigende Eigenschaft einem bestimmten Menschen durch gerade eng definierte optische Eigenschaften zugesprochen wird, so ist Anmut etwas, das zwar auch dem Aussehen zuerkannt wird, insbesondere aber zudem sich manifestiert in Bewegungen, in Gestik, Mimik und den Ausdruck in ihrer Ganzheit zugrunde legt.

Entscheidend ist dabei, dass der Ausdruck in der Anmutigkeit gerade bestimmte Schönheitsfehler mit einbezieht, was der Schönheit hingegen missgönnt ist. Wo die Perfektion der Schönheit ein Manko aufweist, da beginnt meist der Anmut in seiner Ungezwungenheit. Der Anmut unterliegt damit weder irgendwelchen modischen Strömungen noch gelten für sein Erscheinen bestimmte Voraussetzungen, er ist ein Kind der Freiheit. (Empedokles: „Anmut haßt den Zwang“)

Die Schönheit bezeichne ich als gerade mal einen möglichen Teil des Anmutes. Deshalb bedeutet Schönheit, die einen Menschen ziert, oftmals nur diesen blanken Schein, der an sich zwar absolut wirkt, doch in der Beschreibung des Menschen nur oberflächlich bleibt. Schönheit in ihrer selbst führt allzu leicht zum Narzissmus, während die Anmut viel mehr vom in sich stimmigen Wesen des Menschen aufgreift. Sie lässt zudem eine viel tiefere Bestimmung des Wesens zu. Schönheit bringt den Menschen oft zu einer Darstellung ihrer selbst, deren Ausdruck in einem durch und durch künstlichem Verhalten endet, das nur noch der Schönheit selbst geschuldet erscheint. Das Verhalten hat alle spielerische Leichtigkeit, an der der Anmut zu erahnen wäre, verloren.

Vor Jahren las ich ein Buch, in dem sinngemäß die folgenden Worte geschrieben standen: ‚Wie schön du warst, allein vergaß ich dein Gesicht.‘ Dieser Satz stellte für mich damals schon eine sehr eindringliche Ermahnung dar. Ermahnung, weil dabei Dinge jenseits des optischen Äußeren beginnen zu zählen, ja geradezu bestimmend sind Es kommen wesentliche zwischenmenschliche Eigenschaften zum Tragen, die das schiere Aussehen im Sinne der allgemein gültigen Normen sichtlich überlagern. Anmut beschreibt zusätzlich ein Zusammenspiel von sinnlichem Aussehen und geistiger Haltung eines Menschen. Goethe definiert Anmut als den Gleichschritt von Geist und Körper.

In Schillers „Über Anmut und Würde“ (1793) wird Anmut definiert als willkürliche Bewegung einer „schönen Seele“, die „sympathetisch“ zu einer expressiven Gesinnung steht. Anmut ist „Schönheit, die nicht von der Natur gegeben, sondern von dem Subjecte selbst hervorgebracht wird“ und dennoch wie ein Naturschönes wirkt; sie ist sozusagen bewusste Bewusstlosigkeit. Friedrich Schiller sieht die Anmut in der „Freiheit der willkürlichen Bewegungen“.

So bleibt dem Aussehen des Menschen, nicht nur dem des Menschen, aber hier geht es ja in erster Linie um uns Menschen, neben der allseits beliebten Diskussion über Schönheitsideale in Wirklichkeit noch viel mehr, nämlich der Anmut, der so viel mehr von der Seele des Menschen innehat und intuitiv viel häufiger von unserem Empfinden erspürt wird, als wir denken.

Kleidung als Wertsteigerung der persönlichen Erscheinung (179 )

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Kleidung als Wertsteigerung der persönlichen Erscheinung wird als Wertmassstab in der globalen Gesellschaft verstanden.

Wir Menschen laufen schon etwas länger nicht mehr nackt durch die Gegend. Es begann zu Zeiten, in denen sich der Mensch an mehreren Standorten gleichzeitig überlegte, seinen Gang aufzurichten. Das war vor ungefähr 40.000 – 75.000 Jahren. Damals, vergeblich die Suche nach dem nächstgelegenen Jeans-Store, begnügte man sich mit dem, was man vorfand: Felle und Pflanzenfasern. Warum? Ursprünglich als Schutz vor Witterungseinflüssen und zum Schutz vor Verletzungen durch beispielsweise Sträuchern mit Dornen und Stacheln. Und, man wird’s kaum erwarten, zur Erkennung von Stamm und Stand! Häuptling oder Briefbote, die Kleidung der Neandertaler zeigt es. 😉

Anthropologen gehen davon aus, dass der Zeitraum der Einführung von Kleidung weniger genau eingegrenzt werden kann. Funde datiert man auf eine Zeit von 25.000 v. Chr., doch es könnte schon vor 350.000 Jahren Kleidung gegeben haben. Was aber erforscht werden konnte ist die Tatsache, dass schon in frühester Zeit die Kleidung mehr bedeutete, als nur Funktion. Warum sonst, so die Forscher, begnügte man sich nicht mit natürlichen Farben? Es wurde nämlich schon vor 20.000 Jahren gefärbt.

Sollte es also schöner werden?! Erst mal nicht. Die Bedeutung war die Erkennbarkeit der Stammeszugehörigkeit. Fortuna Düsseldorf gegen Schalke 04. Rot gegen Blau. Neandertaler gegen Cro Magnon. Bärenpelz gegen jene mit dem Wolfsfell, später dann die mit dem Henna-gefärbtem Flachs gegen die mit dem Indigo-gefärbten. Und die Sieger wurden geachtet. „Boah Ey, kumma der mit dem blauen Baströckchen, das is einer von den Starken!“ Kennt man, nicht war? Der mit dem Armani(R)-Anzug muss einer von den Erfolgreichen sein, der hat sicher schon viele Euro erlegt.

So begann es, dass Kleidung mehr als nur Schutzfunktion hatte. Körperschmuck wird seit Jahrtausenden getragen, hat seitdem eine immer gleich bleibende Bedeutung beibehalten: er soll den Träger abheben, vom Allgemeinbild, vom Standard, vom Durchschnitt, vom Normalen. Er zeichnet sich aus, im wahrsten Sinne des Wortes.

Sinngemäß zum Schmuck schreibt Georg Simmel: “ Denn dieser Sinn ist, die Persönlichkeit hervorzuheben, sie als eine irgendwie ausgezeichnete zu betonen, aber nicht durch eine unmittelbare Machtäußerung durch etwas, was den Andern von außen her zwingt, sondern nur durch das Gefallen, das in ihm erregt wird und darum doch irgendein Element von Freiwilligkeit enthält.“ (Danke nataliebella! 🙂 )

So rücke ich die Kleidung bestimmter Art sehr freizügig in die Nähe des Schmucks. Durch die Kleidung senden wir vielfache Botschaften aus. Abgewandt von Mao Tse Tung mit der Vorgabe seiner grauen Kittel für das gesamte Volk definieren wir uns heutzutage ein Stück weit durch die Art der Kleidung. Apropos Uniform: Wenn auch die Jeans oberflächlich als uniform angesehen werden könnte, ( was trägt er/sie, Jeans, ach so!) so ist die Form, Marke, Stoff und Style unter Insidern sehr genau diffenziert. Jeans ist noch lange nicht gleich Jeans!

Wieder kommt es zur Devise: Zeige mir deine Kleidung, und ich sage dir, wer du bist! Über die Botschaften, die ich durch das Tragen der Kleidung aussende, habe ich zuvor hier geschrieben. Expressive Darstellungen von Kleidung führt aber nicht zwingend zur Ausschmückung des Trägers, denn beim Akt der Identifikation mit einer Modegruppe uniformieren sich die Träger erneut und heben sich so nur außerhalb dieser Gruppe ab. Tendenziell findet hier oftmals eine Ausgrenzung derer statt, die, aus welchen Gründen auch immer, sich nicht dieser Mode unterwerfen (können).

Der Anteil der Schmückung an der Art der Kleidung ist damit ein weiterer Schwerpunkt, der den Wert unseres Aussehens maßgeblich beeinflusst. Ein famoses, weil anschauliches Beispiel dafür sind ausgerechnet die Paparazzi, denen es manchmal gelingt, ein Star zu fotografieren, der sonst nur „zurechtgemacht“ abgebildet wird. Meist ist es zwar auch den Paparazzi erlaubt, nur solche Aufnahmen zu veröffentlichen, die vom Motiv oder dessen Agentur freigegeben wurden, dennoch finden sich immer wieder Beiträge, die dem nicht nachkommen. So zum Beispiel auf dieser Website, auf der z.B. Jessica Biel, Beyoncé, Madonna oder Angelina Jolie geschminkt und ungeschminkt gezeigt werden. Diese Gegenüberstellung bezieht sich zwar auf die Farben im Gesicht der Menschen, es ist in ähnlicher Form durchaus auch auf die Kleidung zu übertragen, meine ich.

Wieder ist es das visuelle Wesen Mensch, dass sich allzu gerne und allzu oft blenden lässt. Und wenn hier in WordPress eine Autorin nach dem Verbleib der warmherzigen (Worte) zwischen den Menschen fragt, so konstatierten andere traurig: In der anonymen Oberflächlichkeit von Internet und Smartphone! Dazu rege ich an, dies zu bedenken.

Du bist schön, weil ich Dich kenne! (177)

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Menschen, die uns an jemanden erinnern, den wir kennen, bzw. dessen Aussehen uns bekannt vorkommt, diese Menschen haben in der Wahrnehmung einen „Heimvorteil“. Warum ist das so?

Studien, die in England durchgeführt wurden, ergaben, dass Sympathiegrade sich stark an bekannten Gesichtern orientieren. Probanden wurden auf dem Bildschirm eine Reihe von Gesichtern gezeigt, die sie auf einer Skala benoten sollten. Es sollte, so wurde ihnen vorher mitgeteilt, eine Erhebung über die Attraktivität natürlich geschminkter Gesichter im Verhältnis zu überzogen geschminkter Gesichter durchgeführt werden.

Wovon die Probanden jedoch nichts wussten, war folgende Konstellation. Ihnen wurden gezielt ausgewählte Gesichter gezeigt, die so ausgesucht wurden, dass ein Teil der Gesichter bestimmten Personen aus ihrem persönlichen Umfeld ähnelten, zusätzlich einige Gesichter von mehr oder weniger bekannten Models und Stars, sowie willkürlich ausgewählte Gesichter. Einer Kontrollgruppe wurden die gleichen Gesichter gezeigt. Hauptsächliche Beachtung fanden bei der späteren Auswertung jedoch nur die Gesichter, die den Vertrauten-Bonus bei den Probanden der ersten Gruppe besaßen und die dazu erfolgte Bewertung der Kontrollgruppe.

Das Ergebnis war eindeutig: die erste Gruppe bewertete Gesichter, welche unwissentlich Personen aus ihrem eigenem Umfeld glichen, durchweg höher in der Attraktivität, als die Kontrollgruppe dies tat.

So scheint der Mensch, als Gewohnheitstier, dem Vertrauten ehr zugeneigt zu sein. Eine Vermutung könnte man daraus schließen: dass auf diesem Wege Menschen, die vielleicht in den Augen der Masse keinen der vorderen Plätze bei einem Schönheitswettbewerb erreichen würden, so diesen ungeahnten Vorteil für sich verbuchen können.

Und tatsächlich gibt es Studien, nach denen eine nicht unerhebliche Zahl von Ehemännern dem Äußeren der Väter der Ehefrauen in auffälliger Weise ähneln. Umgekehrt, also bei den Ehegatten konnte dies jedoch nicht festgestellt werden, hier sind Erkenntnisse herausgearbeitet worden, die das Gegenteil untermauern: Die Ehefrauen sehen den Müttern der Ehemänner auffallend wenig ähnlich. Eine Erklärung dazu wäre noch interessant heraus zu finden.

Zuletzt möchte ich noch einen Bogen schlagen zur Globalisierung der Sehgewohnheiten durch die Medien. Die zunehmende Präsenz aller menschlichen Rassen in den verschiedenen Medien, besonders aber des immer stärker genutzten Internets, wird dazu führen, dass wir unseren Horizont deutlich erweitern. Eine persönliche Verbundenheit Bekanntem gegenüber wird einen immer größeren Kreis bilden, was ich in diesem Zusammenhang sogar für durchweg positiv halte. Die Wahrnehmung und Gewöhnung an die tatsächliche Existenz der unterschiedlichsten Menschen auf unserer Erde wird diese latente Zurückhaltung andersartigen Menschen gegenüber zunehmend verblassen lassen. Ist zu hoffen.

So gefällt uns der lächelnde Südamerikaner genauso gut, wie der lächelnde Schwede, die traurig schauende Japanerin so wie die betrübt blickende Stuttgarterin. 🙂

Mode als persönliche Selbstdarstellung (176)

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Kleidung gilt als ein Teil der persönlichen Selbstdarstellung. Denn jeder Mensch entscheidet zu jeder Zeit über die Art seiner Kleidung. Dabei spielt es tatsächlich nur eine untergeordnete Rolle, welche willkürlichen Konventionen eine Kleiderordnung vorschreibt. Denn auch innerhalb dieser Vorschriften existieren wiederum Wahlmöglichkeiten, deren Ausdruck sich in der gewählten Kleidung widerspiegeln.

„Zeige mir deine Kleidung, und ich sage dir, wer du bist!“ So funktioniert unsere Gemeinschaft. Definitiv! Nahezu jeder ist sich dessen bewusst. Jedoch, lange nicht jeder hält sich daran, nimmt in Kauf, vorerst der Kleidung nach behandelt zu werden, um erst in zweiter Linie differenzierter erkannt zu werden.

Die Sprache der Kleidung ist eine nicht immer leicht verständliche. Irrtümer und Entgleisungen zeugen für das unterschiedliche Verständnis von Konventionen und Riten, von Gebräuchen und Regeln. Auch als Mittel der Rebellion gebräuchlich, unterwirft sich die Kleidung einem besonderen Verständnis. Diese Sprache zu lernen ist eine Aufgabe, die eine lange Zeitspanne des Lebens einnimmt, was nicht zuletzt daran liegt, dass sich diese Sprache nicht nur im Laufe der persönlichen Entwicklung ändert, sondern auch im Zuge der gesellschaftlichen Trends und Moden.

Klassiker der Kleidung bleiben nahezu unberührt, wenige modische Erscheinungen erreichen je den Status eines Klassikers, aber letztendlich greifen die wenigsten Menschen auf Klassiker im Alltag zurück. Nicht umsonst gilt die Modeindustrie als eine der stärksten Wirtschaftskräfte der westlich orientierten Gesellschaft. Was nicht bedeutet, dass eine Jeans und T-Shirt nicht schon den Status eines Klassikers erreicht hätte. Diese Kombination wird tagtäglich von einem Großteil der Menschen bevorzugt. Einfach praktisch und bezahlbar bis elitär kann diese Kombination unterschiedlichste Ansprüche bedienen.

Mitläufer und Trendsetter der Mode drücken sich modisch aus. Sogenannte Randgruppen wie Punks oder Teds, Gothics oder Emos, die – meist gegen ein Etablissement, oder für ihre Peergroup- ihre Ansichten signalisieren oder auch die in der Gesellschaft als integriert geltenden Schönen und Chicen, Gents und Beaus, die der optischen Gewichtung wegen ihre Mode als Ausdruck, insbesondere aber als Geltungsbeweis pflegen, üben einen gewissen Einfluss auf modische Strömungen aus.

Der Mainstream der bekleideten Menschen, der hauptsächlich innerhalb der Woche während der Feierabendzeiten zu beobachten ist, könnte als unauffällig simple zu bezeichnen sein. Im Grunde genommen liegen die Anforderungen der Kleiderordnung in engen Grenzen. Innerhalb derer gibt es zwar Variationen, doch der Tenor ist bestimmend deutlich zu erkennen.

Bunter im wahrsten Sinne des Wortes mutet das Bild an Wochenenden an. Bedeutend weniger Konventionen lassen mehr Spielraum zur Darstellung der Persönlichkeit. Wir haben den Freiraum, uns eine Kleidung zu wählen, die zu uns passt, die aussagt, wie wir uns fühlen, was wir denken, wir zeigen, wer wir gerne sein möchten und vor allen, zu welcher Gruppe von Menschen wir gehören wollen.

Wenige Ausnahmeerscheinungen, manchmal Trendsetter, durchbrechen diese Aussage, spiegeln Individualität wieder, zeigen die Einstellung in exhibistionistischer Weise: Seht her, ich bin anders, ich bin eigen. Doch mehrheitlich sollte man sich nicht täuschen lassen über eine weitaus größere Gruppe, nämlich derer, denen die Aussage der Kleidung einerlei ist: Ich bin einzigartig im Sinne und im Menschen, habe aber keine Ambitionen, dies über meine Kleidung nach außen zu tragen. Dessen sollte man sich immer wieder bewusst sein, bei jedem einzelnen, auch denen, die sich äußerlich und zu bestimmten Anlässen an enge Konventionen zu halten scheinen.

(Noch eine kleine Anekdote aus 1993: Im einem Yachthafen an der Ostsee -vielleicht Travemünde oder Laboe- angekommen, unbekannt und unwissend über die Gegebenheiten der Ortschaft suchten wir Rat. Wir sprachen verschiedene Leute auf dem Steg an. Gut gekleidete und solche mit offensichtlich stark abgetragener Kleidung. Bei diesen kurzen Gesprächen und unter der Prämisse: „Wie du in den Wald hinein rufst, so schallt es auch hinaus!“ machten wir eine Beobachtung: der mit der auffällig seemännischen Kleidung, der anschließend zu seiner 11 Meter Motoryacht stiefete, uns zuvor aber etwas überheblich und kurz angebunden entgegentrat, und der mit der weniger nautisch korrekten Kleidung, mit dem durchschnittlichen Jeans und Sweatshirt-Outfit, der uns freundschaftlich-offen weit über unsere Fragen hinaus Auskunft gab, und uns anschließend sogar noch zu einer Dose Bier auf seine klassische 15 Meter Segelyacht einlud. Wir nahmen natürlich freudig an. 🙂 Fast hätte uns die Kleidung getäuscht 😉 )

Aussehen und Selbstwertgefühl (170)

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Körpergefühl, Selbstverständnis und Selbstbewusstsein. Zusammenhänge und Differenzen

Eine Betrachtung:
Zusammenhänge von Aussehen und Selbstwertgefühl beim Menschen, untersucht in unterschiedlichen Studien, ergeben für mich ein diffuses Bild. Wie groß ist der Einfluss des äußeren Erscheinungsbildes auf das eigene Selbstbewusstsein? Wieviel davon ist mir tatsächlich bewusst. Wieviel wirkt in meinem Unterbewusstsein? Was leitet mich unterschwellig an? Unterschiedliche Herangehensweisen an die Lösung dieser Frage verleiten zu unterschiedlichen Standpunkten. Widersprüche existieren nebeneinander.

Suggestionen der Gesellschaft führen zu einer verstärkten Definition des Selbstwertgefühls über die Äußerlichkeiten. Das wurde vielfach dargelegt. Es beginnt früh im jugendlichen Alter. Wie oft hört ein Jugendlicher Sätze, wie zum Beispiel: „Wie siehst duuu denn aus?“, wenn er oder sie anders aussieht, als der Durchschnitt der Gleichaltrigen. So kleiden sich junge Menschen meist derart, dass sie möglichst einem akzeptierten Allgemeinbild nahekommen. Dabei bleibt die Form des Körpers keinesfalls außenvor. Schon zu unserer Jugendzeit (1970/19 80er Jahre) wurden unförmig gewachsene Kinder und Jugendliche ausgiebig gehänselt, was sich bis heute kaum verändert hat, wie ich in meiner Jugendarbeit immer wieder feststellen musste. Dadurch wird gerade bei jungen Menschen eine wesentliche, künstliche Hürde aufgebaut, die äußerst schwer und langwierig, wenn überhaupt, erst wieder abgebaut werden kann. Dabei liegt es nicht mal im Interesse der Hänselnden, einen derartigen Schaden im Gegenüber anzurichten. Es ist weder geplant noch beabsichtigt, doch es liegt scheinbar im Menschen veranlagt, Andersartige auf welche Art auch immer, auszugrenzen oder anzuprangern.

Im weiteren Verlauf des Lebens gilt es dann, das unter Umständen wiederkehrende Szenario dahingehend einzuordnen, die Äußerlichkeiten in ein „richtiges“ Verhältnis zum eigentlichen, inneren Wesen zu bringen. Zu lernen, dass nicht das Aussehen jenes ist, worüber sich ein Mensch definiert. Dieses Ansinnen ist vermeintlich heutzutage bei all der Oberflächlichkeit scheinbar sehr schwer. Immer wieder wird es läppische Pfaun und einfältige Mädchen geben, die ihr Aussehen als ihr wertvollstes Gut erachten, denen das auch oft genug noch eingeredet oder bestätigt wird, doch sie werden früher oder später erfahren, was wichtiger ist für ein emotional erfülltes Dasein, meistens.

Wie aber bringt man dieses Missverhältnis der Überbewertung von Aussehen wieder ins Lot? Wie stark ausgeprägt ist die Überzeugung des Einzelnen, mit einem wohlgefälligen Aussehen steige linear sein Wert in der Gesellschaft, aber auch insbesondere bei sich selbst. Führt die Angleichung seines Äußeren an vorhandene Normen folgerichtig zu einem gesteigerten Selbstwertgefühl? In der momentan als oberflächlich und dem schönen Schein verfallenen Gesellschaft hat es den Anschein, wird doch regelmäßig den Formen und Ausprägungen der vermeintlichen Schönheit gehuldigt. ( … dem auch ich zum Teil durchaus erlegen bin, denn wie gern sehe ich wohlgeformte Menschen an – aber auch, wie gehe ich damit um und da spätestens kommt das Menschliche weit vor dem Äußeren!)

Ob aber der Erfolg durch den Einsatz des Aussehens in der Gesellschaft nachhaltig ist, ist durchaus zu bezweifeln, meine ich. Menschen, die sich eines Makels entledigt haben, berichten regelmäßig über den Erfolg in ihrem gesamten Umfeld. Doch würden sie auch von einem Misserfolg berichten? Würden sie davon berichten, dass nach einer Zeit der verstärkten Beachtung der Veränderung danach der Umgang auf ein ähnliches Niveau zurückgeht, wie es vor der Manipulation erfahren wurde. Schließlich wirkt der Mensch zusätzlich zu seinen optischen Werten durch Gestik, Mimik und noch viel mehr durch seine Taten oder deren Unterlassung.

Einen halben Schritt zurück: gibt die Überlegung, ob eine Tat oder Gestik oder Mimik erst durch eine Veränderung des Äußeren möglich gemacht wurde? Hatte diese erst ein gesteigertes Selbstbewusstsein zur Folge? Bin ich erst durch die Manipulation an meiner Erscheinung in einem so hinreichenden Maße innerlich gestärkt, um souverän und selbstbewusst interagieren zu können? Auch diese Frage wird fast durchgängig bejaht.

Ein Beispiel aus meiner Jugend: Der Gockel Bernhard mit der Chevignon-Jacke stolziert so überzeugt von der exklusiven Jacke über den Schulhof, dass er die neugierigen Blicke der Mitschüler auf sich zieht und so eine Bestätigung erfährt, die sein Selbstbewusstsein bis zur Einbildung hin steigen lässt. Ohne die Jacke kam er verdammt unscheinbar daher. Was änderte das an seinem Charakter? NICHTS. Oder er glaubte, er war nun ein toller Hecht, so, wie die Mitschüler auf seine Jacke reagierten, was er auf seine Person projezierte, wurde selbstsicherer und damit auch freier, eloquenter, was ihm offensichtlich gut tat. Erfolg auf ganzer Linie? Ja, könnte man meinen, doch war Bernhard vorher weniger wert? Nein, doch die Jacke öffnete ihm damals die entscheidende Türe. Er wurde wahrgenommen, er hatte die Chance, Worte zu sagen und dabei gehört zu werden. Hätte man ihm vorher zugehört, wäre er kein anderer gewesen, ohne den schönen Schein einer modischen Manipulation seines Äußeren. Gilt das jetzt als Beweis für die Notwendigkeit der Manipulation? Ganz im Gegenteil, möchte ich anführen, denn zu überdenken ist die eigene Einstellung, Menschen wahrzunehmen, jenseits des bloßen Äußeren, nämlich der eigentlichen charakterlichen Werte halber. Wie schwer das ist, erleben wir täglich… und so war es tatsächlich früher. Weiß jemand etwas Ähnliches aus heutiger Zeit zu berichten?

Dadurch wird deutlich, wie eingreifend unser Selbstbewusstsein unterlaufen ist, wie groß der Einfluss der gesellschaftlichen Trends und Moden auf unser innerstes Selbstwertgefühl ist. Momentan scheint der oberflächliche Erfolg dieser Strömung recht zu geben, stark steigende
Umsätze in der Industrie der Verschönerung des Menschen in all seinen Ausprägungen belegen dies.

Schönheit – Eine Frage des Wertes? Teil I (169)

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Bemisst sich Schönheit in einem absoluten Wert?  Stellt eine Art Gegenwert das Maß der Schönheit in Relation? Wieviel wert ist meine Schönheit auf dem Markt?

Eine weitere spannende Herangehensweise an die Erkundung der Bedeutung von Schönheit in unserer Gesellschaft, finde ich, ist die Frage nach deren Wert. Und zwar deshalb, weil ich, wenn ich diesen Wert bestimmt habe, einen Schritt weiter gehen kann, als über schön oder unschön nachzudenken, und folgerichtig in den Bereich von Ursache und Wirkung gelange. Warum? Weil jenseits von irgendwelchen Maßen und Vorgaben, jenseits von aufgelegten Trends und Moden, jenseits von medialen Idealvorstellungen die Tatsache der Schönheit an sich als Nenner fungiert, und ein Wert derselben in unserer Gesellschaft den Zähler darstellen könnte.

Wie ich das meine? Nun, betrachte ich die Schönheit als absolut, noch nicht philosophisch, eher mathematisch, so bin ich jenseits von jedweder Ausprägung der Schönheit. Ein Mensch, eine Sache, eine Landschaft, irgendetwas kann als schön empfunden oder definiert werden! Dazu bedarf es eines Subjekts. Das sind wir Menschen. Temporär und geografisch gibt es bei dieser Definition keine Abweichung: hier die möglichen Zähler:

1. Temporär
Die ebenmäßige Ägypterin ist schön, die Rubensfrau ist schön, Twiggy ist schön, Gina Lollobrigida ist schön, Kate Moss ist schön, Brad Pitt ist schön, und für jeden Menschen ist gerade ein ganz bestimmter Mensch schön.

2. Geografisch
Die Frau mit Giraffenhals ist schön, der Mann mit Tellerlippen ist schön, Yu Wenxia ist schön, Cara Delevingne ist schön, Beyoncé Knowles ist schön, Ben Dahlhaus ist schön.

Schön = Der Nenner. Absolut gesehen gibt es keinen Unterschied. Tatsächlich! Schön ist schön. In allen erdenklichen Ausprägungen. Basta!

Nach Festlegung dieser Prämisse kann ich mich ganz entspannt dem Zähler widmen. Was ist Schönheit wert? Kulturübergreifend bringt die Schönheit eine Reihe von Wirkungen mit sich. Sie hat maßgeblichen Einfluss auf die Empfänger, die Subjekte, welche mit unterschiedlichsten Rezeptoren versehen, sich ihr nicht entziehen können, ganz im Gegenteil, die sie aus inneren Antrieben heraus sogar geradezu suchen.

Der Wert der Schönheit ist unermesslich. Weiter in Teil 2.

Vorbild-lich (168)

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Vorbildlich! Keine Frage, Menschen haben zumeist Vorbilder, die zwar nicht ständig im Bewusstsein aktiv sind, doch regelmäßig auftauchen. Sie erinnern uns daran, wie wir gerne sein würden. Einerlei, ob sie erreichbar sind, oder nicht. Von Bedeutung ist hier der Einsatz, den wir erbringen, uns diesem Vorbild zu nähern. Und der ist erheblich.

Barbie ist ein Vorbild. Von ihren Proportionen her übertragen auf den Menschen nicht überlebensfähig, streben dennoch eine nicht unbeträchtliche Zahl von Frauen und Mädchen nach einer ähnlichen Figur. Doch nicht nur Barbie gilt als Vorbild, Schauspieler(innen), Models, Stars und Sternchen werden bei Schönheitschirurgen weltweit genannt: „So will ich aussehen!“ Vor Jahren noch Brad Pitt, Nicole Kidman, Pamela Andersson und George Clooney sind es heute Cara Delevingne, Beyoncé Knowles, Ryan Reynolds und – immer noch Brad Pitt!

Was treibt uns an so sein zu wollen, wie unsere Vorbilder, auszusehen wie Kate Middelton oder Clive Owen? Und wenn es auch nur ein bisschen so ist. Ist es der Wert von Erfolg, Anerkennung und Reichtum, wonach wir ein Leben lang streben? Glauben wir ernsthaft daran, mit den entsprechenden äußeren Werten würden unsere inneren Werte adäquat wachsen?

Schönheitschirurgen bejahen dies gerne, wie ich nachlesen konnte. Menschen sind demnach überzeugter von sich, nachdem sie ihr Äußeres an eine Vorstellung von allgemein anerkannter Attraktivität angleichen ließen. Und Menschen mit gesteigertem Selbstbewusstsein erfahren durch diese Selbstsicherheit intuitiv mehr Achtung. So funktioniert unsere Gesellschaft tatsächlich? Ist es also tatsächlich so, dass durch gesteigerte Attraktivität der Mensch mehr wert ist?

Mitnichten. Wie ich schon in diversen Beiträgen beschrieben habe, konnten Wissenschaftler nachweisen, dass attraktive Menschen beständig bedeutende Vorschusslorbeeren aufgrund ihres Äußeres erhalten. Das ist tatsächlich schon nach der Geburt so, geht im Kindergarten weiter, auch die Schule bildet da keine Ausnahme, ganz im Gegenteil, erst recht nicht im Berufsleben, denn dieser Hauptabschnitt unseres Lebens nimmt den größten Zeitraum unseres Lebens ein und darin verfestigt sich unsere Idee vom Sinn des Lebens.

Doch in Bereichen, in denen es nicht vordergründig auf das Äußere ankommt, wird zumeist schnell deutlich, wie weit es mit der Ableitung von „Schön=Gut“ her ist. Praktisch im prozentual größten Teil unserer gesellschaftlichen Verknüpfungen relativiert sich Aussehen sehr schnell, auch wenn das von jenem kleineren Teil gerne verschwiegen wird. Und darin liegt die Krux.

Dieser eigentlich kleine Teil unserer eigenen Gesellschaft in Form der Medien und Werbung, der bildgestaltenden Bereiche, bläht sich durch unseren zeitlich und Lebensresourcen auffressenden, uferlosen Konsum dieser Medien
in einer Art und Weise auf, dass wir als höchst anfälliges Wesen für optische Reize uns diesem kaum entziehen können. Dadurch scheint diesem eine nie dagewesene (Über-) Macht auf unsere Vorstellung von Schönheit eingeräumt zu sein, deren wir uns nur schwer widersetzen können.

Daher ist es an uns, dieses alltäglich zu entlarven, diesen Hype in die Schranken zu weisen, indem der Fokus nach und nach wieder auf die tatsächlich wichtigen Werte im Leben des Menschen gerichtet werden kann. Selbst wenn man glaubt auf der Spielwiese der Eitelkeiten sei Hopfen und Malz verloren, bei uns Erwachsenen, so liegt es an uns die Wertevermittlung an unsere Kinder und Jugendlichen zu überdenken.

Um welche Werte es geht, weiß bestimmt jeder denkende und insbesondere fühlende Mensch selbst am besten. Ob es das Aussehen bei einem von der Natur aus sich ständig veränderndem Wesen „Mensch“ – einem tatsächlich alterndem Wesen- sein kann, das nur in der Jugend als schön gilt und in dieser Phase des Lebens dies kaum zu schätzen weiß, sollte vielleicht neu überdacht werden.

Die gekaufte Schönheit (161)

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Kann man sich Schönheit kaufen?  Ja! Kauft man sich damit gleichzeitig Erfolg, Ansehen und Glück? Nein!  Warum?

Die Praxis eines Schönheitschirurgen: Ein Mann kommt herein, möchte eine Veränderung in seinem Gesicht machen lassen. Der Arzt fragt nach den Gründen. Der Mann zählt Gründe auf, die dem Arzt sehr geläufig sind. Jedermann kennt diese Begründungen.

Denkt man darüber nach, stellt sich jeder sogleich die eigenen Intentionen im Geiste zurecht: Ich würde es gerne machen lassen, weil … ! Wenn Schönheitsoperationen nicht verhältnismäßig hohe Kosten verursachen würde, so wären es mehr Menschen, die sich diesem Prozedre unterziehen würden. Doch zu den Gründen: Sämtliche Beweggründe für eine Veränderung im Erscheinungsbild eines Menschen führen folgerichtig auf ein klar definiertes Ziel hinaus. Der Mensch möchte eine Veränderung in seiner Wahrnehmung durch andere Menschen erreichen. Hier kommt bei Ärzten oft der Einwand des Patienten, dass er es sich hauptsächlich für sich selbst wünscht, für sein eigenes Bewusstsein, sein eigenes Selbstvertrauen.

Vordergründig gilt diese Aussage, doch im weiteren Schritt entlarvt sich diese Aussage: Nachdem ein Mensch etwas hat verändern lassen, fühlt er sich besser, sicherer, selbstsicherer. Sein Auftreten anderen Menschen gegenüber wird nach der optischen Manipulation ein vermeintlich Sichereres sein. Damit verändert sich scheinbar tatsächlich seine Erscheinung.

Diese „neue“ Wahrnehmung beruht vornehmlich auf der Veränderung der charakterlichen Wahrnehmung. Die entscheidende Frage hier lautet: Würde die gleiche Wirkung erzielt werden, wenn dem Menschen vermittelt worden wäre, er wäre so vollständig, wie er -ohne die Manipulationen- ist? Würde er sich auch dann nicht selbstsicherer darstellen, wenn er der festen Überzeugung wäre, er ist so wie er ist, in der Gemeinschaft vollwertig?

Erneut zu den Gründen: Der Mensch hat einen Grund für sein Handeln. Der Grund beruht auf einer Ursache. Die Ursache entsteht aus der Wahrnehmung einer Diskrepanz innerhalb der Gemeinschaft, in der sie eine Bedeutung von -frei festgelegtem- Wert besitzt. Zum Beispiel: Eine Manipulation der schmalen Lippe ist eine häufig durchgeführte Operation für den Schönheitschirurgen. Der Mensch, der sich die Lippe aufspritzen lässt hat im Vorfeld am einem bestimmten Zeitpunkt erfahren, dass schmale Lippen einen weniger großen Marktwert besitzen, als dies vollere Lippen haben. Davon ausgehend, dass ein Bestreben zu maximalem Marktwert in der -zumindest- westlichen Gesellschaft ein ständiges Bestreben darstellt, folgt der Mensch diesem und lässt sich die Lippen richten. Damit verspricht er sich eine Verbesserung seiner Position im Wettlauf um die Preise der Gesellschaft.

Wie lauten diese: Erfolg, Ansehen, Macht, Glück, … und den Schritt zurück zum biologisch-genetischen Fundament: Bei der Arterhaltung kann er mit volleren Lippen seine Gene besser erhalten, als mit schmaleren. Doch genau dazu habe ich in vorherigen Artikeln weitere Erkenntnisse verfasst. Zur eingangs gestellten Frage, ob Erfolg käuflich ist, bin ich meine Begründung schuldig, warum dies nicht so ist. Anhand des o.g. Beispiels argumentiere ich wie folgt: Trotz der volleren Lippen bleibt der Mensch im Charakter identisch, denn die optische Manipulation der volleren Lippen unterstützt ihn vielleicht beim ersten Kontakt in der Gesellschaft, da er NICHT durch schmale Lippen auffällig ist. Alles weitere ergibt sich zunehmend nur noch durch seine Worte und viel mehr noch durch seine Taten. Und die ändern sich nicht durch vollere Lippen, größere Busen, knackigerer Po oder kleinerer Nase. DEFINITIV. Meine ich!

Michelangelo, oder Ziele der Schönheit (160)

mies-vandenbergh-fotografie

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Der Hintern Gottes
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(Gemälde von Michelangelo Buonarroti in der Sixtinischen Kapelle)

Welchen anderen Sinn und Zweck hat ein schöner Schein als zu scheinen? Welchen Sinn und Zweck hat ein schöner Schein als eine Wirkung zu erzielen? Auf wen aber soll sie wirken und warum wirkt er in seiner Weise?

Schönheit beim Menschen, ein schönes Gesicht, ein schöner Körper – Ausstrahlung wäre wirkungslos, wenn nicht ein Adressat existieren würde. Schönheit ist eine Ursache. Schönheit existiert in unserem Dasein. Schönheit erzielt eine Wirkung. Menschen erkennen Schönheit, und sie fühlen sich intuitiv zu ihr hingezogen, in den meisten Fällen jedenfalls.

Alleiniger Adressat der Schönheit ist der Mensch selbst. Frisst nicht ein Löwe einen schönen Menschen genauso gerne, wie einen hässlichen Menschen. Freut sich ein Hund nicht über eine Delikatesse, gleich ob sie von einem furchigen Narbengesicht überreicht wird oder von einer zarten, bildhübschen Prinzessin.

Die Schönheit setzt im Menschen bestimmte Hormone frei, Emotionen (Reizreaktionen) in uns sind die Folge, die oftmals Reaktionen zur Folge haben. Beispielsweise lächeln wir bei einem schönen Kinde viel ehr, als bei einem wenigen schönen Kind, so haben es Wissenschaftler festgestellt. Andere Wissenschaftler sehen in der Wirkungsweise neurophysiologische Reaktionen. Komplexe Verhaltensmuster entwickelten sich in unterschiedlichen Kulturen.

Erkannte menschliche Schönheit besitzt einen großen Anteil an evolutionärem und sozial entwickeltem Potential. Wir als westlich orientierte Menschen würden geografisch oder ethnisch entstandene Formen der Schönheiten nicht als solche bezeichnen, würden nicht die Reaktionen erfahren, die wir bei Schönheiten unseres Wirkungskreises erfahren. Ob es nun der Fettsteiß mancher afrikanischer Völker ist oder die Tellerlippen der Äthiopier, sie erzeugen in uns nicht die Reaktionen eines bildhübschen jungen Kindes wie Ronja Räubertochter Hanna Zetterberg.

Wissenschaftliche Versuche, bei denen in Gesichtern von Probanden Sensoren angebracht wurden, um Muskelkontraktionen aufzuzeichnen, die nach der Ansicht bestimmter Bilder erfolgten, bewiesen dieses Zusammenspiel von Emotionen und körperlichen Reaktionen. Nur die wenigsten davon nehmen wir deutlich wahr, (Angst-die Haare stellen sich auf, Liebe-Schmetterlinge im Bauch) die Mehrzahl passiert völlig unbewusst.

So hat Schönheit den Zweck, Reaktionen zu erzeugen, Schönheit ist zielgerichtet, und wir alle versuchen tagein, tagaus den Wert dieser Schönheit zu erhalten, zu steigern oder erzeugen. Wir wissen, unabhängig von ethnischer Zugehörigkeit und über die Jahrhunderte hinweg, dass gesteigerte Attraktivität uns bei der Erreichung unserer Lebensziele dienlich ist, und wir im Gegensatz bei ihrem Mangel dieses durch differente Investitionen ausgleichen müssen.

Können wir uns wehren gegen diese Automatismen? Neurowissenschaftliche Forschungen verneinen diese Frage eindeutig. Doch im zweiten Schritt haben die Menschen Handlungsspielraum. Nachdem die evolutionär-soziale Sensorik auf die Schönheit mit körperlichen Reaktionen antwortete, liegt es an uns, diese in unserem Bewusstsein als das zu erkennen, was sie tatsächlich ist. Schöner Schein, der vorerst nur den Sinn des schönen Scheins besitzt, sonst nichts.