Die gekaufte Schönheit (161)

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Kann man sich Schönheit kaufen?  Ja! Kauft man sich damit gleichzeitig Erfolg, Ansehen und Glück? Nein!  Warum?

Die Praxis eines Schönheitschirurgen: Ein Mann kommt herein, möchte eine Veränderung in seinem Gesicht machen lassen. Der Arzt fragt nach den Gründen. Der Mann zählt Gründe auf, die dem Arzt sehr geläufig sind. Jedermann kennt diese Begründungen.

Denkt man darüber nach, stellt sich jeder sogleich die eigenen Intentionen im Geiste zurecht: Ich würde es gerne machen lassen, weil … ! Wenn Schönheitsoperationen nicht verhältnismäßig hohe Kosten verursachen würde, so wären es mehr Menschen, die sich diesem Prozedre unterziehen würden. Doch zu den Gründen: Sämtliche Beweggründe für eine Veränderung im Erscheinungsbild eines Menschen führen folgerichtig auf ein klar definiertes Ziel hinaus. Der Mensch möchte eine Veränderung in seiner Wahrnehmung durch andere Menschen erreichen. Hier kommt bei Ärzten oft der Einwand des Patienten, dass er es sich hauptsächlich für sich selbst wünscht, für sein eigenes Bewusstsein, sein eigenes Selbstvertrauen.

Vordergründig gilt diese Aussage, doch im weiteren Schritt entlarvt sich diese Aussage: Nachdem ein Mensch etwas hat verändern lassen, fühlt er sich besser, sicherer, selbstsicherer. Sein Auftreten anderen Menschen gegenüber wird nach der optischen Manipulation ein vermeintlich Sichereres sein. Damit verändert sich scheinbar tatsächlich seine Erscheinung.

Diese „neue“ Wahrnehmung beruht vornehmlich auf der Veränderung der charakterlichen Wahrnehmung. Die entscheidende Frage hier lautet: Würde die gleiche Wirkung erzielt werden, wenn dem Menschen vermittelt worden wäre, er wäre so vollständig, wie er -ohne die Manipulationen- ist? Würde er sich auch dann nicht selbstsicherer darstellen, wenn er der festen Überzeugung wäre, er ist so wie er ist, in der Gemeinschaft vollwertig?

Erneut zu den Gründen: Der Mensch hat einen Grund für sein Handeln. Der Grund beruht auf einer Ursache. Die Ursache entsteht aus der Wahrnehmung einer Diskrepanz innerhalb der Gemeinschaft, in der sie eine Bedeutung von -frei festgelegtem- Wert besitzt. Zum Beispiel: Eine Manipulation der schmalen Lippe ist eine häufig durchgeführte Operation für den Schönheitschirurgen. Der Mensch, der sich die Lippe aufspritzen lässt hat im Vorfeld am einem bestimmten Zeitpunkt erfahren, dass schmale Lippen einen weniger großen Marktwert besitzen, als dies vollere Lippen haben. Davon ausgehend, dass ein Bestreben zu maximalem Marktwert in der -zumindest- westlichen Gesellschaft ein ständiges Bestreben darstellt, folgt der Mensch diesem und lässt sich die Lippen richten. Damit verspricht er sich eine Verbesserung seiner Position im Wettlauf um die Preise der Gesellschaft.

Wie lauten diese: Erfolg, Ansehen, Macht, Glück, … und den Schritt zurück zum biologisch-genetischen Fundament: Bei der Arterhaltung kann er mit volleren Lippen seine Gene besser erhalten, als mit schmaleren. Doch genau dazu habe ich in vorherigen Artikeln weitere Erkenntnisse verfasst. Zur eingangs gestellten Frage, ob Erfolg käuflich ist, bin ich meine Begründung schuldig, warum dies nicht so ist. Anhand des o.g. Beispiels argumentiere ich wie folgt: Trotz der volleren Lippen bleibt der Mensch im Charakter identisch, denn die optische Manipulation der volleren Lippen unterstützt ihn vielleicht beim ersten Kontakt in der Gesellschaft, da er NICHT durch schmale Lippen auffällig ist. Alles weitere ergibt sich zunehmend nur noch durch seine Worte und viel mehr noch durch seine Taten. Und die ändern sich nicht durch vollere Lippen, größere Busen, knackigerer Po oder kleinerer Nase. DEFINITIV. Meine ich!

Schönheit liegt NICHT im Auge des Betrachters, Teil 3 (95)

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Im 3. Teil möchte ich der Frage nachgehen, in wie weit wir Abweichungen vom Schönheitsideal mit anderen Vorzügen ausgleichen können, wenn man danach überhaupt fragen möchte. Versuche ich es mal. Vom Aussehen des Durchschnittsmenschen sind die Mehrheit der Menschen mehr oder weniger weit entfernt. Dabei kann die Abweichung in die eine sowie die andere Richtung der Attraktivitätsskala ausschlagen.

Für die erste Begegnung mit einem anderen Menschen zählt fast nur unser Aussehen. Dazu gehört noch unsere Mimik und Gestik. Liegt dabei nicht etwa ein grober Makel vor, aus einer Krankheit oder einem genetischen Defekt, einer Essstörung oder einem Unfall, so haben wir alle Chancen, den Menschen vorbehaltlos kennen zu lernen. Es kommt dann auf unser Wesen, auf unseren Charakter und unsere Ausstrahlung an.

Weichen unsere äußere Erscheinung, unser Aussehen in den Proportionen, unsere Größe und unsere Haltung jedoch in erkennbarer Weise von einem durchschnittlich attraktiven Menschen ab, so verlieren wir einen Bonus, der dem schönen Menschen im Voraus stets gewährt wird, wie viele Studien es belegen.

Um einen anderen Menschen näher kennen zu lernen, bedarf es dann einer besonderen Situation. Davon gibt es unzählige, doch diese zu beschreiben würde den Beitrag überfrachten. Gibt es ihn, d.h. gerate ich in solch einer Situation an einen fremden und gleichzeitig interessanten Menschen, scheint mein Aussehen dann nur sekundär zu sein? Oberflächlich neigt der ein oder andere diese Frage schnell zu bejahen. Doch ich möchte das hier explizit in Frage stellen. Da ich an dem Punkt zumindest über den Status der optischen Einschätzung hinaus zu sein scheine, so spielen in diesem Moment Dinge wie etwa die Stimme, unsere Wortwahl, unser Wissen, unsere innere Ruhe, unsere innere Wärme eine richtungsweisende Rolle.

Doch der Moment wird unweigerlich kommen, an dem wir angeschaut werden. Spätestens dann kommen die unvermeidbaren Einschätzungen des Anderen, immer und sicher. Und an genau diesem Punkt wird die eingangs gestellte Frage beantwortet, nämlich: Können meine Charaktereigenschaften meine optischen Defizite – die ich willkürlich unterstellt wissen möchte – ausgleichen?

Das wird im Einzelfall durchweg individuell entschieden, doch in der theoretischen allgemeinen Betrachtung unter Berücksichtigung von differenzierten Forschungsergebnissen verhindert ein optischer Mangel häufig eine weitergehende, vertiefende Beziehung, häufiger als ein entsprechend wertiger Charaktermangel. Eine Folge vom optisch geleiteten Wesen Mensch?

Ich möchte hinzufügen, dass es dabei natürlich wesentlich auf die Intention der Begegnung ankommt, sowie auf die emotionale Reife der Beteiligten. Ich gehe in meiner Betrachtung grundsätzlich von einem informellen Kennenlernen aus. (Interessant finde ich dabei unsere versteckten Antriebe und wie sie in uns wirken.)

Die eingangs gestellte Frage ist damit rudimentär, es ist für mich schwer abzuleiten, ob aus der Summe der Einzelfälle eine These entwickelt werden kann, welche einer statistischen Auswertung stand halten könnte. Ich nehme für meine Einschätzung die Erfahrungen meiner befragten Freunde und Bekannten, damit sind meine Ergebnisse nicht repräsentativ, nur tendenziell.

Ich komme durch die Befragungen also zur Tendenz, dass bestimmte, deutliche Defizite nur sehr schwer ausgeglichen werden können. Besonders interessant erscheint mir dabei die Tatsache, dass auch weniger deutliche Defizite durch unterschwellig wirkende Mechanismen in uns als Betrachter zu Dissonanzen führen können, die sogar letztendlich in der Lage sind, eine Beziehung zu verhindern. Diese Mechanismen zu ergründen wäre noch eine spannende Aufgabe.

Und dennoch. Die Realität schreibt häufig eine andere Geschichte. Da sich unser Aussehen wie auch unser Charakter im Laufe unseres Lebens kontinuierlich verändern und entwickeln, finden sich fast immer Menschen, die diese Entwicklung reflektieren und uns, den anderen Menschen, als Einheit verstehen und auch in dieser Weise auf ihn eingehen können. Notwendig dafür ist nur die Zeit. An ihr, so ist zu hoffen, sollte es uns nicht mangeln, d.h. wir sollten sie uns nehmen!