Bilder junger Menschen (123)

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Eine neue Idee oder eine altbekannte Diskussion? In der Wochenzeitung „Die Zeit“ vom 05.12.2013 wurde ein interessanter Artikel mit der Überschrift „Die Bilder des Begehrens“ vom Autor Hanno Rauterberg veröffentlicht, der einen Fund von Polaroid-Bildern des berühmten Malers Balthus (eigentl. Balthasar Klossowski de Rola) zum Anlass nimmt, um die Frage nach der Zulässigkeit von Bildern junger Menschen in der Kunst zu erörtern, Stichwort „Pädophiliedebatte“.

Der Maler hatte angesichts seines hohen Alters auf die Skizzierung besonders eines seiner Modelle, Anna Wahli, verzichtet und stattdessen Polaroid-Fotos angefertigt. Derer wurden es mehr als 2400, was den Autor die Frage aufgreifen lässt, ob es sich angesichts der Menge der Fotos tatsächlich um skizzenhafte Vorarbeiten handelt oder um klassischen Voyeurismus. Abgesehen von dieser Debatte, die in der Kunstszene wieder mal auf die Tagesordnung geraten zu sein scheint, werden Teile dieser Sammlung sowohl durch die Galerie Gagosian für 20.000.- Dollar pro Stück verkauft, als auch ein Teil der Sammlung im Frühjahr 2014 im Essener Folkwang-Museum ausgestellt werden.

Im weiteren Verlauf des Artikels zählt der Autor weitere Künstler auf, die ihrerseits bei näherer Betrachtung in die Reichweite der Debatte um die Pädophilie gelangen könnten. Beispielsweise Lewis Carrol wird genannt, der junge Mädchen mit der Kamera abgelichtet haben soll, wodurch „Alice im Wunderland“ in ein etwas anderes Licht gerückt werden könne. Sittenwächter aller Länder und Coleur haben sich wieder einmal aufgemacht, Kunst zu durchleuchten, um sie anschließend in der Gesellschaft einer Diskussion zu unterziehen, oder sie stellen gleich die Forderung, diese Bilder wegzuschließen.

Im letzten Teil des Artikels wagt der Autor eine vorsichtige Bewertung dieser Debatte, in der er vor der Kriminalisierung jeglicher Kunst mit nach heutigem Verständnis pädophil anrüchiger Kunstwerke warnt. Zugleich stellt er jedoch die Legitimität der Veröffentlichung von derlei Bildmaterial zumindest in Frage. Ein leichtes Hin und Her in seinem Artikel über das Recht und die moralisch-ethische Verantwortung bei der Publikation der Balthus-Polaroids weist auf die Schwierigkeiten bei dieser Bewertung hin, zumal in dieser Wochenzeitung. Zum Schluss des Artikels gibt der Autor dem Leser noch eine Aufgabe mit auf den Weg. Die Frage nach der Veröffentlichung der Polaroids legt er in die Hände, in die Gedanken und Meinung der Betrachter von Kunst. Ob diese Ausstellung im Museum Folkwang ein Erfolg wird, das wird einzig und allein von Besucher abhängen. Ob es einen Wunsch nach Profit durch Voyeurismus beim Verleger des Kataloges zur Ausstellung gibt kann dahin gestellt werden, denn der Besucher oder der Fernbleibende werden es belegen.

Was kann ich als Fazit aus diesem Artikel für das Thema dieses Blogs herausstellen? Der Bezug ist auf der Ebene der Bilder klar erkennbar; meine Fotografien würden, einer breiten Öffentlichkeit dargeboten, sicher zu einer ähnlichen Debatte führen können, wie die um die Fotos von David Hamilton entstand, wenngleich ich mich nicht in die Nähe dieses Künstlers rücken kann und möchte. Wenn ich bei Wikipedia den Begriff des Voyeurs nach schlage, so hat ein Autor u.a. folgenden Abschnitt verfasst:

„Seit der Einführung der Digitalkameras nimmt die Straßen-Voyeur-Fotografie einen wesentlichen Stellenwert ein. Fast ausschließliches Motiv dabei sind Rückansichten (mit Ausnahme des Cameltoe) von jungen Frauen und Mädchen in bevorzugt engen Hosen (Jeans, Leder, Leggins) oder es wird unter den Rock fotografiert. Die Opfer werden in Fußgängerzonen, am Strand, beim Shoppen oder öffentlichen Veranstaltungen ohne ihr Wissen abgelichtet oder gefilmt. Der Voyeur legt dabei meist keinen gesteigerten Wert auf Gesichtsaufnahmen bzw. vermeidet diese absichtlich, um sein moralisches Schuldbewusstsein zu unterdrücken.“

Schon dieser Ausschnitt zeigt deutlich, welche Betrachtungsweise und Meinung in der Debatte um das Motiv „Schönheit“ in der „Kunst“ eingenommen werden kann. Der Autor oder die Autorin dieser Worte schreibt von moralischem Schuldbewusstsein und von Opfern. Diese Art der Straßenfotografie wird damit eindeutig in einen voyeuristischen, vielleicht krankhaften, in jedem Falle aber gesetzlich-moralisch zweifelhaften Kontext gestellt. Dabei werden die Grenzen zwischen „normalem Schauen und genauen Hinsehen“ moralisch bewertet, zumal der Begriff Voyeurismus durch unsere Sittenwächter eindeutig negativ belegt ist. Auch meine Bilder passen teilweise in die oben genannten Beispiele von Rückansichten. Teilweise, weil ich eine Vielzahl der Fotos erfragt habe und ebenso Profilansichten und Frontalfotofrafien anfertige. Die Frage aber, die ich daran anschließen möchte, ist die gleiche, die ich bereits in meinem Artikel „Moralia“ stellte: Ich fotografiere, was ich sehe, was mir gezeigt wird, was ich schön finde, was etwas natürliches ist und auch die Masse der Menschheit gerne betrachtet.

Fast alle Menschen sehen Menschen gerne an, ob im Gesamten oder auch einzelne Körperpartien. Und die Frage? Wie wollen wir in unserer Gesellschaft leben, welche Übereinkünfte und Grundlagen wollen wir treffen und schaffen, die den Umgang mit unserem ureigensten Verlangen bestimmen, dem Wunsch nach Erhaltung der Art, in all seinen Teilbereichen, wozu auch der Wunsch nach der Schönheit der Menschen gehört, und dies nicht nur beim Gegenüber, sondern auch bei sich selbst. Stellen wir es, wie in o.g. Abschnitt als „Straßen-Voyeur-Fotografie“ unnatürlich dar, wo es Täter und Opfer gibt, oder können wir es als Abbildung von schönen Körpern sehen, die gerne betrachtet werden? Und wenn ja, wo ist die Grenze zu ziehen? Gibt es eine Grenze, und wann ist sie überschritten. Haben wir eine gesunde Urteilskraft, wenn es um die Bewertung eines Fotos von einem schönen Mund mit wunderschönen Lippen geht, oder einer Nahaufnahme einer Vagina mit wunderschönen Schamlippen, oder um die Großaufnahme eines erigierten, rasierten Penis? Manche Körperteile sind mit Tabus belegt worden, scheinbar willkürlich, doch im allgemeinen Verständnis verankert. Wo ziehen wir die Grenze? Beim entblößten Busen einer 87-jährigen oder bei einer Polaroidaufnahme eines „Busens“ einer 12-jährigen? Wo überschreiten wir eine fiktive Grenze, wenn wir jemanden fragen oder bezahlen für ein Foto seines Hinterns oder wenn wir es einfach so auf offener Straße ungefragt machen?

Beantworten diese Fragen auch die Betrachter, die auch bekannt sind unter den Bezeichnungen Gaffer-in, Voyeur-in, Spanner-in, Frauennachgucker, Gast im Cafe mit der attraktiven Bedienung, Besucher-in der Show der Chippendales, Besucher-in von Striptease-Bars, Fans der Sendungen wie Dark Angel (Jessica Alba) oder Knightrider (David Hasselhof), Besucher-innen von Konzerten des Justin Biber, Ballettbesucher, und und und ?

Die Besucher einer Ausstellung oder die Besucher von entsprechenden Seiten im Netz, deren Besucherzahlen die eindeutigste Sprache der Welt sprechen: 0=ja, 1=nein. KLICK!

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Verfall der Schönheiten, Teil 2 (113)

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In diesem Artikel schreibe ich über die körperlichen Veränderungen bei uns Menschen, und wie wir gedenken damit umgehen zu müssen.

Was wäre unser Leben ohne Vergänglichkeit? Dafür, dass etwas Neues entstehen kann, muss etwas Altes vergehen.

Wäre die Vergänglichkeit nicht, so wären wir noch was?: befruchtete Eizelle? – nein, diese vergeht und wird zum Fötus. Baby? – nein, wir werden zum Kind. Jugendlicher? – nein, wir werden zum jungen Erwachsenen. Erwachsener? – nein, wir werden zum älteren Menschen. Greis? – nein, wir werden sterben.

Somit vergehen wir -wie unser Aussehen vergeht und entsteht- mehrere Male im Leben. Unser Dasein als Baby vergeht. Wir sind irgendwann nicht mehr Baby, sondern Kind. Genau so, wie sich unser Menschsein immerfort entwickelt, so unterliegt unser Aussehen einer immerwährenden Entwicklung. Was wäre, wenn wir auf einer beliebigen Stufe der Entwicklung stehen blieben? Der Traum vieler Menschen, ja ganzer Völker, ist der Stillstand des Alterns. Dieser aber bitte nicht auf der Stufe des Kleinkindes.

Unser Leben, unsere körperliche Verfassung, unser Aussehen verläuft üblicherweise in der Form einer Parabel. So empfinden und erkennen wir es auch. Ursächlich dient das Aussehen unter den Menschen, wie bei vielen Tieren, als Katalysator zur Durchführung von Aktionen, welche zur Erhaltung der Art dienen. Damit ist gemeint, dass die größte Attraktivität genau in der Zeitspanne von uns Menschen empfunden wird, in der wir die höchste Fertilität besitzen. Diese biologische Kausalität wird durch mannigfaltige, geistige, oft unbewusste Mechanismen unterstützt.

Die Menschen sind im Allgemeinen daran interessiert, diese Zeitspanne der größtmöglichen Attraktivität so lange, wie nur irgend möglich zu erhalten. Die große Mehrzahl der Frauen unternehmen größtmögliche Anstrengungen, um ihrem Aussehen möglichst lang ein jugendliches Antlitz zu erhalten. Unzählige Mittel sollen z.B. den Alterungsprozess der Haut verzögern. Begonnen bei ganzen Regalen voller Cremes über Peelingbehandlungen bishin zu Botoxspritzen ins Gesicht. Und die Männer sind auf der gleichen Fährte, wenn auch bei weitem nicht so fortgeschritten.

Der Grad dieser Eingriffe in den Zyklus der Alterung wird in erster Linie nicht vom Individuum selbst bestimmt. Hier ist vielmehr der Gruppenzwang von großem Einfluss, der durch den allgemeinen Wertebegriff initiiert wurde. Jugendlich – frisches Aussehen steht in der heutigen Zeit mit an ganz oberster Stelle auf unserer Werteskala. Verbunden mit der immensen Bedeutung des Aussehens überhaupt sind die Menschen tendenziell auf dem Wege hin zu mehr Schein als Sein. Auch, wenn es vermehrt kritische Stimmen dazu gibt, so gehen diese unter in den vielen Auswüchsen in Form von Suchen nach einem next Supermodell oder Superkinde. Fluten von Bildern von schönen und schlanken Menschen (wie meine Bilder hier im Blog) suggerieren uns die Allgegenwart der Schönheit. Vergänglichkeit wird weitestgehend verdrängt.

Dabei hat sie eine enorm wichtige Funktion. Wie eingangs beschrieben ist es für die Zeit unseres Aufenthaltes hier in dieser Welt eine Notwendigkeit zu vergehen. Wenn es bei Faust heißt : „… und das mit Recht, denn alles, was entsteht, ist wert, das es zugrunde geht,…“ so gibt das wieder, wie der wissenschaftliche Zusammenhang gemeint sein könnte: (Hier einen kleinen Ausflug ins Metaphysische) Unsere Seele findet einen Körper auf der Erde. Der Körper bedient sich bestimmter Moleküle, die im Laufe seines Lebens kontinuierlich ausgetauscht werden, bis sie eines Tages wieder in den Elementen verschwunden sein werden. Unter den Gläubigen spricht man von Erde, aus der man entstanden und zu der man wieder wird.

In Verbindung mit unserer Haut würde es nach oben erwähnter Manier bedeuten, dass wir zur Blütezeit unserer Konstitution besonders viel Spannkraft in der Haut haben, die, mittlerweile gut erforscht, durch bestimmte chemische Substanzen wie z.B. Collagen und Elastin erreicht wird. „ Nach und nach nehmen die Kollagenfasern und die elastischen Fasern der Haut ab, was zur Folge hat, dass sie nicht mehr so viel Feuchtigkeit speichern kann und schrumpft. Dieser Prozess lässt die Haut altern. Sie
verliert an Feuchtigkeit und Spannkraft.“ *
Beginnt unser Körper mit dem Abbau dieser Substanzen, so fehlt der Haut mit jedem Jahr etwas mehr dieser jugendlich anmutenden glatten Haut. Abgesehen vom biologischen Signal, dass wir mit dieser Haut das Zeichen setzen, dass wir nicht mehr uneingeschränkt zur Erhaltung unserer Art taugen, so spielt sich das eigentliche Drama nur in der Bedeutung genau dieses Wertes durch unsere Gesellschaft ab. Um es auf den Punkt zu bringen: Der Wert des Menschenalters wird einzig und allein durch unseren Umgang damit manifestiert. Ob nun auf der Werteskala eines jeden einzelnen oder innerhalb seiner Gesellschaft makellose Haut weit über der Weisheit der Menschen rangiert, das mag gerne jeder selbst entdecken.

* http://www.planet-wissen.de/natur_technik/anatomie_mensch/kosmetik/wie_altert_die_haut.jsp

M Ä N N E R – Das am Ende doch schönere Geschlecht (109)

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NEIN, „leider 😉 nicht“, soviel kann ich vorweg nehmen!

Es geht um das Gerücht, dass Männer im fortschreitenden Alter besser aussähen, als die Frauen. Doch was früher durch populäre Studien immer wieder als Fazit herausgestellt wurde, erwies sich seit Studien aus den 1990er Jahren als Irrtum. Es wurde zuvor auf der Erkenntnis begründet, dass Männer im Zuge ihres Alterns weniger schnell an Attraktivität einbüßten, als die Frauen. Dieser Fakt ist zwar durchaus richtig, doch die Betrachtung der gesamten Zahlen und Ergebnisse erklärte den Zusammenhang erstmals umfassend. In den neueren Ratings wurden die Frauen durchgehend von allen Gruppen (beide Geschlechter und über sämtliche Altersgruppen hinweg) stets mit einer höheren Attraktivität bewertet. Wenn man nun die Varianz betrachtet, so führt die viel größere Veränderung durch die eh höhere Attraktivität der Frau im Laufe des Alterns zwangsläufig zu einem stärkeren Abfall der Kurve, während es beim Mann nur deswegen viel moderater geschieht, weil er niemals die Höhe der Attraktivität der Frau erreichen konnte. Erst im sehr viel fortgeschritterem Alter (ab ca. 60 Jahren) kommt es vermehrt zur größeren Attraktivität des Mannes. Dazu folgende Abbildung:

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Die Grafik zeigt (nur beispielhaft) die Entwicklung der Attraktivität im Verlauf des Alters bei Männern und Frauen. Dadurch wird noch einmal deutlich, warum die Attraktivität der Männer langsamer zurück geht, die der Frauen schneller absinkt, aber immer noch auf einem anderen Niveau.

Denkt man jetzt an so bekannte Gesichter wie z.B. Sean Connery oder George Clooney, so mögen sie als Beispiele dafür herhalten, wie sich ein Gesicht eines Mannes zum immer positiveren entwickelt. Doch darf man an dieser Stelle nicht übersehen, dass es sich bei diesen Gesichtern, wie bei den Gesichtern aller in der Öffentlichkeit stehenden Personen, nur um einen kleinsten Bruchteil der Menschen um uns herum handelt. Nicht nur die häufig wiederkehrende Anwesenheit in den Medien verleitet uns zu diesen subjektiven Empfindungen, auch der durch diese hohe Frequenz an Abbildungen in uns erreichte Bekanntheitsgrad (…ja, den kenn‘ ich gut…) suggeriert uns diesen enormen Wertungsfaktor.

Gehen wir jedoch auf die Straße, setzen und in das schöne Bistro in der Altstadt, und beobachten sie vorbei laufenden Menschen einmal, so bietet sich uns doch ein gänzlich anders Bild. Da schlendert Herr X. und Herr Y. an uns vorbei, gefolgt von Herrn Z. Wie gestaltet sich nun da Bild der Herren ab 60? Wie viele George Clooneys schreiten an uns vorüber? Im Gegenzug dazu ist zu fragen, wie viele gut genährte Bäuche stiefeln entlang der Promenade? Wie viele Köpfe mit schütterem Haar sehen uns an? Wie oft schleppt sich ein kleiner, wohlgefütterter Herr neben seiner Gattin entlang der verträumten Gasse? Und nicht doch noch ein edel gekleideter, gut gebauter Herr in den Endfünfzigern?

Ich für mich stelle fest, dass es doch nicht sehr viele Männer sind, die ich zu den letzteren zählen würde. So werden auf der Straße doch die Erhebungen der Attraktivitätsforschung bestätigt. Mehr Liebhaber des allseits beliebten Gerstensafts säumen den Weg, wenn man unterstellen mag, dass der Genuss dieses Gebräus im Umfang des Bauches resultiert.

Da spielt auch die Tatsache keine Rolle, dass die Frauen der gleichen Altersstufe immer noch unzählige Kniffe und Tricks anwenden, um ihrem -dem Alter entsprechenden- Äußeren ein Schnippchen zu schlagen. Den allermeisten Männern ist es nach wie vor vollkommen unbekannt, mit welchen Methoden sich die Frauen seit je her unglaublichen Mühen unterziehen, um ihr Aussehen zum positiven (jüngeren) zu verändern. Im fortschreitendem Alter ändert sich daran nur wenig. Wenn es auch schon mal bei bekannten Persönlichkeiten wie etwa Cher, Darryl Hannah oder Elizabeth Taylor in der Presse bis ins Kleinste seziert wird, so sind das nur die Paradebeispiele, die uns allen (den Männern nur sehr kurzfristig) ins Bewusstsein gerückt werden. Gerade wir Männer finden diese Schönheiten trotz (oder vielleicht sogar wegen) der „kleinen“ Nachbesserungen doch „Supertoll“, oder? Die Attraktivitätsforschung hat es zumindest belegen können! ( Sollte es den Männern peinlich sein?)

Dazu in einem der nächsten Artikel mehr.

So komme ich zum Fazit, dass die Frauen in den letzen Jahrhunderten das schöne Geschlecht waren und heute weiterhin sind! Und, dass sie uns Männer sehr gezielt mit ihrem Äußeren steuern. Die Männer sind zwar im Begriff, sich auf dem Gebiet der Schönheitspflege und Körper-Gestaltung einzufinden, doch dabei stecken noch nicht mal in den Kinderschuhen, meine ich. Bewerten möchte ich diese persönliche Einschätzung an dieser Stelle nicht.

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Verblasste Schönheiten (85)

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Warum streichst Du die Wand in einer anderen Farbe? Warum isst Du nicht jeden Tag die gleiche sehr gesunde Speise? Warum trägst Du nicht jeden Tag die gleichen von Dir so geliebten Klamotten? Warum trinkst Du nicht ausschliesslich Wasser?

   Der Mensch scheint nicht geschaffen für immerzu Gleichartiges, er ist wie ein rastloser Tiger beständig auf der Jagd nach Abwechslung. Monotonie nagt an des Menschen Schöpfungskraft. Das Reisen war schon immer eine Muse der Künstler. Wir Menschen scheinen angewiesen zu sein auf immer neue Impressionen, um in unserem Dasein eine Entwicklung zu entfalten. Was bedeutet das für unser Leben? Sind wir im höchsten Maße anfällig für die superlativen Attribute besser, neueste, aktuellsten, innovativsten, frischesten, chicsten der neuen Dinge. Wie alt muss eine Sache sein, um sie als „nicht mehr zeitgemäß“, „unmodisch“, „nicht mehr auf dem neuesten Stand der Technik“, „unmodern“ oder ähnlich veraltet abzutun? Vielleicht etwas früher, als erwartet? Zu früh? Oder passend?

    Weiter forschend stellt sich die Frage, was dies für unsere emotionale Seite bedeutet? Welchen Einfluss hat diese Mentalität oder genauer gesagt diese innerste Veranlagung auf unseren Umgang mit anderen Personen? Das ist eine sehr interessante Fragestellung.
In der heutigen schnelllebigen Zeit, so meint man, haben schnell aufeinanderfolgende Zyklen der Mode, der Vorlieben oder gar der Gepflogenheiten eine Diktatur des Oberflächlichen geschaffen. So schnell ist etwas „out“, und dabei wird immer wieder mal festgestellt, dass die Beteiligten selbst nicht mehr mitkommen. Im Bereich der zwischenmenschlichen Beziehungen, der von dieser Entwicklung ebenfalls nicht verschont wird, frage ich, was erwirkt dieses Streben nach immer Neuem dort?

   Es ist nun nicht so, dass wir liebgewonnene Menschen flugs austauschen, um dann und wann unser soziales Umfeld zu wechseln. Abgesehen von der Tatsache, dass wir immer wieder neue Menschen kennenlernen, die wir interessant oder eher noch liebenswert schätzen lernen und auf der anderen Seite liebgewonnene Menschen leider aus den Augen verlieren, weil es sich einfach nicht anders ergibt, so findet eine explizite Suche nach immer einem neuen Umfeld nicht statt.

   Aber, auch wenn wir einen Menschen nicht wie Ware oder Dinge austauschen, so untergräbt diese Mentalität doch in bestimmter Weise unsere Integrität und unsere Art der Konfliktlösung. Weglaufen gleich wegschmeissen und ausweichen statt begegnen. Uns Menschen obliegt es, dagegen zu arbeiten, zu überdenken, ob etwas wirklich erneuert werden muss, ob wir wirklich etwas Neueres haben müssen, ob wir das neue „Ding“ insoweit benötigen für die sinnvolle Entwicklung unserer Persönlichkeit und unserer emotionalen und empathischen Intelligenz. Vielleicht erreichen wir durch die vertiefende Beschäftigung mit Vorhandenem eine viel weitreichendere Erfüllung unserer Wünsche und Ideen.

   Anschließend komme ich noch zum Bezug zur Fotografie verbunden mit der Schönheit in allen Dingen. Einen Fotografen platziere ich ganz nahe bei den Jägern und Sammlern. Er ist mit seiner Kamera auf der Jagd nach immer neuen Motiven, auf der Suche nach einem gelungenen Schnappschuss, auf dem Weg zu seiner meisterlichen Arbeit und darüber hinaus. Er sieht das Leben zu einem ganz eigenen Teil in Bildern, die er dokumentiert. Jedes Mal, wenn er oder sie die Fotokamera in die Hand nimmt, ist es die Suche nach etwas Neuem. Nicht die alten Fotografien reichen aus, es gibt noch so viel Ungesehenes dort draußen, für den Fotografen wieauch für die Betrachter. Für den Fotografen ist es auch nicht der Sinn und Zweck, sich mit den bestehenden Fotografien zufrieden zu geben, dass liegt nicht in der Natur der Fotografie. Schließlich fließt das Leben in all seinen Facetten und Nuancen, Bahnen und Pfaden, auch außerhalb dieser Pfade immer weiter, und immer wieder entstehen Momente, die niemals zuvor dagewesen zu sein scheinen.

   Nur mal das Genre der Menschenfotografie betrachtet werden immer wieder Menschen geboren werden, deren Antlitz einen ganz eigenen, besonderen und einzigartigen Blick ergeben werden. So werden auch nach Jahrmillionen immer wieder einzigartige, fraktale Wolkenkonstellationen die Menschen mit Begeisterung in ihren Bann ziehen werden. Alles neu, jeden Tag, jede Sekunde ist das Leben.

   Differenziert ist dabei die Fotografie vom Verhalten des Menschen. Wenn auch, wie oben geschrieben, die Schnelllebigkeit oder Kurzlebigkeit der Dinge um uns herum unser Verhalten maßgeblich beeinflusst, so führt die Fotografie zur wahrlichen Beschreibung unserer Lebensräume. Einzelne Passionen können zwar zu einer Verschiebung der persönlichen Wahrnehmung führen, doch gibt es nachgeschaltet stets den Betrachter der Fotografien, der mit seiner Abwesenheit oder Abwesenheit eine Bewertung und Würdigung der Ergebnisse beisteuert. Hat dabei Erfolg, was gesucht wird, oder Erfolg, was präsentiert wird? Diese Erfahrung hat jeder Fotograf selbst erlebt, der seine Fotografien nicht ausschließlich für sich selbst gefertigt hat.

Spiegelbilder (58)

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  Aufbrechen zum Fotografieren, nicht ein bestimmtes Ziel vor Augen, aber eine Idee. Die Kamera im Gepäck, ein, zwei Wechselobjektive, Ersatzakkus und Speicherkarten. Urbane Gegend, etwas dörflichen Charakter ausstrahlend, Menschen wuseln beschäftigt wirkend über die Gehsteige. Wenige, ordentlich gekleidete Personen stehen an einer Haltestelle, sehen nachdenklich aus, haben scheinbar Zeit, einige unterhalten sich, die Mehrheit tippt wild auf einem kleinen Bildschirm herum. Eine junge Frau eilt hinter einem Kinderwagen her, blickt nervös nach links und rechts, erst spät erkenne ich ein Handy an ihrem Ohr. Ein Dreiergrüppchen Rentner steht an einer Einmündung, eine Dame um die vermutlich 75 Jahre alt lamentiert wild gestikulierend in Richtung der anderen Gesprächsteilnehmer. Sie ist sehr stark geschminkt. Das interessante, mit tiefen Falten durchzogene Gesicht ist deutlich gebräunt.

   In der alten Bäckerei etwas weiter stehen mehrere Menschen schlange. Durch die Scheibe sehe ich eine Frau in Jeans, deren Figur mir gut gefällt. Ich fotografiere drei, vier Bilder in der Totalen, das saubere Glas spiegelt etwas, es stört nicht sehr. Zusehende, neugierige Passanten suchen nach dem scheinbar nicht vorhandenem Motiv, sehen dort hin, zu mir, länger in Richtung des Objektives, geben jedoch ohne Erkenntnis auf und senden mir noch einen fragenden Blick mit Unverständnis vermischt zum Abschied. Die von mir fotografierte Frau kommt mit einer großen Tüte aus der vollen Bäckerei, sieht mich freundlich an, ich lächle freundlich zurück und sie lächelt ebenfalls.

   Ich gehe weiter. Menschen schlendern über die wenig befahrene Straße. Ich erreiche den Bereich der Geschäfte, der Verkehr nimmt etwas zu. Eine junge Handwerkerin in schwarzer Cordhose einen Zollstock in der dafür vorgesehenen schmalen Tasche tragend kommt mir entgegen, ich sehe ihr freundlich offenes Gesicht an und sie sieht meine Kamera an, lächelt mich danach freundlich an, fast ein leichtes Lachen könnte ich beschreiben. Sie schaut sogar an mir vorbeigegangen noch einmal lächelnd zurück. Im Weitergehen denke ich zwei Sekunden nach, drehe mich nochmals herum und sehe sie an einer nahen Haltestelle stehen. Ich gehe daraufhin nochmal zu ihr zurück, spreche sie an, und frage sie freundlich aber offen nach einem Foto. Sie fragt mich nach dem Grund und ich sage ihn ihr. Sie lacht und sagt zu, ich solle nur ihr Gesicht nicht veröffentlichen. Ich gab ihr meine Karte, wenn sie einen Abzug haben wolle, könne sie mich gerne Anrufen. Sie lächelte und ich verabschiedete mich nach drei Bildern ebenfalls mit einem Lächeln.

   Angekommen in einem Straßencafé bestelle ich mir einen doppelten Espresso. Trotz niedriger Temperaturen sind die Tische im Außenbereich dank der Märzensonne nicht mal durch einen kalten Nordwind frei geblieben. Ich setze mich dazu, ein Pärchen freundlicher Endsechziger räumen demonstrativ einen durch ihre Mäntel belegten Sessel. Offen beteilige ich mich nach einer freundlichen Einladung an ihrem Gespräch über Habgier und Geltungssucht. Eine halbe Stunde vergeht wie im Fluge. Irgendwann kommt unser lockeres Gespräch auf das Thema Fotografie verursacht durch meine Kamera. Ich berichtete wahrheitsgemäß von meiner „Art“ Streetfotografie, deutete ungefähr an, was der Sinn des ganzen ist, was ich bis jetzt selber darunter verstehe. So richtig geheuer war es ihnen anfangs nicht. Viele Fragen und noch mehr Antworten später lichtete sich das Dunkel und sie waren von sich aus beim Thema Aussehen angekommen, welches immer sehr viel Gesprächsstoff bietet. Wieder eine halbe Stunde später verabschiedeten sie sich sehr höflich.

   Ich selbst ging noch etwas durch die Stadt, es trug mich an den Fluss und langsam zurück zum Wagen. Auf dem Wege konnte ich noch sieben bis acht Fotos machen, deren Inhalt von einem Pärchen in lauter Diskussion über einen tollen Eingangsbereich bis hin zu zwei sehr schönen Bildern von Hintern in Jeans.

   Diese Frauen konnte ich von einer Bank aus am Flußufer ablichten, als sie mit ihrem Mobiltelefon in einer anderen Welt zu sein schienen. Abgelenkt durch diese entzückende Erscheinung von den Wasserspiegelungen des Flusses sah ich ihnen nach. Eine von ihnen bemerkte mich und meine Kamera nach ihrem Kommunikationsausflug, sah mich an, während ich sie durch den Sucher anblickte. Sie war sich wohl nicht ganz sicher, was ich da zu tun gedachte, blickte erstaunt und angespannt in meine Linse. Ich nahm die Kamera herunter, ohne auszulösen, und lächelte sie einfach an. Sie blicke eine gefühlte Ewigkeit herüber, drehte sich danach herum und verließ das Ufer. So verging ein weiterer Fototag, der eine schöne Pforte und ein Foto einer tollen Figur einer hübschen Frau erbrachte.

Vergänglichkeit der Hintern (51)

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Das Foto eines wohlgeformten Hinterns. Es befindet sich vor mir, ich sehe es an und denke:

Ein schöner Hintern! Ein gelungenes Foto! Im rechten Augenblick hat jemand auf den Auslöser gedrückt, nachdem er das Motiv entdeckt hatte. Die Technik ließ ihn nicht im Stich, das Licht war richtig und die Einstellungen an der Kamera, für die – sie oder er – sich weit vor diesem Augenblick entschied, waren richtig gewählt. Der Fokus hatte das Motiv ebenso korrekt erfasst, wie die Blende genau die richtige Menge Licht durch ließ. Da ist es also, das Bild. Das Bild eines schönen Popos. Der ist also auch da gewesen. Dieser Hintern wurde für das Bild ( und zwar das auf dem Sensor genau so, wie jenes, das in den Köpfen der Betrachterin oder des Betrachters entsteht) in eine ihn gut in Szene setzende Kleidung gesteckt. Er soll schön aussehen, was ja ob des Fotos auch hinlänglich gelungen ist.

Da ist es also, das Bild eines wohlgeformten Hinterns. Und der Hintern selbst – mit einem Rest von Mensch daran. So meint der Hintern. Doch er, der für die Aufnahme so toll hergerichtet, der in eine für den Rest des Menschen besonders unbequeme, weil enge Jeans gezwängt wurde, der sogar vollendet in der Form seiner Pobacken noch den String, wenn überhaupt, darunter trägt, was meint er zu sein, zu sein während des Restes der Stunden, in denen er immer wieder gerne angeschaut wird?

Mehr noch, welche Bedeutung hat er im Verlauf der Zeit, in der Spanne seiner Existenz? Ist der Rest des Körpers noch jung, so ist auch er jung, altert der Rest des Körpers, so macht er was? Schön aussehen, straff bleiben und immer schön knackig und fest? Mitnichten! Auch er kriecht zu Kreuze dem Diktat der Schwerkraft, so, wie der an ihm hängende Rest ebenfalls nicht entkommt. Irgendwann sogar wird er zu Staube und von Form kann wahrlich nicht mehr die Rede sein.

Also wird es kommen, und die Zeit wird ihre Botschaften überbringen, ob wir sie verstehen wollen oder nicht. Die Sache ist entstanden, irgendwann, und demgemäß wird sie vergehen. Was bleibt, das ist die Idee, und nur dann mehr als eine Idee der Schönheit wie jener der Mona Lisa, deren Züge sicher schon vergessen, wäre nicht damals ein Hinseher gewesen, der die Zauberhaftigkeit des Wesens allein für sich dazu brachte, ein Bildnis von ihr zu kreieren. So können wir uns heute noch darüber streiten, ob sie denn Schönheit ausdrückt oder nicht, ihr Bildnis jedenfalls sorgt für mehr als nur Idee, ihr Antlitz sorgt für jeden Menschen in seinem ganz persönlichen Licht, zu sagen, ob wir einstimmen in die Begeisterung des Leonardo.

So ist denn Abbildung ein Zeugnis des Augenblickes. Wie schon nur wenige Wochen später sich die Linien verändern können, das weiß jeder selbst zu bezeugen. Nicht, dass es so ist, beschreibe ich mit Bildern, nur entgegen der Vergänglichkeit ist mir an dem Bild des Augenblicks gelegen, welches ich festhalte als Zeugnis dafür, dass der Abgelichtete wirklich einst so aussah. In der Erbaulichkeit über das Aussehen, welches uns Menschen stets so beeindruckt, zeige ich, bevor sich auflöst in das Meer der Überformen die vollendete Linie.

Mit der definitiv unwichtigen, belanglosen und bedeutungslosen Darstellung von Hintern setze ich ein Zeichen der Schönheit der Gesäße und jeder mag hinsehen, dem es gefällt. Bevor diese ihre Form des Augenblickes für immer verändern – was dem Menschen als solchen nie abträglich ist, weder dem Charakter noch dem Herzen – nur den Augen des Gerneansehers der Gesäße trägt es zu, zu sehen und sich daran zu erfreuen, so wie es immer schon dem Schöngeiste daran gelegen war, Schönes anzusehen. Gleich dabei, ob es die Moleküle zu einem Tier, zu einer Blüte, zu einem Sonnenuntergang oder zu einem Gesicht gebracht haben. Für den Fotografen ist sein Motiv der ultimative Moment der Dokumentation, es abzulichten, bevor es abgetaucht ist in den Blättern des Eisenholzbaumes oder sonstwo hin. Bevor es seine Gestalt verändert soll es abgebildet sein, dem Lauf der Zeit entnommen für das Foto des Augenblickes.

Wie die Vergänglichkeit des Augenblickes wird zwar auch das Bild vergehen, so ist es nur eine kleine Verlängerung dieses Augenblicks, den der Fotograf für sich entdeckt und anderen Besuchern seiner Bilder vorstellen kann. Der Besucher dieser Ausstellung sieht hin, zu dem, was so in dieser Weise nicht alltäglich zu sein scheint und doch ist. Werden Bilder nicht entfremdet durch die unendlichen Möglichkeiten der Bildbearbeitungssoftware, so zeigen sie die Realität, welche vielleicht nur aus einem nicht alltäglichen Blickwinkel betrachtet ist, doch letztendlich nichts anderes, als was schon da ist!